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Die Aepfel.

Von Heinrich Litterer.

Wir waren von Hause arm. Eigentlich nicht ärmer als die andern, aber manchmal spürte man die Armut deutlicher. Im Spätjahr, wenn die Früchte auf den Bäumen reiften, überkam mich mehr als einmal die Sehnsucht nach einem eigenen Baum, zu dem man gehen konnte wie zu einer Quelle, von dem man nehmen konnte, wie man Wasser nimmt. Unter meinen Schulkameraden waren einige, denen war es vergönnt, sich im Spät­jahr als Besitzer aufspielen zu können und sie taten das mit der, Knaben eigenen Unbarmherzigkeit den Nichtbesitzern gegenüber. Weil ich darunter vielleicht noch mehr litt, als an dem Fehlen der Früchte, lag ick meinem Vater viel in den Ohren, nachzusehen, ob sich nicht etwas für uns biete. Und mein Vater, der ein sehr guter Mensch war und mir gern einen Gefallen erwies, wenn er nicht zuviel kostete, begab sich tatsächlich bald darauf zu einer Versteigerung von Gemeindeobstbäumen und ersteigerte drei klei­nere Bäumchen.

Ich ging mit meinem Vater zu den Bäumchen; es enttäuschte mich keineswegs, daß sie auf dem schmalen Grasbord standen, den der von der Straße etwas zurückgesetzte Friedhof übrigließ. Mir machte es bei meiner unbekümmerten Jugend gar nichts aus, daß einige Schritte hinter den Bäum­chen eine dunkle Mauer lag, hinter der Kreuz um Kreuz sich aufrichtete. Ich billigte dem Tod gern sein abgegrenztes Gebiet au und war auf den Bäumchen ganz überzeugt, dem Leben anzugehören, dem starken, gesunden Leben. Denn im Klettern war ich gut ausgebildet, und es war für mich die erste Aufgabe, an den Bäumchen meine Fähigkeit auszuproben.

Da wir im ersten Jahr mit den Bäumchen gute Erfahrungen machten, pachtete mein Vater auch im folgenden Jahr sie wieder. So kam es, daß sie in meinen Augen immer mehr richtiger Besitz wurden. Mein Vater las in meiner Seele, denn er pachtete sie auch dann, wenn nichts an Erträgen zu erwar­ten war: nur um meine Freude an den Bäumchen zu festigen und zu halten. Gewiß waren die Bäum­chen nicht kostspielig, aber der Preis war hier ganz nebensächlich; mein Vater wollte mir Freude schen­ken und schenkte fiel

Vier, fünf Jahre hintereinander waren die Däumchen bereits in unserem Nutzrecht gestanden. Und wenn ich, der ich son/t nicht gerade freigebig war, mal meinen Kameraden pro Mann und Kops

einen Apfel zukommen ließ, so war das im letzten Grunde mehr Prahlsucht als Freigebigkeit, und die Gefühle, die mich dabei beherrschten, bestätigen dies.

Eines Tages kam nun in unsere Schule ein von auswärts zugezogener Junge, der sich, wie wir sofort heraushatten, uns überlegen dünkte, dabei aber nicht unsere Gesellschaft mied, sondern inner­halb dieser zum Führerposten aufstrebte. Er konnte verdammt gut und geringschätzig reden wie ein Alter und da kamen wir nicht mit und mußten uns innerlich als geschlagen bekennen. Wie ich auch meinen Kopf anstrengte, wenn es zur Debatte kam, ich verlor, und stets hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ich hätte wohl mein Ansehen vollständig eingebüßt, wenn wir nicht eines Tages im Krieg­spielen uns auf andere Weise versucht hätten. Der Junge Ernst hieß er hatte die Führung der einen Klassenhälfte übernommen, und die der an­deren übertrug er mir. Ich war wütend, daß er das Ganze von sich aus regierte, wie ich überhaupt ständig gegen ihn aufgebracht war und jede seiner Handlungen beargwöhnte. Damals aber, als ich meine Klassenhälfte befehligte, dünkte mir der Zeit­punkt günstig: wir rannten gegeneinander, zwei wilde Horden, ich, der Führer der meinen, suchte Ernst, den Führer der andern. Ernst hatte bis jetzt nur immer so geredet, als verstände sich körperliche Tüchtigkeit von selbst und weil er nicht schlecht ge­wachsen war und sonst überall triumphierte, glaub­ten wir ihm. Ich ging nicht ohne Angst in dieses Duell, aber meine Wut und Erbitterung waren größer, sie trieben mich vorwärts, sie leiteten mich auf Ernst zu. Der wich nicht aus; auch er strebte nach einem Zusammenstoß, vielleicht weil er in mir den größten Widersacher sah. Wir prallten auseinander, wir rangen, stoßweise und keuchend, wir fielen und sprangen wieder auf. Zuletzt fiel er in meinen Untergriff und da platzte ich ihn gewaltig auf die Erde nieder. Er war geschlagen. Sein Ge­sicht zuckte, als er aufstand und er wischte sich dabei, seinen Kopf abwendend, immer noch an den Klei­dern herum, als diese längst sauber waren.

In unserem Verhältnis trat keine Aenderung ein. Ernst hatte im Ansehen nichts eingebüßt, denn er redete so geschickt und unbekümmert wie zuvor, ich hatte kaum etwas gewonnen. Obwohl ich mich jetzt mehr um meine Kameradschaft bemühte. Ich teilte Aepfel aus von unseren Friedhofsbäumchen, und diese Aepfel waren schön an Farbe, gut im Ge­schmack und ansehnlich von Gestalt. Sie waren bis jetzt immer gern genommen worden. Ernst hatte sich angewöhnt, mich etwas über die Schulter zu behandeln, nicht deutlich, aber soviel, daß ich selbst

es merken mußte. Er schien mich nicht zu beachten und dabei ich hatte es im Gefühl lauert« er jede meiner Bewegungen ab. Unablässig schien er gegen mich zu arbeiten; ich wehrte mich, weil ich den Feinheiten seiner Angriffe nicht gewachsen war, derber: ich schenkte Aepfel und suchte Freundschaf­ten zu kaufen, aber wenn ich bei Gelegenheit Ernst mal rauh anfaßte, ihn körperlich herausforderte, wendete er sich stolz ab.Nee", sagte er,zu sowas gebe ich mich nicht her", und ich fand in den Augen der andern, daß sein Wort nach ihrem Sinn war. Ein gescheites, gelassenes, ein altes Wort. .So sprechen Erwachsene.

Sie merkten nicht, daß er Gift einträufelte, daß er sie umformte. Auch ich war nicht der beste Kamerad, aber viel besser als er. Mit jedem Wort träufelte er Gift ein: nur so kam es, daß eines Tages zwei meiner besten Kameraden die Annahme der Aepfel verweigerten, verlegen und unsicher zwar, inner­lich gehemmt und unfrei, aber sie schüttelten die Köpfe. Ich war verblüfft. In der Pause ging ich nochmals auf sie zu, in jeder Hand einen Äpfel. Da, Fritz", sagte ich,der gehört dir, und der", wandte ich mich dem andern zu,Karl, der ist dein." Aber sie sträubten sich. Und wie sie so standen und nicht wußten, was sie tun sollten, schritt gerabe Ernst vorbei und er schob sich wie ein Keil mit seinen Schultern zwischen mich und sie und sagte, wobei er ein Gelächter einzog: ,Kerle, ihr werdet doch von den verpesteten Friedhofsäpfeln keine essen! Denkt doch: drei Schritte vom Friedhof! Pfui!" Da rollten Fritz und Karl die Aepfel aus der Hand, sie rollten in den Sand und blieben liegen. Wie Köpfe, die man abgeschlagen hat. Ich aber war der Gerichtete. Bunt und schön lagen die süßen Früchte da, sie lockten im Sand, wie sie vor­dem an den Zweigen gelockt hatten, aber mir war, als grinsten sie häßlich, und das Wort Pest durch­sprang mich im tobenden Kreislauf. Ich war weiß. Ich ging nicht mehr in die Schule zurück, weil es mich fortdrängte von der Stätte meiner Niederlage.

Und als ich nach Haufe kam, sagte ich kein Wort, legte mich aufs Bett und weinte. Ich war vollkom­men zerschlagen. Wie ausgestoßen und zurückgelassen kam ich mir vor. In der Ferne entschwanden die Freunde, einer nach dem andern. In dieser Trost­losigkeit tauchte das Gesicht meines Vaters auf. Junge", sagte er,was ist dir denn passiert?" und er strich mir mein struppiges Bubenhaar zurück und hob meinen Kopf. Ich sah in seine tiefen,, verständ­nisvollen Augen. Ganz klein und nichtig wurde da mein Gegenspieler Grnft Ein Schelm, ein Nichts. Vor mir baute sich eine Güte, eine Macht aus, die mich schützte vor aller Gefahr. Da beichtete ich die

Der internationale Gemeindekongreß in Vertin eröffnet.

engste Zusammenwirken mit ihnen und die Heran­ziehung der breitesten Bevölkerungsschichten zur Mit­arbeit ermögliche jene fruchtbare und schöpferische Arbeit, die die Selbstverwaltung seit jeher ausge-

Deutschlands Gruß.

Don Dr. Wilhelm Krick, Reichsminister des Innern.

In diesen Tagen wird die Deutsche Reichs­regierung zahlreiche kommunale Vertre­ter des Auslandes in Berlin und München begrüßen, die mit den Vertretern der Deutschen Selbstverwaltung wichtige, den Gemeinden aller Staaten gemeinsame Fragen besprechen werden. Internationale Kongresse haben die Aufgabe, Er­fahrungen auszutauschen und die Beziehungen der Kulturstaaten untereinander zu festigen. Sie dienen damit dem Fortschritt der menschlichen Entwicklung und dem Frieden der Völker.

Don diesen Gesichtspunkten wird nicht nur der vom 7. bis 13. Juni d. I. in Berlin und München tagende Internationale Gemeind ekon- g r e ß, sondern auch die zur gleichen Zeit in Ber­lin eröffnete AusstellungDie Gemeinde" beherrscht. Die AusstellungDie Deutsche Ge­meinde" wird den ausländischen Vertretern in einer zusammenhängenden Schau Aufbau, Arbeits­weise und Leistung der Deutschen Gemeinde zeigen. Das dort Geschaute werden die Kongreßteilnehmer in zahlreichen Besichtigungen kommunaler Betriebe und Anlagen bei Studienreisen und Städtebesuchen bestätigt finden und damit Einblick in die praktische Arbeit der Deutschen Selbstverwaltung gewinnen.

Während so das Ausland die Bedeutung und die Entwicklungsstufe der deutschen Selbstverwaltung kennenlernt, sollen die deutschen Gemeinden ander­seits durch den Kongreß neue Anregungen zur wei­teren Verbesserung ihrer Verwaltung und ihrer Be­triebe erhalten. In dieser Wechselwirkung liegt die Bedeutung dieser und aller ähnlicher zwischenstaat­licher Veranstaltungen

Die deutschen Gemeinden haben in der Nach­kriegszeit eine schwere Krise durchlebt. Neben der wirtschaftlichen Not und der Erwerbslosigkeit trat besonders in den Gemeinden der Zerfall des parla­mentarischen Systems offen in Erscheinung und zer­störte die Grundlage jeder geordneten Verwaltung.

Als die Regierung Adolf Hitlers im Jahre 1933 die Macht übernahm, standen ungezählte deutsche Städte und Gemeinden in organisatorischer und finan­zieller Hinsicht vor dem Zusammenbruch.

Der nationalsozialistische Staat hat aus diesen Zuständen nicht etwa die Folgerung gezogen, die kommunale Selbstverwaltung zu beseitigen und an ihre Stelle staatliche Organe zu setzen, sondern lediglich die Art der Führung der Ge­meinden geändert. Die Gemeindeverwaltung muß volksnah und vom Willen des Volkes getragen fein, sie muß daher die besten Kräfte des Volkes am Aufbau und an der Verwaltung teilhaben lassen.

Die Deutsche Gemeindeordnung hat in den Ge­meinden an die Stelle von anonymen Beschlüssen der Gemeindeparlamente, für die niemand die Ver­antwortung trug, die klare Führerverantwortlich­keit des Bürgermeisters gesetzt und damit eine der Staatsführung entsprechende einheitliche, rasch ar­beitende und straffe Verwaltung geschaffen. Damit sind die Gemeindebewohner durchaus nicht von der Arbeit in der Gemeindeverwaltung ausgeschlossen, sondern stehen als Gemeinderäte dem Bürgermeister in enger Zusammenarbeit mit Rat und Tat zur Seite. Der Staat übt lediglich die Aufsicht über die Tätigkeit der Gemeinden aus und wirkt im Ein­vernehmen mit der das Volk vertretenden Partei mit bei der Bestellung der Bürgermeister.

So hat die Deutsche Gemeindeordnung in glück­lichster Wiese das Zusammenwirken von Volk und Staat im Umkreis der örtlichen Selbstverwaltung gelöst. Das deutsche Volk hat sich mit dieser Form der Gemeindeverwaltung die ihm gemäße und art­eigene Organisation geschaffen, deren Hedeutende Erfolge schon heute überall sichtbar sind. Es ist weit davon entfernt, anderen Völkern feine Art der Selbstverwaltung aufdrängen zu wollen, aber es ist auch überzeugt, daß die Kongreßteilnehmer im Reiche Adolf Hitlers einen Staat der Ord­nung, ein Volk des Fleißes, voll Friedensliebe und Tatendrang und in feiner Selbstverwaltung ein hohes Gut feiner nationalen und kulturellen Einrichtungen finden werden.

Die Eröffnungssitzung des Kongresses.

Berlin, 8. Juni (DNB.) In der festlich ge­schmückten Krolloper wurde durch den Vorsitzenden des Kongreß-Ehrenausschusses, den Reichs- und Preußischen Minister des Innern, Dr. F r i ck, und den Präsidenten des Internationalen Gemeindever­bandes G. Montagu Harris (Großbritannien), der VI. Internationale Gemeindekongreß feierlich eröffnet. Unter den Ehrengästen und Kongreßteil­nehmern sah man Vertreter der Reichsministerien, der NSDAP., der Reichshauptstadt und des deut­schen kommunalen Lebens sowie die Vorsitzende des Deutschen Gemeindetages. An den Plätzen aller Ta­gungsteilnehmer war eine Siemens-Uebersetzungs- einrichtung angebracht, die es ermöglicht, den Ver­handlungen in nicht weniger als sieben Sprachen zu folgen.

Präsident Harris

begrüßte die Delegierten der 36 am Kongreß teil­nehmenden Staaten. Er betonte, daß sich der Ge­meindeoerband sehr wohl der Tatsache bewußt sei, daß die Idee der Selbstverwaltung in den verschie­denen Ländern einen verschiedenen S i n n habe. Es sei Aufgabe des Verbandes, die tatsäch­lichen gesetzlichen Einrichtungen und deren prakti­sches Funktionieren in den verschiedenen Ländern festzustellen und die Ergebnisse zu vergleichen. Das Ziel des Verbandes fei das wissenschaftliche Stu­dium der Methoden der Lokalverwaltung.

Der Präsident sand Worte höchster Anerkennung für die AusstellungDie deutsche G e - m e i n d e" und gab unter dem lebhaften Beifall der Kongreßteilnehmer der Hoffnung Ausdruck, daß sich aus der Tätigkeit des Verbandes ein gutes in­ternationales Verständnis entwickeln möge, das

dazu beitrage, ein glückliches und friedliches Leben für alle Völker zu erreichen.

Reichsmimster Dr. Frick

führte sodann u. a. aus: Wir haben unseren Ge­meinden ein neues Grundgesetz gegeben, nach dem sich seitdem ihr Wirken und ihre Arbeit richtet. Man hat im Ausland namentlich an dieses Gesetz hier und da die Behauptung geknüpft, wir hätten die Selbstverwaltung der deutschen Gemeinden be­seitigt. Es ist mir ein besonderes Bedürfnis, hier vor Ihnen mich mit innerer Ueberzeugung zu der deutschen gemeindlichen Selbstverwaltung zu beken­nen. Wir haben die Gewißheit, daß wir an die echten Wesensmerkmale der Selbstverwaltung nicht gerührt haben.

Wir haben nicht nur die Eigenverant­wortlichkeit der deutschen Gemeinden in wei­testem Umfange anerkannt, sondern diese Eigenver­antwortlichkeit zugleich eingepatzt in ein Gefüge echter, nämlich persönlicher Eigenverantwor- tung. Wir haben der Bürgerschaft zahlreiche Wir­kungsmöglichkeiten in der Gemeindeverwaltung er­öffnet und die Bedeutung ehrenamtlicher Mitwir­kung in ganz besonderer Weise betont.

Wir haben ein Ausleseverfahren für die Bürger­meister und Beigeordneten unserer Gemeinden ge­funden, in dem d i e örtlichen Kräfte (Partei und Staat) in sinnvoller Weise Zusam­menwirken. Wir haben die Grundlagen für eine Staatsaufsicht gelegt, die sich die Förderung der Gemeinden zum Ziel gesetzt hat.

Der Vorsitzende des Deutschen Gemeindetages

Oberbürgermeister Reichsleiter F i e h l e r

entbot dem Kongreß im Namen der mehr als 50 000 deutschen Gemeinden den Gruß der gesamten deutschen Selbstverwaltung. Er wies dann darauf hin, daß in den letzten Jahren eine gute Zusam­menarbeit zwischen deutschen und ausländischen Stätten stattgefunden habe. Daß die Erkenntnis der Notwendigkeit der Zusammenarbeit gerade in der gegenwärtigen Zeit, in der fast alle Staaten der Erde noch unter schweren Wirtschaftskrisen zu leiden haben, zugenommen habe, dafür sei dieser Kongreß ein eindrucksvolles Zeichen. Es sei der Wunsch des deutschen Gemeindetages, daß die Teil­nehmer die deutsche Selbstverwaltung in ihrer neu­artigen Form kennenlernen und verstehen möchten.

Das Vertrauen und die Treue, die das deutsche Volk mit seinem erwählten Führer verbinden, wirke bis in die kleinste deutsche Gemeindeverwaltung. Don einer Diktatur sei daher bei uns nichts zu finden. Dor allem sei der Führer der Gemeinde, wie ihn die neue Deutsche Gemeindeordnung einge­setzt habe, kein Diktator, vielmehr vertrauens­voll mit seinen Bürgern verbunden, und nur das

zeichnet habe.

Staatskommissar Dr. Lippert hieß den Kon­greß im Namen der Reichshauptstadt willkommen. Zu einem der beiden Hauptthemen des Kongresses, derBekämpfungderArbeitslosigkeit, gab der Staatskommissar dann anschauliche Zahlen aus der Reichshauptstadt, die zSm ersten Male seit 1929 die Zahl der Arbeitslosen auf unter 200 000 herunterdrücken konnte und seit der Machtübernahme fast 500 000 Arbeitslose wieder in Arbeit und Brot gebracht habe. Das sei nur durch das einmütige Zusammenstehen von Reichs-, Staats­und Gemeindebehörden möglich geworden.

Präsident H a r r i e s dankte für den überaus herz- lichen Empfang in Deutschland und dafür, daß man ihnen so bereitwillig auf den fünf großen Studien­fahrten und auch hier in Berlin die Einrichtungen des neuen Deutschlands gezeigt habe. Die Vertreter der ausländischen Delegationen über­brachten sodann die Grüße ihrer Länder und wünsch­ten den Arbeiten des Kongresses recht viel Erfolg.

Oie Gemeinden als Verkehrsunternehmer

Blick auf die Berliner Ausstellung »Oie deutsche Gemeinde^.

Berlin, im Juni.

Fragt man nach dem größtendeutscheu Verkehrsunternehmen, so wird zweifellos und mit Recht die Reichsbahn genannt werden. Sie hat Fin Schienennetz, das länger als der Aequator ist und befördert im Jahr zahlenmäßig alle Be­wohner der Erde: rund anderthalb Mil­liarden Menschen. Neben diesem großen Ver­kehrsmittel gibt es bann noch eine Fülle von Schie­nenbahnen und Straßenfahrzeugen, die sich zum Teil in privater Hand, zum größten Teil aber im Besitz von Stadtverwaltungen, Kreisen und Ge­meinden befinden. Daß man weder den Umfang dieser Derkehrseinrichtungen noch ihre Leistungen unterschätzen darf, erfährt der Besucher der großen Berliner AusstellungDie deutsche Ge­meind e", die bis zum 21. Juni geöffnet bleibt. Gewiß, die Streckenlänge der deutschen Stra­ßenbahnen beträgt nur etwa ein Zehntel von der der Reichsbahn, aber ihre Verkehrsleistung ist doppelt so groß. Fast drei Milliarden Menschen wurden in einem Jahr auf den Straßenbahnen Deutschlands befördert, wofür 25 000 Trieb- und Anhängewagen zur Verfügung standen. Die eine Fülle von statistischem Material bietende Schau der Gemeinden gibt auch Aufschluß darüber, daß von den 183 deutschen Straßenbahnbetrieben nur noch 12 v. H. in privatem Besitz sind, auf alle anderen Betriebe haben die Gemeinden, soweit sie nicht Be­sitzer der Bahnen sind, maßgebenden Einfluß.

Zu den Nahverkehrsmitteln, die den Gemeinden die Möglichkeit geben, den Verkehr innerhalb ihrer Grenzen' zu befriedigen, gehören auch die drei großen Schnellbahnunter­nehmungen Deutschlands: die Berliner Hoch- und Untergrundbahn, die Hamburger Hochbahn und die in der Welt einzig vorhandene Schwebebahn in Wuppertal.

Die Entwicklung des Kraftfahrwe- s e n 5 ist auch auf die gemeindliche Verkehrsgestal­tung nicht ohne Einfluß^ geblieben. Wie der öffent­liche Schienenverkehr in Händen der Reichsbahn liegt, so betreibt die Reichspost den öffentlichen Kraftverkehr über weite Strecken. Ähre jährliche Verkehrsleistung entspricht ungefähr der Einwohnerzahl Deutschlands. Wer wäre nicht er­staunt zu hören, daß die in den Städten und Ge­meinden unterhaltenen Omnibuslinien beinah fünf­mal so viele Fahrgäste zu befördern haben als die Postlmien! Ergänzend sei noch vermerkt, daß auch die Verkehrsleistung der Kleinbahnen mit 8 v. H. des Reichsbahnpersonenverkehrs und mit 19 o. H. des Reichsbahngüterverkehrs beachtliche Lei­stungen zu vollbringen haben! Es gibt kaum einen Arbeitszweig der Gemeinden, der mit den Bewoh­nern der Bezirke in so unmittelbare Berührung

kommt wie das Verkehrswesen. Deshalb sind nicht nur die Verwaltungen bestrebt, das Verkehrsbe­dürfnis zu befriedigen, sondern auch die Benutzer der Verkehrsmittel arbeiten durch Vorschläge und sachliche Kritiken an der Ausgestaltung des Ortsverkehrs mit.

Die Aufgaben, die den Nahverkehrsmitteln zufal­len, sind von denen der Reichsbahn grundverschie­den. Da die Schienen- ober Strahenfahrzeuge dazu bestimmt sind, die Einwohner von ihren Wohn­stätten zur Arbeitsstätte zu bringen und zwischen Wohn- und Geschäftsgebiet ständige Verbindungen zu halten, treten täglich mindestens zweimal s o - genannte Verkehrsspitzen auf, die an Wagenpark und Fahrer hohe Anforderungen stellen. Daneben gewinnt die Üarif frage ein besonderes Gewicht. Denn für tägliche Beförderungen, die nicht der Erholung dienen, können Schaffende unmöglich Ausgaben wie für eine einmalige Serienreife auf sich nehmen. Ein Studium der Tarifgestaltung läßt deutlich erkennen, daß die Schaffung eines Einheits­tarifs für alle deutschen Straßenbahnen oder Om­nibusse ein zum Scheitern verurteilter Versuch wäre. Größe und Dichte des Verkehrs sowie geo­graphische und technische Bedingungen üben viel­mehr ihre mannigfachen Einflüsse aus.

Betrachtet man die Wirtschaftlichkeit der Verkehrsmittel, so steht die Straßenbahn in Großstädten als Massentransportmittel an erster Stelle. Der wesentlich teurere Omnibusbetrieb bie­tet dagegen den Vorzug großen Freizügigkeit. Bei plötzlich auftretendem Verkehrsbedarf wie bei Auf­märschen, Festen, Sportereignissen u. a. können in kurzer Frist lange Autobuskolonnen eingesetzt wer­den, während die Straßenbahn an das vorhandene Schienennetz gebunden bleibt. Die Vorteile des elektrischen Antriebs mit denen der Unabhängigkeit des schienenlosen Straßenfahrzeugs sind neuerdings in den elektrischen Oberleitungsomnibussen zusam- mengefaßt worden, die im Rheinland, in Westfalen und in Berlin in Betrieb gesetzt wurden.

Vermerkt sei, daß der vor Jahren aus dem Aus­landzu uns gekommene Trolley-Bus" eine aus den achtziger Jahren stammende deutsche Erfindung ist. DieDeutsche Gemeinde" bringt in ihrer Ver­kehrsabteilung auch aufschlußreiche Darstellungen über die Entwicklung der Omnibusbetriebe mit Leuchtgas und anderen devisenfreien Treib­stoffen, unter denen in erster Linie das Holz zu nennen ist. An Gastankstellen gibt es im Reich schon eine größere Anzahl, auch betreibt z. B. die Rostocker Gemeinde eine Holzgaslinie nach Warne­münde. An technischem Fortschritt fehlt es also nicht.

Die Gemeinden haben außer auf den Landverkehr auch auf den W a s s e r v e r k e h r einigen Einfluß. Zwar gehören die Wasserstraßen dem Reich, aber die Umschlagplätze, Hafenanlagen, Speicher usw.

Geschichte mit den Aepfeln. Und als ich geendet hatte, griff mein Vater in seine zweite Rocktasche, holte zwei schöne Aepfel heraus, gab mir den einen und sagte:", und den zweiten verspeiste er selbst. Und mit jedem Bissen wurde es mir leichter ums Herz.Wenn so die Pest schmeckt", lachte ^ein Vater,ist sie leicht zu ertragen", und dann erzählte er mir, daß da kein Grund bestände, hinter den Aepfeln verderbliche Einflüsse zu vermuten und zum Schluß lachte er über mein Bubenabenteuer, das Lachen brauste über meine Seele hinweg, wusch und reinigte sie. Ab fielen alle Bedenken, und ich fand mich wieder zu mir selbst zurück. Dank meinem Vater.

Oie Schiffstaube auf -erHochzeitsreise.

Englische Blätter beschäftigen sich seit einiger Zeit ernsthaft und eingehend mit dem Schicksal einer Taube. Als der DampferEmpress of Australia" dieser Tage von Southampton nach Kanada abfuhr, flog eine Taube an Bord und nahm auf der Brücke Platz. Große Freude an Bord:Pedro" war zu seinem Schiff zurückgekehrt. Die ganze Besatzung hatte bereits mit Spannung daraus gewartet. Diese Taube hatte bereits eine Geschichte. Auf einer Fahrt zwischen Neuyork und Westindien hatte die Empress of Australia" kürzlich Havana verlassen, als die Taube, die um das Schiss flog, sich in dem Aufbau der drahtlosen Station verfing und auf die Brücke herabfiel. Der Schiffsarzt nahm das Tier auf und untersuchte es genau; es war kein Glied gebrochen, sondern es hatte nur einige Quetschun- gen gegeben, die gut geheilt werden konnten. Der Schiffszimmerer wurde gerufen und machte einen Käsig, in dem der Vogel sich ausruhen konnte. Der Küchenchef fütterte ihn mit Vogelfutter, und so wurdePedro", wie er genannt wurde, bald ge­sund. Eines Morgens setzte der Kapitän eine Flagge auf das Kompaßhaus, und nun nahm der Vogel stundenlang an jedem Tag auf dieser Platz. Bald wurde die Taube der Liebling der ganzen Besatzung und sie machte die lange Fahrt, gut 12 000 Kilo­meter, bis Southhampton mit. Als aber das Schiff vor Anker gegangen war, warPedro" verschwun­den. Die Mannschaft trauerte ihm nach und stritt sich lebhaft, ob er wohl wiederkehren würde. Aber Pedro war kein Deserteur. Am Tage der neuen Ausfahrt des Schiffes war ein großes Geflatter an Bord Pedro war zurückgekehrt, aber nicht allein, sondern er hatte sich zwei englische Taube« mitgebracht. Er begab sich also auf die Hochzeits­reise.