Nr.85 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Donnerstag, 9. April 1936
Deutschlands erster zweistöckiger Stromlimenzug.
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Probefahrt Hamburg über Lübeck nach Travemünde wurde — wie schon gemeldet — Deutschlands erster zweistöckiger Stromlinienzug eingeweiht. Dieser Zug besteht aus zwei Wagen mit : 3^^ ^schossen. Die Reisenden können aus dem Obergeschoß die vorüberfliegende Landschaft wie von einem Balkon aus betrachten. Die Stockwerke sind so hoch, daß Menschen in einer Größe bis zu 1,92 m aufrecht stehen können. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Ostertage mit -er Kamera.
Allerlei Winke für den Liebhaber-Photographen. Bon Walther Appett
Während wir diese Zeilen schreiben, wissen wir noch nicht, ob das Osterfest diesmal die „Freiland- Saison" des Liebhaber-Photographen eröffnen kann, oder ob das Fest des Frühlings noch zu nahe am Winter liegt. Vieles spricht dafür, daß es aprilmäßig im Zeichen des Ueberganges stehen wird, daß der Winter noch nicht ganz überwunden und der Frühling noch nicht ganz der Sieger sein wird. Irren wir uns — um so besser. Behalten wir recht, so werden die folgenden Winke willkommen sein, wie der Photo-Sportler dennoch die Feiertage und gegebenenfalls die Osterferien nützen kann. Es müssen doch nicht jedes Jahr nur Bilder von Kindern sein, die Ostereier suchen.
Pielen erscheint der Uebergang zwischen den Jahreszeiten an landschaftlichen Motiven zu arm. Das ist zwar ein Irrtum, aber wer die Vielfältigkeit des erwachenden Lebens in der Natur photographisch nicht für recht ergiebig hält, der wird eben doch nur wenigs Frühlingsaufnahmen machen. Vielleicht ist er auch noch nicht fortgeschritten genug im richtigen Sehen, um die mannigfachen „Oster- Motive" in scheinbar gleichförmiger Landschaft zu finden. So ist dies eine Zeit, in der sich mancher den Kleinmotiven zuwendet und nun gleichsam draußen im Freien die S t i l l e b e n sucht, die er während des Winters in seinem Heim aufbaute. Es lockt ihn mit der Kamera hinaus, und da es mit der großen Sommerhitze noch eine Weile Zeit hat, kann er jetzt eher die ganze, umfangreiche photographische Ausrüstung mitschleppen, die für
gewisse Arten von schwierigeren Aufnahmen erforderlich ist.
Wer über die Auswahl verfügt, wird also jetzt nicht, immer nur mit dem leichten und bequemen Rollfilmapparat im Kleinstformat ausziehen — es fei denn, er will Junghasen im Oster-Schnappschuß „einfangen" —, sondern lieber den großen Apparat mit dem doppelten BodenauszHg und dem vielen Zusatzgerät wählen. Er kann damit Ratur-Ur- künden des erwachenden Lebens auf die Platte bringen, die ihm und anderen immer wieder einen Einblick in das Werden und Vergehen geben. Beispiel: die grünen Triebe von Sträuchern usw., die durchs vorjährige Laub sprießen. Oder: eine Knospe unmittelbar vor dem Aufplatzen oder auch nach dem ersten, schüchternen Oeffnen der äußersten Blättchen ober Hüllen. Das kann sehr wirksame Bilder geben, am besten bekanntermaßen bei den dicken Kastanienknospen.
Wichtig ist ganz kontra st reiche Lichtführung, also am besten Gegenlicht in voller Sonne. Ist es nicht möglich, eine oder wenige der Knospen vor einen neutralen Hintergrund zu bekommen, sondern muß das Gewirr der Zweige als solcher in Kauf genommen werden, so empfiehlt sich um so mehr ein Scharfeinstellen auf das Bildwichtige ohne viel Abblenden, damit alles Störende und Ablenkende durch kräftige Unschärfe weitgehend ausgeschaltet wird. Aber auch, wenn das nicht ganz möglich ist, widerstehen wir der naheliegenden Versuchung, die Knospe — das gilt auch für verwandte Motive der
Osterzeit — in größerer Ruhe daheim zu photographieren.
Noch sinnloser wäre das bei Motiven aus dem Tierleben, etwa ausschlüpfenden Schmetterlingen oder Libellen, falls wir das Glück haben sollten, ein solches Ereignis zu erwischen. Nur teilweise gehören zu den Natur-Urkunden auch gewisse Beobachtungen aus der größeren Tierwelt, etwa eine Häsin mit ihren Jungen oder dergleichen. Sie geben zwar nette O st e r k a r t e n als Festgrüße. Doch selten haben wir das Glück, sie im Vorübergehen zu erhaschen, wie oben angedeutet. Daß man dabei förmlich auf den „Anstand" gehen muß wie der Jäger, und was dabei aus gründlichem Naturverständnis zu beachten ist, wurde schon oft auf Grund der Erfahrungen und der vielen Mißerfolge anderer gesagt. Allgemein ist auch unser heimisches Wild im Frühjahr weniger scheu als sonst.
Natur-Urkunden größeren Stiles sind auch die vielen geologischen Naturdenkmäler, die als besondere Schichtungen von Gesteinen oder dergleichen jetzt überall von den Bestrebungen des Heimatschutzes in der Erhaltung gesichert werden sollen. Aber auch Einzelheiten können hier zum Photographieren reizen, also beispielsweise Kristalle, die in Gängen und Höhlungen des Gesteins sitzen und entweder nicht herausgeschlagen werden dürfen, oder beim entsprechenden Versuch zerstört werden würden. Allerdings ergeben sich hier manchmal
Belichtungsschwierigkeiten, ganz abgesehen von der nicht immer leicht zu lösenden Frage des günstigen Aufnahmestandpunktes.
Aber nur ausnahmsweise und nur sehr maßvoll kann dennoch zur zusätzlichen Verwendung einer kÜnstlichen Lichtquelle geraten werden, die in der freien Natur wenig zu suchen hat. Nur wenn unser Motiv an einer den ganzen Tag über halb- dunklen Schattenstelle sitzt — und das kann auch einmal für ein tierisches Motiv der Fall fein —, dürfen wir im Freien zum Magnesium greifen. An vielbesuchten Stellen verbietet es uns die Störung, welche damit für andere Sonn- und Feiertagsspaziergänger verbunden sein kann.
Für Sammler von Schmetterlingen, Mineralien (Kristallen!) usw. sei noch auf die Möglichkeit hin- gewiesen, sich mit Hilfe der Photographie ein „b e • oilbertes Verzeichnis" ihrer Sammlungen anzulegen, in das aus Raumgründen auch mehr nützliche Angaben über den Fundort usw. ausgenommen werden können als in die meist knapper zu haltende Beschriftung der Sammlungen selbst.
Damit sind genug Winke gegeben, und zwar für jeden möglichen Fall: daß die Ostertage schönes ober daß sie schlechtes Wetter bringen. Daß sie uns hinauslocken — oder in den Stuben daheim fest- bannen. Was uns lieber wäre versteht sich von selbst...
Spielvereinigung 1900 Gießen.
Lollar I — 1900 I.
Am Karfreitag trägt die Ligamannschaft der Blauweißen das fällige Rückspiel gegen Lollar aus. Das Spiel, das für den 1. Öfterfeierfag vorgesehen war, muß, da Lollar am 2. Ostertag' das Pokal- Endspiel des Bezirkes gegen Wetzlar bestreitet, an diesem Tage stattfinden.
Die Blauweißen treten zu diesem Spiel in stark veränderter Mannschaft an, denn nachdem die Soldaten Gießen verlassen haben, Schäfer, Mank, Erhard und Jung zum Arbeitsdienst eingerückt sind und Wilhelmi durch sein plötzliches und allzu frühes Hinscheiden aus der Mannschaft gerissen wurde, mußte der größte Teil der Reserve der Ligamannschaft eingegliedert werden.
In der Aufstellung Fischer, Schneider, Zeiler, Dörr, Jäger, Schmitz, Günther, Heilmann, Enders, Hain, Henkelmann wird die Mannschaft versuchen, ihren Vorspielsieg zu wiederholen. Ob dies jedoch unter den derzeitigen Verhältnissen gelingt, ist stark zu bezweifeln, denn Lollar befindet sich augenblicklich in einer beachtlichen Spielstärke, was dadurch bewiesen wird, daß die Elf in den zur Zeit befindlichen Aufstiegspielen bereits zu zwei Siegen gekommen ist und als einziger Kreisklassenverein des Bezirks noch im Pokalwettbewerb vorhanden ist. Die Leitung des Spieles liegt in Händen des Seniors der Gießener Schiedsrichterkameradschaft, Kreiling, Gießen.
Sportverein 1920 Heuchelheim.
Am Karfreitag empfangen die erste und die zweite Jugend die gleichen Mannschaften der Sportfreunde Wetzlar. Die Wetzlarer spielen einen guten Fußball, so daß mit anregenden Spielen zu rechnen ist. Bei der ersten Jugend ist ein Sieg der Heuchelheimer zu erwarten. Das Vorspiel in Wetzlar endete unentschieden. Die zweiten Jugendmann- schaften spielen zum erstenmal gegeneinander.
Sportverein 1920 Lollar.
Lollar I — Aßlar I 2:1 (2:0).
Das Spiel der 1. Mannschaften war ein Spiel der verpaßten Gelegenheiten. Mitte der ersten Halbzeit ging Lollar durch einen Handelfmeter, der erst nach dreimaliger Abwehr eingeschossen werden konnte, in Führung. Lollar war weiterhin über
legen. Was Lollar an Technik voraus hatte, machten die Gäste durch größeren Körpereinsäß wieder wett. Eine Minute vor Schluß der ersten Halbzeit erhöhte Lollar durch ein schönes Tor von Kreiling das Ergebnis auf 2:0. Nach der Pause waren die Lollarer nicht wiederzuerkennen. Sie hatten den Sieg schon in der Tasche. Man sah selten noch eine geschlossenere Handlung. Als ungefähr 10 Minuten vor Schluß Aßlar ein Tor aufholte, gab es noch manche bangen Minuten für Lollars Anhänger. Mit diesem Sieg führt Lollar die Tabelle der Aufstiegspiele mit 4:0 Punkten und 6:1 Toren an.
Die zweite Mannschaft gewann verdient gegen dis 2. von Aßlar mit 3:1 (0:0). Die erste Halbzeit verlief torlos. Nach der Halbzeit ging Lollar durch zwei schöne Kombinationstore und ein Selbsttor der Aßlarer mit 3:0 in Führung, der Aßlar kurz vor Schluß das verdiente Ehrentor entgegensetzte.
Die Jugend mußte einige Spieler ersetzen und spielte gegen Heuchelheims Jugend 0:0.
Drei Mercedes-Starts in Amerika?
Große Pläne von Daimler-Venz.
Mercedes-Benz plant für den Herbst eine große Sache. Es ist beabsichtigt, am 12. Oktober am „Großen Preis von Amerika" teilzunehmen. Dieser Wettbewerb wird auf einer auf Lang Island in der Nähe Neuyorks neu errichteten großartigen Stra- ßen-Rundftrecke, die damit ihre Einweihung erfährt, abgewickelt. Die Amerikaner haben zu diesem Rennen europäische Fahrer eingeladen und das Unter- türkheimer Werk hat die Absicht, sich an dem Ren- neu zu beteiligen. Der Start steht noch nicht endgültig fest, doch wird es wohl dazu kommen, zumal Rudolf Caracciola auf seiner Amerikareise sicher in dieser Beziehung schon gute Vorarbeit geleistet hat. Wenn der Start zustandekommt, werden die deutschen Wagen auch noch an zwei Rennen in Florida und Kalifornien teilnehmen.
Für die Monate April und M a i hat die Renn- leitung von Daimler-Benz bereits ihr Programm zusammengestellt. Im April gibt es mit der Teilnahme am „Großen Preis von Monaco"
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Joseph Viktor von Gcheffel.
3um 50. Todestage des Dichters am 9. April
Im Mai des Jahres 1852 verließ der junge Auditor Joseph Viktor Scheffel das Hofgericht zu Bruchsal, wo er einige Monate hinter dem großen Tintenfaß und dem schweren Corpus Juris gesessen hatte, und ging nach Italien.
„Römisch Recht, gedenk ich deiner, Liegt's wie Alpdruck auf dem Herzen, Liegt's wie Mühlstein mir im Magen, Ist der Kopf wie brettvernageltl"
In der Einsamkeit von Capri schrieb er, nachdem er an der Verwirklichung seines Wunschtraumes, Maler zu werden, verzweifelt war, seinen Sang vom Oberrhein, „Der Trompeter von S ä ck i n g e n" Aber die kleine Auflage blieb lange unverkauft, und erst nach mehr als einem Menschenalter zierte die Gipsfigur Jung-Werners das Vertiko der bürgerlichen Wohnungen, näselten die Edison-Phonographen und leierten die Drehorgeln das sentimentale .Behüt dich Gott, es wär so schön gewesen!"
Nach seiner Rückkehr trug sich Scheffel mit dem Gedanken, die akamdemische Laufbahn einzuschla- qen In den „Monumenta Germaniae", dem großen Quellen- und Urkundenwerk für die Geschichte des deutschen Mittelalters, fand er die von dem Mönche Ratpert begonnene und von Ekkehard weitergeführte Chronik von St. Gallen. Ekkehard gilt als der Verfasser des lateinischen Walthariusliedes. Mit der Uebertragung dieses Gedichtes, eines der ältesten Denkmäler deutscher Epik, wollte sich Scheffel um den Lehrstuhl für deutsche Literaturgeschichte am Polytechnikum in Zürich bewerben. Aber „aus den naiven lateinischen Klostergeschichten hob und baute es sich empor, wie Turm und Mauern des Gotteshauses St. Gallen, viel altersgraue ehrwürdige Häupter wandelten die Kreuzgänge auf und ab, die Klosterschüler tummelten sich im Hofe, Horagesang ertönte aus dem Chore und des Wächters Hornruf vom Turm. Vor allen anderen aber trat leuchtend hervor jene hohe strenge Frau, die sich den jugendschönen Lehrer aus des heiligen Gallus Klosterfrieden entführte, um auf ihrem Basaltfelsen am Bodensee klassischen Dichtern eine Stätte sinniger Pflege zu bereiten Wer aber von solchen Erscheinungen heimgesucht wird, dem bleibt nichts übrig, als sie zu beschwören und zu bannen". Am Abhang des Hohentwiel mit den Ueberreften der alten Bergfeste begann er seinen Roman aus dem zehnten Jahrhundert Ekkehard". Mit diesem Buche, öas
1857 in Frankfurt erschien, war fein Ruhm begründet.
Bruchstücke eines großen Romans, der den Sängerkrieg auf der Wartburg behandeln sollte, ist die kleine Geschichte aus der Zeit der Kreuzzüge, „I u n i p e r u s"; ebenso die den Minnesängern gewidmete Liedersammlung „Frau Aventiure".
Nach der kühlen Aufnahme, die diese Werke gefunden hatten, war Scheffel wenig angenehm über-
(Scherl-Bilderdienst-M.)
rascht durch den ungeheuren Erfolg seiner Sammlung von „Bummelliedern", die er 1868 unter dem Titel „Saubeamus" herausgegeben hatte, und die in einem Monat vergriffen war. Bis heute sind sie unvergessen, diese Lieder von der „contempla- tiven Trinkung"; vom Schwarzen Walfisch zu Askalon. vom Enderle von Ketsch, von der Teutoburger Schlacht, aus der sich nur die römische Reiterei rettete, „denn sie war zu Pferde", vom Zwerg Perkeo, dem Finanzminister Purnpus von Perusia und dem Herrn von Rodenstein, der drei Odenwalddörfer vertrank.
Der „Gaudeamus" hat dazu verlockt, Scheffel mit den Versen zu charakterisieren, mit denen er den feucht-fröhlichen genius loci Heidelbergs besungen hat:
„Er ging nicht steif in klassischen Gewänden, Ging keck und flott und trank wie ein Student Und glich nicht viel den neun antiken Tanten, Die man im Mythus mit Apollo nennt."
Aber dieser Mann, der in dem Jahrzehnt 1870/80 der am meisten gelesene deutsche Dichter war, der, als er sechzigjährig am 9. April 1886 starb, alles erlangt hatte, was das Leben einem Dichter an Erfolg geben kann, er ist zeitlebens unglücklich gewesen. Die Heiterkeit seiner Dichtungen hat er als die umgekehrte Form seiner inneren Melancholie erklärt. Ernst, cm wenig pedantisch, von einer Reizbarkeit und Streitsucht, die mit dem Alter wuchs, hatte er viel unter Krankheit zu leiden. Nach dem Erscheinen des „Ekkehard" brach ein heftiges Gehirnleiden bei ihm aus, in dessen Verlauf er in Schwermut verfiel. Auf einer sinnlosen Flucht in ein Karthäuserkloster, die er in einem Zustand tiefster Bedrücktheit unternahm, wurde er vorübergehend in einer Heilanstalt untergebracht Frauen, die er in seiner unsicheren, schwerfälligen Art schwärmerisch verehrt hatte, wiesen ihn ab. Tiefe Zerwürfnisse in der Ehe mit einer jungen eleganten Frau führten bald zu dauernder Trennung. Einsam hat er die letzten Jahre seines Lebens auf seinem großen Landsitz am Bodensee verbracht
Scheffels Würdigung hat in späteren Jahren unter seinen Nachahmern gelitten, die aus der deutschen Literatur einen zweifelhaften Antiquitätenladen zu machen bemüht waren, mit geharnischten Rittern, zinnernen Humpen und minnigen Frauen. Paul Heyse hat die Bezeichnung „Bützenscheiben- dichtung" dafür geprägt. Die süßlich-kitschige Stu- denten-Romantik des „Alt-Heidelberg", die die Welt mit Liedern, Dramen, Ansichtskarten, Filmen und bemalten Sofakissen überschwemmt hat, ist heute erst im Abklingen. Scheffel ist nur eine kurze Periode des Schaffens vergönnt gewesen: die Gaudeamus-Lieder und die als Spätwerk geltenden „B e r g p f a I m e n" sind schon um 1860' entstanden. Alle späteren Arbeiten — wie der Tizianroman „Irene von Spielberg" und die Geschichte des deutschen Landsknechtsführers Georgs von Frundsbcrg — scheiterten an der gründlichen, weitschichtigen Vorbereitung. Der „Ekkehard" aber ist Heimatdichtung, uraltes alemannisches Volkstum, dem Scheffel blutsmäßig verbunden war. Wie dem Antäos gibt ihm die Erde, der Boden des Hegau, die Kraft zu dichterischer Gestaltung. So vermag er nicht, den blassen Schemen der Minnesänger auf der Wartburg Leben einzuhauchen, ob- wohl er wochenlang durch Thüringens Wälder wandert. Es ist ein fremdes Land.
Der „Ekkehard" ist noch mehr. Es ist sein Leben, das sich in dem Schicksal des St. Gallener Mön
ches spiegelt: bas Schicksal des innerlich Einsamen, der zur Entsagung bestimmt ist. Aber Scheffel hat niemals die Kraft besessen, sich zur Klarheit Ekkehards durchzuringen: „Selig der Mann, der die Prüfung bestanden!" Der Musterschüler Scheffel, der summa cum laude den Doktorhut erwarb, hat bei der Prüfung des Lebens versagt.
W alter Schwerdtfeger.
Zeitschriften.
— Winfried Wendland beschreibt in der Aprilfolge von Westermanns Monatsheften an Hand zahlreicher Beispiele und Abbildungen „Das Eigenhaus für jeden". Alle wichtigen Punkte, die beim Bau eines Eigenhauses beachtet werden müssen, finden Berücksichtigung, ganz gleich, ob es sich um die Lage des Grundstückes, um das Bauprogramm selber, um die Beschaffung des Kapitals usw. handelt. Ministerialrat Schlotterer gibt ein klares Bild über den katastrophalen Zusammenbruch des Außenhandels, in den auch Deutschland durch das Versailler Diktat hineingerissen wurde und der schließlich Dr. Schachts „Neuen Plan" not- wendig machte. Gröger zeigt an Hand vieler Aufnahmen _ die Neugestaltung des Magdeburger Wirtschaftslebens. Marga Garnich erzählt in einem besonders kurzweiligen und lustig interessierten Beitrag von der Kleinbahn. Novellen und Erzählungen von Steguweit und Springenschmid vervollständigen den reichen Inhalt des Heftes.
Sochscbnlnacb richten.
Der Dozent für Mathematik an der Universität M ü n chen Dr. Georg Aumann ist vom Herrn Minister beauftragt worden, im Sommersemester 1936 die reine und angewandte Mathematik an der Frankfurter Universität vertretungsweise zu übernehmen.
Von den amtlichen Verpflichtungen wurden entbunden die ordentlichen Professoren Dr. Siegmund Müller (Bauwesen) an der Technischen Hochschule Berlin: Dr. Friedrich Giese (Türkische Geschichte und Literatur) an der Universität Breslau: Dr. Erich Klostermann (Altchristliche Literatur) an der Universität Halle: Dr. Hugo Sellheim (Geburtshilfe und Gynäkologie) an der Universität Leipzig: Dr. Friedrich Knapp (Kunstgeschichte) an der Universität W ü rzburg.
Mit Genehmigung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und der polnischen Regierung wird in diesem Semester ein Vorlesungsau stau sch zwischen den Universitäten Frankfurt und Krakau stattfindön.


