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Die ersten Ozeanfahrten des53.129"

Zn 80 Stunden von Frankfurt nach Rio de Janeiro.

Das neue LuftschiffLZ 12 9", dit dessen Fer­tigstellung im Laufe des Frühjahres gerechnet wird und das von der im Bau befindlichen Halle in Frankfurt a. M. aus den transkontinentalen Luftschiffdienst versehen wird, ist schneller als derGraf Zeppeli n". Er verfügt über Die- felmaschinen von zusammen 4800 PS und wird eine Geschwindigkeit von etwa 130 Stundenkilo­metern erzielen gegen 115 Kilometer desGraf Zeppelin".

Das neue Luftschiff hat eine viel größere Tragkraft und kann genügend Brennstoff mit­nehmen, um auch bei dauerndem starken Gegen­wind stets mit voller Kraft laufen zu können. Das neue Luftschiff wird für die Fahrt von Frank­furt nach Rio de Janeiro nur rund 80 Stunden brauchen, währendGraf Zeppelin" mit Einschluß eines mehrstündigen Aufenthalts in Pernambuco etwa 4V2 Tage braucht. Nach Erledi­gung der Abnahme- und Werkstättenfahrten wird das neue Luftschiff die erste Ozeanfahrt nach Rio de Janeiro unternehmen. In der Tatsache, daß die erste Fahrt nach Südamerika geht, ist eine Ehrung für die brasilianische Regierung zu erblicken, die dem Luftschiffverkehr großes Interesse entgegenbringt und einen Luftschiffhafen in Santa Cruz bei Rio geschaffen hat. Diese Luftschiffhalle wird nach der

Ankunft desLZ 129" mit einem feierlichen Akt ihrer Bestimmung übergeben werden. Die erste Fahrt nach Südamerika wird gleichzeitig der Schiffs­besatzung Gelegenheit geben, festzustellen, wie sich das neue Schiff auf einem Ueberseeflug verhält. Im Anschluß an den Besuch in Brasilien werden viel­leicht schon im Mai von Frankfurt a. M. aus die Fahrten nach den Vereinigten Staaten beginnen. Auf den ersten Fahrten nach Nordamerika sollen die meteorologischen Verhältnisse ein­gehender studiert werden, um damit zu einer klaren Vorstellung davon zu gelangen, ob und in welchem Umfang der Nordatlantik etwa einem regelmä­ßigen fahrplanmäßigen Luftverkehr Schwierigkeiten bereiten würde. Das Problem ist ein rein zeitliches oder fahrplantechnisches: Ist die Ungleichartigkeit der Wetterlagen und Windver­hältnisse über dem nördlichen Atlantik so groß, daß sie einen zuverlässigen Fahrplan nicht zuläßt, oder werden sich ausgesprochen ungünstige und schwie­rige Lagen, die erhebliche Überschreitung einer nor­malen Fahrtzeit bedingen, verhältnismäßig so sel­ten ergeben, daß man sie mit in Kauf nehmen kann? Die ersten Fahrten nach den Vereinigten Staaten, die eine neue Epoche des transkontinen­talen Luftschiffdienstes einleiten sollen, werden in der Hauptsache dazu dienen, diese Frage zu lösen.

Amtseinführung des Landeshauptmanns Traupel in Kassel.

LPD. Kassel, 8. Jan. Im Ständehause fand in Anwesenheit von Reichsstatthalter Sprenger, Gauleiter Staatsrat W e i n r i ch , des Regierungs­präsidenten von M 0 n b a r t, des Polizeipräsiden­ten von Pfeffer u. a. die feierliche Einführung des Landeshauptmanns Traupel durch den Ober­präsidenten von Hessen-Nassau Prinz Philipp vonHessenin seine neuen Aemter als L a n d e s- hauptmann des B e z i rksverbandes Hessen und des Provinzialverbandes der Provinz Hessen-Nassau statt.

Der Oberpräsident führte dabei u. a. aus: Mit Wirkung ab 1. Januar 1936 habe ich Herrn Lan­deshauptmann Traupel in Wiesbaden g l e i ch z e i- t i g zum Landeshauptmann der Provinz Hessen- Nassau und des Provinzverbandes Hessen m i t d e m Dien st sitz in Kassel ernannt. Sie übernehmen heute umfangreiche schwierige und verantwortungs­volle neue Aufgaben. Dieser große Aufgabenkreis wird Ihnen in bester Ordnung aller Ein­richtungen und bei planvollem Lauf des Ge­schäftsganges übertragen. Es ist dies zu danken der Pflichttreue und bewährten Arbeit der Ihnen jetzt unterstellten Gefolgschaft, vor allem aber auch der ausgezeichneten Leitung der Bezirks­und Provinzialverwaltung durch Ihren Amtsvor­gänger Herrn Landeshauptmann von P a p p e n h e i m. Es ist mir eine willkommene Gelegenheit, diesem treuen und hervorragenden Be­amten zugleich namens der preußischen Staatsregie­rung erneut Dank und Anerkennung auszusprechen für die großen Verdienste, die er sich um die Provinz und seine Heimat Kurhessen er­worben hat.

Mit der Vereinigung der drei Aemter des Landeshauptmannes der Provinz und der beiden Bezirksoerbände in einer Person wird ein gewisser Ausgleich gescha fen gegenüber der Sonderheit, die unter allen preußischen Provinzen allein für die Provinz Hessen-Nas au durch das Vorhan­densein von zwei B e z i r k s v e r b ä n d e n

besteht. Durch diese Aenderung soll vor allem auch die Einheitlichkeit der Verwaltung in verstärktem Maße gesichert werden. Unbeschadet des dargelegten maßgebenden Gesichtspunktes wird von der jetzigen Personalunion die bisherige Or­ganisation der Provinz und die Selbständigkeit der beiden Bezirks­oerbände nicht berührt. Auch wird die ge­samte Verwaltung des Bezirksverbandes Nassau i n Wiesbaden bleiben. Ihrer Verwaltungskunst ist es daher anvertraut, im Rahmen der Interessen und der Anweisungen von Reich und Staat der Eigenart der Provinz und der beiden Bezirks­verbände Rechnung zu tragen und unter diesen Ver­bänden bei Auftreten etwaiger widerstreitender In­teressen einen gerechten und billigen Ausgleich z u suchen. Neben der Erfüllung der den Provinzen im allgemeinen obliegenden Auf­gaben stößt die Aufbringung der erfor­derlichen Mittel für die Lösung der Sonder­ausgaben in Hessen deshalb auf besondere Schwierig­keiten, weil der kurhessische Staatsschatz, dessen Erträgnisse hierfür dienen sollen, infolge der Inflation dahingeschwunben ist, wodurch die finanzielle Bewegungsfreiheit des Be­zirksverbandes wesentlich beeinflußt wird. Herr von Pappenheim hat erneut in den letzten Monaten die Frage eines Ausgleichs für diesen Verlust mit großem Eifer bei der preußischen Staatsregierung aufgegriffen. Ich darf sicher sein, daß Sie, Herr Landeshauptmann, die schwebenden Verhandlungen mit Ihrer bewährten Tatkraft weiterführen werden.

Gauleiter Staatsrat W e i n r i ch versicherte den neuen Landeshauptmann seines besonderen Ver­trauens. Er kenne ihn als aufrechten Nationalsozia­listen, der es mit seiner Arbeit und Pflicht sehr genau nehme. Er habe das Vertrauen, daß der neue Landeshauptmann innerhalb feines Verwaltungs­bereiches alles ausmerzen werde, was aus einem überlebten Zeitalter herrühre.

Sudetendeutsche Not in amerikanischer Beleuchtung.

Das bedeutende amerikanische Tageblatt N e u y 0 r k e r S t a a 15 3 e i t u n g" be­schäftigt sich in einem langen Aufsatz mit der Not der Deutschen in der Tschechoslowakei, die in der letzten Zeit mehrfach Gegenstand der Erörterungen in der Presse der Schweiz, Frankreichs und Schwedens war. Wir geben einen Auszug aus den interessanten und sach­lichen Ausführungen wieder.

Die wirtschaftliche Lage der Deutschen in der Tschechoslowakei ist zu einem Problem schwerster Art geworden. Die Welt ist mit den Fragen der großen Politik so sehr beschäftigt, daß die Tragödie der sudetendeutschen Not viel zu wenig Beachtung findet. Ein Volk, das führend in Handel, Ge­werbe und Wissenschaft ist, seit Jahrhun­derten meist auf ärmsten Boden lebend, infolge fei­nes emsigen Schaffenswillen sich stets in den ersten Reihen gehalten hat, ist i n furchtbarste Not geraten. Viele Träger weltbekannter Namen waren Sudetendeutsche. Die im Jahre 1348 gegrün­dete Universität in Prag ist d i e älteste beut- s ch e Universität, die deutsche technische Hoch­schule, 1806 gegründet, die ä l t e st e technische Hochschule der Welt.

Die Armut der von den Deutschen überwiegend bewohnten Gebiete führte zur Entwicklung der Heim­arbeit und zur Einführung der Mafchinenindustrie, so daß die Deutschen trotz des schlechtesten Bodens für die Privatwirtschaft und auch für die Staats­wirtschaft von größter Bedeutung wurden. Die im Sudetendeutschtum enthaltenen Kräfte sind nicht so ohne weiteres zu vernichten und es wäre im eigen­sten Interesse des Staates, wenn er die Kräfte eines so rührigen Volkes sich innerhalb seiner Grenzen entfalten und zum Wohle des Staatsganzen beitra­gen ließe. Ein beengtes, bedrängtes Volk wird dem Staate keinen Nutzen bringen können. Die Deutschen sind und wollen keine Jrredenta fein, sie wol­len ein in Zahl und Größe und innerer Bedeutung gleichberechtigtes Staatsv 0 lk fein und wollen mitarbeiten am Wohle des ganzen Staates.

Furchtbar aber ist die Not, in die dieses Volk geraten ist. Von 3,5 Millionen Deutschen sind f a ft eine t) alb e Million arbeitslos. Es ist vorbildlich, was der Bund der Deutschen mit der Sudetendeutschen Volkshilfe im vorigen Winter ge­schaffen hat: 7,7 Mill. Kc. find eine ungeheure Lei­stung. Der Staat aber müßte endlich eingreifen und durch wirtschaftliche Förderung der deutschen Jndustriegegenden helfen! Die Deutschen mit 3,5 Millionen sind schon nach ihrer rein ziffernmäßigen Wertung keine Minderheit, sondern ein Staats» volkdes tschechoslowakischen Staates. In noch viel höherem Maße sind sie dies nach der geschichtlichen

und inneren Wertung ihres Volkstums. Die Deut­schen haben den höchstkultivierten Teil des tschecho­slowakischen Staatsraumes inne, sie bewohnen zum größten Teil ein geschlossenes deutsches Siedlungs­gebiet, das wiederum einen Bestandteil des gesamt­deutschen Siedlungsraumes darstellt. Das gesamte deutsche Gebiet innerhalb der Tschechoslowakei ist fast so groß wie Belgien, doppelt so groß wie Sachsen.

Das sudetendeutsche Gebiet ist ein Land von hoher und alter Kultur. Alle älteren Städte Böh­mens sind deutsche Gründungen. Religion, Kunst und Wissenschaft hat in weitestem Umfange der Deutsche in Böhmen erarbeitet; dem Bildungs­wesen der Tschechen hat er vielfach das Vorbild ge­liefert. Industrie und Bergbau in Böhmen sind deutschen Ursprungs. Die Sudetendeutschen selbst haben eine Reihe erlesenster Geister hervorgebracht: Im Mittelalter Ullrich von Eschenbach, Heinrich von Freiberg, Johannes von Saaz (Ackermann aus Böhmen"); in der Neuzeit Johannes Mathesius, den Komponisten Gluck, Adalbert Stifter, Marie von Ebener-Eschenbach, Josef von Führich, den berühmten Vererbungsforscher Mendel, den großen Bildhauer Metzner und andere. Im alten deutschen Böhmen steht mit der Kanzleisprache der Luxembur­ger die Wiege der neuhochdeutschen Schriftsprache.

Die slawische Welle, die nach der Völker­wanderung in die menschenarm, aber nicht men­schenleer gewordenen Gebiete eindrang, war nur ein nach und nach sich vollziehender Vorgang und hatte wohl eine Dolksmischung zur Folge, nicht aber eine endgültige Slawisierung. So ist es z. B. im Jglauer Gebiete Böhmens gelungen, durch lückenlose germanische Altertumsfunde seit dem 8. Jahrhundert bis zur schriftlichen Ueberlieferung den Beweis zu führen, daß hier alter deut­scher Volks- und Kulturboden ist. Die Slawen sind in alte deutsche Gebiete vorgedrungen, nicht umgekehrt. Die Deutschen sind also nicht, wie zuweilen behauptet wird, eineminonte allogene.

Was die Sudetendeutschen besitzen, ist also nicht nur geschichtliches Erbe, sondern auch von Generation zu Generation durch Fleiß und Kultur redlich stets von neuem erworbener B e - sitz. Die Deutschen in der Tschechoslowakei haben demnach auf ihrem Boden und Besitzstand nicht nur das einfache zwingende Menschenrecht des lebendigen Volkes, sondern auch ein großes histo­risch erworbenes Recht, das sich der sudetendeutsche Bauer, der die Randgebiete Böhmens urbar ge- macht hat, ebenso erwarb, wie der sudetendeutsche Bergarbeiter, der die Schätze des böhmischen Bodens zutage förderte, wie der sudetenbeutsche Unterneh­mer, der im Nordosten und Nordwesten Böhmens einen Wald von Schloten aufgerichtet hat.

Die Politik des jungen tschechoslowakischen Staa­tes ist nicht auf Stärkung des deutschen Staats­volkes gerichtet gewesen. Die Staatsklugheit müßte eigentlich den Anlaß zu gegenteiliger Politik geben. Auch ein tschechischer Chauvinist reinsten Wassers wird es doch für unmöglich halten, den deutschen Dolksteil des Staates durch Tscheckisierung voll zu beseitigen. Die im Sudetendeutscytum lebendigen oolkstumsmäßigen Energien sind denn doch zu stark, als daß man sie auf die Dauer vernichten könnte.

Oie Meberwachung des Fürstbischofs von Brixen aufgehoben.

Br ixen, 8. Jan. (DNB.) Kurz vor Neujahr wurde die Bewachung der fürstbischöflichen Burg in Brixen aufgehoben. Die Brixener Hofburg war vierzehn Tage lang von italienischen Karabinieri- posten bewacht worden. Fürstbischof Geisler hat während der Bewachungszeit seine Residenz außer zu Gottesdiensten im Dom nicht verlassen. Der Chef der Polizei hatte verlangt, daß ihm jedes­mal a n g e 3 e i g t werde, wenn der Bischof die Hof­burg verlasse. Die Bewachung war von den ita­lienischen Behörden angeordnet worden, weil der Fürstbischof angeblich erklärt haben soll, die Me­tallsammlungen seien eine Angelegenheit der faschi­stischen Parteiorganisationen, mit denen sich die Geistlichen nicht 3U befassen hätten.

Mrfeil im Kemptener Oevisenschieber- prozeß.

Kempten, 8. Jan. (DNB.) Vom Kemptener Schöffengericht erhielt der 31 Jahre alte Pfarrer Johann Schrank aus Röthenbach bei Lindau 3wei

Jahre sechs Monate Gefängnis, 20 000 Mark Geld­strafe; außerdem wurde er zu einem Schadenersatz in Höhe von 28 750 RM. verurteilt. Der mitange­klagte Laienbruder Anselm Mehrle aus Feldkirch in Vorarlberg erhielt acht Monate Gefängnis uns 5000 Mark Geldstrafe. Der 56jährige Jak. Z u e r n aus Lindenberg sechs Wochen und 2000 Mk. Geld» strafe. Die Anklage legt dem Pfarrer Schrank xur Last, als Hauskaplan des Jofefiheims, das der Priesterkongregation vom kostbaren Blut" gehört, eine Devisenschiebung in Höhe von 17 000 RM. be­gangen zu haben. Die Wertpapierschiebungen waren auf Veranlassung des Paters Provinzial Jusfel aus Feldkirch vor sich gegangen. Die Wertpapiere waren bei einer Bank in Kempten verkauft worden. Der Erlös war dann durch den Laienbruder Mehrle, der die Wertpapiere mit feinem Kraftrad auch über die Grenze nach Deutschland gebracht hatte, dem öster­reichischen Pater in Bargeld ausgehändigt worden. Der Angeklagte Zuern hatte sich Guthaben aus Ar­beiten für die Kongregation mit verschobenen Wert­papieren bezahlen lassen.

Oeufsch-polnische Zugendlager.

Das Auslandamt der Reichsjugendführung hat nach dem Berliner Besuch polnischer Jugend mit den Delegierten derBewegung des jungen Dorfes", der Jugendlegion, der Pfandfinder und anderen Orga­nisationen über dieLiga" die ersten Verhandlungen über die in diesem Jahre durchzuführenden deutsch-polnischen Jugendlager und Fahrten abgeschlossen. Es ist damit zu rechnen, daß mehrere Einheiten der Hitler-Jugend größere Fahrten nach Polen unternehmen, wo sie sich in Gemeinschaftslagern mit Angehörigen der polnischen l Jugendorganisationen treffen.

Parteienzwist in Spanien.

Nach Auflösung der Cortes.Für oder gegen Moskau.

Die spanischen Cortes sind a u f g e l ö ft worden. Die Neuwahlen finden am 16. Februar, die Stich­wahlen am 1. März statt. Gleichzeitig wurde der Belagerungszustand und die Pressezensur aufgeho­ben. Aber die Auflösung erfolgte nur unter dem Druck der Rechtsparteien. Das gegenwärtige Ka­binett unter Portela Va ! Idaras ist parteilos. Sein Führer wurde zweimal vom Staatspräsidenten Zamora betraut, obgleich er im spanischen Par­lament keine Mehrheit hatte. Erst als die rechts­gerichteten Parteien, die dem Staatspräsidenten Bruch der Verfassung vorwarfen, damit drohten, einen Parlamentsausschuß einzuberufen, gab der Präsident nach.

Seit am 14. April 1931 hie Radikalen in Spanien ans Ruder gelangten und die Monarchie gestürzt wurde, ist der Kampf für und wider den Umsturz mit allen Mitteln des Parlamentarismus und der außerparlamentarischen Aktionen in Spa­nien geführt worden. Die Syndikalisten und Anar­chisten, die Kommunisten und Marxisten ergriffen zunächst die Gewalt. Sie stürmten die Klöster, ver­trieben die Geilichen, enteigneten die Granden und lagen sich sehr bald in den Haaren. Spanien drohte in Anarchie unterzugehen. Der letzte Aufstand dieser Höllensöhne des Chaos im Oktober 1934 wurde nur mit Mühe und unter großen Opfern bewältigt. Aber das Kabinett Lerroux stürzte über eine Korruptionsaffäre. Auch das neue K a - binett Chapaprieta, das am 29. Oktober fein Amt antrat, verschwand sehr bald, da mittler» weile der Gegensatz zwischen der Rechten und der Linken sich außerordentlich vertieft hatte. Am 14. Dezember wurde das Kabinett Portela Valladares gebildet, aber die Katholische Volksaktion unter G i l Nobles, die stärkste Par­tei der Kammer entzog sich der Mitarbeit. Der Staatspräsident Zamora hatte wohl gewünscht, einen Bl 0 ckder Mitte vorzubereiten. Er begann damit, die Gemeinderäte und Zivilgouoerneure, die in den letzten zwei Jahren eingesetzt waren, durch Männer seines Kurses zu ersetzen. Das war ein Schlag gegen Gil Nobles, aber Gil Nobles parierte ihn. Er machte sich zum Führer der Angriffe gegen die Politik des Staatspräsidenten und hat schließlich auch die Auflösung des Parlaments erzwungen.

Mittlerweile haben sich aber die Parteiverhält­nisse verlagert. Die Linksparteien haben einen Block gebildet, in dem nur noch die Syn­dikalisten fehlen, deren antiparlamentarifche Hal­tung zum Teil auch auf die Kommunisten Über­griff und die zahlreichen Putschversuche veranlaßten. Nach der Niederlage der Marxisten bei den Cortes- wahlen im November 1933 waren die Umsturzpar­teien in die Opposition gedrängt worden, ebenso die Linksrepublikaner. Ein anderer Teil der Mit­telparteien versuchte unter Lerroux einen mittleren

Kurs mit Hilfe der Katholischen Volksaktion, der aber zusammengebrochen ist. Die Kommunisten und Marxisten, die wieder in verschiedene Richtungen gespalten sind, haben mit der nichtmarxistischen Lin­ken, so mit den Nattonal-Repubilkanem, der Re­publikanischen Aktion, der Republikanischen Linken, deren Führer der frühere Ministerpräsident A z a n a ist, einen Block gebildet. Das Ziel ist, Madrid als Filiale Moskaus aufzutun, denn die Führer dieser Linksgruppen haben keinen Zweifel daran gelassen, daß sie mit den Roten Zusammenarbeiten wollen. Die Radikalen unter Lerroux, also die bisherige Mittelpartei, ist durch die Korruptionsaffäre ge­spalten und steht jetzt in schwerem Kampf mit der einst verbündeten Katholischen Volksaktion des Gil Nobles.

Die Rechtsparteien versuchten, demgegen­über eine Front gegen Moskau zu bilden. Der Versuch von Gil Nobles, die Koalition der Mitte nach rechts, nach den spanischen Monarchisten hin, zu erweitern, ist gescheitert. Es ergaben sich Grenzunterschiede ideologischer Natur zwischen seiner Partei und den Monarchisten, die viel stärker waren als bei den letzten Corteswahlen, als seine Partei und die Monarchisten gewissermaßen einen Wahlblock bildeten, durch den allerdings nur die Katholische Volksaktion Erfolge erzielte. Den radi­kalen und bürgerlichen Moskowitern steht also vor­läufig eine zerspaltene Rechte gegenüber, obgleich man sich nicht verhehlen darf, daß Gil Nobles bei seiner anerkannten Tüchtigkeit in der Propaganda wohl nach einiger Zeit Gelegenheit haben wird, diese Rechtsgruppen unter einen ge­meinsamen Nenner zu bringen.

Gil Nobles wendet sich mit aller Kraft gegen die Korruptionserscheinungen, die seit dem Sturz der Monarchie der Marxismus und die freimaure­rische Richtung innerhalb des Bürgertums für Spanien heraufbefchwor. Die radikalen Linksgrup­pen dagegen putschen immer wieder die zum Teil aus Analphabeten bestehende Landarbeiterschaft gegen die Regierung auf und zerstören so die küm­merlichen Reste, die von der alten spanischen Ord­nung überhaupt übriggeblieben waren. Es geht darum, ob Spanien wirklich unter bolschewistischem und freimaurerischem Einfluß bleibt. Hinzu kommt, daß der Staatspräsident während seiner Amts­tätigkeit nur zweimal die Cortes auflösen kann. Da er schon einmal die Cortes auflöste, muß also jetzt ein Landtag gebildet werden, der eine klare Entscheidung für oder gegen Moskau dar» stellt. Weiter kommt in Betracht, daß die Ver - fassungssrage durch die neuen Cortes ge­löst werden muß, denn statt der bisherigen Zwei- brittel-Mehrheit genügt jetzt, nach vier Jahren, für Verfassungsänderungen schon die einfache Mehrheit.

Aus aller Well.

Die siebente Hörer-Million überschritten.

Der Deutsche Rundfunk hat die siebente Hörer- Million überschritten. Reichssendeleiter Hada- m 0 0 s k y erklärte dazu u. a.: Während eifrige Gerüchtemacher im letzten halben Jahr von Monat zu Monat gänzliche Absatzstockung und Marktver­stopfung prophezeiten, machte der Hörerzugang von 109 756' im Monat September mehr als das Zehnfache des Septemberzugangs von l*p 3 2 aus, im gleichen Monat der Jahre 1926 bis 1931 mußten Abgänge bis zu 30 000 verzeichnet werden. Der neueste Zugang im Monat Dezember von 202211 stellt ein Drittel der Ge- samt-Dezember-Zugänge von 1924 bis 1932 dar. Die Gesamtteilnehmerzugänge 1935 betragen 1050 031 (1934 = 1 090 314), eine Zahl, die fast ausnahmslos das Zwei - bis Dreifache der Jahreszugänge von 1924 bis 19 3 2 aus­macht. Die Gründe für die bei der Generalberei­nigung der deutschen Rundfunkwirtschaft in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres vereinzelt auftretenden Insolvenzen in der Rundfunkwirtschaft liegen also außerhalb des Rundfunks.

4000 Kilometer Strahenlange in Berlin.

Die rund 8 0 00 Straßen, die die Reichs- Hauptstadt mit einem dichten Netz von Verkehrs­wegen nach allen Richtungen hin Überziehen, er­reichen nach einer genauen Bestandsaufnahme ins­gesamt die gewaltige Länge von 4338,3 Kilometer. Um sich von dieser Länge eine Vorstellung zu machen, sei erwähnt, daß diese Größe etwa der Entfernung Madeir aM osfau in der Luftlinie gleichkommt und die Entfernung B e r- l i nL 0 nd 0 n um mehr als bas Vier­fache übertrifft. Sie entspricht etwa dem neunten Teil des Erdumfanges am Aequcttor. Ein Fußgänger müßte bei einer täglichen Marschleistung von über 40 Kilometer hundert

Tage lang marschieren, um diese Entfernung zurückzulegen.

Mehr als Dreiviertel dieser Straßenlänge, nämlich 3332 Kilometer oder 76,7 v. H., sind befestigt, d. h. asphaltiert und gepflastert ober mit einer Schlackendecke und bergt, versehen, ber Rest von 1006 Kilometer ober 23,3 v. H. ist unbefestigt. Entsprechenb ber sehr ungleichen räumlichen Aus- behnung ber 20 Berliner Verwaltungsbezirke ist auch die Länge ber in ihnen gelegenen Straßen­züge sehr verschieben. Diese bewegt sich zwischen 488,2 Kilometer ober 11,2 v. H. in Lichtenberg, ber bamit der straßenreichste Bezirk Berlins ist unb 78 Kilometer ober 1,8 v. H. im Verwaltungsbezirk Horst Wessel. Etwa ein Zehntel ber gesamten Straßen, nämlich 425 Kilometer, sind Doppelstraßen, b. h. Straßen mit zwei Fahrbah­nen. Hierin kommt der verhältnismäßige Reichtum Berlins an breiten, mit Mittelpromenaden ausge­statteten Straßen zum Ausdruck.

100 OOOReichsmark-Gewinn gezogen.

In ber Ziehung ber Staatslotterie am Don­nerstagmorgen würbe auch ber 100 000» Reichsmark-Gewinn gezogen. Er fiel auf bas Los Nummer 328 894, bas in ber 1. Abteilung in Ach­teln in Mecklenburg, in ber 2. in Achteln in Schlesien gespielt wirb.

Die Hochwasserfchäben in Frankreich.

Das Wetter hat sich in Frankreich innerhalb ber letzten 24 Stunden etwas gebessert, ber Regen nachgelassen. Trotzbem kommen aus den vom Hochwasser heimgesuchten Gegenden immer wieder Meldungen über weitere Schäden. Es dürfte noch längere Zeit bauern, bevor man enbgültig in ber Lage fein wird, bie Verheerungen festzustellen, die das Wasser an Häusern, Straßen unb Eisenbahnbauten verursacht hat. Ein weiteres Ansteigen ber Fluten ist für den Augenblick nicht zu erwarten. Im Ueberfchwemmungsgebiet von