Ur. 157 Drittes Blatt
Mittwoch, 8. Zull 1956
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)
aber
Agnes G ü n t h e r als junge Frau.
noch
Eine Handschriftseite aus „Die Heilige und ihr Narr".
-'S
viel Als ind lieb hier
80
36 II
39
66
33
Gute Möbel bei Koos
Giessen 5chulstn6
erlebt. Sie wissen viele, viele Geschichten ... Brauneck, Thorstein und Schloß Schweigen sie seit den Tagen der Dichterin den Deutschen geworden. Durch den Roman, dessen Gestalten wandeln, sowie durch seine beiden Verfilmun
sinniges Gebaren sei. Allmählich beruhigte er sich. Der Appetit nach einem guten Essen stellte sich wieder ein. Er erinnerte sich, daß die Jäger ihre Rucksäcke an einer bestimmten Stelle zu verstecken pflegten. Er schlich hin, fand das Gepäck und machte sich mit Gier über die belegten Brote her. Aber kaum hatte er das erste mit Schinken im Mund, als ihn wieder das Verlangen nach einem Maul voll Klee kam. Er bückte sich, um zu äsen, da raschelte es in den Zweigen. Die Jäger brachen durch die Büsche. In wahnsinnigen Sprüngen stürmte der Brauereibesitzer davon.
'Ö?672 12,02 0,1 3,053 55-4 46,90
5,4 io,; 169,40 19,67
,729 5666 62,67 49, 5 11,33 64,28 81-38 34,11
2,483
ergehen können, denn um ihn pfiffen die Kugeln und spritzte die Erde auf. Wie der Wind stob er ins Dickicht und blieb lange zitternd stehen.
11,-° 55,58 12, 16,45 169>
62,57
wiederum nahm die was Nach, Uttun, ochst 158,50 rboten und
gerücht« offenen Sa. ! den übri« um Bruch, okehr hat« Zen llmsatz.
6. NSB. »v), Wank ^rter f)Qn. lnd unver-
Wir erinnern uns gut des einzigartigen Erfolges, welchen jene feine, unerhört bildhafte, märchenhaft versponnene, aber zulgeich moderne Deelengeschichte hatte, der Roman „Die Heilige und ihr Narr". Schicksalhaft an diesem einzigen Wurf der Erzählerin Agnes Günther ist, daß
Der Himmel mag wissen, wie die unglaubliche Geschichte ausgegangen ist. Fast möchte man annehmen, daß Herr Burlefinger auf dem Anstand eingenickt und ein Opfer verworrener Traumvorstellungen geworden ist. Aber diese Deutung ist doch wohl zu hergebracht. Und außerdem: ich würde mich schön bedanken, eine zünftige Jagd-Geschichte zu erzählen, in der es glaubwürdig zugeht.
Auf den Spuren der Agnes Günther in Marburg und an der Lagst.
Die Dichterin des Romans „Die Heilige und ihr Harr".
668 ,94 140 047 ,56 ,80
445 485 i,44 1,06 1,63 ,72 ,654 2,55 8,95 1,31
4,16 ts !,i»
* in
■^Qhien 51 , 5lQ(b pleiter Nn be. Angele».
'n ^Krigen he biejer sei, baß würben ? Beruh, e Weih!. ' sodann inen. Die
fudJ^L-
l9en Le. worf wer. ünnerung
wirkt bis in die Gegenwart fort und wird ange vor dem Staub der Literaturgeschichte be-
gen angeregt, trifft man in dieser sonst so stillen, unbekannt gewordenen Gegend alljährlich unzählige „auf Agnes Günthers Spuren". Die taubenblauen Taunusberge konnte sie von dopther sehen, von Marburg aus waren sie ihr, wenn freilich norden- her, die Mitte auf dem Weg.
Neben vielen Berührungspunkten mit der Gegenwart enthält Agnes Günthers Schaffen Stellen von rein blühendem Menschentum ; z. B. die mystisch geartete Frömmigkeit ihrer „H e x e", die sich mit Blumen und Tieren eins fühlt. Immer wieder schreibt die Dichterin, wir spüren es auch hier, unter zarter Verhüllung sich selbst, ihre Visionen, ihr Heimweh, ihr Erdenglück, das ihr deshalb so schön und wertvoll scheint, weil sie es fühlt und in ihren letzten Jahren immer deutlicher zu spüren bekommt: es ist einmalig und wird sehr schnell vergangen sein. Davon konnten auch Daoos und die Riviera der einstigen Pfarrfrau von Blaubeuren und Langenburg nicht mehr helfen.
Die wenigen anderen Werke, die Agnes Günther hinterließ, auch das Schauspiel „Die Hexe, die eine Heilige war", das im Theatersaal des Schlosses Langenburg aufgeführt worden ist,
Inzwischen war es Abend geworden und Hungergefühl meldete sich. Dem Bräuereibesitzer schwebte ein pikantes Tartarbeefsteak mit Zwiebeln vor. Gleichzeitig bückte sich der Rehbock, der er doch auch war, rupfte Klee und schwänzelte vor Behagen über dessen Wohlgeschmack. Nichtsdestoweniger spuckte im nächsten Moment Herr Burlefinger das Zeug mit Abscheu aus. Er hatte dies aber kaum vollbracht, als der Rehbock in ihm bei der Vorstellung eines Tartarbeefsteaks starke Uebelkeit empfand. Es war ein grausames Durcheinander von Gefühlen, aus denen es keinen Ausweg zu geben schien. Der Jäger, Brauereibesitzer und Rehbock in einem — vom Stadtverordneten gar nicht zu reden, der er obendrein auch noch war — kannte sich überhaupt nicht mehr aus.
Da raschelte es im Gebüsch. Ein anderer Bock trat heraus. Der Brauereibesitzer beroch ihn recht umständlich. Als Jäger juckte es ihm in allen Fingern, jenem eine Kugel aufs Fell zu brennen. Gleichzeitig konnte er aber das Verlangen, den anderen kameradschaftlich zu beschnüffeln, nicht zurückhalten. w , ,,,,
Was er hier suche, fragte der Neue unfreundlich, dies fei sein Revier. Sie gerieten in Streit und wurden tätlich. Ein Hufschlag gegen den Bauch trieb den Platzbock in die Flucht, worüber der Sieger eine wahrhaft menschliche Genugtuung emp- ^Di'e Nacht sank herab. Der Verwandelte gähnte. Ein Igel trippelte heran, schnüffelte an ihm und rollte sich fest zusammen. Eichkätzchen sprangen über seinem Kopf tzin und her. Eine unsichtbar schwebende Eule leuchtete ihm mit funkelnden Katzenaugen ins Gesicht. Plötzlich schreckte in der Nahe ein Bock. Da durchfuhr Herrn Burlefinger wiederum jägerisches Ungetüm und ihn verlangte lebhaft nach seinem Gewehr. Rasch sprang er auf, nach den Hochständen zu eilen, in denen die Jagd- qefährten sitzen mußten. Und wirklich — da sah er sie beide, Landrat Bohmann und Geometer
Pst"^M?h wollte er machen, aber wieder kam ein schallendes Böh! Böh! aus seinem Hals. Wie der Satan raste er davon. Weitab warf er sich schweratmend nieder und barg fern Gesichtam Boden. Da mußte er furchtbar niesen - Engerlinge waren in seine Nase eingedrungen. Er suchte verzweifelt nach seinem Ta chentuch und lachte, als chm einfiel, daß dies für einen Rehbock ein un-
norft
Gemüse» fuhren. Die notten und i für Kopf, ib HivielM 130 bis 40, 26 bis 30, ’ 14 bis 16, 15, Einmach. । 4«, /- kg 5 7,90, Kohl- ifferlinge 28 L 8 bis 10. Rotkraut 10 älter-Spino! s 35, Fch Zwiebeln 1
Angebot von il Erdbeercn gebot vorerst lebigen!). 3n eeren höher, rrikofen unb befriedigend, inaar. 28 bis is 6,50 West« [ 32 bis 35, ren 25, W bis 20, Kil' bis 25, M' chelbeeren W 0 bis 15.
en.
nartt in ®i* l Fresser M en: E 480 bis Al . 3, Dualität läD'rig 12» W Klart, xS ass
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gommerferien!
In den letzten Wochen, wenn die Kinder zur Schule pilgerten, mag vielen der Weg recht schwer geworden sein. Draußen lag die Welt im Frühschein der Sonne, überall blühte und duftete es, die Vögel sangen, und alles freute sich. Aber unerbittlich*' mahnte der Alltag. Die schwere Büchermappe in der Hand drückte und erinnerte an die tägliche Schulpflicht. Im Geiste aber schauten die Kinder schon weiter, sie wußten und fühlten es: Noch ein paar Tage, dann gibt es die großen Ferien!
Nun sind die ersehnten Wochen da. Nun können unsere Kinder einmal ausspannen, die Schulen haben ihre Pforten geschlossen, für fünf und eine halbe Woche sind die Schüler „dienstfrei". Da gibt es schon glänzende Augen, die hinauf nach den Sommerwölkchen schauen. Mehr als fünf Wochen keine Schule, keinen Aufsatz, keine Rechenaufgaben! Das will etwas heißen.
Frei und ungebunden dürfen die Kinder ihre Zeit gestalten. Sie könnten nun wohl am Morgen länger schlafen, aber sie tun es nicht, und wir sagen: Gott sei Dank! Denn gerade der freie Morgen, der seither durch den Unterricht ausgefüllt war, ist das schönste in den Ferien. Schon die Vorfreude am Abend: Morgen kannst du machen, was du willst! ist etwas wert. Kommt dann Regenwetter oder sonst ein Hindernis, dann werden die Kinder noch lange nicht mißmutig; denn auch die stillen Tage sind schön. Da hilft eine leichte Arbeit, eine Bastelei oder auch ein gutes Buch über die Stunden hinweg. Das Gefühl der Freiheit aber, das bleibt und mit dem Gefühl die Hoffnung auf viele sonnige Tage, an denen es hinausgeht...
Die Reisepläne werden noch einmal durchgesprochen, der Tisch ist bedeckt mit Landkarten und Fahrplänen. Wir dürfen und wollen den Wandertrieb unserer Kinder nicht unterdrücken. Sie wollen hinaus und ihr Vaterland kennenlernen. Nun können sie zeigen, was sie seither an Kartenlesen, in Sport und Spiel geübt haben. An fast allen schönen Plätzen Deutschlands sind Jugendherbergen, die für unsere Jugend ideale Uebernachtungsgelegenheiten darstellen. Dort kommen sie zusammen mit andern Kindern aus dem weiten Vaterlande, dort können sie erzählen und auch zuhören. Gemeinsame Lieder werden gesungen, und bei Spiel und Tanz werden Freundschaften geschlossen, die oft das ganze Leben dauern.
Aber nicht alle Kinder können hinauswandern in die schöne Welt. Diele müssen ihre Ferien zu Hause verleben. Da sollen nun die Eltern, auch wenn sie Arbeit in Hülle und Fülle haben, ihren Kindern doch Ferienfreuden bereiten. Am Sonntag wenigstens könnte eine größere Wanderung unternommen werden. Und wenn gar der Urlaub des Vaters in die Ferien fällt, dann können wir es schon einrichten, daß es für einige Tage hinausgeht ins Freie. Das bereitet besonders den kleineren Kindern, die noch nicht allein auf Fahrt gehen können, eine ungeheure Freude. Die geldliche Seite dieser Wanderungen kann gar nicht in Frage gestellt werden, wenn wir genügend Eßvorräte rnitnehrnen. Es muß ja auch nicht gleich eine Reise mit der Eisenbahn sein. Unsere nähere Umgebung ist so reich an landschaftlichen Schönheiten, daß wir ruhig alles zu Fuß machen können. .
Bauernkinder freilich haben wohl Schulferien, aber keine Arbeitsferien. Für viele beginnt in der Ernte eine harte Zeit. Sie müssen früh aus den Betten und bei der Arbeit helfen. Da wird das Getreide gewendet, da wird eingefahren, da helfen die Kinder bei der Dreschmaschine usw. Mahnende Erinnerungen der Kleinen, daß sie doch Ferien hatten, werden zurückgewiesen. Es heißt einfach: Du bist nun so stark, daß du etwas schaffen kannst!
Aber alle Arbeit wird gern geleistet, denn auch
Frankfurter Römerberg-Festspiele.
Die letzten Tage brachten im Frankfurter Theaterleben den vollen Einsatz der Sommerspielzelt, vor allem den Beginn der Festspiele auf dem Römerberg mit Schillers „F i e s k o", dem am übernächsten Tag „Die Jungfrau von Orleans' folgte. Ein Prolog von Hannes Ra zum feierte die fünfte Wiederkehr der Festspiele „auf jenem Schauplatz deutscher Größe", in denen „ber Wunschtraum der Jahrhunderte" in einer kultischen Schau Wirklichkeit geworden ist, des deutschen Volkes Na- tionaltheater. Nicht zuviel gesagt! Der Widerhall der Spiele auf dem Römerberg in den Herzen der Bevölkerung von Frankfurt und seiner Umgebung ist tief und echt, das zeigten Besuch und Beifall bei den ersten Aufführungen dieses Jahres. Die Römerberg-Festspiele find dabei, die breiten Schichten des Volkes dem deutschen Theater wiederzugewinnen, lieber den „Fiesko" wurde bereits berichtet. „Die Jungfrau von Orleans" hat auf dem Römerberg schon fast eine Tradition. Einige Umbesetzungen gegenüber dem Vorjahre ändern nichts an dem großen Eindruck. Einer Ueberprufung be- darf aber der mit aller Pracht eines mittelalterlich- katholischen Zeremoniells ausgestattete Krönungszug. Die Wirkung dieses Zuges ist heute auf Grund verschiedener Ereignisse eine dem Regiewillen entgegengesetzte, indem er die Zuschauer nicht mehr zu ehrfurchtsvoller Andacht führt, sondern zum Lachen reizt — ein aufschlußreiches Beispiel dafür.
und im gewissen Sinne sogar ihre Brautbriefe, sind nur Vorstudien zu ihrem Lebenswerk.
Eine geheime Macht des Blutes hat in Agnes Günther gewaltet: „Es ist nicht gleichgültig, von welchem Blut wir stammen, denn unsere Vorfah- ren gehen immer leise mit uns durchs Leben, in den großen Schicksalsstunden scharen sie sich als unsichtbare Leibwache um uns, wir fühlen ihre gemeinsamen Kräfte."
In dem knappen Zeitraum des Jahres 1909 hat sie, begeistert für die Marburger Heilige, einge- spönnen vom Zauber der alten schwäbischen Heimat, den 721 Seiten starken Roman bewältigt, nur einen kleinen Teil aufsparend für den Rest ihrer Tage; so entstand acht Tage vor ihrem Tod das beseligende Kapitel „Oratorium". In einem Zuge und mit ganz großen Buchstaben habe sie es geschrieben, überliefert der Gatte. Ihre Hand war schon schwach. Eine begnadete Seele hatte sich selbst verzehrt. AugustStraub.
Kunst und Wissenschaft.
Stiftung eines Lenbach-Prelfes der Stadl München.
Wie der Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung, Reichsleiter F i e h l e r , gelegentlich der Eröffnung der Gedächtnisausstellung für Franz von Lenbach mitteilt«*, hat die Stadt München beschlossen, aus Anlaß des 100. Geburtstages des Meisters einen Ehrenpreis, bestehend aus 2000 Mark und einer Lenbach-Medaille in Silber, zu stiften, der alljährlich an einen Münchener Künstler für das beste Porträt verliehen wird. Der Preis kann nur einmal verliehen, allenfalls geteilt werden. Der Preis soll dazu beitragen, die Porträt- malerei zu heben und den Künstlern eine neue Mög- lichkeit zur Entfaltung ihres Könnens im Geiste des unsterblichen Meisters Franz vvn Lenbach zu geben.
Tolle Lagdgesch chte.
Von Peter Scher
Die Jäger trennten sich. Landrat Bohmanns Hochsitz lag geradeaus. Geometer Schnurrhahn bog : links ab, um an seinen Platz zu gelangen. Brauereibesitzer Burlefinger mußte nach rechts. Als sie em Stück gegangen waren, drehten sich alle drei rme □uf Verabredung noch einmal um, riefen „Weidmannsheil!" und gingen weiter. Acht Uhr fünfzehn trat gewöhnlich der Bock heraus. Es war also noch Zeit genug.
Brauereibesitzer Burlefinger war diesmal nicht i:n bester Verfassung. Erst stolperte er, dann hakte slich sein Gewehr an einer Brombeerranke fest. Sem I Herz begann unruhig zu arbeiten. Er kannte das. Schon beim Erwachen hatte er einen merkwürdig benommenen Kopf gehabt. Hoppla — ein Graben!
Er hüpfte hinüber und hatte die seltsame Emp- frinbung, daß er mit vier Beinen springe. Ganz deutlich war ihm, als ob er zwei Hinterfüße nach- qeschwungen hätte. . . ,£ ...
„Welch ein Blödsinn!" dachte er und drehte sich mm sich selbst. Sein Schreck war unbeschreiblich, als er feststellte, daß er in der Tat vier Beine ^Dummheit", dachte Burlinger, „ich bin doch mcht betrunken! Also jetzt mal in allem Ernst
Er bückte sich über den Spiegel des kleinen Baches und fuhr zurück. Der Kopf eines Rehbockes jah ihn aus dem Wasser an. . ...
1 „Na, na, na!" sagte Burlefinger bei sich, „letzt • aber genug!" Er sagte es, um sich zu beruhigen.
Aber merkwürdigerweise empfand er gleichzeitig em j ägerisches Interesse an seinem seltsam veränderten ^^„S^mal an", dachte er, „braves Gehörn, guter Sechser stark geperlt bis oben hinauf. So einen Bock habe ich in diesem Revier noch gar nicht gesichtet! — Aber Blödsinn, ich träume ja.
• Er stampfte mit den Fußen, um sich in ffiirf- üchkeit zurückzurufen. Da bemerkte er Mit Entsetzen, Haß er zu gleicher Zeit mit zwei Hinterfüßen aus- ^Jetzt wurde ihm Angst. Wo nur die Jagdgefahr- len sein mochten? Da - Gott sei gelobt! - sah ür sie, noch auf offenem Gelände. Hasttg offne e ür den Mund, um Bohmann zu rufen. Aber w e . erschrak er, als ein weithin schallendes „Boh Boh-
>us seinem Halse schreckte. In demselben Augenblick - Iiagen die beiden Jäger auch schon im Anschlag.
Wenn der Brauereibesitzer nicht: mit einem schnellen Satz beiseite gesprungen wäre, hatte es ihm scyumm
seine Größe und Wirkung unter dem Stern ihres eigenen Vergehens stand. 1913 erschien der Roman, 1911 war die Dichterin siebenundvierzigjährig ihrem unheilbaren Kehlkopfleiden erlegen. Ihr Werk
wie die Zeitläufte eines einzigen Jahres dem Spielleiter neue Aufgaben stellen, denen er sich um der Wahrheit der dichterischen Verkündigung willen nicht entziehen darf. Dr. W.
Zeitschriften.
— Eine in der Julinummer der „Berliner Monatshefte" (Quader-Verlag, Berlin W 15) veröffentlichte Arbeit von Oberregierungsrat Helmut Greiner von der Forschungsanstalt für Kriegs- und Heeresgefchichte über „Die französische Mobilmachung 1914" gibt erstmalig an Hand des französischen Quellenmaterials eine ausführliche Darstellung der französischen Mobilmachungsvorbereitungen vom 25. Juli bis zur Mobilmachung am 1. August. Getreu den politischen Verabredungen mit Rußland hat Frankreich im Juli 1914 auch seine militärischen Vorbereitungen dem Tempo der russischen Mo- bilmachungsmaßnahmen angepaßt. In allen Anordnungen Deutschland weit voraus, waren seine Grenzschutztruppen am 30. Juli aufmarschiert, und schon in der Nacht zum 1. August konnte der spätere Generalissimus General Joffre die kommandierenden Generäle auf die unmittelbar bevorstehende Mobilmachung vorbereiten. Die Mobilmachung selbst erfolgte am Nachmittag des 1. August kurz vor dem gleichen deutschen Schritt.
— Friedrich Nietzsche hat den „Geschmack am Alten Testament" einen „Prüfstein in Hinsicht auf Groß und Klein" genannt. Heute steht der Kampf um dieses Buch im Mittelpunkt des religiösen Ringens. In ihrem Juliheft nimmt die „Z eitwende" (Wichern-Verlag, Berlin-Spandau) dazu Stellung. Eduard Putz untersucht die entscheidende Frage: „Judenbuch oder Gottesoffenbarung?" Sehr eindrucksvoll äußert sich D. Karl Witte über „Die Schau der Geschichte bei den Propheten" heraus. Don weiteren Beiträgen des Heftes zum Gesamtproblem seien genannt die Aufsätze von Professor D. Friedrich Büchse! über „Das Alte Testament im Neuen", von Dr. Siegfried Beyschlag über „Das Alte Testament in früher deutscher Dichtung" und von Lic. Gottfried Holtz über das „Problem des Sozialen in der Botschaft der Propheten".
Hochschulnachnchten.
Dem Dr. phil. et Dr. med. habil. Werner Koll an der Universität Frankfurt ist eine Dozentur für Pharmakologie und Toxikologie verliehen worden. — Der an das Oberpräsidium in Kassel versetzte Turnrat Dr. M a e d e r ist von der Leitung des Hochschulinstituts für Leibesübungen bei der Universität Frankfurt entbunden worden.
wahrt bleiben.
Es scheint sich alles seltsam passend ineinanderzufügen: Marburg, wo Agnes Günther als Professorsgattin lebte, war der Mittelpunkt einer jungen evangelisch-cheologischen Richtung geworden, tie alte Residenz der evangelischen hessischen Landgrafen, die durch ihre Ahne Elisabeth doch in einem eigenartigen Verhältnis zur mittelalterlichen Heiligenlegende standen. Aber „nicht sogleich war die Dichterin in dieser anderen (Marburger) Land- jchaft heimisch, die zwar auch erstaunlich waldreich ift, deren Wälder aber regelmäßiger sind, als sie gewohnt war"; trotzdem fand sie nach und nach die Beziehungen zu ihr: auf Wanderungen zur Sackpfeife, nach dem burggekrönten Hinterländerstädtchen Biedenkopf, nach dem stillen Rauschenberg, dem waldumwobenen Rimberg. Vielleicht hat sie auch das uralte Amöneburg, wo St. Bonifatius die erste Einsiedelei gründete, angeregt. Bestimmt st, daß ihre Gefühle vor dem freilich stark bäuer- ich naivierten Rokoko der oberhessischen Volks- cacht mitschwangen. Naturgemäß am stärksten ! fesselte sie die Gestalt der heiligen Elisabeth, sowie ihres Beichtigers, des grausamen Marburger Ketzerrichters, „der immer noch ein nicht ganz gelöstes Rätsel der Seelengeschichte ist".
Was in der Dichterin aber nie zum Schweigen kam, war die romantische Welt der schwäbischen Jagstgegend. Hier, in Langenburg, dem alten Re- !sidenzstädtchen der Grafschaft Hohenlohe, wohin sie im Jahre 1891 gezogen war, hier hatte sie ihre geistige Heimat gefunden. Ein kleinstädtisches Idyll, vergeistigt durch ein adelig geprägtes Menschentum. Und in diesem Winkel der Hölderlin und Mörike die alten Schlösser Langenburg, Morstein, Tierberg. „Ich wohne in einem Waldlande, in dem ; es viele alte Schlösser gibt. Keine Ruinen, das ist 1 sben das Besondere, sie sind alle wohlerhalten und liebevoll gepflegt. Jedes Teil dieser Schlösser hat


