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Kaufmanns tief in den Schatten gestellt hat.
Schon 1925 lenkte Mussolini die Augen des damaligen Kolonialministers auf Abessinien, 1932 schickte er De Bono nach Eritrea und auch der König sah sich dort um. Der Umfang der für einen Offen«
Es ist ein Stück der Maginot-Linie, so genannt nach dem französischen General, dem Erbauer der Werke, die sich längs der ganzen Ostgrenze Frankreichs hinziehen. Für alle vernünftige Erwägung kann die Sicherheit, die Frankreich hinter diesem ungeheuren Bollwerk genießt, durch nichts Überboten werden. Woher trotzdem die Sorge, das
Oberin KätheBöttger, Generaloberin der NS.-Schwesternfchast. (Scherl-M.
„Zeugt oder zahlt!" so ruft Naudeau als Schluß- erg'ebnis feiner bevölkerungspolitischen Artikelreihe seinen Landsleuten zu. Seht auf Deutschland und Italien, und rechnet euch aus, um wieviel großer in zehn oder zwanzig Jahren der heute schon höchst bedrohliche Abstand zwischen der Bolkszahl Frankreichs und dieser Länder geworden sein wird! Der Sinn des Naudeauschen Imperativs liegt in zwei weiteren Sätzen: „Aus der Tasche der Ehelosen und Unfruchtbaren muß sich der Staat seine Mittel holen... Es handelt sich nur um einen Transfer, durch den der verschwendete Ueberfluß aus dem Budget minder nützlicher Bürger in das der nützlichsten übergeführt werden muß!" Die mindernütz» lichen find die Kinderlosen und Kinderarmen; die nützlichsten sind die, die dem Vaterlande die meiste Nachkommenschaft schenken.
Was Naudeau verlangt, ist eine solche Steuer» und Erbschaftsgesetzgebung und eine solche Regulierung der Gehälter, daß es — mit seinen Worten — „aufhört, eine Last zu sein, daß man Kinder hat, und daß es stattdessen eine Last wird, keine zu haben". Mag die Nation doch befehlen, ruft er aus, daß diese Jahr für Jahr „verlorenen Schlachten", die immer von neuem anfangen und immer von neuem mit einer Niederlage enden, endlich einmal aufhörenl
Das Wort von den verlorenen Schlachten trifft in den Kernpunkt der französischen Sorge, und es steht als Gespenst hinter der französischen Maginot- Linie von der belgischen Grenze bis zu den Alpen. Aus ihm ist auch die verzweifelte Auskunft geboren, daß Frankreich nicht 40 Millionen, sondern 100 Millionen Einwohner habe, nämlich einschließlich aller Schwarzen, Braunen und Gelben in Afrika und Asien. Um dies Verlorengehen des Rassegefühls kann Frankreich am aufrichtigsten nur von denen bedauert werden, denen die Freundschaft der europäischen Völker am ehrlichsten Herzenssache ist.
Die Abwanderung vom Lande in die Stadt läßt nicht nur das flache Land in Frankreich zugunsten der Städte veröden, sondern sie überfüllt auch die städtischen Berufe. 1890 studierten an den französischen Hochschulen 17 000 junge Leute, 1924 waren es 51 000, und jetzt soll die Zahl über 80 000 betragen. Die akademischen Berufe sind überfüllt und die „Chömards intellectuels“, die beschäftigungslosen Akademiker, haben bei der letzten Parlamentswahl zu den eifrigsten Propagandisten für den Sozialismus, ja vielfach für den Kommunismus gehört. Ihre Parole ist das „Recht auf Leben" — ein Schlagwort, das, seitdem auch Frankreich von der Weltwirtschaftskrise ergriffen ist, die Gemüter des Bauern, des Arbeiters, eines jeden, der zu einem notleidenden Beruf gehört, mit wachsender Kr«ft erfüllt und einem sozialen Radikalismus — zunächst noch mehr gedanklich, als praktisch — den Weg in die öffentliche Debatte und in die Volksvertretung bereitet. Schatten über Frankreich — das Wort ist keine deutsche Erfindung, es stammt i aus französischem Munde. Das Straßburger Mün- i ster ist wieder eine „Cathddrale“, aber Frankreichs ’ Gefahr sitzt nicht vor, sondern hinter der Maginot- i Linie. t
Oie Feldherren haben das
Don unterem römischen E.-Korrespondenten.
Auf pfaden der Geschichte durch Frankreich
Don Dr. Paul Rohrbach.
Die Enthüllungen De Vonos.
I.
Ein Jahr nach dem Beginn des Feldzuges in Abessinien, fünf Monate nach dem Einmarsch der Sieger in die feindliche Hauptstadt haben die beiden Feldherren auf die zeitgemäße Weise Rapport erstattet: der Welt ihr Buch vorgelegt. Beide sind bei Mondadori erschienen, beide zeichnen sich durch Offenheit aus, beide tragen ein Geleit- wort des Duce voran. Und aus beiden erkennt man mit aller wünschenswerten Klarheit, daß diesen Krieg kein anderer gewollt, durchdacht, vorbereitet, gelenkt und gewonnen hat als Mussolini. Was ihm bisher fehlte, um die beliebten Vergleiche mit Cäsar und Napoleon vollständig und überzeugend zu machen, der Schlachtenlorbeer ist nun Wirklichkeit geworden, De Bono wie Badoglio an- erkennen rundweg den überlegenen Führergeist des Mannes, der der' Schrecken aller politischen Kinderstuben ist. Der im Weltkrieg noch einfacher Soldat und später der Rebell mar, den aber das Schicksal deshalb dazu erkor, Gründer des neuen r o - mischen Imperiums zu werden, weil er es meisterte, weil er selber Schmied seines Glückes
Der Schatten.
VI.
Von Dijon bis Belfort fährt man durch die Franche Comte, die alte Freigrafenschaft Burgund. Zur Zeit des freien Gallien wohnten hier die Sequaner. Das heutige Befan?on war ihre Haupt- tadt. Sie lagen im Streit mit ihren Nachbarn, )en Aeduern, und riefen den germanischen Heerkönig Ariovist zu Hilfe. Der kam auch, lagerte sich mit seinem ganzen Kriegsgefolge bei den Sequa- nern ein und schickte sich an, ganz Gallien zu erobern. Auf dem Bahnhof von Besan^on dachte ich daran, ob wohl vielen von den Menschen, die heute hier wohnen, bewußt ist, wie Cäsar und Ariovist um die Wette marschierten, um diesen Platz zu gewinnen. Cäsar kam früher an; aber welche Mühe hatte er, seine jungen Soldaten in den Kampf gegen die furchtbaren germanischen Krieger zu bringen! Die Entscheidung fiel erst weiter gegen Osten, bei Mülhausen im Elsaß. Die Eisenbahn folgt der alten Dölkersfraße, die bei Belfort durch )ie Burgundische Pforte zwischen Jura und Vogesen in den Sundgau, das südliche Elsaß, hinaustritt. Cäsars Sieg bei Mülhausen brachte die Römer zum erstenmal an den Rhein. Ariovists Heer ging in der Schlacht zugrunde. Er selbst rettete fick über den Strom und ist dann in Germanien verschollen.
Fünfhundert Jahre später zogen die germanischen Burgunden durch die fortan nach ihnen genannte Pforte westwärts. Auch die Ostseeinsel Bornholm, eigentlich Burgundarholm, trägt ihren Namen als •eine der Stationen, die der Stamm der Burgunden auf der jahrhundertelangen Wanderung aus feiner skandinavischen Urheimat bis in das warme, wein- gesegnete Land an der Saöne und Rhone auch einmal besetzt hatte.
Stahl, dem Auge verborgen, verbaut sind. Man sieht eine bretterne Holzverschalung und dahinter steckt eine drei Meter dicke Betonwand. Ein Druck auf einen Knopf in einem Unterstand tief unter der Erde — und eine ganze Chaussee fliegt in die Luft, mit allem, was sich darauf bewegt. Elektrische Starkstromleitungen füllen in Büschen versteckte Drahtverhaue mit Todesgewalt.
lichen Reihen besiegt.
Mussolini sah aber weiter, erwog auch die fernsten Möglichkeiten, Hindernisse diplomatischer roie militärischer Art. Was die diplomatischen anbe» langte, so „ließen die Besprechungen mit Laval erhoffen, daß uns von dorther keine Schwierigkeiten entstehen würden". Aber die Zeit drängte, mit dem Ende der letzten Regenfälle mußte los- geschlagen werden. Am 30. Dezember 34 hatte Mussolini persönlich den geheimen Aktionsplan fertig, am 26. Februar 35 schrieb er an De Bono, da der Negus offenbar nicht angreifen wolle, müsse man selber die Initiative ergreifen. „Ich werde dir zweihunderttausend Mann schicken. Du verlangst drei Divisionen fü,r bis Ende Oktober, ich beabsichtige dir aber zehn zu geben, zehn, sage ich: fünf reguläre, fünf Schwarzhemden-Divifionen. Diese Freiwilligenregimenter werden den Beweis erbringen, daß das Unternehmen die Zustimmung des Volkes gefunden hat." Und weiter: „Auch in Hinsicht auf die Möglichkeit internationaler Auseinandersetzungen (Völkerbund usw.) ist es unerläßlich, schnell zu machen. Wegen einiger tausend Mann, die wir bei Adua zu wenig hatten, verloren wir damals die Schlacht! Einen solchen Fehler werde ich nie begehen. Lieber durch Uedermaß irren, als durch Mangel!"
De Bono telegraphierte umgehend, er sei stolz darauf, daß sich seine Ansichten mit denen des Duce vollkommen decken. In den Kasernen Italiens wurde es lebendig, Schiff auf Schiff dampfte ab, Tausende aber Taufende von Arbeitern. Und auch die Kriegsgewinnler regten sich, die Aasgeier und Hyänen! Bitter spricht sich der Marschall aus über „die üble italienische Gewohnheit, die nicht einmal der Faschismus ausrotten konnte, schmutzige Dinge zu erfinden, um das Brot hineinzutunken", d. h. bei jeder Gelegenheit absichtlich das Wasser zu verunreinigen, um im Trüben fischen zu können. „Das alles aber hat den wachsenden Arbeitsrhythmus nicht um einen Ton abschwächen können."
zwölfjöhr'gcn Scsmannsleben, dessen Erinnerung ich nicht missen möchte. —
Kehren wir also zu den Ereignissen feit dem 12. Oktober zurück, an dem wir pünktlich um 12 Uhr nach letztem Händeschütteln und Scherzwort und mancher verstohlenen Träne aus schönen Augen unter den traditionellen Klängen des „Muh i' denn..." aus der Schleuse liefen, vorbei an dem iur Verabschiedung erschienenen Kommandierenden Admiral der Nordseestation und seinem Stabe. Admiral Schultze war im Jahre 1928/29 als Kapitän zur See Kommandant unseres Schwesterschiffes „Elsaß" gewesen, mit dem ich als Fähnrich zur See eine schöne eindrucksvolle Spanienreise im Linienschiffsverbande nach Bilbao und einigen anderen nordspanischen Häfen erlebte. Diese Erinnerung wird wieder lebendig, als wir uns am späten Nachmittag mit der zwei Stunden vor uns ebenfalls zu einer Kadettenausbildungsreise ausgelaufenen „Schlesien" vereinigen und zu gemeinsamen Hebungen westwärts den englischen Kanal ansteuern. Grau und verhangen der Himmel, die Nordsee zeigt ihr gewöhnliches Oktobergesicht, und die wüsten „Katzenköpfe" prophezeien tm herein mit den ersten Wetterberichten ein ganz munteres Stürmchen für die vor uns liegenden Biskaya- turfe. Uns ist es recht, die jungen Kadetten und Rekruten müssen ja doch Seebeine kriegen, und je schneller die ihnen wachsen, um so besser schmeckt ihnen auch das Essen wieder, das bereits dem einen oder anderen trotz aller guten Vorsätze „aus dem Gesicht fällt"! Da lernen sie aber rasch, was Luv und Lee heißt, wenn sie es nicht gänzlich verderben wollen mit dem gestrengen Korporal!
.Nächtlicherweile passieren wir einen großen Bruder, den englischen Schlachtkreuzer „Rodney", der uns unter der Insel Wight überholt. — Wir wun- schen uns glückliche Reise nach gutem alten Seemannsbrauch. Bald ist der Koloß unseren Blicken entschwunden und die beiden wackeren Veteranen pflügen weiter unbeirrt die nächtlichen Fluten mit Kurs auf das Cap Oueffant, dem Nordwestzipfel Frankreichs. Die braven alten Schiffe, die schon die Skagerrakschlacht als ältere, langsamere Schiffe nur in der hintersten Linie mit- kämpfen halfen, sind heute nach langjähriger, ver- dienstvoller Fahrzeit in der Reichsmarine, als letzte Vertreter dieses veralteten Schiffstypes als S ch u I- fdjiffe umgebaut worden und für diesen wesentlichen Zweck nach wie vor ausgezeichnet geeignete Beide Schiffe haben fast 200 Kadetten des Jahrgangs 1936 an Bord, deren Grundausbildung auf dieser Reise soweit abgeschlossen werden soll, daß sie nach der Rückkehr in die Heimat im April 1937 als Fähnriche die Marineschule Flensburg- Mürwik beziehen können. Dieses Siel zu erreichen, ist unser aller vordringlichste Ausgabe nächst den beiden weiteren, nicht minder wichttgen, die Verbindung zwischen dem Vaterland und den im Ausland lebenden Deutschen herzustellen und zu fördern und das neue Deutsche Reich im Auslands zu re»
Wrin, und ich erlaubte mir die Frage, welch cht Geschäft ihn hergeführt habe? Darauf die Antwori. Ich sehe mich nach Land um, man kann hier billig kaufen. Es sind schon ein p^ar Tausend Schweizer hier im Süden ansässig, und ich soll m Erfahrung bringen, was es noch Gutes zu kaufen gibt." Ein paar taufend Schweizer und ein paar Hunderttausend Italiener! Frankreich hat rund 42 Millionen Einwohner, aber davon sind fast drei Millionen Ausländer: Italiener, Belgier, Spanier, Polen, russische Emigranten. Die Belgier und Polen sind fast alle Arbeiter in den Industriegebieten, von den Italienern und Spaniern sitzt ein großer «teil in den sich mehr und mehr entvölkernden Landschaften von Südwest- und Sudostfrankreich, als Landarbeiter, aber zunehmend auch als Landbesitzer. Man drängt darauf, daß sie sich als Franzosen naturalisieren lassen, aber das ift nur eine Notauskunft gegenüber dem Beoölkerungsschwund, unter dem das einheimische, französische Volkstum leidet. Hier sitzt die tteftte Wurzel des Unbehagens, des Gefühls des „Nicht-mehr-sicher-seins das den Franzosen faßt, wenn er auf seine Nachbarn duckt, nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf Italien.
Ich habe auf meiner Reise eine Bevölkerungskarte von Frankreich mitgenommen. Sie gehört zu einer großen statistischen Arbeit von M. Matruchot, und Ludovic Naudeau hat sie in die Untersuchung aufgenommen, mit der er vor einigen Jahren von der „Illustration", der vornehmsten illustrierten franz^ fischen Zeitschrift, beauftragt wurde. Sie zieht sich durch zwei Jahrgänge und führt den Titel: „Enquete sur la Population de la France“. Naudeau hat selbst alle französischen Departements besucht und seine mit erschütternden Illustrationen versehenen Artikel sind ein einziger Aufruf an die französische
„Eigentum ist Diebstahl". Auch Victor Hugo war Befangner Kind.
In Belfort wechselt das Zugpersonal. Die Bahnen des alten Reichslandes Ellaß-Lothringen sind keiner Privatgesellschaft übergeben worden, sondern sind französische Staatsbahnen geworden. Fahrdienst und Stationspersonal sprechen deutsch. Auf dem Bahnhof in Mülhausen klang ein derb behagliches Alemannisch über die Gleise, daß es eine Freude war — wollte ich sagen. Aber eine Freude, in die sich für uns tiefer Schmerz mischt. Man fährt durch die Rheinebene: Mülhausen, Colmar, Schlettstadt, Straßburg! Bei Colmar liegt das Lügenfeld, wo die Söhne Ludwigs des Frommen das Heer des Vaters betörten und zum Abfall brachten. Heber Schlettstadt ragt die Hohkönigsburg. Die Schweden haben sie im Dreißigjährigen Krieg verbrannt; Kaiser Wilhelm ließ sie durch Bodo Ebhardt wiederherstellen. Jetzt ist sie französisches Nationaldenkmal. Wie oft bin ich als Student von Straßburg aus in den Dogefentälem hinter Colmar und Schlettstadt gewandert! Albert Schweitzers elterliches Pfarrhaus in Günsbach im Münstertal war mir wie eine sonntägliche Heimat.
Die rheinwärts gekehrte Hälfte des Elsaß ist jetzt ein einzige unsichtbare Festung. Fort liegt neben Fort, Panzerwerk neben Panzerwerk, aber alles so verdeckt, daß man es bei gewöhnlichem Hinsehen gar nicht wahmimmt. In der französischen Kammer wurde einmal gesagt, daß hier anderthalb Millionen Kubikmeter Beton und 200 000 Tonnen
Personals! ..
Da bringt dann das immer wieder geübte Ret- tungsbootsmanöver „Boje über Bord" für alle eine erfrischende Abwechslung, das schon erheblich besser und fixer klappt, wie in den ersten Tagen. Gewaltige „Schläge" werden zu Mittag „verdrückt" und bis zum Beginn des Nachpiittagsdienstes liegt oder sitzt man fröhlich an Deck.
Wenn wir morgen, pünktlich um 10 Uhr, vor der Hasenmole von Puerto de la Luz, dem Hafen der Stadt Las Palmas, stehen, können wir mit Stolz und Befriedigung auf den ersten hinter uns liegenden Seetörn zurückblicken und uns in der Freizeit mit ungetrübter Freude in das bunte, südländische Treiben des ersten Auslandhafens stürzen.
präsentieren.
Indem wir nach dem Passieren von Cap Ouessant mit südlichem Kurse die spanischen Gewässer anfteuern, sind wir zugleich dem Befehlshaber der zur Zeit dort Rationierten deutschen Seestreitkräfte unterstellt, um gegebenenfalls zum Schutze deutscher Volksgenossen und zur Wahrung deutscher Interessen Sonderausgaben tu erfüllen. Da die KanarischenJnseln, mit dem Haupt- Hasen Las Palmas auf der Insel Gran Canaria, unser erstes Reiseziel sind, die von vornherein fest in der Hand der nationalen Truppenmacht gewesen sind, werden wir voraussichtlich keine praktische Hilfe leisten können und müssen.
Während wir unter der portugiesischen Küste, fast 100 sm westlich, dem Aequator fühlbar näher kommen, wird es immer klarer, daß die Wetterpropheten sich dieses Mal gründlich geirrt haben müssen. Wir erleben am 19. 10. einen unvergleichlich schönen Sonntag in See, nichts als blaues Meer und strahlende Sonne rings um uns. Die Bordkapelle spielt, Liegestühle und Hängematten erscheinen an Deck, die ersten fliegenden Fische schnellen glitzernd aus dem Wasser; ein Sonntag an Bord, wie er fein soll! Spät abends klingen noch Schifferklavier und Seemannslieder von der Back.
Unverändert schon bleibt das Wetter an den beiden folgenden Tagen, und mit großem Eifer und Erfolg wird allenthalben die junge Mannschaft in den verschiedenen Zweigen des Ausbildungsdienstes gefordert. An erster Stelle steht dabei der Gefechtsdienst, wo jeder Mann mit seiner Station aüls gründlichste beim Exerzieren und Unterricht vertraut gemacht wird, sei es im schweren 28-cm-Turm ober am leichten Flak-Geschütz, in der Munitionskammer ober als Navigationsposten ber Schiffsführung. Da geht es überall heiß her, und ber Schweiß rinnt in Strömen bei ber noch ungewohnten, stetig steigenden Temperatur, die unter Deck und in den Kasematten bereite tropische Ausmaße annimmt, ganz zu schweigen von der beachtlichen Hitze in den Betriebsräumen des Maschinen-
sivkrieg notwendigen Stteitkräfte wurde erwogen und De Bono erbat sich vom Duce die Führung aus für den Tag, der kommen mußte, „Hältstdu mich nicht für zu alt?" fragte der damals Ichan weißhaarige Soldat. „Nein", antwortete Mussolini, „denn es ist keine Zeit zu verlieren! Bis 193b müsse die ganze Frage gelost fein. Unb :1.933'3* bc’ gann das Kolonialministerium seine Arbeit. Vis ms Einzelne wurde damals schon alles vorbereitet, Die Wasserversorgung, die Flugplätze, die Lazarette. De Bono wird Oberkommandierender ver gruppen in A. O. (Africa Orientale) und der Militärattache in Adis Abeba, Bersaglierihaupimann Ruggero, übernimmt das Derwaltungsarnl.
Die Abessinier sorgten für die üblichen Gren^ Zwischenfälle, De Bono für die Zersetzung nach dem altrömischen Rezept: Divide et impera! Dazu brauchte es Geld, viel Geld. Lauter Manatheresien- taler, weil sie „dort unten" nichts anderes haben wollten. Und De Bono erinnert an die Zeit vor vierzig Jahren, an den ersten Vorstoß Italiens ins Land des Löwen von Juda, wo die silbernen Kugeln schlecht und recht in Rom hergestellt wurden und — Den gleichen Mißerfolg hatten wie die italienischen Waffen in Adua. Dadurch geroißl9t ließ nun Mussolini die echten Prägstöcke aus Wien kommen und schickte De Bono schleunigst die erste Million. „Hübsch und funkelnagelneu, wurden ste zuerst mit Mißtrauen beäugt, bann aber habgierig angenommen." Es ist immer ber Marschall Jßlber, ber erzählt. „Die Auflösung des Reiches wirb nicht so schwierig sein, berichtete ich nach Rom, und Der Duce erwiderte, daß es an großen Geldsummen nicht fehlen solle." An die zweihunderttausenD Mann wurden auf diese Weise gleich in den seind-
D e B o n o, der alte Haudegen und Kolonialtiger, einer der Quadrumvirn des Marsches auf Rom, hat sein Buch nicht mit dem Federhalter, sondern mit dem Dolch geschrieben. Es ist alles eher als diplomatisch und erregt daher mit Recht Aufsehen, es setzt tatsächlich, wie Mussolini in seinem Vorwort vor- ausfagte, die Welt in Erstaunen. Wenn der Völkerbund wirklich jenes Tribunal wäre, als das er sich aufspielen möchte, so müßte und könnte er ohne weitere Zeugenvernehmung, auf Grund dieser schwarz auf weiß vorliegenden, schier beispiellosen Selbst- anklage Italien den Prozeß machen. Sein erster 93er- dammungsspruch erscheint, mit Genfer Augen gesehen, glanzend gerechtfertigt, aber der zweite muhte unmittelbar nachfolgen und die Todesstrafe für den Völkerbund selber aussprechen. Denn was bisher nur wenige zu sagen wagten, wenn es auch die Spatzen von den Dächern pfiffen, das ergibt sich nun auch aus dieser erstaunlichen Lektüre:
Wenn ber Völkerbund ernstlich gewollt hatte, so wäre es ihm ein Leichtes gewesen, den abessinischen Krieg zu verhüten, im Keime zu ersticken oder mindestens einen anderen Ausgang herbeizufuhren. Stattdessen gab er Italien alles, was Mussolini verlangte: Zeit, Zeit und noch einmal Zeit, für die Vorbereitung der Rüstungen wie für die Durchführung der Aufmarschpläne. Aber Genf kann Anspruch auf mildernde Umstände erheben: es stand ganz unter französischer Führung. Frankreich ist es, das den Boden vorbereitete und Italien im Abkommen vom 7. Januar 1935 freie Hand gab, die Voraussetzung für den Feldzug. Frankreich, so gebunden, forderte das Vorgehen Mussolinis, indem es den Völkerbund entsprechend leitete. Vielleicht steht nun ein mutiger Mann auf und schreibt ein ebenso offenes Buch über die Groteske des Sanktionskrieges, ber den für die Augen der harmlosen Menschheit nötigen Sand liefern mußte
Das unvergängliche Verdienst des Staatsmannes Mussolini ist es, die Genfer Verschleierungsmanöver richtig in seine kühne Rechnung eingesetzt zu haben. Wer die Politik als Geschäft auffaßt, der muß ihm das Zeugnis ausstellen, daß er als Schüler Machia- vellis die traditionelle Erfahrung des englischen
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Nation, mit ber systematischen Beschränkung bet Kinberzahl Schluß zu machen, bevor es zu spat ist. Weiße Farbe auf der Karte bedeutet Volkszunahme, aber sie nimmt nur ein Zehntel der ganzen Flüche ein. Neun Zehntel sind mit hellerem ober dunklerem Grau ober tiefem Schwarz bedeckt. Schwarz besagt, daß seit dem Beginn dieses Jahrhunderts die Volks» zahl um nahezu 40 v. H. abgenommen hat. Am dunkelsten find der Süden und ein Strich längs der Nordgrenze, am hellsten find Elfaß-Lothringen, die Bretagne und die Umgegend von Paris — was aber im letzteren Fall keine natürliche Zunahme bedeutet, sondern nur das Hinströmen der Menschen nach einem großen Wirtschaftszentrum. Dasselbe gilt für andere ausgesprochene Industriegebiete, wie um Lille, Lyon, Marseille usw. Im Süden haben manche Grundstücke überhaupt keinen Besitzer mehr. Der Sohn ist in die Stadt gezogen, die Tochter hat in die Stadt geheiratet, die Alten sind gestorben. Ganze Dörfer, ja selbst kleine Städtchen veröden. Daher der spottbillige Preis ber Grundstücke und die Anziehungskraft des leeren Raumes für den Zufluß aus der Fremde.
Ich erinnere mich, wie mir ein verdienter Gene» ral während der Zeit des letzten Krieges erzählte, es habe ihn merkwürdig bewegt, in dem damals besetzten Teil von Frankreich die Städte noch in derselben Verfassung, ohne Wachstum, mit denselben Häusern und Öffentlichen Bauten anzutref» fen, wie 1870, wo er als junger Leutnant zum ersten Male in Frankreich war.
ständige Mißtrauen gegen den deutschen Nachbarn, der Zweifel an dem Wort des Führers, es gäbe keinen deutschen Anspruch mehr gegenüber Frankreich, außer dem Anspruch auf Rechtsgleichheit und Vertrauen in Deutschlands Aufrichtigkeit?
Man muß weit ausholen, wenn man diese französische Psychologie bearünöen will. Unterwegs in Südfrankreich, beim Besuch ber mittelalterlichen
Burgund hat eine wechseloolle Verbindung mit der deutschen Geschichte gehabt. Friedrich Barbarossa trug die deutsche und die burgundische Krone. In Bisanz — Besan^on — hielt er eine Versammlung der burgundischen Stände ab und gab den Bürgern die Rechte einer freien deutschen Reichsstadt. Im Interregnum, der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit, riß das Band entzwei, aber noch einmal kam Burgund durch die 5)eirat Maximilians, des letzten Ritters, mit Karls des Kühnen einziger Erbtochter Maria an das Reich. Es gehörte zu einem der zehn Reichskreise, dem burgundischen, aber bei ber großen fiänberteilung, die Karl V. vornahm, kam es an Spanien (!). Ludwig XIV. eroberte es und seitdem gehört es zu Frankreich. In Besan?on sind Granvella, Karls V. und, ouuirunueiuj, vnm ua
Philipps II. leitender Staatsmann, und der An- Riesenfestung Carcassonne, traf ich einen Schweizer archist Proudhon geboren, der Vater des Satzes I aus Zürich. Wir fetzten uns zu einem Schoppen


