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Br. 209 Zweiter Blatt Sichen« Anzeiger (General-Anzeiger für GderWe»)Montag. 7. September >930

Was wird aus den spanischen Apfelsinen? «NMUrM -

vorige Jahrhundert hinein alljährlich in Thingvellir. Erst vor einigen Jahrzehnten wurden die Sitzungen der Volksvertretung, den Zeitoerhältnissen entspre­chend, in die grauen, wenig ansehnlichen Regie­rungsgebäude von Reykjavik verlegt.

Den Willen zur Selbstbehauptung und zur Frei-

Geschlecht zu Geschlecht vererbtes Kulturgut der Bauern und Fischer sind.

Norwegen und Dänemark haben sich in früheren Jahrhunderten in der Herrschaft über Is­land abgelöst, und man hört deshalb in Reykjavik immer wieder mit besonderer Betonung ausspre­chen, daß Island seit dem 1. Dezember 1918 ein unabhängiges neutrales Königreich ist, das lediglich durch die Person des Monarchen mit Dänemark verbunden sei. Der Bundesvertrag läuft im Jahre 1940 ab, man wird sehen, was dann wird... Im übrigen hat Island wichtige außenpolitische Streitfragen nicht zu lösen. Als Volk sucht es gute Beziehungen mit allen anderen Völkern zu unterhalten. Besonders eng und freund­schaftlich ist das Verhältnis zu Deutschland, England und natürlich auch zu den skandi­navischen Staaten. In den Schulen ist Eng­lisch die erste, Deutsch die zweite Fremdsprache. Bei dem hohen Stand der isländischen Durchschnitts­bildung kann man sich daher auch in den abgelegen­sten Siedlungen oft mühelos verständigen, von den Hafenstädten gar nicht zu reden.

Das einzige Problem, das außenpolitisch vielleicht einmal in den Vordergrund treten könnte, ist zu­gleich ein innerpolitisches: nämlich der Kommu­nismus. Allerdings sind die Jünger Moskaus im Parlament, das aus den drei Parteien der Fortschrittler, Bauern und Sozialdemokraten be­steht, noch nicht vertreten, aber sie machen sich doch schon unliebsam bemerkbar, so z. B. durch gelegent­liche Flugzettelpropaganda gegenüber deutschen Reisegesellschaften. Solche Zwischenfälle werden dann von behördlichen Stellen mit selbstverständ­licher Korrektheit sofort glattgebügelt, und die Missetäter kommen hinter Schloß und Riegel. Nebenbei ist die ziemlich linksstehende Regierung I nnn iontr nördlicben Art. welche die marxistischen

Theorien nicht über die nationalen Interessen siegen zu lassen pflegt.

Daß Island trotz seiner geographischen Ab­geschlossenheit in alle geistigen Auseinandersetzun­gen der Welt hineingezogen wird, sieht der Rei­sende schon, wenn sein Schiff auf der Reede von Reykjavik ankert. Da liegt, breit hingelagert auf sanft ansteigender Küste, die Stadt mit ihren 30 000 Einwohnern, beherrscht von einer Kathedrale, deren Erbauer sich für ihren Zweck die höchste Er­hebung dieses Rundblicks ausgesucht haben. Die Kirche, die größte im ganzen Lande, wurde erst vor wenigen Jahren errichtet und dient der Andacht von 200 (in Worten: zweihundert) katholischen Seelen Reykjaviks. Die Isländer, die ein sehr starkes religiöses Gefühl haben, machen sich dar­über ihre eigenen Gedanken. Ueberhaupt sind die Isländer trotz aller Neigung, äußere Formen der europäischen und amerikanischen Zivilisation zu übernehmen, ein konservatives Volk, selbstbewußt und manchmal zugeknöpft, sehr stolz auf ihre Vergangenheit. Und das mit Recht!

Island darf sich rühmen, das älteste Par­lament unter den Ländern Europas zu besitzen. Im Jahre 874 kamen die ersten norwegischen Wi- kingerfamilien in das bisher unbesiedelte Land, aber schön 930 zählte Island 50 000 Einwohner (also die Hälfte der jetzigen Bevölkerung), und in jenem Jahre war es auch, daß zum ersten Mal die Männer zum Althing in Thingvellir zusammen­kamen und dort den unabhängigen isländischen Staat mit einem Reichstag als Volksvertretung gründeten. Wenn man bedenkt, daß die Män­ner damals oft fünf Wochen unterwegs sein muß­ten und mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, um zum allsommerlichen Althing zu gelangen, dann erkennt man den ungeheuren Willen zu Recht und Gesetz, der in diesem Bauern-

dieser Seite also zunächst eine empfindliche Rück­wirkung auf den deutsch-spanischen Handel zu be­fürchten, zumal sich auch die Unterbrechung der finanziellen und kaufmännischen Beziehungen nicht von heute auf morgen wieder beheben lassen wird. Für die deutsche Bedarfsdeckung stehen zwar noch andere Märkte zur Verfügung, aber solche Umlagerungen sind stets mit Unkosten verbunden, die im Interesse der deutschen wie auch der spani­schen Wirtschaft besser vermieden würden. Deutsch­land steht nämlich im spanischen Einfuhr- und Aus­fuhrhandel hinter England an zweiter Stelle, an dritter und vierter Stelle erst folgen die Ver­einigten Staaten und Frankreich.

Ungekehrt ist auch Spanien ein ausgezeich­netes Absatzgebiet für deutsche Er­zeugnisse, in erster Linie für Industrie- waren, als da sind Maschinen aller Art, Kraft­wagen, Chemikalien, Papier, Farben, Tinte, Eisen, Stahl, wissenschaftliche Apparate, Glas und vor allem künstlichen Dünger. Die Nationalwirtschaften Spaniens und Deutschlands ergänzen sich glücklich, da Spanien in erster Linie Agrarland mit einer noch sehr jungen und unausgeglichenen Industrie ist, während Deutschland als Industriestaat seine hochwertigen Fertigwaren zur Verfügung stellen kann. So war es denn kein Wunder, daß Spanien im deutschen Außenhandel ebenfalls eine hervor­ragende Stellung inne hatte. Es nahm uns im ersten Halbjahr 1936 für fast 50 Millionen RM. Waren ab, während wir im selben Zeitraum für fast 80 Millionen RM. aus Spanien einführten, lieber das Apfelsinenproblem hinaus hat der spa­nische Bürgerkrieg also auch viele andere Fragen des gegenseitigen Warenaustausches aufgeworfen, über deren Lösung sich einstweilen sichere Voraus­sagen noch nicht machen lassen. Man darf nur hof­fen, daß einer baldigen Liquidierung des Bürger­krieges auch eine baldige Liquidierung der wirt­schaftlichen Verkehrsstockung folgen wird. Es gibt wahrlich schon genug Störungselemente im internationalen Handelsverkehr.

Politik am Polarkreis.

Von unterem H. E.-Äerichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Reykjavik, August 1936.

Die Scheinwerfer der Weltpolitik und der Welt­presse fallen kaum je auf die seltsame Insel im Nordmeer. Fast ein Jahrtausend lang war I s - land ganz in der Nacht der Vergessenheit ver­sunken. Deshalb ist es, trotz vieler Reisebeschreibun­gen, auch heute noch ein Land der Überraschungen in mancher Hinsicht. Seine Naturphänomene stehen in jedem Schulbuch verzeichnet, aber sein poli­tischer Zustand im weitesten Sinne ist über­all unbekannt. Und doch sollte gerade diese Seite des isländischen Lebens der deutschen Auf­merksamkeit nicht entgehen, da sich die Wellen der großen geistigen Bewegungen, die heute durch die Völker aller Erdteile fluten, an der fernen Steil­küste Islands um so eindrucksvoller brechen, als das Wesen von Land und Volk noch nicht so ab- geschliK'fen ist durch den internationalen Betrieb wie in den meisten anderen Erdgegenden. Die kleinste Südseeinstl, die unaussprechlichste der chinesischen Provinzen wird in den Zeitungen öfter genannt als das germanische Island, denn Island liegt abseits der politischen Kraftlinien. Es lohnt sich aber, die Ausläufer des großen Ge­schehens hier zu beobachten, wie sie durch den Zu-' jammenpraU mit der einheimischen Art beide Welten um so krasser in Erscheinung treten lassen.

Was den aus Deutschland kommenden Reisenden meist zuerst auffällt, wenn sie durch die Straßen Reykjaviks bummeln, das sind in erster Linie d i e Isländer s e l b st, deren äußere Aehnlichkeit mit dem deutschen Typus unverkennbar ist, und das sind in zweiter Linie die isländischen Polizisten.

Die Hüter der öffentlichen Ordnung, in schneidige blaue Uniformen nach englischem Muster gekleidet, stechen hervor durch ihr gutes Aussehen, ihre große stattliche Figur, ihre straffe Haltung, ihre liebens­würdige Bestimmtheit, mit der sie den nicht un­erheblichen Autoverkehr regeln und alle sonstigen polizeilichen Obliegenheiten einer europäischen Hauptstadt erledigen. Gut ausgebildete Polizisten gibt es schließlich auch anderswo, und der fremde Besucher ist sich zunächst nicht klar darüber, warum gerade dieseSchupos" einen so starken Eindruck auf ihn machen, bis er schließlich erfährt, daß Is­land ein Staat ohne Soldaten, ohne Waffen und Wehr ist!

Warum auch nicht? Kriegsgefahren sind kaum zu erwarten, und die nicht überreichlichen Staatsein­künfte können besser für andere Zwecke als für die kostspielige Unterhaltung eines stehenden Heeres verwandt werden. Die Elite der waffenfähigen Mannschaft, soweit sie Freude an einem militär- ähnlichen Dienst hat, erscheint daher in der Polizeitruppe. Man könnte glauben, daß dies den isländischen Bedürfnissen vollauf genügt. Viele Isländer sind jedoch gegenteiliger Ansicht, und selbst ein junges Mädchen, mit dem ich über diese Frage sprach, vertrat energisch die Meinung, daß eine Wehrpflicht, zumindest aber eine Art Arbeitsdienstpflicht notwendig sei. Aus erzieherischen, sozialpolitischen Gründen und auch ^Nun ist zwar die isländische Arbeitslosigkeit nicht sehr hoch, und an militärische Konflikte ist wohl auch nicht zu denken, aber solche Forderungen aus der Mitte des Volkes zeigen doch, wie einerseits die großen Krisenprobleme und Gesundungsideen der Welt auch die einsame Nordmeerinsel in ihren Bann geschlagen haben, und wie sehr anderseits der germanische Wehrgedanke im isländischen Volke, trotz eines tausendjährigen äußeren Fn^ dens, lebendig geblieben ist. Der stille Wunsch nach einer eigenen Wehrmacht entstammt auch nicht dem sonst gelegentlich spürbaren Drang, möglichst fort­schrittlich zu erscheinen, sondern der wechselnden Geschichte des isländischen . Fre.heüskampfes und dem Wesen der Rasse, wie ja auch heute noch die Gesolgschafts- und Heldenlieder der Saga-Zeü mcht

Unter den Südfrüchten ist in Deutschland die spanische Apfelsine mit Recht sehr beliebt, und manche Volksgenossen mögen sich schon die besorgte Frage vorgelegt haben, ob sie in diesem Herbst und Winter auf den Genuß der begehrten Früchte verzichten müssen. Nun, ganz so schlimm wird es wohl nicht werden. Die spanische Orange wird vor­zugsweise in solchen Gebieten angebaut, die von den Kämpfen und anarchistischen Ausschreitungen verhältnismäßig wenig berührt wurden. Außerdem ist die Landbevölkerung, auch die Landarbeiter- schaft, im allgemeinen in die kriegerischen Ausein­andersetzungen nicht so sehr verwickelt wie das städtische Proletariat. Die Drangenernte kann unter diesen Umständen ziemlich vollständig eingebracht werden, ihre Verfrachtung freilich ist gegen­wärtig noch in Frage gestellt, da Handel und Wandel völlig ins Stocken geraten sind und vor allem die Ausfuhrhäfen fast allen Warenverkehr eingestellt haben. Man muh jedoch hoffen, daß der Bürgerkrieg bald zu einem Ende gebracht wird und daß dann auch unter gesicherten Verkehrsverhält- nissen der Abtransport der Apfelsinenernte erfolgen kann.

Als hauptsächliche Ausfuhrzeit für Drangen kom­men die Monate Dezember bis April in Betracht. Die Apfelsine nimmt unter den Waren, die wir aus Spanien beziehen, den ersten Platz ein. Deutschland kaufte im Jahre 1935 für 48 Mil­lionen Mark, in den ersten sechs Monaten dieses Jahres für 40 Millionen Mark. Es ist daher für die spanisch* Wirtschaft von großer Wichtigkeit, sich dieses Absatzgebiet zu erhalten.

Deutschlano ist a, her Apfelsinen auch Abnehmer für eine Reihe spanischer R o h st o f f e, unter denen vor allem Eisen- und Kupfererze, Blei, Quecksilber, Kork, Holz für die Sperrholzindustrie und Lamm­felle für die Anfertigung von Handschuhen zu nen­nen sind. Da gerade der Besitz des Bergwerks­gebiets (Asturien) besonders hartnäckig von den beiden Bürgerkriegsparteien umkämpft wird, ist die Produktion zum Teil völlig lahmgelegt. Es ist von

heit aber hat sich das kleine islänoische Volk von Anbeginn seiner Geschichte bis auf den heutigen Tag bewahrt. Man muß daher hoffen, daß die Isländer auch den Gefahren der Amerikani- f i e r u n g, die der internationale Reisever­kehr mit sich bringt, gewachsen sein werden. Möge das klassische Land der altgermanischen Kultur sich selbst und der Welt in seiner Eigenständigkeit und Selbständigkeit erhalten bleiben.

Versicherung im Dienste der Volksgesundheit.

Es ist bekannt, daß die Invalidenversicherung neben ihrer Aufgabe als Rentenversicherung noch in hohem Maße durch freiwillige Leistungen zu wirken bestrebt ist. Diese Tätigkeit zielt u. a. darauf hin, die großen Volkskrankheiten, aber auch die sogenannten Berufskrankheiten zu be­kämpfen. Da von 66 Millionen Einwohnern des Reichsgebiets 13,5 Millionen, also mehr als ein Fünftel, in der Invalidenversicherung zusam­mengeschlossen sind, so gewinnt diese Seite ihrer Tätigkeit immer größere Bedeutung. Es ist von den Sozialpolitikern lebhaft bedauert worden, daß ge­rade in der Krisenzeit dieser Zweig der Aufgaben stark zurücktreten mußte, weil die Invalidenver­sicherung mit Fehlbeträgen arbeitete. Die Gesun­dung des Wirtschaftslebens hat auch der Versiche­rung wieder größere Beiträge zugeführt. Sie war dadurch in der glücklichen Lage, im Jahre 1935 nicht weniger als 50Millionen Mark für die Zwecke der freiwillige« Gesundheitsfürsorge auszu­geben. Es ist zu hoffen, daß dieser Betrag in den nächsten Jahren noch erhöht werden kann. Im Jahre 1935 kam die Wohltat der ständigen Heilbehandlung über 200 000 Pekfonen zugute. Im Vordergründe standen die Ausgaben für den Kampf gegen d i e Tuberkulose und die Geschlechtskrank­heiten. Allein für die Bekämpfung der Tuber­kulose wurden 18,8 Millionen Mark ausgegeben. Auch gegen d i e Krebskrankheit, ferner gegen Zuckerkrankheit, Erschöpfungskrank- heilen, sowie gegen Alkoholmißbrauch hat die Versicherung segensreich gewirkt und die Z a h n- behandlung unterstützt.

Besondere Anerkennung verdienen die Leistungen der Invalidenversicherung aus sozialem Ge­biet. Rund 544 Millionen RM. sind für gemein­nützige Zwecke angelegt worden, diese Summe ist 1935" um fast 17 Millionen gestiegen. Die Mehrzahl der Versicherungsanstalten hatte noch mittelbar dem Wohnungsbau sehr erhebliche Mittel zu­geführt, indem sie Pfandbriefe der verschiedensten Pfandbriefanstalten und Pfandbriefämter mit der Auflage beschaffte, den Gegenwert für den Wohnungsbau innerhalb der Bezirke der einzelnen Versicherungsanstalten zu verwenden. Am Schluß des Jahres 1935 erreichten die Geldmittel die feit dem Beginn des Jahres 1925 auf diese Weise zu- : gunften einer mittelbaren Wohnungsfürsorge ange­legt sind, trie Höhe von 138,7 Millionen RM. Der Durchschnittszinsfuß betrug bei den für gemein­nützige Zwecke gegebenen Darlehen etwa 4,3 v. H., für die bis Ende des Jahres 1935 getätigten Ge- famtaufroenöungen etwa 4,6 v. H. für den Bau von Arbeiterwohnungen wurden in die - fern Jahre 13 Millionen RM. als Darlehen bewil- ligt. Auch für Ledigenheime, Volksbäder ufw. sind erhebliche Summen ausgegeben worden. Es ist klar, daß auch die der Versicherung gehörenden Anstalten gute Dienste für die Heilbehandlung ge­leistet haben. Es sind nicht weniger als 59 Lun­genheilstätten und 61 Genesungs­heime, Erholungsheime und ähnliche Einrichtun­gen vorhanden.

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lebten, wiederholt sich jede Woche, das ganze Jahr

bildet.

Endlich, nachdem man stundenlang getäfelt und

abt des not F) Uet)er; &je langen Essenspausen mit einer halbgeflüsterten unserer 6 hatten kaufen > Unterhaltung gefüllt hat, beginnt der Tanz. Die Dlympia-Zeum^^^ zu | Melodien sind deutsch oder wienensch, und wenn em-

acht, festlich angetan wie bei einer Hochzeit und man muß schon sagen:absolvierten" das große Samstag-Diner des GasthofsZu den drei Kronen".

Aber gründlich, wie wir Deutschen nun einmal sind, vergewisserten wir uns, daß auch bestimmt heute nicht etwa ein Nationalfeiertag war, nicht einmal das Amtsjubiläum des Herrn Bürgermei-

armen jungen Kellnerinnen waren heute so gehetzt wie sonst nie. Unaufhörlich liefen sie hin und her, denn allein das Vorgericht, dasSmörgasbrod!" - bei uns alsSchwedenplatte" bekannt forderte

wirt äußerst wichtig genommen, man läßt sich Zeit und ißt mit Genuß. Die kalte und rauhe Witterung von neun Wintermonaten erfordert das. Das gilt selbst für das Morgenfrühstück des kleinen Ange­stellten, der pünktlich in seinem Büro erschemen muß. Hier aber, bei diesem Diner der kleinen Stadt wird die Mahlzeit zu einer Orgie der Behaglichkeit und des Genießens. Und hier hat man doch auch einmal Gelegenheit, seinNeuestes" anzuziehen, das man sich unlängst aus Stockholm, aus Göteborg, aus Oestersund oder aus Boden hat kommen lassen.

Oben, im großen Saal derDrei Kronen" hat der Handwerkerverein ein festliches Zusammen­sein. Man feiert den wohlgelungenen Verlauf einer Ausstellung, die, so hofft man, neuen Aufschwung bringen wird. Nach dem Besuch der Landleute zu urteilen, die in großen Mengen herbeigestromt waren, ist ja doch wohl anzunehmen, daß auch em klingender Erfolg einsetzen wird.

Auch hier oben sitzt man enggedrängt an schmalen Tischen, und wir kommen gerade noch zurecht, um einige Studien über den vielumstrittenen Alkohol­verbrauch zu machen. Auch hier hat man, wie überall in Schweden, sich das Recht auf Bestellung von Wein oder Likör durch ein vorangehendes regel­rechtes warmes Essen erkaufen müssen. Aber damit sind die Geldbeutel der kleinen Handwerksmeister offenbar für heute so ziemlich geleert! Hier und da zwar eine kleine Flasche Schwedenpunsch, an der noch dazu die befreundeten Tischnachbarn mitschma­rotzen, im allgemeinen aber begnügt man sich mit dem Kaffee, der den Abschluß der Speisenfolge

in Frankreich: der. sters oder Stadtkämmerers. Nein, es war ein ganz

Es ist m Schweden ahnUch wie - >1 töl)n|id)er Samstag, und was wir sahen und er- Auslander, der m war und nu m er> » wiederholt sich jede Woche, das ganze Jahr umsa,senden Begr.sf °°n sranzoIM°m be= hindurch.

halten zu haben, irrt ebenlo w Stock- Die armen jungen Kellnerinnen waren heute so

Reisende, der °°n Ostskandmaoien gef)efet roie sonst nie. Unaufhörlich liefen sie hin und

Holm, allen alls noch Goteborg und » i v ^^^icht, dasSmorgasbrod!

fälle k-nneng-lernt hat. S'ch«- '"^Dten Er -l____________.....

schwedisches Leben an regsten schwedischen das Abtragen von mindestens zwei Dutzend Tellern

ist sozusagen konzentrierter Abglanz sty n jedem Tisch. - Jede Mahlzeit in Schweden Wesens, aber genau so wie man oen u i ^°^ch ........ ----

am sichersten in der Provinz ff Järjedalen hier. In Holland und in ^amttonb, m man und im Werrnland ober wo e f f ' $ immer das Typische, das Unbeeiistlußte^ d 1 ^im ist Gleichbleibende, denn ne Ferst nacy weit und nicht eben billig für i»ertnei n^,

kleinen Städte wohnt, die,fe & Postauto er- linien liegend, zum Teil nur mit Dem 4> ' reicht werden können. «»..rfAnnbeiten, die die

Aber abgesehen von den Natursch y^.^^ QU5s Umgebung dieser lieblichen l 6tuöium5 der

zeichnen, verlohnt ihr Besuch . in vielem sehr Menschen willen, die uns Deutschen. sonderen

verwandt erscheinen und dennoch y

Lebensstil haben. ^nnnrhmittag einen Spa-

Als wir für den Samstagnachm u 9^ putzen ziergang vorschlugen, einen, enden können

in einem ländlichen Wirtshaus hatte^ henteni)en (|o stellten wir, °n Wochenende vor», da

Deutschen uns em chwedsich Änderung.Schade, gab es Kopsschutteln unö «er ry ef(en tn nein, aber heute abend smd w , Man muß den .Drei Kronen'! -eut ist >a « und

sehen, daß man einen gu en p « uni) am besten zum Friseur vorher, U"d Umzieh Kommen Sie ist man schon g°g°n J §ausl" , doch auch! Kein Mensch 's ,^".sammelt und allesamt ' n der Tat, warm °lle oersam ,

einfach nicht w,ederzuerk-nn ber Fstcherel- besilzer mit feiner ruudl'An Töchtern, der konsulent mit «einen großen ° , Kolonialwaren-

Zahnarzt und der ®D"°br' $u4[abens, bei dem wir Händler und der Besitzer de Schwedens

in dieser kleinen Stadt oes ,n.r6i|h(, unö Heber- am Vormittag A ttoncn®<5ie all faßen eng gr-----

Schwedische Provinz.

Von unserem 6 «. v K -Korrespondenten. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Stockholm, Ende August 1936.

mal ein Walzer die modernen Weisen ablöst, dann erheben sich auch die älteren Semester und drehen sich im Kreise. Genau wie bei uns. Aber das Bier fehlt, und das ganze Drum und Dran der Theke, das Lachen der vom Alltag und von derbesseren Hälfte" losgelösten trinkfesten Männer; und unten, wo die Honoratioren sitzen, fehlt die Bar. Dennoch ist man auf seins Art froh und vergnügt, nur lebt man in Schweden nach anderem Rhythmus als bei uns.

Ein junges Mädchen kommt von einem Nachbar­tisch zu uns herüber. Sie ist Deutsche und hat gehört, daß wir Landsleute sind. Was sie hier mache in dieser kleinen fernen Provinzstadt, fragen wir sie. Da leuchten ihre Augen.Durch den Ferienaustausch hergekommen", sagt sie, und jetzt gesellt sich ihre gleichaltrige schwedische Gastgeberin zu ihr, mit der sie vor ein paar Wochen aus Thüringen herkam. Sechshundertfünfzig deutsche Schülerinnen sind in diesem Sommer wieder in Schweden und ebenso viele Schwedinnen waren bei uns, und es ist fein hier", sagt das deutsche Mädel, und der ganze Tisch, an dem sie saß, blickt zu uns herüber. Werden die fremden Deutschen zufrieden sein mit den Berichten ihres Feriengastes?

Ja, sie sind es, denn hier wie auch sonst überall sind Gastfreundschaft und Verantwortungsgefühl für die deutschen Feriengäste noch genau so vorbildlich wie sie es in und nach den Jahren der deutschen Kriegsnot waren, da Schweden zum Asyl für viele Tausende hungernder und unterernährter Kinder wurde, eine Liebestat großen Stils mitfühlender Herzen, die nie vergessen werden wird. Und hierbei hatte sich gerade die schwedische Provinz hervor­ragend beteiligt. Es lohnt schon, diese guten Menschen ein bißchen näher kennenzulernen.

König Markes schloß.

Schloß Dore, ein vorgeschichtlicher befestigter Platz an der südlichen Küste von Cornwall, erregt seit längerem größeres Interesse, seitdem der verstorbene Professor Loth in dieser Gegend das Land des Königs Markes aus der Arthuslegende wiederzuer­kennen glaubte. In den letzten Wochen hat nun der englische Archäologe Radford Ausgrabungen an dieser Stelle unternommen und festgestellt, daß die Niederlassung in graue Vorzeiten zurückreicht. Es sind noch Heberreste einer frühen Besiedlung m der Zeit von 250 v. Chr. bis 100 n. Ehr. gesunden worden, in der Hauptsache Scherben, graue Stein­pflaster und eine große Reihe Löcher für Pfahle. Aus den letzteren hofft man den Grundriß eines

hölzernen Palastes feststellen zu können, der in das 4., 5. oder 6. Jahrhundert n. Chr. gehört, und daher das Schloß des Königs Marke gewesen sein könnte. Leider ist es unwahrscheinlich, daß noch viele andere Funde gemacht werden, die mit Sicherheit als zu diesem Schloß gehörend angesehen werden könnten, weil der Boden sehr nahe der Oberfläche liegt und daher durch Pflügen sehr gestört worden ist. Der Palast würde etwa ähnlich denen sein, die in den frühen Walliser Legenden geschildert werden, ein großes Gebäude von 30 Meter Länge und 12 Meter Breite, das die große Halle des Häuptlings enthielt. Die Zahl der Löcher ist aber so verwirrend groß, daß eine Rekonstruktion schwierig ist. Das Schloß wird von zwei Wällen beschützt, an deren Ostseite der Eingang liegt, an dem wahrscheinlich die Räume für die Wachen und Baracken gelegen haben. Ein Graben, der an dem äußeren Eingang gezogen ist, reicht bis zu dem Niveau der frühesten Siedlung herab und liefert eine schöne Auswahl von Töpfer­waren.

Knigge bei den Antipoden.

Der Präsident des Parlaments von Neuseeland hat in den Wandelgängen des Hauses in Welling­ton eine Liste von Ausdrücken und Redewendun­gen anschlagen lassen, die in Zukunft einen Ord­nungsruf für die Redner, die sie anwenden soll­ten, "zur Folge haben werden. Es sind nicht roeni» ger als fünfhundert solcher verpönter Ausdrücke auf die Liste gesetzt. Man hat sie zusammengestellt, indem man die offiziellen Parlamentsberichte aus den letzten drei Tageszeitungen durchsah und alles aufschrieb, was einem Knigge nicht hätte gefallen können. Unter den mit dem Ordnungsruf bedroh­ten Wörtern befinden sich an erster Stelle mit die Folgenden:Feiger Kerl",Lügner",Räudiges Schaf",Shylock",Politisches Chamäleon",Bru­taler Autokrat". Zu diesen Schimpfwörtern gesel­len sich folgende Redensarten, die allerdings von einer gewissen Nervosität der Redner, die sie ge­braucht haben, zeugen:Es bleibt uns nur noch übrig, ein Halsband zu tragen wie die Wach­hunde."Ihre Herzen haben die Größe und die Dauer von Kichererbsen."Der geehrte Redner gegen diese Sache ist die Schande der schottischen RasselVerglichen mit der Regierung, war Judas Jschariot ein Gentleman." Diese Ausdrücke, denen sich also nahezu 500 gleichwertige anreihen, gelten als unvereinbar mit der Würde eines Parlamentariers von Neuseeland.