Kr.183 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Zreitag, 7. August 1936
en, denen 349 Auskünfte er-
von 521
Der älteste Einwohner von Lollar
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
hat.
drei aus und
im als der
Wisby auf Gotland.
Don Olav eölmun».
teilt wurden. Weiterhin wurden 73 arbeitsrechtliche Streitfragen behandelt und 14 Güteverhandlungen mit den Parteien gepflogen. 6 Streitfälle wurden im Dergleichswege erledigt und hatte einen Wert
Die Hinfahrt nach Berlin erfolgt am Sonntag, 9. August, mit dem fahrplanmäßigen V.-Zug ab Frankfurt a. M. 12.15 Uhr. Die A l t e n-B u s e cker Spiel sch ar wird um 13.33 Uhr in Gießen zu- steigen. Die Rückfahrt erfolgt in der Nacht von Montag auf Dienstag.
andergekuppelt waren. Ich hupte vorschriftsmäßig, einmal, zweimal. Der Fuhrmann machte keine Anstalten, um aus dem Wege zu fahren. Er drehte sich nur herum, dann ging er ruhig neben seinem Wagen weiter. Als ich ihn überholte, knapp genug kam ich an ihm vorbei, sagte er: „Wegen so einem
von 339,14 Mark. Dor dem Arbeitsgericht wurden 8 Klagen für Beschäftigte erhoben, bei denen der Streitwert sich auf 324,18 Mk. belief. Durch die Rechtsberatungsstelle wurden 25 Termine wahrgenommen. Im Berichtsmonat wurden dabei insgesamt 8 Vergleiche erzielt, ein Urteil war zusprechend, und in einem Falle erfolgte Klagerücknahme.
Die Verfahren in der Sozialversicherung zeigen folgendes Zahlenbild: Eine Krankenversicherung, 5 Unfallversicherungen, 6 Invaliden- und 8 Arbeitslosenversicherungen wurden behandelt.
Die NSG. „Kraft durch Freude" führte 4 Veranstaltungen mit 1790 Besuchern durch. Die Abteilung für Berufserziehung und Arbeitsführung wertete die Ergebnisse der Kaufmannsgehilfenprufung des Frühjahres aus.
Mdels, helft den Bauern!
NSG. Der BDM. - Obergau 13 Hessen- Nassau wendet sich nochmals in folgendem Aufruf an alle deutschen Mädels:
Denkt daran, daß wir mit all unserer Arbeit mitten im Leben und mitten im Schaffen unseres Volkes stehen, und daß sich daraus für uns die große Verantwortung und Verpflichtung ergibt, überall da anzupacken und zupacken, wo es not ist.
Jetzt braucht uns der Bauer zur Einbringung der Ernte, die sich durch den dauernden Regen in diesem Jahr so verzögert hat. Wir müssen helfen und wir wollen helfen. Darum meldet sich jedes Mädel, das nur irgend frei hat oder sich freimachen kann, bei der zuständigen BDM.-Führerin, die dann mit dem Ortsbauernführer die Verteilung der Hilfskräfte vornimmt.
Trachtengruppen des Gaues fahren zur Olympiade.
Welche Freude spricht aus diesem Brief eines 12jährigen Jungen, den er aus seinem Ferienplatz schrieb.
Möchtest du nicht auch dem Kinde eines bedürftigen deutschen Volksgenossen solche Freude bereiten?
Dann melde es bitte bei deiner NSV.-Ortsgruppe, oder der Kreisamtsleitung der NSV. noch heute an.
Anzeige des Bedarfs von Arveits- krästen bei Durchführung öffentlicher Maßarbeiten.
Es wird nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die unter dem 26. Juni 1936 vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Ar- beitslosenoersicherung erlassene Anordnung über die Anzeige des Bedarfs an Arbeitskräften bei Durchführung öffentlicher Bauarbeiten am 1. August 1936 in Kraft tritt. Für die Anzeige sind besondere Vordrucke zu verwenden, die kostenlos von den Arbeitsämtern abgegeben roerben._________________________
Wisby, das während des Altertums und Mittelalter seinen Platz an der Sonne hatte vielleicht kostbarstes Kleinod des Nordens und Hansa, als „das oielredende Zeugnis der Tatkraft des deutschen Kaufmannes", ist wieder zum Leben erwacht. Es sank nicht in die Tiefe wie Jurnna- Vineta, nein, sein Schicksal war sein Reichtum, der zahllose Feinde an Gotlands Küsten lockte.
Oie OAF. im Groß-Kreis Wetterau
Bericht des Kreises Gießen der DA§.
Sprechende Bücher
Der Wissenschaft ist es gelungen, ein neues Ge- biet der Unterhaltung und des Wissens für Die Blinden zu erschließen: das muhelose Lesen. Auch ohne die Blindenschrift zu lernen können Blinde jetzt Bücher genießen. Das „Sprechende Buch ermöglicht es ihnen. Bücher werden auf umfangreichen Schollplatten ausgenommen und es ift eme Lesemaschine erfunden worden, die laut oorliest. Das ist das Ergebnis von mehreren Jahren geduldiger Forschungsarbeit. Die Tonaufnahme-Abteilung des eng-
NSG. Am kommenden Sonntag fahren die Trachtengruppen des Gaues Hessen-Nassau Alten-Buseck, Dexbach bei Biedenkopf Friedberg nach Berlin, wo die Gruppen, die auf dem Weltfreizeitkongreß in Hamburg so ausgezeichnet gefallen haben, auf der Veranstaltung „Tanz der Völker" am Montag, 10. d. M., mitwirken. Die Veranstaltung findet abends im Reichssportfeld statt und sieht Tanz- und Trachtengruppen aus 50 Nationen versammelt. Der Gau Hessen-Nassau hat aus dem einzelnen Können dieser Gruppen das Beste herausgeholt, um mit einer geschlossenen, großen Leistung in Berlin auftreten zu können.
♦♦ Schaufenster Im Zeichen der Olympischen Spiele. Die Tage der Olympischen Spiele in Berlin, die alle Volksgenossen im Reiche mit stärkstem Interesse erfüllen, machen sich auch in der Ausgestaltung mancher Geschäftsschaufenster in unserer Stadt bemerkbar. So kann man $. B. im Seltersweg die Feststellung machen, daß insbesondere Blumen in ausgiebiger Weise Verwendung gefunden haben, um die bedeutsamsten Kennzeichen der Olympischen Spiele vor Augen zu führen. Dabei hat man auf die Durchführung des Gedankens eines derartigen Schmuckes viel Arbeit verwandt. Auch mancherlei anderes Material ist in mannig- facher Art dem gleichen Zwecke gewidmet worden.
*♦ 80 Jahre alt. Am kommenden Samstag, 8. August, wird Frau Maria Kube, geborene Ziegan, Aulweg 100 wohnhaft, 80 Jahre alt. Die Jubilarin ist noch sehr rüstig und versieht noch sämtliche Haus- und Gartenarbeit. Das Ehepaar Kube ist seit 32 Jahren treuer Bezieher des Gie- ßener Anzeigers.
♦* Goldene Hochzeit. Das Ehepaar Jo- Hannes Hill und Frau Elisabeth, geb. Steih, Wer- nerwall 1 wohnhaft, kann am morgigen Samstag, 8. August, das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar hat 5 Töchter, 11 Enkel und 3 Ur- enkel.
** Schulpersonalie. In den Ruhestand versetzt wurde auf Antrag der Lehrer Philipp Mül- l e r zu Steinbach (Kreis Gießen) mit Wirkung vom 1. August 1936.
** Weidmannsheil. In seinem Jaadreoier in der Gemarkung Oppenrod konnte am Mittwoch der Zahnarzt Friedrich von hier einen kapitalen Achtender schießen.___________________________________
lischen Nationalen Blindeninstituts hat drei verschiedene Arten von Apparaten herausgebracht. Der eine ist eine Art kleines elektrisch betriebenes Tischgrammophon mit besonders vereinfachter Schaltung und einer Muschel. Er ist leicht zu bedienen, billig im Gebrauch, und der Ton ist sehr klar. Kopfhörer tonnen mit ihm in Verbindung gebracht werden, wenn jemand hören will, ohne andere Menschen im selben Raum zu stören. Ein anderer Apparat hat einen mechanischen Betrieb und Schaltung und kann entweder mit Kopfhörern oder in Zusammenhang mit Radio benutzt werden. Der dritte Apparat ist für diejenigen bestimmt, die keine Kopfhörer mögen. Er hat ein Uhrwerk, das auf verschiedene Geschwindigkeiten eingestellt werden kann und ist im übrigen genau wie ein gewöhnliches, nicht elekrisches Grammophon mit einem Schallkasten und Trichter. Die gegenwärtigen Kosten der Modelle schwanken zwischen 24 und 70 Mark. Ungefähr 4000 Worte, was 25 Minuten Lesezeit bedeutet, können auf der einen Seite einer Platte von 30 Zentimeter Durchmesser ausgenommen werden, 50 Minuten auf einer doppelseitigen. Es sind schon eine ganze Reihe klassischer wie auch moderner Bücher für die Leseapparte her- ausgegeben worden. Titel und Autor sind auf beiden Seiten jeder Platte in Blindenschrift gedruckt. Ein Komitee hat sich gebildet, um geeignete Bücher auszuwählen, und Autoren wie Verleger gaben die Erlaubnis zur Widergabe unentgeltlich.
Aehnliche Apparate sind auch in den Vereinigten Staaten hergestellt worden, wo bereits 26 Bibliotheken des „Sprechenden Buches" bestehen, in Der- bindung mit den meisten Blindenbibliotheken. Die Schallplatten stehen hier den Blinden kostenlos zur Verfügung unter denselben Bedingungen wie Bücher in Blindenschrift. Unter den ersten Büchern, die in Amerika für die Lesemaschinen ausgenommen worden sind, befanden sich die Psalmen, die vier Evangelien, eine Auswahl aus Shakespeare und die „Christinas Carol" von Dickens.
Unter den Blinden sind verhältnismäßige wenigs, die die Blindenschrift fließend lesen lernen, und so wird die Erfindung Tausenden, die bisher von dem Glück des Lesens ausgeschlossen waren, den einzigen Weg zur Literatur erschließen. Natürlich wird auch die Blindenschrift immer noch gelesen werden, aber besonders denen, die erst im späteren Leben erblindet sind, fällt das Lesen mit den Fingern meist sehr schwer, und sie sind in Bezug auf Lektüre oft vol^ kommen von ihren Mitmenschen abhängig. Auch solche Blinde, die Handarbeit verrichten und harte, schwielige Hände bekommen, sind dadurch beim Lesen der Blindenschrift sehr behindert. Allen diesen gehört jetzt die magische Stimme, über die sie nach Belieben verfügen dürfen, und die niemals müde wird. Sie brauchen beim Dorlesen keine plötzlichen Unterbrechungen mehr zu befürchten, und können mit einem leichten Druck ihrer Hand die Stimme regieren.
Ding, so zu tuten." , „ .
Geärgert habe ich mich nicht. Ich weiß mein Rad zu schätzen. Ich weiß auch, was es mir schon genutzt Bg.
Treppen hoch.
Die Freunde tarnen zur Besichtigung, wie es sich gehört. Es wurden Urteile abgegeben, sachliche und unsachliche. Alle, die nur ein Fahrrad hatten, beneideten mich um den Besitz. Nur ein Motorradbesitzer (vom Vater her), lächelte überlegen, als er mein blank geputztes Fahrrad sah. Er nannte den Motor einen „Spirituskocher" und prophezeite, daß er noch drei Wochen unbrauchbar sei. Ich war etwas erschrocken, glaubte aber doch innerlich den Worten meines Fahrradhändlers
Und der Motorradbesitzer (vom Vater her) hat nicht recht behalten. Ich fahre jetzt im vierten Jobre mit dem „Spirituskocher" und bin, dis auf die ersten Wochen, in denen der Motor manchmal ftrcifte, immer zufrieden damit gewesen Viele, viele Kilometer habe ich darauf zurückgelegt und ein schönes Stück von unserem Vaterland gesehen. Freilich sind alle Teile des Motors etwas zart und müssen sorgfältig behandelt werden. Wenn man ihn aber einmal kennt, diesen Spirituskocher, dann kommt man gut mit ihm aus.
(fs will mir scheinen, daß immer mehr dieser praktischen Fahrzeuge auftauchen. Ich kenne sie schon von weitem an dem Motorengeräusch: denn im Verhältnis ihrer Größe machen sie einen ganz anständigen Lärm. Wenn sie auch etwas verachtet und verlacht werden, so macht das gar nichts. Wir kvm- . men schnell vom Fleck und brauchen vor keinem Berge abzusteigen. Es ist das Motorrad für die Bescheidenen und — wie mir ein Freund sagte — für die, Vie über fünfzig Jahre alt sind.
Ich habe den ganzen Vogelsberg durchfahren und dabei keinen Fuß gerührt, denn das Rad hat doch zwei (Sänge!
Freilich erlebt man dabei auch allerlei. Im vorigen Jahre fuhren vor mir auf einer schmalen Straße zwei hochbeladene Heuwagen, die anein-
sam dem Verfall überlassen. Sie standen offen — jeder Witterung preisgegeben, Tiere fanden darin Unterschlupf, und die Menschen holten sich im Bedarfsfälle die Steine hier fort.
Das größte Denkmal aber aus Wisbys Blütezeit ist die mächtige Ringmauer, die sechshundert Jahre lang die Stadt umschloffen hat. In einem Umkreis von vier Kilometer erstreckt sie sich um die Stadt. Mit ihren 70 Türmen, Sattel- und Hängetürmen, Zwingern und Wächtergängen, Schanzen, Wällen und Windbrücken hat sie in ganz Europa nicht ihresgleichen. In ihrer Südwestecke stehen die Trümmer des Wisborger Schlosses, des letzten Gliedes in Wisbys Verteidigungswerk. Der Unionskönig Erik von Pommern erbaute sie 1440, als Gotland durch den „Piratenbund" erobert und das verfallende, altehrwürdige Wisby zum Raubnest gemacht wurde, nachdem die Ditalienbrüder es heim- gesucht hatten, bis der preußische Orden kam und die Ordnung wieder herstellte. An der Nordseite sieht man noch die Bresche, durch die die Lübecker 1525 einzogen. Seit dieser Zeit hörten die kriegerischen Ereignisse auf. Die Insel wurde zum Spielball zwischen Schweden und Dänemark, bis sie 1645 endgültig an Schweden kam.
In „Gotlands Fornfal", einem alten Hause aus ruhmreicher Zeit, sind die Schätze der Erinnerung, der Geschichte und Kultur aufbewahrt. Hier lebt man in dichtgedrängten Erinnerungen aus jenen Tagen, da Wisby Gesetze für die Meere schrieb, aus der Glanzzeit der Hansa, Erinnerungen von unschätzbarem Wert für den Norden und Europa. Aber aufs neue hat sich Wisby wieder der Welt eröffnet. Im Snäckgärdsbaden, ein paar Kilometer nördlich von der Stadt, liegt auf herrlichem Sand- ftranö an steilen Kalkwandfelsen eine wundervolle Erholungsstätte. Modern und doch der Landschaft angepaßt. Und nicht weit davon die aus dem blauen Meer emporragende mittelalterliche Zauberstadt, herrlicher als je zuvor, bereit, ihre unermeßlichen Erinnerungsschätze aufs neue einer nach Frieden und Schönheit, nach alter und neuer Kultur sich sehnenden Menschheit zu schenken. Wie Odense erwachte Wisby wieder aus jahrhundertelangem Schlaf, feinen Wert der Menschheit zu vermitteln.
sche Gasse.
In der Strandstraße protzten die hanseatischen Giebelhäuser, hier wurden die Waren aufgestapelt und die Feste gefeiert. Hoch sind die Bauten und die Straßen eng — wie man es sonst in Schweden nicht findet. Nur noch die Altstadt von Stockholm, die ja auch von Deutschen erbaut wurde, „Die Stadt zwischen den Brücken", weist die gleiche Bauart wie Wisby auf. Damals wohnten innerhalb der Mauern, die heute lediglich 6000 Menschen bevölkern — 30 000, und der Sage nach sollen es sogar 80 000 gewesen fein. Die hohen Patrizierhauser sind heute fast alle verschwunden. Diel Raum wurde frei, darinnen es sich die Bewohner bequem machten, und so sieht man heute — wie auch in Schweden — um jedes Häuschen einen Garten oder gleich daran anschließend Ackerland. w
Und wer in der Zeit der „weißen Nachte , wenn die Tage auf den Bogen der traumhaft hellen Dämmerung hinübergleiten in das neue Frühlicht, inmitten der üppigen Vegetation umherwandert, wo die gewaltigen Kirchenruinen aus Wisbys Großmachtzeit ins Gigantische gehoben, sich vom Dämmerhin- tergrunb der Nacht abheben, dem wird Geschichte le= bendig und Tragik bewußt um diese Stadt. Noch stehen siebzehn mächtige Kirchenruinen, die von Fleiß, Frömmigkeit und Reichtum Zeugen. Vier Kirchen fielen bereits im 18. Jahrhundert dem Steinmangel zum Opfer. Die verschiedensten Nationen der Kaufmannschaften hatten diese Bauwerke errichtet, anfänglich im romanischen ©til, Den man dann später stark ins Gotische umformte, oft aus einer ober mehreren älteren Kirchen ausgebaut.
Don Efeu unb wilbem Wein umrankt, zeugt von einstiger Schönheit bie St. Karinkirche. Sie - wie auch bie Nikolaikirche — fielen bem Angriff ber Lübecker am Pfingstsonntag 1525 zum Opfer und würben vollkommen zerstört. Bebeutenb ist noch der Dom, bie Marienkirche, bie bie Lübecker erbauten. Deren Boben schmücken zahllose Grabsteine mit burchweq Deutschen Inschriften. Dieser Dorn würbe — wie barnals üblich — als Schatzkammer benutzt zu ber bie Herren von Wisby, Lübeck unb Soest i die Schlüssel besaßen. Da sie zugleich auch als Zu- • sluchts- und Derteidigungsort benutzt wurde, be- : festigt- man sie stark. Mit der Keformahon unb i bem Niebergange Wisbys würben bie Kirchen lang=
„Golb wogen auf Lispunbwaagen bie Obern, Die kostbarsten Steine waren zu schauen, Die Schweine fraßen aus silbernen Kobern, Mit golbnen Spinbeln spannen die Frauen.
So singt die alte Strophe von dem ehemaligen Reichtum Gotlands. Es glaube keiner hier habe dichterische Phantasie die Zügel zu ehr gelockert, nein, es steht in alten Chroniken geschrieben, daß bie Schweine nicht nur aus silbernen, sondern so- aar aus goldenen Kobern gefressen haben. Und uy weiß kein Land der Geschichte, das nach einer Zeit solchen Reichtums auch eine so furchtbare 2lr- mut hat durchmachen müssen wovon das Lied nichts berichtet, wie diese Insel, das Land der Goten, das sich nachts vom Grunde des Meeres erhoben haben soll. Hier hinterließ die Steinzeit ihre Spuren in gewaltigen (Steinmalen, hier rasteten die landsuchenden Germanen der großen Warn derzeit auf ihren Wegen von Schweden nach Tyskland, ber Boben barg lhreHinttrlassenschast, römische Münzen unb germanische Pr°chtwaften. Hier war bie Kunst bes Schiffsbaus unb der Seefahrt zu Hause. Gotlanb mit lemer herrlichen Westküste, ben schluchtartigen buchten unb Verstecken, aus benen bie Wikinger ihre Zuge unte nahmen, in benen sich noch einmal ^heroischem Hintergrund germanische Große unb Tragik - faltete. Heute roeiben -Schafe ^er unb nisten Vogel, wo einst die Drachenborde knirschten und Nordlandsrecken ihre Schwerter schlissen.
Günstig war die Lage der ^nsel.bi^ete sie doch die Brücke für die Pilgerzuge nach Jerusalem — wie sie auch vorher den germanischen Stammen beim Ueberqang nach Deutschland dtente Damals ging der Weg über Rußland unb Gnechenlanb, Gotlanb mit seiner Stabt Wisby wurde zum Mittelpunkt des Handels zwischen Ost und West.
Dierundzwanzig große Steinkirchen aus jenen Tagen zeugen von der Dichte der Besiedlung. Es waren vor allem deutsche Kaufleute aus den Ostfeestädten, aus Westfalen und dem Rhemlande, die sich um den an ber Westküste gelegenen Opftrplatz Di, bem späteren Wisby, sammelten, die sich hier mit ben blutsnerroanbten Goten vereinten unb den Grunb zur Hansa legten. Neben Stockholm, bas
Der Monat Juli brachte 226 Neuaufnahmen, so baß heute im Kreis Gießen insgesamt 23652 DAF. -Mitglieber betreut werben. Weiterhin melbet bie Verwaltungsstelle an Unterstützungsauszahlungen bie Summe von 6247,25 Mk. In biefer Summe sinb 2095,05 Mk. für Krankenunterstützung unb 3201,75 Mk. für Jnvalibenunter- stützung enthalten.
Die Kreiswaltuna führte 58 Besprechungen mit Betriebsführern und Gefolgschaftsmitgliedern durch, in denen beiden Teilen entsprechende Aufklärung gegeben wurde.
Die Rechtsberatungsstelle verzeichnete den Besuch
85 Jahre alt
* Lollar, 7. Aug. Der älteste Einwohner unseres Dorfes, Phil. Geißler, Hauptstraße 19 wohnhaft, begeht am morgigen Samstag, 8. August, feinen 8 5. Geburtstag. Der alte Herr ist der einzige noch lebende Gründer Der Freiwilligen Feuerwehr Lollar. Er erfreut sich noch einer außerordentlichen körperlichen Rüstigkeit und geistigen Frische, die es ihm ermöglichen, noch mancherlei helfende Arbeit im landwirtschaftlichen Betriebe seines Schwiegersohnes zu vollbringen unb mit lebhafter Anteilnahme bie öffentlichen
Vorgänge in ber Heimat, ®
zu verfolgen! Sett über^60 Jahren ist Herr Geißler einer Sense auf einem Getreidefeld seines Schwie- treuer Leser des Gießener Anzeigers. Unser neben- gersohnes. .
stehendes Bild zeigt den Jubilar beim Schärfen (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Aus der Provinzialhauptstadl.
Oer „Spirituskocher".
Als ich einmal vor einigen Jahren an einem sehr heißen Julitage mit meinem Rade einen steilen Berg hinanfuhr, weil man gewöhnlich zu gemütlich ist, um abzusteigen, sauste in stolzer Fahrt em Motorradfahrer an mir vorbei. So em bißchen Neid kam da doch in meinem Herzen auf: $at der es aber gut! Ich mußte bei dieser Hitze, nach Luft ringend oben am Waldrand etwas rasten. Wer rocifc wo der Motorradfahrer schon war! Könnte man da nicht auch einmal sein Geld überzählen, ob es langt?
Es hat nicht gelangt, ganz abgesehen davon, daß ich in meiner Wohnung keinen Platz für ein Motorrad habe. nf
Da kam mir dann zufällig eine Anzeige der Zeitung in die Hand. Da war ein Fahrrad abgebildet, bas boch etwas anbers aussah. Darunter ftanb: Fahrrab mit Hilfsmotor. Das wäre etwas für mich, bachte ich unb ging zum Hänbler. Richtig! Da ftanb ja ein solches Rab. Unb ber Hänbler lobte es über den grünen Klee. Ich ließ mir die paar Handgriffe erklären und durfte sogleich losfahren.
Steuer- und führerscheinfrei! Natürlich. Es war ja nur ein Fahrrad. Aber in der Mitte hat es doch einen Motor. Wenn er auch klein ist, so macht das gar nichts aus. Er hat alle Teile eines großen. Da sind Hubraum, Kühler, Kolben, Zündkerze, Magnet u\ro. Nur alles sehr winzig.
(Vs war aber doch ein sehr schönes Gefühl, als ich zum erstenmal auf der Straße draußen, in ber Stabt fuhr ich bas neue Ding wie ein gewöhnliches Fahrrab, ben Motor einschaltete unb nun bie Füße ihre Ruhe bekamen. Bis 35 Kilometer in ber Stunde Das ist eigentlich schon eine ganz schöne Geschwindigkeit, etwa wie ein Personenzug. Also ließ ich's laufen, fuhr bergauf unb bergab. — Am Abenb war ich Besitzer bes Rabes mit bem Hilfsmotor. Ich fuhr stolz nach meiner Wohnung unb trug bas Fahrzeug, es wiegt 60 Pfunb, bie paar
Varnotizen
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Gold nach Singa- pore".
Unb bas alles burch ben Führer... !
„Du glaubst gar nicht, wie gut ich es hier habe. Alle find so gut zu mir. Ich darf soviel essen a s ich möchte. Und das kommt alles durch Adolf Hitler!
auch zum größten Teile in deutscher Hand lag, wurde Wisby die mächtigste Stadt Schwedens. Hier erwuchs eine starke deutsche Kolonie, und sie — wie auch die „Deutschen Wisbyfahrer", die sich nur besuchshalber in Wiesby aufhielten und von Nowgorod mit feiner „Wisby Deutschen Faktorei", dem sogenannten Gotenhof, Pelzwaren und Felle em- führten und dagegen Waffen, Teer und Kalk ausführten, bestimmten das Geschick der Stadt und gaben ihr das Gepräge. Aus dieser Zeit stammen die vielen kleinen Gäßchen, deren Namen Geschichte bedeutet, wie die Traver. die Wismarer, die Lubl-


