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Hr. 156 Zweites Blatt

Dienstag, 7.M 1936

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Porzellanmanufaktur.

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großen Fernrohr erkennbares Sternchen 14. Größe. Sie erreichte am 21. Juni ihre größte Helligkeit und glich ungefähr dem Hauptstern Alpha im Cepheus. Ihre Leuchtkraft ist demnach innerhalb weniger Tage auf das 40 000fache des ursprüng­lichen Betrages gestiegen. Dem würde ungefähr entsprechen, wenn die Wega plötzlich zur Helligkeit des Vollmonds aufglühte! Die gleichzeitig beobach­tete starke Verschiebung der Linien nach dem kurz­welligen (violetten) Ende des Spektrums ließ dar­auf schließen, daß die äußeren Schichten des Sterns mit enormer Geschwindigkeit auseinandergetrieben werden. Der Stern bläht sich gewaltig auf, etwa bis zum hundertfachen feiner ursprünglichen Größe, und stößt die äußere Gashülle ab, womit der Höhe­punkt der Leuchtkraft überschritten ist. Nach den vorläufigen Beobachtungen deuten Helligkeit und Spektrum auf eine Entfernung von etwa 2000 Lichtjahren. Vor 2000 Jahren also geschah jene un­geheure Sternkatastrophe, von deren Verlauf uns heute der Lichtstrahl Kunde gibt.

Seit dem 21. Juni ist die Helligkeit des neuen Sterns stark gesunken und voraussichtlich wird er bald dem bloßen Auge entschwinden. Die zuerst rein weiße Farbe hat sich in ein sattes Gelb ver­wandelt. Da erfahrungsgemäß die Helligkeitsab­nahme neuer Sterne mit starken Schwankungen erfolgt, dürfte die Beobachtung der Nova im Cepheus und ihr Vergleich mit den Nachbarsternen

Die Kneipe3u den sieben Weisen".

Wie aus Rom berichtet wird, hat der Direktor der Ausgrabungen im antiken Ostia, der Hafenstadt des alten Rom, Guido C a l z a , bei den letzten Ar­beiten ein WirtshausDie sieben Weisen" gefun­den. Die alte Kneipe war mit humoristischen Male- reien ausgeschmückt, die zum Teil erhalten sind. Man sieht die sieben Weisen, griechische Philosophen, in einer Haltung sitzen, die keinen Zweifel darüber läßt, womit sie grade beschäftigt sind. Calza hat das Bauwerk soweit wie möglich wieder hergestellt, und er glaubt, daß es sich um eine Kneipe für das niedere Hafenvolk bandelte.

Gefängnis und Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung.

LPD. Marburg, 6. Juli. In einer Sitzung der Großen Strafkammer wurde der 69jährige Adolf Adler aus Gladenbach, welcher gegen­wärtig wegen Betrugs eine dreijährige Gefängnis­strafe verbüßt, unter der Anklage vorgeführt, in den Jahren 1925 bis 1933 größere Steuer- betrüge (Umsatz-, Einkommen-, Krisen-, Ver­mögenssteuer ufw.) hinterzogen zu haben. Die Beweisaufnahme wurde dadurch erschwert, daß die zur Steuerberechnung wichtigen Bücher des An­geklagten aus der in Frage kommenden Zeit fehl­ten. Der Angeklagte will die Bücher in derAngst­periode", wie er sich ausdrückte, verbrannt haben. Eins der angeblich verbrannten Bücher hat sich mittlerweile bei dem früheren Steuerberater des Angeklagten wiedergefunden. Das Gericht verur­teilte Adler wegen Steuerhinterziehung zu neun Monaten Gefängnis und 4000 Mark Geld­strafe.

blick als bisher. Auf glattgeschorener Grasnarbe hocken in Reih und Glied ausgerichtet die duftenden Heuhaufen. Die Heumahd ist selbstverständlich ein einschneidendes" Ereignis für alle Pflanzen der Wiese. Aber es ist ein zähes, lebensstarkes Geschlecht, nicht lange, und sie treiben wieder aus und da, wo nicht gemäht wurde, etwa an Bachufern und grasigen Hängen wuchern in die schon bestehende Fülle jetzt die Juliblumen hinein. So das stattliche Hartheu oder Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatom) mit goldgelben Dolden. Seine Blätter enthalten fo viele große Oeldrüsen, daß sie, gegen das Licht betrachtet, punktiert erscheinen. Weiter sehen wir mit blauen oder violetten Blüten Tauben- Skabiose (Scabiosa columbaria), den Teufels- Abbiß (Succisa pratensis) und Glockenblu­men (Campanula-Arten). Mit gelben Blüten erschei­nen der Herb st- Löwenzahn (Leontodon autumnale) und das gemeine Sonnenröschen (Helianthemum vulgare oder H. chamaecistus), ganz zu schweigen von den Disteln, verschieden nach Art, je nachdem ob trockene oder feuchte Wiese, sonniger Abhang oder Sumpf.

Vom Walde sagten wir im vorigen Monat, er habe, seit sich sein Blätterdach schloß, nicht mehr die Mehrzahl der Blumen in seinem Gebiet, wie noch im Frühjahr. Das ist richtig, in der offenen Landschaft, in Wiese und Feld mögen es mehr sein; es glaube aber keiner, daß es im Walde außer Bäumen, Moos, Algen und Farnen jetzt nichts gäbe. Außer vielenAlten" blühen jetzt z. B. mit gelber Farbe die wilde Balsamine (Impatiens noli- tangere), die ihre großen, gespornten Blüten an langen Stielen herabhängen läßt, und das Fuchs' G r e i s k r a u t (Senecio Fuchsii) mit seinen meist fünf großen Strahlblüten an jedem der vielen Blü­tenköpfe oder das Klebrige Kreuzkraut (Senecio viscosus). Blaue Blüten zeigen die ra­punzelblättrige Glockenblume (Campa- nula rapunculoides) und die Nesselblättrige (C. trachelium).

Mehr als im Waldinnern finden wir am Wald-

Unter den Sternbildern des nördlichen Himmels bildet das des Cepheus eine wenig auffallende Gruppe schwacher, in einem Bogen angeordneter Sterne zwischen dem Polarstern und dem Schwan. Mit Ausnahme des Hauptsternes Alpha find alle Sterne im Cepheus schwächer als 3. Größe. Dafür enthält dieses Sternbild zwei bemerkenswerte Sterne: den wegen seines Lichtwechsels bekannten Stern Delta und den Granatstern, den rötesten Stern des Nordhimmels. An den Juliabenden nimmt der Cepheus eine für die Beobachtung recht günstige Stellung rechts vom Polarstern ein. Nahe seinem Ostrand, wo die Sterne Delta, Epsilon und Zeta ein kleines Dreieck bilden, leuchtete am 17. Juni plötzlich ein neuer Stern, eineNova", auf, die in Deutschland zuerst von Dr. Hoffmeister auf dem Observatorium Sonneberg beobachtet wurde.

Der Nameneuer Stern" besagt nun nicht etwa, daß hier ein Stern sich aus bisher unsichtbarer Materie gebildet habe oder daß zwei erloschene Weltkörper zusammengestoßen und zu neuer Glut entfacht wären. Dafür besteht nicht die geringste Wahrscheinlichkeit. Vielmehr haben wir in dem jähen Aufflammen einer Nova eine gewaltige Explosion einer Sonne zu sehen als Folge von Atomumwandlungen im Innern dieses selbstleuch­tenden Sterns, durch die ganz unvorstellbar große Energiemengen frei werden. Die Nova im Cepheus war vor ihrem Aufleuchten ein winziges, nur im

Römerberg-Festspiele in Frankfurt.

Die Römerberg-Festspiele in Frankfurt haben sich in den fünf Jahren ihres Bestehens Weltruf erworben. Die Frankfurter Städtischen Bühnen haben sich unter Leitung von General­intendant Meißner mit Aufbietung aller künst­lerischen und technischen Mittel bemüht, hier einen neuen deutschen Theaterstil zu schaffen. Daß dies gelungen ist, bewies die Aufführung desF i e s k o' von Schiller, mit der die neue Spielzeit eröffnet wurde. Meißners Regiekunst schuf Volksszenen von hinreißender Kraft und Wirkung. Dazu kam abgesehen von geschickt eingestreuten Tanz- und Musikeinlagen, das meisterhafte Spiel von Joachim Gottschalk als Fiesko und Rene Deltgen als Mohr. Gottschalks klares und warmes Organ beherrschte den weiten Römerplatz, der im vollen Mondschein unter der sorgfältigen Raumgestaltung von Ludwig Sievert Szenenbilder von unver­geßlicher Wirkung bot. Rauschender und sich immer wiederholender Beifall galt in erster Linie Gott­schalk und Deltgen. L-

Das Lahr der Blumen

Oie Pflanzenwelt im Luli.

Der Sternenhimmel im Luli

Oer neue Stern im Cepheus.

Von Or Erwin Kofsinna.

von besonderem Interesse für alle Sternfreunde sein. Die Astronomen und Astrophysiker aber sin- fieberhaft tätig, um den Vorgang der Sternexplo­sion in allen Einzelheiten zu erfassen und zu unter­suchen, ob die noch recht rätselhafte Höhenstrahlung wirklich von platzenden Sternen ausgeht, die einen beträchtlichen Teil ihrer Masse förmlich zerstrahlen.

Wenden wir uns nun den andern Bildern des Fixsternhimmels zu, fo erblicken wir als gegen­wärtig hellsten Fixstern die blauweiße Wega in der Leier nahe dem Zenit. Sie bildet mit Deneb im Schwan und Atair im Adler das bekannte Som­merdreieck. Durch den kreuzförmigen Schwan und den Adler zieht die Milchstraße, die wir vom Perseus im Nordosten über die Cassiopeia bis zum Schützen am südlichen Horizont verfolgen können. Die mondlosen Nächte der zweiten Julihälfte find zur Beobachtung der Milchstraße geeignet. Tief im Süden, durch fein rotes Licht auffallend, funkelt Antares im Skorpion. Die von Antares ausgehen­den Sternreihen geben diesem Sternbild eine große Ähnlichkeit mit einem Skorpion. Darüber bemerken wir die ausgedehnten Bilder der Schlange und des Schlangenträgers. Zwischen Wega und dem hellen Arkturus im Bootes sehen wir den schönen Halb­kreis der Nördlichen Krone mit Gemma als Haupt­stern sowie den Herkules. Am Osthimmel sind Wassermann, Pegasus und Andromeda heraufge- kommen. Der mit freiem Auge erkennbare große Spiralnebel in der Andromeda bildet in mondlosen Nächten ein dankbares Objekt für das Fernglas. Im Norden steht der Große Bär links vom Polar­stern und wandert nach unten. Die Deichsel des Himmelswagens ist nach oben gerichtet, während der Kleine Bär gerade umgekehrt steht.

Von den Planeten beherrscht Jupiter als mäch­tigster und hellster den Abendhimmel. Ende des Monats geht er schon kurz nach Mitternacht unter. Seine Helligkeit nimmt mit zunehmender Entfer­nung von der Erde langsam ab. Saturn, im Stern­bild der Fische, geht Mitte Juli gegen 22 Uhr auf. Da die Erde gerade in der Ringebene sich befindet, sind die Ringe des Saturns auch in größeren Fern­rohren höchstens als feiner Strich wahrnehmbar. Die übrigen Planeten stehen mit Ausnahme von Uranus und Neptun, die aber nur im Fernrohr sichtbar sind, zu ungünstig für die Beobachtung.

Die Lichtgestalten des Mondes fallen auf fol­gende Tage: 4. Juli Vollmond; 11. letztes Viertel; 18. Neumond; 26. erstes Viertel. Der sommerliche Vollmond wandert so tief am Himmel wie die Wintersonne; sein Licht ist daher mild und gelblich.

Gloria-palast:

Oer geheimnisvolle Mifler X".

England ist der klassische Schauplatz für Krimi- nalgeschichten: im strömenden Regen gegen Abend ein altes Schloß mit Halle und großen Zimmern, mit Gängen, Treppen und Galerien, mit Ahnen­bildern und Ritterrüstungen an der Wand welch eine Szenerie für einen richtigen, schönen gruseligen Kriminalfall, wo man schon Gänsehäute bekommt, wenn nur irgendwo langsam die Tür aufgeht oder der Gong zum Nachtessen ruft. Was soll man aber erst davon halten, wenn plötzlich im Herrenzimmer ein anonymer Brief mit einem langen Dolchmesser in die Lehne des Schreibtischsessels gespickt ist, und niemand weiß, woher und wer und wieso und warum? In dem Brief, der sich, so kurz und bündig er ist, aus aufgeklebten Druckbuchstaben zu­sammensetzt, kündigt ein geheimnisvoller Mister X dem Hausherrn Lord Wilford den Diebstahl einer kostbaren persischen Kleinplastik an, deren Wert so­eben erst von einem Kunsthändler auf 8000 gute englische Pfund geschätzt wurde: dies ist der nackte Tatbestand, und also kann sich jedermann auf einiges gefaßt machen. Mit Recht, denn es ist, wie sich bald herausstellt, in diesem Wilford-Schlosse wirklich nicht geheuer; nicht nur die Plastik ver­schwindet, sondern auch ein kostbarer Schmuck vdn Lady Wilford, und die Untersuchung des Falles, die mit kriminalistischem Scharftinn und mit den erlesensten und modernsten Methoden betrieben wird, verwandelt das Schloß im Handumdrehen in ein wahres Tollhaus. Obwohl der Beschauer die Lösung zum großen Teil im voraus erfährt und über die Perfon des Mister X rechtzeitig aufge­klärt wird, bleibt er doch das ist das Hübsche dabei bis zuletzt in der Spannung; und außer­dem kommt er, wer hätte das gedacht, aus dem Lachen nicht heraus, denn es gibt nicht nur gruse­lige, sondern auch komische Kriminalfälle, mindestens in der Literatur, wovon übrigens noch viel zu wenig Gebrauch gemacht wird. Man muß des öfteren an dieVier Nachrichter" aus München und an ihre schottischeNervensäge" denken, aber die Vorlage bot diesmal ein Bühnenstück der ftanzösischen Lust- spielautoren Armont, Gerbidon und Ma' noussi; das Ganze ist eine Gemeinschaftsarbeit von F. D. A n d a m und dem K. M. R.-Kollektw. Regie führte I. A. H übler- Kahla: sehr treff­sicher und sehr witzig, mit ausgesprochenem Vuck für wirksame Situationen. Jim C o w l e r schrieb die Musik dazu; an der Kamera standen Georg Muschner und Paul Rifchke vor lohnenden

als Mittelpunkt seiner Sammlung dienen können. Doppelt so viel Raum müßte vorhanden sein, da­mit diese Kostbarkeiten vollauf gewürdigt werden könnten.

Wir können hier an dieser Stelle nur einen Streifblick durch die weiten Räume hindurch geben: Das Mittelschiff des Museums, das über 90 Meter lang ist, birgt die rein spanische Sammlung von der ältesten sakralen Altarmalerei bis an die Zeit Goyas heran. Wir erkennen deutlich, wie jeg­liche Kunst in ihren Grundideen zwar zeitbestimmt ist, wie sie aber und hier paßt treffend unser neu geprägter Begriff von Blut und Boden auf völkisch anderem Boden die Eigentümlichkeiten des anderen Volkes zur überwiegenden Note machen. So hat die auf den großen Pilgerstraßen nach Spanien gekommene Gotik ihr besonderes Gepräge als s p a n i s ch e Gotik bekommen, so ist auch die Malerei, selbst wenn sie ihre Grundideen aus Frank­reich Italien oder Deutschland genommen hat, immer wieder zur spanischen Malerei geworden.

Gehen wir in den Tizian-Saal, den bei der Eröffnung im Jahr 1928 ein französischer Kunst­kritiker die vollendetste Harmonie aus Purpur, Gold und Schönheit nannte. Was der 30iahrlge schuf, hier zu sehen und in Vergleich zu stellen mit dem Alterswerk des 95jährigen und dazwischen aus 65 Jahren dieses überreichen Schäftens über 40jBe= weise der großen Kunst aus der Hochrenal^sance. Und gehen wir weiter in den größten Saal, den Del a s q ii e z - Saal, der stets die meisten Besucher aufAumerfen hat, wandern weiter durch die R u - b e n^-Säle, die uns mit ihrem Ueberschwang an Kraft und Pracht kaum zu längerem Derweilen er» mutiaen und landen schließlich in den nordische Luft ^atmenden flämischen Sälen mit ihrer Rcttur- Uchkeit und Her lichkeit, die den Menschen und die Natur wiede? zu natürlichen Dingen werden lassen Einen Blick noch in die Goya- Sammlungen, di uns einen tiefen Einblick gewähren in die Menschen- die" Schattenseiten ^des

Unb bei diesem kurzen Gange sehen wir die Menschen die den Prado besuchen, mit verwunder­en Augen an: Der einfache Mann 'N seiner langen Arbeitsbluse, das bescheren- ^^tmadchen rntt d m Bräutigam, alles einfache. Nicht mtellekrueU- -.eure, unverbildet ungelehrt, aber empsangltch f < was hier an SchöL-it und Größe zu UNS spricht.

Der Prado in Madrid.

Von Or. Kurt Ieffel.

Wer in der Heimat von Spanien spricht, dem tauchen Begriffe auf wie: fern im Süd das schöne Spanien Spanien, das Land des ewig lachenden blauen Himmels das Land der Orangen und der schönen Frauen spanischer Stierkampf und spanischer Wein. Wer etwas näher Bescheid weiß in Spaniens wechselvoller Vergangenheit, der er­wähnt die Alhambra, das maurische Märchenschloß über Granada; und schließlich sind dann auch Namen wie Tarragona, Valencia, Sevilla, Malaga mehr oder weniger bekannte, aus Bildern und Büchern erschaute Begriffe. Von Madrid selbst weiß man, es ist die Hauptstadt, die an dem Flüßchen mit dem schön klingenden Namen Manzanares liegt.

Fast nur dem Namen nach bekannt ist aber die Perle mit ihren unendlichen Kunstschätzen, die die Hauptstadt in sich birgt: der Prado. Es ist das Museum, in dem durch kunstfreudige Fürsten aus Spaniens größter Zett Schätze zusammengetragen sind, die dem Museum mit Fug und Recht den NamenMuseum der Superlattve" eingetragen haben. Selbst wer sich auf die Reise nach Spanien an Hand des Bädekers oder sonstiger Reifebeschrei­bungen glaubt, gründlich vorbereitet zu haben, auf die Reise der Sonne entgegen, steht erstaunt vor dieser Fülle unschätzbarer Kostbarkeiten. Einige Zahlen, um nur die klangvollsten Namen aus dem Reiche der Malerei anzuführen, mögen dieses vor­weg beweisen. Von der Vorrenaissance 615 in das 19. Jahrhundert hinein sind die weiten Sale er­drückend voll. Einer der besten Kenner des Museums, der über zehn Jahre das Studium des Prados zu seinem Nebenberuf gemacht hat, erzählte mir, daß er vielleicht erst nach weiteren zehn Jahren im­stande sein wird, umfassend über den Prado zu sprechen. An die 3500 Bilder, die sich auf einen Zeitraum von fast 500 Jahren erstrecken, bieten sich den Blicken des Besuchers, der ob dieser Fülle ohne sachverständige Führung in einen -Laumei der Uebersülle versetzt wird.

Es ist das Museum der Superlative, von einem so unschätzbaren Bildungswerte, daß bie Deutsche Oberrealschule in Madrid bewußt die Einführung in die Kunst durch den Direktor der Anstalt als lehrplanmäßigen Unterricht im Prado selbst aus­genommen hat. ,

Was hier an vielen Stellen, unglücklich aufge­hängt, halb im Schatten sich dem ent­

ziehen möchte, würde manchem deutschen Museum

Wir stehen auf der Höhe des Jahres. Es ist I Sommer, die Zeit des Keimens, Wachsens und 1 Blühens in der Pflanzenwelt ist zu Ende, es ist , jetzt der Abschnitt der Reife, die Erntezeit kommt.

Man sieht es überall, am Wetter, am Tierleben und am Stand der Pflanzenwelt, daß die Entwick­lung ein gutes Stück weiter im Jahre gegangen ist. Am 21. Juni war der Tag der Sommersonnen­wende man könnte darüber nachsinnen, wie eng und unabänderlich alles, das Größte und das Kleinste im Naturgeschehen, miteinander verbun­den ist.

Schon im vorigen Monat bemerkten wir einen Stillstand" in der Pflanzenentwicklung, zwar kein tatsächliches Stillstehen, das gibt es nicht, aber ein langsameres, verborgeneres Leben. Das Bild ist jetzt seit Ende des Frühjahrs so geschlossen und ausgefüllt, daß Veränderungen, Verschwinden von Dagewesenem, Erscheinen von Neuem nicht mehr fo auffallen wie noch vor Wochen.

Und doch ist es eigentlich nicht so. Die ersten Frühjahrsblumen haben längst ihre Samen gereift, und manche Blumen beginnen jetzt erst mit der Blüte. Sehen wir die phänologischen Tabellen und die Blumenatlanten durch, so staunen wir immer wieder über die unerschöpfliche Fülle der Gewächse, die die Natur in unseremrauhen Landstrich" her­vorbringt; sogar jetzt noch in den kommenden Wo­chen, die wir als Erntezeit bezeichneten. Die Zahl der Kommenden ist größer als die Zahl der Ver­gehenden, obwohl die Bäume das Licht abschirmen und die Sense aus der Wiese ihre Arbeit tat. Gehen wir also hinaus, um einen kurzen Ueberblick zu gewinnen.

Da gedeiht gleich auf den Wegen, den Wegrän­dern, auf wüsten Plätzen die schönste Ruderalflora.

An den Zäunen und Hecken der Blumen- und Gemüsegärten blüht es, oft weniger prächtig als innerhalb der Einfriedigung, aber dafür in größerer Menge. Neben der schon blühenden Zaunrübe und der Ackerwinde öffnet jetzt an etwas feuchteren Stellen die Zaunwinde (Convolvulus sepium) ihre schneeweißen Blütentrichter. Trockenere Orte be­vorzugen der R a i n f a r n (Tanacetum vulgare) mit feinen flachen, gelben Blütenköpfen und stark duften­den Blättern, und der Beifuß (Artemisia vul­garis) mit feinen kleinen grüngelben Köpfen in lan­ger, traubiger Rispe auf hohem, gerieftem Stengel. Farbenfreudiger sehen die lichten, blauen, großen Blüten der W e g w a r t e oder wildenCichorie (Cichorium intybus) aus, die zu zweien oder dreien an den sparrigen, verzweigten Stengeln sitzen. Be­kannt wegen ihrer neckischen Anhänglichkeit sind die purpurnen Blütenköpfe der Kletten (Arctium lappa und A. minus). Unauffällig in ihren Blüten, aber bekannt sind der Große Wegerich (Plan­tage major) und die B r e n n e f f e l (Urtica dioica).

Vom Wegrand zum Ackerrand und aufs unbebaute Feld ist oft kein großer Schritt, hier berühren sich also zwei Gebiete. Es stehen die langen, ährenähn­lichen Trauben des Honigklees (Melilotus off.) auf kräftigem, hohem Stengel. Neben den vielen, schon früher genanntenAckerunkräutern" blühen jetzt die hellpurpurnen Lippenblüten des Acker- Hohlzahns (Galeopsis ladanum) und die lilaen der Ackerminze (Mentha arvensis), die zu kuge­ligen Quirlen in den Blattachfeln zufammensitzen. Weniger farbenprächtig ist das Kätzelkraut oder der M ä u f e k l e e (Trifolium arvense). Eine kleine, zottigbehadrte Pflanze mit grünlich-weißen, später rötlich anlaufenden Köpfchen.

Nicht zu vergessen sind hier die Vertreter einer wehrhaften, selbstbewußten Gruppe, die Disteln, von denen wir auch andere im feuchten Gelände wiederfinden werden. Hier sind es die A ck e r d i st e l (Circium arvense) und die Speerdistel (C. lan- ceolatum) mit violetten Blüten und die goldgelbe Acker-Gänsedistel (Sonchus arvensis)

Kommen wir dann hinaus auf die Wiesen und Weiden, bietet sich uns ein wesentlich anderer An-

rand und auf trockenen oder feuchten Waldblößen etwa die gelbe wilde Goldrute (Solidago virga aurea), die rote Wald-Platterbse (Lathyrus silvestris). Vor allem aber kennzeichnet den sommer­lichen Wald, besonders die Lichtungen und Kcchl- schläae, das Weidenröschen (Epilobium angu- stifolium). Es ist ein herrlicher Anblick, wenn ihre großen, purpurroten Einzelblüten in unübersehbaren Massen auf den hohen Stengeln vor dem dunklen Walde in der Sonne leuchten.

Auf trockenen Standorten, sonnigen Abhängen und Sand blühen jetzt die gelben Strohblumen (Helichrysum arenarium), der Wirbel-Dosten (Calamintha chinopodium) mit purpurroten Lippen­blüten in Quirlen in den Blattachseln, der rote Gamander (Teucrium chamaedris). Eine statt­liche Pflanze ist der N a 11 e r t o p f (Echium vulgare) mit tiefblauen, glockigen, fünflappigen Blüten, die sich dicht an den derben, borstigen Stengel drängen. In besonders glücklichen Gegenden gibt es Enzian (Gentiana spec.) der verschiedenen Arten.

Für die Beobachtung der Pflanzen an und im Wasser, im Sumpf und an Ufern ist jetzt die richtige Zeit. Zu denen, die im Juni erschienen, gesellen sich das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris) mit je einer großen weißen Blüte an langem, schlan­kem Stengel, der gelbe Große Hahnenfuß (Raminculus linga) und der Ampferblättrige Knöterich (Polygonum lapathifolium) ober ein anderer mit ihren rosaroten oder weißen Blüten in lockerer Aehre. Sehr giftig ist der weißblühende Wasserschierling (Cicuta virosa), und zu dichten Massen hat sich die aus Nordamerika ein­geschleppte W a s s e r p e st (Elodea canadensis) ver­mehrt.

Es gibt noch viel mehr, was zu nennen wäre, und mancher wird die eine oder andere Pflanze ver­missen, die jetzt ober halb hier unb ba, oft nur in beschränkten Gebieten bas Lanbschaftsbilb bestimmt. Viel wichtiger unb einschneibenber aber, als ob auch biefe ober jene Blume blüht, finb biese beiben Tat­sachen: um bie Mitte bes Monats beginnt bie Rog­ge n e r n t e (Secale cereale), unb gegen Enbe Juli fallen bie Halme bes Weizens (Triticum vulgare), ber eben blüht unb stäubt, unter ber Senfe.

Die große Zeit bes Blühens unb Reifens ist vorbei, bie Erntezeit fetzt ein.

Walter Neurath.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

E. a. B. Es ist uns nicht bekannt, ob ein solcher Zirkus noch besteht. Desgleichen kennen wir dir Art der Darbietungen nicht.

Aufgaben. Von den Darstellern feien nur bie wich­tigsten genannt: R. A. Roberts unb Hermann Thimig, bie Komiker; Eugen Rex unb Mady R a h l; Annemarie S t e i n f i e ck unb Robert Jungk; über ihre Rollen fei im Interesse spä­terer Besucher nichts weiter gesagt: sie spielen alle famos, unb man unterhält sich, wir sprachen schon bavon, zwei Stunben lang, sehr erheitert und an­geregt. (Syndikat-Film.) Im Beiprogramm: die neue Ufa-Wochenschau und ein Kulturfilm aus der