sitzen und „immer noch eins trinken" sah, der gehe in fräs neue Museum für deutsche Volkskunde in Berlin und lasse sich eines Besseren belehren! Er wird dort eine Reihe von Modellen germanischer Männer, Frauen und Kinder finden, die nun allerdings so bekleidet sind, daß einem bei der Erinnerung an unsere durch die Macht der Gewohnheit geheiligten Siegfried- und Hagenkostüme eini
germaßen übel werden kann. Man darf also dem Generalintendanten der Württembergischen Staatstheater, Professor Krauß, zu seinem Bestreben, die Wagnerbühne von solchem barbarischen Unrat zu säubern und auch das Kostüm der geschichtlichen Wirklichkeit anzupassen, von Herzen Erfolg wünschen. Und den Göttern und Recken auch. Mit dieser „Dämmerung" dürfen sie schon zufrieden sein.
König Eduard beWigt die „Queen Mry".
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König Eduard VIII. nahm in den Dockanlagen von Glasgow eine Besichtigung des neuen englischen Riesendampfers „Queen Mary" vor, auf dem er sich jede Einzelheit genau erklären ließ und ankündigte, daß er an den ersten Probefahrten teilzunehmen wünscht. Nach dem Verlassen des Schiffes wurde der König von den Werftarbeitern begeistert begrüßt. Nachmittags besuchte König Eduard die berüchtigten Elendsquartiere von Glasgow. Unangemeldet betrat er mehrere Häuser und unterhielt sich mit den Bewohnern über ihre Lebensverhältnisse. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Geschichten aus aller Wett.
Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte
-23on Ernst v. Niebelschüh.
Randglossen zur kleinen Zeitgeschichte.
Das „Haus der deutschen Kun st m München ist nun im Rohbau fertig: ein Werk des 1934 verstorbenen Architekten Karl Ludw. T r o o st, den das Vertrauen des Führers dazu ausersehen hatte, dem deutschen Volke und insbesondere der Stadt München diesen Monumentalbau, ein würdiges Gegenstück zu den Parteibauten am Königsplatz, zu errichten. An dieses neue Wahrzeichen des Dritten Reiches in der Stadt der Bewegung knüpft sich die Hoffnung, daß, wie die nationalsozialistische Regierung es wünscht, München in Zukunft wieder d i e deutsche Kunst stadt werden und damit eine Rolle im deutschen Geistesleben spielen möge, die es nach dem Weltkriege an Berlin zu verlieren ernstlich in Gefahr stand.
München hat seit König Ludwig!., der es durch feine enorme Bautätigkeit recht eigentlich zur deutschen Kunststadt erhoben hat, eine einzigartige Stellung innegehabt, nicht ganz unähnlich derjenigen, die Rom in der Renaissance einnahm: selbst nicht sehr produktiv im Hervorbringen starker bodenständiger Künstlernaturen, besaß es die geheimnisvolle Fähigkeit, das Beste in ganz Deutschland und darüber hinaus magnetisch in seinen Bann zu ziehen und ihm sogar jenen unverkennbaren Stempel einzuprägen, der das Merkmal einer gesunden Formkraft ist. Auch wenn wir wissen, daß z. B. Wilhelm L e i b l ein geborener Rheinländer war, so empfinden wir doch seine Malerei als ein bayrisches, als ein Münchener Gewächs, dessen Wurzeln tief in die Erde dieser wunderbaren Stadt zu reichen scheinen.
Nach dem Kriege hat sich die Situation zum Nachteil Münchens nicht unbeträchtlich verändert. Größtenteils lag es wohl daran, daß bestimmte Richtungen naturfremder Art, „Ismen" zweifelhaften Wertes, die das deutsche Kunstleben der beiden letzten Jahrzehnte in krampfhafte Unruhe versetzten, in München niemals den Boden fanden, in dem ihr Scheinleben sich hätte entwickeln können. Mit dem raschen Absterben dieser Treibhauspflanzen einer fragwürdigen Kultur hat München wieder sehr begründete Aussichten, eine Stellung wiederzugewinnen, die es nicht so sehr aus Schwäche, sondern aus Mangel an Anpassungsvermögen an üble Zelterscheinungen verloren hatte. Man darf hoffen, daß das „Haus der deutschen Kunst" für die bayerische Hauptstadt zu einem mächtigen Antrieb wird, ihren alten Ruhm auf neuer und gesicherter Grundlage zu befestigen.
Die loten stehen auf! Und das ausgerechnet in dem Lande, das in der schlichten Kunst, die Lebendigen massenhaft zu töten, den Weltrekord aufgestellt hat — in Sowjetrußland. Man höre und staune: dem Leiter des medizinischen Instituts in Moskau, Professor Smirnofs, soll es gelungen sein, mit Hilfe der elektrischen Stromkraft das Herz eines durch Berührung mit einer Starkstromleitung getöteten Arbeiters wieder zum Schlagen zu bringen und damit dem Verunglückten das Leben zurückzugeben. Und damit nicht genug: von unserem Totenerwecker wird weiter gemeldet, er habe einen an Herzlähmung Gestorbenen durch Bloßlegung des Herzmuskel und Jnnervierunq mit elektrischem Strom, unter gleichzeitiger Injektion einer die Mus- kclbewegung anregenden Flüssigkeit in die Blutkreisbahn, wieder ins Leben gerufen. Nach einer Viertelstunde bereits, so wird berichtet, habe das Herz wieder selbsttätig zu arbeiten angefangen, und der „Tote" habe die Augen aufgeschlagen.
Ja, es geschehen Zeichen und Wunder! Aber m demselben Lande, wo solches geschehen ist — ober geschehen sein soll — macht man sich kein Gewissen daraus, die Seelen der Menschen in der brutalsten Weise zu morden und alles, was Menschenwürde heißt, systematisch und mit einem Zynismus zu ertöten, der in der ganzen Weltgeschichte ohne Beispiel ist. Früher hieß es einmal: mögen sie die Leiber umbringen, den Geist und die Seele zu töten vermögen sie nimmer! Im heutigen Sowjetrußland ist es umgekehrt — man erweckt zum Ruhme der ärztlichen Wissenschaft den vergänglichen Körper. Wozu eigentlich? Um ihn erneut der absoluten Sinnlosigkeit eines bloß noch biologisch verstandenen Daseins auszuliefern. Denn ob die Geschichte wahr ist oder nicht: bezeichnend* ist sie auf alle Fälle.
Das hätte sich der alte Griechengott Pluto wohl auch nicht träumen lassen, daß er noch einmal aus der antiken Hölle, wo wir ihn als den unumschränkten Beherrscher der abgeschiedenen Seelen und als Regisseur von allerhand Teufelszeug bis „Orpheus in der Unterwelt" verfolgen können, an das lichte Firmament versetzt werden konnte! Aber es ist wirklich so: Pluto ist in den Himmel umquartiert. Das bewerkstelligt zu haben, war der astronomischen Wissenschaft unsrer Tage vorbehalten. Denn als im Jahre 1930 von einem Gelehrten des Krakauer Observatoriums jenseits der Neptunbahn e i n neuer Planet entdeckt wurde, hat man ihn, unbeschwert von mythologischen Kenntnissen, schlankweg „Pluto" genannt. Wie wenig wohl sich aber Pluto an dem ihm so ungewohnten Himmel gefühlt zu haben scheint, geht aus der Tatsache hervor, daß es erst jetzt gelungen ist, den fernen Spaziergänger zu photographieren. Solange hat er es nämlich vorgezogen, sich unsichtbar äu machen, vermutlich weil diese Rangerhöhung und Platzvertauschung gegen fein philologisches Gewissen ging. Was aber, so darf man fragen, haben sich die Astronomen eigentlich dabei gedacht, als sie den Gott der Unterwelt in die Sterne erhoben? Haben sie etwa damit die geiftes» geschichtliche Tatsache anerkennen wollen, daß die Menschheit heute z. B. überall da, wo der Bolschewismus die Farben rührt, ihre dunkelste Stunde erlebt, das unterste zu oberft verkehrt wird und die Mächte der Finsternis aus dem Abgrunde empor- steigen, um als Lichtgötter verehrt zu werden? Was nur ein Zufall zu sein scheint, enthüllt oft die aller- tiefsten Geheimnisse.
In Stuttgart findet augenblicklich eine (Ent- kitschung der Germanen statt, man könnte auch sagen: eine Entfettung. AufdemTheater, versteht sich! Man wird dort in Zukunft die Götter und Helden von Wagners „Ring" also nicht mehr mit den üblichen Bettvorlegern über den Trikots und den dräuenden Büffethörnern auf der Stirn über die Bretter stolzieren sehen, sondern, wie es sich für archäologisch richtige Germanen geziemt, in der kleidsamen Tracht, die auf Grund der Gewebereste in den Gräbern der Bronzezeit von unseren frühgeschichtlichen Forschern einwandfrei rekonstruiert werden konnte. Wer es nicht glauben will, daß unsere Vorfahren wesentlich anders lebten und auch ganz anders gekleidet waren als in der bierseligen Phantasie unserer Großväter, die sie nach einem alten Studentenliede auf beiden Ufern des Rheins
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Liebe nach dem Stundenplan.
(E. A. H.) Washington.
Verschiedene Lehrer der Universität in Washington wollen die unliebsame Feststellung gemacht haben, daß bei einigen Schülern und Schülerinnen — es seien, heißt es, „nicht einmal die schlechtesten" — Fleiß und Aufmerksamkeit plötzlich gewaltig nachließen. Eine genaue Ueberwachung des Unterrichtsbetriebes, bei dem Studenten beiderlei Geschlechts nach Art englischer Colleges zu dauerndem Aufenthalt untergebracht find, ergab, daß sich die aufgefallenen Sünder und Sünderinnen ineinander verliebt hatten. Die Rechnung stimmte nämlich auf beiden Seiten ganz genau.
Der Dekan des College verfügte daraufhin: Studenten und Studentinnen dürfen sich in Zukunft erstens nicht mehr zusammen in geparkten Automobilen aufhalten, zweitens nicht an demselben Tisch in der Bibliothek sitzen, drittens dürfen sie nur noch an Freitag-, Samstag- und Sonntagnachmittagen zusammen sein. Während der Woche sind Zusammenkünfte inner- und außerhalb des Universitätsgebäudes verboten.
Die Stadt auf Rädern.
B. D. Neuyork.
Die Wohnwagen, in Europa in der Hauptsache eine Angelegenheit der Wanderzirkusse und Zigeuner, haben sich in den Vereinigten Staaten in einem erstaunlichem Maße eingebürgert. Wollte man dort nämlich alle Wohnwagen zusammenstellen, so gäbe das eine Stadt mit rund 250 000 Wagen und etwa einer Million Einwohner. Die Nachfrage nach solchen Wagen ist so groß, daß die mit dem Bau beschäftigten Fabriken für viele Monate hinaus mit Arbeit versehen sind. Die Weite des Landes, die ausgezeichneten Landstraßen, die Fülle herrlicher Landschaften und das aufreibende Leben in den Großstädten begünstigen die Wohnwagenkultur außerordentlich. Auch mit einem bescheidenen Einkommen kann man sich einen Wohnwagen erstehen oder selbst bauen, der Besitz eines kräftigen Autos ist dabei natürlich Voraussetzung. Ja, es gibt viele Wagenbesitzer, die überhaupt darin leben, weil das verschiedene verführerische Vorteile hat.
Schon für 100 Dollar kann man sich einen Wohnwagen erstehen, der elektrisches Licht und Heizung aufweift, man braucht ihn nur an das Stromnetz des Lagers anzuschließen. Solche Lager, auf denen zuweilen Tausende von Wohnwagen stehen, gibt es die Menge. Man zahlt für die Woche zwei Dollar Beitrag für die Unkosten des Lagers. Viele Städte sind dazu übergegangen, für die Wohnwagen besondere Plätze zu schaffen mit Strömung Wasserbelieferung und was sonst noch in Frage kommt.
Ein Stein fiel vom Himmel.
Dr. D. San Franzisko.
Irgendwo im Westen, in Kalifornien, ist ein Stein vorn Himmel gefallen. Das war aber gar kein Stein, er war in Wirklichkeit aus Eisen. Kosmisches Eisen nennen das wohl die Gelehrten. Als dieses kosmische Eisen vom Himmel fiel, stand gerade ein gewisser Tom Jefferson in der Nähe. Er schüttelte ein wenig den Kopf, schob den Kaugummi von der linken auf die rechte Seite und sah sich das Ding näher an. Tom Jefferson ist ein gewitzter Kopf. Er hat das Eisen, das einen Zentner schwer war, ausgraben lassen und es dann in einer Schaubude ausgestellt, was ihm wohl viel Geld einbrachte.
Aber da meldete sich ein gewisser Khirn. Dem gehört das Grundstück, auf dem der Stein niederfiel. Er ftrengte einen Prozeß gegen Jefferson an:
der Stein gehöre ihm, rote alles, roas sich auf dem Grundstück befindet.
Der Prozeß, so interessant er auch ist, wurde nicht zu Ende geführt. Denn die Zollbehörden haben das Eisen mittlerweile für sich beschlagnahmt, dieweil es verboten ist, Eisen zollfrei nach den Vereinigten Staaten einzuführen.
Tom Jefferson und Khirn mögen sich mit dem Himmel darüber auseinandersetzen, warum er den Zoll nicht ordnungsgemäß entrichtet hat.
Die Adelphi-Bogen verschwinden.
(—) London.
Wieder wird ein Stück des alten London der Spitzhacke zum Opfer fallen — diesmal findet sich aber kein einziger Engländer, der das bedauert. Es handelt sich nämlich um die berüchtigten „Adelphi-Bogen", ein Wirrsal von uralten Kellerund Kanalifationsgewölben am Ufer der Themse im Gebiete der Salisbury- und Cecilstraße und noch aus jener Zeit stammend, als das Embank- ment noch nicht gebaut war. Wer aufmerksam seinen Dickens ober auch nur seinen Wallace gelesen hat, dem ist der Name nicht unbekannt: hier befanden sich menschenalterlang wie in Limehouse die beliebtesten Schlupfwinkel der von der Polizei von Scotland Pard gesuchten Londoner Verbrecher, und die Adelphi-Bogen spielten für London dieselbe traurige Rolle wie die Seinebrücken für Paris.
Wenn die Polizei früher einen Verbrecher suchte, wagte sich nie ein einzelner Beamter hierher, sondern es mußten umfangreiche Razzien unternommen werden, die sehr oft in Feuergefechte mit dem Gesindel dieser Unterschlupfe verwickelt wurden. Und da es auch in Limehouse keine der „beliebten" chinesischen Opiumhöhlen mehr gibt, sind die einzigen Leidtragenden bei diesen Derschönerungsarbei- ten der Londoner Stadtverwaltung die Verfasser von zünftigen Kriminalromanen ...
Die Feuerprobe.
C. K. Liverpool.
Vor einiger Zeit fand in England eine aufsehenerregende Vorführung statt, die man nicht mit anderen Augen ansehen würde, als die Geheimkünste indischer Fakire überhaupt, wenn es sich diesmal nicht um einen Versuch gehandelt hätte, der mit wissenschaftlicher Genauigkeit und in Anwesenheit hervorragender Aerzte unternommen worden wäre. Der Inder Kuda Bux aus Kaschmir zeigte, wie man über glühende Kohlen laufen kann, ohne irgendwelchen Schaden zu nehmen, eine Feuerprobe, die unter den religiösen Fanatikern seines Heimatlandes verschiedentlich geübt werden soll. Man hatte, wie in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitgeteilt wird, in einem 25 Fuß langen, 6 Fuß breiten und 9 Zoll tiefen Graben 140 Zentner Eichenscheite und 20 Zentner Feuerholz angehäuft, diese dann mit Petroleum getränkt und angezündet. Nach sechs Stunden war der Boden des Grabens mit glühenden Holzkohlen bedeckt, die eine Oberflächentemperatur von 427 Grad Celsius entwickelte. Die Füße des Inders waren vor dem „Gang" über das Feuer noch sorgfältig abgewaschen worden, um jede Täuschung unmöglich zu machen. Kuda Bux lief dreimal über die ganze Länge des Grabens, und zwar in 4,8 bzw. 4,5 und 4,3 Sekunden. Nach der Vorführung wurden die Füße sofort durch den bekannten Chirurgen Prof. Pannett untersucht, ebenfalls 48 Minuten später. An den Füßen war weder Röte noch Blasenbildung festzustellen, wie überhaupt nicht zu erkennen war, daß der Inder das Feuer berührt hatte. Zwei englische Studenten, die je 2 Sekunden über das Feuer gelaufen waren, hatten sich dagegen schwere Brandwunden zugezogen. Prof.
Pannett fand die Epidermis an des Inders Füßen keineswegs hart ober verdickt, sondern ganz zart. Eine Erklärung konnte keiner der Beobachter geben; Kuda Bux selbst behauptete, sein Glaube an seine Unverletzlichkeit ermöglichte ihm die Feuerprobe.
Dem „König der Köche".
(Z) Paris.
Im April werden Meisterköche und Küchenchefs der ganzen Welt in dem kleiney Dörfchen Ville- neuve-Loubet an der französischen Riviera zusammenkommen, um der feierlichen Einweihung des ersten Denkmals der Welt für einen ihrer Berufsgenossen, für den „König der Köche" August Es- coffier beizuwohnen, der in diesem Dorfe vor 89 Jahren geboren wurde und im vorigen Jahre in seiner Prachtvilla in Monte Carlo gestorben ist.
Das Denkmal, an dessen Einweihung auch einige französische Minister teilnehmen werden, besteht aus einer überlebensgroßen Marmorbüste des großen Kochkünsllers, die am Sockel ringsum von den Emblemen seiner nahrhaften Kunst, wie Gartenfrüchten, Fischen, Salatblättern usw. umgeben sein wird. (Schön!) Das Postament wird außer dem Namen Escoffier auch diejenigen der zahllosen von ihm erfundenen Leckerbissen tragen. Darunter auch den des „Pfirsich Melba", den er zu Ehren der berühmten Sängerin, der „australischen Nachtigall", so genannt hat. Außerdem wird in jedem großen Hotel längs der Riviera, am Einweihungstage ein von Escoffier erfundenes Gericht zu seiner Erinnerung serviert und verspeist werden. Die Kosten des Denkmals sind, eine weitere Merkwürdigkeit, von Feinschmeckern beigesteuert worden, die irgendwann einmal an einer von Escoffier bereiteten Mahlzeit teilgenommen haben. Und das sind in der Mehrzahl Engländer, denn Escoffier hat den größten Teil feiner Laufbahn in englischen Hotels und in reichen Privat- und Schloßhaushalten zugebracht. Sein „Kulinarischer Führer", der in mehreren Sprachen übersetzt worden ist, dient heute noch als Lehrbuch für ehrgeizige Köche.
In Venedig wird wieder gegondelt.
Da. Venedig.
Im 17. Jahrhundert, als Venedig auf der Höhe seiner Macht stand, sollen sich auf den zahlreichen Kanälen der Stadt über 3000 Gondeln getummelt haben, und die reichen venetianischen Kaufleute ließen sich Prachtgondeln bauen, die innen reich mit kostbaren Stoffen und Edelmetallen bekleidet und verziert waren. Mit dem Niedergang der Macht verschwanden immer mehr Gondeln aus den Lagunen, und als gar etwa 1880 die ersten Motorboote austauchten, schien die Sterbestunde für die Gondeln gekommen zu fein. Am Ende gab es nur noch ein schwaches Dutzend Gondeln, als plötzlich die große Wendung eintrat. Die Venediger sind reumütig zur Gondel zurückgekehrt, die Spitzen der Behörden gingen dabei mit gutem Beispiel voran, und die Bootsbauer sind eifrig bemüht, die alten Gondeln wieder fahrtbereit zu machen.
Die Ursache dieser Wandlung ist der abessinische Krieg und die durch ihn erfolgte Verknappung und Verteuerung des Benzins. Wer kann schließlich für eine keineswegs lange Fahrt mit dem Motorboot 30 bis 50 Lire zahlen, ganz abgesehen davon, daß es für unpatriotisch gilt, wegen des Benzinmangels Motorboote zu benutzen. Heber Nacht sozusagen sind die Gondeln wieder zu Ehren ge» kommen; man preist ihre Romantik, ihr lautloses Gleiten durch die Fluten und vor allem ihre Billigkeit. Die Gondoliere hoffen sogar, auch nach dem Kriege sich behaupten zu können und sehen weitblickend genug davon ab, die gegenwärtige Konjunktur durch hohe Preise auszunutzen.
Ueppiger Speisezettel und gute Mägen.
Da. Pr. Pra g.
Im Süden des einsttgen Königreichs Böhmen herrschte vor etlichen Jahrhunderten das Geschlecht der Witkowiden, die auch nach ihrer an der Moldau gelegenen Burg den Namen der Herren von Rosenberg führten. Der Vorletzte dieses Geschlechtes, der 1533 geborene Wilhelm von Rosenberg, wohnte in seinem Lustschloß Kratochwile, wo dauernd große Festlichkeiten stattfanden. Er war nicht weniger als viermal verheiratet. Als er sich mit der Mark- gräfin Anna Maria von Baden 1573 auf Schloß Krumau vermählte — das Fest dauerte eine Woche — wurden folgende Mengen verzehrt: 40 Hirsche, 50 Rehe, 50 Faß eingemachtes Wild, 50 Wildschweine, 2130 Hasen, 250 Fasane, 4 Trappen, 30 Auerhähne, 2050 Rebhühner, 5135 gemästete Gänse, 20 680 wilde Tauben, 350 Pfauen, 450 Truthähne, 2560 Kapaune und Hühner, 150 gemästete Ochsen, 15 gemästete Kühe, 20 jährige Kälber, 526 sechswöchige Kälber, 150 gemästete Schweine, 450 gemästete Schöpse, 395 Lämmer, 504 Frischlingsschweine, 20 geräucherte Ochsen, 40 geräucherte Schöpse, 1520 Blutwürste, 465 Leberwürste, 320 Bratwürste, 10 200 frische Karpfen, 10 200 frische Hechte, 95 frische Barben, 6380 frische Forellen, 3400 andere Fische, 5200 Krebse, 150 Barsche, 200 Aeschen, 350 Aalraupen, 695 frische Muränen, 300 Seidel Grundeln, 350 Stockfische, 2300 geräucherte Forellen, 2300 geräucherte Muränen, 1070 geräucherte Karpfen, 950 geräuscherte Barsche, 450 ge- räuscherte Hechte, 4 Tonnen gesalzene Heringe, 350 Bücklinge, 250 gedörrte Heringe, 30 947 Eier, 35 Zentner Butter, 28 Zentner Scheinefett, 7 Zentner frische Butter, 15 Zentner Honig, 2 Zentner Käse. Getrunken wurden: 1100 Eimer Wein, 40 Säget spanischer Wein, 903 Faß Weizen- und Gerstenbier. Verbrannt wurden: 547 Schock Wachskerzen. Beteiligt waren an dieser Esserei etwas über 2000 Personen. Da kann man wohl sagen, daß unsere lieben Vorfahren über Appetitlosigkeit nicht gerade zu klagen hatten.
Schöffengericht Gießen.
Wegen Sachbeschädigung wurden der K. W. aus Gießen zu zwei Monaten Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Haft, der F. W. L. und der G. B., beide aus Londorf, zu je 60 Mark (3 e l b ft r a f e verurteilt.
Eine andere Sache wegen Steuerhinterziehung wurde vertagt.
Amtsgericht Gießen.
Der H. B. aus Gießen hatte sich gestern wegen Widerstandes und Beamtenbeleidigung zu verantworten. Der Angeklagte war nach einer Veranstaltung in eine Auseinandersetzung verwickelt. Dem eingreifenden Polizeibeamten setzte er tätlichen Widerstand entgegen und belegte ihn mit Schimpfworten. Das Gericht erkannte auf eine (B e • fängnisftrafe von einem Monat.
Wegen gewerbsmäßigen Bettelns wurde der Friedrich Vogel aus Dresden, der bereits 50mal einschlägig vorbestraft ist, zu sechs Wochen Haft verurteilt unter Anrechnung von 16 Tage Untersuchungshaft. Das Gericht ordnete außerdem die Ueberweisung in ein Arbeitshaus an.
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