ttr.261 Zweiter Blatt
GleßenerAnzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag, 6. November (936
Jagd- und Volkswirtschaft.
Welche Bedeutung das deutsche Weidwerk für die Volkswirtschaft und für die Ernährung des deutschen Volkes besitzt, wird oft unterschätzt. Nach der landwirtschaftlichen Betriebszählung von 1933 hatten wir in Deutschland 939 282 Betriebe mit forstwirtschaftlich genutzter Fläche in einem Umfange von 12 427 883 Hektar. Was auf dieser Fläche an Holz wächst und verwertet wird, beträgt allein in Preußen 50 Millionen Mark. Dazu kommen die Erträge derIagd. Nach einer Statistik ausdemJahre 1914 betrug die Jahresstrecke des erlegten Nutz- wildes rund 15 Millionen Stück. Man errechnete einen jährlichen Gesamtumsatz durch die Jagd in Höhe von nicht weniger als 231,2 Millionen Mark, und zwar betrug der W i l d e r l ö s 42,1 Millionen Mark, Wert der Decken, Schwarten und Bälge 4,5 Mill. Mark, Wert des Rauchwerks vom erlegten Raubwild 1,6 Mill. Mark, Veredelung des Materials aus Fellen und Rauchwerl **3 Mill. Mark, Gehälter, Löhne und Schutzgeldee 10 Mill. Mark, Treiber- und Führerlöhne 5,6 Mill. Mark, Waffen und Munition 11,4 Mill. Mark, Jagdhunde 14 Mill. Mark, Kleidung und Ausrüstung 64 Mill. Mark, Einnahmen der Bundesstaaten an Jagdscheingebühren 15 Mill. Mark, Jagdpachtverträge 40 Millionen Mark.
Durch Krieg, Inflation usw. war der Bestand an Wild allerdings erheblich zurückgegangen, aber unter Reichsjägermeister Hermann Göring wurde eine grundsätzliche Regelung des Jagdwesens in Deutschland durchgeführt, wonach jagdausübende Personen einer jagdlichen Organisation angehören müssen und die nötige Qualifikation nachzuweisen haben. Die Ausführung und Innehaltung des Tier- und Pflanzenschutzgesetzes wird ihnen zur Pflicht gemacht. Aasjägerei gibt es nicht mehr. Der Wald und alles, was darin kreucht und fleucht, erfreut sich der besonderen Liebe nicht nur der Führung, sondern auch des deutschen Volkes, und es ist bekannt, daß nirgendwo in
der Welt Wald und Wild größere Hege finden als im neuen Deutschland.
So kommt es, daß die Jahresstrecke der deutschen Jagd sich 1935 belief:
Stück Wert
Elche
57
11 400 2
Kart
Rotwild
25 554
1 598 375
Damwild
6 787
254 512
Sauen
18 202
682 575
Rehwild
217 093
3 907 647
Muffel- und Sikawild
179
6 712
Füchse
55 688
556 880
Hasen
1 933 185
7 732 740
Kaninchen
944 297
944 297
Fasanen
499 705
999 410
Enten
176 297
250 945
Hühner
1 570 403
1 884 403
Dabei wird Wild für
die Volksernährung
auch
aus dem Ausland
e e i n g e
r ü h r t. Der
ge-
famte Verbrauch
an Hafen in Deutschland
wird z. B. auf 4 Millionen Stück jährlich gerechnet. Hinzu kommt die Zahl der Forstbeamten, die Ausgaben für Waffen und Kleidung, Haltung von Jagdhunden usw. Die deutsche Jägerei hat sich aber auch in das Winterhilfswerk eingeschaltet. Sie hat bis jetzt 229296 Stück Wild im Gewicht von 1158540 Kilogramm mit einem Werte von 1 145 254 RM. der Winterhilfsspende zugeführt. Die Durchführung der diesjährigen Spende ist auf Veranlassung des Reichsjägermeisters Göring derartig gedacht, daß in der Zeit vom 1. November bis 20. Dezember aus j e - dem Revier mindestens 5 v.H. der Jahres st reckeanNutzwild als Spende abgeliefert werden. Wenn man bedenkt, daß der Reinertrag der deutschen Jagd auf rund 25 Millionen RM. errechnet wurde, während die deutsche Fischerei auf Binnengewässern und auf der See im Vergleich dazu 50 Millionen NM. erbringt, dann ist über die Bedeutung der deutschen Jagd für die deutsche Volkswirtschaft und die Volksernährung kein Zweifel mehr vorhanden.
Großversorger unserer Küche.
Wir wandern durch eine deutsche Kleischwarenfabrik.
Unvorstellbar groß sind die Mengen von Fleisch und Wurst in den verschiedensten Formen der Zubereitung und Verarbeitung, die unser deutsches Volk täglich frisch, geräuchert, gekocht oder als Fleischkonseroe verzehrt. Ja, man kann fast sagen, daß für uns jeweils nur der k l e i n st e Teil des Gesamtverzehrs in dem sichtbar wird, was wir wi den Fleischerläden als Frischfleisch täglich antreffen, was an Wurst und Schinken oben auf der Stange hängt. Der weitaus größere Teil befindet sich teils im Deredelungsgang, teils im großen Vorrat des Volkshaushaltes — den Kühlhäusern und Räucherkammern der großen Betriebe und Hersteller und teils in dem nie abreißenden Kreislauf vom Erzeuger zum Verbraucher. Das Frischfleisch wiederum, mit dem wir unfern täglichen Bedarf bestreiten, ist bei weitem der ge- r i n g st e Teil dessen, was man die Fleischverfor- gung unseres Volkes nennt. Auf Frischfleisch können wir vorübergehend gern einmal verzichten, wenn wirtschaftspolitische Notwendigkeiten es im Gesamtrahmen der Sicherstellung unserer Ernährung fordern. Dafür hat in Zeiten des Ueberflus- ses die Zahl der „Großversorger der deutschen Küche" vorgesorgt und die zahllosen Fleischdauerwaren hergestellt, die in Augenblicken der Verknappung willkommenen Ausgleich schaffen, sei es durch „Fleisch im eigenen S a f t", durch Büchsenschinken, durch Eintopfgerichte, durch Dauerwurst, Speck und was der schmackhaften Herrlichkeiten mehr sind. Solange diese Großoersorger, eine Anzahl anerkannter deutscher Fleischkonservenfabriken neben den Metzgern für uns an der Arbeit sind, kann der Millionenhaushalt deutscher Volksgenossen unbesorgt sein. Es ist
für Vorrat gesorgt und wird immer wieder reichlich nachgeschafft.
Der Betriebsleiter einer großen deutschen Fleischwarenfabrik steht mit mir am Fenster seines Arbeitszimmers und weift hinaus auf ein Gewirr großer und kleiner, flacher und hoher Gebäude: „Dies Gelände beherbergt eine kleine Arbeitsstadt für sich. Wir beschäftigen wohl alles in allem 15 0 0 Menschen. Unser Werk vereinigt alle Funktionen des Fleischerei-Gewerbes vom Schlachten bis zum Fertigversand- und Lieferungsgeschäft."
„Und wie beschaffen Sie die großen Viehmen- gen, die täglich hier verarbeitet werden?"
„Unsere natürliche Rohstoffbasis sind heute die bäuerlichen Betriebe. Früher nahmen wir ihnen direkt ab. Sie wissen, daß wir heute die Marktordnung haben, die uns auf den Großviehmarkt beschränkt und daß wir nur im Rahmen der deoisenwirtschaftlichen Möglichkeiten ausländisches Vieh hinzu geliefert bekommen."
Wenige Augenblcke später tauche ich mit einem Abteilungsleiter des Werkes in dem verwirrend vielfältgen Getriebe einer riesigen Großflerschküche unter und lasse mich in den Arbeitsgang einwei- hen: „Nur durch die Befolgung einer peinlich einwandfreien Hygiene können wir die empfindlichen Fleischwaren vor Verderbnis hüten", erklärt mein Begleiter, als wir zunächst durch die Dusch- und Baderäume des Werkes gehen. Hier entledigt sich jedes Gefolgschaftsmitglied morgens zuerst seiner eigenen Kleider und legt im dahinterliegenden Raum die saubere, hygienisch einwand- f e i e Werkskleidung an. Während wir über den Werkhof gehen, zählt der Begleiter mir die Nebenbetriebe auf, die das Werk von jeder Stö-
Kmdergefchichten
Don Irmgard v. Jaber du Sour.
Die Blumen.
Das Kind geht im Garten, Es ist noch blaß und ein wenig müde. Aber so froh.
Es sagt zur schwarzen Amsel:
„Amsel, ich war krank und bin wieder gesund." Die Amsel hat einen Wurm im Schnabel und fliegt weit weg.
Das Kind sagt zur Hummel:
„Hummel, ich war krank und bin wieder gesund." Die Hummel kriecht in eine Blüte hinein und ist weg.
Das Kind sagt zur Ameise:
„Ameise, ich war krank und bin wieder gesund.
Die Ameise hat es eilig. Sie trägt einen Balken zu ihrem Bau.
Das Kind sagt zum bunten Schmetterling: „Schmetterling, ich war krank und bin wieder gesund."
Der Schmetterling hört nicht zu. Er fliegt in den blauen Himmel hinein.
Das Kind erzählt den Blumen seine Freude.
Das weiße Maßliebchen, das rote Faullieschen, die blaue Veronika, der zierliche Erdrauch, der stramme Wegerich, die gelbe Königskerze — sie haben Zeit. Sie müssen nicht weg. Sie freuen sich mit dem Kind.
Mutters Geburtstag.
Die Kinder sagen: „Wir müssen schnell mal weggehen".
Und fort sind die Kinder.
Vater und Mutter warten, was kommt.
Es klopft an die Tür. „rx., , .. , Da kommt ein kleines gebücktes Wichtelmännchen herein mit einem langen grauen Bart.
Das Wichtelmännchen sagt zur Mutter:
„Ich bin das Zwerglein Rumpelfett.
Ich säge dir ein Schlüsselbrett/
Und es legt ein schönes Schlüsselbrett vor die Mutter hin.
Und es klopft wieder.
Da kommt eine Fee herein, in einem langen weißen Hemd bis auf die Füße und einem Schleier vor dem Gesicht.
Und die Fee sagt zur Mutter:
„Ich bin die Fee Kakaleiaquappen.
Ich strickte dir einen Waschlappen."
Und sie legt einen schönen Waschlappen mit einem roten Rand vor die Mutter hin.
Und es klopft wieder.
Und da kommt wieder ein Wichtelmännchen herein, noch kleiner und gebückter als das erste. Es trägt ein Körbchen voll Blumen. Es schüttet die Blumen der Mutter in den Schoß und sagt dazu:
„Ich bin das Zwerglein Wachsnocheinbissel.
Ich bring dir Maßliebchen und Himmelschlüssel."
Und dann fassen sich die drei an der Hand uni) tanzen um die Mutter herum. Sie singen:
„Wir wünschen dir viel Freud und Glück.
Wir gehn jetzt in den Wald zurück."
Und fort find sie alle drei.
Aber bald geht die Tür wieder auf.
Die Kinder rennen herein.
„War jemand da? Vater, Mutter, war jemand da?"
„Ja", sagt der Vater, „warum seid ihr auch gerade weggegangen?"
Der Kleine kriecht der Mutter auf den Schoß und sagt ihr ins Ohr: „Wir waren es ja, Mutti. Hast du Angst gehabt?"
Die bösen Sachen.
„Alles ist bös gegen mich", sagt Hänschen und meint. „Ich will gar nichts mehr tun."
„Ich zieh mein Hemd an, da verdreht es sich, daß vorn hinten ist."
„Ich will sehen, was für ein Wetter ist, da stößt mich das Fenster auf den Kopf."
„Ich kann mein Buch für die Schule nicht finden. Ich suche und suche, aber es hat sich versteckt und will nicht herauskommen."
„Dann will ich mir ein Stück Brot nehmen. Du böses Messer! Da schneidest du mich in den Finger."
„Ich mag nichts mehr tun."
Da sagt das Messer zu Hänschen:
„Hänschen, du hast dich selber geschnitten. Ich hätte es gern recht gemacht. Du hast selber dein Buch verlegt. Du hast dich selber am Fenster gestoßen. Du hast selber dein Hemd verdreht.
Wir sind nicht bös gegen dich, Hänschen. Wir wollen gern alles richtig machen. Aber du mußt uns helfen, Hänschen."
Das alte Stück Holz.
„Wirf das alte Stück Holz fort", sagt die Mutter.
„Aber Mutter, das ist doch mein Reh", sagt das Kind. „Vor dir verstellt es sich bloß. Vor mir ist es immer lebendig."
Das Kissen.
„Ich möchte nicht immer ein Kissen sein", sagte das Kissen zum Kind. „Ich möchte auch mal ein Pferdchen fein."
Da sagt das Kind: „Du sollst mein Pferdchen fein". Und es spielte mit detn Kiffen Pferdchen.
rung von außen unabhängig machen. Da ist eine Schlosserei, eine Malerwerkstatt, eine Tischlerei, eine Elektro- und eine Autoreparaturwerkstätte; werkeigene Wäscherei, Plättstube, Nähstube und eine Kantine für Männer und Frauen kommen hinzu.
Dei letzten Worte meines Begleiters gehen in einem Dröhnen und Zischen unter. Vor uns hat sich eine mächtige Flügeltür geöffnet, die in den Maschinenraum führt. Wir stehen vor Maschinenkolossen, die das Werk mit Heizung, Wasser und Licht versehen. Riesige Doppelflammenrohrkessel mit automatischer Bedienung, daneben eine gewaltige Permutitanlage, die das auf Werkgrund aus 50 Meter tiefen Brunnen heraufgeholte Wasser vom Eisengehalt befreit. Auch eine Eisfabrik können wir bestaunen, wo täglich 22 mal ein Schub von 10 stattlichen Eisquadern polternd die Gefrierkästen verläßt. Wir betreten jetzt die Hallenflucht, in der sich die Verarbeitung des Fleisches vom lebenden Vieh bis zur Dauerwurst in übersichtlichem Arbeitsgang vollzieht. Gewaltige Wiegemesser, Neunschneider genannt, wiegen auf riesigen Holzblöcken das schon in der Zerlegerei sorgfältig zerkleinerte und sortierte Frischfleisch zu feiner Wurstmasse.
„Unser Gewürzmeister — ein erfahrener Fachmann — ist hier die Hauptperson. Es ist eine fast schon künstlerisch zu nennende Leistung, daß er bei solchen Mengen (das täglich verbrauchte Gewürz wiegt mehrere Zentner!) jeder Wurstsorte das ihr eigene feine Aroma trifft!" In der Darmverarbeitungsabteilung werden alle anfallenden Därme sorgfältig für" ihre verschiedene Zwecke aufbereitet.
„Hier sind wir mitten in der Losung einer i n - tereffanten Rohstoffrage. Bisher wurde ein großer Teil Därme aus dem Ausland eingeführt. Jetzt kommen wir mehr und mehr zur Verwendung von Kunstdärmen aus Zellophan und Na- turin, die die konservierenden Eigenschaften des Naturdarmes praktisch erreicht haben. Ein Mißtrauen der Hausfrauen gegenüber der Wurst in Kunstdärmen ist also völlig unberechtigt."
Ist das Wurstgut mittels Füllmaschine und großer Handfertigkeit des bedienenden Gesellen in die Därme gefüllt, so kommt sie nicht sofort in die Räucherei. Erst muß sie „sich entwickeln", d. h. in kühlen, luftigen Gestellen abtrocknen. Dann wandert sie in den fünfstöckigen Räucherturm, wo jede Wurstsorte in einem besonderen Rauch- schrank just die Art von Rauch bekommt, die ihr den spezifischen Geschmack verleiht.
„Jede Wurstart verlangt ihren besonderen Schmok, ein Feuerungsmaterial aus bestimmten Hölzern, für deren Zusammenstellung wir sogar Geheimrezepte haben. Der Räucherprozeß ist je nach Sorte verschieden lang, zieht sich jedenfalls über Wochen hin. Die Wurst gewinnt in diesen Wochen hren köstlichen Geschmack, verliert aber bis zu 50 Prozent ihres Gewichtes, das sie gegen die satte Farbe, größte Festigkeit und Dauerhaftigkeit eintauscht."
Andere Wurstsorten, wie Blut- und Leberwurst werden vor dem Räuchern in doppelwandigen Dampfdruckkesseln gebrüht, ehe sie in der Räucherei verschwinden. Besondere Etappen müssen S ch i n • k e n u n d Speck durchmachen, ehe sie räucherfertig sind. In Betonbottichen von Riesenmaßen ruhen sie zu 80 Zentner und mehr wochenlang in Salzlaken von ganz bestimmter Schärfe und Temperatur, werden dann geschnitten, gewickelt, gepreßt, gedämpft, gebacken, schließlich geräuchert und können endlich als Koch- oder Backschinken, Rollschinken oder Frühstücksspeck hungrige Mäuler reizen.
„Ein ganz großer Arbeitszweig für sich ist unsere Brühwürstchenabteilung. Ihre Herstellung aus schlachtwarmem Material ist so durchdacht, daß vom Schlachten am frühen Morgen bis zum Verkauf durch den „Wurstmaxe" draußen nicht mehr als ein Tag hingeht." In der Tat sieht sich die Würstchenfabrikation wie ein Spuk an. Zerkleinern des Fleisches im Wolf, Nachmahlen und Würzen im . Kutter, Füllen und Abbinden, Räuchern und Einfüllen in Dosen, Schließen, Sterilisieren, Etikettieren und Verpacken — dieser komplizierte Arbeitsgang rollt wie ein Filmband vor uns ab.
„Nicht wahr, hier gewinnen Sie ein lebendiges Bild davon, welche Bedeutung die Fleischwarenindustrie für das Bauerntum und für unsere Volksernährung hat. Erbsen mit Speck, Gulasch und Grüne Bohnen mit Hammelfleisch, alles dies wird hergestellt in Zeiten, wo Fleisch über den lausenden Bedarf hinaus an den Markt kommt. Die Großfleischereien nehmen es für späteren Bedarf aus dem Markt, konservieren es für die Speisekammer unseres Volkes und werden so zu einem unentbehrlichen Markt- und Preisregler auf dem Gebiete der Viehwirtschaft und der Volksernährung mit dem großen Ziel der Nahrungsfreiheit unserer Nation." Dr. Buresch.
S.Jt.-’fpoit
Kußballkampf Deutschland—Italien ausverkaust.
Die Karten für den Fußball-Länderkampf Deutschland—Italien, der am 15. November im Berliner Olympischen Stadion ftattfinbet, sind, wie nach Ablauf des Vorverkaufstermins feftgestellt wird, restlos vergriffen. Es ist nicht eine einzige Karte aus dem Reich zurückgegeben worden. Dagegen liegen trotz wiederholter Hinweise auf die Zwecklosigkeit Hunderte von Kartenbestellungen beim Fachamt Fußball in Berlin vor. Die noch vorhandenen Restbestände der für unvorhergesehene Fälle zurückbehaltenen Karten sind an die Berliner Vereine abgegeben worden. Auch die 4000 Schülerkarten werden in Berlin vertrieben, so daß die Reichshauptstadt insgesamt etwa 40 000 Zu- ,(Bauer beim Länderkampf stellen wird. Es ist jedenfalls jetzt zwecklos, sich noch um Einlaßkarten zu bemühen. Die 4000 Schülerkarten werden am Tage des Spieles verkauft. Zu diesem Zweck sind die Kassen des Olympiastadions ab 12 Uhr geöffnet.
Als Vorspiel zu dem großen Fußballkampf findet ein Juniorenspiel zwischen Berliner Auswahlmannschaften von Berlin-Nord und Berlin-Süd statt. Vor diesem Spiele und in den Pausen wird die Kapelle der SS.-Leibstandarte „Adolf Hitler" konzertieren.
VfL. Kachamt 2, Kußball.
Jugendgruppe Gießen.
Pflichkspiele am Sonntag, 8. November.
Watzenborn-Steinberg—Leihgestern (Luh, Allen- borf); Großen-Linden — 1900 Gießen (Krämer, Rodheim); Steinbach — Spvgg. 1900 II (Eckhardt, Großen-Linden); Lich — Großen-Linden II (Röhm, Grünberg); Launsbach — Wißmar (Weil, Vetzberg); Alten-Buseck — Großen-Buseck (Hofmann, Wieseck); Ettingshausen — Lollar (Dietz, Geilshausen); Staufenberg — Lollar II (Wagenbach, Daubringen); 1900 Gießen III — Heuchelheim II (Erb, Daubringen); Londorf—Nieder-Ohmen (Bender, Treis). Die erstgenannten Vereine sind Platz-
Heute beginnen wir in den Gießener Familien» blättern mit dem Abdruck einer neuen Erzählung: nach der „Halsbandgeschichte" von Wilhelm Schäfer wird der bedeutende norwegische Dichter und Nobelpreisträger Knut Hamsun mit seiner Erzählung „Victoria" bei uns zu Wort kommen. Diese „Geschichte einer £ie6e", der großen, verzehrenden Leidenschaft junger Menschen, hat vielleicht von allen Büchern Hamsuns den Ruhm des Dichters in der Welt am tiefsten und dauerndsten begründet.
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„Ich möchte nicht immer Pferdchen fein", sagte das Kissen. „Ich möchte ein Luftschiff fein."
Da sagt das Kind: „Du sollst mein Luftschiff sein".
„Ich möchte nicht immer ein Luftschiff fein", sagte das Kissen. „Ich möchte ein Kindchen sein."
Da sagt das Kind: „Du sollst mein Kindchen fein".
Und das Kind spielte mit dem Kissen, bis die Mutter nach Hause kam.
„Stärker als Paragraphen."
Gloria-Palast.
Man würde diesem Film, einer Minerva-Produktion der Tobis Europa, Unrecht tun, wenn man ihn einfach in die umfangreiche Gattung der Kriminalfilme einreihte. Zwar trägt er alle Merkmale eines Kriminalfilmes an sich: es handelt sich um die Darstellung eines Verbrechens, um die Frage nach dem Täter, um die Aufklärung und gerichtliche Sühnung einer schweren Bluttat. Entscheidend ist in diesem Falle aber nicht der äußere Ablauf, die Beschreibung und Aufhellung der Tat als solcher; nicht — mit andern Worten — die aus der schrittweisen Klärung der Generalfragen sich ergebenden Spannungsmomente, die sonst bei Kriminalfilmen für die Wirkung auf den Beschauer und seine Stellungnahme zum Filmvorgang ausschlaggebend zu sein pflegen. Nicht um die Erzeugung einer Spannung im landläufigen Sinne handelt es sich, obwohl auch diese sich dem Beschauer natürlicherweise sogleich mitteilt. Sondern um die Beleuchtung eines menschlichen und rechtlichen Problems, das eine tiefer reichende Anteilnahme von uns fordert: es handelt sich um die Gewiffensfrage der Schweigepflicyt des Anwalts, des Strafverteidigers in einem Mordprozeß. Wie kann, wie darf, wie mutz der Anwalt sich verhalten, dem fein Mandant in einem Augenblick nachlaffender Nervenkraft das Geständnis seiner Täterschaft ablegt, während das Gericht schon gegen einen andern (zwar Verdächtigen, aber Unschuldigen) auf Tod und Leben verhandelt? Das ist die eigentliche Generalfrage, um die es sich hier handelt, die ein tiefer wurzelndes Interesse vom Zuschauer fordert, als es die übliche, von einem derartigen Konflikt nicht beschwerte Frage nach dem Schuldigen in einem beliebigen Kriminalfilm beanspruchen könnte. Schon der Umstand, daß die Blickrichtung des Beschauers immer wieder abgelenkt wird vom Schauplatz und später von der Anklagebank, worauf sich doch in ähnlichen Fällen alle Aufmerksamkeit konzentriert — abgelenkt auf einen Menschen, der mit dem Fall subjektiv gar nichts zu tun hat, gibt dem Fikm eine Sonderstellung, der
üblichen Fragestellung eine neue und menschlich wesentlichere Beleuchtung. Das Drehbuch stammt von Curt I. B r a u n , die Inszenierung von Jürgen von Alten; es ist nicht ganz leicht zu entscheiden, auf wessen Konto einige Lücken im Bildablauf zurückzuführen sind, die man gerne ausgefüllt oder weniger andeutungsweise behandelt gesehen hätte; vielleicht laa es aber auch in der Absicht der Hersteller, den Beschauer über einige Einzelheiten im Ungewissen zu lassen, um dem späteren Ablauf der Dinge nicht vorzugreifen. Die Regie wirkt anfänglich ein wenig unruhig und (vielleicht geftiffentlich) verwirrend im schnellen und schroffen Bildwechsel; sie gewinnt zunehmend an Konzentration und gelangt auf den Höhepunkt eindringlicher Bildwirkung in der großen Verhandlungsfzene, die von der Kamera (Georg Bruckbauer) regelrecht nach den Hauptbeteiligten abgetaftet wird, wobei sich in schnellen, kurzen Augenblicksaufnahmen höchst bemerkenswerte Aufschlüsse, Beziehungen und Zusammenhänge ergeben, deren Kenntnis für die juristische wie die psychologische Seite des Falles wichtig sind. Die Spielführung verfügte auch über eine in allen wesentlichen Teilen zweckmäßige und charakteristische Besetzung. Für die Figur der Renate, die als Nichte des Ermordeten und auf Grund ihrer nahen Beziehungen zum Angeklagten wie zum Verteidiger eine bedeutende Rolle spielt, hat man eine junge, im Film bisher unbekannte Darstellerin eingesetzt: Manja Behrens, die vom Dresdener Schauspielhaus kommt. Wir glauben, daß die Rolle ihren Ausdrucksfähigkeiten sehr entgegenkommt, finden auch, daß sie eine in allen Teilen saubere und begabte Leistung liefert, aber man müßte sie wohl erst vor mehreren, anderen Aufgaben gesehen und gehört haben, um den Umfang und die Grenzen ihres Könnens richtig einzuschätzen. Eine unheimlich geschlossene, ausdrucksvolle Gestaltung sieht man von Aribert Wäscher. Mit gleicher Intensität gibt Paul Hartmann den Anwalt Dr. Blrk; seiner ernsten, sympathischen und eindringlich sich äußernden Darstellung gelingt es, ohne Pose und Pathos die volle Verantwortungslast fühlen zu lassen, die sich ihm aus dem geschilderten Gewissens- konflikt ergibt. Sehr gut auch Karl Hellmer als Geldvermittler, Walter Franck als Staatsanwalt; von den übrigen Mitwirkenden nennen wir Karl Stepaneck, Hilde von Stolz und Mana Krahn.
Im Beiprogramm sieht man u. a. interessante Aufnahmen von der Treptower Sternwarte und in einem Kostümfilm Theo Lingen als Till Eulenspiegel. hth.


