gliederbestand nicht ausreiche. Es sei daher notwendig. die erforderlichen Hilfsmannschasten zu Der» pflichten und auszubildeu. Neben der rein feuer» wedrlechnischen Ausbildung müsse an die luftschutz- technische Ausbildung herangegangen werden. Die Feuerwehr stelle bei der Durchführung des Lust- säMtzgedankens eine Hauptmacht dar. sie brauche aber zur Erfüllung ihrer Aufgaben die weitgehende Unterstützung der Bevölkerung. Die Feuerwehren hätten sich umstellen müssen, da die Brandbekämpfung bei Fliegerangriffen eine ganz andere sein müsse, als bei Einzelbränden. Es fei Pflicht aller Feuerwehrführer, die entsprechende Ausbildung der Wehren für die Luftfchutzaufgaben durchzuführen. Im wetteren Verlaufe feiner Ausführungen erläuterte der Redner die den Feuerwehren und deren 5)eifern bei Fliegerangriffen zukommenden Aufgaben.
Nach einem weiteren Musikstück und einer Pause folgten vier lebende Bilder „Luftschutz tut not", und zwar Fliegerangriff, Tätigkeit der Hausfeuerwehr, Samariterdienst der Helferinnen und Feuerwehr, Sanitäter und Luftschutzbund in treuer Verbundenheit. Anschließend wurde gemeinsam das „Lied der Luftschutzleute" gesungen.
Revierfiihrer N o r t h sprach bann ein kurzes Schlußwort, dankte allen Mitwirkenden und brachte das Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland aus. Unzulässige Beförderung von Kunden
oder Kaufinterefferrten.
Die Industrie- und Handelskammer Gießen und die Kreisgruppe Gießen der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel weifen darauf hin, daß die Beförderung von Kunden, d. h. die entgeltUche und unentgeltliche Abholung und Rückfahrt von Kunden ober Kaufinteressenten, auf alle Fälle unstatthaft ist. Es macht hierbei keinen Unterschied, ob durch die Freifahrten ein Kauf zustandegekommen ist oder nicht, es ist sogar unerheblich, ob die Beförderung in der Absicht eines Geschäftsabschlußes erfolgte ober nicht. Die Kundenabholung ist eine Wettbewerbsmethobe, die gerabe in letzter Zeit in verstärktem Maße zutage trat und die in vielen Fällen mit einer Ueber- tölpelung und Uebervvrteilung des Kunden verbunden war. Es wurde daher vom Einzelhandel besonders begrüßt, daß in letzter Zeit auf diesem Gebiet scharf vorgegangen wurde, und daß durch entsprechend hohe Geldstrafen einzelne Unbelehrbare wieder zu einem anständigen, ehrbaren Geschäftsgebaren zurückgeführt wurden.
Der Vorsitzende einer Sttafkammer ist beispielsweise vor kurzem auf Grund einer Sachschikderung zu der Feststellung gelangt, daß die Wettbewerbssitten in der vorhergehend gekennzeichneten Art sich bald vom Bauernfang in nichts mehr unterscheiden. Ein Urteil, welches in einer Sttaffache gegen einen Möbeleinzelhändler wegen Vergehung gegen die Zugabeverordnung und das Gesetz über die Beförderung von Personen zu Lande ergangen ist, spricht eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten gegen den betreffenden Möbeleinzelhändler aus.
Die Industrie- und Handelskammer Gießen und die Kreisgruppe Gießen der Wirtfchastsgruppe Einzelhandel warnen daher dringend vor irgendwelcher Beförderung von Kunden oder Kaufinteressenten.
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** Der Postdienst am Karfreitag und zu Ostern. Am Karfreitag und am ersten Öfter» seiertaa findet je eine Brief- und Paketzustellung statt. Am zweiten Ofterfeiertaa ruht der Zustell- bienft Im übrigen wird an oen genannten drei Tagen der Postdienst wie Sonntags abgehalten.
** Heimatvereinigung „Schiff ende r g". Die diesjährige Sommerveranstaltung der Heimatvereinigung „Schiffenberg" soll der feierlichen Uebergabe des Limesgeländes in der Nähe von Obersteinberg bei Watzenborn-Steinberg gelten, dessen Schenkung von Geheimrat Sommer an die Heimatvereinigung „Schiffenberg" durch gerichtlichen Eintrag ins Grundbuch inzwischen rechtskräftig geworden ist. Die Feier findet voraussichtlich am 21. Juni beim „Barbarenstein" statt.
** Die Vermietung der städtischen Tennisplätze betrifft eine Bekanntmachung der Stadtverwaltung im heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.
** Der Samariterkursus des Alice- fr a u en v e re i n s (Deutsches Rotes Kreuz), der im Laufe des Winters durchgeführt wurde, fand am Freitagabend in Gegenwart einer Anzahl von geladenen Gästen seinen Abschluß. Ausbildende Kräfte waren Sanitätsrat Dr. S ch l i e p h a k e, nach dessen Unfall Professor Dr. Brüning und Kolonnenführer Kratz. Bei der Prüfung zeigte
Die Lehrschauen
auf -er 3.Reichsnährstands-Ausstellung
LPD. Frankfurt a. M., 3. März. Wie in den Vorjahren, wird auch die diesjährige 3. Reichs» nährstands-Ausstellung, die vom 17. bis 24. Mai in Frankfurt stattfindet, eine große Zahl von Bauern, Landwirten und Landarbeitern aus allen deutschen Gauen zusammensühren. Dort wird nicht nur die Arbeitsparole für das kommende Jahr, vor allem im Rahmen der Erzeugungsschlacht des deutschen Bauerntums ausgegeben, sondern es werden darüber hinaus in einer ganzen Reihe von Sonderschauen alle Fragen behandett, die das Bauerntum als den Blutsquell des deutschen Volkes aufzeigen. Dabei steht die erzieherische Seite dieser Sonderschauen im Vordergrund.
Die Lehrschau „Gesittung aus dem Blut" zeigt an Hand eines Ganges durch die Geschichte des deutschen Volkes, daß die Grundlage aller Kultur in Rasse und Blut zu suchen ist. Was uns arteigen ist, spricht nicht nur zu uns, sondern gibt uns zugleich die Gewißheit, daß das Werk von arteigenen Menschen stammt. Der kulturelle Niedergang der Nachkriegszeit ist auf das Austoben einer krankhaften Phantasie artfremder, d. h. jüdischer Elemente zurückzuführen. Im Gegensatz dazu fördert der Nationalsozialismus das Schaffen aus Gesittung und Blut.
Die anschließende Schau „Dein Volk — Dein Blut" geht vom deutschen Menschen, deren Gestalten das gleiche Blutserbe prägte, in den verschiedenen Stämmen und Ständen aus. Dieses Blutserbe verpflichtet den einzelnen. Vor allem die Gattenwahl ist entscheidend für das kommende Geschlecht. Der Lebenswille eines Volkes drückt sich in der Kinderzahl aus. Eine gesunde Jugend muß heranwachsen, eine Jugend, die bewußt zur Blutspflege erlogen wird und der wir bann einmal getrost Die Zukunft unseres Volkes überlassen können.
Im Anschluß hieran kommen bie „Gesund- heitsverhältnisse a u f dem Lande" und die „Landjugend im Reichsberufswett-
k a m p f" zur Darstellung. Bei der Gesundheits» pflege dreht es sich hauptsächlich um Unfallverhütung, Wöchnerinnen» und Säuglingspflege, richtige Kinderernährung, Zahnbehandlung, gesunde Wohnräume, Körperpflege durch Leibesübungen und Hilfe bei Unglücksfällen.
Die Sonderschau „Bauernsun k" zeigt die Bedeutung des Rundfunks für das Bauerntum und den Anteil der Bauernsendungen an der Gestaltung der ©efamtprogramme.
Eine Lehrschau des Re i chs a r b e i t s d i e n st es führt dem Bauern die Bedeutung und Wichtigkeit dieser durch den Nationalsozialismus geschaffenen Organisation vor Augen. Im Anschluß daran wird die volkswirtschaftliche Bedeutung der Bodengeminnung und Bodenver- befferung und die Neubildung deutschen Bauerntums behandelt. Bodengewin- nung und Bodenverbesserung stärken nicht nur unsere Ernährungsgrundlage, sondern stellen einen wichtigen Faktor der Arbeitsbeschaffung dar, erhalten und schassen riesige Werte und wirken auch bevölkerungspolitisch günstig. Neubildung deutschen Bauerntums als Erweiterung der bäuerlichen Grundlage unseres Volkes, feine raffe» und bevölkerungspolitische Bedeutung zeigen die grundsätzlichen Unterschiede gegenüber früheren Maßnahmen auf diesem Gebiet.
Eine besondere Lehrschau ist dem Landarbeiter, als dem Werkbruder des Bauern, gewidmet. Vor allem sollen hier bie bisherigen praktischen Erfolge bes Reichsnährstanbes auf dem Gebiete der ßanbarbeiterfrage und die Möglichkeit, die der Landarbeiter hat, um im Leben vorwärts zu kommen, aufgezeigt werden.
Der Vollständigkeit halber feien noch folgende drei Lehrschauen angeführt: „Die Landwirtschaft innerhalb der deutschen Volkswirtschaft", „Ziele und Durchführung der Marktordnung" und „Die Erzeugungsschlacht mit Freilandschau".
es sich, daß die Teilnehmerinnen gute Kenntnisse erworben hatten und mit Geschick Verbände an- legen konnten. Es verpflichteten sich 11 als Samariterinnen, nachdem die Kreisgruppenleiterin, Fräulein von Rabenau, die Verpflichtungserklärung vorgelesen hatte. Dieser Zuwachs ist ein sehr erfreulicher, da auch die Ansprüche, bie an die Samariterinnen gestellt werden, ständig steigen. Die Vorsitzende des Alicefrauenvereins, Ortsverein Gießen, Frau Giese, schloß den Abend mit Dank an die hilfsbereiten Lehrkräfte und mit der Führerehrung.
*♦ Der Experimentalabend von R u - d o l f Polster, den die NSG. „Kraft durch Freude" am Samstag veranstaltete, unterschied sich von den Unternehmungen ähnlicher Art dadurch, daß hier ein seiner besonderen Willens- und Seelenkräfte bewußter Mensch Proben seines Könnens ablegte. Sein Vortrag „Im Kampfe mit dem Unmöglichen, Aberglauben und Uebersinnlichen" soll nach Polsters Wunsch nur ein Beitrag zum Aufbau unseres Volkes sein, wie es z. B. der Vegetarismus mit feinen Abstufungen natürlicher Heilweifen auch ist. Polster will durch die Beseitigung der Hemmungen den natürlichen Kräften des Menschen zum Durchbruch verhelfen und unbewußt schlummernde und brachliegende Kräfte in manchem Menschen zur Entfaltung und Nutzbarmachung bringen. In dieser Zielrichtung war sein ganzer Vortragsabend aufgebaut. Er versuchte, den Trennungssttich zu ziehen zwischen dem Möglichen und dem Unmöglichen, wie es uns bisher in bie Erscheinung trat, und wies nach, daß noch nicht alles erforscht ist, was uns zwischen Himmel und Erde begegnet und dennoch vorhanden ist, wie es sich z.V. bei der Erfindung des Zeppelins, des Telephons und des Radios erwiesen hat. Der Vortragende versuchte an Worterklärungen das Vorhandensein besonderer seelischer Regungen nachzuweisen, die eben im Unbewußten schlummern und vom Menschen in seinen Ahnungen und Erlebnissen nur erfühlt, aber nie bewiesen werden. In eingehender Weise erklärte er den Mißbrauch verschiedener okkulter Geheimnisse, in erster Linie durch den Inden, z. B. der Hypnose, der Suggestion, wie sie der jüdische Kaufmann anzuwenden verstand, der Astrologie, Horoskopie, des Spiritismus, der Erdstrahlen und der Wünschelrute. Nicht allem sprach er eine Existenzberechtigung
ab, forderte aber ihre Anwendung, wie z. B. die der Hypnose, nur durch den Arzt oder den Beamten. Von beachtlicher Willensschulung und Gedanken- konzentration waren die Beweise seines Könnens, bie ber Ausfluß seiner eigenen Sinnenkräfte sind. Die Proben des Gedankenlesens, des Findens eines Musiktones und die Deutungen gesundheitlicher Schädigungen und seelischer Erlebnisse aus den Schriftzügen waren sichere Beweise seiner besonderen Veranlagung und Begabung. Das Publikum zeigte sich sehr dankbar.
** Unglücksfall beim Fuhrwerk. Ein 72 Jahre alter Fuhrmann, der am Samstagmorgen mit einem Gespann in den Wald gefahren war, kam dort bei der Arbeit an dem Wagen so unglücklich zu Fall, daß er starke Gesichtsverletzungen da- vonttug und von der Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte.
Kirche und Schule.
Landkreis Gießen.
X Wieseck, 6. April. Von unseren 69 Konfirmanden (27 Knaben und 42 Mädchen) konnte ein Mädchen wegen Erkrankung an Scharlach gestern leider nicht konfirmiert werden. Zum Zeichen des Konfirmationstags wehte vom Turm die Kirchenfahne. Vom Pfarrhof aus zog auch Pfarrassistent Z s ch a u , Gießen, mit in bie Kirche ein, ber beim Abendmahl half. Die Konfirmanden sangen zwei Chöre unter Leitung des Organisten Lehrer Schneider. Ein Zwillingspaar wurde zusammen eingesegnet. Die Konfirmationsansprache von Dekan Sattler hatte als Text „Tim. 2, 3: Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi." Als Konfirma- tionsscheln erhielten die Konfirmanden den neu erschienenen, mit einem Bild von Eduard von Gebhardt: Austreibung aus dem Tempel. Unter Hinweis auf ihn zitierte der Ortsgeistliche ein Wort des Führers aus einer Rede vom 12. April 1922: „Mein christliches Gefühl weist mich hin auf meinen Herrn und Heiland als Kämpfer. Es weist mich hin auf den Mann, ber einst einsam, nur von wenigen Anhängern umgeben, biefe Juden erkannte und zum Kamps gegen sie aufrief, und ber, wahrhaftiger Gott, nicht ber Größte war als Dulber, fonbern ber größte war als Streiter. In grenzenloser Liebe lese ich als Christ unb Mensch bie Stelle durch, die
uns verkündet, wie der Herr sich endlich aufraffte und zur Peitsche griff, um die Wucherer, das Nattern» und Otterngezücht, hinauszutreiben aus dem Tempel... Als Christ habe ich nicht die Der» pflichtung, mir das Fell über die Ohren ziehen zu lassen, sondern habe ich die Verpflichtung, em Streiter zu fein für die Wahrheit und für das Recht."
$ Steinbach, 6. April. Am Sonntag Judica fand in unserer Kirche die Vorstellung und Prüfung der diesjährigen Konfirmanden statt. Am gestrigen Sonntag Palmarum wurden sie konfirmiert. Pfarrer Döll legte feiner Ansprache Johannes 12, 36 zu Grunde und ermahnte im Anschluß an den Konfirmandenschein, der die Bibel mit drei brennenden Kerzen zeigt, zur Lichteskin» derschast. 23 Kinder, 13 Jungen und 10 Mädchen, wurden eingesegnet: Walter Jäger, Karl Port, Karl Haas, Wilhelm' Fink, Heinrich Walb, Heinrich Will, Ernst Haas, Karl Hahn, Heinrich August Haas, Richard Hermann, Karl Keßler, Heinrich Haas, Ernst Müller; Elfriede Döll, Emma Becker, Maria Helene Becker, Lina Renschling, Luise Wallbott, Maria Becker, Anna Reuschling, Lina Keßler, Anna Sem» roeber, Emma Weber. Sowohl der Vorstellungsgottesdienst, als auch die Konfirmationsfeier fanden unter starker Beteiligung der Gemeinde statt. Die Zahl der Abendmahlsgäste war so groß, daß Pfarrer Döll zur Hilfe beim Abendmahle Parrer i. R. Becker- Gießen zugezogen hatte, durch dessen Hilfe die Feier wesentlich in ihrer Dauer gekürzt werden konnte. — Am Nachmittag des Palmsonntages fand die Vorstellung ber Konfirmanden in Albach statt, die Konfirmation ist dort am zweiten Dfterfeiertage. In Albach beträgt die Zahl der Konfirmanden 6; 3 Jungen und 3 Mädchen. Bemerkt sei noch, daß die Steinbacher Konfirmanden, wie alljährlich, unter Leitung ihres Lehrers K l ü ck e r . drei Lieder bei der Konfirmation fangen.
+ Grünberg, 6. April. Am Palmsonntag fand in der Stadtkirche bie Konfirmation statt. Die Konfirmationshanblung würbe von Dekan S ch m i b t geleitet, ber als Text feiner Predigt Römer 12, 9 gewählt hatte. Musikverein und Männerchor wirkten bei der Feier mit. Zur Einsegnung kamen 63 Konfirmanden — gegenüber 57 im Vorjahre —, unb zwar 40 Knaben unb 23 Mädchen. Davon entfielen auf Grünberg 33 Knaben unb 13 Mäbchen. Von den Filialgemeinden waren aus Lehnheim 1 Knabe unb 2 Mäbchen, aus ßumba 6 Knaben unb 3 Mädchen unb aus Stangenrod 2 Knaben und 5 Mäbchen. Die Namen ber Kon- firmanben: A. Knaben: Grünberg: Art. Amenb, Hrch. Benber, Br. Bertzen, Fr. Frank, Otto Frank, Karl Großhaus, Herrn. Hagen, Karl Heinz Hansen, Wilh. Heidt, Karl Ide, Werner Junker, Walter Kauß, Rub. Köcher, Hrch. Kühn, Wilh. ßaut, Heinz ßep- per, ßubro. Meinhardt, Ernst Merz, Heinz Misar, Karl Möser, Otto Neeb, Fr. Peppier, Ew. Repp, Harro Rühl, Helm. Rühl, Karl Sahl, Wilh. Sann, Walt. Sprankel, Kurt Thom, Fr. Wagner, Hans Weber; Lehnheim: Alb. Jüngel; ßumba: Werner Verns, Emil Hopp, Rub. Keller, Hrch. Menz, Erich Neubecker, Rub. Schäfer; Stangenrod: Karl Becker, Fr. Vogel. B. Mädchen: Grünberg: Doris ©eng» nagel, Aug. Hansen, ßiselotte Herdt, ßiesel Jöckel, Aug. Klöß, Erna Köhler, Elfr. Kreuder, Dorothea Probst, Emmi Richter, Hilde Ritter, Wilhelmine Röhm, Jrmg. Rühl, Emmi Wagner; ßehnheim: Math. Pabst, Toni Schäfer; ßumba: Brig. Horn, Anna Keller, Marie Rückert; Stangenrob: Erna Erbes, Paula Feuerstein, Iba Groh, Erna Klöh, Erna Sauer.
Rundfunkprogramm
Dienstag, 7. April.
6 Uhr: Choral. — Morgenspruch. — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10.45: Nachrichten. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialbienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. — Anschließenb Nachrichten aus dem Senbebezirk, Wetterbericht. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Nach Tisch gönnt euch ein wenig Rast, Seid bei Frau Musika zu Gast! 15: Wirtschaftsbericht: Warum eigentlich Banken? — Wirtjchaftsmelbungen. 15.15: Die deutsche Frau. „Wo Sittlichkeit regiert, regieren sie ..." Eine Hörfolge. 16: Unterhaltungskonzert. 17.30* Zucker — aus Runkelrüben. Hörfolge um eine deutsche Erfindung vor 150 Jahren. 18: Musik am Feierabend. 19: Konzert für Klavier und Orchester, in D-dur, Werk 26, von Max Travp 19.45: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Von ber Harfe bis zur Tuba. Instrumentales Unterhaltungs-Konzert. 22: Nachrichten.
Oie Tippgräfin.
Vornan von Klothilde v. Stegmann.
Urheberrechtsschutz: Auftvarts-Verlag, Berlin, SW 68.
31. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Wo wohnt der Künstler, ber bas in so großer Eile fertigbekommen hat? Unb wie ist fein Name?" Mit gezücktem Bleistift faß ber Verteibiger ba.
„Das tut nichts zur Sache, Doktor! Der Mann war mir nützlich, und ich habe nicht die Absicht, ihn in den Prozeß hineinzuziehen."
„Hm! Das Gericht wird anderer Ansicht fein, Principessa!" ßeichte Ungeduld klang aus der Stimme des berühmten Strafverteidigers.
„Niemand wird mich dazu bekehren, Erhard eine Tat zuzuschieben, an der er ebenso unschuldig ist wie Sie, Herr Doktor Hartwig!" Mariellas Augen sprühten Blitze, ihr Gesicht nahm einen verschlossenen, trotzigen Ausdruck an.
So kam der Tag des Prozesses heran, zu dem Annina von Gellern aus Baden-Baden erschien. Die war nicht die einzige, die von auswärts kam. Der Sensationsprozeß hatte Journalisten von nah und fern herbeigezogen. Die Pressekarten und bie Einlaßkarten für bie Zuhörer waren längst vergriffen. Eine Prinzessin staub nicht alle Tage vor Gericht, ba mußte man unbebingt babei sein. Wie ber Urteilsspruch ausfallen würbe, ließ sich vorher nicht sagen. Mariellas Verstocktheit würbe sicherlich strafverschärfend für sie ins Gewicht fallen.
Ganz in tiefes Grau gekleibet, faß Mariella wie leblos auf ber Anklagebank. Bleiches ßicht fiel burch bie hohen Fenster bes großen Verhandlungssaales. Regen klatschte an die Scheiben; es war ein trostloser Tag, der über das Schicksal der kleinen Principessa entschied.
Niemand konnte sehen, was in ihr vorging. Nur die kleinen Hände, die ruhelos sich ineinander krampften, zeigten ihre tiefe Bewegung.
Punkt zehn Uhr früh wurde die Verhandlung eröffnet.
Der Verteidiger gab sich die größte Mühe, Mariella als das hörige, irregeleitete Geschöpf eines verbrecherischen Mannes hinzustellen.
Da kam Anninas Zeugenaussage. Bisher war jedes Zeugnis günstig für Mariella gewesen, das, was Annina aussagte, vernichtete alles.
Totenstille herrschte während ihrer Vernehmung im Saal, die die Principessa zu einem verlorenen Geschöpf, Erhard zu einem von ihr verführten, weichherzigen Charakter stempelte. Selbst der geschädigte Juwelier, der Annina, ohne zu zögern, bie Summe übermittelt hatte, die er aus dem weiterverkauften Geronimohalsband erlöste, sagte günstig für Mariella aus. Aber Anninas Zeugnis als das der Pflegemutter mußte vom Gericht als ungeheuer wichtig bewertet werden. Und dann kam es zu ber ersten Sensation des Tages: Der Zeuge Hermann Scherer wurde aufgerufen, und Mariella behauptete, ihn nicht einmal von Ansehen zu kennen.
„Tun Sie auch nicht, Durchlaucht!" entgegnete er. Unb ber Staatsanwalt fragte:
„Bleiben Sie noch immer bei Ihrer Aussage, Prinzessin Bonaglia, baß Graf Hagen unschuldig an dem Diebstahl ist, keine Ahnung von ber Tat hatte unb Sie sogar bie Imitation selbst haben Herstellen lassen?"
„Ich bin bereit, es zu beschworen!" Mariella sagte es sehr heftig. Sie schlug ihre Augen trotzig zu bem Staatsanwalt auf, der diese Frage an sie gestellt hatte. Der Staatsanwalt sah Mariella scharf an. Seine Stimme wurde schneidend. Bisher sehr ruhig, beinah gütig gegen Mariella eingestellt, wurde er jetzt zornig:
„Wenn Sie sich Ihre ßaqe durch Unwahrheiten verschlimmern wollen, Angeklagte, dann machen Sie nur so weiter!" Dann wandte er sich dem Zeugen Scherer zu.
„Darf ich bitten, Herr Zeuge?"
Ohne zu zögern, schilderte Scherer bis ins kleinste bie Szene, der er, von Palmen verborgen, in jenem Tage im „Hotel Zentrum" beigewohnt hatte, als Mariella ihrem Verlobten bie dreizehn Tausend- markscheine aushändigte, bie sie für bas Halsband erhalten hatte. Sogar ihre Worte konnte er wieder- geben, unb bie Antwort, die ihr Hagen darauf gegeben, als sie von Verdingens Bürgschaft sprach.
Es war Mariella, als stießen ihr bie Worte des Zeugen Scherer einen Dolch ins Herz. Aber sie war in ihrem Glauben an Erhard so fest gefangen, daß sie immer noch nicht sehend wurde. Das alles
war nicht möglich. Niemals konnte Erhard den Plan einer sogenannten „Namensheirat" gefaßt haben. So schimpflich konnte er nicht haben handeln wollen — unb niemals wollte er sie betrügen. Je lauter eine Stimme in ihrem Innern gegen Er- harb sprach, um so starrer wollte ihre Treue an seine Unschuld glauben.
„Beharren Sie angesichts dieses Zeugen auch noch auf Ihrem halsstarrigen ßeugne** ber Mitwisserschaft bes Verstorbenen, Angeklagte?"
Der Vorsitzende fragte es gereizt und vorwurfsvoll.
„Der Zeuge muß sich irren oder mich verwechseln."
Der Vorsitzende zuckte die Achseln. Auch sein Gesicht verhärtete sich. Im Publikum erhob sich ein mißfälliges Raunen, das ber Vorsitzende sofort mit ber scharfen Drohung, ben Zuhörerraum räumen zu lassen, beantwortete. Aber es war allen unb auch Mariellas Verteibiger klar: Mariella verlor durch ihre törichten Versuche, die Ehre Hagens um jeden Preis zu retten, selbst um den Preis einer ßüge, bie Anteilnahme aller. Mariellas Verteidiger wußte, er kämpfte auf verlorenem Boden, als er fein Plädoyer begann — das bie Herzen aller Zuhörer auf bas heftigste ergriff.
„Seien Sie mit Ihrem Urteil einer Unglücklichen gegenüber nicht zu streng, meine Herren!" schloß er seine Verteidigungsrebe. „Ihre Vergangenheit ist bahin, ihre Gegenwart vernichtet, Lassen Sie Mariella bi Bonaglia wenigstens ben Ausblick auf eine friedliche, der Arbeit geweihte Zukunft..."
Eine Stunde später empfing Mariella das Urteil: es lautete auf neun Monate Gefängnis. Ihr starres ßeugnen von Tatsachen, bie offen zutage lagen, hatte bas Strafmaß verschärft...
Stehend hörte sie bie Urteilsverkünbung mit an. Dann war sie am Enbe ihrer Kräfte. Eine wohltätige Ohnmacht umfing sie. Erst im Krankenzimmer bes Kriminalgerichts fand sie sich wieder.
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In einer unfreundlichen Seitenstraße bes Berliner Zentrums liegt ein großes, aus rötlichen Backsteinen erbautes Haus. Nichts an feiner Derberen Fassade läßt darauf schließen, um was es sich in Wirklichkeit bei diesem Gebäude handelt. Wieviel Schmerz unb Haß, wieviel roilbe Verzweiflung unb wieviel ehrlicher Wille, Schlechtes wieber
gut zu machen, bie Menschen erfüllt, die hinter diesen Mauern, ben Mauern bes Frauengefängnisses am Barnim, leben. Erst wenn man den Fuß hineingesetzt hat, weiß man, wo man sich befinbet Ein schwerer Schlüsselbund rasselt in ber Haustür. Er öffnet auch das schwere, eiserne Gitter, das zwischen Eingang und Gefängnisinnerm liegt. Fällt es dröhnend ins Schloß, so öffnet es sich in ben meisten Fällen für bie Häftlinge erst wieder, wenn sie ihre Strafe, die sie schweren Herzens antraten, abgesessen haben. Unb doch ist bieses Haus keine solche Stätte des Schreckens ober bes Grauens mehr wie früher. Es gibt Mädchen und Frauen, bie hier zum ersten Male Drbnung, Sauberkeit unb geregelte Arbeit kennenlernen, bie zum ersten Male geborgen finb vor Hunger unb Heimatlosigkeit. Die nicht wissen wohin, wenn sie bas Gefängnis wieber verlassen müssen. Arme, vom fieben umhergestoßene Unglückliche, bie Not und Verzweiflung ebenso dazu trieb, ein Unrecht zu begehen, ohne mit ben Folgen zu rechnen, wie Mariella.
Renate hatte Mariella vor bem roten Backsteinhause zum letzten Male umarmt, bevor sie bem Auto entflieg. Mariella trug ihr Trauergewanb. Das winzige Köfferchen, bas sie mit sich führte, enthielt ein paar Kleinigkeiten, bie sie an biefem traurigen Orte mitbringen bürste — ein paar Toi» lettengegenftänbe, bie Silber ihrer als tot betrauerten Eltern.
Ach, wenn sie gewußt hätte, daß in dieser Stunde ihr Vater von treuen Freunden gerettet worden war, daß das Herz einer Schwester ihr liebevoll entgegenklopfte unb Walter Heßling sich vor Sehnsucht nach ihr verzehrte — um wie vieles leichter wäre ihr ber Strafantritt geworben! Doch von aliebem ahnte sie nichts.
Nun lagen alle Stationen hinter ihr, bie zurück» zulegen waren, bis sie endlich im Frieden ihrer Zelle ausruhen durfte. Aufnahme, Kleiderkammer, um die ihr passenden Garderobestücke durch eine Wachtmeisterin zu empfangen. Bad, Einkleidung, Besuch beim Arzt. Dann endlich durfte sie allein bleiben in dem schmalen, vergitterten Geviert, das auf einen düsteren Hof hinausging. Hier sollte sicd monatelang ihr Dasein abspielen, auf diesem ßager würde sie schlafen und die grobe Gefangenenkleidung am Körper tragen. (Forschung folgt.)


