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Samstag, 5. Dezember 1956

Dank der Unterstützung durch die deutsche Kolonie wird es möglich gemacht, daß jeder Mann der Besatzung an einem der großen Auto- ausflüge ins Innere der Insel teilnehmen kann. Da gibt es viel Neues und Interessantes für unsere jungen Seeleute. In dem milden und gleichmäßigen Klima die Temperaturen schwanken im Jahr nur zwischen 18 und 23 Grad gedeihen neben Gemüse, Feigen, Zuckerrohr und Tabak in erster Linie Bananen und Apfelsinen. Charakteristisch für die Landschaft ist der Mangel an Wald und im Verein hiermit an Wasser, welches durch ein ge­schickt angelegtes System von Staubecken und Be­wässerungsanlagen den Pflanzungen zugeführt wird. Dagegen gedeihen die verschiedensten Kaktusarten, von denen der Feigenkaktus zur Züchtung der Cochenillelaus früher in großer Anzahl gepflanzt wurde, zur Herstellung des roten Farbstoffes für Lippenstifte und ähnliche Zwecke. Durch die Erfin­dung der Anilinfarben ist dieser ertragreiche Anbau sehr zurückgegangen. Die Bevölkerung ist bedürf­nislos und größtenteils sehr arm.

Zu Beginn des Krieges gab es Unruhen und Strahenkämpfe auch hier, besonders in dem ver­seuchten Hafenviertel von La Luz, die jedoch schnell und energisch unterdrückt wurden. Das große Gefängnis über der Stadt und ein Konzentrations­lager auf einem der kahlen Bergkegel der Jsleta reden eine stumme Sprache. Nur die zahlreichen Posten und bewaffneten Streifen in den Straßen, das häufige Anhalten der Autos nachts, sind als einzige, nach außen in Erscheinung tretende Zei­chen des Ausnahmezustandes üorig geblieben. Officiales alemanes! zeigt der Chauffeur klar, der Posten salutiert, und wir passieren. Die Lokale schließen früh. Man macht keine Musik und tanzt nicht, das ist das einzige, was man hier weit vom Schuß von dem Freiheitskrieg der Heimat merkt. Die Besten sind drüben auf der Halbinsel, und nur selten kommt direkte Nachricht von ihnen. Man reißt sich um die Zeitungen, und der Ruf der kleinen JungenDia ... rio" schallt aus allen Straßen.

Verschiedene Veranstaltungen werden uns noch geboten. Spanische Klubs geben Tanztees oder ge­sellige Abende, wo immer wieder spontan die Be­geisterung aufbraust. Mit der deutschen Kolo­nie, die hier etwa 300 Personen zählt, kommen wir auf den Divisionsausflügen, wo wir alle mit dem guten einheimischen Landwein bewirtet werden, und auf einem Bierabend mit Tanz im deutschen HotelAtlantik" in persönliche und herzliche Be­rührung. Es gibt auch eine nette kleine deutsche Schule, von deren 60 Schülern, ein kleiner Teil reine Spanier sind. Sie werden an Bord mit Kaffee und Kuchen bewirtet und durchs Schiff geführt und er­leben als besondere Ueberraschung den Tonfilm Mit Kreuzer Königsberg in See." Strahlend ziehen sie ab, schon seit Tagen spielt die Schule eine un­tergeordnete Nolle, und noch lange werden sie von dem Kriegsschiffbesuch aus der Heimat erzählen.

Mit dem Sonntag, dem 1. November, rückt der Abschiedstag heran. Am Vormittag versam­melt sich eine kleine, glückliche Schar in der fest­lich geschmückten Kajüte, um den mit der Haken­kreuzflagge umwundenen Altar. Vier deutsche Kinder werven auf deutschem Boden getauft, ein blonder Junge, schon sechsjährig, erlebt diese Stunde auf dem Schiff, auf dem sein Vater einst im großen Kriege vor dem Feind ge­standen hatl Mehrere Kinder werden konfirmiert, und unser junger Schiffspfarrer findet warme, zu Herzen gehende Worte, bei dieser ersten Amtshand­lung in fremdem Land. Alle erhalten ein Mützen- bano und Bild des Schiffes, das ihnen ein Stück Heimat brachte, als Erinnerung fürs Leben.

Schon fahren die ersten Autos vor und bringen

Ich zog selig mit meinem Ordonnanz ab. Der hatte auch keinen Sinn für so einWeihnachts- g'spiel" und entschlummerte sofort auf dem Stuhl neben dem ebenfalls schlummernden Sammlungs­wärter. Ich war allein.

Ach, meine Lieben, könnte ich euch doch ein wenig von dem Weihnachtsglanz geben, der mich noch heute erfüllt, wenn ich an diele Welt der Könige und der Hirten denke! Ein Reich der heimlichen Wunder, sanft von leise wehenden Kerzen erhellt, tat sich auf in diesen hundert Krippen; keine war wie die andere, sie wechselten nach den Auffassun­gen der Zeiten und Völker. Nur der Stern von Bethlehem stand über allen und war stets der gleiche geheimnisvoll winkende Stern der Heiligen Nacht.

Da gab es rosige, runde Madönnchen, denen die Aufgabe, an der Landstraße, in einer heimatfrem- den'Herberge ein Kind zur Welt zu bringen, nichts von ihrem gepflegten Lebensmut genommen hatte: da waren ernste, gebeugte Mariengestalten, hart wie das Holz, aus dem sie geschnitzt waren und schon jetzt zermalmt von dem Opfer, das ihres Kin­des harrte. Da waren Könige in Seide und Samt, Fürsten, strahlend im Glanze ihrer Berufung, hoch zu Roß und auf geschmückten Kamelen; und da waren arme, kleine, bescheidene Königlein, die zu Fuß kamen und sichtlich Mühe gehabt hatten, die Gaben für das göttliche Kind aufzutreiben.

Da waren Zelte unter Palmen, voll orientalischem Prunk und da waren enge, deutsche Ställchen, mit Ochs und Eselchen und dem ganzen Zauber der bäuerischen Weihnacht.

O diese Landsknechte und Rosse, diese Elefanten und Kamele, beladen mit winzigen, goldenen Schreinen und Truhen voller Weihrauch und Myrrhen, schreitend unter dem wegweisenden Scheine des Sternes!

O diese knienden Hirten, van dem Wunder der himmlischen Heerscharen umloht!

O diese Schäflem, tierhaft dumpf und demütig, vom Glanz der Engel bestrahlt!

Und als Mittelpunkt von allem wieder und wie­der das Kindlein in der Krippe, aus Holz, aus Wachs aus Elfenbein geformt, den Strahlenkranz über der kleinen Stirne und in den erhobenen Händ­chen das Heil der Welt; dieses helligc Kind, zu dem alle Könige der Völker und alle Engel der H'wrnel gezogen kamen und das so dürftig auf ein bißchen Heu lag, eine wegemüde Frau und einen alten Zimmermann ale Eltern über Mi gebeitet ©ie es wunderbare Kind das jetzt m den heiligen Advents, nachten durch di- Welt flog, Jagte man, und über­

all wo Kummer war oder Not, ein wenig himm­lisches Gold auf das Fenster legte.

Und trat man dann ganz unwillkürlich an die Scheiben, dann lag da draußen die Hebe, alte Stadt tief unterm Schnee, der Dom stand mit erleuch­teten, hohen, bunten Fenstern unter dem abendlichen Flockenfall und zwischen der heimlichen Weihnachts- weit hier drinnen und der vertrauten Welt da drau­ßen, gab es keine Schranken mehr lieber allem wehte dasselbe Mysterium, noch zu tief für Kinder­sinn und dunkel doch schon geahnt: das mystische Gleichnis von den Armen und Kleinen, den Müh­seligen und Einfältigen, denen das Himmelreich gehört; und das nicht minder mystische Gleichnis von den Herden auf dem Felde und den Tieren im Stall, die nicht zu gering waren, um das göttliche Licht als erste zu empfangen; und drittens das mystischste aller Gleichnisse, das Bild von den die­nenden Königen, Gleichnisse, höher als die Himmel und tiefer als die Meere, vom Stern von Beth­lehem weise und freundlich und ewig überstrahlt.

Natürlich war es keineswegs mehr sechs Uhr, wenn ich, dann, selber ganz verträumt von all den Wundern, die schlafende Ordonnanz weckte, die ent­setzt die Zwiebel aus der Hosentasche riß:Mari- andsosef, halb sieben!! Aber jetzt werd' die Exc'llenz spucken!

Und sie spuckte auch, und wie! In guten, baye­rischen, bodenständigen Ausdrücken, die sicher vor­züglich zur Erziehung rauher Krieger, weniger aber für die junger Mädchen geeignet waren und die mein Repertoire für geschwisterliche Fehden in grimmig-schöner Weise bereicherten.

Aber mochte er dach spucken, der liebe, alte Onkel Karl, man kam trotzdem mit einem Herzen voller Weihnachtsglanz nach Hause, der stille, wuchs durch die geheimnisreichen Adventstage. Bis endlich der Baum strahlte und unter den duftenden Zwei­gen das eigene Krippchen stand: die kniende Maria mit dem blauen Mantel, das wächserne Kindlein in der Futterkrippe, das graue, breibeinige Eselchen, an das dicke Oechslein gelehnt, damit es nicht um­fiel, die angesengten Wollschäschcn, die Könige, mit den güldenen Gefäßlein, ein braunes, stolzes Kamel und ein weißbärtiger Josef, der unter einem langen Cape verbarg, daß ihm die Hände fehlten diese alte, kunstlose, bescheidene, heißgeliebte Krippe, die doch die schönste war von allen!

6od)fd>ulnad)rid)fen.

Professor Dr. Hermann I a h r r e i ß , Ordinarius für öffentliches Recht an her Universität Greifs­wald, ist in gleicher Eigenschaft an die Universi­tät Köln berufen warben.

Ein Skizzenbuch Van Dycks?

Von Londoner Sachverständigen wird zur Zeit ein Skizzenbuch geprüft, bas der Sammler E. C. Littler-Jones in Liverpool erworben hat und bas man Anton van Dyck zuspricht. Es enthält ernsthafte Probleme für den Kunstkenner. Es besteht aus 72 Skizzen und 50 Miniaturmalereien, von denen einige auf die Rückseite der Skizzenblätter ge­malt sind. Es scheint, als seien diese Malereien auf dem Kontinent, die Skizzen jedoch in England ent­standen, nachdem der flämische Meister Hofmaler Karls I. geworden nfar. Zwei der Skizzezn könn­ten Shakespeare-Porträts sein, und unter einer steht sogar der handschriftliche Vermerk: Shake­speare, 1616 im Alter von 53 Jahren gestorben". Es könnte sich um die Skizze eines Bildes han­deln, das nach dem Tode des Dichters in Auftrag gegeben worden ist, so darf man, die Echtheit des Skizzenbuches vorausgesetzt, bei einem Vergleich zwischen dem Datum von Shakespeares Tode und der Ankunft van Dycks in England vermuten. Auch enthält das Buch, das nach einigen Anzeichen auch einmal einem Kinde als Einklebe-Alburn gedient haben muß, mehrere Skizzen Karls I. und der Kö­nigin Henriette Maria. Als Handzeichen erscheint unter den Skizzen stets ein mit einemD" ver­bundenesV". Ueberdies trägt das in Leder gebun­dene Buch auf dem Jnneneinband den Vermerk: Sir Anthony van Dyck, gestorben in London im Jahre 1641, 43 Jahre alt. Dies Buch stammt aus dem Jahre 1624". z.

Zeitschriften.

Der Schuh unseres Landes gegen feindliche Luftangriffe ist eine Forderung, bereu' Dringlichkeit jebem Deutschen bewußt sein sollte. Deshalb muß die Forderung nach einem Schutzraum für jedes Haus eine Selbstverständlichkeit werden. Ein bebil­derter Beitrag in dem neuesten Heft derS i r e n e", der großen illustrierten Zeitschrift mit den Mittei­lungen des Präsidiums des Neichsluftschutzbundes, bringt Beispiele bereits ausgeführter Schutzräume in Pommern, die wieder beweisen, daß die Mehr­kosten bei einem Neubau im Verhältnis zur Bau­summe so gering sind, daß sich fein Bauherr gegen den Bau eines Schutzraumes wehren sollte. Ein an­derer Beitrag berichtet über den 66. Lehrgang an der Neichsluftschutzschule, zu dem 200 verdienstvolle Amtsträger einberufen wurden Um das Verständ­nis für Wesen und Aufgabe des Luftschutzes auf dem Lande zu vertiefen, ocronft'-'lH'- eine süd­deutsche Ortskreisgruppe eine llufl|chutz-Sonder- schau, über die in Wort und Bild berichtet wird.

Ur. 285 Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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den rot gemalten Lippen

') Teil I in Nr. 262 desGieß. Anz." vom 7. Nov.

den großen Augen und

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in bem mißen Klima dieser gesegneten Insel ver­bringenden Europäer aus Afrika und der Halb­insel aufnehmen wird.

Die I n s e l G r a n Canaria, die drittgrößte der Gruppe, ist, wie die übrigen, vulkanischen Ur= ionUn 1667 Quadratkilometer und etwa

180 000 Einwohnern. Die Haupt- und Provinzstadt Las Palmas, seit 1479 Bischofssitz mit ihren hellgrauen und weißen Tuffstein- und Basalthäu­sern eine Stadt von echt südspauischem Gepräge liegt etwa sechs Kilometer südlich der durch die kahle bergige Halbinsel Jsleta und eine von deut- idjen Ingenieuren erbaute Mole gebildeten Hafen- stadt Puerto de la Luz. Der Hafen ist der be­deutendste der ganzen Inselgruppe. Es herrscht ein reger Dampferverkehr. Hervorragend beteiligt ist hier die deutsche Woermannlinie, deren Vertre­tung nächst dem Konsul und den Herren der Luft­hansa sich, wie schon bei früheren Besuchen, in vor­bildlicher Weise unserer annehmen und an dem Gelingen unseres Aufenthaltes wesentlichen Anteil haben.

Die Stadt Las Palmas selbst, mit Auto oder Straßenhahn bequem zu erreichen, bietet aller­lei Sehenswürdigkeiten. Da ist die alte Kathedrale de Santa Anna, 1497 begonnen, gegenüber dem Pa- lacio Municipal und dem Bischofspalast, welche die Plaza Santa Anna mit den Standbildern der kana­rischen Hunde, die den Inseln ihren Namen gaben, malerisch umsäumen.

Ein Bummel durch die Stadt ist immer wieder lohnend, und vieles kenne ich wieder von meinem ersten Aufenthalt als Seekadett im Jahre 1926, als der KreuzerHamburg" zum ersten Male wieder die Flagge der deutschen Reichsmarine um die Erde führte. Immer wieder interessant, durch das buntbewegte Gewoge der Triana, mit ihren Ge­schäften, Bazaren und offenen Restaurants zur Kathedrale zu gehen und sich dem Strom der gesti­kulierenden, ober andächtig gesenkten Hauptes in das Gotteshaus tretenden Menschen, einzufügen, zu klei­nen reizvollen Erlebnissen. Da sind die'verschieden­artigsten mililärischen Wachen und Streifen, viel­fach halbwüchsige Burschen, nur durch Mütze und Karabiner kenntlich, den sie lässig über der Schulter tragen, ober sorglos in die Ecke stellen, um rouchenb unb schwatzenb im Korbstuhl vor ber Kaserne zu sitzen. Alle grüßen sie, halb freunbschaftlich. halb mi­litärisch, unb bie schlanken dunklen Mädchen mit

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Spanisches

von den Kanarischen Znseln.

völlig unter dem Eindruck des begeisterten Abschiedes, den die nationale Jugend in Santa Gru^ au Teuer is,a uns vor wenigen Stunden be- reitele, stehe ich wieder in der angenehmen Kühle des schnell hereingebrochenen Abends auf der Brücke und lasse im Angesicht der Sterne die bunte Folge unserer kanarischen Hafentage Revue passieren. Da er|d)eint mit dieser mit südländischem Temperament improvisierte Abschied wie der Schlußakkord einer Gninplionic tiefempfundener Freundschaft und ehr- sicher Bewunderung, die das um seine nationale 6elbfU-»)a4tung und Jahrhunderte alte Kultur rin­gende spanische Volk hier in feiner Jnselprooinz uns entgegenbrachte, als dem Schiff der Kriegs­marine Adolf Hitlers, dem ehrwürdigen Zeugen einer stolzen Vergangenheit.

Schon d^s Einlaufen in Puerto de la Luz, dem Hafen von Gran Canaria, am Morgen des 22. Oktober, wo am strahlenden Himmelsblau LZ Hindenburg" auf der Reise nach Südamerika auf die Minute pünktlich feine Ehrenkurve über uns zog, war erhebend unb schön. Der englische KreuzerLeanber" liegt vor uns an ber Mole. Seine Matrosen nehmen unsere Seinen wahr, wäh- renb am Fallreep bereits bas Boot mit bem Be- grüßungsoffizier längsseit kommt. Zwei Tage lang herrscht reger kamerabschaftlicher Verkehr zwischen beiden Schiffen, ein Fußballspiel, in dem wir die englischen Kameraden in ausgeglichenem Kampf ntit 3:2 besiegten, droben auf dem schöngelegenen Platz von Santa Brigida undLeander" läuft am 25. früh aus. Die Ehrenwache steht angetreten, die Nationalhymnen klingen auf.

Für unsere Besatzung beginnen nun abwechslungs­reiche Tage bei anhaltend schönem Wetter, es wirb fleißig Bootsbienst unb Seemannschaft getrieben, dazwischen Divisionsausflüge in bie Berge, hinauf bis zum Cruz be Tejebo, 1820 Meter, wo man einen herrlichen Runbblick über die Insel und hinüber bis zu dem schneebedeckten Gipfel des Pico be Teybe auf Teneriffa genießt. Ein Touristenhotel ist an diesem einzigartig gelegenen Gebirgsjoch im Entstehen, das viele, ber die heißen Sommertage

fflii derSchleswig Solsiein"MSchuWffsreise l'on Friedrich Karl Birnbaum, Kapitänieutnant.

heben lächelnd die Hand auf und rufenHeil Hitler!"

Wir treten, mehrere Kameraden in Uniform, Segen Abend in die Kathedrale, aus der gedämpfte irgeL unb Geigenmusik klingt. Schon hat ein Prie­ster im Ornat uns erspäht, schon führt er uns mit freunblidjcr Hand, eine Gasse burch bie anbädjtige Menge bahnend, vor das goldene Thronbild ber Virgin bel Pino, ber Schutzpatronin von Canaria. Hunberte von großen Kerzen brennen unb biegen sich in ber eigenen Hitze, ein Meer von Blumen überstrahlenb. Man hat bie Heilige aus bem Frie­den ihrer Bergkapelle vor Tagen in feierlicher Pro­zession in die Kathedrale überführt, um ihren Segen für den Freiheitskampf ber Brüber unb Söhne brü­hen auf ber Halbinsel zu erflehen. Dieses Volk, vor wenigen Monaten noch von jüdischen Kommissaren planmäßig verhetzt, die Faust zum roten Gruße ballend, ist gläubiger denn je und hat das große Spiel seines Führers zu tiefst begriffen. Wir er­leben den Sturm der Begeisterung für sein großes Vorbild Adolf Hitler. Sein Bild steht in jedem Schaufenster neben dem des G e - n e r a l 5 , unb wir, seine Soldaten, empfinden dankbar, wie diese Verehrung sich in jedem Zeichen noch so bescheidener Gastfreundschaft, mit der man uns überschüttet, sich offenbart.

Da steht bie Falanga eines Dorfes, das unsere Wagen passieren, mit Musik angetreten. Man spielt unsere Hymnen vor bem Freiheitslied der Falanga Viva Alemana! Viva Espana! Es ist schwer, bem braven Alkalben klar zu machen, baß er nicht bie ganze Division von 130 Mann bewirten kann! So werben rasch einige Solbaten abgeteilt, die den Willkommenstrunk im Rathaus entgegennehmen, währenddessen die anderen sich der zahlreichen Gast­geschenke draußen kaum erwehren können. Als wir wieder in bem Wagen sitzen, werben noch riesige Bananenstauden, trotz meines vergeblichen Protestes, hereingereicht als wir bann auslaufen, hängen bie Stauben in allen Ecken unb der erste Offizier stöhnt über diesenBananendampfer"! In wenigen Tagen sind die grünen Stauden gelb unb nicht viel länger, und es sind nur noch einige verdorbene Mägen bie letzte wehmütige Erinnerung.

Wenn man bie leuchtenben Augen der Fetchas (Pfeile), der Jugenborganisation ber Falangisten sieht, bie ganz nach bem Muster der Balilla unb unserer H I. aufgezogen schmuck unb diszi­pliniert ihr blaues Hemd tragen, Jungens unb Mä­dels, alle burchglüht von ber heiligen Flamme natio­naler Begeisterung, bann wirb einem eines zur Ge­wißheit: bies Volr wirb nicht untergehen, es wirb auferstehen aus Morb unb Jammer! Unb biese Ge­neration ist berufen, das todwunde Vaterland wie­der aufzubauen, das ihre Väter und Brüder mit ihrem Blut und Leben vor dem Untergang bewahr­ten! Arriva Espana!

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So grüßte man überall unsere blauen Jungen in Stadt und Land auf Gran Canaria. (Ausnahmen s2j: Grath.)

Deutsche Repräsentanten des Meeres und der Luft begegnen sich bei Las Palmas.

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3m Reich der Wunder.

Von Sofie von Llhde.

Wenn mit dem ersten Advent die Münchener Krippensammlung ihre schmale Tür öffnete, war mit einem Schlage die Kinderwelt voll geheimem Glanz Dem konnte nichts etwas anhaben: mochte ber heiß­ersehnte Schnee auf den Straßen sich schmelzend in graue Soße verwandeln adieu, Schlittenbahn! mochte der händeringende Hauslehrer ein Zeug­nis in Aussicht stellen, dessen ein Hottentottenkind sich hätte schämen müssen, mochten alle Stricknadeln aus Vaters hartem, schwärzlichem Weihnachtsgeschenk zu Boden rasseln, die Maschen hinterdrein was tat es? Nun ja, bas Leben war eben eine harte An­gelegenheit; aber im Hintergrund stanb bies heim- jjche Zauberland, in dem ein Kind mit einem gol­denen Strahlenkranz lag unb beibe kleinen Hänbe

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voller Märchen hatte.

Es war eine Privatsammlung, in dunklen engen Räumen nahe dem Dome ausgestellt, eine Samm­lung von höchstem kulturhistorischem Werte. Aber das spielte ja damals keine Rolle für Mich: sie hatte ganz andere Werte! Und es galt, sie so oft wie nur irgend möglich zu besuchen.

Doch bas hatte seine Schwierigkeiten. Am ersten Advent allerdings ging man mit Vater hinein aber das war ein bißchen so, wie spater bie Einladungen I beim König: schön unb festlich, ober konnte man S behaupten, daß man bas gebotene Menu gerabe ! sehr genoß? Man wußte hintennach meistens nicht, !. ro@au9?owarl,emit der Srippenfammlung am toten Advent, wenn ganz München sich dort irch « und für die privaten Entzückungen kle ner Mädchen 1:1cm Raum blieb, hatte man nicht gar zu unchris | lieb gelebt, so durfte man ja mahl noch mal mit " ler Gouvernante hinein, aber das war ungefähr

»ie wenn man mit feiner Großmutter Skiläufen wollte. Nein, allein mußte man gehen.

Dem stand das riesenhafte Bollwerk einer behu- Icten Erziehung gegenüber; aber da g es Hat. Man ließ sich einfach von Onke Sari emtaoen,

i armlos, zum Kaffee, und dann fiel man ihm mit Beschwörungen um den Hals. («ruber

Onkel Karl war nicht umsonst Mamasgrubet <r konnte ben verwaisten Ambern sem inLnem leinen Wunsch abfdjlagem Außerdem war n fernem Slopfe eines bayerischen Generalstabchef für Krippenfiguren, also sagte er munter. Mem I ebs Mauser, das kannst Nit von mir verlang n, laß i zu so einem Weihnachtog spi- laut, 3 gd ö -n Ordonnanz mit, der fefjaut auf b d), und um stchfe bist wieder da, fönst fpuckts fit

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