Nr. 208 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (Geimal-Anzelger für Oberhessen)
Samstag, 5. September 1936
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Schwere Last. Oft liegen über 5 Zentner Steine auf dem Schubkarren.
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Ziegelsteine aus Keldbrand
Nur
Die Feldbrandstelle hoch über dem Buseckertal. — (Aufnahmen [8]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
immer die gesegneten
Felder und Wiesen des
Die getrockneten Steine werden zum Brennen aufgeschichtet.
D» Mst Mle celüOten Kanals im Weiler werden in Lrand neieM.
JQäukr in Großen-Luleck und Beuern. Meister Albach»
Die Lormlinae werden M Trocknen Ma-Ü-Lt.
und ver- sorn-
schon seit einiger Zeit erloschen und nur ein aufgeschichteter Haufe gebrannter Steine zeugt davon, in welcher Art man hier an der Arbeit war.
Jene Ziegelei, von der wir zuerst sprachen, die Feldbrandstelle am Attenberg über Großen-Buseck, liegt hoch über dem Tal, und der Meister Alb ach und seine sieben Helfer, die da oben schaffen, haben
Wir entsinnen uns nur weniger Stellen unserer engeren Heimat, an denen wir Feldbrand antrafen: bei Ostheim, unmittelbar an der Eisenbahn, an der S.traße zwischen Rodheim und Bieber und an der Straße zwischen Lich und Grünberg, im Schatten der großen Alleebäume, die die Straße vom Kreuz ab bis auf die Höhe säumen. Die Glut ist dort aber
tig am Hohen Berg und Attenberg solche Feldbacksteine im Auftrage einer Großen-Busecker Firma (Rühl) gebrannt werden, erzählte, daß es möglich gewesen sei, in Alten-Buseck einen ganzen Straßenzug zu bauen, für den die Steine, viele hunderttausend Steine, unmittelbar an den Baustellen gebrannt werden konnten. Das gleiche geschah für mehrere
Die moderne Technik ist in siegessicherem Zug über manches altväterliche Handwerk und Gewerbe hinweggegangen, weil sie häufig billigeres, rascheres und mengenmäßig größeres Schaffen von Gütern ermöglichte. Es geschah sicherlich zur Erleichterung unserer Lebenshaltung und die Industrialisierung förderte das, was wir unter „Zivilisation" verstehen Häufig aber mußte die Erleichterung und Verbilligung unserer Lebenshaltung mit dem Preis des Verzichts auf das Persönliche, das Eigenschöpferische bezahlt werden. Meist ging damit die völlige Ablösung mancher bisher geübten handwerklichen Technik einher, häufig gingen Gemütswerte verloren.
Der Töpfer hat der „Keramik" und ihrer hochentwickelten Industrie weichen müssen; der Beruf des Seilers ist selten geworden, der Drechsler bekommt zu einer Zeit, in der die Klarheit in der Formgebung setzen Schnörkel verdrängte, immer weniger Arbeit und der Kachelosensetzer ist auch nicht mehr so beschäftigt, nachdem Zentral-, Warmwasser-, Heißluft- und Dampfheizung immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden. Die Reihe der Ber.ufe ließe sich lange fortsetzen, die durch die Industrialisierung in ihrer Bedeutung beeinträchtigt wurden. Hier hilft es nicht zu trauern, sondern manche wirtschaftliche Notwendigkeit muß eingesehen werden.
Um so größer ist die Freude, wenn man hin und wieder einmal einem Gewerbe begegnet, das man vielleicht längst versunken und verschollen wähnte, oder wenn man einmal einen Handwerksmeister in einer Werkstatt besuchen kann, in der handwerkliche Tradition und altväterliche Gediegenheit aus jebem Stück Werkzeug sprechen. So etwa werden auch in jedermann die Gedanken sein, der auf einem Spaziergang oder auf einem Weg von Dienstes ober einer Pflicht wegen auf ber Höhe am Hohen-Berg, in ber Nähe bes Attenbergs über Großen-Buseck, auf jene Stelle stößt, an ber seit einer verhältnismäßig kurzen Zeit ein altes Gewerbe ausgeübt wirb, bas man in unserer Heimat zwar noch an manchen Orten vorfinbet, bas aber doch selten geworden ist: die Herstellung von Ziegel st einen im Feldbrand!
An der Formpresse. Die gepreßten Steine werden aus der Form genommen.
Zeiten, da es anhaltend regnete, daß die Steine zu viel Luftfeuchtigkeit und Regenwasser aufnahmen, anstatt sie an die Luft abzugeben. Die Folge war, daß einige Reihen solcher zum Trocknen ausgestellter Formlinge zusammenbrachen, weil sie zu weich geworden waren. Viele hundert Steine gingen zu
heimatlichen Tals vor Augen und über sich unbeschränkt den weiten Himmel, der in den gangenen zwei Wochen oftmals im schönsten merlichen, in dunklem Blau erstrahlte.
Es ist ein stilles Arbeiten auf dieser Höhe, hin und wieder ratterte ein hochbeladener Ernte
wagen über den holprigen Weg, der dicht an der Ziegelei vorbeiführt, hin und wieder klingt ein Gruß vom Bauern, der des Wegs geht, zu den Arbeitern hinüber und die Antwort zurück.
Es ist aber auch eine schwere Arbeit, die Ziegelsteinfabrikation auf die hier gepflegte Art! Alle Arbeit an der Erde ist schwer, gleichgültig, ob es
Unter Hebeldruck wird das Erdreich gepreßt.
Bruch, mußten mühsam zur Seite geräumt werden und alle Arbeit war umsonst geleistet.
Sicherlich mutete manchem, der auf dem Wege an einer solchen Feldziegelei vorüberkam, der hohe sorgfältig aufgeschichtete Haufe von Feldbacksteinen fast geheimnisvoll an. Wo brennt eigentlich das Feuer? Wie werden die Steine gebrannt, wie wird die Hitze gehalten?
Die Technik der Herstellung dieser „Feldback - stein e", wie die eigentliche Bezeichnung lautet, ist schon sehr alt. Der „Meiler" der für das Brennen aus den getrockneten Steinen gebaut wird, ist auf eine sinnvolle Weise von der Länge und der Breite nach geführten Kanälen durchzogen, von Kanälen, die teils mit Kohle gefüllt, zum Teil aber auch für die Luftzuführung geschaffen sind. Außerdem wird jede Schicht der getrockneten Steine mit klein zerschlagener Stückkohle bestreut, so daß also überall zwischen die Steine Kohle zu liegen kommt. Als Feuerungsmaterial dient die Steinkohle.
Einer der Kanäle, fast ganz mit Kohle gefüllt, wird unter Zuhilfenahme von Stroh in Brand gesteckt und — da die Luftkanäle Luft zuführen — beginnen bald überall im Meiler in den Kanälen und in den Zwischenschichten die Kohlen zu brennen. Sie brennen aber nicht mit heller Flamme, sie glimmen vielmehr nur und teilen ihrer Umgebung, den Steinen, alle Wärme, alle Hitze mit. Selbstverständlich soll die hohe Temperatur, die sich im Meiler entwickelt, nicht entweichen, bevor die Arbeit getan ist. Aus diesem Grunde wird der fertig aufgebaute Meiler mit einer dünnen Lehmschicht bedeckt, die die Hitze staut. Es dauert verhältnismäßig lange, bis der Brennprozeß beendet ist und die Steine abgebaut und verwandt werden können.
Nun ist es aber nicht üblich, den Meiler aufzubauen, zu brennen und wieder abzubauen, foiern ständig an einem Platz Feldbacksteine hergestellt werden sollen. Vielmehr wird da, wo es die Platzverhältnisse gestatten, immer wieder an den Meiler angebaut, während in einem Teil des Meilers das Brennen im Gange ist ober gar am anderen Ende schon Steine abgetragen werden. So rückt also der Meiler immer weiter.
Es ist interessant, zu hören, daß Feldbacksteine überall da an Ort und Stelle hergestellt werden können, wo sich das vorhandene Erdreich auch t ur einigermaßen als geeignet erweist. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß nur vorhandener Lehm Voraussetzung sei. Vielmehr können alle möglichen Erden verwandt werden, wenn sie auch nur zu einem Teil Lehm ober Sanb aufweisen. Aus reinem Kies etwa Felbbackfteine machen zu wollen, wirb an sich schon ntemanbem einfallen.
Meister Asbach, unter besten Leitunn aeqenroär-
an ber Reichsautobahn, in ber Melioration ober in ber Baugrube ist. Die feste lehmige und sandige Erde dort oben will abgestochen sein und verlangt festes Zupacken. Sv wie die Erde abgehoben wird, kann sie verwandt werden; es bedarf kaum eines Zusatzes und nur wenn sie zu trocken sein sollte (was gegenwärtig nicht der Fall ist), wird etwas Wasser gesprengt.
Die Herstellung der Steine ist denkbar einfach. Für die Formung stehen zwar Maschinen (zwei an der Zahl) zur Verfügung, zu ihrer Bedienung sind aber jeweils zwei Mann nötig, die dabei erhebliche körperliche Arbeit leisten müssen. Diese Formmaschinen sind von kräftiger gedrungener Konstruktion, deren Kernstück die beiden Steinformen sind. Die beiden Formen entsprechen in Länge und Breite den Abmessungen des fertigen Steines, in der Stärke jedoch etwa dem doppelten des erforderlichen Maßes. Diese Formen sind unten mit kräftigen beweglichen Platten versehen und werden von oben mit einer Deckplatte geschlossen, sobald sie mit dem Erdreich angefüllt sind. Unter starkem Druck über einen langen Hebel werden dann die beweglichen Platten nach oben und gegen das lockere Erdreich gedrückt und auf diese Weise der „Stein" geformt. Jeweils zwei Steine werden gleichzeitig geformt, ausgehoben und zu Reihen auf den Schubkarren gestellt.
Originell ist die Art, wie an den Formmaschinen der eigentliche Preßprozeß vor sich geht. An einer der dort in Betrieb befindlichen Pressen muß sich ein Mann (möglichst schwer) an den Hebelbalken hängen und ihn so weit herabbewegen, daß Hebelbalken und Arbeiter fast waagerecht über der Erde liegen. An der zweiten Formpresse wird der Hebelbalken etwas anders bewegt, und zwar muß dort der Arbeiter eine tiefe Rumpfbeuge machen und dabei den Balken niederdrücken. Das gibt am Tage viele hundert Rumpfbeugen, die eine zusätzliche Gymnastik überflüssig machen.
Mit Hilfe des Schubkarrens, auf dem etwa jeweils bis zu 70 Steine geladen werden (ein Stein — noch feucht — wiegt etroä- 4 kg; 70 Steine also etwa 280 kg) werden die Formlinge bann zum Trocknen ausgestellt und zwar so, daß möglichst viel Luft Zutritt hat und damit der Trockenprozeß überhaupt möglich und außerdem beschleunigt wird. Zum Teil und soweit es möglich ist, werden die feuchten Steine unter luftig gebaute Hüttchen gebracht, ober aber bie ganz im Freien aufgestellten Reihen mit Stroh — geneigt nach ber Wetterseite — abgebeckt.
Nicht immer vollzieht sich bie Trocknung reibungslos. So geschah es vor einigen Wochen, zu
Der fertiggebaute Meiler wird noch einmal überprüft.


