Mittwoch, 4-November 1936
Nr. 259 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Ter Unteroffizier.
Don Hauptmann a.D. Dr. Gerhard Scholh.
Das ganze Volk kennt die militärische Gestalt des Unteroffiziers; der Tressenbesatz am Kragen und — seit dem Weltkriege — auf den Achselklappen ist sein Kennzeichen; es ist aus der Zeit des preußischen Heeresaufbaues vor den Befreiungskriegen hervorgegangen und seitdem ständig geblieben. Diese^ Abzeichen gehört der ganzen Gruppe der Unteroffiziere, dem „Unteroffizierkorps" gemeinsam. Dazu gehören zunächst die verschiedenen Dienstgrade des Unteroffiziers, des Unterfeldwebels (-Wachtmeisters, bei den berittenen Truppen), des Feldwebels (Wachtmeisters), Oberfeldwebels (-Wachtmeisters) — und diejenigen Angehörigen des Unteroffizierkorps, die sich in besonderen Dienstoerwendungen oder Zweiglaufbahnen befinden. Die Offiziere und die Unteroffiziere sind , B e r u f 5 so ld a t e n , d h. sie dienen in der Wehrmacht nach Wahl und Berur, sie gehören der Wehrmacht länger als die Manner an die der allgemeinen Dienstpflicht genügen; die Zeit ihrer jahrelangen Zugehörigkeit zur Wehrmacht ist gesetzlich geregelt. Dabei müssen - rote bei den Offizieren - Unteroffiziere des aktiven Dienstes und des Beurlaubtenstandes (nach der erfolgreichen Zurücklegung der Uebungen) unter.chle- den werden; für die Regel des Friedens sind die Oberfeldwebel (Oberwachtmeister) ausschließlich Angehörige des aktiven Dienstes. Die Dienstgrad-Abzeichen der aktiven Unteroffiziere und deinigen „d.B." (früher Reserve) sind Zleich Im Gegensatz zur gewöhnlichen aktiven Dlenstzelt des Wehrpflichtigen ist der Dienst als Nnteroffizler Dienst i n einer „Laufbahn". DerForstchrltt m dieser erfolgt nach dem Ausmaße der Befähigung und VÄÄÄ 'em Name befaßt, Unte r©ebilfe unb Stütze der OM-re, das Bindeßtied zwischen diesen und der Mannschaft: oder, wenn er sich in einer Sonderlaufbahn befindet, mit jeweils besonderen Sachkenntnissen in der Wehrmacht bedienstet. Die fortdauernde Ausbildunß der Unterosstziere ist Sache ihrer Lorßesetzten, der Offiziere: bis zum Au-ßanß der ,zwölfsährißen Dienstzeit dauer diese Fortbildung ,an. Das ßilt für den Unteroffizier genau so wie Mr jeden Offizier. Man ist nie „fertig und immer Iheitz es: lernen. Das verlangt geistige Frische und — die erste aller Bedingungen zum
Wehr und Waffen.
Italiens neues Heer.
Don Major im Generalstab Schörner.
Aus der weltanschaulich gleichartigen Staatsform Deutschlands und Italiens hat sich eine gewisse gleichgerichtete äußere Politik ergeben. Eine Art Schicksalsgemeinschaft beider Staaten, in denen sich der autoritäre Gedanke siegreich durchgesetzt hat; eine gemeinsame Verteidigungsfront beider Systeme. Unabhängig von dieser erfreulichen Tatsache muß die militärische Lage Italiens nüchtern beurteilt werden, wozu der deutsche Soldat erzogen ist. Für uns Soldaten ist Italien aus anderen Gründen als politischen oder ideologischen aktuell: Italien hat als einzige Militärmacht nach dem Weltkrieg einen Feldzug gewonnen; der Begriff eines „Kolonialkriegs" darf nicht darüber Hinwegtäuschen, daß Aufwand an Material und Menschen in Aethiopien manche Eigenschaften des großen und totalen Kriegs zeigte, der militärisch, wirtschaftlich und politisch die ganze Nation erfaßte.
Auf Grund wertvoller Kriegserfahrungen ist die Armee zur Zeit in Umbildung begriffen, vor allem hinsichtlich Ausrüstung und Bewaffnung. Der überraschend schnelle Sieg ist nur zum Teil ein Sieg der Organisation. Die harte Schule faschistischer Erziehung und der Ideengehalt des Faschismus haben starke Teile des Volkes schon tiefer erfaßt, als ein konservatives Urteil es wahrhaben will. Solche Momente werden künftighin bei Beurteilung des Kriegsinstrumentes eines Landes eine wesentlich andere Rolle spielen als bisher. Diese Tatsachen warnen, den italienischen Soldaten nur nach allgemeiner früherer Anschauung einzuschätzen, das bedeutet die Gefahr einsr Verkennung des heutigen faschistischen Italiens. Jedoch bestehen wertmäßig in Volk und Heer noch st a r k e Unterschiede, die sich auf die einzelnen Heeres- körper übertragen. Diese Momente müssen bei einer Aufzählung der Heeresverbände Italiens berücksichtigt werden.
Das italienische Heer zählt heute 13 Armeekorps; 32 Infanterie-Divisionen (dabei motorisierte Divisionen Trento und Piacenza); 5 Alpini-Dioisionen; 3 schnelle Divisionen und vorerst eine motorisierte mechanische Brigade. Zur Zeit stehen noch sieben „2. Divisionen" (für Ostafrika) und einige Schwarz- Hemden-Dioisionen. Dazu kommt das neuzeitliche Kolonialheer mit Kolonialmiliz. Eine Mobilisierung von acht Millionen Menschen ist durchaus möglich. Zwei Drittel der Armee stehen in Norditalien.
Die Spitzengliederung der Wehrmacht; ist klar und auf den Krieg zugeschnitten; Mussolini — Badoglio — Pariani (als Nachfolger von Bai- strocchi). Dazu u. a. ein Generalkommando für die Kriegsindustrie (wirtschaftliche Mobilisierung am weitesten durchgeführt).
Unter den einzelnen Waffengattungen steht in Italien die Infanterie oben an: entsprechend ihrer erhöhten Bedeutung im neuzeitlichen Krieg. Sie soll aber nicht nur in der Vorschrift mit ehrenden Worten „Königin des Schlachtfeldes" genannt werden, sondern jetzt auch modernste Bewaffnung erhalten. Gefordert wird die Befähigung der Infanterie, aus eigener Kraft die „letzten 300 Meter" am Feind, die sogenannte „blaue Zone", zu überwinden. Bei der kriegsmäßigen Ausbildung zeigen sich auffallend gute Marschleistungen und — Zucht. Die Mannschaft ist sehr anspruchslos und dienstwillig. Alpini rmd Bersaglieri sind die Elite. Die Einstellung des gesamten Heeres auf den G e b i r g s k r i e g ist durchgeführt. Ein Mangel ist: Der durchgebildete Unteroffizier nach deutschem Begriff fehlt; unterschiedlich ist der Bildungsstand der Mannschaft; zu bemerken vor allem bei der feldmäßigen Ausbildung. — Ausgezeichnete junge Offiziere find vorhanden. Beachtenswert ist bei allen Waffen die fortschreitende Motorisierung und Mechanisierung: Bersaglieri Reiter, Regimenter.
Artillerie (schwere Feldartillerie und Luftabwehrartillerie) sind vollständig motorisiert. Nachschub; daneben die typischen Verbände der „schnellen Truppen".
Als weitere Reformen sind zu nennen: Die Um- aestaltung des Programms an den Militärschulen: Mehr Praxis und Feldausbildung. Dazu kommt die Umgestaltung und Verjüngung des G e n e r a l st a b s. Die neue „nationale Doktrin" findet in einer grundlegenden Aenderung der Vorschriften ihren Ausdruck; eine neue den Verhältnissen des Landes angepaßte Kriegsführung ist im Werden. Grundsätzlich wird eine freiere Art der Führung angestrebt, ein beweglicheres Kampfverfahren, ein Äbgehen von der früheren starken Betonung französischer Grundsätze. Im einzelnen erfolgt eine Erziehung zum Bewegungskrieg; stärkere Selbständigkeit der Unterführer; Zusammenwirken der Waffen; auffallende Betonung aller moralischen und kriegsmäßigen Faktoren.
Die Miliz ist bedeutungsvoll für die Pflege des Wehrgedankens und die vormilitärische Iugend- ertüchtigung vom 8. bis 21. Lebensjahr. Sie bringt
eine Entlastung der Armee von zeitraubenden Ausbildungsgebieten. Beachtenswert ist die grundsätzliche militärische Leitung, wozu der Duce neuerdings zahlreiche Offiziere der Armee abkommandierte. Die „S ch w a r z h e m d e n - D i v i s i o n e n" sind eine Aushilfe. — Außerdem bestehen als Berufstruppen Carabinieri und Finanzer. Der König und Faschismus: Re soldato — Re saggio; in diesen beiden Bezeichnungen des Königs, sind Ansehen und Stellung des Königtums gekennzeichnet. Früher bestanden mehr zweckmäßige, in der letzten Zeit jedoch engere Beziehungen.
Das alte Italien ist nicht mehr zu finden: Militarisiert sind jetzt das politische Denken, der junge Italiener überhaupt. Dazu kommt die seelische Mobilmachung, das rückhaltlose Vertrauen zum Duce, der in kurzer Zeit und in konsequenter Arbeit ein Werk geschaffen hat, das seiner Staatsschöpfung und seinen außenpolitischen Zielen die nötige Stütze gibt und uneingeschränkte Anerkennung verdient. Italien ist jetzt ein Machtfaktor, mit dem zu rechnen ist.
Die Massiere von morgen.
Von Oberstleutnant a. O. Benary.
(afp) — Novembernebel wallen über den Feldern von Roßbach. Die französische Armee marschiert auf Tagwerben. Ihre Hörner gellen, ihre Fahnen wehen. Sie wähnen sich schon kampflose Sieger über den verzagten „Marquis de Brandbourg". Da braust es von dem Janushügel herab: Blitzende Kürasse, leuchtende Degen, Schwadron auf Schwadron, Regiment auf Regiment. Brausendes Hurra füllt die Luft, dampfende Pferdeleiber schnellen nach vorwärts. Unmöglich, noch einzuschwenken, unmöglich die Geschütze noch in Stellung zu bringen! Ehe ein Kommando erfolgen kann, sind die Panzerreiter des Großen Königs, die Kürassiere S e y d l i tz s unter den überraschten Franzosen. Kaum daß sie begonnen, ist die Schlacht verloren, ist das französische Heer, ist die deutsche Reichsarmee in alle Winde zerstreut. Jahrhunderte lang war der Panzerreiter der gewichtigste Trumpf in der Hand des Führers, hing an seinem überraschenden, kraftvollen Einsatz die Entscheidung des Tages. Mit Recht konnte ein Rittmeister von Wakenitz sagen: „Ich halte eine Schlacht noch nicht für verloren, in der die Garde du Corps des Königs noch nicht attackiert hat."
Die Technik erst gebot seiner Herrschaft Halt. Den Feuergarben der Maschinengewehre, den Giftschwaden der Gasgranaten war er nicht gewachsen. Wo immer im Weltkrieg Reitergeschwader mit der blanken Waffe in der Hand das Glück der Schlachten zu wenden suchten bei Haelen, bei Lagarde, bei Borsymie, war es vergebens, büßten sie ihr Wagen mit Vernichtung. Die Zeit der Massenattacken war unwiderruflich dahin. Aber mit dem Reiter schwand vom Kampffelde das Element der Bewegung. Der Krieg erstarb in Unterständen und Gräben. Vergebens versuchte der Infanterist, der Artillerist ihn aus den Fesseln des Stellungskampfes zu befreien. Die Wucht des Materials heftete sie immer wieder an den Boden. Doch des Menschen Geist verzagte nicht. Er ließ das Material selber zur Bewegung werden. Er ersetzte das Pferd durch den Motor, er schuf den Panzerreiter der neuen Zeit: den Tank. Stahlplatten schützten seinen Leib, Raupenbänder trugen ihn über jedes Gelände, Maschinengewehre und Geschütze drohten aus seinen Türmen. Der Bann war gebrochen.
Als im Frühnebel des 20. November 1917 das Königlich Britische Tankkorps bei Cambrai gegen die deutschen Linien oorbrach, war dis Siegesgöttin mit ihm, wurden die überraschten deutschen Divisionen in wenigen Augenblicken zerschlagen, wäre bei größerem Führergeschick der
englischen Generale der Durchbruch der deutschen Front gelungen. Genau so war es ein Jahr später am Walde von Villers Cotterets, an der R ö m e r st r a ß e , am Hang der Argon- nen: Der Tank hatte sich an des Reiters Statt zum Herrn des Schlachtfeldes gemacht. Wenn Wagen auf Wagen von künstlichen Nebelschleiern umwallt, feuerspeiend sich gleich Ungeheuern der Vorzeit heranwälzte, kein Drahthindernis, kein Graben sie aufzuhalten vermochte, die Spitzkugeln der Gewehre, die Splitter der Handgranaten ohnmächtig an ihrer Panzerhaut zerschellten, dann war es um die Widerstandskraft, den Widerstandswillen der Infanterie geschehen, dann erlag sie den Neuschöpfungen der Technik, die Feuer und Bewegung zu vereinen verstanden.
Wir Deutschen hatten den Schaden davon. Wir hatten das Gebot der Stunde nicht erkannt. Wir hatten aus mancherlei berechtigten und unberechtigten Erwägungen mit dem Bau von Panzerwagen gezögert. Als endlich ein Anfang gemacht wurde, war es zu spät, war die Entscheidung schon zu Deutschlands Ungunsten gefallen, war der Opfermut der wenigen Versuchstanks, die ins Feuer geschickt wurden, umsonst. Die Feinde aber dachten folgerichtig, wenn sie im Friedensdiktat Deutschland die Tankwaffe verboten. Sie wußten, sie nahmen ihm damit das beste Mittel, eine Entscheidung im Materialkrieg herbeizuführen.
Sie selber aber setzten alles daran, die neue Waffe weiterzuentwickeln. Aus der schwerfälligen Kampfmaschine des Stellungskrieges wurde eine hochwertige Waffe des Bewegungs- k r i e g e s. Nicht mehr kriecht der Kampfwagen mit 10 bis 12 Stundenkilometer über das Brachfeld, mit 30 ja 40 Stundenkilometer braust er daher, unterläuft das feindliche Artilleriefeuer, weiß sich ihm wendig zu entziehen. Gleich geschickt bewegt er sich über Trichterfelder und auf Straßen. Stärker wurden die Panzer. Gegen Infanteriegeschosse, Granatsplitter sind sie längst gefeit, haben nur noch das panzerbrechende Vollgeschoß zu fürchten. Hindernisse kennen sie nicht mehr. Durch Wüstensand kriechen sie, die Hänge des Hochgebirges kriechen sie hinauf. Sumpfboden überwinden sie dank ihres geringeren Bodendruckes besser als Reiter und Fußgänger. Durch Bäche und Flüsse schwimmen sie als Ämphibientanks. Nicht nur Waffen tragen sie, Geschütze und Maschinengewehre, sondern auch Kriegsgerät mannigfaltiger Art: Funkgerät zum SendeN und Empfangen, Pioniergerät zum Bauen und Zerstören, Abblasevorrichtungen für Nebel und
Gas. Ueberdruck im Innern des Wagens macht sie selber gassicher.
Vom Zwerg bis zum Riesen finden wir alle Größen. Da sind zunächst die Einmannliegetanks, die kaum noch Zielfläche bietenden, wandelnden Maschinengewehrnester, alsdann die Einmann- und Zweinmanntanks von 5 bis 7 Tonnen Gewicht, schwach bewehrt, stark gepanzert, aber schnell und wendig, die Organe der Aufklärung und Sicherung. Es folgen die leichten Kampfwagen von 5 bis 7 Tonnen, noch immer genügend beweglich, aber doch schon solider gepanzert und mit einem Maschinengewehr oder mit zwei Maschinengewehren bestückt, die Kürassiere von morgen, die mittleren Kampfwagen, wuchtig und mächtig mit ihren 10 bis 15 Tonnen mit einem Geschütz, 4 bis 5 Maschinengewehren in drehbaren Panzertürmen, die Bah n- brecher der Infanterie und am Schluß die schweren Kampfwagen, die wandelnden Festungen von 20 bis 50 Tonnen mit drei Geschützen von 7,5 bis 15 cm Kaliber mit zwölf Maschinengewehren und 6 Reservernaschinengewehren.
Freilich auch die Panzerabwehr hat in der Nachkriegszeit Fortschritte gemacht. War es schon 1918 für nervenstarke Geschützbedienungen und wagemutige Handgranatenwerfer nicht aussichtslos, den Kampf mit dem Tank aufzunehmen, so sind auch heute in der Tat (Tankabwehrkanone) mit ihren stahlbrechenden Panzerkopfgranaten und in der Tankmine höchst wirksame Abwehrwaffen geschaffen, wird eine Überraschung und Ueberrum- pelung der mit der Kampfweise der Panzerwagen vertrauten Infanterie nicht mehr so leicht möglich sein, ist der uralte Kampf zwischen Geschoß und Panzer aufs neue entbrannt und wird nicht so bald entschieden werden.
17 Jahre stand Deutschland dieser Entwicklung ohnmächtig gegenüber. Der Wille des Führers gab ihm die Handlungsfreiheit wieder. Auf den Vorführungen der Wehrmacht am Parteitag in Nürnberg 1935 haben wir die ersten Tanks, oder wie man sie jetzt gut deutsch nennt, die e r st e n Panzerwagen des Heeres gesehen. Sie bilden einen Teil der Kraftfahrkampftruppe, die außer ihnen noch Kraftfahrverbände, Panzerspähwagen und mo- torisierie Panzerabwehrabteilungen umfaßt. Die deutsche Panzertruppe ist eine junge Waffe. Sie wird noch viel zu lernen, noch manche Kinderkrankheit zu überwinden haben. Auch in den Nachbarländern, die über eine weit größere Erfahrung verfügen, sind noch lange nicht die Ansichten über den Aufbau und den Einsatz der Panzerwaffe geklärt. Mögen aber Fragen des Materials und der Kampfform noch umstritten sein, eins steht fest: der G e i st, der die Besatzung der Panzerwagen beseht, muß der gleiche sein, der i n den Kürassieren des Großen Königs lebte, der Geist des rücksichtslosen Einsatzes von Person und Mat-rial, wenn die taktischen Voraussetzungen für ein Gelingen des Angriffes gegeben sind,'wenn es die Lage der Schwesterwaffen erfordert. Die deutsche Panzertryppe trägt als Gefechtskleid die Farbe des Todes, den schwarzen Anzug und die schwarze Baskenmütze über der Sturzkappe. Sie trägt auf den Kragenpatten den Totenkopf, das Zeichen der Selbstaufopferung für das Ganze. Wir sind gewiß, daß jene Sinnbilder, wenn es sein muß, Wirklichkeit werden, daß für die Panzertruppe heute und morgen die alte Reiterparole gilt: „Drauf und durch!"
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soldatischen Dienst — Gesundheit; Gesundheit bedeutet aber bei der Wehrmacht nicht nur das Nichtzutagetreten einer Krankheit, sondern einen an große Anstregungen gewöhnten, gestählten und bis zuletzt den Anforderungen des kriegsmäßigen Dienstes gewachsenen Körper. Wer dieser Anforderung nicht genügen kann, der taugt nicht für diese Laufbahn. Der Unteroffizier ist Mittler zwischen der Führung und der Mannschaft; er ist der Kamerad und der Erzieher des jungen Soldaten.
Der Beruf des Unteroffiziers ist nicht bequem; seine Ehre hängt daran, daß er recht unbequem ist. Ohne die Unermüdlichkeit, Unverdrossenheit und ohne die dauernd festgehaltene Bejahung des soldatischen Dienstes mit allen Beschwerden und mit aller Ehre verdiente der Unteroffizier nicht die Achtungserweisung des Mannes der ihm gehorchen muß. Der Unteroffizier, der — wie jeder Vorgesetzte — Strenge mit Gerechtigkeit und Fürsorge verbinden soll, muß selber ein Muster im unbedingten Gehorsam und tadelloser, unerschütterlicher militärischer Haltung sein: dann erst darf er dasselbe von der Mannschaft verlangen. Unteroffizierdienst und Erzieher sein sind dasselbe; immer ist nach dem eigenen Ausweise des Führers gefragt. Ob einer von einer schönen Dienstzeit spricht, die in des Mannes Brust fortwirkt, oder ob man jene eine schlimme Weile nennt, das ist, einen guten und dienstwilligen Charakter des militärischen Zöglings vorausgesetzt, oft vom Unteroffizier mitbedingt gewesen. Daran sieht man die große politische Bedeutung, die ihm zufällt. Mit Verständnis und Geduld, mit überlegenem Können und Wissen, mit Vorbild und Strenge, mit unaufhörlicher Fürsorge ist er Führer und Kamerad. Wer dem nicht genügt, schädigt das Ganze. Unteroffizierdienst — ist Dienst am Dritten Reich, oder er ist verfehlt. Der Unteroffizier ist der nächste Erzieher der Mannschaft, Blut von ihrem Blute; er darf die eigene Zeit in den Reihen der Mannschaft mit allen Lehren, guten Vorbildern und Fehlern, niemals vergessen. Die D i e n st f r e u d i g k e i t, ohne die alles verfehlt ist, hängt am Unteroffizier. Er muß ihr erster Träger sein. Darum ist der Dienst eine durch alle Wechselfälle der Jahre hindurch stolz bejahte Wahlentscheidung, Pflicht zwar und Ehre, und doch mehr, schön im Vergleiche zu allen anderen.
Aus der Unteroffizierlaufbahn können folgende Zweiglaufbahnen eingeschlagen werden: Heeresbeamten- (Einheits-) Laufbahn (nach Ab
schlußprüfung Zahlmeister-Anwärter), Truppensattlermeister, Bekleidungsunteroffizier, Festungsbaufeldwebel, Feuerwerker (Waffen und Gerät und Munition), Funk- und Brieftaubenmeister, Geräteunteroffiziere (Gerätfeldwebel), Hufbeschlagpersonal (Oberbeschlagmeister, Hufbeschlaglehrmeister mit Vollendung des 12. Dienstjahres), Musiker (Musikerfeldwebel, Trompeten-Wachtmeister, Korpsführer, Vertreter des Musikmeisters), Musikmeister (nach mindestens vierjähriger Dienstzeit als Musiker bei der Truppe; über die 12jährige Dienstzeit hinaus dienend), Rechnungsführer, Sanitätspersonal (bis zum Sanitätsoberfeldwebel), Schirrmeister (bis zum Oberschirrmeister), Waffenmeisterpersonal Waffenoberfeldwebel bis zur Waffenmeister-Laufbahn), Wallmeister (bis zum Oberwallmeister). Das sind siebzehn verschiedene, sämtlich aus der Unteroffizierlaufbahn abzweigende Sonderlaufbahnen; in ihnen widerspiegelt sich die ganze Vielfalt des Dienstes in der Wehrmacht.
Der einzelnen besonderen Begabung und beruflichen Vorbildung sind damit viele Wege eröffnet. Ein Teil dieser Sonderlaufbahnen geht in die B e - amtenlaufbahn über. Nur fürsorglich sei darauf aufmerksam gemacht, daß hier wie sonst im beruflichen Leben der Ausweis überdurchschnittlicher Leistungen und — Glück, wie es der Soldat im Frieden und im Kriege braucht, Bedingungen zum Erfolq sind; seine Grundlage ist die Begabung und die Fortbildung des einzelnen. Ehrgeiz — im edlen Wortsinne — gehört zum rechten Unteroffizierdienst. Für die Regel dauert die („gewöhnliche") Unteroffizierlaufbahn zwölf Jahre; der Dienst wird „lebenslänglich" — stets vorbehaltlich der vollen Diensttauglichkeit — wenn die Beamtenlaufbahn aus der Unteroffizierlaufbahn erstrebt und erreicht worden ist.
Neben dem Umgang mit Menschen, jungen deutschen Männern, ist der Dienst Umgang mit kostbarem Material, das Staatseigentum ist; darum ist der Unteroffizierdienst immer verantwortungsvoll. Im Gefecht fallen auf den neuzeitigen Unteroffizier heute Aufgaben, die früher Offizieren übertragen gewesen sind; der Unteroffizier bringt mehrere Waffen an den Gegner heran. Der Einsatz ist schwieriger geworden. Ganze Männer sind verlangt. Bevor der Mann in der Front auf den Offizier sieht — und oft kann er ihn nicht sehen! — blickt er auf „seinen" und „den" Unteroffizier. Er ist der nächste Führer am Platze. Das bedeutet eine hohe Verpflichtung für den Unteroffizier; es ist auch der
schönste männliche Stolz, eine kleine Gefolgschaft von Männern zu haben, die getreu, mutig, kampfgeschult, zuverlässig und stark sind.
Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwiffenschasten.
Die unter dem Ehrenpräsidium des Reichsstatthalters General d. Inf. Ritter von Epp stehende Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften hat es sich zur Aufgabe gemacht, wehrpolitisches Verständnis in allen Kreisen unseres Volkes zu verbreiten. Don dem Gedanken durchdrungen, daß heutzutage die Landesverteidigung nicht mehr allein eine militärische Angelegenheit, sondern eine Angelegenheit des ganzen Volkes ist, vertritt sie die Auffassung, daß jeder an. leitender Stelle stehende Volksgenosse über die großen tragenden Probleme der Landesverteidigung unterrichtet sein muß, wenn er sich in der Stunde der Gefahr als nützliches Glied in sie einspannen will. Neben der Unterrichtung ihrer Mitglieder strebt die Gesellschaft an, die wichtig st en Wehrfragen au f a II e n Gebieten durch gemeinsame Arbeit ständig zu vertiefen.
Diesen Aufgaben entspricht Me Arbeitsform der Gesellschaft, die sich seit drei Jahren wie folg;- gestaltet: Es finden Allgemeine Vorträge über wehrpolitische und wehrwissenschaftliche Fragen statt. In einer größeren Reihe von A r b e, t s- geme in schäften werden an regelmäßigen Ausspracheabenden kürzere Vorträge mit anschließender Aussprache gehalten. Im laufenden Arbeitsjahr werden hierbei folgende Gebiete behandelt: Kriegsgeschichte, Kriegsphilosophie, Wehrpsychologie, Wehrtechnik, Wehrwirtschaft, Luftschutz, Gasschutz, Marinefragen, Wehrpublizistik, Wehrverkehrsfragen, Bevölkerungsentwicklung und Wehrkraft. Mit besonderem Interesse verfolgt die Gesellschaft die Entwicklung der noch im Fluß befindlichen Frage über die künftige Behandlung der Wehrwiffenschasten bzw. der Wehrpolitik auf den Hochschulen. Vielfach sind bereits besondere Seminare oder Kurse bei den entsprechenden Zweigen der einschlägigen Fakultäten eingerichtet worden. Auch auf den Mittelschulen und, in mehr elementarer Form, auf den Volksschulen wird dem wehr- kundlichen Unterricht erhöhte Bedeutung beigemessen.


