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Nr. 3 Zweites Blatt

Siebener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Gberheffen)

§amstag.4. Zanuar 1936

das

in seiner

schung in Forschung,

belastete Forschung ins Leben gerufen worden, und darin hätte ohne Zweifel die Gefahr der weltabge­wandten, in sich gekehrten geistigenInzucht" liegen können, aber sie wurde vermieden durch die gei­stige Aufgeschlossenheit Harnacks und die Führung der Gesellschaft durch seinen Nachfolger, den Phy­siker Max Planck, der sie 1930 übernahm und, von großer Liebe zum deutschen Volk und seinem

der Weltgeschichte.Vorurteilslose"'

jeden Nebenzweck

a n s i ch" erforscht, ganz gleich, ob es sich um die Bahnen der Sterne oder die 750 000 heute bereits beschriebenen Jnsektenarten handelt, gab es in der athenischen Glanzepoche zur Zeit von Platon und Aristoteles. Und dann wurde sie feit der Renaissance für viele Forscher wieder zum Ideal. Aber immer wieder trat eine Wende zu wirklichkeitsnaher, zu praktischen Zielen führender Forschung ein. In China stand die schon sehr früh einsetzende Forschung im Dienste einer hochstehenden ethischen Kultur, die Mandarinen waren die Hüter, Verbreiter und Förderer der For­schung. In Indien und im Islam stand die For­schung, von kurzen Ausnahmen abgesehen ebenso wie im mittelalterlichen Abendland im Dienst der religiösen Lebensformen. Und da­

heißt Forschung die ohne nur die Wahrheit

Wenn man vonForschung" spricht, so steht vor den Augen vieler das Bild eines Reiches der Wissenschaft, unzugänglich demgewöhnlichen Sterblichen", tausendfach verbarrikadiert gegen die, die weder Griechisch, noch Formeln her höheren Mathematik verstehen. Ein Reich, beherrscht von einer Schar lebens- und weltfremder Gelehrter, die in einerGehcimsprache" unter sich vrekehren, aber niemandem klar zu machen vermögen, was sie eigentlich tun und warum sie es tun.

Dieses Bild ist einseitig, wenn es auch Epochen in der menschlichen Geistesgeschichte gab, die zum min­desten das Mißverständnis leicht veranlassen konn­ten. Blicken wir kurz auf die Bedeutung der For-

d e la Sein e", weil ihr Lächeln so viel von dem großen Mysterium, das uns alle erwartet, zu ent­hüllen scheint. Sogar in ein Buch, das sich schön und vielsagendDas ewige Antlitz" nennt, ist sie eingegangen, und immer wieder ertappt man sich dabei, den verklärten Zügen des namenlosen Mäd­chens mehr Weisheit beizumessen als dem strengen Ernst aller übrigen Totenmasken, die da vereinigt sind. Nun aber kommt einer der Superklugen und behauptet, den Nachweis führen zu können, daß die ganze Geschichte von dem Liebestode der Inconnue de la Seine" erfunden und nichts als Unsinn sei: eine Ertrunkene könne gar nicht so lächeln, auch müßten die Haare dann anders an­liegen usw. Die Sache erkläre sich doch viel ein­facher und natürlicher. Irgendeiner der vielen un­begabten Bildhauer in Paris sei von der Schönheit seiner Geliebten so bezaubert gewesen, daß sie auf jein Drängen eingewilligt und sich der Qual des Abformens ihrer Gesichtsmaske unterzogen habe. So fei es dann auch geschehen, das berühmte Lä­cheln sei das ganz alltägliche der Gewährung, und erst bei den romantisch veranlagten Deutschen, die nichts aufgreifen können, ohne es zu sentimentali- sieren", habe das schlau ersonnene Märchen von dem Todessprung in die Seine Glauben und Ver­breitung gefunden. Damit wären wir also um eine schöne Illusion ärmer, und es könnte geschehen, daß sich das Lächeln, das uns so entzückte, fast in ein hämisches Auslachen verwandelte. Aber trösten wir uns mit Goethe, der einmal meint, daß ein fruchtbarer Irrtum besser sei als eine unfruchtbare Wahrheit. Denn schließlich gibt es ja Legenden, die so viel innere Ueberzeugungskraft haben, daß fein angeblicherBeweis" ihrer Unglaubwürdigkeit im­stande ist, sie zu entwerten. Zu ihnen gehört sicher auch die von derInconnue de la Seine".

Lebensnahe deutscher Wissenschaft

Zum 25. Jubiläum her Kaiser Wilhelm-Gesellschast.

Von Dr. Hans Hartmann.

Daß eine 22jährige Frau, wiewohl unverheiratet und durch entschlossenes Aussehen und Auftreten etwas aus der Rolle fallend, plötzlich die Entdeckung macht, daß sie eigentlich ein Mann ist, gehört immerhin zu denjenigen Fällen, die selbst in unserer Zeit der unbegrenzten Möglichkeiten nicht alle Tage vorkommen. Die Tatsache ist jedoch ver­bürgt, und Fräulein Zdena Koubkova in Prag, Olympiasiegerin und Weltrekord läuse- r i n in vierzehn Schlachten, empfängt bereits aus allen Ländern Berichterstatter, denen sie ohne falsche Scham erzählt, daß sie sich demnächst einer kleinen ärztlichen Operation unterziehen werde, um nach glücklich vollzogener Geschlechtsumstellung ihre jportliche Laufbahn mit um so größerem Erfolg fortzusetzen. Fräulein Koubkova sieht dem interessan­ten Ereignis mit männlichem Mut entgegen, und neuerungssüchtig, wie Frauen nun einmal sind, freut

wird vorstellen dürfen. Selbst die vorauszusehenden Schwierigkeiten seelischer Art, die mit dem Ablegen der weiblichen Eigenschaften verbunden sein werden, jagen ihr keinerlei Angst ein; sie hofft sie männlich überwinden zu können. Unangenehm ist natürlich der augenblickliche Zwischenzustand, der die merk­würdige Dame, die vielleicht schon morgen ein Herr fein wird, im Zweifel läßt, wohin sie denn nun eigentlich gehört, zumal die Prager Standes­ämter, die feit Libussas Zeiten nur zwischen männlichen und weiblichen Personen unterscheiden, nicht weitherzig genug sind, noch jene dritte Kate­gorie anzuerkennen, die allein der Eigenart des Falles gerecht werden könnte. Uebrigens wird der Weltrekord im 800-Meter-Lauf nach der Hmschich- hing nicht mehr anerkannt werden. Das ist die eine Sorge Fräulein Koubkovas. Aber sie hat noch eine zweite: was soll denn aus all den schö­nen Kleidern werden, die sie doch nicht gut weiter­tragen kann? Wirklich eine reichlich verwickelte An­gelegenheit! Man kann nicht dankbar genug dafür fein, daß man im allgemeinen das bleibt, als was man geboren ist.

*

Unter allen plastischen Bildwerken ist in Deutsch­land wohl keins populärer geworden, hat so leicht den Weg in die Herzen des Volkes gefunden wie das rührende Köpfchen jener kleinen Pariser Mi- dinette, deren geheimnisvolles Lächeln ein Lä­cheln hinter Schleiern! Anlaß zu den gern ge­glaubten Gerüchten gegeben hat, die Kleine habe aus Liebeskummer ihrem sinnlos gewordenen Leben freiwillig in den Fluten der Seine ein Ende berei­tet, und ihr wissendes Gesicht sei dann am nächsten Morgen im Leichenschauhaus von einem franzö­sischen Bildhauer (natürlich demselben, dem ihre unerwiderte Liebe galt) abgeformt worden. Je­dermann kennt sie und liebt sie, dieseInconnue

Randglossen zurNeineaZeitgeschichie Von Ernst v. Aiebelschüh.

Wenn man von irgendeiner Kunstrichtung der Gegenwart hätte vermuten dürfen, daß sie ihrem Dogma treu bleiben würde, so war es der mit o viel Lärme um nichts in die Welt gesetzte italie­nische Futurismus, dem bei seiner Geburt tm Jahre 1907 die Ausgabe zuteil wurde, mit der landläufigen Optik normalgebauter Menschen radi­kal aufzuraumen und auf dem Scheiterhaufen einer nichtsnutzigen Vergangenheit das Leuchtfeuer einer besseren Zukunft zu entzünden. Allein, auch der Futurismus scheint jetzt seiner einst so geräusch­voll verkündigten Ideale müde geworden zu sein und segnet heute, was er noch gestern verflucht hat. Seine Parole, ausgegeben von feinem Begründer und eifrigsten Propheten, dem jetzt 60jährigen M a- r i n e 11 i, lautet nunmehr ganz schlicht und einfach- Z u r ü ck z u r N a t u r !" Der Ruf ist ja nicht neu, aber in Marinellis Munde bedeutet er nichts an­deres als einen Widerruf: Hier stehe ich, ich kann auch anders! Man versuche sich vorzustellen: Derselbe Marinetti, der in seinem überspannten Aktivismus einmal die Einäscherung der Museen als der Brutstätten der Reaktion verlangte, derselbe Mann, der damals ernstlich an die Möglichkeit glaubte, mit seinendynamischen Hieroglyphen" je­der naturgebundenen Kunst das Lebenslicht aus­blasen zu können, und der in seinen Manifesten geradezu die Barbarisierung Italiens und der Welt als das Ziel seiner Bewegung hinzustellen nicht müde wurde derselbe Marinetti hat unlängst eine naturistisch-futuristische Vereinigung" gegründet, deren Programm die Künstler freundlich ermuntert, wieder an den so lange verschmähten Brüsten der Natur zu saugen. Marinetti, ein wahrer Proteus der Verwandlungskunst, aber sicher einer der le­bengläubigsten Menschen des faschistischen Italiens hat sich offenbar davon überzeugt, daß eine Kunst, die in blutleeren Verkrampfungen steckenbleibt und die natürlichsten Bedürfnisse des schauenden Men­schen unberücksichtigt läßt, nicht das geeignete Mit­tel ist, die Vitalität der Massen zu befeuern und Propaganda für den italienischen Imperialismus zu machen. Also zurück zur Natur und zu einer Kunst, die nicht mehr abgerissene und kaleidoskopartig zu­sammengewirbelte Fetzen der Erscheinungswelt dem Auge vorgaukeln, sondern der allgemeinen Wendung zur Sachlichkeit weit entgegenkommen wird. Schon jetzt sieht man in futuristischen Ausstellungen wieder Bilder mit stillenden Müttern und rotbäckigen Kin­dern, reifen Früchten, weidenden Schafen, Bauern bei der Arbeit, und was dergleichenRückfälle in die Ideologie des bürgerlichen Zeitalters" mehr find. Ob und wieweit ein solches Bekenntnis zur Statik mit dem von den Futuristen einst so heftig gefor­dertenDynamismus" vereinbar ist, wird die wei­tere Entwicklung Marinettis lehren, von der man nach den bisherigen Erfahrungen alles erwarten kann, sogar die Rückkehr in den raffaelischen Hafen.

hange mit der politischen Wende und dem Neuauf­bau in vielen Kulturvölkern, daß die Forscher zum Teil leidenschaftlich nach praktischen, volkspoli­tisch wichtigen Aufgaben suchen und den direkten Kampf gegen die Not der Völker und das Elend der Menschen aufnehmen. So breitet sich ein Netz von Forschungen auf verschiedenen Gebieten über die ganze Erde aus, und auch viele der 33 Kaiser-Wilhelm-Jnstitute, denen diese Betrachtung gilt, sind eingespannt in eine Fülle von Forschungsarbeiten, die in gleicher Richtung laufen, und in denen sich der Grundsatz des vorneh­men Wettbewerbs durchaus bewährt. Ein wissen­schaftlicher Denker, Professor Adolf Meyer, schreibt in dem sehr lesenswerten zweibändigen WerkForschungsinstitute", das über hundert For- schungsstätten schildert (darunter auch die Kaiser- Wilhelm-Jnstitute), daß heute so umfassende prak­tische Aufgaben für die Forschung vorliegen, daß man nur wünschen könne, ein großes Geschlecht werde sich ihrer wert erweisen.

Dieser Wunsch ist in der Kaiser-Wilhelm-Gesell­schaft schon weitgehend erfüllt. Zwar ist sie im Jahre 1910 auf Grund einer Denkschrift des Theo­logen Adolf von Harnack und des preußischen Kultusministeriums mit großzügiger Hilfe der deut­schen Industrie und anderer interessierter Kreise für diefrei e", das heißt nicht durch Lehrbetrieb

durch wurde sie oft in falsche Bahnen gelenkt, wenn auch erlesene Geister, wie z. B. der Deutsche Albert von Ballstädt, der die Kristallisation des wu yi.uDti0«..*

_ __ Schnees entdeckte, schon tief in die Natur hinein- großartigen Lebenskämpfe erfüllt, taufend Fäden

Won'äuY Öen Sag, än'bem fis fid)' Der (tau-1 (aljen. ... einer umfaffenben v°lk-p-litl,ch-n Arbeit i- s--

nenden Welt als H e r r Z d e n e k K o u b k o v" > Heute nun finden wir, m innerem Zusammen- Hand halt.

. nur ein Komödiant."

Gloria-Palast.

Dieser Film bedeutet uns zunächst: Wiederbe­gegnung mit Rudolf Forster nach geraumer Zeit. Seit derHohen Schule" haben wir ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen. Jetzt spielt er wieder, rote damals, eine Doppelrolle und beherrscht, wieder wie damals, schon durch deren äußere Spannweite darstellerisch den Eindruck entscheidend. Aber das Stück, die Fabel ist diesmal ganz anders: em Ko­stümstück, eine Geschichte aus dem Rokoko; was sich da unter dem sentimentalen und nicht sehr geschick­ten Titel auftut, mutet zuerst fast wie ein Kultur- Film an ... in einem besonderen Sinne allerdings (heute verbinden wir gemeinhin mit dem Begriff eine andere Vorstellung). Die eigentliche Handlung setzt zögernd, mehr ausmalend als dramatisch ein. Der Film versucht, nicht ohne Glück, wenn auch natürlich-nur in Andeutungen, das kann kaum an­ders fein, ein Kultur-Bild der Zeit zu umreißen, jenes zugleich schönen und schrecklichen Jahrhun­derts, das stürmisch über Höhen und Tiefen führt, ein Bild aus der Zeit der wandernden Komödian­ten, die den Namen Shakespeare durch Deutschland trugen, die eine neue Epoche des deutschen Theaters heraufzuführen anfingen und dennoch oft genug noch als unfrei, eben geduldet, verdächtig und ver­ächtlich galten; ein Bild auch der Kleinstaaterei, der D'uodezhöfe und Miniaturfürsten die zwar Kultur­träger waren, aber nicht jehen auf Kosten des Volkes, das unter hohen Abgaben seufzte, von Werbern ausgehoben, vom Landesherrn als Ka­nonenfutter in fremde Dienste verkauft wurde. So malt sich etwa der Hintergrund, das Zeitkolorit der Fabel; und merkwürdig genug, es gibt ein paar Szenen darin, aus denen uns die Luft des bürger­lichen TrauerspielsLuise Millerin" entgegenweht. (Man kann das wohl sagen, ohne dem Andenken und der Würde Schillers zu nahe zu treten.) Was nun Fvrster an der beherrschenden Rolle in die­sem Film gereizt hat, mag, bei aller grundsätzlichen Verschiedenheit, die wir anbeuten, das gleiche ge­wesen sein wie seinerzeit in derHohen Schule": das Doppelspiel, das übrigens nicht im persönlich Darstellerischen stecken bleibt, sondern charakteristisch ist für die Verflechtung von Illusion und realem Leben, von Theater und blutiger Wirklichkeit, ... das Spiel mit Maske und Verwandlung, das Ko­mödiantische mit einem Wort, und es ist sehr an­ziehend zu sehen, wie dieser noble, aber von jeher herbe und spröde Schauspieler sich solcher Verfüh­

rung unterwirft: wie er zum Zweikampf auf einer Hamlet"-Probe auslegt und die berauschende Be­stätigung seiner Schauspielkunst dadurch empfängt, daß ein junges, alsbald in ihn verliebtes Fräulein das spielerische Fechten für grimmigen Ernst nimmt, ... wie er dann, in einer ganz romantischen Szene in offener Landschaft ihr Shakespeare-Verse vorspricht, daß sie ihm sogleich vollends verfallen ist. Forster spielt denPrinzipal" einer wan­dernden Schauspielertruppe, und alles, was sich an Handlung nun immer schneller, gedrängter, zuge­spitzter und dramatischer entwickelt, ist aufgebaut auf der verblüffenden äußeren Aehnlichkeit zwischen dem Schauspieler und dem Herzog Karl Theodor, an dessen Hof er wenig später eine Vorstellung gibt, und an dessen Hof er das schnell von der begün­stigten Hofdame zur Herzogin aufgeftiegene Fräu­lein wiederfindet. Den Herzog aber spielt wiederum Forster selbst als einen eleganten Kavalier etwa in der Maske Ludwigs XIV., einen oberfläch­lichen, genußsüchtigen, weichen und schon dekadenten Souverän, der bald mehr das Werkzeug seines skrupellosen Staatsministers geworden ist, als er selber ahnt. Erstaunlich nun Forster neben Forster, ja sich selbst gegenüber zu sehen: zwei höchst ver- schiedene Gestalten, äußerlich zum Verwechseln ähn­lich, im Innern aber, in Haltung, Bewegung und Tonfall scharf voneinander abgefetzt bis zu dem Augenblick, wo, während eines Kostümfestes, der Komödiant so völlig in Maske und Gestalt des Herzogs übergeht und sich verwandelt, daß beide nur noch aus dem Ablauf der sich überstürzenden Handlung voneinander zu trennen sind. Denn die Verwandlung geschieht nicht nur spielerisch, sondern im äußersten Ernst, der Schauspieler spielt im ent­scheidenden Augenblick den Fürsten so täuschend, daß jedermann geblendet den Herzog zu erblicken und handeln zu sehen glaubt. Und während der Schau­spieler sich mit Staatsrock und Maske verwandelt und damit zugleich auch sich opfert für das arme, verkaufte und schon den Gewehren der herzoglichen Soldaten preisgegebene Volk, vollzieht sich an­gesichts dieses Opfertodes im Fürsten eine innere Wandlung, die man immerhin fo lange glaubwür­dig finden wird, als die sich spaltende und verdop­pelnde schauspielerische Intensität Forsters die Szene beherrscht und mit unheimlichem Leben er­füllt. Paul Wegener erscheint in der Besetzungs­ankündigung nicht einmal an zweiter Stelle, son­dern ist' mit allerlei andern genannt, und in der ersten Hälfte des Films hat es in der Tat erstaun­licherweise den Anschein, als ob er eine mehr oder minder unverbindliche Episode zu spielen habe; doch erweist sich hernach, daß er nicht die höfische Schach-

brettfigur gibt, die er erst zu sein schien, sondern daß diese Rolle es in sich hat, zwar spät, aber dann mit Wucht sich entfaltet: er gibt den Staatsminister in der Maske eins glatten, geschmeidigen und ele­ganten Diplomaten, unter der sich allmählich ein gefährlicher, mit kalter Berechnung' denkender und mit brutaler Grausamkeit handelnder Gewaltmensch entpuppt; eine mephistophelische, stellenweise scheuß­liche Rolle hervorragend gespielt. Forsters Gegenspielerin: damals die Salloker, heute Christi Mardayn, die wir eben noch alsRößl"-Wir- tin sahen, und die sich von ihrer salzburgisch-reso- luten Derbheit hier zu einem feinen, zarten, im guten Sinne empfindsamen Wesen gewandelt hat, dem die weiße Perücke der Rokokodamen lieblich zu Gesicht steht. Moser, der schon in derHohen Schule" neben Forster spielte, macht hier einen lustigen Komödianten in der Art der Shakespeare- Narren und gibt in einem Atem und in einer Per­son vor Wirtshausgästen den dicken Falstaff und Romeo und Julia in der Balkonszene zum Besten. Von den andern nennen wir noch Hilde v. Stolz (nicht viel zu spielen und etwas blaß), Grit Haid, Paul v. Hernried und Rudolf Carl. (Syn­dikat-Film.)

In der Bühnenschau unterhält und erheitert W i l b a, derKönig der Würfelspieler", das Publi­kum mit allerlei Hokuspokus und verblüffenden Zauberkunststücken.r

Zeitschriften

Im vorigen Jahre rüstete eine österreichische Alpenvereins-Expedition zu einer Bergfahrt im Kau­kasus. Heber diese Expedition veröffentlicht die I 11 u ft r i r t e Zeitung" (I. I. Weber, Leip­zig) in der neuesten Nummer einen interessanten Bildbericht. Eine doppelseitige BildertafelDie Ja­panerin kauft ein", gewährt einen Einblick in das moderne Japan. Anläßlich der 25-Jahrfeier der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften bietet ein ausführlicher Beitrag einen Heberblick über Entstehung, Entwicklung und Gegen­wartsleistung dieser größten und vielseitigen For- schungsgesellschaft der Welt. Jntexessant ist es ferner, die Illustrationen des modernen Tagesge­schehens mit der Bilderchronik zu vergleichen, wie sie dieJllustrirte Zeitung" vor 50 Jahren ver­öffentlichte. Diese Gegenüberstellung ist aufschluß­reich für die Entwicklung der gesamten Kultur- und Geisteswelt und zeigt, wie weit sich das Heute vom Gestern entfernt hat.

Setzen wir das Wesentliche voran: in den Kaiser» Wilhelm-Instituten sind die wichtig st en Grundlagen für unsere deutsche Ge­sundheitsgesetzgebung erarbeitet worden, und es wird dort an ihrer Ausgestaltung und Der» tiefung rastlos weitergearbeitet. Das Institut für Biologie in Berlin hat unter der Führung seines ersten Direktors dorrens die Erbregeln (die sog. Mendelschen Erbgesetze) wiederentdeckt und allseitig verfolgt. Im Züchtungsinstitut Müncheberg (Mark) hat man bann die prak­tischen Folgerungen gezogen und auf fast allen Gebieten der LandwirtschaftGetreide, Kar­toffel, Obst, Wein, Gemüse und Futtermittel züchte­risch bahnbrechend gewirkt. Das Glanzstück war bisher die süße Lupine, die eine große Zukunft hat, besonders wenn sie noch dahin vervollkommnet wird, daß sie es handelt sich um eine erbsen­artige Frucht nicht zu früh ausbricht und eine weiche Schale erhält. Dann, so läßt sich errechnen, kann ein Viertel der jetzt noch recht großen deut­schen Futtermitteleinfuhr erspart werden. Ist das nicht volkspolitische Arbeit großen Stiles?

In dem Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik haben die For- scher Eugen Fischer und von Verschuer die Anwendung der Erbgesetze auf den Menschen näher erforscht, und zwar sowohl an Rassenkreuzungen wie an Zwillingen (und natürlich auch an Tierversuchen). Ebenso arbeitet das Institut maßgebend mit an der Deutschen Rassenkunde" (in 14 Bänden), die zum erstenmal genau den rassischen Bestand des deutschen- Volkes ersaßt.

Ein besonderes Ruhmesblatt der Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft ist der Ausbau der Zwillings- f o r f d) u n g. Durch Vergleichung von ein- und zweieiigen Zwillingen hatte man ein großartiges Mittel, das Vorhandensein von Erbanlagen und den Umfang von Umwelteinflüssen für das Erschei­nungsbild eines Menschen nachzuweifen. Mehr als 4000 Zwillinge aus Berliner Schulen wurden systematisch untersucht, ebenso wurden Zwillinge aus Entbindungsanstalten von der Geburt an un­ter wissenschaftlicher Aufsicht gehalten, und unter ständiger Nachprüfung der Richtigkeit der Metho­den, unter Einbeziehung der Blutgruppenmethode, ergaben sich Resultate, die man direkt für die Ge­staltung der deutschen Erbgesetze anwenden konnte. Erblich absolut sicher sind bedingt: der Verlauf des Wachstums, die Proportionen von Rumpf und Gliedern, Schädelmaße, Unregelmäßigkeiten in der Körperbildung und anderes mehr. Auf dem Ge­biet derinneren" Tätigkeiten: die Abgabe des Magensaftes, der Grundumsatz (Wärme- usw. -Haushalt des Körpers), die Lungenkapazität, ge­wisse Erscheinungen bet der Atmung, das Blutbild, kindliche Entwicklungsvorgänge, Eintritt gewisser Pubertätserscheinungen, der Ablauf gewisser Re­flexe, Reaktionen des vegetativen (die unbewuß­ten Vorgänge wie Atmung, Verdauung usw. regeln­den) Nervensystems auf bestimmteSäfte" (wie Adrenalin, das die Nebennieren produzieren, Atro­pin, Histamin u. a.). Auch mehr seelisch gerichtete Dinge rote dasindividuelle Tempo" des Menschen ein ganz neuer Forschungsbereich für die Wissen­schaft ist sicher erblich bedingt.

So steht die deutsche Erbwissenschaft mitten in ihren ersten großen Erfolgen, aber rastlos wird in diesem Institut an der weiteren Aufdeckung der Zujammenhänge gearbeitet. Die nächste, noch offene große Frage ist die, warum manchmal die Umroelt auf zwei sicher vorhandene gleiche Erbanlagen ver­schieden wirkt: bei einem Zwilling kommt die Krankheit zum Ausbruch, beim andern nicht! Dringt man hier tiefer, so werden der vorbeugen­den Hygiene und Heilkunst wieder neue Gebiete erschlossen.

Die notwendige Ergänzung zu diesen Erbfor­schungen bilden die in der Forschungsanstalt für Psychiatrie in München betriebenen. Ihr Direktor Rüdin ist einer der Haupturheber der deutschen Erbgesundheitsgesetze; er und viele Mit­arbeiter bemühen sich mit größtem Erfolg um die Aufdeckung der Zusammenhänge auf seelischem und nervös-bedingtem Gebiete. Immer mehr zeigt sich

Hochschulnachnchten.

Der frühere langjährige Direktor des anatomi­schen Instituts der Marburger Hniversität, Pro­fessor Dr. Ernst G ö p p e r t, begeht am 4. Januar feinen 70. Geburtstag. Der Gelehrte wirkte feit 1914 als Direktor des damals im Bau befind­lichen anatomischen Instituts in Frankfurt und versah während des Krieges die Stelle des Chef­arztes am Refervelazarett 4 in Frankfurt. 1919 folgte er einem Ruf an die Marburger Hniversität, wo er bis zu feinem Eintritt in den Ruhestand (1934) die Leitung des anatomischen Instituts inne- hatte. Professor (Böppert hat viele Arbeiten auf dem Gebiete der vergleichenden Anatomie und der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere veröffent­licht.

Die ordentlichen Professoren Dr. Hans Wieß - mann an der Hniversität Jena (Agrikultur­chemie) und Dr. Wilhelm Kirchner an der Hni­versität Würzburg (Ohrenheilkunde) sind g e - ft o r b e n.

Professor Dr. Alfred S t ü h m e r, Ordinarius für Dermatologie und Direktor der Hautklinik an der Hniversität Freiburg, ist von der Spani» schen Akademie für Dermatologie zum Ehrenmit­glied ernannt worden. Erst vor kurzem erhielt der Gelehrte eine gleiche Ehrung durch die Hngarische Dermatologische Gesellschaft.

Professor Dr. med. vet. et phil. Kurt Poppe an der Hniversität R o st o ck ist in Anerkennung seiner hervorragenden Arbeiten auf dem Gebiete der Erforschung von Jnsektenkrankheiten zum Mit­glied der Kaiserlich-Leopoldinisch-Carolinischen Deut­schen Akademie der Naturforscher in Halle er­nannt worden.

Professor Dr. Alfred Romain erhielt an der Hniversität Athen eine Professur für Deutsche Philologie. Romain, ein Schüler des Leipziger Germanisten und Schallanalytikers Eduard Sie­vers, lehrte in Deutschland zuletzt an der Hoch­schule für Lehrerbildung in Kiel. Er ist zur Zeit in den Auslandsdienst beurlaubt und leitet als Oberstudiendirektor die Deutsche Schule in Athen.

Professor Dr. Friedrich Wild, Extraordinarius für englische Sprache und Literatur an der Hniver­sität W i e n, ist zum ordentlichen Professor in Wien ernannt worden.

Professor Dr. Albin Lesky, Extraordinarius für klassische Philologie an der Hniversität Wien, ist unter (Ernennung zum ordentlichen Professor an die Hniversität Innsbruck versetzt worden.