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Nr. 232 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)

Samstag, 3. Oktober (936

Wehr und Waffen.

So.dat und Bauer.

Von Dr. Walther Kayser, Cberregi'erungerat im ^eichskriegeministerium.

Auch das Erntedankfest dieses Jahres steht im Zeichen der durch Oie Tat des Führers dem deut- fch-n Volke errungenen Wehrfrelheit. Niemand kann besser den reichen geschichtlichen Sinn der Wehrhaft- machung unseres Volkes empfinden als der Bauer dessen friedliche Arbeit am deutschen Boden nun­mehr des sicheren Schutzes der neuerstandenen Wehr­macht gewiß ist. Soldat und Bauer, Wehrstand und Nährstand, sind von Urbeqinn an aufs engste mit­einander verbunden und aufeinander angewiesen. Der Bauer kann nur dann in Ruhe sein Feld bestellen und die Früchte des Bodens ernten, wenn er sicher ist, daß kein plötzlicher feindlicher Ueberfall und keine böswillige fremde Gewalt ihm den Ertrag seiner Arbeit rauben und die von ihm bestellte Erde verwüsten. Oftmals genug im Laufe der schick- salsoollen deutschen Geschichte hat gerade der deut­sche Bauer zu spüren bekommen, was es heißt, ohne den Schutt völkischer Wehrkraft und preisgegeben fremden Eroberungen der Heimaterde dienen zu müssen.

Dies ist das Geschenk dieses Jahres 1936 an die deutsche Bauernschaft, daß das deutsche Landvolk sich wieder geborgen weiß im Schutze einer starken Wehrmacht, daß seine Arbeit am deutschen Boden und sein Wirken für kommende Geschlechter durch die Waffenträger der Nation vor Raub und Ver­wüstung bewahrt sind. Darum gehören mit Aus­gang des vierten Jahres nationalsozialistischer Staatsführung und Dolksgestaltung die wirtschaft­liche Rettung des deutschen Bauerntums und die Wiedergeburt einer neuen deutschen Wehrmacht un­trennbar zusammen. Erst die wiedererstandene Wehrmacht gibt dem geretteten Bauerntum die wirkliche Sicherheit seiner Arbeit und die rechte Freudigkeit an seinem Wirken.

Aber die Verbundenheit von Soldatentum und Bauerntum ist eine wechselseitige. Nicht minder wie der Bauer den Schutz der Wehrmacht, braucht der Soldat die Leistung des Landvolkes. Denn er weiß, daß im Ernstfälle, wenn er zur Verteidigung des Landes und zum Schutze des Volkes aufgeru­fen ist, sein Einsatz vergeblich sein würde, wenn nicht der durch die bäuerliche Arbeit erschlossene Heirnatboden Land und Volk die Grundlagen des Daseins sicherte. Die Scholle, die er mit Hingabe seines Lebens verteidigt, damit sie das Fortleben des Volkes ermöglicht, muß fruchtbar fein und die­sem Volk den Lebensraum verbürgen. Er kämpft um so entschlossener und freudiger,' je sicherer ihm die Gewißheit ist, daß sein Opfer ein freies Volk auf freiem Boden verbürgt.

Bäuerliches und soldatisches Wesen haben von je­her den Charakter unseres Volkes geprägt. Unsere nordisch-germanischen Ahnen waren eine verschwo­rene Gemeinschaft von wehrhaften Bauern und bodenständigen Kriegern. In ihrer festgefügten Le- bensordnunq waren es dieselben Männer, die den Boden bebauten und ihn beschütten, die für die Gemeinschaft der Sippe und des Stammbundes den Plluq ebenso wie das Schwert führten. Nach dem Gesetz, nach dem das deutsche Volk seinen Weg in die Geschichte angetreten hat, sind darum die Tu- g"nd"n d"r ®nb-'nffänbirrP»it und der Webrtnkt'g- keit entscheidend für die Lebenskraft unseres Volks­tums geworden und geblieben. Es war immer ein Verhängnis und eine Schuld, die sich bitterlich am Volksqanzen rächten, wenn die Deutschen der einen oder der anderen Tugend oder gar beiden untreu wurden. Die Bauern verloren ihre Freiheit und ffinpin ,iu einer rechtlosen D^sschicht h^rah 'N h°m Maße, in dem sie das alte Ehrenrecht des Waffen­dienstes preisgaben oder preisgeben mußten. Die frienerifdjen Leistungen deutscher Heere blieben ohne nachhaltige Wirkung und entbehrten des geschicht­lichen Segens, wo immer sie losgetrennt von der B'ndung an den Heimatboden geschahen. Darin dürfen wir ein Wesensmerkmal des Nationalsozia­lismus erblicken, daß er Bodenständigkeit und Wehr- bastiakeit w al"icher Z-'t wieder zu Grundk'-äften des deutschen Lebens bestimmt hat. In der kurzen Z-itsvanne der vergangenen vier S*abre ist diese Wandlung wie ein Wunder Wirklichkeit geworden. Ein Volk, in dem sich Wehrlosigkeit und Entwur­zelung wie kaum jemals in einem anderen Volke verheerend und zersetzend auswirken, ist in dem knavpen Zeitraum von vier Jahren wieder zu

Sümpfe deutscher Truppen in Spanien.

Wir lasen in diesen Tagen, daß General Franco, einer der Führer der Militärpartei in Spanien im Kampfe gegen die kommunistischen Regierungstrup­pen Madrids, die Stadt Talavera besetzt habe. Es dürfte nur wenigen bekannt fein, daß im Juli d. I. 127 Jahre verflossen waren, seitdem deutsche Truppen der Deutschen Legion zusammen mit eng­lischen und spanischen Truppen gegen die Heere Napoleons um diese Stadt kämpften und siegten. Ein trauriges Kapitel deutscher Ge­schichte tut sich vor unseren Augen auf. Deutschland war von Fehden zerrissen, an einer einheitlichen Leitung fehlte es vollkommen, Oesterreich schloß em Schutz- und Trutzbündnis mit Großbritannien, zu dem auch Rußland eingeladen wurde. Preußen glaubte sich hinter der festgesetzten Demarkations­linie sicher, und als Bonaparte ihm die Mitteilung machte, daß er beim Wiederbeginn des Krieges mit England das Land H a n n o v e r besetzen werde, verlor Preußen, statt selber zum Schutz des Lan­des in Hannover einzurücken, Zeit mit Verhand­lungen, bis Ende Mai 1803 der französische Gene­ral Mortier ohne Rücksicht ouf die Neutralität Han­novers dort einrückte. Am 3. Juni 1803 schloß der haltlose General von Wallmoden die klägliche Kon­vention von Sulingen und am 5. Juli die von Artlenburg ab, wonach die hannoversche Armee auf­gelöst und entwaffnet wurde.

Ein großer Teil der hannoverschen Offiziere und Mannschaften, die diese Schmach nicht ertragen wollten, gingen nach Englandfluchend auf die Hundsfötter von der Regierung und den Landes­ständen", wie Treitschke bemerkt, und bildeten dort d»n Kern der Deutsch-Englischen Legion (Ring German Legion), fälschlich König!. Deutsche

einem Volk geworden, das fest in seinem Heimat­boden verwurzelt ist und mit stolzem Wehrwillen sein Lebensrecht verteidigt.

Das Erntedankfest der Nation Überträgt das Erntedankfest des Bauernhofes auf die Gesamtheit des Volkes. Wie seit jeher der Bauer auf seinem Hofe nach dem Einbringen der Ernte dankbar zu­rückblickt auf die Frucht seiner Arbeit und sorgend die kommenden Aufgaben vorausbedenkt, so hält nunmehr an dem zum Nationalfeiertag erhobenen Erntedankfest die ganze Nation einen Augenblick inne, um die Erfolge des vergangenen Jahres zu Überschauen und die Pflichten des kommenden Jah­res sich bewußt zu machen. Das deutsche Volk wird in den Dank für die Erträgnisse der deutschen Fel­der in diesem Jahre beh Dank für den wieder er­standenen Schutz des deutschen Bodens einschließen. Und es wird in der Besinnung auf die vor ihm stehenden Aufgaben und Anstrengungen das Rin­gen um die deutsche Nahrungsfreiheit in unmittel­barer Einheit mit dem Willen zur deutschen Wehr­

freiheit sehen. Wir wissen alle, daß die Anstrengun­gen der Zukunft nicht weniger Kräfteanspannung und Hingabebereitschaft fordern als die der Ver­gangenheit. Aber wir dürfen zuversichtlicher als in allen vorangegangenen Jahren dem Ungewissen jeder noch verwirklichten Zukunft entgegenschreiten, weil wir ein freies Volk auf freiem Boden gewor­den sind, das in dieser Tatsache die Bürgschaft seiner Lebenskraft verspürt.

Wehrfreiheit und Nahrungsfreiheit werden nie­mals als satter Besitz und abgeschlossener Erfolg vor uns stehen. Denn beide wollen täglich von neuem erobert und verdient sein. Daß das deutsche Volk bodenständig und wehrhaft ist und bleibt, muß in jedem Jahr von neuem und von jeder Genera­tion erneut durch Gesinnung und Tat verwirklicht werden. Dies soll das Gelöbnis des Erntedanktages 1936 sein: uns dem durch den Nationalsozialismus der deutschen Volksgemeinschaft wiedergeschenkten Geist der Bodenbeständigkeit und Wehrhaftigkeit immer stärker und immer selbständiger zu verbinden.

Oesterreichs neue Wehrmacht

Von Michael v. Borner, Generalmajor a. Wien

Oft und oft hat der verblichene Feldherr Mar­schall Conrad von Hötzendorf, in den Jah­ren der lang hinausgeschoben gewesenen Aufrüstung der Donaumonarchie vor dem Weltkrieg, im kleinen Kreis die unendlichen Schwierigkeiten erörtert, die der von ihm stets angestrebten Bereitstellung eines erstklassigen Feldheeres durch die bunte sprachliche und kulturelle Würfelung der Bevölkerung bereitet wurden. Als dann in den Lemberger Schlachten die Blüte des meist deutschen und magyarischen Be­rufsoffiziers- und Unteroffizierskorps unter den Rasen gesunken war, mußten diese Schwierigkei­ten trotz allen Heldentums sich naturgemäß da und dort auswirken. Exzellenz Conrad hat nach dem Krieg wiederholt die Verteidigungsmöglichkeiten des neuen Oesterreichs besprochen und aus­geführt, daß diese vor allem von der baldigen Wiedereinführung derallgemeinen Wehrpflicht" und der hierdurch ermöglichten Schaffung eines tunlichst starken, beweglichen, mo­dern ausgerüsteten und sorgfältig ausgebildeten Heeres abhingen, dessen Ausbildung und Schlag­fertigkeit durch die nun gewonnene völkische Ein­heitlichkeit wesentlich gefördert werde.

Es bedarf keiner Ausführungen, daß die Welt heute mehr als je voll politischen Zündstoffes ist und daß das Rüstungsfieber auch dort steigt, wo kaum ein unmittelbarer Anlaß hierführ gegeben ist. Nach einer englischen Zusammenstellung umfassen heuer die Gesamtausgaben der verschiedenen Staa­ten für Wehrzwecke mindestens zwei Milliarden englische Pfund. Da ist es klar, daß auch in Oester­reich, das wahrscheinlich keine überflüssigen Geld­mittel hat, tüchtig in die Tasche gegriffen werden muß, um Versäumtes nachzuholen. Ungefähr so, wie dies für die Schweiz gilt, muß es auch Auf­gabe unserer in Entwicklung begriffenen Wehrmacht fein, ganz außerhalb unseres Wollens mögliche An­griffe abzuwehren und zu verhindern, daß unsere Heimat der Tummelplatz fremder Armeen wird. Man bedenke, daß Oesterreich rund je 300 Kilo­meter an Jugoslawien und an die Tschechoslowakei grenzt und daß letztere in militärpolitische Systeme verflochten ist deren Träger wahrlich nicht zu den Kandidaten für denNobelschen Friedenspreis" zählen. Die voll Leben sprühende Millionenstadt Wien liegt nur 40 Kilometer von der tschechoslowa­kischen Grenze entfernt! Ein Blick auf die Land­karte zeigt auch dem Laien, daß unsere strategischen Verteidigungsverhältnisse ausgesprochen ungünstig sind.

Eine der einschneidendsten Bestimmungen des Friedensvertrages von Saint Germain, 1919, war das Verbot derallgemeinen Wehrpflicht" im neuen Oesterreich. Er hat unser wehrhaftes Do­nau- und Alpenvolk in ähnlicher Weise ins Mark getroffen, wie der Versailler Zwangsfriede das große deutsche Bruderreich. Das stehendeSöld- ner"-Heer wurde auf 30 000 Mann begrenzt. Außer­dem wurden dessen Bestände "n Maschinengeweh­ren, leichten Geschützen und Minenwerfern derart eingeschränkt, daß letztere keinesfalls zur angemes­senen Ausstattung der im vorerwähnten Rahmen aufzustellenden Armeekörper etwa ein Korps zu drei Divisionen ausreichen konnten. Flug­

zeuge und Fliegerabwehrwaffen, Gaskampf- und Gasschutzmittel, Panzerwagen und Tanks, mittlere und schwere Geschütze waren bekanntlich verboten worden.

Das Verbot der allgemeinen Wehrpflicht nahm Oesterreich die Möglichkeit, die männliche Jugend der Vaterlandsverteidigung zuzuführen. Für die Wehrmacht, mit der durch den Friedensvertrag vor­geschriebenen zwölfjährigen Dienstzeit, meldeten sich vielfach nur Arbeitslose. Sie mußten natürlich ent­sprechend hoch entlohnt werden. Diese hohen Kosten zwangen dazu, das Heer noch weit unter der Ver­tragsziffer, d. i. auf 22 000 Mann, zu halten. Daß angesichts dieser Mißstände im Hinblick auf die vorangedeutete schwierige strategische Lage von keinem durchgreifenden Grenzschutz, noch weniger von einer wirksamen Landesverteidigung die Rede sein konnte, brauche ich nicht hervorzuheben.

In den letzten Jahren ist der notwendige Aus­bau desB u n d e sh e e r e s" in Angriff genom­men worden. Die Mannschaften wurden nun nicht mehr auf zwölf Jahre, sondern nur auf ein halbes bis ein Jahr eingestellt (^"-Männer). Nur indi­viduell besonders bewährte Mannschaften werden auf eine Dienstzeit bis zu sechs Jahren verpflich­tet. (,,6"-Männer.) Aus letzteren werden die länger­dienenden Berufsoffiziere entnommen, soweit diese nicht noch der kaiserlichen Armee entstammen. Der bisherige hohe Sold konnte mit dem Entfall der zwölfjährigen Dienstverpflichtung gekürzt und der­gestalt ein Stand von etlichen 30 000 Mann ange­nommen werden.

Das Bundesheer ist gegenwärtig in sieben Divisionen mit noch ungleichen Beständen, zu ie drei Jnfanterie-(Alpenjäger-Megimentern zu drei Bataillonen, je einem Artillerieregiment, einem Pionierbataillon und einem Telegravhenbataillon, gegliedert. Außerdem besteht eineSchnelle D i - n i f i o n" mit einer Kraftfahr-Jägerbrigade zu fünf Bataillonen (darunter ein Panzerwaqenbataillon), einer Kavalleriebriaade zu zwei Regimentern und einer Artillerieabteilung. Im Rahmen der vorhan­denen bescheidenen Mittel wird nach und nach an die Aufstellung der Luftwaffe (Fliegertruppen, Flugzeugabwehrartillerie und Luftnachrichtentruppe), hie Ausstattung der Truppen mit mohern^n Waffen, Kampf- und Panzerwagen, mittlerer Ar­tillerie, geschritten. Technische Neuerungen, wie z. B. ein Typ eines Winbmüblenflugzeuges, das Fesselballone ersetzen könnte und dgl., werden fort­laufend erprobt. Für den weiteren Ausbau der Truppen und das Fortschreiten der unserem meist gebirgigem Gelände anaevaßten Motorisie­rung, wird das Möglichste getan. Selbstredend auch hinsichtlich der Truppenausbildung sowie der Schaffung eines ausreichenden Offiziersnachmuchses durch Wiederb"lebuna der altehrwürdigen Wiener Neustädter Militärakademie und d-r Wiedereinfüh­rung d"s Einiährigfreiwilliaen-Systems.

In Auswirkung des im April dieses Jahres er­lassenen Gesetzes über dieallgemeine Bundes- dienstpflicht", das b"sonders in Kreisen der Kleinen Entente mit Unrecht so oiel Staub aufgewirbelt hatte, wurde in den letzten Monaten dieStel­lung" des Geburtsjahrgangs 1915

Legion genannt. Um die Angehörigen dieser Treue­sten der Treuen stand es außerordentlich schlimm, namentlich wenn es an ausreichenden Mitteln für den Unterhalt der Familien fehlte, zumal die Fran­zosen es wahrlich nicht an Schikanen aller Art feh­len ließen, ja die Werber mit der Todesstrafe be­drohten. Die Legion wurde allmählich auf etwa 15 000 Mann gebracht. Sie bestand nur aus Deut­schen, zumeist aus Hannooeranern: Briten, Franzo­sen ober Italiener durften in sie nicht eingestellt werden.

Die Legion ist nicht als geschlossener Verband im Felde aufgetreten, wo ihre Teile aber fochten, zeichneten sie sich durch heroorraaende Tapferkeit, Kameradschaft und Disziplin aus. Am 31. Juli 1808 stachen 168 Segler, begleitet oon 4 Kriegsschiffen mit einem Teil der Legion oon England aus in See, um von Portugal aus zusammen mit spa­nischen Truppen den Kampf gegen die fran­zösischen Heere in Spanien aufzunehmen. Im Verlauf des Krieges wurde der Oberbefehl Sir Arthur Wellesley, dem später unter dem Namen Herzog von Wellington bekannt gewordenen Führer, übertragen. Unter dessen Führung begann jene Zeit hervorragender Waffentaten, die unter dem Namen Talavera, Barossa. El Bobon. Sala­manca, Garcia-Hermanbez und Dental del Pozo in die Geschichte eingegangen sind und die schließlich durch den Sieg bei Waterloo, zu dem die Deutsche Legion nicht wenig beigetragen hat, ihre Krönung fand, Namen, die heute noch in den Hannoverschen Regimentern mit Ehren genannt werden. Die Han­noveraner gehörten von jeher mit zu den besten Soldaten unseres Vaterlandes, und die britischen Säbel, die damals in hannoverschen Händen ge­schwungen wurden, hatten nichts von ihrer Wucht eingebüßt. Dafür nur einiae Beispiele.

Bei Benavente, nordwestlich von Valladolid kam es am 29. Dezember 1808 zu einem sehr schweren Gefecht zwischen der französischen Kaiser- und Jäger­

garde und dem 3. Husarenregiment der Legion un­ter Major von Burgwedel, das sich ganz be­sonders auszeichnete. Dabei hat es in den Einzel­kämpfen abgehauene Arme und bis auf den Nacken gespaltene Köpfe gegeben, einem Franzosen soll sogar der Kopf von Ohr zu Ohr durchgehauen wor­den sein. Der Husar W i n f e m a n n war es, der einem Mameluken diesen furchtbaren Hieb versetzte. Der Husar G r a m m ü s ch aus Weitsch hatte im Handgemenge seine Klinge abgeschlagen, riß bann hie Pistole aus dem Harter und schlug mit dem Kolben einem feindlichen Wachtmeister der Chasseurs so wuchtig auf die Bärenmütze, daß dieser mit zer­schmettertem Schädel vom Pferde sank. Besonders schrecklich soll aber der Major von Burgwedel mit seinem geraden, schweren Pallasch, den er im Gefecht immer führte, unter den Feinden gewütet haben, namentlich als er von einem Polen durch einen Lanzenstich in die linke Schulter verwundet wurde. Der brave Major ließ sich erst nach beende­tem Gefecht verbinden, und ein gefangener franzö­sischer Offizier Fruy, den er schwer verwun­det hatte, meinte:Cest le diable lui-meme (bas ist der wahre Teufel),Ueberhaupt", so beißt es in einem Bericht aus den damaligen Kämpfen, waren unsere Husaren in diesem Gefecht nicht ge­neigt, den Todfeinden ihres Königshauses und Vater­landes Pardon zu geben, um so weniger, als es sich um die Leibgarde des großen Kaisers, des Un­terdrückers Hannovers, handelte, der übrigens von einem Hügel jenseits der Esla Zuschauer des Kampfes gewesen fein soll.Sla to!" war also wieder die Losung der Unseren und manchen pfei­fenden Hieb begleitete der grimmige Rus:Dat was vor Hannover!"

Beim Vordringen der Franzosen im Dunkeln wurde der auf Außenposten stehende Husar N ö - m e r abgeschnitten und konnte sich nur mit genauer Not zu seiner Feldwache zurückziehen. Als er aber, dort angekommen, merkte, daß noch einige Karne-

durchgeführt, bei der sich nur ein kleiner Hundert­satz anUntauglichen" ergab. Die Dauer der Heeresdienstpflicht ist für dieseRekruten" vorder- Hand auf ein Jahr und die Einrückung von etwa 15 000 derselben zu den Truppen auf den 1. Oktober angesetzt worden.

Aehnlich den während der napoleonischen Kriege in Preußen und bei uns ausgestellten so berühmt gewordenenLandwehre n", die nach dem österreichisch-ungarischen Ausgleich" von 1867 ihre Wiedererstehung fanden, ähnlich den jüngst so be­währten italienischenSchwarzhemben"-Divisionen, wurde bei uns kürzlich durch Zusammenfassung der bisher bestandenen freiwilligen Mehrverbände, eine Frontmiliz" geschaffen. Sie kann im Be­darfsfall zur Unterstützung der bewaffneten Macht und der Sicherheitsexekutive aufgeboten werden. Die Ausgestaltung dieser länderweise gegliederten Frontmiliz" ist im Zuge.

Umfangreichste Vorsorge hinsichtlich der vormili­tärischen Jugenderziehung, des gesamten Sport­wesens und andere Maßnahmen, u. a. die gesetz­liche Bestimmung, daß alle 1917 oder später gebo­renen österreichischen Bundesbürger, die in öffent­liche Dienste ausgenommen werden wollen, eine militärische Ausbildung nachweisen müssen sollen die Qualität unserer gesamten Wehrkraft steigern.

Es ist anzunehmen, daß die nun völkisch einheit­lichen Nachfolger der Kämpfer von Aspern und Leipzig, von Komaraw-Gorlice und Rarfreit, in der Stunde der Gefahr sich des Namens ihrer Väter würdig erweisen werden ...

Die ersten Kanip'wagen.

Von Oberstleutnant a. O. Benary.

(afp) Kampf ist Bewegung. Nur der kraft­voll geführte S^ verbürgt den Sieg. Stillstand ist Tod, schließt den Keim der Niederlage in sich. Die Maschinenwaffe schien geschaffen, den An­griffsschwung lebender Wesen, der Menschen und Pferde, zu brechen. Im russisch-japanischen Kriege am Beginn unseres Jahrhunderts zwang sie den Menschen in Gräben und Unterstände, verbannte das Pferd vom Schlachtfelde, ließ den Krieg ohne sichtbare Entscheidung ausklingen.

Der Soldat wollte an ihre Allgewalt noch »richt glauben. Im Weltkrieg stürmte er hüben und drüben gegen sie an und mußte unter schmerzlichen Verlusten erfahren, daß ihre Kraft womöglich noch gewachsen war, daß er ohnmächtig ihr gegenüber* stand. Die Maschinengewehre waren es in erster Linie, die die Stürmenden zu Boden und in die Erde zwangen, die den Bewegungskrieg er­starren ließen und die heranreifende Kampfent­scheidung jäh unterbrachen. Die Geschütze, die älte­sten Kampfgenossen des Menschen aus dem Reiche der Maschine, wurden ihrer jüngeren Rivalen, der Maschinengewehre, nicht Herr. Waren sie doch wie jene, solange sie schossen, an ihren Platz gebannt, konnten sie doch nicht Wirkung mit Bewegung ver­einen.

Der Motor schien neue Wege zu weisen. Die Panzerkraftwagen, wie sie bereits mehrere Jahre vor dem Wettkriege auftraten, vereinten beides: Bewegung und Wirkung, Schnelligkeit und Schießleistung. Sie trugen eine Waffe Maschi­nengewehr oder kleinkalibrige Kanone, die durch einen Panzer gegen die Geschosse der Maschinen­gewehre geschützt war, an diesen Erzfeind der Be­wegung heran. Aber sie hatten einen Nachteil. Sie waren an Straßen gebunden. Sie konnten noch lange nicht jedes im Gelände geschickt ver­borgene Maschinengewehr fassen und waren selber ohne sonderliche Mühe durch Geschütze oder Minen zu vernichten, denen ihre Panzer, die um der Be­weglichkeit des Fahrzeugs willen nicht schwer ge­halten werden durften, nicht gewachsen waren.

Das Problem war, sie geländegängig zu machen. Dem Oberleutnant im österreichischen Eisen­bahn- und Telegraphenregiment Günther Sur« sty n gebührt das Verdienst, es zuerst gelöst zu haben. Die Grundlage war schon lange gegeben: das endlose Band der Raupenkette, das mit seinem geringen Bodendruck gestattete, auch schwere Lasten über losen, schwankenden Untergrund, über Sand und Ackerland, Wiese und Moor zu schaffen, ja selbst Steilhänge zu erklettern, Gräben zu über­schreiten, Wasserläufe zu durchwaten.

Oberleutnant Burstyn führte bereits 1911 dem österreichischen Kriegsministerium ein Kampfwagen­

raden fehlten, ritt er wieder fort, um andere zu benachrichtigen und so vor der Gefangenschaft zu bewahren. Bei dem geschilderten Kampf machte er zwei Gefangene, erhielt indessen aber auch zwei Wunden. Römer stammte aus Worms, hatte 1804 französischer Husar werden müssen, war unter Marschall Junot mit nach Portugal marschiert, da­selbst desertiert und kürzlich eingetreten."

Während dieses Kampfes bet Benavente hatte der Husar Johann Bergmann, acb. 1787 zu Kl.-Fredenbeck, einen französischen Offizier zusam- mengehauen und oerfolate dann einen anderen, wel­cher einen dreieckigen Hut trug und grünen Ober­rock. Als dieser mit noch anderen Offizieren durch die Esla zu entfliehen suchte, setzten unsere Hu­saren auf ihren fünfen Pferden nach, wobei es noch blutige Köpfe gab. Bergmann holte den genannten Offizier ein und wollte ihm gerade eins versehen, als derselbePardon" rief und dem Husaren seinen schönen Säbel überreichte. Es war der kommandie­rende General der Garden, Lefebre-Desnouettes. Bergmann übergab den (Befangenen dem General Sir Charles Stziart mit dem Bemerken:Da häv ik den General Stuart Enen henbröcht. ik glöoe, bat is de Bas (Dberfte) van ji'm all to Hope."

In der schweren Schlacht bei Talavera, in der die Engländer und die Deutsche Legion, sowie die Spanier etwa 5000, die Franzosen etwa 7000 Mann verloren haben, war es die Legion, die durch ihr tapferes Verhalten das Wesentliche zum Sieg beitrug.

Die Deutsche Legion unter englischer Führung, die Engländer und Spanier waren damals dis ersten, die den Kampf gegen den Unterdrücker Euro­pas aufnahmen, heute ist es die spanische Militär­partei, die den Kampf gegen den Bolschewismus, die Geißel Europas und der Welt, mit b"n Waffen in der Hand ausgenommen h^t, um ihr armes Vaterland von dieser grauenhaften Macht zu be­freien. L. G.