Aus aller Welt.
Oie Räuberbande Schüller vor dem Sondergericht.
Vor dem Sondergericht in Breslau begann der Prozeß gegen die Gebrüder Schüller, die berüchtigte Räuberbande. Angeklagt sind der 27jähLige Fritz Schüller, der 29 Jahre alte Erich Schüller, beide verheiratet, und der 21jährige Walter Schüller: alle sind vorbestraft. Schon 1931 verübten die Gebrüder Schüller, die stark kommunistisch eingestellt waren, zahlreiche Einbrüche. Sie führten ständig Schußwaffen bei sich, von denen sie auch Gebrauch machten. Nach einem mißglückten Raubüberfall auf einen Postwagen wurde der Ueberfall auf den Kaufmann Ludwig verabredet. Nach der Ermordung Ludwigs haben sich die Angeklagten und ihre damals noch lebenden Brüder in allen möglichen Verstecken aufgehalten. Im Frühjahr 1935 merkten sie, daß man ihnen auf die Spur kam. Deshalb wollten sie ihren Wohnsitz verlegen. Um sich die Mittel hierzu zu verschaffen, sollte der Raubüberfall auf den Bahnpostwagen des Schnellzugs Kohlfurt — Görlitz ausgeführt werden.
Die Angeklagten wurden sämtlich gefesselt vorgeführt. Zunächst stand der Raubmord an Ludwig zur .Erörterung. Der Angeklagte Walter Schüller bestreitet, einen Schuß abgegeben zu haben, und erklärt, daß Willi, der tot ist, geschossen habe. Der als Zeuge vernommene Kriminalbeamte bekundet, daß der von ihm festgenommene Fritz Schüller ihm gestanden habe, daß er und seine Brüder gemeinschaftlich den Mord begangen hätten. Das Sondergericht behandelte dann den Raubüberfall auf den Schnellzug Kohlfurt—Görlitz. In der Nacht zum 12. Mai wurde der Blockwärter überfallen und gefesselt. Darauf wurden Schwellen über die Schienen gelegt. Als der Zug stand, schossen die Räuber auf tan Postwagen und auf die Lokomotive. In der allgemeinen Verwirrung konnten sie acht Geldkisten mit zusammen etwa 51 000 Mark aus dem Bahnpostwagen rauben. Die Angeklagten Fritz und Erich Schüller geben an, daß der später erschossene Hermann Schüller der Anführer gewesen sei.
Oer Brand im Londoner Kristallpalast.
Auf den Ruinen des Londoner Kristall- P a l a st e s war im Laufe des Dienstags die Feuerwehr noch emsig mit den Löscharbeiten beschäftigt. Der Generaldirektor des Kristall - Palastes, Sir Henry Buckland, erklärte, daß der Palast und sein Inhalt auch nicht annähernd in der Höhe des eigentlichen Wertes versichert sei. Der Bau eines neuen Kristall - Palastes würde zwischen 4 und 5 Millionen Pfund kosten. Sir Henry Buckland
vertritt die Theorie, daß das Feuer durch eine Gasexplosion entstanden ist. Drei Brandherde hätten gleichzeitig bekämpft werden müssen. Das Theater des Kristall-Palastes, die Konzerthalle, die Büroräume und die gewaltige Orgel sind völlig z e r st ö r t. Das Kreuzschiff im Süden und Zentrum des Palastes ist dem Erdboden gleichgemacht. Von dem nördlichen Kreuzschiff steht lediglich noch die Fassade. Nur ein am Südturm gelegener Teil des Gebäudes blieb erhalten. Besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden die Laboratorien der Baird-Fernsehgesellschaft. An der Bekämpfung des Brandes beteiligten sich 381 Feuerwehrmänner, von denen 4 leichtere Verletzungen davongetragen haben. LZ „Hindenburg" über den deutschen Ansiedlungen
in Südbrasilien.
Auf seiner Rundfahrt über Südbrasilien fuhr das Luftschiff „Hindenburg" nach dem Besuch von Sao Paulo die Küste entlang und traf am Dienstag um 2 Uhr nachts in der Hauptstadt des Staates Santa Catarina, Florianopolis, ein, wo es von der Bevölkerung durch Feuerwerk und Raketen begrüßt wurde. Das Luftschiff setzte dann seine Reise nach Jtajahy fort. Mit der Morgendämmerung erreichte es die deutschen Siedlungen im Staate Santa Catarina. Die Fabriksirenen von Blumenau grüßten den deutschen Luftriesen. Bei der Rückkehr an die Küste wurde Joinoille überflogen, wo ebenfalls Straßen und Hausdächer von der jubelnden Bevölkerung dicht besetzt waren. Das Luftschiff setzte seine Fahrt nach Paranagua fort, von wo aus die Stadt Curityba besucht wurde. Nach längerem Flug über die Landschaft Paranas erreichte das Luftschiff erneut die Küste. Auf der Heimreise wurde nochmals Sao Paulo besucht. Von dort ging es über Santos zurück nach Rio de Janeiro.
Slurm über der Nordsee.
Der erste Dezembertag brachte neue schwere Sturm- und Hochwasserschäden an der Nordsee. In der Nacht zum Dienstag wurde die zweithöchste Flut des Herbstes gemessen. Der Wind frischte von Windstärke 7 auf 9, später auf 10 auf. In den Böen wurde vereinzelt Windstärke 12 erreicht. In den frühen Morgenstunden des Dienstag lief das Norderneyer Rettungsboot „Bremen" aus, um einem kleinen holländischen Schiff, das draußen mit schwerer See kämpfte, zu helfen. Das Rettungsboot konnte die vierköpfige Besatzung des Holländers bergen. Das Fahrzeug, dessen Name noch unbekannt ist, wurde im Osten der Insel Norderney auf den Strand geworfen. Auf Norderney selbst überflutete das Wasser die Standpromenade und ging über die Schutzhalle hinweg. Am Dienstagvormittag meldeten die Nordsee-Stationen von Cuxhaven bis Borkum Windstärke 7 bis 9. Die kleine
ren Fahrzeuge haben Schutzhäfen aufgesucht. Die Großschiffahrt ist noch nicht behindert. Große Was- sermassen sind erneut in die Elbe gepeitscht worden, so daß in Hamburg ein Wasserstand von arwerthalv Meter über mittlerem Hochwasser zu verzeichnen ist.
Trotz Unwetter planmäßiger Flugverkehr der Lufthansa.
Während des stürmischen Wetters, das in der Nacht zum Dienstag und am Dienstag selbst uoer West- und Mitteleuropa herrschte, wurde der Verkehr der Lufthansa in vollem Umfange auf» rechterhalten. Auch die Verbindungen über den Kanal hinweg nach England wurden am Tage und in der Nacht planmäßig von den Lufthansa- Flugzeugen beflogen.
Polnisches Verkehrsflugzeug bei Athen abgestürzL
Ein polnisches Flugzeug der Lot-Gesellschaft, das den Dienst Warschau—Athen v versieht, verunglückte kurz vor der Landung im Athener Flughafen Tatoi. Infolge ungünstiger Sicht geriet die Maschine gegen einen Berg und stürzte ab. Bon den fünf Fluggästen und den vier Mann der Besatzung wurden zwei getötet. Sieben Personen erlitten schwere Verletzungen.
Ostpreußens Heldenfriedhöfe werden verschönert.
Im Rahmen der großzügigen Umgestaltung am Reichsehrenmal Tannenberg sollen nunmehr auch die vielen anderen ost preußischen Heldenfriedhöfe zum Teil neugestaltet und dadurch jedem dieser Friedhöfe ein geschlossenes Gesamtbild gegeben werden. Die Umgestaltungen, bei denen Umbettungen grundsätzlich vermieden werden, beginnen an den Friedhöfen in nächster Nähe des Ehrenmals, den Erinnerungsstätten Mühlen, Wap- litz, Dröbnitz und Stsdtwald Hohenstein. Die landschaftlichen Besonderheiten dieser Plätze und ihre in Schützengrabenanlagen usw. noch vorhandenen unmittelbaren Spuren jener großen Tage sollen so mit den Ruheplätzen der Kämpfer verbunden werden, daß die Gesamtanlage sich zu einem starken, eindrucksvollen Bild für die Besucher vereinigt. Eingeschlossen in diese Neugestaltungen sind selbstverständlich auch jene Einzel- und Massengräber, die unmittelbar an den Straßen oder auf freiem Feld gerade dort angelegt wurden, wo die Kämpfer ihren Heldentod fanden. Anschließend werden auch die übrigen rund 300 Heldenfriedhöfe Ostpreußens verschönert.
Ein Brautpaar mit dem Motorrad tödlich oerungtücft
In einer der letzten Nächte ereignete sich auf der Reichsautobahn zwischen Heidelberg und Bruchsal ein Unglück. Dort mußte ein Fernlastzug, der nach Köln fuhr, wegen Kupplungsbruches halten. Der Wagen war mit Schlußlicht versehen, das vorschriftsmäßig brannte und hatte außerdem zwei Rückstrahler. Trotzdem fuhr ein aus der Dunkelheit herankommendes Motorrad mit voller Geschwindig
keit auf den Fernlastzug auf. Die beiden auf dem Motorrad sitzenden Personen erlitten so schwere Schädelbrüche, daß sie sofort t o t waren. Es handelt sich um den 32jährigen Obermüller Jakob Meindl aus Oberfranken, der in Schriesheim a. d. Berg, straße beschäftigt war, und um seine Braut, die aus Bad Tölz stammende 26 Jahre alte Therese Dan- z e r. Das Unglück dürfte so zu erklären sein, daß Meindl bei dem unsichtigen und regnerischen Wetter den haltenden Fernlastzug nicht bemerkt hat. Den Führer des Fernlastzuges trifft keine Schuld.
„Emste Bibelforscher" vor dem Sondergericht.
Lpd. Darmstadt, 1. Dez. Das Sondergericht verurteilte am Montag nach nahezu zehnstündiger nichtöffentlicher Verhandlung 14 „Ernste Bibelforscher" von der Bergstraße, darunter vier Frauen, die trotz Verbotes immer noch dieser Sekte anhingen und für sie warben, zu Gefängnis st ra- fen von vier Wochen bis zu zweiein- halb Jahren. Drei weitere Angeklagte wurden mangels Beweises fteigesprochen.
ÖDd)fchumacbrid)ten.
Dr. Oskar Ritter v. Niedermayer ist zum ordentlichen Professor für Wehrgeographie an der Universität Berlin ernannt worden. Oberstleutnant (E) Ritter v. Niedermayer war im Weltkrieg Leiter der Expeditionen in Iran und Afghanistan. Sein Werk „Ärn Weltkrieg vor Indiens Toren" hält die Erinnerung an sie fest.
Professor Dr. Wolfgang Kunkel, Ordinarius für Römisches und Bürgerliches Recht an der Universität Göttingen, ist in gleicher Diensteigenschaft an die Universität Bonn berufen wotden.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Die unter heftigen Böen erfolgte Abfuhr tatter Meeresluft brachte auch unserem Gebiete am Dienstag verbreitete Niederschlagsschauer, die vielfach bis in die Niederungen herunter Schnee und in den oberen Lagen unserer Nachbargebirge Schneedecken, teilweise sogar Sportmöglichkeiten, brachte. Vom Atlantik her dringt zunächst wieder mildere Lust nach, die z. T. auch im Gebirge Regen bringen wird. Die Gesamllage bleibt auch weiterhin sehr unbeständig.
Aussichten für Donnerstag: Wollig bis bedeckt und zeitweise Niederschläge bei lebhaften westlichen Winden, zunächst wieder milder.
Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus West bis Nord unruhiges und unbeständiges Wetter.
Lufttemperaturen am 1. Dezember: mittags 3,9 Grad Celsius, abends 0,7 ©rat); am 2. Dezember: morgens 1,1 Grad. Maximum 7,6 Grad, Minimum, heute nacht, 0,7 Grad.
Unser einziges, sonniges Kind, unser aller herzliebes
Mariechen
ist uns nach zweitägiger schwerer Krankheit im Alter von 18 Jahren durch den Tod genommen worden.
In tiefer Trauer:
Georg Wahl
und Frau Dina, geb. Hexamer
Gießen (Gr Steinweg 13), den 30. November 1936.
Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 3. Dezember, nach* mittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt.
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