Nr. 102 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Samstag, 2. Mai 1936
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Vilanz deutschen Kunstschaffens im nationalsozialistischen Reich.
Retchsminister Or. Goebbels verkündet die Verleihung des nationalen Film- und Buch- prerses an den Regisseur Carl Frölich und den Dichter Gerhard Schumann.
Die Festsitzung der Reichskulturkammer.
Die Festsitzung der Reichskulturkammer, die dazu bestimmt ist, einen Ueberblick über das künstlerische und kulturelle Schassen des vergangenen Jahres zu geben, fand diesmal im Deutschen Opernhaus in Berlin-Charlottenburg statt Die Anfahrtstraße des Führers, die Feststraße des 1. Mai,
Reichsminister Dr. Goebbels in der Festsitzung der Reichskulturkammer. — (Scherl-Bilderdienst-M.) war umsäumt von den unabsehbar freudig bewegten Massen, deren Aufmarsch sich in vorzüglicher Ordnung inzwischen vollzogen hatte. Ein dichtes SA.-Spalier zog sich in der ganzen Länge der Feststraße hin.
Die 2000 geladenen Gäste grüßten den Führer stehend mit dem deutschen Gruß. In der Führerloge nahmen Reichsminister Dr. Goebbels, der Präsident der Reichskulturkammer, und die Präsidenten der sieben Einzelkammern Platz. Im 1. Rang sah man unter den Festgästen Generalfeldmarschall von Blomberg, die Reichsminister Frick, Darre und Freiherr von Eltz-Rübenach, den Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst Freiherr von Fritsch und Botschafter von Ribbentrop. Weiter waren anwesend die Reichsleiter Dr. Ley, B o u h l e r , Dr. D i e t r i ch und von Schirach, die Staatssekretäre Lammers und Backe. Der Chef des Wehrmachtsamtes, Generalleutnant Keitel, Korpsführer Hühnlein, Obergruppenführer v o n I a g o w
und die Mitglieder des Diplomatischen Korps.
Die „Heldische Feier" von Gerhard Schumann mit der Musik von Franz Philipp eröffnete die Feierstunde.
Rach dem gewaltigen Schlußakkord betrat der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, die Bühne.
Dr. Goebbels spricht.
Dr. Goebbels wies auf das heiße Bemühen von Partei, Staat und Volk hin, dem deutschen Kulturschaffen e i n e n neuen Impuls zu geben und dabei die uns zu treuen Händen anvertrauten Kulturgüter unseres Volkes zu wahren, zu pflegen, zu hüten und sie der ganzen Nation zugänglich und dienstbar zu machen. Er erläuterte dann dieses Bemühen im einzelnen: „Vier Aufgaben waren uns bei der Uebernahme der Verantwortung auf dem Gebiete der kulturellen Neugestaltung" aufgegeben. Wir mußten erstens die kulturschaffenden deutschen Menschen in einer festgefügten Organisation zusammenfassen, um sie e i n h e i t l i ch u n d diszipliniert zum Wohle von Volk und Staat zum Einsatz zu bringen. Wir mußten zweitens dem deutschen Kulturschaffen die innere Verbindung zu den neuen Werten und Inhalten der deutschen Politik vermitteln und es mit der tiefen weltanschaulichen Klarheit des Nationalsozialismus erfüllen. Wir mußten drittens die Rolle, die der Staat dabei zu spielen hatte, genau und unmißverständlich umgrenzen, und zwar dahingehend, daß er selber Kunst weder schaffen konnte noch ihre geistigen Wachstumsgesetze und Entwicklungsmöglichkeiten einengen, dagegen aber ihr aroßmütiger und weitherziger Auftrag- geber, Anreger und Förderer fein wollte, und mußten viertens und letztens dem künstlerischen Schaffen selbst von der Politik her jenen heißen und leidenschaftlichen Impuls geben, der immer am Anfang großer kultureller Blüteperioden stand, sie gewissermaßen einleitete, antrieb, ihnen die Richtung und das Ziel zeigte. Das Ideal eines neuen deutschen Kunstschaffens steht uns klar und kompromißlos vor Augen. Es wird männlich und heroisch sein und frei von feder verweichlichten Sentimentalität."
Dr. Goebbels warnte davor, jede Ueberschweng- lichkeit schon für Kunst zu halten. „Unsere großen Meister trugen nicht nur ein überströmendes Herz in ihrer Brust, sie besaßen auch eine geübte Hand und eine begnadete Feder, sie beherrschten souverän den Kontrapunkt und die Harmonielehre und waren Herren des Materials, der Farbe und des Steins. Wenn sich bei ihnen in einem Aufschrei der Raserei die gepreßte Seele Luft machte, dann stand selbst hinter diesem Aufschrei immer noch die geniale Gestaltungskraft, die planvolle Regelung, das disziplinierte Künstlertum, das die auseinanderstrebenden Gefühle zusammenhielt und ihnen in Zucht und Klarheit die Grenzen steckte."
Warm setzte sich der Minister für eine sorgsame Pflege der deutschen Sprache ein: „Die deutsche Sprache ist unser kostbarster nationaler Besitz. Es hat zu allen Zeiten die Gefahr bestanden, daß sie abgenutzt wurde und damit an durchschlagender Formenkraft einbühte. Wir leben wieder in einer Renaissance der deutschen Sprache. Das Zeitalter der Schlagworte ist vorbei. Wir Deutschen lieben es wieder, ein gutes Ding mit einem guten Wort zu umschreiben. So wie
die politischen Menschen heule ernsthaft bestrebt sind, hier vorbildlich zu wirken, so soll sich das ganze öffentliche Leben danach richten."
Zum Problem der Kritik erklärte Dr. Goebbels: „Der Kritiker muß, wenn er Anspruch darauf erheben will, gehört zu werden, den kritisierten Gegenstand auf das beste kennen. Er muß an ihn herantreten mit jener Ehrfurcht vor der Leistung, die die großen Kritiker der Vergangenheit immer ausgezeichnet hat. Er darf nicht den Anschein erwecken wollen, als sei seine Meinung nun die erwiesen und einzig richtige, unantastbare und nicht mehr zu bezweifelnde. Er soll mehr der Anreger als der Verdammer sein. Gewiß hat er das Recht, Gutes von Schlechtem zu scheiden, aber wo er ablehnt, darf er nicht das künstlerische Produkt für sich allein ins Auge fassen, sondern muß er auch mit in Betracht ziehen die Umstände und die Schwierigkeiten, unter denen es an die Öffentlichkeit tritt. Unerträglich aber wird sein Gebaren, wenn er sich aus Bosheit, lieber» heblichkeit und Mangel an Verständnis an einem wirklichen Kün st ler reibt und ihm, der auf Grund seines besonders leicht empfindlichen Gefühlslebens auch besonders empfänglich dafür ist, durch niederträchtige, in ihrer Böswilligkeit sich immer wiederholende Attacken das Leben verbittert und die Schaffenskraft lähmt. Hier ist es Ausgabe einer planvoll regelnden Kulturführung, rechtzeitig einzugreifen und dafür zu sorgen, daß nicht ein Genie zugrunde geht, damit ein Kritiker recht behält."
Damit kam der Minister zur dritten Aufgabe, die der deutschen Kulturführung im nationalsozialistischen Staate gestellt sei: der klaren Umgrenzung der Kompetenzen, die der Staat s e l b st auf dem Gebiete des Kulturschaffens zu erfüllen hat. „Es muß einmal ausgesprochen werden, daß die Kunst nicht mit irgendeinem Wirtschaftsvorgang verglichen werden kann, der meistens sinnlos wird, wenn er sich nicht rentiert. Die Kunst hat sich niemals selbst ernährt; sie war immer auf Zuschüsse angewiesen. Sie schafft ja auch Werte, die in ihrem materiellen Umfang kaum abgeschätzt werden können." Daher müsse der nationalsozialistische Staat der großzügige und weitherzige Mäzen aller künstlerischen Bestrebungen
sein. Der Kampf gegen die noch hier und da übriggebliebenen Reste der Abirrungen deutscher Kunst werde von ihm am wirksamsten geführt, indem er ihnen materiell den Lebensfaden abschneide und seine grpßen Aufträge auch den Vertretern einer wirklich deutschen Kunstauffassung zuwende. „Auf diese positive Kunstpflege haben wir den Hauptwert unserer Bestrebungen gelegt. Wir erlebten dabei ein allmähliches Wiederaufblühen des zeitgenössischen Musikschaffens, die ersten Denkmäler nationalsozialistischer Baukunst gehen in München der Vollendung entgegen, auf 331 deutschen Theaterunternehmen wird wieder deutsche Bühnenkunst gepflegt.
Ein deutsches Schrifttum ist wieder im Werden begriffen, eine deutsche Presse vertritt unter einheitlichem geistigem Einsatz deutsche Volksinteressen, ein deutscher Rundfunk mit fast acht Millionen Hörem gibt dem ganzen Volk Entspannung, ein deutscher Film hat sich siegreich wieder durchgesetzt und beginnt aufs neue die zum Teil verlorenen Positionen im Ausland zurückzuerobern. Die Künstler der Gegenwart haben mehr und mehr einsehen gelernt, daß sie nicht Stoffe und Personen der Jetzt- heit darzustellen brauchen, wenn sie Geist und Rhythmus dieser Zeit darstellen wollen. Dazu haben wir noch zu wenig Abstand. Aber in der reichen Vergangenheit unseres Volkes befinden sich die Menschen und Vorgänge, an denen wir das, was wir heute fühlen und empfinden, künstlerisch abwandeln können. Hier liegt die Aufgabe der zeitgenössischen Kunst, die unsterbliche Seele unseres Volkes und unserer Rasse dichterisch und künstlerisch aus Vergangenheit und Gegenwart emporsteigen zu lassen und aus ihrem immerwährenden Wirken die Kraft für die Zukunft zu schöpfen und zu vermitteln.
Der Minister kam nun zur Verkündung der beiden Nationalpreise für Film und Buch, die für das Jahr 1935/36 am 1. Mai von der Reichsregierung ausgeteilt werden, und führte dazu aus: „Eine Reihe von Filmen der letzt- jährigen Produktion konnte mit besonderen Prädikaten ausgezeichnet werden. Das höchste Prädikat „ftaatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll" erhielten die Filme „F r i e f e n n o t", „D e r höhere Befehl" und „T r a u m u l u s" und find damit in die engere Wahl zum Filmpreis dieses Jahres gekommen. Als „künstlerisch wertvoll" haben die Filme „Fährmann Mari a", „M a- z u r k a", „P y g m a l i o n", „Viktoria" und „W enn der Hahn kräht" Anspruch auf besondere Beachtung.
Der nationale Filmpreis 1935/36 wurde dem Mitglied des Reichskulturfenats Regisseur Carl Frölich für seinen Film „Traumulus" zuerkannt.
Carl Froelich erhielt den Filmpreis für feinen Gerhard Schumann erhielt den Buchpreis für Film „Traumulus". — (Scherl-Bilderdienft-M.) feinen Gedichtband „Wir aber sind das Korn". —
ging
Oer Marschall Ney
Von Wilhelm Schäfer.
liebel dieser ärmlichen Kriegsfahrt rührten: wollte er durch einen Scherz den Grimm abwehren und wandte sich zu seinen Offizieren: Ob dies nicht recht ein Beispiel wäre? Die Franzosen liefen der Ehre, die Schweizer nur dem Gelde nach.
Da gab der Ulrich Zweifel, vom Gelächter der Franzosen aufgebracht und auch berauscht vom Wein, eine Antwort gleich einem plumpen Säbelhieb:
Jeder läuft dem nach, was ihm am meisten mangelt!
Dies aber traf den Marschall, der wohl wußte, in welchem Unmut sie aus Frankreich zu dieser letzten Kriegsfahrt ausqezogen waren, zu retten, was ihnen als den Helden Europas feit der Beresina so bitter mangelte, derartig in die Seele, daß wie der Schatten von einem Vogel die Traurigkeit sein braunes Männergesicht überflog — wie er mit Kindern und Greisen der Ehre nachlief, die mit feinen Braven hinter Zäunen und Hecken in Rußland verfroren mar — so daß er ohne Gruß, den aufgebrachten Offizieren abwinkend, allein und rasch wie auf der Flucht den Wall verließ.
Den Schweizern wurde beides, Abschied wie Lohn, am selben Abend noch zuteil. So kamen schon im Frühjahr 1813 drei tapfere Kerle der großen Armee nach Haus, die sich im Herbst von Leipzig schwerer heimgefunden batten.
Flug über das kälteste Land der Erde.
Das ganze Innere von Grönland ist von dem landschaftlich gleichförmigen Eisschild bedeckt, der als größte Jnlandeismaffe des Polargebietes 95 v. H. der Insel bedeckt und der sich bis über 3000 Meter Höhe erhebt. Dieses ungeheure Eisgebiet bietet jedoch der Verwirklichung der feit langem gehegten Pläne, während der Sommermonate zwischen Europa und Amerika einen Luftverkehrsweg über die Arktis zu unterhalten, keine besonderen Schwierigkeiten. Dr. F. L o e w e, einer der Teilnehmer an der letzten Grönland-Expedition Wegeners und Mitarbeiter am Scott-Polar- forschungsinftitut von Cambridge, vertrat diese Ansicht in einem Vortrag vor der Königlichen Meteorologischen Gesellschaft und wies darauf hin, daß allein die Schaffung einer ausreichenden Boden- organifation für den Flugverkehr nicht ganz einfach fein würde, da es im Innern des Landes keinerlei Ansiedlungen gäbe. Die dänische Regierung steht dem Projekt einstweilen noch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Immerhin glaubt Dr. Loewe, daß Grönland unbedingt in die neuen Flugverkehrslinien der Zukunft einbezogen werde, allerdings erst nachdem der transatlantische Dienst eingerichtet worden fei. Der Forscher hat gründlich Gelegenheit gehabt, die Voraussetzungen für die Einrichtung eines Flugdienstes in der Arktis an Ort und Stelle zu studieren. Er hat allein drei Jahre auf dem Eisschild zugebracht. „Wenn auch in Grönland", bemerkte er, „während der Sommermonate Stürme auftreten, so sind sie lange nicht so
Auch zu den Zeiten des großen Napoleon „ _ es im Krieg nicht bloß mit Heldentum und Pulverdampf. So war der große Michel Ney, Böttcherssohn aus Wachendorf in Schwaben und Marschall von Frankreich, oft in Nöten, wie er den ruhmbedeckten Soldaten ihre Tapferkeit bezahlen sollte. Besonders seitdem im Winterfeldzug nach Rußland die Monturen schäbig geworden waren; denn mehr als sonst heißt es beim Militär, daß Kleider Leute machen, und was im Frühjahr 1813 in Frankreich noch an jungem Volk und Greisen gegen Preußen aufzuraffen war, da hätten die Schneider der ganzen Welt keine Leute draus
Lichtspielhaus' »Die Entführung/'
Entführt wird zunächst der Beschauer dieses Lustspiels an die sonnigen, meerblauen und film- berühmten Gestade der Riviera: der Kameramann Werner Brandes ist zu loben um der träumerischen Szenerien willen, die er ins Bild zaubert, und vor allem wegen der sehr geschickt arrangierten Unterwasser-Aufnahmen; entführt wird nämlich außerdem Marieluise Claudius von Gustav Fröhlich, und zwar in einer Taucherkugel, worm man die Tieffeefische photographieren und außerdem auf originelle Weife Verlobung feiern kann. Das ist nun jedenfalls noch nicht dagewesen, wenn man von den abenteuerlichen Expeditionen des Amerikaners William Beebe absehen will, der die Taucherkugel auch nicht für Spielfilmzwecke und als Verlobungsschauplatz in Anspruch genommen hat. Dieser aparte Einfall blieb Wolf N e u - meister vorbehalten — unsere Leser kennen ihn aus gelegentlichen Beiträgen im Feuilleton — der nach einer Komödie von Armont und Gerbi- d o n das Drehbuch für die Rota geschrieben hat. Die Entführung in der Taucherkugel hat übrigens nebenbei den Zweck, eine zweite Entführung (tm
gemacht.
So saßen eines Sonntags in einem Nest am Oberrhein drei Schweizer Offiziere im Zorn der Geldverlegenheit beieinander auf einem buschigen Wall und sahen über die Dächer hinunter auf die Pappeln am Wasser, und einer meinte: hier waren sie nach Hause sich durchzubetteln am bequemsten dran; und kamen schließlich überein, daß sie den Marschall selber beim Appell um ihren Abschied angehen wollten, wenn er die Zahlmeisterei nicht bessern könnte. Doch gings wie bei den Mausen, als die der Katze das Schellenband anhangen wollten bis sich der Ulrich Zweifel, ein vernarbter Husarenkapitän, dazu vermaß: er habe den großen Michel als gemeinen Husaren noch selber die Hand zur Löhnung aufhalten sehen. Doch mußten sie m rechtschaffener Armut vor ihn treten und also bis zum Abend ihre letzte Barschaft zusammenlegen ^Als^nun^der Marschall zum Appell nach der Gewohnheit fragen ließ: wer irgend was zu klagen hätte, der möge sich jetzt melden und in™Mm einer Offiziere gedankenvoll zum fernen Mainz und blauen Taunus siinunterspähte trotz seiner Dier= unddreißig Jahre schon ergraut, doch 'mmer noch frnr schlanke Stadl — sie standen auf dem selben Wall mit femkn Haselbüschen; da traten wie immer solche Helden, die drei Schweizer trotzig und verlegen vor. Und Ulrich Zweifel, den die andern auch beim Trunk voran gelassen hatten und der rot wie ein Eisen glühte, fing von der Schlacht bei Moskawa zu reden an und hörte mit dem Zahlmeister auß Und obwohl für manches Wort, das sich itn weißen Schnauzbart, auch wohl im Rachen verfing, mit der Säbelscheide im roten Lehm gestochert wurde- wußte der Marschall gleich, was da zu bohren war. Weil er bösere Sorgen hatte, als die mit ihren Batzen, obgleich sie damit an das tägliche
Auto) zu hintertreiben; d-as gelingt auch, aber wie das zusammenhängt und allmählich luftspielmäßig ins reine gebracht wird, sollte man sich nicht erzählen lassen, sondern lieber selber im Kino betrachten. Geza von Bolvary führt sauber und mit allerlei kleinen effektvollen Einlagen Regie; das Ganze kommt ein bißchen schwerfällig in Gang, aber dann wird es luftig und unterhaltsam. Die kleine Claudius ist ein scharmantes Mädchen, und Fröhlich ist gar nicht so sachlich-wissenschaftlich, wie er tut. Lola Chlud ist eine verwöhnte, elegante und leider etwas vernachlässigte Dame; Theo Lingen erlebt mit der erwähnten Kugel und einem drolligen kleinen Affen groteske Abenteuer. Vom Ensemble sind noch Theo S h a 11, Fritz Genschow, Walter Janssen, Willi Schur und Elsa Wagner mit Anerkennung zu nennen. — Das Beiprogramm bringt neben der Wochenschau einen interessanten, volksaufklärenden Film über Schadenverhütung, dazu malerische Bilder aus Freiburg und aus dem Schwarzwald. —r—
stark wie im Winter. Die Sicht ist im allgemeinen gut, und es besteht kaum die Gefahr der Vereisung der Flugmaschine, die von den Piloten vielleicht am meisten gefürchtet wird. Im großen ganzen kann behauptet werden, daß die Wetterbedingungen auf der arktischen Route durchschnittlich nicht schlechter sind als auf der transatlantischen Linie." Uebrigens erklärte Dr. Loewe, daß die bisherige Ansicht, die minimale Wintertemperatur trete mit —63,2 Grad in Werchojansk in Sibirien auf, nach seinen grönländischen Erfahrungen nicht mehr vertreten werden könne. Jedenfalls fei die Durchschnittskälte im Gebiet des grönländischen Eisschildes größer als in Werchojansk.
Das Konzert.
Das erste Konzert, das Schaljapin — vor vielen, vielen Jahren — in seiner russischen Heimat gab, wurde zu einem höchst bemerkenswerten Ereignis. Schaljapin war damals noch ganz unbekannt und auch unbeschwert von irdischen Gütern, außer seiner Stimme besaß er so gut wie nichts.
Er hatte einen Freund, ebenfalls Sänger und genau fo im Verborgenen trauernd. Der kam auf die Idee, man müsse das Glück erproben, und drum beschlossen die beiden, einen Konzertabend zu veranstalten.
Zunächst einmal pumpten sie Gott und die Welt an. Das ergab Barmittel genug, um einen kleinen verräucherten Saal im entlegensten Vorortviertel von St. Petersburg zu mieten. Den Flügel mußten sie leihen, natürlich gegen Vorausbezahlung, und der Rest des Geldes reichte gerade eben für eine kümmerliche Anzeige in einem Tagesblatt.
Der große Abend kam. In atemloser Spannung warteten die Künstler. Würden sie Zuhörer haben? Es sah ganz danach aus, als sollten ihre schwachen -Hoffnungen in Nichts zerrinnen, die Uhr wies bereits zehn Minuten über die Zeit, — da traten vier junge Männer in den schlecht beleuchteten Saal und setzten sich in die hinterste Bankreihe.
Schaljapin erschien auf dem Podium. Viermal verbeugte er sich, nämlich vor jedem der Anwesenden, und fragte bescheiden, ob die Herren damit einverstanden seien, daß der Beginn des Konzertes um eine weitere Viertelstunde verschoben werde.
„Warum denn?" entgegnete einer der jungen Leute. Wir haben es ziemlich eilig."
„Wieso eilig?" entfuhr es dem verblüfften Schaljapin.
„Singen Sie, Herr", rief da ungeduldig ein anderer, „und machen Sie, daß Sie fertig werden. Wir sollen den Flügel ins Geschäft zurückbringen."
W.K.


