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llr.102 Erstes Blatt

Samstag, 2. Mai 1936

186. Jahrgang

Metzener Anzeiger

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ZKZM General-Anzeiger für Oberhessen MW

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Frankfurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatsvuch- und Zteindruckerei R. Lauge in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Mengenabschlüsse Staffel ö

Tag der Arbeit - Tag der Freude.

Das deutsche Volk beging in einmütiger Geschlossenheit den Nationalen Feiertag des 1. Mai.

Deutscher Freudentag.

Der Auftakt in der Reichshauptstadt.

Berlin, 1. Mai. (DNB.) Als in der Frühe des 1. Mai die Glocken den Freudentag des deutschen Volkes einläuteten, hat sich das ganze Deutschland in ein Festgewand gekleidet. In Stadt und Land, von der Küste bis zu den Alpen, vom befreiten Rhein bis zu des Reiches Ostmark sind leuchtend Millionen Freiheitsfahnen emporgestiegen. An die­sem Tage hat sich vor drei Fahren, erstmalig sür alle Welt sichtbar, das deutsche Wunderder Volkwerdung vollzogen, als sich alle Stände und Schichten brüderlich die Hand reichten, den Klassenkampf, den Standesdünkel und den ewigen Hader abschworen, im unerschütterlichen Glauben dem Schöpfer der deutschen Einheit zuriefen:Füh­rer befiehl, wir folgen!"

Roch ehe die Glocken den Freudentag einleiten, zieht mit klingendem Spiel die Wache mit den Spielleuten und dem Musikzug des J.-R. 67 zum Wecken durch die Innenstadt, trotz der frühen

Morgenstunden und des bedeckten Himmels, wie immer begleitet von fröhlich nebenher marschieren­den Menschen. In überreichem Festschmuck stehen die Straßen. Seit 9 Uhr formieren sich die Marschkolonnen und setzen sich in 25 riesigen Heeressäulen mit dem gleichen Ziel in Bewegung. Trommelwirbel, Fanfarenklänge, Marschmusik, Lie­dersang! Ueberall klingt das Lied des nationalen Feiertages des Volkes auf:Freut euch des Lebens!" Wie immer an Schicksals- oder Feier­tagen fanden sich vor der Reichskanzlei schon in den frühesten Morgenstunden viele Tau­sende Berliner ein.

Unter dem unbeschreiblichen Jubel der Menge erscheint der Führer um 8.45 Uhr, um sich zur großen Jugendkundgebung.in das Post­stadion zu begeben Immer wieder donnert ihm aus vielen tausend Kehlen der Morgengruß der Berliner entgegen. An einem unübersehbaren Men­schenspalier entlang, aus dem brausende Heilrufe aufklingen, fährt der Führer durch die Wilhelm- straße zum Poststadion, wo ihn die Bannerträger der Zukunft, Deutschlands Jugend, er­warten.

selbst wieder Träger des Lebens dieses Volkes in der Zukunft werden.

Roch leben wir in einer Zeit, über der die Schatten derVergangenheit liegen. Roch befinden sich unter uns Millionen von Volksgenossen, die irgendwie erfüllt sind von Vorstellungen, die sie aus dieser Vergangenheit in die Gegenwart mitüber­nommen haben. Es ist nicht so einfach für diese Männer und Frauen, sich so ganz loszulösen von den Einwirkungen ihrer Erziehung, der Beeinflus­sung früherer Generationen, ihrer eigenen Jugend, und ihres eigenen Wachsens. Allein, was dieser Generation vielleicht nicht mehr ganz gelingen kann, das muß Euch uttd ich weiß es, meine Jugend, das wird Euch vollkommen gelingen. Denn ihr kennt diese Vergangenheit nicht mehr.

Ihr habt das Glück, schon aufzuwachsen in diesem neuen Wollen, in diesem neuen Wer­den. Ihr tragt schon in Eurer Kleidung diesen Einheitsgedanken des deutschen Volkes. Und wenn wir vor wenigen Wochen erst erlebten, daß sich in diesem Jahr über 90 v. h. des neuen Jahrganges in unserem Jungvolk ein­fanden, dann wissen wir damit, daß über 90 v. h. dieser Jugend endgültig gewonnen sind diesem neuen Staatsgedanken, diesem neuen deutschen Volksgedanken und diesen neuen deutschen Idealen.

Wir fordern von dir nun, meine Jugend, daß du

kapituliert und schwach wird. Und es ist schön, daß unsere deutsche Jugend diesen Weg der Härte geht. Es ist ein unendlich männlicher Zug in ihr. Ich bin glücklich, so über euch hinwegsehen zu können: Ihr seid die schön st enNachko mm e n unserer Vorfahren und seid die s ch ö n st e Hoffnung für eine st arte kommende deutsche Nation.

Vor allem aber verlangen wir, daß du, deutsche Jugend, in dir schon vorbildlich die deutsche Volkwerdung gestaltest, daß ihr alle lernt, euch mehr und mehr zu einer Gemeinschaft zu verschmelzen und daß ihr lernt, den Wert des einzelnen zu messen an seinem Verdienst für diese Gemeinschaft, für eure Ge­meinschaft heute und im größeren Sinne für die Gemeinschaft unseres Volkes morgen. Das erwarten wir von dir, deutsche Jugend, und das erwarten wir besonders an dem Tage, der wie kein anderer unserer deutschen Volksge­meinschaft geweiht ist: am Tage des 1. Wai. Euch besichtigen wir an diesem Tage und sind stolz, euch so zu sehen. Stolz und glücklich zu­gleich. Stolz, weil ihr unsere Jugend seid, und glücklich, weil wir wissen, daß das Werk, das wir aufgebaut haben, nicht mit unserer Gene-

Die deuischeZugend huldigt dem Führer.

Oie schönste Hoffnung für eine starke kommende deutsche Nation/'

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3m poststadwn.

Das weite Rund des Poststadions war ein ein­ziges wogendes Meer von den Trägern der braunen HJ.-Hemden und der schwarzen Jungvolk-Jacken. Aus der Arena hoben sich die blauen und weißen Matrosenmützen der Marine-HI. ab. Der BDM. bildete in seinen weißen Blusen aus dem der Haupt­tribüne gegenüberliegenden Rang einen geschlossenen Block. Schmetternde Fanfarenklänge gaben das Zei­chen zum Beginn der Kundgebung, die Reichsjugend­führer Baldur v. Schirach mit einer Ansprache eröffnete, in der er zunächst die Sieger und Siege­rinnen im Reichsberufswettkampf begrüßte und dann weiter mitteilte, daß die große Werbeaktion für das Deutsche Jungvolk zu einem so gigantischen Erfolg geführt habe. Aus den vorliegenden Mel­dungen gehe hervor, daß im allgemeinen 90 o. H. aller Zehn- bis Vierzehnjährigen erfaßt feien. Aus einigen Gegenden fei bereits die hundertprozentige Erfassung gemeldet.

Der Führer hat uns beauftragt, so erklärte der Reichsjugendführer, in diesem Jahre eine große, die ganze Jugend umfassende Organisation zu bilden, die den NamenDie R e i ch s j u g e n d" tragen soll, und ihr, die ihr als Führer innerhalb der Hit­lerjugend seit Jahren tätig seid, ihr sollt die Füh­rung dieser Organisation übertragen bekommen. Mit eurer unermüdlichen Arbeit für das Jungvolk habt ihr die Voraussetzungen für den Aufbau dieser gro­ßen Gemeinschaft geschaffen.

Nach der Rede des Reichsjugendführers und dem LiedeTritt heran, Arbeitsmann" richtete Dr. Goebbels als Gauleiter von Berlin Grußworte an die im ganzen Reich aufmarschierten Jungen und Mädel. Auch an diesem Nationalfeiertag sei die deutsche Jugend wieder als erste aufmarschiert, um zu bekunden, daß sie ebenso entschlossen sei wie die Erwachsenen, den Sinn und das neue Ethos der Arbeit im nationalsozialistischen Staat zu erkennen und zu begreifen.Diese Jugend", so betonte Dr. Goebbels, ,',hat es leichter, als mir es einmal gehabt haben. Denn während wir in unseren jungen Jah­ren heiß und leidenschaftlich um ein neues Welt­anschauungsideal rangen, findet sie bereits den festen Boden dieses Ideals vor.

Diese Jugend ist nicht gottlos, wie man ihr von feindlicher Seife da und dort nachsagt, sie ist s o gläubig wiese eine deutsche Jugend gewesen ist. Es ist eine Gläubigkeit der Kraft, des Stolzes und der Selbstbehauptung, die sie erfüllt. Sie dient dem Volk und damit einer höheren moralischen Sittlichkeit. Wir haben sie gelehrt, tapfer zu sein wie ihre Väter es waren, wir haben sie nicht die Furcht, wohl aber die Ehrfurcht gelehrt. Wir haben sie die Tugend derkameradschaft gelehrt, und zwar nicht in den Theorien der Lehrbücher, sondern in der tausendmal erhärteten Praxis des Alltags. Wir haben sie gelehrt, die Klassenunter­schiede zu überwinden und sich zu der schwer er­kämpften Einigkeit unseres Volkes zu bekennen.

In diesem Sinne legt ihr in dieser Morgenstunde ein Bekenntnis zu Volk und Staat, zum National- sozialismus und zum Führer ab, indem> ihr me großen Tugenden unseres Volkes, denen ihr nach- eifern sollt und nacheifern wollt, verkörpert s h - Wir grüßen das Reich wir grüßen das -lioir wir grüßen den Führer!"

Nach der Rede von Dr. Goebbels brauste ein ein­ziger Ruf aus hunderttausend Kehlen durch das Stadion: Der Führer war durch das Haupttor in das Stadion eingefahren. Aufrecht im ®ogen stehend, fuhr er langsam auf der freigetaffenen Laus-

bahn zwischen der Arena und bei Rängen mitten durch die Jugend hindurch, immer wieder mit be­geisterten Heilrufen begrüßt. Die 80 000 Jungen und Mädel sangen darauf das weihevolle Lied der Ju­gendAufhebt unsere Fahnen" von Fritz Sotke. Als der Reichsjugendführer dann verkündete:E s spricht unser Führe r". klangen erneut die Heilrufe auf, aber bann war es ganz still unb mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten bie Jungen unb Mäbel ben Worten bes Führers.

Der Führer fmd)i zur Juaeno.

Selten in ber beutfchen Geschichte, so begann ber Führer seine Ansprache,» war einer jungen Genera­tion ein so schönes Schicksal beschieden wie Euch. Ihr lebt als deutsche Jugend in einem jungen Reich, in einem jungen Reich erfüllt mit einem freudigen Leben, mit einer starken Hoffnung, mit einer unzerstörbaren Zuversicht. Ihr lebt in einem Reich mit jungen, neuen Ideen, erfüllt von jungen, neuen Kräften.

Die heutige deutsche Generation hat unendlich viel in ber Ueberroinbung ber beutschen Zersplitterung unb Uneinigkeit erreicht: lieber Stammesunterfchiede, künstliche Ländergrenzen unb Parteien hinweg hat sich in einer neuen Bewegung sieghaft bie Einigung ber beutschen Nation vollzogen, ihre Einigung zu einer Auffassung, in einer Jbee unb für einen gemeinsamen Lebenskampf. Die Einigung bamit aber auch für bas Einschlagen eines Weges in biefem Kampf ber Einigkeit unb Geschlossenheit in allen Hanblungen. Ihr erlebt es, meine Jugenb, daß zum ersten Male in unserer Geschichte 99 Prozent eines Volkes sich zu diesem Geist die Einheitlichkeit bekannt haben. Ihr habt das Glück, die Jugend, d e r Nachwuchs dieses Volkes zu sein. Ihr könnt in diesem Volk Euer Leben ausbauen und damit

eine i d e a l i st i s ch e Jugend bist, weil wir glauben, daß nur aus dieser idealistischen Grund­haltung heraus eine wirkliche Volksgemeinschaft entstehen kann! Wenn jeder nur an sich allein denkt und jeder nur seine Interessen vor Augen hat, bann kann keine Volksgemeinschaft werben. Es hat jeher nicht an sich allein zu benten, sondern vor allem an die Gemeinschaft, an bie Gesamt­heit aller Volksgenossen. Es erforbert von bem einzelnen ein Aufgeben persönlicher Wünsche, einen Verzicht auf bie Erfüllung persönlicher Hoffnun­gen. Ader es ist notwendig, wenn wir jene grö­ßere Hoffnung erfüllen wollen, daß unser Volk b e st e h e n soll auf dieser Welt. Wir ver­langen daher, daß du schon in deiner Jugend lernst, Opfer auf dich zu nehmen, Opfer an deiner per­sönlichen Freiheit, Opfer an deiner freien Zeit, Opfer an vielen kleinen Genüssen des Lebens; Opfer, indem du Sorgen übernimmst, nicht für den einzelnen, nicht für dich allem, deutscher Knabe und deutsches Mädchen sondern für Eure kleine unb boch so große Gemeinschaft.

Unb wir verlangen zweitens, beutsche Jugend, daß bu charakterstark wirst! Daß bu an- ftänbig denken lernst, daß du alles das ablehnst, was schädlich ist und immer schädlich sein wird. Wir verlangen, daß bu charakterstark wirst, inbem bu bich zu ben Idealen und Tugenden bekennst, die zu allen Zeiten die Grundlagen für große Völker gewesen sind. Und wir verlangen weiter drittens, daß bu hart bist, beutsche Jugend, unb hart wirst! Wir können eine Generation von Muttersöhnchen, von verzogenen Kinbern nicht brauchen. Was wir benötigen, das sind Knaben und Mädchen, die später einmal tapfere Männer und Frauen sein können. Wir müssen eine harte Jugend verlangen,. damit später einmal, wenn das Leben in seiner Härte an sie herantritt, sie nicht vor dieser Härte

ration stirbt, sondern weiterlebt unb weiter­leben wird, solange es Deutsche gibt auf dieser Welt. So wollen wir an diesem 1. Wai uns alle wieder vereinigen in dem Bekenntnis zu unserem Volk, zu seinem Schicksal, zu seinem Kampf, zu seiner Gegenwart und zu seiner Zukunft, die in euch liegt. Deutsches Volk und Deutsches Reich Sieg-heil!"

Nach dem Sieg-Heil des Führers fangen die Zehntaufenbe das Lied der Hitler-JugendVor­wärts, vorwärts!" Zum Abschluß brachte der Reichsjugendführer ein Sieg-Heil auf den Führer und das deutsche Volk aus, in das die Jugend machtvoll einstimmte. Und noch einmal war nun das Stadion ein einziges Meer jugendlicher Be­geisterung, als der Führer bann roieber burch einen Walb von ausgestreckten Fahnen bas Post- stabion verließ.

Trmmphsahrt des Führers zum Lustgarten.

Die Fahrt bes Führers zum Lustgarten würbe zu einer einzigartigen Kunbgedung ber Freube unb bes Vertrauens ber Schaffenben. Tausende von Händen reckten sich dem Führer entgegen, der in seinem Wagen stehend, nach allen Seiten dankte. Auch aus ben Fenstern unb von ben Dächern ber Gebäube winkten unb jubelten begeisterte Menschen, die schon feit vielen Stunden auf ihren Plätzen gewartet hat­ten. Eine erhebende Kundgebung auf dem 6 Kilo­meter langen Weg bis zum Endpunkt der via triumphalis, dem Lustgarten, der Stätte des feier­lichen Staatsaktes.

Der Führer begrüßt den Reichsjug^ndführor. Rechts sieht man einen Ausschnitt aus dem Aufmarsch der Jugend. (Scherl-Bilderdienst-M.)