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in ^aternhelt mit Unterschlagung zu 5Monaten ® J-J a JL0 " ' 9 und 100 Mark Geldstrafe verurteilt.
Der 415. D aus Romrod wurde von der Anklage der schweren Körperverletzung freigefprochen. Der Angeklagte sollte anläßlich eines Tanzver- anuaens einem anderen jungen Manne mit einem Messer Verletzungen beigebracht haben. In der gestrigen Hauptverhandlung stellte sich jedoch heraus daß der Angeklagte in Notwehr gehandelt hatte.
Sodann befaßte sich das Gericht mit dem A. B. uus ^^uls-Horloff ebenfalls wegen Körperverletzung. Der Angeklagte befand sich am 30. 9 1935 mit noch mehreren Personen bis spät nachts in einer Wirtschaft in Trais-Horloff. Nachdem man oort einige Glas Bier getrunken hatte, kam es auf dem Heimweg zu einer Schlägerei. Der Angeklagte lauerte einem Zechgenoffen auf und brachte ihm durch Faustschläge Verletzungen bei. Das Gericht erkannte auf 7 0 Mark Geldstrafe, hilfsweise 14 Tage Gefängnis.
Preußen.
Reichsleiter Or. Ley auf der „Kestenburg" in Oberursel. NSG. Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront und Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley trifft im Laufe des Donnerstag mit seinen Hauptamtsleitern und Amtsleitern der NSDAP, und der Deutschen Arbeitsfront auf der S ch u l u n g s - bürg in Oberursel zu einem dreitätigen Aufenthalt ein, der ein kameradschaftliches Zusammentreffen der Hauptamtsleiter und Amtsleiter ,zum Zwecke hat.
Schulungslager derNE-Gtudentinnen
NSG. Vom 1. bis 6. April findet in Oberursel ein Schulungslager der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen (ANSt.) im NSDStB. statt, das die 18 Gruppenführerinnen, ihre Stellvertreterinnen und die Schulungsleiterinnen der Hoch- und Fachschulen des Gaues Hessen-Nassau vereint.
Dieses Lager dient der weltanschaulichen Schulung der Kameradinnen und der Auslese der Fähigsten. Die Schulung liegt in Händen des Gauschulungsreferenten Pg. S ch i n k e und wird sich im wesentlichen mit dem Thema „Volk und Staat" befassen.
Außerdem werden den Kameradinnen die Richtlinien für die Arbeit des kommenden Sommer- semesters gegeben.
Tragischer Tob eines Kindes im Gemeindebrunnen.
< E r d a (Kreis Wetzlar), 1. April. Gestern ereignete sich hier ein tragischer Unglücksfall, dem leider ein Bübchen zum Opfer fiel. Das drei Jahre alte Söhnchen des Landwirts und Vaumwarts Wilhelm Dönges war mit dem Großvater zu dessen Gartenarbeiten von daheim fortgegangen. Als der Kleine an der Arbeitsstätte des Großvaters Langeweile bekam, lief er allein nach Hause zurück, wo er indessen nicht ankam. Bei der Heimkehr des Großvaters wurde man auf das Fehlen des Kindes aufmerksam und suchte nunmehr den Ort ab, ohne das Bübchen zu finden. Schließlich forschte man mit langen Stangen auch in einem mit Wasser vollgefüllten Gemeinde- brunnen nach, in dem man das Kind leider ertrunken vorfand. Offensichtlich ist das Bübchen auf seinem unbeaufsichtigten Heimgang unbemerkt in den Brunnen gefallen und hat bei dessen hohem Wasserstand den Tod durch Ertrinken gefunden.
Kreis Wetzlar
CD Krofdorf, 1. April. Unter den etwa zwei Dutzend Männern und Frauen unseres Ortes, die das achtzigste Lebensjahr überschritten haben, begeht am Freitag die Witwe Anna Margaretha Bopper, geb. Abel, ihren 8 3. Geburtstag. Wenn auch ihre beiden Kinder nicht mehr am Leben sind, so bringen aber acht Enkel Freude und Abwechslung in den Lebensabend der Jubilarin, die sich noch guter Gesundheit erfreut.
Einziehung von 30000 Mark.
LPD. Frankfurt a. M., 1. April. Gegen den Dr. Erich Kahn, 1893 in Naugard geboren, zuletzt Hans-Thoma-Straße 5 in Frankfurt ansässig, zur Zeit in der Schweiz wurde die Einziehung
von 30000 Mark an Stelle der nicht mehr ausführbaren Einziehung der in das Ausland verbrachten Werte von mindestens 30 000 Mark zugunsten des Deutschen Reichs, vertreten durch den Präsidenten des Landesfinanzamts Kassel, auf Kosten des Dr. Kahn angeordnet. Durch die Ermittlungen ist erwiesen, daß Dr. Kahn vorsätzlich sowohl Barmittel als auch Wertpapiere im bezeichneten Wert 1933 ohne Genehmigung der Devisenstelle ins Ausland verbracht und. sich nach § 12 der Devisenordnung schuldig gemacht hat.
Rundfunkprogramm.
Freitag, 3. April.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. 6.30: Gymnastik. Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.30: Süddeutsche Unterhaltungsstunde. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Bauernfunk. 11.45:
Sozialdienst 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Schallplatten-Kon- zert. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Zuflucht der Leidenden. Das Leben eines Krankenhauses durch den Tag, durch die Nacht. 16: Unterhaltungsmusik. 17.30: April! April! Plauderei von Edmund Sittig. 17.45: Wie Wasserleitung und Kanalisation nach Frankfurt kamen. Eine Erinnerung. 18: Musik zum Feierabend. 19: Bayrisch Knödel — Schwäbische Spätzle. Heitere 45 Minuten in Wort und Ton. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Hanz Pfitzner dirigiert. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Sportschau der Woche. 22.45: Unterhaltungskonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Ho- henzollern. 24 bis 2: Symphoniekonzert des Rundfunkorchesters.
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StOenlen-Wball Deutschland-England.
Am Sonntag im Frankfurter Sportfeld.
Die Studenten-Fußballer Deutschlands und Englands treffen am Sonntag, 5. April, zum zweiten Male in einem Länderkampf zusammen. Das erste Spiel, das anläßlich der Studentenweltmeisterschaften 1935 in Budapest stattfand, ergab ein gerechtes 2:2-Unentschieden. Auf beiden Seiten sah man ein gutes Spiel, das dem zweier erstklassigen Vereins- Mannschaften nur wenig nachstand. So kann man auch für das Rückspiel zwischen den beiden Studen- ten-Mannschaften, das im Frankfurter Sportfeld zum Austrag gelangt und sicher zahlreiche Fußballfreunde anlocken wird, gute sportliche Leistungen erwarten.
Die englische Studentenelf konnte in ihren Kämpfen mit der englischen Amateur-Nationalmannschaft immer ausgezeichnet abschneiden. Nur einmal ging in den letzten vier Jahren ein Spiel verloren, und zwar 1934 in Newcastle mit 2:5. 1933 siegten die Studenten in der gleichen Stadt 5:4, 1935 gewannen sie in Manchester überlegen mit 5:0 und ein Jahr später endete das Treffen ebenfalls in Manchester 2:2 unentschieden. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, daß in der Mannschaft Leute stehen müssen, die etwas' können. Tatsächlich ist es auch so, vier Spieler vertraten England schon mehrere Male bei Amateur-Länderspielen. Die übrigen Spieler sind meist in Amateurvereinen oder in den Fußball-Mannschaften ihrer Hochschulen tätig.
Die deutsche Studenten-Mannschaft kann ebenfalls mit Ergebnissen aufwarten, die sich sehen lassen können. 1935 gelang ein 5:0-Sieg gegen die lettischen Studenten und ein 4:4-Unentschieden gegen Lettlands National-Vertretung. Gegen den Studentenweltmeister Ungarn wurde das entscheidende
Spiel in Budapest nur knapp mit 1:2 verloren. Die Spieler der deutschen Auswahl sind ausschließlich Gauliga-Spieler. Die Aufstellung der beiden Länder-Mannschaften lautet:
England: H. F. Reed (Bristol); H. Sowerby (Manchester), W. A. Cotton (Sheffield); T. H. H. Leek (Birmingham), T. Barrow (Manchester), I. W. S. Beswick (Loughborough); H. T. Souter (Glasgow), L. Bradbury (Nottingham), B. Clements (London), D. Carney (Liverpool), P. T. Collings (London).
Deutschland: Bonk (Uni Halle, Preußen Hindenburg); Hans Vogel (Uni Berlin, Blauweiß Berlin), Klaas (Uni Greifswald, Tennis- Borussia Berlin); Breindl (TH. München, Bayern München), Theo Vogel (Uni Köln, Köln 99), Richter (Uni Berlin, Preußen Berlin); Dr. Böttner (Uni Marburg, Kurhessen Marburg), Burg (Uni Berlin, VfB. Pankow), Lindemann (Uni Frankfurt a.M., Offenbacher Kickers), G ä ß l e r (Uni München, Bayern München), P r y s s o ck (Uni Berlin, Minerva 93 Berlin).
Die bekanntesten Spieler der deutschen Elf sind der Münchener Breindl, der Offenbacher Lindemann und der „Bayern"-Stürmer G ä ß l e r. Die Aussichten auf den Sieg dürften ziemlich gleich sein. Beide Mannschaften werden die größten Anstrengungen machen, im zweiten Kampf den ersten Sieg zu erringen. Wenn sich der deutsche Sturm zusammenfindet und die Hintermannschaft sicher spielt, dann ist uns um ein ehrenvolles Ergebnis nicht bange.
Schiedsrichter des Kampfes ist Karl Wein- gärtner (Offenbach).
3fl Handball em Iranensporl?
Wie bereits bekannt ist, wird am kommenden Sonntag in Gießen der Gaumeister im Handball der Frauen zwischen Hessen-Preußen Kassel und Turngemeinde Hanau ermittelt. Mit der Ausrichtung dieses Spieles, dem man natürlich im Kreis VIII größtes Interesse entgegenbringt, ist die Spieloereinigung 1900 beauftragt worden. Weil Frauenhandball in unserer Gegend bis heute noch so gut wie unbekannt ist, lohnt es sich, gerade vor dem großen Spiel den Frauenhandball etwas näher zu beleuchten.
Es gibt Gaue und Kreise in Deutschland, in denen das Handballspiel für Frauen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Auch im Norden und Süden des Gaues XII (Kreis 1 und 12) ist man bereits dazu übergegangen, Rundenspiele durchzuführen. Weshalb das Spiel in der Gau- Mitte und vornehmlich im Kreis VIII bis heute nicht Fuß fassen konnte, ist nicht zu verstehen. Man sollte meinen, daß gerade hier alle Voraussetzungen vorhanden wären. Denn es gibt kaum ein Gebiet, das über mehr Turnerinnen und Sportlerinnen verfügt als gerade der heimische Kreis. Es will so scheinen, als ob es bis jetzt am „Anfängen" gefehlt habe und daß es nur daran liegt,
die interessierten Kreise zusammenzufassen. Dazu ist bei dem Endspiel um die Gau-Meisterschaft Gelegenheit. Hoffen wir, daß die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreicht und daß sich viele Interessenten finden. Der Anfang ist dann schnell gemacht.
Zu dem Thema selbst: „Ist Handball ein Frauen- sport?" wäre viel zu sagen. Wir wollen uns daraus beschränken, nur das allerwichtigste anzuführen: Die Ansichten gehen an sich weit auseinander. Ist jemand sportlich eingestellt, so wird er in den meisten Fällen ohne weiteres für das Spiel zu haben sein. Will hingegen jemand vom Sport nichts wissen, so wird er alle möglichen Dinge anführen, die dagegen sprechen. Vielleicht ist es darum ganz interessant zu lesen, was eine Medizinerin zu der Sache zu sagen hat:
„Die wissenschaftliche Erforschung der Leibesübungen und ihre Wirkung hat zu der Einsicht geführt, daß die Frau zur Erreichung und zur Erhaltung eines gesunden Körpers der Leibesübungen bedarf. Wenn diese Ansicht auch noch immer nicht genügend in die Tat umgesetzt worden ist, so finden wir heute doch schon bedeutend weniger blutarme Mädchen im Ver- früher. Durch gesteigerte Berufstätig-
Oer Fackelhalter für den Olympischen Staffellauf.
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Das Bild zeigt einen Fackelhalter, wie sie bei dem Fackelstaffellauf Olympia-Berlin 1936 verwandt werden. Die Griffe sind nach einem Entwurf des Bildhauers Walter Lemcke von der Fried. Krupp AG., Essen, aus Nirosta-V^-Stahl hergestellt und verbleiben zur Erinnerung an den Lauf im Besitz der Läufer. Ein Griff wiegt ohne Fackel 500 Gramm. Eine Fackel hat ein Gewicht von 700 Gramm. Auf dem Mittelstück des Griffes ist der Reichsadler mit den fünf Ringen und der Weg des Feuers von Olympia bis Berlin eingeätzt. Auf der Schutzscheibe stehen die Worte: „Als Dank dem Träger. Organisationskomitee für b i eA XI. Olympiade Berlin 1936".
Die Firma Krupp hat sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, die 3400 für den Fackelstaffellauf benötigten Griffe dem Organisationskomitee zu stiften.
feit der Frau kommt ein schädigender Einfluß hinsichtlich der Gesundheit der Frau ohne Zweifel in Frage, so daß wir uns bemühen müssen, diesen Einfluß durch körperliche Ausarbeitung wieder auszugleichen."
Es fragt sich nun, ist gerade der Handballsport die richtige Art der Leibesübung für das junge Mädchen, für die Heranwachsende Frau und spätere Mutter? Da gerade zum Handball außer dem zum Werfen benutzten Ball keinerlei Geräte notwendig sind, so ergibt sich die Tatsache, daß die durch Lauf und Wurf, durch Bücken und Fangen zwangsläufigen Bewegungen eine geradezu ideale Ausarbeitsmöglichkeit für den weiblichen Körper bilden.
Es ist eine Freude, die jungen Mädchen und Frauen in ihrer leichten Sportkleidung auf dem mehr oder weniger grünen Rasen mit dem Ball spielen zu sehen, bald im schnellen Start, um den vorgespielten Ball zu erreichen, bald beim Bücken, um einen auf dem Boden liegenden Ball aufzunehmen und ihn mit kräftigem Schwung einer ihrer Mitspielerinnen zuzuspielen.
Daß im Eifer des Gefechts zwei Spielerinnen auch einmal zusammenprallen, kommt vor. Es liegt
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ausgiebig ^und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend
Die Tippgräfin.
Roman von Klothilde v. Stegmann
Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68.
28. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Doch noch war die Bitternis dieses Tages für Mariella nicht vorüber. Die Anschaffung der Trauergarderobe und der Kranz, den sie verspätet mit blutendem Herzen auf Erhards Grab niedergelegt, hatten den letzten Rest ihres Geldes verschlungen.
Renate hatte ihr eine größere Summe angeboten; aber Mariella weigerte sich krampfhaft, auch nur einen einzigen Pfennig über die dringlichsten Ausgaben hinaus von ihr anzunehmen. Sie besaß noch die kleine, echte Perlenschnur, die Tante Annina ihr am Tage ihrer Konfirmation um den Hals gelegt hatte. Sie wußte, daß sie in ihrer Situation heute keinen Schmuck verkaufen durfte — und wenn sie Renate um diesen Liebesdienst gebeten haben würde: wer weiß, wie diese sich dazu stellte? Aber versetzen konnte Mariella bas Kettchen doch sicherlich selbst, das konnte doch nicht den mindesten Verdacht erregen. Sie hatte den Schmuck und ihren 'Paß zu sich gesteckt und beabsichtigte, das gleiche Leihhaus aufzusuchen, in dem sie so oft für Er- chard Wertgegenstände versetzt oder eingelöst hatte. Dort war sie persönlich bekannt, und man würde ihr sicherlich ohne Mißtrauen die Perlen beleihen.
So trat sie diesen Weg an, nachdem sie sich von .Hartwig verabschiedet hatte. Nun eilte sie durch die ■Straßen, den langen schwarzen Schleier ängstlich vor das verhärmte Gesicht gezogen, um nur von keinem ihrer Bekannten wiedererkannt und angesprochen zu werden.
Es war ein düsteres Gebäude in einer kleinen Straße des Zentrums, in das sie trat. Eine ganze Reihe von Menschen wartete darauf, abgefertigt ,zu werden, und der Besitzer des Unternehmens war nervös und überreizt.
Endlich kam die Reihe an Mariella. Vor Erregung hielt sie sich krampfhaft an der Seitenwand Der Glaskoje fest, die sie jetzt betrat. Mit bittender 'Gebärde reichte sie dem Pfandleiher die Perlen hin:
„Fünfzig Mark muß ich mindestens darauf haben, Herr L-Lbach!" sagte Mariella schwach.
Er nickte ihr flüchtig zu und sah erst ihre Trauerkleidung.
„Nanu — was ist denn los? Wer ist Ihnen denn gestorben?" fragte er. Und ohne ihre kaum hörbar gemurmelte Antwort abzuwarten, griff er zur Lupe und trat dicht unter die Lampe, um die Perlen auf ihre Echtheit und ihren Glanz zu prüfen.
„Dreißig Mark kann ich Ihnen geben, Fräulein!" sagte er, als er wieder in die Koje trat. Mariella hatte inzwischen den Schleier zurückgeschlagen. Und als er das Zucken sah, das bei feinen Worten über ihr zerquältes Antlitz huschte, fügte er gutmütig hinzu: „Na, fünfunddreißig, weil Sie es sind!"
„Danke!" Sie nickte wie betäubt
„Legitimation, bitte?"
Sie zögerte.
„Aber Sie kennen mich doch schon so lange, Herr Leibach!" stammelte sie.
„Gewiß! Vom Sehen! Aber weder Namen noch Adresse! Irgend etwas werden Sie doch hier haben, Fräulein? Polizeiliche Anmeldung, Steuerquittung?"
„Hier ist mein Paß!"
Zitternd reichte sie ihn über den Tisch, hinter dem er stand. Ohne ihn anzusehen, gab er ihn weiter, an die Büroangestellte, die hinter ihm saß und in ein dickleibiges Buch die Personalien derjenigen eintrug, die Geld auf Wertgegenstände erbeten hatten. Auch die Pfandscheine füllte sie aus. Da hielt sie inne. Das rothaarige, fommerfproffige Mädchen am Schreibtisch, das den Paß überflogen hatte, winkte ihrem Chef.
Beide tuschelten miteinander, die Köpfe über dem Paß zusammensteckend. Gleich darauf kam der Pfandleiher mit ratlosem, verlegenem Gesicht zurück. Alle seine Gefühle spiegelten sich deutlich darauf wider. Hochachtung vor dem hohen Titel seiner Kundin, der ihm bisher unbekannt geblieben war, Mißtrauen und Furcht, sein gutes Geld für gestohlenes Gut hinzugeben und sich dadurch zum Hehler zu machen.
„Es tut mir furchtbar leid!" sagte er halblaut. „Es tut mir furchtbar leid, Prinzessin! Aber Sie müssen verstehen, daß ich die Kette nicht beleihen kann und darf. Von Rechts wegen müßte ich den Gegenstand hierbehalten und ihn der Behörde übergeben, doch das tue ich nicht. Beleihen kann ich ihn jedoch nur, wenn Prinzessin einen Ausweis darüber haben, daß Ihnen der Schmuck gehört. Und der ist wohl nicht vorhanden?"
Der Leihhausbesitzer war sich gar nicht bewußt, welche Nichtachtung in dieser Frage lag. Aber Mariella spürte es wohl. Das ganze Zimmer schien sich um sie zu drehen. Sie antwortete kein Wort; sie drehte sich um, um aus der Pfandleihe zu fliehen. Der Pfandleiher sah wohl nun erst, wie sehr er seine Kundin getroffen hatte.
„Aber Ihr Paß, Prinzessin!" rief er ihr nach. „Außerdem bin ich dem Herrn Grafen von Hagen noch aus dem Erlös eines goldenen Zigarrenetuis ein paar Mark schuldig. Hier bitte, nehmen Sie! Sie müssen meinen Standpunkt verstehen. Ich bin kein schlechter Mensch Aber die Zeiten, die Zeiten —"
Mariella ergriff den Paß.
„Ich danke Ihnen sehr!" sagte sie mühsam. „Aber dieses Geld hier, das Sie mir anbieten, steht mir nicht zu!"
Ehe Herr Leibach noch etwas sagen konnte, war sie die Treppe hinunter. Sie kam so verstört daheim an, daß sogar Renate es nicht wagte, sie nach den Vorfällen dieses Nachmittags zu fragen, von dem sie nur wußte, daß Mariella ihren Verteidiger aufsuchen wollte. Mariella war ihr dankbar für dieses Schweigen. Selbst Jago, der sich sonst wie ein Rasender gebärdete, wenn Mariella heimkam und seine Liebe zu seiner Herrin auch auf Mariella übertragen zu haben schien, strich nur scheu um sie herum.
Doch nach dem Abendessen, von dem Mariella kaum einen Bissen genoß, hielt sie es nicht mehr aus. Sie mußte sich Renate anvertrauen. Wäre Lore dagewesen, dann freilich hätte sie Lore von den schrecklichen Erlebnissen des heutigen Nachmittags berichtet. Aber Lore war bereits wieder auf die Geyerburg zurückgefahren. Sie konnte ihre Arbeit nicht lange im Stich lassen Nun saß Mariella Renate gegenüber. Der kleine (Barten lag still im Abendlicht. Die Kiefern dufteten. Der betäubende Duft der Linde mischte sich mit dem des letzten Jasmins. Da begann Mariella abgebrochen von ihren Erlebnissen zu berichten.
Ohne zu unterbrechen, hatte Renate zugehört. Dann griff sie nach Mariellas Hand und drückte sie ermunternd:
„Du wirst auch darüber hinwegkommen, Kind!" Ihre Stimme klang tief und warm. Ihr energisches Gesicht zeigte so viel Zuversicht, daß auch etwas«
von Hoffnung in Mariellas Seele floß. Renate stand auf. Sehr groß und schön stand sie in ihrem leuchtend blauen Seidenkleid da. Wie ein Bild der äußeren und inneren Harmonie wirkte sie. Eine wohltuende Ruhe ging immer von Renate aus, die so fest auf eigenen Füßen stand, die immer bemüht war. Schwächere zu halten und zu lenken.
„Wenn ich auch so viel Tatkraft und Mut hätte wie du, Renate!"
Bewundernd schaute Mariella auf die ältere Freundin:
„Ich bin auch nicht immer so gewesen, Mariella! Ich bin auch erst durch schwere Lebenskämpfe so geworden. Aber du wirst auch sehen, daß die Kräfte des Menschen durch den Kampf wachsen. Für die nächsten Wochen werden wir einen Arbeitsplan für dich aufstellen, der dir gar keine Zeit lassen dürfte für Dinge, wie dein törichter Leihhausbesuch, der doch zu nichts führte. Wenn das Archiv schriftlich durchgearbeitet ist, werde ich dich in der Dunkelkammer beschäftigen, und außerdem muß unser Jago wieder regelmäßige Spaziergänge machen. Du sollst mal sehen, wie glücklich der arme Kerl sein wird, wenn du mit ihm ein bißchen hinauswanderst und mit ihm spielst. Ich habe ja leider so wenig Zeit."
„Nein, nein", flüsterte Mariella angstvoll, „nicht hier heraus aus dem Hause und dem (Barten. Renate, begreifst du es nicht; ich fürchte mich vor der Welt da draußen! Vor der Welt, in der er nicht mehr ist: Erhard."
Sie hatte den Namen des (Beliebten nur geflüstert. Aber Renate hatte verstanden.
„Mariella", sagte Renate ernst, „du mußt endlich einmal zur Wirklichkeit erwachen! Du tust ein großes Unrecht an dir und den paar Menschen, die zu dir gehören, daß du dich nicht belehren lassen willst. Du mußt das Leben sehen, wie es ist. Und auch die Menschen, wie sie sind oder waren. Das Bild, das du dir von Erhard von Hagen machst, ist ganz anders, wie die Wirklichkeit war. Er ist deines Kummers und deines Opfers nicht wert gewesen. Es gibt eine ganze Reihe von ehrenhaften Menschen, die genau wissen, wie wenig das Bild auf Hagen paßt, das du dir von ihm machst. Mußt du denn mit Gewalt noch tiefer in dein Verderben rennen, als du es schon getan hast?"
(Fortsetzung folgt!)


