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Nift es eben bie|ei Wechsel in der GPU. und nur er ist, der die ganze Umgruppierung veranlaßt hat.

Daß man mit Rykow nicht mehr viel Feder­lesens macht und ihn einfach in der namenlosen Masse untertauchen läßt, nimmt nicht Wunder. Nachdem es anscheinend in den Prozehverhcmd- langen doch nicht gelungen ist, ihn so ausreichend zu belasten, daß die Anklageerhebunq gegen ihn sich machen ließe, hat man diesen Weg gewählt, um das ehemalige Mitglied des Politbüros und den einstmals nach Lenin mächtigsten Mann der Union zu verdrängen. Rykow ist heute ein toter M a n n. Sein Zeitalter war freilich schon längst vorüber. Auf dem harmlosen und einflußlosen Posten eines Kommissars für Post und Telegraphie hat er sowieso feinen Schaden mehr anrichten können. Je­doch war anscheinend allein fein Anblick dem Geor­gier eine dauernde Mahnung an jene Zeit, als er selbst noch ein kleiner ungekannter und unbekannter Mensch war, der irgendwo in der Provinz saß, der im Stillen zäh ringen mußte, während die Großen in Moskau herrschten. Als es ihm, dem Georgier Stalin-Dschugaschwili, dann gelungen war, sich bis an die Spitze durchzuarbeiten, hatte er im Polit­büro neben sich die sechs anderen: Lenin, Sinow­jew, Kamenew, Tornski, Bucharin und Rykow. Die vier ersten sind heute tot, Bucharin spielt nur die Rolle eines, wie man in der Sowjetunion zwar wenig geschmackvoll, aber um so treffender zu sagen pflegt,S p e i ch e 11 e ck e r s", während Rykow nun in der Versenkung verschwunden ist.

Sein Los erinnert an das Schicksal eines anderen Großen der Sowjetunion, desletzten Aristokraten", des früheren Außenkommifsars Tschitscherin. Nachdem dieser von seinem ellenbogenstarken Nebenbuhler Litwinow - Finkel st ein end­gültig verdrängt worden war und die Regierung alle seine Angaben auf Ausreisegenehmigung abge­lehnt hatte, sank er immer tiefer und wurde eines Tages in schwer angetrunkenem Zustande in einer dunklen Straße aufgefunden. Man brachte ihn in ein Krankenhaus, wo er langsam dahinsiechte. Auch Rykow ist als Trinker bekannt selbst der Schnaps wird in Sowjetrußland nach ihmRykowka" ge­nannt, ebenso soll er an einem schweren Leiden er­krankt sein. Sic transit gloria mundi...

Obwohl die wahren Gründe des erzwungenen Rücktritts Jagodas und feiner Ersetzung durch Jeschow noch unbekannt sind und man sie nur ahnen kann, ist indessen dieser Wechsel das wichtigste Stück der Aenderungen in Moskau. Noch vor Monatsfrist wurde Der pol­nische Jude Herschel-Jehuda von Stalin mit außer­ordentlichen Vollmachten ausgestattet,um der Schlange der Opposition den Kopf zu zertreten". Er zog damals in die Lubjanka ein und fügte zu den Millionen Opfer der GPU.-Tscheka neue tau­sende, er wütete ärger als es Stalin selbst je ver­mocht hätte und seine Schergen führten ein Terror­regiment wie nie zuvor. Der Mann von mittlerem Wuchs mit den dunklen stechenden Augen und dem schwarzen Haar gab die Parole aus:Jeder Schein eines Wider st andes wird m i t bem Tode bestraft, und es darf keine Kugel gespart werden, um die Feinde des Regimes auszu­rotten". Jagoda, der noch bei Dserschinski und Men- schinski in die Schule der Tscheka gegangen ist, war wegen seiner Blutrünstigkeit auch in den Kreisen der Partei gefürchtet. Seit 1922 in der Tscheka, war er während der schweren Erkrankung Men- schinskis seit 1924 ihr tatsächlicher Leiter und als solcher zeichnet er auch verantwortlich für alles, was die GPU. auf dem Gewissen hat. Was hat ihm den Hals gebrochen?

Noch wütete Jagoda, noch rottete er die Feinde Stalins aus und watete durch ein Meer von Blut und Tränen, als eines Tages bekannt wurde, daß die Kremlwache, also die Leibwache des Dik­tators selbst' gemeutert hat. Einige wollen wissen, daß sie lediglich mit der Bauernpolitik Sta­lins unzufrieden gewesen ist, nach einer anderen Lesart sollen allerdings Anschlagpläne aufgedeckt worben sein. Die Wahrheit wird hier wohl nicht zu erfahren sein Noch konnte die Beunruhigung über dieses Ereignis nicht überwunden werden, als aus verschiedenen Gegenden der Union Meldungen im Kreml eintrafen, die davon Kenntnis gaben, daß auch d i e Abteilungen ber GPU. nicht von dem Gift der Trotzki-Verehrung und des Trotzkis­mus" frei seien, daß bald hier, bald dort Verbin­dungen zwischen diesem Eckpfeiler des Stalinschen Regiments und den Trotzkisten aufgedeckt wurden, und diese Tatsache soll nicht zuletzt dazu beigetragen haben, daß Stalin einerseits in den letzten Wochen immer öfter an den üblen Erstickungsanfällen zu leiden hat, während er auf der anderen Seite bei diesem Stand der Dinge scheut, sich in der Öffent­lichkeit zu zeigen.

Es dürfte schwer fallen, Dichtung und Wahrheit auf diesem Gebiet auseinanderzuhalten. Daß in Moskau etwas v 0 rgeht, daß die Gärung im Lande und die Umschichtungen in Partei und Staat immer weitere Kreise ziehen, daß etwas im Entstehen begriffen ist, was sich heute bis in seine letzten Folgen noch nicht vorausahnen läßt, daß die Ereignisse an den Grundlagen von Partei und Staat rütteln, das wird man wohl annehmen können. Daß die GPU., der stärkste Pfeiler des Stalinschen Machtgebäudes, nicht mehr zuverlässig ist, läßt Schlüsse darauf zu, wie sehr die Gärung in die Tiefe gedrungen ist. Seit dem Bestehen der Tscheka ist zum erstenmal ihr Leiter verjagt wor­den. Nimmt man hinzu, daß die Verhaftun­gen unter der roten Generalität weiter gehen, daß also der zweite Eckpfeiler, die rote Armee, ebenso verseucht ist, so wird man er­messen können, welchen Auswandes an Energie und brutalem Machtwillen es beim Diktator bedarf, um fein Regiment weiterzuführen. Mit Jeschow ist nicht nur ein Stalin blind ergebener Mann, sondern zum erstenmal in der Geschichte der Tscheka auch ein Russe auf ihren Thron gelangt. Wir werden sehen, ob es ihm gelingt, was dem skrupellosen Ju­den mißlungen ist.

Auch Habef verhaftet?

Paris, 30. Sept. (DNB.) Wie derMatin" berichtet, scheint sich das Gerücht zu bestätigen, daß der als Deutschenhasser bekannte sowjetrussische Jude Radek, Chefredakteur derJswestija" nun doch im Zusammenhang mit dem Trotzkistenprozeß ver­haftet worden ist; er wird sich zu verantworten haben wegen Teilnehmerschaft an den Trotzki-Umtrieben und vor allem deswegen, weil er nicht zur rechten Zeit die Plane Si­nowjews aufgedeckt habe, obwohl sie ihm bekannt waren.

Der Abrüstungsausschuß des Völkerbundes wieder eingesetzt.

Genf, 30. Sept. (DNB.) Das Präsidium der Dolkerbundsverfammlung hat entsprechend dem Antrag der nordischen Staaten und Hollands beschlossen, den Ausschuß für Ab-

Konflikt zwischen Kammer und Senat.

Oie vom Senat verlangten Aenderungen der Währungsvorlage werden von der Kammer abgelehnt.

Caillaux fordert Erhaltung des sozialen Friedens.

Scharfe Kritik an den Plänen des Kabinetts Blum.

Paris, 30. Sept. (DNB.) Die Bedenken des Senats gegen zahlreiche Bestimmungen der Gesetzes­vorlage kommen in der Stellungnahme des Finanzausschusses zum Ausdruck. Der Fi­nanzausschuß ist der Ansicht, daß der vorliegende Regierungsentwurf in Wirklichkeit keine A n - gleich ung der Währung bringe, da die Vor­aussetzung dazu eine fefte Bindung an a n - dere Länder zur Aufrechterhaltung derer Wäh­rungen sei. Gewiß habe man mit den anderen Re­gierungen verhandelt, aber förmliche Ver­pflichtungen schienen von diesen nicht ein- gegangen worden zu sein. Die Währungsvor­lage bringe keine Ersparnisse, sondern sehe nur Ausgaben vor. Sie' enthalte keine Maßnahmen zur Verhinderung eines schnellen An st eigens der Einzelhandelspreise. Die ungenü­gende Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung, die andauernden sozialen Unruhen und das Zurückgreifen auf Vorschüsse der Bank von Frankreich könne die Rückkehr zum Währungsfrieden nicht fördern. Hingegen drohe die Inflation. Ka­pitalabflüsse blieben weiterhin möglich, wodurch der Ausgleichsfonds und damit die Bank von Frankreich geschwächt werden würden. Die Goldvorräte der Bank von Frankreich blieben daher ebenfalls weiter­hin^ gefährdet. Der Finanzausschuß schlug eine

neue Fassung des Artikels 6 (internationale Zahlungsverpflichtungen auf Goldbasis) und Ar­tikel 8 (Aufhebung der Einlösungspflicht von Bank­noten in Gold) sowie der Bestimmungen über die Beschlagnahme von Gold vor. Die Regierung müsse Zusicherungen geben über die Art, wie sie den so­zialen Frieden wahren und dem Sparkapital wie­der Vertrauen einflößen wolle. Der Präsident des Finanzausschusses des Senats, Caillaux, rief: Wir wollen nicht nur Zusicherungen, sondern Verpflichtunge n."

Ministerpräsident L6on Blum

machte den Senat auf die Tragweite dieser Entschei­dung aufmerksam, weder die Regierung noch die Kammer würde diesem Vorgehen zustimmen. Der Erfolg der Abwertung hänge von der Wieder­herstellung vertrauensvoller Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab. Der Versuch der Volksfrontregierung gelte der Feststellung, wie weit der soziale Fortschritt innerhalb des republi­kanischen Regimes verwirklicht werden könne. Der Senat müsse sich darüber im klaren sein, daß ein Scheitern dieses Versuches für Frankreich sehr schwerwiegend sein würde.

Der Vorsitzende des Senatsausschusses C a i l - laux bestand aus Abtrennung der Ar­tikel 14 bis 25, obgleich nach dem Minister­präsidenten auch noch der Fiuanzminisler und der Landwirtschaflsminister sich für die An­nahme dieser Artikel eingesetzt hallen. Der Se­nat schloß sich jedoch mit erdrückender Mehrheit der Auffassung Caillaux' an und beschloß

dle Abtrennung dieser Artikel. Der Wort­laut der abgeänderten Gesamtvorlage wurde so­dann mit 141 gegen 125 Stimmen bei zahlreichen Stimmenthaltungen angenommen. Die abge­änderte Vorlage wurde hierauf der Kammer zur zweiten Lesung zugeleitet. Die Kammer hat kurz nach 2 Uhr nachts mit 351 gegen 217 Stimmen die Währungsvorlage in der vom Finanzausschuß der Kammer wie­der hergestellten Fassung ange­nommen und sich dann auf Donnerstag um 11.30 Uhr vertagt. Die Kammer hat also im Einvernehmen mit der Regierung d i e Forderungen des Senats abge­lebt, fo daß ein Konflikt entstanden ist, dessen Lösung noch nicht abzusehen ist.

Der frühere Handelsminister Senator Ray- naldy hofft durch einen Vorschlag den Konflikt mit der Regierung und der Kammer mildern Ml können.Petit Journal" berichtet, Raynaldy werde den Senat zur Annahme einer Ausgleichs­formel in der P reis- und Lohnfrage be­wegen, die vor jeder Entscheidung die Zustim­mung des nationalen Wirtschafts- rate s vorsehe. Die Forderung des Senates nach neuen vom Parlament zu bewilligenden Gesetzen würde damit hinfällig. Aber, so fragt das Blatt, würden die 'Kommunisten und die marxi­stischen Gewerkschaften sich darauf ein« lassen? Die Haltung der marxistischen Presse, dis den Sieg der Volksfront über einenreaktionären" Senat gehörig feiere, fei in dieser Richtung nicht gerade ermutigend.

rüftungsfragen, der seit fünf Jahren nicht mehr getagt hat, wieder einzusetzen. Seine Aufgabe soll es sein, Vorschläge für die Wieder- ingangsetzung der Abrüstungskonfe- r e n z zu machen. Man erwartet, daß die Arbeit sich auf der Grundlage bewegen werde, die in den Reden des englischen und des französischen Außen­ministers enthalten sind.

General Franco znm spanischen Staatschef ernannt.

SLJean be Cu3,30. Sept. (DRV.) Die natio­nalen Rundfunksender haben am Mittwochnachmit­tag eine Verordnung der nationalen Regierung bekanntgegeben, durch die General

V

Franco als Chef der Regierung und des spanischen Staates erklärt wird. Die Sender haben diese Rachricht mit einer Würdigung der eindrucksvollen Persönlichkeit General Francos begleitet.

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Nationalistische Truppenabteilungen, deren Auf­gabe die Ausräucherung der letzten kommunistischen Nester in der Provinz Badajoz war, haben in Granja de Torrehermosa unbeschreibliche Greuel- taten der Roten aufgedeckt. Ein Mann, Vater mehrerer Kinder, war von einem Balkon in die Tiefe gestürzt. Als die Verbrecher sahen, daß ihr Opfer noch Lebenszeichen von sich gab, ver­abreichten sie ihm mehrere Kampfereinspritzungen, um ihn nach seinem Erwachen aus der Bewußt­losigkeit von neuem quälen zu können. Beim Einmarsch fanden die Truppen der Nationalisten an der Friedhofsmauer die Leichen von neun Män­nern, elf Frauen und zwei Kindern, die sämtlich furchtbar verstümmelt waren. Es wurde festgestellt, daß die Männer durch Axthiebe niedergeschlagen und darauf durch Bauchschüsse getötet worden sind. Die Leiche eines fünfjährigen Kindes wies Quet­schungen und Knochenbrüche am ganzen Körper auf. Man schließt daraus, daß das Kind von seinen Peinigern an den Beinen herumgeschleudert wor­den ist, bis sein Körper an einer Wand zer­schmetterte. Erwiesen ist, daß neben zahlreichen Frauen auch ein zehnjähriges Kind geschändet wor­den ist. Die ärztlichen Gutachten, begleitet von Photographien, werden vom Pressebüro der 2. Di­vision in Sevilla in die ganze Welt ver­schickt werden, damit sich auch die letzten Zweifler von dem wahren Gesicht der roten Mord­brenner und ihrer Moskauer Mitspieler über­zeugen können.

Japan wünscht direkte Verständigung mit China.

Gegen britische Beeinflussung.

Tokio, 1. Oft. (Ostasiendienst des DNB.) Das japanische Außenamt veröffentlichte eine ungewöhn­lich scharse Erklärung gegen eine R e u- ter-Meldung aus London, die sich mit angeb­lich japanischen Forderungen an China befaßte. Die Reuter-Meldung hatte behauptet, daß Japan das Recht der Unterhaltung einer Besatzung an Jangtse, die Kontrolle über die chinesischen Schulbücher sowie die Auto­nomie für Nordchina verlange. Das japa­nische Außenministerium bezeichnet diese Meldung als frei erfunden und als böswillige Pro­paganda zu dem Zweck, die chinesisch-japanischen Beziehungen zu stören.

Gleichzeitig wird bekannt, daß das japanische Außenamt dem japanischen Botschafter in Nanking Richtlinien für feiner Verhandlungen mit Tschiangkaischek hat zugehen lassen. Es han­dele sich dabei nur um die Ausrottung und Kon­trolle der japanfeindlichen Bewegung in China, die Herstellung freundschaft­licher Beziehungen zwischen Japan und China und die Losung aller schwe­benden Fragen auf dem Wege der Ver- ständigung. Wenn die Presse richtig unter­richtet ist, so erwartet Japan, daß Nangking alle Geheimverbände, die als Träger der japan- feindlichen Agitation anzusehen seien, auf lo st und ihre Leiter ungeachtet ihrer Stellung entläßt, daß die Lehrmittel, der Unterricht und überhaupt die ganze Erziehung in China auf den Gedanken einer Verständigung mit Japan aus­gerichtet werden. Die erstrebte Verständigung müsse unter Ausschaltung einer Einfluß­nahme von dritter Seite, die eine Zu­sammenarbeit Chinas mit Japan, wie Beispiele zeigten, verhindern wolle, erfolgen.

Zuerst müsse eine Verständigung über wirt­schaftliche Fragen erzielt werden. Japan feien dabei besondere Rechte in Nordchina int Interesse beider Länder einzuräumen, und zwar hin­sichtlich des Ausbaues der Bahnen, der Häfen, der Straßen und der Industrieanlagen sowie der Aus­beutung der Bodenerzeugnisse. Ein hierdurch gestärk­tes und gefestigtes Nordchina werde gleichzeitig das beste Bollwerk gegen den Bolschewis­mus sein, dessen gemeinsame Bekämpfung das große Ziel des Dreiländerblocks China-Japan-Mandfchukuo werden müsse. Der wichtigste Teil im Norden falle dabei den Japanern zu. Schließlich sei die Ein­richtung japanischer Schutzwachen in den Städten am Hangtse unnötig, wenn die Nanking-Regierung den Willen habe und in der Lage sei, die Japaner in China zu schützen. Zur Unter­stützung Nankings behalte sich die japanische Regie­rung vor, wenn nötig, denSchutzderJapaner selbst zu übernehmen. Als letzte Aufgabe werde die Erneuerung der Grenzver­träge in Nordchina zu erwägen fein, wenn Nanking dazu durch Anerkennung des Dreiländer­blocks die Voraussetzung schaffe.

Der Völkerbundskommisso. Lester aus Danzig abberus<n.

Genf, 30. Sept. (DNB.) Der Völkerbundsrat hat am Mittwochmittag in geheimer Sitzung grundsätzlich beschlossen, den Völkerbunds­kommissar Le st er aus Danzig abzube­rufen und ihm einen der freigewordenen leiten­den Posten im Sekretariat zu übertragen. Voraussetzung ist jedoch, daß ein Nachfolger für den Danziger Posten gesunden wird. Der amt­liche Bericht über die Geheimsitzung des Völker­bundsrates besagt, daß der Generalsekretär des Völkerbundes von feiner Absicht Kenntnis gab, Lester anstelle des ausscheidenden stellvertretenden Generalsekretärs A s c a r a t e auf diesen Posten zu berufen. Außenminister Eden forderte den Generalsekretär zugleich im Namen seiner Kollegen auf, die Er­nennung Lesters erst dann effektiv werden zu lassen, wenn die Frage des Nachfolgers des bisherigen Völkerbundskommissars in Danzig geregelt sei. Der französische Außenminister Del - b o s und der polnische Außenminister Beck schlossen sich den Ausführungen des Vorredners an. Lester wurde in den Reden die übliche Aner­kennung gezollt. Der Rat schloß sich den Vorschlä­gen des Generalsekretärs und des Berichterstatters unter den angegebenen Bedingungen an: Anstelle des aus dem Rat ausscheidenden portugiesi­schen Vertreters soll ein schwedischer Vertre­ter in den Dreierausschuß eintreten.

Der Völkerbundsrat hat mit der Abberufung seines Danziger Kommissars das getan, was er eigentlich

schon längst hätte tun sollen. Lester stellte sich, kaum daß er Danziger Voden betreten hatte, als ein Mann vor, dem dc Begriff der Ueberparteilichkeit fremd war. Er kam mit vorgefaßten Mei­nungen, von denen er sich durch die schlagendsten Tatsachen nicht abbringen ließ. Lesters Verhalten führte zu den bekannten Zwischenfällen, über die dann wieder nach Gens höchst einseitig berichtet wurde. Genf aber glaubte seinem Kommissar und nicht der Gegenseite, mit dem Ergebnis, daß sich der Rat aufs falsche Gleis begab. Mancherlei hätte man sich ersparen können, wenn man auch am Genfer See die Dinge fo gesehen hätte, wie sie in Wirk­lichkeit waren. Nun hat der Rat den Kommissar Lester abberufen und damit vor aller Welt eingeftan- den, daß das Recht im Danziger Konflikt auf feiten Danzigs liegt, der Rat sich aber auch in feiner Personalpolitik erheblich geirrt hatte. Es bereitet uns eine stille Genugtuung, den Kommissar Lester auf Geheiß des Rates in der Versenkung ver­schwinden zu sehen. Zwar bleibt er noch so lange, bis ein Nachfolger gefunden ist. Letzteres sollte, so meinen wir, nicht schwer sein, nachdem sich auch der Rat davon überzeugt hat, daß Personen vom Schlage eines Lester nicht nach Danzig gehören. Es ist also klargestellt worden, wie sich ein Kommissar im Freistaat n i ch t zu verhalten hat, womit auch der Personenkreis abgegrenzt ist, aus dem der neue Kom­missar zu entnehmen ist. Wir mochten aber in diesem Zusammenhang unsere alte Meinung unterstreichen: Kein Kommissar in Danzig ist immer noch besser als der beste Kommissar.

Deutschland das einzige wirksameBollwerk gegen den Bolschewismus.

Oerfführer der belgischenTtexbewegung warnt vor derZersehungSarbeitMoskauS

Brüssel, 30. Sept. (DNB.) Der Führer der Rexbewegung Leon De grelle hielt in Brüssel eine große Kundgebung seiner Anhänger ab. Die Kundgebung erreichte ihren Höhepunkt, als der Führer der Rexisten mit dem Bolschewis­mus abrechnete, dessen Gefahren für die europäische Zivilisation er eindringlich schilderte. Er sprach von der Zange, in die Moskau m i t Hilfe Frankreichs den Kern Europas gelegt habe und bezeichnete in diesem Zusammenhang den französisch-sowjetrussischen Bei- standspakt als eine Schande. Unter gro­ßem Beifall hob er sodann die Verdien st e Deutschlands im Kampf gegen den Weltbolschewismus hervor und erklärte, daß Deutschland das einzige wirksame Bollwerk sei, das in Europa gegen den Bol­schewismus errichtet worden fei. Moskau wolle jetzt seine Ziele auf einem Umwege erreichen. Die blu­tigen Auseinandersetzungen, auf die es hinziele, sollten im Osten auf polnischem Gebiet und im Westen in Belgien ausgetragen werden. Der Red­ner betonte, daß Belgien nicht gewillt fei,

sich in die Auseinandersetzungen im Zusammen­hang mit dem französisch-sowjetrussischen Bündnis hineinziehen zu lassen. Auch Belgien müsse einen starken Damm gegen den Bolschewismus bil­den. Nachdem Degrelle seine Rede beendet hatte, kam es zu stürmischen Beifallskundgebungen. Die Menge bewegte sich in einem geschlossenen Zuge nach dem Parteilokal der Rexisten, wo sich die Kundgebungen wiederholten.

Schlimmste Gefahren für den Weltfrieden.

Ein Engländer über die Moskauer Rundfunkhetze.

London, 30. Sept. (DNB.)Daily Telegraph" veröffentlicht eine Zuschrift des bekannten Ge­schichtsforschers Prof. Charles S a r o I e a , der dis englischen Leser über die gewaltige revolutio­näre Propaganda der Moskauer Sen­der aufklärt. Wenn in der englischen Öffentlich-