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Wenn heute in einer gewissen Presse und in ge- wissen Kreisen, die nie aus den Ereignissen etwas gelernt haben, Vorwürfe deshalb gegen Deutschland erhoben werden, weil es die Allgemeine Wehr- pflicht wieder einqesührt habe, so genügt ein ein- ziger Blick auf die Nachbarn Deutschlands, um den Zustand der Ungleichheit, wie er bisher bestand, zur Genüge dazutun. Alle Nachbarn Deutschlands, mit einer einzigen Ausnahme, haben in ihrem' Lande die Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Um diese Tatsachen zu verdeutlichen, braucht man nur den neuesten Band von Löbells Jahresberichten über das Heer- und Kriegswesen in die Hand zunehmen.
Um nun bei Belgien anzufangen. Die belgische Armee ist ein stehendes Heer, bis zu einem gewissen Maße durch das Milizsystem ergänzt. Die Allgemeine Wehrpflicht ist durch das Wehrgesetz vom 10. März 1925 eingeführt. Die Wehrpflicht dauert 15 Jahre nämlich vom 20. bis zum 45. Lebensjahre. Außerdem besteht eine Rekrutierungsreserve, der jeder Siebzehnjährige angehört. Durch das Gesetz vom 11. Oktober vorigen Jahres wurden für den freiwillige Diensteintritt vor dem Erreichen des dienstpflichtigen Alters und für den Wiedereintritt erleichternde Bestimmungen erlassen.
Das niederländische Heer ist ein miliz- artiges Rahmenheer mit Allgemeiner Wehrpflicht, Das Dienstpflichtgesetz stammt in seiner Neufassung vom 24. Oktober 1928. In Friedenszeit sind von der Dienstpflicht befreit diejenigen, von denen schon ein Bruder ausgehoben ist, die Ernährer ihrer Familien oder Verwandten und die Angehörigen des geistlichen Standes (die letzteren sind auch im Kriegsfälle freigestellt). Anstatt der Dienstpflicht besteht eine gesetzliche Arbeitspflicht mit verlängerter Dienstzeit für diejenigen, die wegen moralischer Skrupel vollständig vom Militärdienst freigestellt sind. Die Dienstpflicht besteht für Mannschaften vom 2 0. bis zum 40. Lebensjahre; für Unteroffiziere und dienstpflichtige Reserveoffiziere vom 20. bis zum 45. Lebensjahre.
Selbstverständlich hat auch Frankreich die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, und zwar besteht für die weißen Franzosen die allgemeine Wehrpflicht in einer Dauer von 28 Jahren. Das Einstellungsalter ist auf 21 Jahre festgesetzt, so daß die Dienstpflicht mit dem 49. Lebensjahre abschließt. Bis 1940 wird zum Ausgleich der schwachen Jahrgänge 1935 bis 1939 (Geburtenausfall infolge des Weltkrieges) vorübergehend wieder auf die Zwanzigjährigen zurückgegriffen. Die ersten 20 Jahrgänge sind für die Feldarmee vorgesehen; die 8 Jahrgänge der zweiten Reserve sotten möglichst nicht an der Front verwendet werden. Dom aktiven Dienst sind nur körperlich Untaugliche befreit. Die zum Dienst mit der Waf^e Nichttauglichen werden als Schreiber, Handwerker, Burschen usw. mit gleicher Zeitdauer eingezogen. Außerdem gibt es noch Reservisten, die ihrem Beruf entsprechend mobilisiert und in die bei Kriegsausbruch zu bildenden Spezia- listen-Abteilungen ober in kriegswirtschaftliche Betriebe eingestellt werden; sie erhalten dort einen ihrer Ziviltätigkeit entsprechenden Dienstgrad, z. B. der Arbeiter als einfacher Soldat, der Werkmeister als Unteroffizier, der Direktor als Ofifzier. Außerdem kann jeder Franzose, auch wenn er wegen Untauglichkeit von der Wehrpflicht befreit war, im Kriege zur Dienst- leistung in Wirtschafts - und Verwaltungsbetrieben «ingezogen werden. Diese Bestimmungen stellen eine Art Arbeitsbien st - pflicht im Kriege dar.
Neben Frankreich interessiert Frankreichs Verbündeter die Tschechoslowakei. Auch hier besteht die allgemeine Wehrpflicht. Der Wehrpflich-
Vorsicht beim Großreinemachen!
Der Frühjahrsputz naht und bringt die Hausfrauen und Mädchen in Versuchung, leichtsinnig mit ihrer Gesundheit umzugehen oder sogar ihr Leben in Gefahr zu bringen. Das ist übertrieben? Ganz bestimmt nicht. Die Unfallstellen und Krankenhäuser können Fälle genug aufzählen, wo Frauen ungesichert auf dem Fenstersims standen beim Fensterputzen, plötzlich schwindlig wurden und in die Tiefe stürzten. Manchmal bleibt auch die Kleidung hängen, in jähem Schrecken lassen die Frauen den Halt los, und dann geschieht ebenfalls ein Unglück. Es sollen zum Fensterputzen nur gesicherte, feststellbare Leitern benutzt werden, bann ist die Gefahr wenigstens geminbert.
Ein Hausputz, ber nicht viel Staub aufwirbelt, ist kein richtiger Hausputz. So glaubt man vielfach unb wirbelt mit bem Staub unzählige Krankheitskeime in bie Luft, bie man gar zu leicht einatmet. Hinzu kommt ber starke Luftzug — Türen unb Fenster müssen nun einmal offen stehen! —, ber bie Anfälligkeit ber Hausfrau erhöht unb zusammen mit ben Wassermassen, bie beim Großreinemachen verschwendet werden, viele Erkältungskrankheiten heraufbeschwört. Um den Staub nicht unnötig aufzuwirbeln, wischt man den Boden vor dem Kehren feucht auf. Der Staubsauger kommt immer, mehr in Gebrauch, und das ist gut so. Das Offenstehen der Fenster und Türen gleichzeitig ist sicher zu vermeiden. Das Hantieren mit Wasser läßt sich nicht umgehen, aber zweckmäßige Kleidung, eine Gummischürze zum Beispiel, verhindert das Auftreten von Zahnschmerzen, Rheuma, Husten, Halsentzündungen und andere Erkältungskrankheiten.
Andere Gefahren bilden die verschiedenen Putz- und Reinigungsmittel, die auf die Haut schädlich einwirken. Die Hände schützt man durch Gummihandschuhe. Außerdem pflegt man sie gerade in diesen Tagen besonders eindringlich. Jeder Riß,
as gibt es Neues in der Medizin?
Don Or. meb. p. Wölffel.
Allgemeine Wehrpflicht ringsum!
Ein Blick auf Deutschlands Nachbarn.
jeder Holzsplitter kann Anlaß zu Zellgewebsentzündungen und Infektionen werden, wenn man sich um die kleine Wunde nicht kümmert. Viele Hausfrauen benutzen beim Frühjahrsreinemachen immer noch Gifte wie Salzsäure und scharfe Laugen. Abgesehen davon, daß man in Drogerien gleich wirksame, aber unschädliche Reinigungsmittel kaufen kann, muß man beim Gebrauch dieser Gifte äußerste Vorsicht walten lassen. Nase und Mund, oft auch bie Augen, müssen möglichst weit entfernt bleiben. Dazu mache man bie Fenster so weit wie möglich auf. Die Gifte müssen sorgfältig aufbewahrt werben. Das Giftzeichen auf ber Flasche, ber Totenkopf, sagt jebem, ber sie in bie Hanb nimmt, daß der Inhalt schädlich ist.
In diesem Zusammenhang muß auch auf die Gefahren bei ber Verwendung von leicht entzündbaren Flüssigkeiten hingewiesen werden. Der Umgang mit Benzin, Spiritus, Schwefelkohlenstoff kann zu einer Explosion führen, ehe man noch daran gedacht hat. Die aufsteigenden Dämpfe dürfen auf keinen Fall mit einer offenen Flamme in Berührung kommen. Handschuhe reinigt man nicht in Ofennähe mit Benzin. Darum noch einmal: Vorsicht!
Haben Sie kalte Füße?
Kalte Füße sind sehr unangenehm; bleiben sie längere Zeit kalt, bann beeinträchtigen sie bas All- gemeinbefinben unb wirken schließlich nachteilig auf bie Gesunbheit. Trockene Schuhe unb Strümpfe finb bie erste Voraussetzung für warme Füße. Bei Regenwetter wechsle man bie Fußbekleibung so oft wie möglich. Auch wer leicht an ben Füßen schwitzt, sorge für Wechselkleibung. Manchmal ist es nötig, tagsüber frische Strümpfe anzuziehen, bas kommt besonders für bie in fitzenben Berufen Tätigen in Frage. Man kann sich auch helfen, inbem man bünnes Fließ- ober Löschpapier über bie Füße legt unb erst barüber bie Strümpfe anzieht. Löschpapier leitet sehr schlecht unb erwärmt ben Fuß baher ziemlich rasch.
Schlägt man beim langen Sitzen bie Änie über- einanber, bann werben bie Abern in ber Kniekehle zusammengepreßt, unb ber Blutkreislauf wirb gestört. AucH baburch kann man also kalte Füße bekommen. Vor bem Schlafengehen erwärmt man bie Füße zweckmäßig burch ein längeres heißes Fuß- bab. Auch bie Wärmeflasche, bie schon eine Viertel- ftunbe vorher ins Bett gelegl wirb, tut gute Dienste. Ebenso nützlich finb wollene, gestrickte Bettschuhe.
Dauernb kalte Füße finb übrigens ein Anzeichen bafür, baß bie ganze Blutzirkulation nicht in Orb- nung ist. Häufig muß die Ernährungs- und Lebensweise des Leidenden ganz geändert werden.
Das Auge wird schwächer.
Es soll hier nicht von einer Augenkrankheit ober {ebenfalls von einem anormalen Zustanb ber Augen gesprochen werben, sonbern von ber natürlichen Veränberung ber Augen, bie gewöhnlich in ber Mitte ber vierziger Jahre, unb zwar bei fast allen Menschen, eintritt. Es fängt bann die Zeit an, wo bie Buchstaben ber Zeitung, bes Buches, nicht mehr beutlich wahrzunehmen finb, wo die Näharbeit Mühe unb Augenschmerzen macht, kurz, wo alle Naharbeit nicht mehr recht gelingen will. Der Mensch ist „weitsichtig" geworben unb braucht eine forrigierenbe Brille.
Wie kommt nun bieser Vorgang zustanbe? Bis zum Eintreten ber Weitsichtigkeit hat sich bas Auge mit Hilfe ber Linse auf bie Nähe einstellen können. Die Linse hat ihre Form je nach Bebarf oeränbert. Bei zunehmenbem Alter schwinbet bie Elastizität ber Linse unb bamit ihre Fähigkeit, bem Auge beim Nahsehen behilflich zu sein. Gewiß gibt es Leute, bie bis ins hohe Alter keine Brille brauchen. Das finb aber Ausnahmen, nämlich solche Menschen, bie in ihrer Jugend kurzsichtig waren. Die Linse oeränberte sich auch bei ihnen, nur mürben sie eben jetzt erst normalsichtig. Alle anberen Menschen finb gezwungen, bie natürliche Linse burch eine künstliche zu ersetzen. Zuerst wird ihnen ber Augenarzt verhältnismäßig schwache, bann aber stärker werbenbe Gläser verschreiben. Dabei spielt bie Art bes.Berufes eine große Rolle. Der Schriftsetzer, ber Kupferstecher, bie Stickerin werben schärfere Gläser brauchen als vielleicht ein Hanb- werker ober ein Arbeiter.
Wenn das Kind erbricht.
Eine häufige Sorge ber Mütter ist bas Erbrechen ber Kinber. Wenn zum Beispiel ein Neugeborenes erbricht, bann ist es ratsam, ben Arzt sogleich zu befragen, ba es sich hier um eine angeborene Veränberung am Verbauungsapparat hanbeln kann. Ein an sich gefunber Säugling jeboch, ber nach ber Milchaufnahme erbricht, braucht nur zuviel Luft geschluckt zu haben beim Trinken ober auch zu gierig getrunken zu haben. Manchmal sind auch die von ben Eltern geerbten reizbaren Nerven baran schulb. In allen biefen Fällen achte man barauf, baß bie Kinber ihre Trinkzeit — bie eine Viertelstunbe betragen soll — unb bie vier- bis fünfftünbigen Pausen genau einhalten.
Die Unvernunft ber Mutter führt häufig auch eine Ueberfütterung herbei, gegen bie sich das Kindchen ebenfalls mit Erbrechen wehrt. Man stelle bann bie Nahrungszufuhr für Zwölf Stunben ganz ein, um ben überangestrengten Magen unb Darm zur Ruhe zu bringen. Stark verdünnter schwarzer Tee soll bie einzige Flüssigkeit fein, bie bas Kinb zu sich nimmt in bieser notroenbigen Fastenzeit, bie in unkomplizierten Fällen rasch zur Besserung führt. Aber auch hier empfiehlt es sich, baß ber Arzt zu Rate gezogen wirb, wenn bas Erbrechen anbauert. Der Sauger ber Flasche muß eine ganz kleine Deffnung haben, unb bas Kinb ist so zu halten, baß es keine Lust mit ber Milch schluckt. Bekommt es zuviel Milch auf einmal in ben Munb, bann neigt es ebenfalls zu Erbrechen.
Größere Kinber erbrechen nach „oerborbenem Magen". Sie haben vielleicht zuviel Obst ober Süßigkeiten gegessen, unb ber Magen befreit sich burch bas Erbrechen von einer Nahrung, bie er nicht zersetzen kann. Man läßt bie Kinber einen
gung erforberlichen Geräte unb Maschinen bereit* zustellen.
Selbst bas kleine Litauen hat bie Allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Hier gibt es auch eine pflicht- mäßige militärische Jugenbausbilbung, bie vom 17. bis zum 21. Lebensjahre bauert, bie Allgemeine Wehrpflicht bauert bis zum 45. Jahre. Weiter barf von Deutschlanbs Nachbarn Dänemark hervorgehoben werben. Die bänische Armee ist ein Rahmenheer mit Allgemeiner Wehrpflicht unb kurzer aktiver Dienstzeit.
Das schweizerische Bunbesheer ist ein reines Milizheer auf Grunb ber allgemeinen Wehrpflicht. Mit Ausnahme bes Derwaltungs- unb Jnstruktionsperfonals unb ber Fortwachen befinbet sich fein Mann ftänbig unter ben Waffen. Stäbe unb Truppen treten zu bestimmten Schulen unb Kursen zusammen. Die kürzlich angenommene Wehrvorlage, bie eine Verlängerung bieser Kurse brachte, hat ja gezeigt, baß ber Wehrwille in ber Schweiz noch burchaus lebenbig ist. Di« Wehrpflicht umfaßt bie persönliche Militärbienstpflicht unb bie militärische Steuerpflicht im Falle ber Dienstuntauglichkeit ober ber Nichterfüllung ber militärischen Dienstpflicht.
Das einige Lanb, bas bie allgemeine Wehrpflicht nicht besitzt, ist Oe st erreich, bem bie Wehrhoheit burch ben Vertrag von St. Germain genommen würbe. Aber schon kommen auch bie Stimmen aus Oesterreich, bie bie Einführung ber allgemeinen Wehrpflicht für biefes Lanb forbern, bamit bie Jugenb mieber Disziplin unb Manneszucht lerne. Unb erst vor wenigen Tagen hat ber Bürgermeister ber Stabt Wien zum Ausbruck gebracht, baß auch ber Tag kommen werbe, an bem Oesterreich roieber als ©runblage für seine Wehrverfassung bie allgemeine Wehrpflicht besitzt.
tige ist mit Erreichung bes 20. Lebensjahres gestellungspflichtig. Der Dienst in ber ersten Reserve bauert bis zum 40. Lebensjahre, in ber zweiten Reserve bis zum 50. Lebensjahre. In bie Ersatzreserve werben bie Wehrpflichtigen eingereiht, benen Wehrerleichterungen zu- stehen. Die Ausbilbungszeit ber Ersatzreserve beträgt fünf Monate. Im Dezember 1934 erfolgte bie Verlängerung ber Dienstzeit auf zwei Jahre. Neben ber Wehrpflicht gibt es noch eine Hilfsbien st pflicht, bie 15 Jahre beträgt, sie bauert vom 17. bis zum 20. unb vom 51. bis zum 60. Lebensjahre.
Unser östlicher Nachbar Polen besitzt ebenfalls ein stehenbes Heer mit Allgemeiner Wehrpflicht. Im Kriege besteht neben ber Allgemeinen Wehrpflicht eine Hilfsbienstpflicht vom 17. bis zum 60. Lebensjahre. Die Hilfsbienstpflichtigen können im Frieben zur Vorbereitung auf ben Hilfsbienst ein» gezogen werben. Das Gesetz über persönliche Kriegs- bienftleiftungen verpflichtet bie gesamte B e - oölterung Polens beiderlei Geschlechts vom 17. bis 60. Lebensjahr zu solchen Diensten unb Arbeiten, bie unmittelbar ober mittelbar zum Schutze bes Lanbes erforberlich finb. Das Gesetz über Kriegssachleistungen verpflichtet alle Einwohner Polens im Kriege alle für bie Kriegsführung erforberlichen Geräte, Grunbstücke unb inbu- ftriellen sowie lanbwirtschaftlichen Betriebe bem Staate zur Verfügung zu stellen unb bereits im Frieben auf Anordnung bie für bie Kriegserzeu-
Gießener Konzertverein.
Bach-Händel-Feier.
Die Bach - Händel - Feier des Konzert- vereins in ber Stabtkirche wurde zu einer Feierstunde, bie stärksten Nachhall wecken mußte und jedem voll zum Bewußtsein brachte, wie unendliche Werte uns diese beiden Großmeister zu geben vermögen. Der Eindruck wurde durch den inhaltlichen Kontrast der beiden Werke bedeutend verstärkt.
Ein jedes Werk wurde durch Professor Dr. T e - mesoari) in seiner stilistischen Eigenheit erfaßt und gemäß dem Charakter des Schaffenden bis ins Einzelnste durchleuchtet. Das eine getragen von persönlicher Innigkeit und religiöser Inbrunst, im andern ein Erleben bes Göttlichen in höchster Erhabenheit. Die feine Stimmungsgebundenheit bei Bach würbe unmittelbar wach durch die sorgfältig abgetönte Jnstrumenienbegleitung ber Flöten unb Streicher. Die Chöre waren hier ausgeglichen mit fein differenziertem Klange, bei voller Klarheit der satztechnischen Struktur. Hier sowohl wie auch ;m Hande I schen „T edeu m" hätten aber die Te- nöre und teilweise auch die Bässe, besonders in ben freien Einsätzen, vorsichtiger in ber Klanggebung sein können. Im Tebeum erwiesen die Chöre stellenweise überwältigende Wucht in ihren dynamischen Akzenten, ursprüngliche Klangkraft; nachgiebig, groß zeigten sie sich in der Herausarbeitung der Steigerungen; dabei in engster Gebundenheit mit dem zeitweilig prunkvoll aufleuchtenden Orchester, das namentlich in seinen Trompeten unb Holzbläsern daran besonderen Anteil trug; der Solotrompete gebührt besondere Anerkennung; ihr Part zählt zu ben schwierigsten Trompetenstellen; da können wenige ungleichmäßig ansprechende Töne nicht ins Gewicht fallen.
Was bie Solisten bei hingebungsvollem Versenken in Bachs Welt gaben, das wirb noch lange nachklingen. Lore Fischer, Alt (Stuttgart) trug mit ausgeprägter Linie das Altsolo der Kantate, warm und voll im Tone mit pastoser Farbe, schwell- fraffig erfüllt von bem Willen zum restlosen musi- koaschen Ausschöpfen ihres Parts. In ber Arie aus Bochs Kantate 170: „Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust" und in dem Arioso von Hänbel zeigte sie weiches schwebendes Piano, einen stimmlichen Reiz, dem sich niemand ohne weiteres entziehen kann. Aber nicht in allen Lagen erschien hier ihr Organ in homogener Klangstruk- tur. In bem Arioso hätte man gern zu Anfang das Krescendo ndch affettbetonter, ausladender gehört. Erich Meyer-Stephan (Offenbach) bewies sich
in ber Handhabung der Koloratur als feingliedern- der Musiker; er konnte so bem ariosen Stil Händels Lebensnähe geben, wie den Aufarbeitungen Bachs gerecht werden. Zeitweilig schien es, als fyabe er mit einer leichten Indisposition in ber Höhe zu kämpfen. Leni Gehrig, Sopran (Frankfurt) war Künderin ber Heilsbotschaft in ber Bachkantate; ben Schluß tonschön mit verklärtem Ausbruck gestalten!); außerdem hatte sie die Tenorsolostelle ber gleichen Kantate übernommen. An ber Orgel gab Kirchenmusikbirektor August Wagner (Marburg) dem Ganzen klangliche Unterstützung unter sorgfältiger Ausnützung ber durch das Orgelwerk ber Stabtkirche bedingten Möglichkeiten, bei feiner Anpassung an bie Solisten unb an den begleitenden Jnstru- mentaltörper. Der Klavierpart lag bei Marie Schneider in den besten Händen. Dr. H.
3m „Fenster nach der Ostsee".
Oie Kunstschähe der Ermitage in Leningrad
Die „Ermitasch" in St. Petersburg war in der Vorkriegszeit eine von ben Kunstfreunben ber alten und neuen Welt mit ebenso viel Bewunderung und Andacht aufgesuchte Sammlung wie das Kaiser- Friedrich-Museum in Berlin und der Louvre in Paris. Die umwälzenden politischen Geschehnisse ber letzten zwei Jahrzehnte haben bie Ermitage im heutigen fieningrab fast in Vergessenheit geraten lassen, obwohl bort auch heute noch unermeßliche Kunstschätze aufbewahrt finb; bie großen Lücken, bie burch ben Verkauf vieler Kostbarkeiten in bie Sammlung gerissen würben, finb zum Teil baburch roieber aufgefüllt worben, baß ber Kunstbesitz vieler privater Sammler, vor allem aber bie Kunstschätze aus ben Zarenschlössern, hierher verbracht würben.
Die Bezeichnung Ermitage würbe von Katharina II. von Rußlanb ber von ihr für wenige Auserlesene ihres engsten Kreises geschaffenen Kunstkammer gegeben, sie würbe später aber auch auf bas anschließenbe frühere Winterpalais bes Zaren ausgebehnt. Inmitten ber mit ihren Prachtbauten im Barock-, Uebergangsftil unb klassizistischen Stil typischen Residenzstaat aus bem achtzehnten Jahrhunbert hat bie Ermitage eine besonbers günstige Lage. Ein Teil ber Stabtgeschichte läßt sich aus ihren Annalen ablesen: Ursprünglich hatte Peter ber Große, ber Grünber ber Stabt, auf bem ben Schweben entrissenen Gebiet an ber Newa nur eine Festung errichten wollen, sich bann ober entschlossen, neben ber Festung auch eine große Stadt zu gründen, bie ein „Fenster nach ber Ostsee" sein sollte. Am 27. Mai 1703 wurde bie
Orünbung vollzogen, unb aus biefem Jahre stammt bas einfache Haus, bas er für sich selbst in ber Nähe ber Festung erbauen ließ. Schon nach zwanzig Jahren hatte bie Stabt über siebzigtausenb Einwohner. Katharina II. unb Alexanber I. setzten bas Werk Peters bes Großen fort, unb Nikolaus I. stellte burch Eisenbahnlinien bie Verdinbung zwischen ber Hauptstabt unb bem Innern bes Laubes her.
Schon in Peters bes Großen Zeit finb manche kostbaren Stücke ber Kunstsammlung in ber Ermitage zusammengebracht worben, unb auch Katharina ließ burch ihre Gesanbten aus aller Welt bie wertvollsten Kunstschätze herbeischaffen. Diberot unb Grimm waren in Paris ihre Berater, unb Raphael Mengs führte ihre Aufträge in Rom aus. Jbr unermeßlicher Reichtum gestattete es ihr, ganze Sammlungen aufzukaufen unb nach Petersburg zu schaffen. So würbe bie Ermitage in ungewöhnlich kurzer Zeitspanne zu einem ber bebeu= tenbften Museen ber Welt, bas auf vielen Gebieten eine einzigartige Fülle von Kunstwerken birgt unb bem Besucher ganze Kunstepochen in ber Mannigfaltigkeit ihrer Schöpfungen vor Augen führt. So finb bie Sammlungen hellenistisch-skythischer Kunst unb ber antiken Kleinkunst unerreicht; sechsunb - zwanzigtausenb Kameen unb Gemmen geben Zeuanis eines in seinen Mitteln unbeschränkten Sammlerfleißes. Auch ben Schätzen byzantinischer unb islamitischer Kunst kann kein Museum ber Welt Gleiches an bie Seite stellen.
Derschwunben finb aus ber Ermitage allerbings viele ihrer berühmtesten Bilbwerke, wie Van Eycks „Verkünbigung", Raffaels „Mabonna Alba", Rembrandts „Bild eines Türken", Watteaus „Le Mezzetin" und andere Gemälde, zu denen einst die Kunstliebhaber aus aller Welt wallfahrteten. Sie find in die Kunstinftitute ber europäischen Hauptstäbte ober nach Amerika geroanbert. Man hat barauf verzichtet, an ihrer Stelle kleine Photographien aufzuhängen, wie es bas Kunsthistorische Museum 1922 in Wien tat, um seine unermeßlichen Verluste jebem Besucher einbringlich vor Augen zu führen. Von ben achtundbreißig Rem- branbts, bie im Vorkriegskatalog ber Ermitage Der» merkt waren — St. Petersburg besaß bamit bie größte Rembranbtsamrnlung ber Welt — finb viele nicht mehr vorhanben, aber auch heute finben sich dort noch manche kostbaren Stücke, unb bie zahlreichen Gemälbe der flämischen Schule schaffen eine wunderbar ruhige friedliche Insel inmitten des Getriebes ber sorojetrusfischen Großstabt.
Unter ben Gemälden ber Italiener nimmt vor allem ber von Katharina erworbene Ras s ael
„St. Georg mit bem Drachen", einen befonberen Platz ein. Von ben antiken unb byzantinischen Kunstschätzen ist schon gesprochen worben; viele Wochen täglicher Besuche bebürfte es, um auch nur einen ungefähren Ueberblicf über ben in ben Hellen stillen Raumen bewahrten Reichtum eines fürstlichen Kunstsinnes zu gewinnen. Im neuen Rußlanb ist fieningrab, wie bie alte Resibenzstabt nunmehr heißt, allerbings weit hinter ber Bebeutung ber Zentrale Moskau zurückgetreten, wo bie Museen bes neuen Staates aufgebaut werben. C. K.
Hockschulnachn'chien.
Oberkirchenrat Birnbaum in Berlin würbe beauftragt, im Sommerfemefter 1935 bie Vertretung bes burch bie Entpflichtung bes Professors D. Meyer frei geworbenen Lehrstuhls für praktische Theologie an ber Universität Göttingen zu übernehmen.
Professor D. Johannes Behm, Orbinarius für neutestamentliche Theologie an ber Universität Göttingen, ist in gleicher Eigenschaft an bie Universität Berlin berufen worben.
Professor Dr. Goeterd, Orbinarius für Kirchengeschichte an ber Universität Bonn, wurde als Nachfolger von Geh. Konsistorialrat D. Dr. Georg Grützmacher auf den Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Neues Testament in ber evangelisch-theologischen Fakultät ber Universität Münster berufen.
Professor Dr. Franz Taeschner, außerorbent- kicher Professor für Jslamkunbe, Türkisch unb Neu- persisch an ber Universität M ü n st e r, ist auf ben burch bie Entpflichtung von Professor D. Dr. Anton B a u m st a r k frei geworbenen Lehrstuhl für Orientalistik in Münster berufen worben.
Professor D. Hans Winbisch, Orbinarius für neutestamentliche Theologie an ber Universität Kiel, hat einen Ruf auf ben neutestamentlichen Lehrstuhl an ber Universität Halle als Nachfolger von Geh. Rat Professor D. von Dobschütz er* halten unb zum 1. April d. I. angenommen.
Professor Dr. Friedrich Schuh. Direktor der Mecklenburgischen Geologischen fianbesanftalt unb Extraordinarius für Geologie an der Universität R o st o ck, bat einen Ruf auf ben burch ben Tob von Professor Dr. Tbeobor Wegner freigeroorbe« nen Lehrstuhl für Geologie und Paläontologie art der Universität Münster erhalten.
Professor Dr. Max Käppis, Direktor bei? chirurgischen Abteilung am Stadtkrankenhaus I in Hannover, ist 311m o'-benU'ch-'n Vrokrssor in der Mebizinischen Fakultät ber Universität Würz« bürg ernannt worben.


