Einzelbild herunterladen

einiger Chöre schloß der Vereinswalter den gc- schäftlichen Teil der Versammlung mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer

S Lumda. 28. Jan. Am Sonntag veranstaltete die Ortsgruppe der NSDAP. Geils- Hausen bei Gastwirt Pg. Schultheiß einen Deut­schen Abend. Nach dem Einmarsch der Fahnen sang die NS.-Frauenschaft. verstärkt durch Mäd- chenchor, das WeiheliedAlles schweige ..." Orts- gruppenleiter Seipp wies in seiner Begrüßungs- ansprache auf die geschichtliche Bedeutung des 30. Januar hin, als der greise Feldmarschall dem jungen Bolkskanzler die Hand reichte, um in ge­meinsamer Arbeit für das deutsche Vaterland zu wirken. Er gedachte derer, die durch ihren Tod den Grund zum neuen Reiche legten, und schloß mit

der Mahnung, im Geiste des Führers weiterzu­arbeiten für Volk und Vaterland.Volk ans Ge­wehr", so erscholl es als Antwort aus aller Mund. Zwei heitere Theaterstücke wurden dann von der Lumdaer Jugend aufgeführt. Nach dem Volkslied Drunten im Unterland", vom Frauenchor vorge­tragen, spielten zum Abschluß die Geilshauser das Odenwälder VolksstückUnter dem Kastanien­baum", das durch seinen urwüchsigen Humor stür­mischen Beifall erntete. Pg. Seipp schloß den wohlgelungenen Abend in der üblichen Weise. Nicht vergessen werden soll die wackere Kapelle der NSKK. 51/147, die mit ihren schneidigen Wei­sen die Feier umrahmte. Durch den Verkauf der Kornblumen konnten hier dem VDA. 8,10 Mark zugeführt werden.

Tagung des Gauführerstabes der OT. in Kassel.

Der Gauführerstab der DT. im Gau Nordhessen beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung in Kassel mit der Vorbereitung des ersten Gauturnfestes in Gießen. Gauoberturnwart Paul erstattete Bericht über die bisherigen Vorbereitungsarbeiten. Ober­baurat Röder (Kassel) gab Aufklärungen über die für das Gaufest zu beantragenden Fahrpreis­ermäßigungen, Gaudietwart Vesper (Homberg) sprach über die Richtlinien für die Gestaltung des Festzuges, der gemeinsam mit dem Reichsbund für Volkstum und Heimat durchgeführt werden soll. Die Spielpiannszüge im Gau sollen sich zahlreich beteiligen. Gauoberturnwart Paul berichtete über die zum Gauturnfest vorgesehenen Wettkämpfe, ins­besondere über die Klasseneinteilung.

Die weiteren Beratungen galten der Durchfüh­rung der Winterhilfswoche (24. bis 31. März) und der Sternwanderung am Himmelfahrtstaa. Gau­oberturnwart Paul gab dann noch verschiedene wichtige Termine für Gauveranstaltungen, soweit sie festliegen, bekannt. Es wurde hingewiesen auf

den am 17. oder 24. Februar in Gießen statt­findenden Endkampf der vier besten Kreisriegen um die Gaumeisterschaft, auf den am 14. April in Koblenz stattfindenden Gaugerätewettkämpf (Gaue 11, 12 und 13), auf das Bergfest auf der Wasser- kuppe (16. Juli) und auf das Kunstturnen der Deutschlandriege am 24. August in Bad-Nauheim. Mit einem dreifachenSieg-Heil!" auf Führer, Volk und Vaterland wurde die Tagung geschlossen.

Oie neuen deutschen Meister im Kunstspringen.

Im ausverkauften Haller Stadtbad wurden am Sonntag die zweiten Deutschen Meisterschaften im Kunstspringen ausgetragen, an denen die Titelver­teidiger Olga Jensch-Jordan und Hans Sei­fert nicht beteiligt waren. Bei den Damen siegte die Kampsspielsiegerin Hertha Schieche vor Frl. Friedrichs und Frl. Dietrichs, bei den Herren gewann der Spandauer G r e u s i n g vor Strobl (Zeitz) und Weiß (Dresden). Die beiden Meisterschaftswett­bewerbe waren durch einige Schwimmkonkurrenzen umrahmt.

Jahreshauptversammlung der Gpielvereinigung 1900.

Die Spielvereinigung 1900 hatte für den Sams­tagabend ihre Mitglieder zur Jahreshauptversamm­lung ins VereinslokalPostkeller" gerufen, die in­sofern sür den Verein von Bedeutung war, da es galt, für den beruflich nach auswärts verzogenen seitherigen Vereinsführer, Studienassessor Hoh­mann, einen Ersatzmann auf den Schild zu heben. Der seitherige Dereinsführer Hohmann eröffnete die Versammlung und nahm in längeren Ausfüh­rungen zu den Ereignissen innerhalb des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr Stellung. Er betonte dabei, daß unter feiner Leitung außerordentlich sparsam gewirtschaftet worden sei. Kassenbestand und Guthaben dokumentierten das. Er streifte aber auch weiterhin die sportlichen Erfolge uno Miß­erfolge, und gedachte dabei in erster Linie der ersten Fußball, und Handballmannschaften, die durch ihre Leistungen bewiesen, daß sie sich in aufsteigender Form bewegten. Zum Schlüsse seiner Ausführungen sprach er feinem Stellvertreter Keiner für die ausgezeichnete Unterstützung feinen Dank sowie den des Vereins aus.

Es folgte nunmehr die Berichterstattung der ein­zelnen Abteilungsleiter. Fußballobmann R e i n i n g gab in gewohnter Weife durch Vortrag eines schrift­lichen Berichtes von dem Leben und Wirken in der Fußballabteilung Kenntnis, aus dem hervorging, daß man zur Zeit mit den Leistungen der Ersten recht zufrieden sein kann, die unteren Mannschaften aber stark verbesserungsbedürftig sind, wenn sie

wieder ihre alte Stellung einnehmen wollen. Höhe­punkte im Jahre 1934 waren Sie erste Saarkund­gebung in Gießen, die die Spielvereinigung 1900 durch die Verpflichtung von Schwarz - Weiß 07 Saarbrücken einleitete, die Pfingstreise der Liga­mannschaft und der Leinbergerkursus. Der Verein beschäftigte im Sommer einige Monate den Trainer Kraushaar (früher Rot-Weiß Frankfurt a. M.), und man kann sagen, daß diese Gelder nicht umsonst vertan wurden. Ernst Lippert, der schon mehr­fach zu Repräsentativkämpfen des Gaues XII (Nord- Hessen) herangezogen wurde, wurde jetzt auch vom DFB. berufen und als Olympiakanditat feierlich verpflichtet. Von den drei Senioren-Mannschaften wurden im Jahre 1934 insgesamt 82 Spiele aus­getragen.

Der Leiter der Leichtathletik-Abteilung, Richt- berg, verlas den Bericht der Leichtathletik-Abtei­lung und der Frauen-Abteilung. Die Wettkampf­tätigkeit war 1934 nicht so groß, wie in den Vor­jahren, die Erfolge aber nicht minder gut. In der deutschen Vereinsmeisterschaft rangiert 1900 in der obersten Klasse an 70. Stelle, und Gugel und Kilo wurden durch ihre überragenden Leistungen im Dis­kus und Kugelstoßen in die 30 - Besten - Liste des Deutschen Leichtathletik - Verbandes eingereiht und mit der Ehrennadel ausgezeichnet. Die Teilnahme erstreckte sich in diesem Jahr auf 20 Veranstaltungen. Den Höhepunkt bildeten die in Gießen abgehaltenen XII. Nationalen Wettkämpfe durch die Teilnahme

von Weltrekordmann Hans Heinrich Sievert. 5 Leichtathleten der Spielvereinigung 1900 wurden als Olympiakanditaten ebenfalls feierlich verpflichtet.

Der Handballobmann Birken stock berichtete, daß es auch in feiner Abteilung aufwärts geht. Leider habe die erste Elf, die in der Gauliga Nord- heffens spielt, nach gutem Start eine Schwäche­periode zu überwinden gehabt, wodurch sie etwas ins Hintertreffen gekommen fei. Ausgetragen wur­den von den beiden Handballmannschaften 1934 41 Wettspiele und davon weit mehr als die Hälfte gewonnen.

Jugendobmann Rohrbach sprach für die Jugend, die leider nur wenig Wettspielgelegenheit habe, infolge Mangel geeigneter Gegner. Die erste Jugend lieh sich auch in diesem Jahre nicht von der Spitze verdrängen. Ungeschlagen und ohne Punkt­verlust mit erzielten 43:5 Toren ging sie als Meister aus den Gruppenspielen hervor. Sehr Gutes leistete auch die erste Schülerelf.

Nach dem Bericht des Platzobmannes S ch m i b t gaben die Kaffenprüfer Gümbel und Mand­ler den Kassenbericht, der ein überaus günstiges Ergebnis aufwies. Der Neuzugang an Mitgliedern überwiegt den Abgang um mehr als das Doppelte, also auch ein sehr erfreulicher Aktivposten.

Alterspräsident B e n d e nahm nach Dankeswor» ten an alle Mitarbeiter die erforSerlichen Ent­lastungen vor. Dann schritt man zur Neuwahl des Vereinsführers. Nach längerer Aussprache ent­schloß sich die Versammlung einstimmig Studien­assessor Hohmann vorläufig auch weiterhin mit der Vereinsführung zu betreuen unter der Stell­vertretung von Keiner. Als Kassenprüfer wur­den Oümbel und Mandler wiedergewählt. Nach Dankesworten für das auch zukünftig ge­währte Vertrauen schloß der Vereinsführer die har­monisch verlaufene Versammlung mit einem drei­fachenSieg-Heil" auf Volk und Führer.

Oie Deutschen Wintersportmeister- schasten.

Ski-Marathon Norwegische Sieger.

Den Auftakt der Deutschen Skimeister- schaften in Garmisch-Partenkirchen bildete mit dem Start uhb Ziel im Olympischen Skistabion am Gudiberg ber 50-Kilometer - Dauerlauf. Reichliche Schneefalle in ber Nacht zwangen die Veranstalter, eine 150 Mann starke Spurtruppe auf den Weg zu schicken. Das Schneegestöber artete am Morgen, als sich die 69 Läufer am Start einfanben, zu einem Sturm aus, wie ihn bisher wenige ber Teilnehmer bei dieser Konkurrenz erlebt hatten. Ihm fiel ber Favorit unb Olympiasieger Veli Saurin en (Finnlanb) zum Opfer, ber als Sechster gestartet war, seine Vorderleute bald überholt hatte, und bann fast 33 Kilometer spuren mußte, bis er er­schöpft aufgab. Damit war der Weg für die Nor- weger frei. Kaare Hatten, Sigurd Vestad und Trygve Brodahl waren die Ersten, die nächsten Plätze belegten zwei Finnen, Nurmela und Karp- pinen, nachdem auch Heikkinnen aufgegeben hatte. Ueberraschend konnte sich der Italiener Scalet vor dem besten Deutschen, dem Berchtesgadener P o n n , als Sechster placieren. Die Entscheidung fiel auf dem Anstieg vom Skistadion zum Kochelberg. "

Meisterschaft der SA. und SS.

Zusammen mit dem 50-Kilometer-Dauerlauf fan­den die Titelkämpfe der SA., SS., des NSKK. und des Chef AW. statt, die als Patrouillenläufe ausge­tragen wurden. Die Gruppe I (Hoch- unS Mittel­gebirge) hatte 18 Kilometer zu bewältigen, die Gruppe II (Flachland) 12 Kilometer. Als schnellste Patrouille erwies sich die von Willi Bogner ge­führte des SS.-Oberabschnittes ©üb I, die die aus­gezeichnete Zeit von 1:30:34 erreichte. Bei den Mit­telgebirglern kam Bayerwald vor Schlesien ein und in der Flachlandgruppe schnitt Hessen am besten ab.

von Kaufmann (München) hochfchulmeister).

Die Deutschen Hochschul-Skimeisterschaften wurden mit dem Sprunglauf beendet. Sieger wurde ber Münchener Franz Mech ler mit Sprüngen von 45 Meter unb 49 Meter hervor. In Klasse II der Alt-

afabemiter siegte Kaufmann (München) mit 40 und 47 Meter, der damit auch die beste Gesamtnote in der Kombination erhielt und Deutscher Hochschul­meister 1935 wurde. Kombinationssieger der Klasse I wurde Müller (München).

Alte und neue Tennismeister.

Abschluß der Hallenmeisterschaften in Bremen.

Die internationalen deutschen Tennismeisterschaf­ten in Bremen wurden am Sonntag beendet. Im Herreinzel siegte Gottfried von Gramm über den Franzosen Marcel Bernard 12:14, 6:0, 6:2, 4:6, 8:6 und verteidigte damit seinen Titel. Auch die vorjährige Siegerin im Dameneinzel, Hilde Sper­ling-Krahwinkel, konnte sich wieder erfolg­reich durchsetzen. Sie gewann das Endspiel gegen die Schweizerin Payot sicher 6:4, 6:1. Seinen zwei­ten Meistertitel holte sich Gottfried von Gramm mit seinem Landsmann Heinrich Henkel im Her­rendoppel: hier wurden die Franzosen Bernard- Gontien 6:1, 6:0, 6:3 geschlagen. Das Damendoppel

Opfere für das Minterhilfswerk!

Auch du kannst deine Pflicht erfüllen durch Verwendung der LVohlfahrtsbriefmarken!

sah Hilde Sperling mit der Wiesbadenerin Ma- rietuife Horn, die auch im Vorjahre schon sieg­reich waren, wieder erfolgreich. Die Schweizerinnen Payot-Fehlmann wurden 6:3, 6:2 geschlagen. Mit Sem am Samstag schon errungenen Endsieg im Ge­mischten Doppel hat Hilde Sperling drei, Gottfried von Gramm zwei Meistertitel errungen.

Die ßifte der Meister: Herreneinzel: Gott­fried von Gramm; Dameneinzel. Hilde Sperling- Krahwinkel; Herrendoppel: Gottfried von Gramm- Heinrich Henkel; Damendoppel: Hilde Sperling- Krahwinkel-Marieluise Horn; Gemischtes Doppel: Hilde Sperling-Krahwinkel-Marcel Bernard.

Um den Preis der nationalsozialistischen Revolution.

Berliner Reitturnier.

Das internationale Reitturnier in Berlin wurde am Samstagabend vor ausverkauftem Hause fort­gesetzt. Aus Anlaß des tragischen Todes von Axel Holst waren die Schaunummern abgesagt worden unb es stauben nur sportliche Wettbewerbe auf bem Programm. Hauptnummer war bie Abteilung B bes Äagbspringens um ben Preis ber Grünen Woche, bie im Zeichen eines großen Triumphs ber Reiter ber Kavallerieschule Hannover stand. Oblt. K. Hasse siegte auf seinemDer Mohr" vor Oblt. Brandt auf Bianca, Oblt. E. Hasse auf Bosko und Rittmeister Momm auf Baccarat. Den Preis vom Tiergarten, eine Eignungsprüfung für Reitpferde, gewann Frau Franke auf Bacharach, in Ser Dressurprüfung um ben Preis von Potsbam gewann Hptm. Schmibt auf Quitzow.

Am Sonntagnachmittag stand das Jagdspringen um den Preis der Nationalsozialistin scheu Erhebung im Mittelpunkt des Pro­gramms. 28 Pferde stellten sich zu diesem Wett­bewerb, aber nur zwei tarnen in die engere Ent­scheidung.

Hauptereignis des Abends war dann die Ent­scheidung im Preis der Nationalsozia­listischen Erhebung. Zum Stichkampf traten die fehlerlosen Pferde der beiden Abteilungen an,

NIVEA

mild, leicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack.

Was soll ich denn mit einem Auto?

ROMAN VON KÄTHE METZNER.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türrne-Derlag» Halle (©.).

20 Forts-etzung. Nachdruck verboten!

Gisela, was tust du? Ich verstehe das alles nicht. Er kann dir doch kein Auto schenken, wenn Su nicht feine Braut bist?"

Nun hat an, Küken! Ein gewisser Gersheim hat dir doch auch einen Fehmantel geschenkt im Werte von achtzehnhundert Mark. Warst du denn feine Braut?"

Da ging es wie ein Messerstich durch Gerlindes Herz. Günter von Gersheim, der ihr so weh getan hatte mit feinen Worten. Zum ersten Male kamen ihr ernste Zweifel. Wenn sie sich doch getäuscht hätte. Er hatte ja njdjts weiter gesagt. Nur sie in ihrer Ueberempfindlichkeit hatte seine Worte so schroff zurückgewiesen.

... Ich meine cs treu mit Ihnen und gut! klang es ihr wieder in den Ohren, und sie fühlte, wie ihr Herz hämmerte und hämmerte. Sehnsucht und Liebe ... Mit einem Male fiel es Gerlinde wie Schuppen von den Augen sie wußte, daß sie Günter von Gersheim nicht vergessen würde, nicht vergessen konnte, weil sie ihn liebte.

Siehst du, du schweigst!" sagte Gisela neben ihr triumphierenS, und schaute die Schwester an.

Gerlinde hob die reinen, lichtgrauen Augen und fchaute Gisela nur stumm an. Die aber wandte ihr Gesicht ab. Sie konnte die Reinheit dieses Blickes nicht mehr ertragen.

Vor bem Hause verabschiebete sich Doktor von Sachs.

Heute abend, Maus! Schlaf' ein bißchen, daß du nicht so angegriffen aussiehst. Aber bring doch das Schwesterchen mal mit in die Verdi-Diele. Ist doch Sonntag heute nicht wahr, gnädiges Fräulein?" Doktor von Sachs lächelte galant und tauschte mit Gisela einen raschen Blick.Sehen Sie, eine Liebe ist ber anberen wert. Ich habe Ihnen bas Geschäft erleichtert, inbem ich ben Wagen kaufte, so machen Sie mir nun bie Freube unb kommen Sie heute abenb mit Gisela auf ein paar Stunben. Wenn Sie wollen, finb Sie um elf Uhr daheim."

Gerlinde wußte nicht aus noch ein. War sie wirk­lich diesem Manne verpflichtet? Sie sah ein, er hatte ihr eine ungeheure Gefälligkeit erwiesen. Ge­wiß brauchte er gar keinen Wagen. Aber morgen war Dienst und die kranke Mutter. Sie würde keinen Augenblick Ruhe haben.

Seien Sie nicht böse, Herr Doktor. Ich kann es ghnen nicht versprechen. Meine Mutter ist jetzt im­

mer so anfällig. Ihr Herz ist nicht in Ordnung!" sagte Gerlinde endlich.

Ach, Mutter hat gewiß nichts dagegen!" lachte Gisela.Und so krank ist sie nun doch nicht, wie Linde das macht. Aber laß sie nur! Kinder gehören ins Bettchen. Laß die Kleine! Siehst doch, was das für ein Baby ist!" mischte sich Gisela ein.

Doktor von Sachs weidete sich an Gerlindes Ver­wirrung und fand sie in d^sem Augenblick wieder viel reizender unb begehrenswerter als Gisela, die sich für seinen Geschmack zu schnell erobern ließ. Dann gingen die Schwestern ins Haus, und er fuhr mit feinem Wagen davon.

Weihnachten war vorüber. Das Leben ging wie­der feinen alten Gang. Im ModehausMerkur" war es jetzt etwas ruhiger. Die Weihnachtstage hatten enormen Trubel gebracht, und Gerlinde war manchmal so abgespannt aus dem Dienst nach Hause gekommen, daß bie Mutter in banger Sorge ihre Wangen betrachtete, die nicht mehr bas ju­gendliche Rund zeigten, sondern ein bißchen zu blaß und zu schmal geworden waren.

Man hatte sich im Modenhaus an Gerlinde ge­wöhnt. Die Mannequins fanden schon lange nicht mehr, daß jeden Tag etwas passierte, feit Gerlinde im Hause war.

Sie ist an ihrem Schicksal selbst schuld!" sagte die blonSe Erna manchmal noch in heimlicher Sehnsucht.Der Gersheim hat sie scheinbar doch wirklich geliebt. Aber sie war eben zu hoch- mütig.'

Doch das letzte sagte sie nur, wenn Gerlinde nicht dabei war.

Die schwarze Lotte, die es am allerehrlichsten mit GerlinSe gemeint hatte, war weg. Sie hatte eine besserbezahlte Stellung in Hamburg bekommen. Von Gerlinde hatte sie sich schwer und unter un­zähligen Küssen getrennt.

Mein Süßes, wenn ich nicht mehr da bin was soll dann aus dir werden? Du bist doch ein zu goldiges Dummchen. Schreibe mir nur immer recht viel!" hatte sie Gerlinde zehnmal beim Ab­schied gesagt.

Nur eine war sich treu geblieben und hing nach wie vor mit derselben beinah mütterlichen Liebe an Gerlinde Steinbrück, aber das ahnte Gerlinde nicht, weil sie es kaum merken ließ. Es war Scholzchen, die erste Direktrice. Niemals vergaß sie, auch welch vornehmen Hause Gerlinde eigent­lich stammte, und oft schnitt es ihr ins Herz, wenn das ahnungslose junge Mädchen ihren Anweisun­gen so gehorsam und in immer gleichbleibender De­mut gehorchte.

Heute war es Gerlinde besonders schwer ums Herz. Sie lief in ihrem schwarzen Probierkittel um­her, ber eng ihre herrliche Figur umschloß, schritt hin und her, drehte sich und stand still, wie man es von ihr verlangte ... Aber ihre Gedanken waren nicht bei der Arbeit, jo daß es mehr als

einmal vorkam, daß sie nervös zusammenzuckte, wenne eine der Schneiderinnen ihre Wünsche wie­derholen mußte.

Gerlindes Gedanken waren daheim. Immer sah sie dasselbe Bild. Die weinende Mutter und Gi­sela, die sorgsam alles für ihre Abreise vorberei­tete, denn es war nun Wirklichkeit geworden Gisela hatte ein Engagement bekommen. Ihr Freund Doktor von Sachs hatte sein Wort gehalten. Mit ihm ging Gisela am 1.'Januar nach Paris.

Unmerklich rang Gerlinde die Hände. War die Schwester von ihrer Sucht nach Ruhm denn schon so besessen? Hielt nichts sie mehr daheim zurück? Sah Gisela denn nicht täglich, wie die Augen der Mutter immer trüber wurden vom Weinen, wie die Herzanfälle sich immer öfter wiederholten?

Angst packte Gerlinde. Unsägliche Angst, die ihr den Schweiß aus den Poren trieb. Sie würde dann mit der kranken Mutter ganz allein fein. Ja, was sollte dann werden? Sie konnte doch nicht mehr ins Geschäft gehen. Der Zustand der Mutter war doch jetzt bereits so, daß man sie nicht mehr den ganzen Tag allein lassen konnte. Eine Pflegerin engagieren!, meinte Gisela in ihrer praktischen, sachlichen Art. e

Schluchzend hatte Gerlinde die Schwester am Abend zuvor zur Rede gestellt.

Gisela, bleib doch bei uns! Siehst du denn nicht, wie Mutters Zustand ist?"

Nein, Gerlinde! Ich muß in meinem Entschluß hart bleiben, auch wenn es mir noch so schwer fällt!" hatte Gisela erwidert.Ich denke weiter als du. Wenn Mutter wirklich einmal nicht mehr ..."

Halt!" hatte Gerlinde fast geschrien. Sie war auf Gisela zugesprungen und hielt ihr entsetzt den Mund zu. Sie wollte es nickt hören, das Grausame, Ungeheure aber sie ahnte, was Gisela hatte sagen wollen.

Bitte, ein Stück zurückgehen, Fräulein Stein­brück. So! Bitte drehen Sie sich herum ganz langsam ...", sagte die Schneiderin, die an Ger­linde absteckte.

Gerlinde führte mechanisch die Wünsche aus. Wie Blei waren ihre Füße. Stundenlang ging das so weiter.

Plötzlich schwankte Gerlinde, so daß die Schnei­derin erschrocken aufsprang und das junge Mädchen hielt.

Aber Kindchen! Sagen Sie doch ein Wort! Wir müssen mal eine kleine Pause machen."

Das ältliche Mädchen führte Gerlinde, in deren Gesicht im Augenblick kein Blutstropfen stand, zu einem Stuhl und brachte ihr ein Glas Wasser.

Verzeihung!" Gerlinde riß sich gewaltsam zu­sammen. Sie schämte sich jetzt, ihrer Schwäche nach- gegeben zu haben. Aber es war ja nicht so sehr körperliche Mattigkeit. Der seelische Schmerz zehrte. Das fühlte sie. Keine Nacht Schlaf und früh her­aus und hier den ganzen Tag auf ben Beinen.

Gerlinde spürte, wie ihre Kräfte nachgelassen hatten. Zuviel war in diesen Wochen auf sie ein­gestürmt. Ach, einmal nichts denken müssen, nicht die schwere Zukunft vor sich sehen, einmal seinen Kopf an eine Schulter legen können und sich ausruhen!, dachte sie. Einmal richtig ausruhen!

Sie graute sich, nach Hause zu gehen. So wund war sie schon innerlich, daß die Gespräche mit Gi­sela etwas Quälendes für sie hatten.

Dtc Schwester fand, daß Gerlinde nicht ein Fünk­chen Verstehen für ihre Kunst aufbrachte; und Ger­linde fand, daß die Schwester fein Gefühl hatte kein Herz. Sonst hätte sie bleiben müssen. Hätte nicht gehen können, wo die Mutter so krank war. Hier trennten sich die Welten der beiden Schwe­stern.

Giesela dachte nur an sich, an ihr Ziel. Gerlindes Wesen kannte nur Treue, ein Sich-Aufopfern für den anderen. An sich selbst dachte Gerlinde nie.

Das alles sah Frau Steinbrück mit offenen Augen. Gisela war ganz die Art ihres Vaters. So war auch er damals von denen Seinen gegangen. Es hatte ihn hinausgezogen in die lachende, bunte Welt. Und er, der daheim Frau und Kinder hatte, vermochte nicht, den Lockungen zu widerstehen.

Und dann das Ende? Die arme Frau fühlte, wie ihre Brust sich zusammenschnürte. Es konnte nicht gut fein.

Währenddessen hantierte Gisela drüben mit ihren Sachen, packte die Koffer.

Wie zerschlagen war Gerlinde, als sie aus dem Geschäft nach Hause ging. Ihr Kopf schmerzte. Die wenigen ruhigen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr hatten nicht genügt für sie, sich zu erholen. Das merkte sie an ihrer leichten Abgespanntheit. Heute war schon wieder ununterbrochen Betrieb gewesen. Alles noch Bestellungen für sofort.

Gut, daß heute um fünf Uhr Schluß war, Sil­vester. Der letzte Tag des Jahres.

Langsam ging Gerlinde heim. Die kalte Winter­luft kühlte den brennenden Kopf, die heißen Wan­gen. Der Wind trieb ihr Schneeflocken ins Gesicht. Menschen hasteten an ihr vorüber. Jeder schien es eilig zu haben. Lächelten sie nicht alle? Machten sie nicht geheimnisvolle Gesichter? Hin und wieder begegnete sie schon ein paar Angetrunkenen, die es nicht erwarten konnten, das neue Jahr zu begie­ßen und schon sehr früh damit angefangen hatten. Dann kamen wieder welche mit kleinen Paketchen unterm Arm. Und dort Gerlinde mußte wider Willen lächeln humpelte ein kleines, spindel­dürres Männchen dahin, aber auch es hatte fein Silvefterfläfchchen, schön in Seidenpapier verpackt, unterm Arm.

So wurden Gerlindes Gedanken für kurze Zeit abgelenkt, und sie befand sich, ehe sie es sich Der- sah, zu Hause.

(Fortsetzung folgt l)