Nr. 24 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Dienstag. 2Y.Zanuar 1955
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Oer Aufbau der Deutschen Kultur.
Kulturpolitische Ziele im dritten Jahr nationalsozialistischer Erneuerung.
Bulgarien.
Von unserem Dr. L.-Berichiersiaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Sofia, Januar 1935.
Reichmmifter Goebbels über fein Programm.
Auch kulturell die ersten Fachleute an die Spitze der Nation!
Berlin, 29. Jan. (DNB). Der V. B. veröffentlicht eine Unterredung seines Berichterstatters mit Reichsminister Dr. Goebbels. Im Zusammenhang mit der am 30. Januar erfolgenden Verteilung einer großzügigen Spende zusätzlicher Art aus den Mitteln des Winterhilfswerks im Werte von 23 Millionen Reichsmark betonte der Minister, daß ihm die glückliche Durchführung des Winterhilfswerkes am meisten am Herzen läge. Wenn die Gebefreudigkeit und der Opferwille des deutschen Volkes weiterhin so anhalte, wie es bisher der Fall gewesen sei, dann wäre mit einem noch höheren Gesamtbeträge als im vorigen Jahre zu rechnen. Das dritte Jahr der nationalsozialistischen Revolution wird dem Reichspropagandaminister eine große Aufgabe bringen: den konsequenten Aufbau des deutschen Kulturlebens und damit die Vollendung jenes Werkes, das zu erreichen auf diesem Gebiete erstes Ziel der nationalsozialistischen Aufbauarbeit gewesen ist, die Ueberwindung der chaotischen Zustände, die uns die vorangegangene Epoche überlassen hat. Die Oeffentlichkeit sieht die Auswirkungen dieses Werkes ausschließlich im Kulturellen selbst. In Wahrheit liegen die Verhältnisse aber weit komplizierter durch die fast unübersehbaren wirtschaftlichen Verflechtungen.
Ls handelt sich also nicht nur darum, gute Filme und Theaterstücke zur Aufführung zu bringen, sondern das Ziel muß zugleich laufen: Das sterbende wirtschaftliche Durcheinander zu entwirren und einen soliden wirtschaftlichen Aufbau zu schaffen. Diese Aufgabe aber ist so schwierig, weil gerade auf kulturellem Gebiet die Ligen- wüchfigkeit sehr stark ist, weil die Desihverhältnisse der kulturellen Institute Deutschlands so überaus unter- schiedlich sind. Und doch muß eine Zen- t r a l l e i t u n g geschaffen werden, ohne Ligengewächse zu zerstören.
Die Theater werden großzügig mit Reichssubventionen versehen, zugleich handelt es sich darum, den Film wirtschaftlich zu sanieren. Infolge der Freiheit allen kulturellen Lebens ist diese Arbeit noch schwieriger als die im wesentlichen verwaltungstechnische Reichsreform. Der Dresdener Zwinger und die Pinakothek in München, die Dresdener, die Berliner und die Münchener Oper, das Berliner Metropoltheater und die Festspiele in Oberammergau kennzeichnen die ungeheuer weiten Spannungsbogen, die es hier auszufüllen gilt. Unkluges Vorgehen kann da leicht zerstörend statt aufbauend wirken. Alle Aufbauarbeit muß a u f lange Sicht geschehen.
Alles muh ftilgemäß gesehen werden. Ls gibt Menschen, die Parleipropaganda auf der Bühne vermissen. Der Nationalsozialismus hat gezeigt, wie er das kulturelle Leben erneuern will, in dem er in weitestem Maße d a s V o l k wieder in Verbindung mit dem Theater gebracht hat. Heber eine Million Menschen sind zu billigsten Preisen im Theater des Volkes gewesen. Fast alle Berliner Bühnen haben jeden Montag sich für die JIS.- kulturgemeinde zur Verfügung gestellt. So werden wir in grundsätzlichen Fragen unseren Standpunkt durchsetzen.
Ein Gegenbeispiel das russische kulturelle Leben in seiner Niveaulosigkeit, während das nationalsozialistische Deutschland gewillt ist, d u r ch Lebensstil auf künstlerischem Gebiet anziehend für das Ausland zu wirken. Den nach Berlin kommenden Ausländern wollen mir die Schönheit des menschlichen Lebens m seiner ganzen Vielgestaltigkeit zeigen; diese Vielgestaltigkeit aber ist beherrscht von einem einheitlichen Willen. ^r.rH?aho<S?.IffrOdiallft' der mit seiner Idee, seinem politischen Willen das Volk erobert hat, muß zeigen, daß er in allen Sätteln reiten kann. Auf kulturellem Gebiet, aus gesellschaftlichem Parkett muß er mit der gleichen souveränen Sicherheit auftreten wie im Arbeitskleid.
Genau so, wie wir stolz sind auf unseren nationalen kullurbesih, im gleichen Maße sind nnr Nationalsozialisten gegen jede P rimiti- visierung des Lebens. Wirkliche Talente könnten unserem kulturellen Leben nur durch wirkliche Anerkennung ihrer Leistung erhalten werden. Dr. Goebbels erklärte zum Schluß, er betrachte es als seine Aufgabe, auch auf kulturellem Gebiet d i e e r ft e n Fachleute an die Spitze der Nation zu stellen.
9 Dr. Goebbels in der Stuttgarter Oper.
Stuttgart, 29. 3an. (DNB.) ZuEtzren der in Stuttgart weilenden Reichsministers Dr. G o e b - b e t s wurde im Großen Haus der, wurttembergi- jchen Staatstheater gls Festoorstellung
b e l la" von Richard Strauß gegeben. Als Dr. Goebbels, begleitet vorn Reichsstatthalter Murr unter stürmischen Heilrufen das Foyer betrat, war es für ihn nur mit Hilfe der absperrenden SS. möglich, durch die andrängenden Theaterbesucher bindurchzukommen. Das bis zum letzten Platz besetzte Haus begrüßte Dr. Goebbels, der in der Mittelloge Platz nahm, mit einem dreifachen Sieg-Heil. In der Pause stürmten die Theaterbesucher das Foyer und drängten zum Vorraum der Mittelloge. Der Minister zeigte sich lächelnd unter dem Eingang und erteilte zahlreiche Autogramme. Bei Beginn
und Schluß des dritten Aktes kam es wiederum zu nichtendenwollenden Ovationen, und als Dr. Goebbels mit einem ihm von einigen BdM.-Mädchen gewidmeten Veilchenstrauß den Darstellern und der Aufführung begeistert Beifall zollte, wollte der allgemeine Jubel kein Ende nehmen. Immer wieder mußten die Hauptdarsteller mit dem musikalischen Leiter der Aufführung, Generalmusikdirektor Professor Leonhardt, vor dem Vorhang erscheinen. Es gab herrliche Blumen, vor allem für Frau Teschemacher, die vollendete Darstellerin der Arabella.
Der Weg zur organischen Zinssenkung.
Der erste Erfolg der Kapitalmarttpolitik der Reichsregierung.
Dr. Schacht spricht vor der bayrischen Wirtschaft. München, 28. Jan. (DNB.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht weilte zu einem amtlichen Besuch in München. Er stattete dem Reichsstatthalter, dem Ministerpräsidenten und dem Wirtschaftsminister Esser Besuche ab und sprach gegen Mittag im Künstlerhaus zu Vertretern der mit Wirtschaftsfragen befaßten Behörden und Parteidienststellen sowie Gästen aus allen Kreisen der Wirtschaft. Dr. Schacht gab einen Ueberblirf über die Wirtschafts- und Finanzpolitik und erläuterte die Stellungnahme der Reichsregierung zu den wichtigsten Fragen des Außenhandels und Devisenbewirtschaftung, der Arbeitsbeschaffung und der Rohstoffversorgung.
Der passiven Haltung des Treibenlassens stellte er die Haltung des Nationalsozialismus gegenüber, die das Gesetz des Handelns wieder in unsere Hände gebracht habe. Der „neue Plan" sei einunerläßliches I n st r u m - n t zur Gesundung Deutschlands. Dr. Schacht betonte insbesondere die Notwendigkeit, die deutsche Ausfuhr mit allen Mi 11 e l n aufrechtzuerhalten und zu steigern, und richtete an die Wirtschaftskreise eindringliche Worte, in ihrem eigensten Interesse alles zu tun, um die Politik der Reichsregierung in diesem Punkte zu unterstützen.
Die K a p i t a 1 m a r k t p o 1 i t i k der Reichsregie- rung fei von Anfang an auf das Ziel abgestellt gewesen, unter Ablehnung aller Experimente den Kapitalmarkt für die großen Aufgaben der Finanzierung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen vorzubereiten. Um den Rentenmarkt zu schonen, feien Neuemissionen an die
Genehmigung der Regierung geknüpft worden. In der offenen Marktpolitik, die der Reichsbank im Jahre 1933 ermöglicht worden sei, habe diese eine Waffe in die Hand bekommen, um d a s Kursniveau an den Rentenmärkten in größerem Umfange als bisher zu pflegen. Das A n - leihe st ockgefetz bedeute gleichfalls eine Stützung des Rentenmarktes. Es belasse zwar dem Unternehmer den vollen Gewinn, nötige ihn jedoch aus sozialen und wirtschaftlichen Gründen, einen übermäßigen Gewinn dem Staat in Form von Darlehen zur Verfügung zu stellen. Das Kreditgewerbegesetz habe eine genaue Trennung zwischen Anlage- und Kassenkapital möglich gemacht und die Grundlage für eine nachhaltige Beeinflussung des Kreditwesens unter Gesichtspunkten der staatlichen Notwendigkeiten geschaffen. Schließlich habe sich die Bö r \ en r e f o rm, durch die die Zahl der Börsen auf neun verringert worden fei, günstig auf die Kurse des Rentenmarktes ausgewirkt. Als Folge aller dieser Maßnahmen sei eine Lage am Kapitalmarkt herangereift, die eine Steigerung b ,e r Rentenkurse in den letzten Monaten um rund 10 v. H. des Nennwertes aüsgelöst und damit ohne jeden äußeren Druck und ohne Eingriff in das Privateigentum die Konversion der 6pro- zentigen festverzinslichen Papiere in 4'/-prozentige a l s Endpunkt einer organischen Entwicklung möglich gemacht habe. Wenn je eine Zeit dem einzelnen Bürger bewiesen habe, daß er nichts ohne den Staat fei und daß er mit seinem Volke stehe und falle, dann sei es die heutige. Das materielle Leben mache zwar nicht das Wesen eines Volkes aus, aber die Sicherstellung der Lebensbedürfnisse trage dazu bei, die Voraussetzungen für die Entfaltung des nationalen Willens zu schaffen.
Die rassenpoliiische Erziehungsarbeit in den Schulen.
Berlin, 26. Jan. (DNB.) Für die Behandlung der Vererbungslehre und Rassenkunde im Schulunterricht hat Reichsminister Rust im Einvernehmen mit dem Rassenpvlitischen Amt der NSDAP, e i n- heitliche Richtlinien erlassen, deren Zweck es sein soll, im Unterricht aller Schularten die neuen Erkenntnisse zu vermitteln, aus ihnen die Folgerungen für alle Fach- und Lebensgebiete zu ziehen und dadurch nationalsozialistische Gesinnung zu wecken. Es gilt daher, Einsicht zu gewinnen m die Zusammenhänge, die Ursachen und die Folgen aller mit Vererbung und Rasse in Verbindung sie- henden Fragen. Verständnis zu wecken für die Bedeutung, welche die Rassen- und die Verer- bungerscheinungen für das Leben und Schicksal des deutschen Volkes und die Aufgaben der Staatsfuh- rung haben. In der Jugend V e r a n t w ° r tungs- aefühl gegenüber der Gesamtzeit des Volkes, d. h. den Ahnen, den lebenden und den kommenden Geschlechtern zu stärken, Stolz auf die Zugehörigkeit zum deutschen Volk als einem Haupt- träger des nordischen Erbgutes zu wecken und auf den Willen der Schüler in der Richtung einzuwirken, daß sie an der rassischen Ausartung des deutschen Volkturns bewußt mit- ar beit en. Diese Schulung soll bereits auf der Unterstufe einsetzen, so daß kein Knabe und kein Mädchen die Schule verläßt, ohne zur letzten Erkenntnis über die Notwendigkeit und das Wesen der Blutreinheit geführt zu sein.
Der neue Staat sieht es als seine Pflicht an, die Schüler mit den wichtigsten Ergebnissen der Erb - und Familienforschung bekanntzumachen, um die schicksalhafte Bedeutung des Erbgutes und der Rasse für den einzelnen, wie für bas ganze Volk beutüd) zu machen. Der Schüler soll lernen, sich als ©lieb in b er ewigen Kette fei« n e s Volkes zu fühlen; er muß wissen, baß bie wichtigste Eigenschaft seines Volkes feine Rasse ist, die scharf von der Sprach-, Kultur- ober Bekenntnisgemeinschaft zu trennen ist. Für die Zukunft eines Volkes ist es entscheidend, ob die tüchtigsten Erbstämme im Laufe der Geschichte erhalten und gefördert werden. Deshalb muß auch der ältere Schüler schon in angemessener Form auf die Bedeutung der Gattenwahl als des fast einzigen Mittels, bie erbliche und rassische Zusam- menfetmng ber Nachkommen zu beeinfluss-m, hinae- I wiesen" und zu einer artbcwußtcn Haltung erzöge,. I werden.
Da allen beutschen Stämmen unb allen Volksgenossen Einschläge nordischen Blutes gemeinsam sinb, so liegt hier die biologisch-rassen- kundliche Grundlage des Erlebnisses ber Volksgemeinschaft. Die Gefahren ber Rassen- Mischung mit frembartigen Gruppen, besonbers mit außereuropäischen Bestandteilen, sollen nachdrücklichst dargestellt werden in den Schulen. Grund der Ausschaltung fremdrassiger Gruppen ist nicht etwa die Ueberzeugung von der besonderen Schlechtigkeit, sondern lediglich die Feststellung ihrer unabänderlichen Andersartigkeit.
Die Weltgeschichte ist als Geschichte rassisch bestimmter Volkstümer darzustellen. Aus dem Rassegedanken ist bie Ablehnung ber Demokratie ober anberer Gleichheitsbestrebungen (Paneuropa, Menschheitskultur) abzuleiten unb ber Sinn für den Führergedanken zu stärken. Die nationalsozialistische Erneuerung unserer Tage ist vielleicht der letztmögliche Versuch, die nordrassische Kultur Europas vor dem Verderb durch Fremdtum zu bewahren unb sie zu erneuern. Was für bie Geschichte gesagt ist, ist entsprechenb für Deutsch, Kunstunterricht und Singen anzuwenden. Vornehmlich diese Fächer haben sich ber Gestaltung germanisch-deutschen Wesens einzuordnen. Jeder Erzieher muß vor der Heranwachsenden Jugend jene charakterlich- seelische Haltung unb Lebensführung entfalten, welche allein zur Nacheiferung anspornt. Nur wenn er fein eigenes Denken, Wollen unb Handeln ganz aus völkischer Lebensschau gestaltet, kann er helfen, baß uns eine völkisch gesinnte deutsche Jugend „mit strahlendem Geist in herrlichen Leibern" heranwächst.
Ablehnung einer Eheschließung wegen erblichen Schwachsinns.
In Kirchberg (Hunsrück) hatte ein Standesbeamter die Vornahme einer Eheschließung wegen Ehe Hindernisses abgelehnt, weil ber Bräutigam erblich schwachsinnig war unb gegen ihn ein Antrag auf Unfruchtbarmachung beim Erbgesundheitsgericht schwebte. Der Bräutigam hatte bagegen richterliche Entscheidung unb Anweisung an ben Standesbeamten auf Vornahme der Eheschließung beantragt. Das Amtsgericht Kirchberg hat das Verhalten des Standesbeamten gebilligt unb den Antrag abgelehnt. Das Vorliegen einer Erbkrankheit sei als Ehehindernis
veLrachteo. _
Der schnelle Abtritt der Regierung G e o r g i e f f von der politischen Bühne Bulgariens war für bre Oeffentlichkeit zweifellos eine große Ueberrafchung. Wenn es auch bem ständigen Beobachter nicht verborgen bleiben konnte, baß bie Lage ber Regierung keineswegs konsolidiert war unb es ihr trotz aller Bemühungen nicht gelang, in eine engere seelische Fühlung mit bem Volke zu kommen, hätte ihr boch jebermann ein längeres Leben prophezeit. Galt doch ber Ministerpräsident Georgieff als ein ft a r • Eer unb weitsichtiger Staatsmann, ber am 19. Mai 1934 mit einem kühnen Hanbstreich bem demokratisch-parlamentarischen System in Bulgarien den wohlverdienten Gnadenstoß versetzt und einen autoritativ regierten Staat errichtet hatte. Die Parteien wurden von ihm aufge- löst, bie Autorität bes Staates in allen Teilen des Laubes unb vor allem in den mazedonischen Bezirken würbe wiederhergestellt, die mazedonische revolutionäre Organisation (JMRO.), welche jahrelang Bürgerkriegshandlungen in den Straßen Sofias entfesselt hatte, vernichtet und eine tiefgreifende Reorganisation des gesamten Verwaltungskörpers durchgeführt.
Hand in Hand mit diesem innerpolitischen Umbruch gingen einschneidende Maßnahmen auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet, auf dem bie Regierung jeboch keine nennenswerte Erfolge erzielen konnte. Glücklicher gestaltete sich ihre Außenpolitik. Nach Vernichtung ber JMRO. öffnete sich ber Weg zu einer aktiveren Verstänbigungspolitik mit ben Nachbarländern und vor allem mit Südslawien. Es erfolgte im Herbst vorigen Jahres der immer wieder verschobene südslawische Königsbesuch in Sofia, ber ber Annäherungsbewegung zwischen ben Länbern einen starken Austrieb gab. Unb als nur wenige Tage später König Alexanber unter ben Kugeln bes mazedonischen Terroristen Tscher- nosernski in Marseille fiel, war sich das ganze bulgarische Volk darüber einig, daß bie Regierung Georgieff bas Laub vor einer schweren nationalen Katastrophe bewahrt habe. Denn was wäre wohl geschehen, wenn noch die frühere Dolksblockregierung am Ruder gewesen wäre, bie den Königsmörder vor zwei Jahren aus bem Zuchthaus entlassen hatte?
Wenn bie Regierung ungeachtet aller ihrer 23er« bienfte so schnell bas F e 1 b räumen mußte, so hatte bas zweifellos seine schwerwiegenben Ursachen. Es war ein offenes Geheimnis, baß einzelne maßgebliche Minister eine Verfassungsänderung vorbereiteten, bie eine nicht unwesentliche Beschränkung ber Rechte bes K o- n i g s bringen sollte. U. a. war an die Errichtung eines Staatsrates gedacht, der mit weitgehenden Befugnissen ausgestattet und zwischen Krone unb Regierung gestellt werben sollte. Obgleich biese Pläne geheimgehalten mürben unb noch keineswegs spruchreif waren, sickerten sie boch in bie Oeffentlichkeit, wo sie Anlaß zu den verschiebenortigsten Gerüchten gaben. All ben umlaufenden unb schwer kontrollierbaren Nachrichten konnte schließlich mit einiger Sicherheit entnommen werben, baß ber Oberst a. D. Damian Weltscheff ber treibende Faktor bei biesen Der- fassungsplänen war. Weltscheff, ber schon den Militärputsch vorn 9. Juni 1923 organisiert hatte unb auch ber Anführer bes Staatsstreiches vom 19. Mai 1934 war, besaß, wie jebermann in 'Bulgarien wußte, zusammen mit einigen anberen Reserve- unb aktiven Offizieren einen überaus starken Einfluß a u f die Regierungsgeschäfte, obwohl er kein öffentliches Amt bekleidete. Sowohl bie „Obnowa", bas Propaganda- amt, wie auch bie Staatspolizei galten als ihm ergebene Organe. In feinem Bestreben, die Lage ber Regierung zu konsolibieren unb bas Kabinett gegenüber gewissen verfassungsmäßigen Vorrechten ber Krone weitgehenb zu sichern, setzte er sich vor allem für die Schaffung bes bereits erwähnten (Staatsrates ein, dessen Vorsitz er offensichtlich selbst zu übernehmen gedachte.
Diese Pläne, bie an sich schon eine Antastung bes Pestiges bes Königs bedeuteten, riefen in allen nationalgefinnten Kreisen und vor allem innerhalb der Armee h e f t i g st e n W i d e r st a n d hervor, um so mehr, als sich König Boris seit seinem Regierungsantritt als kluger Herrscher und ruhender Pol in der verworrenen innerpolitischen Erscheinungen Flucht erwiesen hat. Selbst jene Offizierskreise und Teile der Militärliga, bie zusammen mit ber „Sweno"-Gruppe ben vorjährigen Staatsstreich durchgeführt Hatten, fühlten sich von der Regierung getäuscht unb äußerten zuletzt schon laut ihre Unzufriedenheit. Die Ding? hatten sich in den-letzten Tagen bereits soweit zu- gespitzt, baß von einer Anzahl höherer Offiziere bie Ausschaltung ber „Sroenari" aus ber Regierung verlangt würbe. Ministerprasibent Georgieff, ber bei dieser Entwicklung keineswegs das Heft in ben Händen hatte, sah schließlich ein daß ein längeres Verbleiben seines Kabinetts einen Riß in die Armee tragen müßte. Unb jo wurde er noch vor einigen Tagen bei dem Kahl* nett vorstellig, dem er feinen Rücktritt anbot, unb als seinen Nachfolger Oberst Weltscheff vorschlug, was indessen der König ab lehnte. Das Schicksal seiner Regierung mußte als endgültig besiegelt angesehen werden, als der König ber auf Betreiben Weltscheffs geforderten Entlassung dreier bekannter Divifionsgeneräle, die ait der „Sweno"-Gruppe o'ien Kritik geübt hatten, mgy -MM Des Aolütz -um Mck»


