Ausgabe 
28.12.1935
 
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Samstag, 28. Dezember 1955

Hietzener Anzeiger (General-Anzeiger für GderWen)

Kriminalfilm und Bollssiück.

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Bürgers.

Wir sind gewohnt, in Holland ein Achtmillionen­land zu sehen und vergessen immer wieder, daß die Niederlande, jedenfalls wirtschaftspolitisch gespro­chen, eine Weltmacht darstellen, und daß Nie- derländisch-Jndien eine der wertvollsten Kolonial- besitzungen ist, die je durch europäische Volker be= herrscht wurden. In guten Zeiten flössen jährlich allein an Geschäftsgewinnen und Pensionen 500 bis 1000 Millionen Gulden aus Niederländisch-Jn- dien nach dem kleinen europäischen Mutterlande. Dieser ständige Goldstrom legte in einer Reihe von Jahrzehnten ' den Grundstock zum holländischen Wohlstand. Die Gewinne, die in dieser Kolonie in guten Zeiten erzielt wurden, klingen Heuzutage fast unglaubhaft. Wenn eine Zuckeraktie aus Java nur

meinte. Das soll nicht in Einzelheiten verfolgt wer- < den (jeder mag es sich selbst im Film ansehen) aber es ist Zeit, nun ein Wort über dre Regie zu i sagen. Wir finden es meisterhaft, wie der Spiel- i (eiter Carl Froelich das Drehbuch, das wir nur ' in den Umrissen seiner Fabel skizziert haben, in Szene setzt: wie er die beiden Handlungsreihen nebeneinander herführt und miteinander verbindet, nicht mit Worten, mit großem Dialog, sondern optisch, filmisch, in Bild- und Augeneindrucken allein; wie er die Zeit (also doch einen toten Be­griff) sinnfällig einführt und mitspielen läßt, denn die Zeit spielt mehrfach eine verhängnisvolle Rolle im Handlungsablauf; wie es die Bestürzung und Sinnverwirrung des Mannes am Steuer erst knapp erzählen läßt, als der Beschauer beides längst greifbar miterlebt hat; hier sieht man an ein paar jäh vorüberstürzenden Bildern, was der moderne Film künstlerisch zu gestalten vermag. Man sieht das auch in einer kurzen Szene im Konzertsaal, welche die Tat in ihrem innersten Seelenantrieb begründet; endlich in jener groß­artigen Szene im Tanzsaal, in welcher sich innere und äußere Spannung fast zu Überspannen schei­nen, in welcher sich Tragikomik der Situation, Verzweiflung, Herzklopsende Angst und aufatmen­des Geständnis einer großen Liebe in ein paar Minuten von beklemmender Erlebnisfülle und

Konzentration zusammendrängen auf eine menschlich überaus glaubhafte, zugleich erregende und rührende Weise. Den Chauffeur spielt Adolf W o h l b r ü ck , was manchen zunächst wun­dern mag; wir glauben, daß man seine Leistung am besten vom Sprachlichen her würdigt und über­schaut: er spielte den großen Herrn inRegine", er spielte auch denZigeunerbaron" zuvor, er galt alsdämonisch" (in einem gefährlich zweifelhaften Sinne) hier spielt er einen Grandseigneur nur aus Verzweiflung, verkleidet und vor Angst mise­rabel genug, er spielt einen armen Teufel, den Taxichauffeur Sponer und zwar so wienerisch im Tonfall wie in einem seiner ersten Filme jenen historischen Kapellmeister; und von hier aus er­klärt sich seinFall", seine Verstrickung, sein Schick-

1 sal; einem Berliner Chauffeur, etwa aus dem , Hinterhaus, wo es Krach gibt, wäre vermutlich

nicht passiert, was ihm geschah. So bleibt die Ent- : Wicklung der Rolle folgerichtig auf ihrer inne» i ren Linie: hier ist ein einfacher, ein brauchbarer . Mensch, mit guten Anlagen, ehrgeizig, aber weich, i auchgrantig", nervös und gefährlichen Situatio- : nen ohne kühle Ueberlegung ausgeliefert. Das ist - alles schauspielerisch ausgezeichnet erfaßt lieber» : Haupt lauter reife-und runde-darstellerische. Leistun-

macht. Die Gleichberechtigung der Flamen mit den Wallonen ist wenigstens auf sprachlichem Gebiet theoretisch zum großen Teil bereits er­reicht, praktisch allerdings noch keineswegs endgül­tig gesichert. Aber in der sprachlichen Gleichberech­tigung erschöpft sich heute keineswegs mehr die flämische Frage. Roch haben die Flamen nicht den politischen Einfluß, den sie dank ihrer zahlenmäßi­gen Ueberlegenheit im belgischen Staate haben müßten. Ob es ihnen überhaupt gelingen wird, sich im Rahmen des belgischen Staatsverbandes einen solchen Einfluß zu sichern? An dieser Frage scheiden sich die Anhänger der verschiedenen Richtungen im flämischen Lager. Die G r o ß n i e d e r l a n d e r antworten verneinend und fordern die völlige Lostrennung von Belgien. Die katholl- schen Flamen dagegen sind optimistisch und befürworten die Fortsetzung des bisherigen Kamp­fes unter Anwendung der bisherigen Mittel. Welche Richtung recht behalten und sich durchsetzen wird, ist schwer zu sagen. Auch bei den flämischen Katho­liken ist im vergangenen Jahre die Stimmung radi­kaler geworden und die Idee einer föderativen Gliederung Belgiens hat Fortschritte gemacht. Man hat den Eindruck, daß Entscheidungen reifem die für das flämische Volk und für den belgischen Staat von weittragender Bedeutung sein werden...

gen. Da ist Klöpfer: ein berühmter, ein reicher, ein mächtiger Mann; ihn umgibt wahrhaftig etwas von jener Dämonie, die Wohlbrück völlig abgeht; dennoch ist dieser große und berühmte Mann nicht glücklich, sondern am Rande der Verzweiflung und in manchen Augenblicken hilflos wie ein Kind; in solchen Augenblicken bekommt seine harte, dunkle, knarrende, befehlsgewohnte Stimme einen rühren­den Anflug vom Schwäbischen wie aus fernen Zeiten, und auch in dieser Gestalt fallen vom Sprachklang her Lichter gleichsam auf ihr ver­borgenes Denken und Tun. Sybille Schmitz, an seiner Seite, eine bestrickend elegante Dame; aber sie kann mehr als Eleganz: ihr Mienenspiel ist von erstaunlicher Ausdruckskraft, es spiegelt in sparsamster Regung alles, was diese Frau bewegt: wache Spannung, Intelligenz, Angst, jähen Schreck, Entschlossenheit, Entsetzen. Ihr Gegenbild, inner­lich und äußerlich, ist Marie Luise Claudius in ihrer Schlichtheit, ihrer ruhigen Klarheit, ihrer großen Liebe, die sich bedingungslos auf Tod und Leben neben den Mann stellt, dem ihr Herz gehört. In kleineren Aufgaben sehr gut: Hilde H ilbe - brand, Salfner und G ü l st o r f f; die Gieße­ner wird es interessieren, Jochen Hauer, früher am Stadttheater, auf ein paar Augenblicke wieder­zusehen. (Europa.)

Gloria-Palast:Krach im Hinterhaus".

Hier weht eine ganz andere Luft; dort Budapest hier Berlin: zwei Großstädte, aber durch mehr als geographische Abstände geschieden: der Fall Mortimer könnte sich auch in einer anderen Stadt

schereien in einer von zahlreichenParteien" be­völkerten Berliner Mietskaserne entwickelt. Es ist auf den ersten Blick ein Sturm im Wasserglas, eine umständlich ausgesponnene Bagatelle, aber in allen Einzelheiten so prall gefüllt mit realistischen Zü­gen, mit reichshauptstädtischem Dialekt, mit Mutter­witz und Schlagfertigkeit, mit einer Menge erstaun­lich sicher gesehener und erfaßter Typen, daß man erheitert bis zuletzt bei der Sache bleibt, zumal es im Grunde um mehr geht als nur um Klatsch, um ein paar kleine Gemeinheiten und ein paar lächerliche Briketts. Das wird vor allem an der Hauptperson in diesem großen Menschen- und Mie­terhaufen klar, an der Witwe Bock. Die spielt Henny Porten, und man ist zunächst ein biß­chen besorgt, ob sie die Robustheit aufbringen wird, eine Figur zu zeigen, die mehr als einmal an die berühmte Mutter Wolffen imBiberpelz" erinnert. Aber außer dem gleichen Klima, wenn man so sa­gen darf, der gleichen Sicherheit des Auftretens, der gleichen gesunden Witterung für Menschen und Dinge haben die beiden nichts miteinander zu tun. Die Bocken" nämlich, wenn man es literarisch sagen will, ist eine Art von weiblichemMichael Kohlhaas", ein Mensch also,dessen Rechtsgefühl einer Goldwaage glich", und die sich am Ende nicht mehr anders zu helfen weiß als durch das drastische Mittel der mit Krach explodierenden Briketts. Und schon vor ihren letzten Worten im Gerichtssäal, mit denen sie, merkwürdig zeitgemäß, diesem ihrem ge­sunden Rechtsgefühl Ausdruck gibt, erinnert man sich, daß sie schon ähnliche Gestaltenaus dem Volke" gespielt hat. So wird auch die Witwe Bock unter ihren Händen eine ganz famose Frau, eine prachtvolle Mutter, die Kopf und Herz und Mund- werk auf dem rechten Fleck hat. Um sie herum wir­belt eine Fülle herrlich echter Gestalten, die Hinter­haus und Gerichtshaus durchdringend stimm­gewaltig bevölkern: an der Spitze Rotraut Rich­ter als eine .richtige, erstaunlich frühreifeJöhre", dann Else E l st e r , Reinholt Bernt, Gaston Briese, Ilse Fürstenberg, Hilde Sessa-k, Bienert, Mederow, Winter st ein, Eb-

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selbst fertig werden.

Skandinavische Jugend.

Von unserem B.-Äerichierstatier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Kopenhagen, Ende Dezember 1935.

Trotz aller Verschiedenheiten der außenpolitischen, militärischen und wirtschaftlichen Verhältnisse wei­sen die drei nordischen Länder Dänemark, Schwe­den und Norwegen eine gewisse Gleichheit in der innerpolitischen Entwicklung auf. Die drei Länder werden zwar vom liberalen Königstum beherrscht, aber die aktuelle Politik wird praktisch von den sozialdemokratischen Parteien be­stimmt. Schon weil die nordische Arbeiterschaft fest und unlösbar mit Nation und Volk verwurzelt ist, verläßt diese Politik im Grundsätzlichen jedoch nie- mals die von den Staatsinteressen festgelegte Linie. Deshalb sind die sozialdemokratischen Parteien in den skandinavischen Ländern mit etwas anderen Maßstäben zu messen, als die frühere SPD. Der dänische Staatsminister Stauning unternimmt kaum einen politischen Schritt von Bedeutung, ohne daß er sich der ZustimmungSeines Königs" vergewis­sert hätte. Der populäre schwedische König Gustav sandte vor kurzem dem schwedischen Staatsminister Albin Hansson zum 50. Geburtstag ein Telegramm, das begann:Ich sende Dir herzliche Glück- wünsche ..." Das sind also Verhältnisse, die sich schlecht mit den Demokratien der anderen europä- ischen Länder vergleichen lassen.

Wahlen der letzten Zeit haben gezeigt, daß kaum mit einer wesentlichen Veränderung in der Regie- rungsführung zu rechnen ist. Selbst die norwegisch? Arbeiterpartei, die für ein gewisses Liebäugeln mit Moskau verrufen ist, hat diese platonischen Freund­schaftsbekundungen im Hinblick auf die Notwendig­keiten der praktischen Arbeit zurückgeftellt weit­gehend, kann man sagen. Gegenüber diesen festge­fügten Regierungen, die zweifellos eine sichere, starke Mehrheit im Volke haben, lassen sich l e b - , hafte Bewegungen unter der politi - i tischen Jugend feststellen. Wenn auch diese nationale Opposition konservative Jugend in Dänemark, Nationalsozialisten und Konservative in - Schweden, Nationale Sammlung in Norwegen - kaum ernsthaften revolutionären Charakter trägt, > so bringt doch diese politische Jugend des Nordens i ihre Anschauungen mit einer Kraft und Zähigkeit

Hollands Sorgen.

Von unserem -m.-Serichierstaiier.

30 v. H. Dividende brachte, dann galt das Unter­nehmen noch als ärmlich.

Das alles hat sich sehr geändert. Heute hat der Goldstrom aus Ost-Indien ausgesetzt, und an­statt von dort Reichtümer zu empfangen, muß bas Mutterland die Kolonie stützen. Schon das bereitet Sorgen. Aber es ist immerhin zu hoffen, daß die Dinge einmal sich wenden, die Schätze Niederländisch- Jndiens sind ja erst zum kleinsten Teil gehoben. Wesentlich größere Sorgen bereitet der ständig zu­nehmende japanische Expansionswille der sich in Richtung der ostindischen Inseln dauernd mehr bemerkbar macht. Es fehlt nicht an warnenden ©«immen, die immer wieder betonen, daß das heu­tige Holland mit feiner östlichen Kolonie steht und fallt, und daß es daher grundfalsch wäre, die Hoff­nung ausschließlich auf die Hilfe einer Großmacht ,3U setzen und selbst die Hände in den Schoß zu legen. v v .

Durch die immmer schärfer werdenden Ein­schränkungen im internationalen Warenaustausch sieht Holland heute seine jahrhundertealte Rolle als Vermittler im Güterver­kehr der Welt ernstlich bedroht. Es gibt Leute, die das Heil von einer neuen Wirtschaftspolitik er­warten, von einer Industrialisierung Hol­lands. Aber ein solcher Kurs muß die Niederlande unweigerlich von ihrem großen internationalen Ver­kehr noch weiter abschnüren. Zudem sind Lebenshal­tungskosten und Lebensbedürfnisse des holländischen Arbeiters so hoch, daß ein erfolgreicher Wettkampf auf den Weltmärkten für holländische Jndustrie- erzeugnisse nur wenig in Frage kommt. Die Zahl der Arbeitslosen wächst. Die vielfach marxistischen Stadtverwaltungen treiben eine Steuerpolitik, die den Bestand der mittleren Klasse wirtschaftlich unter» gräbt. Viele Holländer klagen, daß die Regierung, innerlich nicht ganz einheitlich, die meisten Dinge an . sich herankommen läßt, statt rechtzeitig bie Pro- . bleme mit kraftvoller Hand anzupacken.

[ Handel und Verkehr mit Deutsch- i land, die doch immerhin J)as Rückgrat der hol­ländischen Außenwirtschaft sind, werden unnötiger» weise belastetet durch gewisse Presseerzeugnisse, die

Rationen im Ausbruch.

Sine Umschau unserer Auslands-Korrespondenten an der Jahreswende

b e d e , K e st i n, um nur die wichtigsten zu nen­nen.Richtig" sind sie alle und alle zusammenge- halten, gegeneinander ausgespielt und auf den rech­ten Ton gestimmt (einen sehr deutlichen Ton) von Veit Harlan, dem Sohn des verstorbenen Dra­matikers, den wir bisher nur als Schauspieler kann­ten. Er führt mit einem Einblick in das Milieu und die Zusammenhänge, mit einer Beobachtungs­schärfe und einem Sinn für die Komik des All- ~ es eine Lust ist. (Syndicat-Film.)

das der belgische Episkopat sich schützend vor die katholische Partei gestellt und einen Trennungs­strich zwischen der Kirche und der Rex-Bewegung gezogen hat. Ob die Bischöfe damit der katholischen Sache einen guten Dienst erwiesen haben, wird vielfach bezweifelt, um so mehr als der moralische Ruf der katholischen Partei doch recht tief gesunken ist. Schon werden Stimmen laut, die den A b - schlutz eines Konkordats zwischen Belgien und dem Vatikan empfehlen, damit die Kirche gegenüber der katholischen Partei unab­hängiger werde! Die Vorgänge im katholischen Lager sind symptomatisch und zeigen, daß die geistigen und politischen Umwälzungen unserer Tage auch in Belgien ihre Spuren ziehen. Das Parteien­system als Ausdruck des Liberalismus und der Ideen von 1789 ist im Niedergang. Der Zersetzungs­prozeß hat begonnen.

Charakteristisch in der innerpolitischen Entwick­lung Belgiens im nun vergangenen Jahre war neben der Krise des Parteiwesens der unaufhalt- ame Vormarsch der flämischen Bewe­gung, die Schritt für Schritt an Boden gewon­nen hat. Die einzelnen Phasen dieses Kampfes der Flamen um die freie Entwicklung ihres Volkstums und ihrer Kultur können in diesem kurzen Aufriß nicht geschildert werden. Im vergangenen Jahre hat diese Bewegung jedenfalls neue Fortschritte ge»

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Amsterdam, Ende Dezember.

Holland, das Land mit kalvinistischer Tradition, kennt nicht den allgemeinen fröhlicken Silvestertru­bel, wie er anderswo üblich ist. Lange bevor die Glocken der Alten Pfarrkirche von Amsterdam mit ihrem frommen Spiel das neue Jahr einläuten, schließen Gaststätten und Vergnügungslokale ihre Tore. Nur im Familienkreis und in geschlossenen Gesellschaften wird hier der Einzug des neuen Jah­res gefeiert. Heute drückt zudem eine s ch w e r e Sorgenlast der Jahreswende den Niederlan­den ihren Stempel auf. Diese Sorgen sind dem oberflächlichen Beschauer auf den ersten Blick nicht gleich sichtbar. Auch heute noch beherrscht der große und alte Wohlstand der Niederlande das äußere Bild. Man muß schon in die Arbeiterviertel Amsterdams und Rotterdams, in die Häuschen der kleinen Gemüse- und Gartenbauer gehen, um die : Nöte der etwa 400 000 Arbeitslosen und der schwer um die Existenz ringenden holländischen Landwirt- : schäft zu erkennen. Was man dort sieht, bietet frei» : (ich ein anderes Bild, als der stolze Reichtum, der i sich hinter den ichönen Portalen der Amsterdamer ; Heerengracht und in den Herrenhäusern des stillen l und vornehmen Haag verbirgt. Aber auch dort : herrscht die Sorge genau so wie in den gemütlichen , und behäbigen Häusern des holländischen mittleren

offenbar ihre Aufgabe darin sehen, durch Falsch­meldungen über Deutschland und Beschimpfung in­nerdeutscher Einrichtungen zwischen zwei artoer- verwandten und durch gemeinsame Geschichte ver­bundene Nationen Unfrieden zu stiften. Die Stim­men, die für eine gerechte Beurteilung der deut­schen Dinge laut werden, verhallen. Und doch sind gerade die klügsten Köpfe Hollands, wie etwa der Direktor der führenden Königlich-Niederländischen Dampfschiffahrtsgesellschaft, I. van H a s s e 11, der Ueberzeugung, daß nur durch einen großen und starken deutschen Außenhandel der niederländische Handel und die niederländische Schiffahrt wirklich gesunden können.

Schwerer aber noch als die wirtschaftliche und politische Krise, die Holland eben zu durchleben hat, ist die innere Krise. Das Land befindet sich in einem Zeitpunkt, wo der überspitzte Liberalismus und Individualismus sich totzulaufen beginnen. Die äußeren Anzeichen dafür finden sich in dem ständig zunehmenden Verbrechertum der Jugendlichen, über das die Zeitungen lebhaft Klage führen, ohne den rechten Grund zu erkennen, der schließlich doch nur darin liegt, daß die holländische Jugend zu einer Zeit, wo selbst Offiziere der holländischen Armee es als peinlich empfinden, außerhalb des Dienstes in Uniform zu erscheinen, wo Bolschewismus und Kulturbolschewismus an * den gesunden Wurzeln des Volkes nagen, eine Idee braucht, die die Kräfte dieser Jugend anspannt, große und neue Ziele zeigt. So wird diese Jahreswende für die Niederlande durch den Umbruch gekennzeichnet, der in jeder Beziehung einzusetzen beginnt und der be­gleitet wird vom Kampf der Generationen. Mit diesem Kampf muß das niederländische Volk

L s neue Jahr steht im Zeichen wichtiger Ent­sprungen in der innenpolitischen Entwicklung £.Eilens Im Oktober finden die Neuwahlen jui Parlament statt. Wenn nicht alles trugt, rvSr!*>n diese Wahlen zu einem Wendepunkt in der plitfien Geschichte Belgiens werden. Es hat den 2:n feein, daß der letzte Tagungsabschnitt der jetzi- c^n Legislaturperiode, zu dem Kammer und Senat sch ün November versammelt haben, auch den 2 1'chluß eines politischen Systems hibcitet, das in Belgien 100 Jahre regiert hat. £an: |am aber unaufhaltsam vollzieht sich auch hier tle Ablösung der Ideen von 1789 durch neue poli-

1936 ftatt A!- uni "chen ^ebotschei, 0 W bis nen - v nur die L tijcbi Grundsätze und Formen.

>ie sich rX Srjon seit zwei Jahren hat das parlamentarische Wfunn= M m in Belgien praktisch abgedankt. Angesichts ichnsil ck nm fer rwiesenen Unmöglichkeit, mit dem Parlament r tile euen Aufgaben zu lösen, die die wirtschaftliche letnerbpT. £utb moralische Krise der letzten Jahre auch den arftes finhi Steosrenben in Belgien gestellt hat, sieht sich seit Ä rmumer Zeit schon jede Regierung gezwungen, 4 L Mock bei ihrem Amtsantritt die Uebertragung der lüraermMo, längsten legislativen Funktionen vom Paria - __8 mejg. e. t QUj bi e Exekutivgewalt zu ver-

M,29.U- 15-18 Ufir uh. Abonneni. Preise von Wb. 1/50 SMj* um tot* er kleine Mnä- Leibnachtsmal' env.W.BM' mf.-Uung! 14-21.30 W ss® ie ranrgrasw Overette von L Stoltz- , kM Prauel- SpiellettuK Paul Wrede.

Sm ää

Li seelischen Existenz gefährdet wird. Datz m der -LeitU^ totale des Chauffeurs Fred Sponer em pahr- wahrend der Fahrt vorn Bahnhof ms Hotel

Erfcioffen wird, das gibt nur den Anstoß; was 0( über das kriminalistische Motiv hinaus reicht Lil den Film viel wertvoller macht als die mei­st! seiner Gattung, ist der Umstand, daß der rlig unschuldige und ahnungslose Sponer im ^idumdrehen in einen furchtbaren Verdacht gerat r? der sogenannte Zufall das so arrangiert, weil e nicht dazu kommt, die Sache sofort zu melden, rePolizei herbeizurufen, weil er immer mehr Zeit riiiert, plötzlich von wilder Angst gepackt wird, tr arme Teufel, nun eine Dummheit nach der wtern begeht und sich immer tiefer verstrickt... in Ende verfällt er in feiner blinden Angst auf ttiirrfinnige Idee, den Ermordeten (namens Jack S!c~timer) wieder auferfteben und leben zu lassen, i-bim er selbst dessen Rolle weiterzuspielen ver- An diesem Punkt beginnt sich die eine Hand- InAsreihe mit der zweiten in diesem Film zu fr um die zum Glück des armen, verwirrten, w seiner Angst und zuletzt schon von der Polizei letzten auf'die richtige Spur führt: der Tater it ?in Mann, der durch den unseligen Scyuß seine Isim im innersten Kern erschütterte Ehe zu retten

Spannungen in Belgien. Ion unserem Dr. £. K.-Äerichterstatter. (Mbrutf, auch mit Quellenangabe, verboten!) Brüssel, Ende Dezember 1935.

LiHtsPielhaus : ,Zch war Jack Mortimer". | Programmheft ist leider nicht erwähnt, daß b-. Drehbuch der Thea von ch a r b o u auf einen »"man (gleichen Namens) von Alexander L e r - n -cholenia zuriickgeht. Das ist schon deshalb cltig zu wissen, weil der Fall als beispielhaft Ii n kann: für die Uebertragung nämlich einer '^arischen Vorlage auf die Kamera, was an sich iLÜq geschieht, aber nur selten w emer so fr üblichen Form. Der Roman war nicht übel, ce der Film ist noch besser, weil er die an sich ton spannende Fabel aufs Aeußerste konzentriert i mit dem geringsten Aufwand an Porten ms il auflöst. Außerdem muß die Ueberschrist be­engt oder jedenfalls präzisiert werden: zwar I'.melt es sich um einen Kriminalfilm insofern, a;Ihier ein Kapitalverbrechen verübt und vor den Üu«en des Zuschauers aufgeklärt wird; es wird gitnrt, aber wichtig ist nicht die Tat an sich, auch Mt in erster Linie ihre Motivierung vom ^-ätcr hir Wichtig ist vielmehr das Menschliche und das kck'cksalhafte ihrer Begleitumstände; zu sehen nam- Fih wie ein Unschuldiger in diesen kriminellen toeftanö verwickelt und in seiner materiellen

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Vereine / üirtii

Gieß« :>nnt.,ÄL chmilt. 3 Uhr der Turnhalle OswaMaü. Wfe'W

t W M. MednivM > Mebotiger. Kinder hiern tat. ein.

ler Vereinsführer ÄÄ Siebener tW eben von iaulenba achtel und gdtln iHä dienen 7«nv

l mc n. Auch die Regierung van Zeeland hat sich i iiK April gleich für zwölf MonateSondervoll- r aacten" ausbedingen müssen, und dabei wird diese Eföc^rung hauptsächlich von der sozialisti- f||4i:n Linken gestützt, die früher immerVer- rif geschrieen hat, wenn die bürgerlichen Regie- BinaErt dasselbe System für sich in Anspruch ge- i önmen haben. Dieses pseudo-autoritäre Regime dlesMotverordnungsrechts, das sich in den letzten ^atäen in das politische Leben eingeschlichen hat, Hltd zweifellos den Ueberaang zu neuen Formen L.es!Repräsentativsyftems. An eine Rückkehr zum tiassschen Parlamentarismus der Vor- und Nach- kricszeit glaubt in Belgien ernsthaft niemand mehr.

jus Land verfolgt die Arbeit der Regierung LLii Zeeland mit völliger Teilnahmslosig- 1$ L-, Es erwartet nichts mehr von dem jetzigen p»l :schen System, das Enttäuschung auf Enttäu- fhirg bereitet hat. Das Vertrauen der Wähler m Ue Gewählten ist auf den Nullpunkt gesunken. Am (Uhillenbften ist die zunehmende Verschärfung in ! en1 Spannungen zwischen b e r 3 u g e n b ii n: ben Parteien, namentlich bei ben beiden ; rosen Parteien, ben Sozialisten unb ben !ko holiken. Eine unüberbrückbare Kluft hat sich im katholischen Lager zwischen ber jungen Ge- i lerütion unb benAlten" aufgetan. Die katholische l^ariei, bie ein Jahrhunbert lang berrocher de llKLce bes belgischen Staates war, befinbet sich ih iner inneren Krise, bie gerabezu an den Be-

Lji ber Partei rührt. Die gläubigen Katholiken lirö namentlich bie ibeal gesinnte Jugenb wendet f id) in zunehmendem Maße von einer Partei ab, {v nicht nur politisch versagt, sondern auch ihre ! tri'en nicht saubergehalten hat.

Ur bekannte Vorstoß der jungkatholischen Rex- s Zew e g u n g hat auf diese Zustände ein grelles ; M geworfen. Ihr Führer Leon D e g r e l Ie, hat I »in ursprünglich reinreligiös eingestellte Orgam- Dtim plötzlich in eine politische Kampfbewegung

mieroanbelt, die der katholischen Partei einen »a-ipf auf Leben unb Tob angesagt hat. Es scheint, of diese neue politische Bewegung noch nicht ihre , irt .ültige Form gefunden hat. Die Äugend aber rii vor allem von ihr angezogen, weil Degrelle fein unerbittlichen unb kompromißlosen Feldzug

eem das heutige System, gegen Parlamentaris- . L Parteikorruption, Freimaurerei und Marxis­tin eröffnet hat. Großes Aufsehen hat es erregt^

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abspielen, ber Krach im Hinterhaus, so wie man ihn hier erlebt (bas Urbilb bes Films, ein Stück von Maximilian Böttcher, bas bereits erstaun­liche Aufführungsserien erlebte, soll auch auf un- ferm Theaterspielplan erscheinen) biefer Krach ist nur in Berlin möglich, unb nur wer Berlin kennt, wirb ihn völlig zu roürbigen vermögen. Es ist ein schöner unb für 'ben unbeteiligten Zuschauer erfrischender unb erheiternber Krach, ein Krach sogar in zwiefachem Sinne: einmal das, was man volks­tümlich auch alsStunk" bezeichnet, und bann ein Krach im wörtlichen Sinne, bie klangliche Begleit­erscheinung einer Explosion: wenn nämlich im Hinterhaus mit Sprengstoff gefüllte Briketts in bie Luft gehen. Jetzt möchten Sie wissen, warum aus­gerechnet bie Briketts in bie Luft gehen, unb wer das gemacht hat. Das kommt an ben Tag in einer Gerichtsverhanblung; währenb ber Fall Mortimer vor ber Verhanblung enbete, bildet sie hier das schärfe und eine Kernstück ber ganzen Geschichte, bie sich aus maß-1 tags Regie, daß Uosen, geschäftig treppauf, ireppab getragenen Klat- >