wo die Regierung Ruhe und Frieden brauche, um die internationalen Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluß zu führen, als Störenfried aufzutreten und das parteipolitische Interesse vor das Staatsinteresse zu stellen. Schon das Zusammengehen der Radikalsozialisten mit den Mar- risten und Kommunisten in der Volksfront, so schreibt der „T e m p s", sei unvereinbar mit dem Burgfrieden der Regierungsmehrheit. Der Druck, den die Partei in der Frage der Kampfbünde auf die Regierung ausüben wolle, sei unannehmbar, weil er dazu führen würde, daß neben den Beschlüssen der Regierung noch der Wille u n v e r a n t w o r t l i ch e r A u s s ch ü s s e gelten könnte.
Auch Journal des Debats ist empört über die Forderung nach Auflösung der rechtsgerichteten Kampfbünde. Diese Bünde seien die einzige Barriere gegen die kommunistischen Umtriebe, und man müsse sich fragen, ob die Radikalsozialisten Frankreich dem Bolschewismus ausliefern wollten. — Echo de Paris bezeichnet die Entschließung als die teuflischste, die jemals ein radikalsozialistischer Parteitag zustande- gebracht habe. Es handele sich um eineHöllen- maschine mit verspäteterExplosions-
Wirkung. Die radikalsozialistische Kammerfraktion sei jetzt in der Lage, ein wahres Erpressungsmanöver gegen die Regierung durchzuführen. Die wahren Staatsbelange feien von dem Haß und Terror der Radikalen einfach an die Wand gedrängt worden.
„I o u r" schreibt, es fei wahrscheinlich, daß man versuchen werde, einen Druck auf Laval auszuüben, damit er die nationalen Bünde machtlos mache, um den Moskauer Umtrieben freie Hand zu lassen. „Mein Freund Litwina w", wie H e r r i o t ihn in seiner Rede genannt habe, werde bann von einem Balkon am Concordien-Platz aus den Augenblick abwarten, wo man auf dem Marineministerium und der Kammer die Fahne mit Sichel und Hammer Hochziehen werde. — Die links gerichteten Blät- t e r geben selbstverständlich ihrer Zufriedenheit bar» Über Ausbruck, daß zwischen ben beiben markantesten Persönlichkeiten ber Partei, Herriot unb Dala- bier, eine Aussöhnung sta^gefunben habe unb sich bie Partei außerbem rückhaltlos ber Volksfront anschließt. Die Blätter der Linken begrüßen auch den Vorstoß gegen die Kampfbünbe.
Keine Aussicht auf baldige Regelung des Abessinienkonflikts.
Mussolinis Bedingungen für England unannehmbar.— Oie Sanktionen stoßen auf Schwierigkeiten.
London, 28. Oft. (DNB. Funkspr.) „Mor- ning Poft" berichtet, baß Mussolinis Frie- densforberungen gegenwärtig im Außen- Ministerium geprüft würben. Die Bereitwilligkeit Italiens, Friedensbedingungen zu erörtern, werbe als ermutigenb betrachtet. Die italienischen Forberungen eröffneten aber keine große Aussicht auf eine baldige Regelung, ba sie weit über bas hinausgingen, was ber Völkerbunb anzubieten bereit ist. Dafür habe bie britische Regierung Lavals Anregung ablehnen müssen, bie auf einen Aufschub ber Anwenbung von Sühnmaßnahmen abzielte. Es sei wahrscheinlich, baß Laval ber Fortsetzung bes Verfahrens zu stimmen werbe. In Lonbon werbe erwartet, baß man a m nächsten Donnerstag bas Inkrafttreten ber Sühnemaßnahmen für spätestens Mitte November festsetzen werbe. „Times" meint, Mussolinis Anregungen in ihrer jetzigen Form seien zweifellos für Lonbon unannehmbar. Aber verantwortliche Kreise glaubten, baß es sich nur um ben Beginn einer Zeit hartnäckigen Feilschens hanbele. Es fei anzunehmen, baß bie französische unb bie britische Regierung Gegenvorschläge machen würben, um einen gerechten Ausgleich herbeizuführen, unb dies werbe sicher Zeit erforbern.
Im „Daily Telegraph" heißt es, bie britische Regierung glaube, baß bei ausreichenber Energie Englands unb Frankreichs Sühnemaßnahmen z u einem wirksamen Hinbernis für Italiens Felbzug in Abessinien gemacht werben könnten. Die Vereinbarung einer gemeinsamen englisch-französischen Politik sei viel weiter gegangen, als allgemein erkannt werde unb zwar sowohl hinsichtlich ber Anwenbung von Sühnemaßnahmen wie bes gegenseitigen Beistandes im Mittelmeer. Die britische unb bie französische Regierung unb ihre Stäbe arbeiteten im engsten Einvernehmen. Die Aufgabe bes Völkerbunbsausschus- ses am Donnerstag werbe schwierig sein. Die Nichtteilnahme Oe st erreich s, Ungarns unb Deutschlanbs an ben Sühnemaßnahmen rolle Fragen auf, bie noch nicht gelöst seien. An- bere europäische Staaten, wie z. B. Spanien, seien nicht begeistert unb Brasilien unb Argentinien würben eine weitere Lücke in ben Ring ber Sühnemaßnahmen reißen.
Auch Pariser Blätter sehen skeptisch. So schreibt „£e Jour": Für Petroleum unb Baumwolle bleibe bas Tor offen. Damit sei eine Blockabe nicht mehr durchführbar. Dreißig Staaten hätten sich bisher für bas Waffenausfuhrverbot ausgesprochen, neun seien ben finanziellen Sühnemaßnahmen beigetreten, unb nur brei Staaten, barunter Frankreich,
willigten ein, bie Ausfuhr gewisser K r i e g s r o h sto f f e nach Italien zu verbieten. Es bestehe also noch keineEinstimmigkeit, unb es sei völlig abwegig, von gewissen Staaten zu forbern, in einen Wirtschaftskrieg gegen Italien einzutreten, wenn ihre Handelswettbewerber nicht mitmachten. Frankreich führe für 800 Millionen Franken nach Italien aus. Dieser Markt werbe für Frankreich verloren fein.
Amerika hält sich heraus.
Hulls Antwort an den Sanktionsausschutz.
Washington, 27. Oft. (DNB.) Der amerikanische Gesandte in ber Schweiz hat dem Präsibenten ber Sanktionskonferenz Vasconcellos bie Antwort ber Vereinigten Staaten auf bie Anfrage bes Völkerbunbes nach ber Haltung Amerikas zu ben Sühnemaßnahmen im italienisch- abessinischen Streitfall überreicht. Staatssekretär Hüll erklärt, baß bie amerikanische Regierung nicht in ben Krieg hineingezogen zu werben ober zur Kriegsverlängerung beizutragen wünscht. In ber Ueberzeugung, baß ber Krieg jedem ßanbe schabe, ernstlich bie Wirtschaftslage eines jeben gefährbet, unnennbare menschliche Leiden unb sogar ben Bestaub unserer Zivilisation bebroht, wirb bie amerikanische Regierung ben Buchstaben unb ben Geist bes Paktes von Paris und anderer Friedensverpflichtungen einhal- t e n. Sie verpflichtet sich, jederzeit nicht nur ihren moralischen Einfluß zugunsten bes Weltfriebens geltend zu machen, sonbern auch aus je b e mögliche praktische Weise innerhalb ber Grenzen ihrer Außenpolitik zu biesem Ziele beizutragen. Sie verfolgt mit sympathischem Interesse bie einzelnen ober gemeinsamen Bemühungen anberer Nationen, ben Frieben zu erhalten ober ben Krieg zu lokalisieren bzw. abzukürzen.
Italienischer Vormarsch an der Eritrea-Front.
Asmara, 28. Oft. (Funkspruch bes Kriegsberichterstatters bes DNB.) Die Heeresgruppe „Pir- zio Biroli" hat ihren Vormarsch bereits wieber aufgenommen. Die Schwarzhemden- Brigabe unter General Diarnanbi hat, aus- gehenb von ihren Stellungen am Berg Sarnaiata, auf ihrem Vorstoß bie 15 Kilometer entfernt lie- genbe Ortschaft Addi Nefas erreicht.
Nach ben Frontberichten ber italienischen Presse finb bie beiben Flügel ber italienischen Eritreafront in langsamem Vorrücken. Das in ber Frontmitte stehende Eingeborenenkorps hat viel schwierigeres Gelänbe mit starken Höhenunter-
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Die italienischen Zwei-Mann-Tanks sollen sich beim Vorgehen in bem schwierigen abessinischen Gelände gut bewährt haben. — Unser Bilb zeigt bie Tanks beim Vormarsch burch die tropische Vegetation ber abessinischen Berge. — (Weltbilb-M.)
schieden zu überwinden, als bie beiben Flügel, bie ihren Vormarsch ben Flußtälern anpassen können. Von ber Somalifront werben neue ftarfc Regenfälle gemelbet. Sultan Baabo, der anstelle des übergetretenen Olol Dinle vom Negus ernannte Gouverneur ber Schaweli, soll von ben Anhängern seines Vorgängers ermordet worben sein.
Büchertisch.
— Carl Aug'ust Brasser: Ein seltsamer Mann. Roman. Ausstattung von Gunter Böhmer. 208 Seiten. Kart. 3.80' Mark, Leinen 4,80 Mark. Werner Plaut Verlag, Düsseldorf. — (320) — Die Geschichte eines Weitgereisten, zugleich bie Geschichte breier Frauen, bie schön, gut, klug unb dennoch keine Heiligen waren; sie spielt in Deutsch- lanb unb in vielen fremben Ländern. Es ist bie Geschichte bes ewigen Heimwehs berer, bie auf frember Erbe leben unb in Deutschland geboren wurden. Endlich die Geschichte eines Menschen, ber unter vielen Qualen leben mußte, bis er endlich die Erlösung fand.
— Ludwig von Wohl: Es kommt ein Mann nach Belawan. Ein Roman auf Sumatra. 310 Seiten. Schützen-Verlag, G. m. b. H., Berlin SW. 19. — (340)) — Der Roman behandelt die Geschichte eines jungen deutschen Malers, der als Weltenbummler- nach Holländifch-Jndien kommt, dort in eine große politische Intrige — Aufruhr der Eingeborenen — verwickelt wird unb nebenbei eine reizvolle unb eigenartige Liebesgeschichte mit einer schönen Engländerin erlebt, bie als Agentin im Solde ber Malaien einen holländischen Arzt zu beseitigen versucht, der seinerseits in sie verliebt ist unb unbewußt ihr Gegenspieler auf bem politischen Schachbrett ist. Die Lösung bes Konfliktes und bie Rettung ber Weißen aus höchster Gefahr vollzieht sich überaus bramatisch.
— Hans Leifhelm: Steirische Bauern. Erzählungen unb'Schilderungen. (Die kleine Bücherei, Band 54.) Geb. 80 Pf. Albert Langen-Georg Müller München. —(315) — Den steirischen Bauern und ihren Höfen in ben Tälern und Bergen widmet Hans Leifhelm diesen Kranz von Darstellungen und Erzählungen. Die Kargheit bes Bodens, bie Verhaltenheit unb Verschlossenheit ber Menschen sind barin ebenso anschaulich eingefangen wie bie leuch- tenbe Schönheit ber Bergwelt unb bie Leidenschaft biefes kernigen Bauernvolkes. Mit ber Genauigkeit seiner Beobachtungen und der Treffsicherheit seiner Sprache gibt Leifhelm, ben wir unseren Lesern be= reichs als Lyriker vorstellen konnten, ein einbring- liches Bild ber weltabgeschiebenen steirischen Alpen- börfer.
Aus aller Welt.
Fünf Menschen
bei einem Autounglück in Frankreich verbrannt.
Fünf Personen finb bei einem Kraftwagen- Unglück auf ber Lanbstraße zwischen Amiens unb Pans verbrannt. Aus unbekannter Ursache fuhr ber Wagen gegen einen Baum. Er war sofort in ein Flammenmeer gehüllt, so baß sich bie Insassen nicht mehr aus bem geschlossenen Wagen befreien konnten.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Durch ben neuen Jslanbroirbel war über bas Wochenende eine Zufuhr feuchtwarmer Luft in Gang gekommen, ber in bem Dftfeegebiet anbere Wirbel sich verstärken unb damit feinen Einfluß auf unser Wetter nach kurzer Unterbrechung wieder aufleben ließ. Das Aufgleiten der herangeführten Warmluft an bie zunächst noch vorliegenbe Kaltluft führte in Deutschland zu ausgebehnten unb viel- fast außerordentlich ergiebigen Niederschlägen. Dis Niederschlagsmengen bewegten sich im allgemeinen zwischen 20 unb 100 Liter pro Quabratmeter, so baß ein kräftiges Ansteigen ber Gewässer zu erwarten ist.
Aussichten für Dienstag: Zunächst wechseln!) bewölkt mit einzelnen Nieberfchlägen, bann wieber zunehmende Verschlechterung unb Nieber- schlagstätigkeit, bei lebhaften Winben aus Westen unb Sübwesten für bie Jahreszeit zu milb.
Aussichten für Mittwoch: Bei Luftzufuhr aus Sübwesten unb Westen Fortbauer bes unbeftänbigen unb zu Nieberfchlägen neigenden Wetters.
Lufttemperaturen am 27. Oktober: mittags 9,7 Grad Celsius, abends 11,8 Grad; am 28. Oktober; morgens 13,5 Grab. Maximum 13,6 Grad, Minimum 5,1 Grad.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiterr Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber An- ' zeigen: Theobor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck unb Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- unb Stein» brucferei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.
Monatsbezugspreis RM. 2,05 einscyließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf* mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.
Eisenbahn -Fahrbeamten - Verein
Herr Wilhelm Jünger, Zugführer
im Alter von 59 Jahren.
Der Vereinsführer.
62290
Giefien. den 28. Oktober 1935.
ä
6227 D
Neuen Friedhof statt. Zahlreiche Betei
ligung erbeten.
a. d.Gst. Anzeig.
6222l)a.d.G.A.
Wissenschaftliche Werke ~ ^tpnun^1tJL0
Sondergebiet der Dr. wff '
6226 Dl
Brühl'schen Druckerei
Walltorstr. 48 I.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Frau Katharine Jünger, geb. Zinkann*
Plötzlich und unerwartet verschied am Abend des 25. Oktober mein herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager, Onkel und Cousin
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus statt.
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Wilhelm Jünger ist plötzlich in die Ewigkeit abberufen worden. Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Oktober 1935,14 Uhr, auf dem
Der Führerrat.
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Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Frieda Schwalb Wwe. und Kinder nebst Mutter und allen Angehörigen.
Alb ach, den 27. Oktober 1935.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 29. Oktober, nachmittags 2l/2 Uhr. in Alb ach statt.
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