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Ur. 200 viertes Statt

Eichener Anzeiger tSeneral-Nnzeiger für tvderhefient

Mittwoch, 28. Augnft 1955

Gießener Mior-SS. siegreich aus der Wester- wald-Gelände-Orienlierungssahrt des ASM.

WZ

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SS.-Hauptscharführer Schütte und Sturmmann Gehrtnger vor dem Start zur NSKK.-Westerwald-Gelände-Orientierungsfahrt. (Aufnahme: SS.)

Äm Sonntag, 25. August, fand die Westerwald- Gelände-Orientierungsfahrt des NSKK., Motor­brigade Westmark, statt. SS.-Hauptscharführer Horst Schütte, Beifahrer Sturmmann Geh ringer, SS.-Motorstaffel 1/2 in Gießen, nahmen an dieser Fahrt mit einer 750 - ccm - BMW. ° Seitenwagen­maschine teil und konnten die Fahrt unter schwer­sten Strapazen für Fahrer und Maschine mit der Goldenen Plakette" beenden. Start der Fahrt war am Sonntagmorgen in Koblenz, von wo die Befehlsstelle Selters i. W. angefah­ren werden muhte. Hieran anschließend mußten mit Hilfe von Karten, Kompaß und Planzeiger

7 Punkte in bestimmter Reihenfolge angefahren werden. Die Punkte lagen zumeist in sehr schwie­rigem und steinigem Gelände, wobei auch u. a. Bäche usw. zu durchfahren waren. Nach Anfahren der 7 Kontrollpunkte führte die Fahrt wieder zu­rück zur Befehlsstelle Selters und von dort nach dem Ziel Bad Rengsdorf bei Neuwied. Es ist dies bereits der zweite Sieg des SS.-Hcmpt- scharführers Schütte in diesem Jahre, denn auch von den Wiesbadener Motorsportkämpfen kehrte er in der 1000-ccm-Wagenklasse mitGoldener Pla­kette" und Ehrenpreis nach Hause.

SJlxfpoti

Gießener Schwimmer

bei dem 14. OT -Echwimmfest in Braunschweig siegreich.

Bei dem am Samstag und Sonntag stattgefunde­nen DT.-Schwimmfest in Braunschweig, zu dem über 400 Teilnehmer gemeldet hatten, konnten sich die Schwimmer Fritz Werner und Kurt H o r e y- f e ck vom Turnverein 1846 erfolgreich durchsetzen. Werner wurde unter 16 Teilnehmer 5. Sieger im Mehrkampf (4 Pflicht-, 4 Kürsprünge, 50 Meter Brust, 50 Meter Kraul, 50 Meter Rücken und 40 Meter Streckentauchen) mit 108,81 Punkten. Horeyseck, der in der Klasse 2a 100 Meter Rücken gemeldet hatte, tonte sich im Borlauf schon erfolg­reich durchsetzen und wurde im Endkampf 2. Sieger in 1:26,1 Minuten.

Die Veranstaltung war vom besten Wetter be­günstigt und nahm einen reibungslosen Verlauf. Die Veranstaltung hat gezeigt, daß es auch mit den Leistungen in der DT. vorwärts geht. Hervor­ragende Leistungen wurden bei den Springern ge­geigt.

Erfolgreicher Gießener Zugendringer.

Der vielversprechende Jugendringer Rob. Becker vom I. Kraft- und Sportklub 1893 konnte am ver­gangenen Sonntag beim Gaujugendtag in Alsfeld 1. Sieger im Jugendmittelgewicht wer­den. Er erzielte zwei Schultersiege gegen Maus (Alsfeld) und Riehl (Hersfeld/.

Sportverein 1920 Heuchelheim.

SB. Heuchelheim SB. Ehringshausen 3:0.

Das erste Spiel der diesjährigen Fußballsaison endete mit einem glatten Sieg der Heuchelheimer. Das Spiel gestaltete sich in der ersten Hälfte sehr schnell und abwechslungsreich. Beide Tore kamen öfter in Gefahr. Heuchelheim hatte etwas mehr vom Spiel und konnte durch den Mittelstürmer zwei­mal einsenden. Nach der Pause machte sich die Hitze stark bemerkbar. Das Spiel wurde langsamer und zeitweise uninteressant. Der Mittelstürmer der Heuchelheimer stellte gegen Mitte der zweiten Halb­zeit das Endresultat her. Bei Heuchelheim war die Hintermannschaft sehr gut, in der der Tormann durch einige sehr schöne Paraden glänzte. In der

Läuferreihe waren die Außenläufer etwas besser als der Mittelläufer. Der Sturm, in dem die Außen viel zu wenig eingesetzt wurden, spielte teilweise noch etwas zusammenhanglos. Alle drei Tore des Mittelstürmers fielen aus kürzester Entfernung. Ehringshausen hatte seinen besten Mannschaftsteil in der Verteidigung, die manchen sicher scheinenden Erfolg der Gegner verhindern konnte.

Iuhball im Turnverein Äroßen-Linden

herbornseelbach I Großen-Llnden I 5:5 (3:1).

Der Tv. Großen-Linden spielte am Sonntag mit zwei Mannschaften in Herbornseelbach. Die beiden ersten Mannschaften lieferten sich einen spannenden Kampf, der mit einem Unentschieden 5:5 endete. Dem Führungstor Großen-Lindens setzten die Platz­besitzer bis Halbzeit drei Tore entgegen, so daß es mit 3:1 in die Pause ging. Nach Halbzeit vergrö­ßerte Herbornseelbach seinen Vorsprung auf 5:1 und die Gäste erschienen geschlagen. Aber nun drehte Großen-Linden mächtig auf und führten ein Spiel vor, wie man es lange nicht von der Mannschaft gesehen hat. In knapp zehn Minuten gelangen dem besonders gut aufgelegten Sturm vier schöne Tore. Kurz vor Schluß bot sich ihnen sogar noch die Chance zum Siegestor, aber der freistehende Links­außen jagte den Ball von drei Meter Entfernung aus neben den Kasten.

Vorher spielten die zweiten Mannschaften beider Vereine. Gegen die Platzbesitzer (die reinste Athleten­elf) hatte die zweite Mannschaft von Großen-Linden nicht viel zu bestellen und verlor mit 7:1 Toren.

Das Wetturnen in Krofdorf.

Die Ergebnisse:

Jugend-Ober st use: 1. Christian Schmidt, 176 Punkte; 2. Karl Schmidt, 156 P.; 3. Erich Scherer, 147 P.; 4. Paul Weil, 145 P.; 5. Helmut Kirch und Heinz Göbler, 141 Punkte.

Jugend - Unter st ufe: 1. Alfred Kraft, 222 P.; 2. Arno Keller, 172 P.; 3. Otto Drescher, 164 P-; 4. Werner Amend, 159 P.; 5. Kurt Röhrs- heim, 158 Punkte.

Schüler: 1. Riege: 1. Alfred Kümmel, 164 P.; 2. Walter Wagner, 160 P.; 3. Karl Wagner, 159 P.; 4. Heini Kirch, 132 P.; 5. Kurt Schleenbecker, 130 Punkte. 2. Riege: 1. Karl Suchan, 142 P.; 2. Karl Schmidt und Franz Kirch, 141 P.; 3. Heinz Bender, 139 P.; 4. Ernst Leib, 126 Punkte.

Turnerinnen: 1. Riege: 1. Hilda Schmidt, 141 P.; 2. Hilde Valentin, 135 P.; 3. Klara Wagner, 131 P.; 4. Frieda Römer, 120 P.; 5. Marie Will, 118 P.; 6. Karoline Loh, 117 Punkte. 2. Riege: 1. Klara Stork, 150 P.; 2. Erna Schmidt, 143 P.; 3. Hilde Würtz, 142 P.; 4. Anni Wagner, 128 P.; 5. Elli Dörr, 115 P. 3. Riege: 1. Marie Bender, 161 P.; 2. Hedwig Schmidt, 157 P.; 3. Leni Schieferstein, 137 P.; 4. Erna Stork, 135 P.; 5. Helene Wagner, 129 Punkte.

Schülerinnen: 1. Riege: Alfriede Wagner, 121 P.; 2. Hanna Amend, 116 P.; 3. Marie Schneider, 108 P.; 4. Marie Plaß, 97 P.; 5. Emmi Gombert und Emmi Gerlach, 93 Punkte. 2. Riege: 1. Else Neuhaus, 94 P.; 2. Emmi Hofmann, 92 P.; 3. Anni Will, 89 P.; 4. Thea Koch, 88 P.; 5. Emmi Schweitzer, 87 Punkte. 3. Riege: 1. Erika Wagner, 103 P.; 2. Johanna Röhrsheim, 90 P.; 3. Elfe Kaletsch und Gertrud Haibach, 88 P.; 4. Elli Daubertshäujer, 86 P.; 5. Gertrud Weber, 78 P. 4. Riege: 1. Hilde Heyer, 153 P.; 2. Hilde Ecarius, 152 P.; 3. Martha Leib, 145 P.; 4. Marie Bender, 138 P.; 5. Marie Abel, 126 Punkte.

Erfolg einesOarmstädterGegelfliegers

Der junge Segelflieger Utecht von der Flieger­schule D a r m st a d t hat mit seinemRhön- Sperber" eine gute Leistung vollbracht. Er flog vom Flugplatz Hannover in drei Stunden zum Bramschen Berg, wobei er eine durchschnittliche Höhe von 1500 Meter hielt, stellenweise sogar über 2000 Meter kam.

Oie deutschen Leichtathleten für den Fünsländer Kampf.

Für den Leichtathletik - Fünflämver« k a rn p f, der am kommenden Sonntag im Berliner Post-Stadion die Vertreter von Deutschland, Schwe­den, Ungarn, Italien und Japan an den Start bringen wird, ist die deutsche Mannschaft jetzt wie folgt aufgestellt worden:

10 0 Meter: Leichum; 200 Meter: Necker­mann; 4 0 0 Meter: Hamann; 800 Meter: Lang; 15 0 0 Meter: Schaumburg; 5000 Meter: Syring; 10 000 Meter: Haag; 110 Meter Hürden: Wegner; 400 Meter Hür­den: Scheele; Hochsprung: Weinkötz; Weit- sprung: Leichum; Dreisprung: Joch; Stab­hochsprung: Hartmann; Diskuswerfen: Würfelsdobler; Kugel st oßen: Wöllke; Speer­werfen: Stöck; Hammerwerfen: Blask; 4X100 - Meter - Staffel: Leichum, Horn­berger, Neckermann, Borchmeyer; 4X40 0-Me t e r- Staffel: Helmle, Klupsch, Metzner, Hamann.

Deutschlands Fubbail-E f in England.

Eine Einladung des Englischen Fußball-Berbandes.

Der Vorstand des Englischen Fußball-Verbandes hat auf seiner Sitzung am Montag beschlossen, den Deutschen Fußball-Bund zu einem Länderspiel ein­zuladen, das voraussichtlich am 4. Dezember in London stattfinden soll. Die Englische Fußball- Association hat damit nach fünf Jahren die anläß­lich des 1930 in Berlin ausgetragenen Länderspieles DeutschlandEngland, das 3:3 endete, gegebene Zusage eingelöst.

Offiziell hat Deutschland bisher fünf Länderspiele mit England ausgetragen, und zwar vier vor und eines nach dem Kriege. Die vier Spiele der Vor­kriegszeit gegen englische Amateurmannschaften er­gaben neben einem Unentschieden drei deutsche Niederlagen.

Das Olympische Fußball-Turnier.

Fußball-Fachamtsleiter Reg.-Rat Felix Linne­mann führte am Montagabend in einem Rund­funkvortrag über das Olympische Fußballturnier 1936 in Berlin folgendes aus:

Der letzte und wichtigste Teil der sportlichen Be­tätigung des kommenden Jahres liegt in der Teil­nahme an den Olympischen Spielen. Noch steht das Programm der Olympischen Fußballkämpfe nicht fest. Noch hat der Internationale Fußball-Verband, der vom Olympischen Komitee mit der technischen Leitung dieser Kämpfe beauftragt ist, eine Entschei­dung über die Austragungsform nicht getroffen und eine Ausschreibung noch nicht erlassen. Wir hoffen aber, daß die Führung des internationalen Fußballsports erkannt hat, wie bedeutsam es für die Wertung des Fußballs ist, daß er im Rahmen der größten allgemeinen Sportveranstaltung seiner Bedeutung gemäß vertreten wird. Wir hoffen, daß der Vorstand der FIFA, seine Entscheidung baldigst bekanntgibt, damit der deutsche Fußball seine Vor­arbeiten in Angriff nehmen und so aufbauen kann, daß die Besucher sich in Deutschland wohlfühlen und alle Kämpfe selbst mustergültig ausgetragen werden. Schon heute haben die Führer einiger na­tionaler Verbände ihre Bereitwilligkeit zur Teil­nahme an den Olympischen Fußballkämpfen aus­gesprochen. Wir würden uns freuen und es dank- bar begrüßen, wenn noch viele, ja wenn möglichst

NIVEA

mild, leicht schäumend, flani wundervoll Im Geschmack

Hühner-Jagd.

Don Or. Ludwig Noch.

Das Reichsjagdgesetz vom 3. Juli 1934 bestimmt in der Ausführungsverordnung zu Paragraph 38 vom 27. März 1935: Die Jagd darf ausgeübt wer­den auf Rebhühner vom 25. August bis 30. Novem­ber. Gegenstand der Jagd ist das Rebhuhn (perdrix perdrix), auch dos unregelmäßig in Wanderzügen aus dem Osten kommende, jedenfalls durch Nah­rungsmangel auf die Reise getriebene Zug- oder Wander-Rebhuhn.

In Deutschland kommen nach Dr. R a m n e r (Die Tierwelt der deutschen Landschaft", Leipzig, Bibliographisches Institut, 1933) drei Rebhuhn- rassen vor, die von Osten nach Westen immer brauner werden. In Ostpreußen lebt die hellste, in Westfalen die dunkelste, in dem dazwischen liegen­den Gebiet die mittelfarbige. Das Rebhuhnpaar hält gewöhnlich für das ganze Leben treu zusam­men. Die Brutzeit erstreckt sich von Mai bis Juli, während der wir oft genug den kennzeichnenden Rufkirreck, kirreck" vernehmen. Das Weibchen legt neun bis 20 graue Eier. Während es brütet, hält das Männchen in der Nähe treue Wacht und warnt sorglich bei jeder Gefahr. Dadurch wird das Weibchen veranlaßt, eine Strecke weit am Boden dahinzulaufen und dann geräuschvoll aufzustehen, um die Aufmerksamkeit von dem Gelege bzw. dem Nest abzulenken. Hierdurch wird der Feind auch tatsächlich oft auf eine falsche Fährte gelenkt, was man sogar von firmen Hühnerhunden beobachten kann. Nach der Brut bleibt die Familie alsVolk" oderKette" beisammen und verlebt den ganzen Sommer und Winter über alle Freuden und Lei­den des Daseins gemeinsam. Nachts ruhen die Hühner in einem Kreise, die Köpfe nach außen ge­wendet, so daß aus jeder Richtung nahende Ge­fahren bemerkt werden. Am Tage ist aber das beste Verteidigungsmittel das Sich-Drücken, d. h. die Hühner halten sich solange als möglich dicht am Boden angedrückt, wo sie nicht leicht zu erkennen sind.

Wenn der Tag der Eröffnung der Hühnerjagd bevorsteht, so ist das wie eine Mobilmachung in der deutschen Jägerei. Neben der Treibjagd im herbst­lichen Wald und der Hasenjagd auf den beschneiten und gefrorenen Aeckern ist die Jagd auf das Reb­huhn die am meisten in Deutschland ausgeübte Jagdart. Da wird es wohl manchem Jäger und Jagdfreund interessant sein, etwas über die Hühner­jagd vergangener Zeiten zu erfahren

Das Rebhuhn war im Mittelalter unter dem Namenrephuon", der übrigens nichts mit der Rebe zu tun hat, auf deutschem Boden überall heimisch, wie es denn Karl der Große sogar auf seinen Landgütern als Prunkoogel (d:<nitatis causa) halten ließ

Der gelehrte Domherr Konrad von Megenberg zu Regensburg, der im 14. Jahrhundert lebte, zeigt sich über dieses Federwild sehr gut unterrichtet und schildert seinen Fang. Als Feinschmecker weiß er, daß die Brust am besten ist.

Bei den Griechen und Römern wurden die Reb­hühner und die Hasen mit Netzen gefangen, da­neben scheint aber auch der Fand mit Schlingen (!!) bei ihnen üblich gewesen zu fein. Man sieht dar­aus, daß diese Art Jägerei lediglichdes Fleisches" wegen getrieben wurde, nicht, um in ritterlicher Weise zuWeidwerken". Diese unritterliche Schlin­genstellerei wurde auch auf Drosseln, Wildtauben und Hasen betrieben. In den Furchen der Aecker wurden Schlingen aufgestellt, in die man durch Futterausstreuen oder durch Locktöne die Feld­hühner hineinlockte, eineKunst", die nur heute noch von Wilddieben geübt wird. Die Jagd ist ja überhaupt auf allen Gebieten im Laufe ihrer viel­tausendjährigen Entwicklung humaner, man möchte sagenkultivierter" geworden. Heute empfindet man es als eine gröbliche Verletzung des Mitge­fühls, welches der Mensch jeder Kreatur Gottes schuldet, wenn man in Dietrich aus dem Winkells Handbuch für Jäger, Jagdliebhaber und Jagdbe­rechtigte" (1. Ausgabe 1804), sogar noch in der Be­arbeitung von Tfchudi aus dem Jahre 1865 die ausführliche Anweisung liest, wie man gefangenen Lerchen die Augen aussticht, um sie dann zum Fange der Falken zu verwenden. Gegen diese Roheit hat bereits Franz von Assissi (1182 bis 1226) seine Stimme erhoben.

Lerchen, Wachteln und Rebhühner wurden mit demTyraß" gefangen. Ich meine damit nicht einen Hund mit dem bekannten NamenTyraß", sondern jenes Netz, das noch im Anfang des vori­gen Jahrhunderts zu den unentbehrlichsten Gerät­schaften jedes Forsthaufes gehörte. Man überdeckte damit ein Stück eines Kleefeldes und lockte Hühner und Wachteln mit der Pfeife an. Glaubte man, daß Hühner oder Wachteln unter dem Netz lagen, fo warf man einen Stein nach der betreffenden Stelle, damit die Vögel hochwurden und sich in das Netz verwickelten.

Ganz ähnlich hat man im Mittelalter die Jagd auf Rebhühner betrieben. Man suchte sie mit Hilfe eines kleinen Hundes auf, der die Felder unter Wind abreoierte und fest Vorstand, sobald er die Witterung von Hühnern in der Nase hatte. Zwei Jäger gingen dann von hinten vor, indem sie zwi­schen sich ein horizontales Netz trugen, das an den beiden Enden, wo die Jäger anfaßten, durch eine Stange begrenzt war. Mit diesem Netz bedeckten sie gleichzeitig den Hund und die Hühner. Wußte man, wo die Hühner lagen, so stellte man hinter ihnen wohl ein Netz auf, das aus einem Sack (Hamen) und zwei Flügeln bestand und suchte nun von der anderen Seite her die Hühner langsam in das Netz

zu treiben. Um die Person des Treibers zu oer* bergen, trug der letztere ein rotes Tuch in Form eines Schildes vor sich her. Man hat dieses Ver­fahren später die Jagd mit dem Treibzeug genannt und das rote Schild durch eine gemalte Kuh ersetzt. Wahrscheinlich war aber schon im Mittelalter das Schild in Form einer Kuh gehalten. Auch Fasanen wurden auf diese Art ins Netz getrieben. Die Wach­telhähne lockten die Vogelfänger ins Garn, indem sie die Stimme der Weibchen nachahmten. Rebhüh­ner und Wachteln wurden auch mit Pferdehaar- schlingen auf den Stoppeln gefangen. Auch Wasser- vögel, wilde Tauben und andere Vögel wurden auf diese Art gefangen, und zwar mit Vorliebe an den Nestern, in denen sie brüteten. Es bestand nicht die leiseste Art einer Schonung oder Sorge für den Nachwuchs. Das Schießen mit dem Gewehr auf laufendes oder fliegendes Wild kam erst mit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts in Aufnahme. Hohberg erzählt in feinem WerkeAdliges Land und Feldleben" anno 1682:Die Flinthen, die sie dazu brauchen, müssen nicht übrig lang sein, weil sie allein vorn am Rohr die Fliegen (das Korn) brauchen, hinten aber das Absehen (Visier) meistens Hinwegtuen ... Des Pulvers nehmen sie nicht viel und der Schröt desto mehr, die aber vor und nach mit Rehhaaren gefuttert werden." Ein fo präparierter" Schuß wird wohl dem Schützen eine gute Ohrfeige gegehen haben.

Allmählich fanden die großen Herren ebenfalls Freude an der Hühnerjagd, die sie bis dahin der Berufsjägerei überlassen hatten. So bestimmten die Fürsten von Nassau in ihrer Forst- und Jagdord­nung vom Jahre 1757- Insbesondere wird ver­boten, daß kein Jäger in der Nähe der Residenzen, wo sich der Hof aufzuhalten pflegt, ohne besondere Erlaubnis Wild, Rehe, Hasen oder Hühner schießen oder fangen soll, sondern solches zum Vergnügen des Hofes geschont werden soll."

Wollte man die Schieß-Jagd auf Rebhühner be­treiben, gehörte dazu neben dem verbesserten Gewehr ein guter Hund.

(Seiner, der um die Mitte des 16. Jahrhun­derts schrieb, kennt nur denVogelhund", den er auchWachtelhund" nennt. Colerus unterscheidet am Ausgang des 16. Jahrhunderts schon denSpa­nischen Hund" und denRebhühner-Hund". Hoh­berg (1682) nennt denBeißhund", und den Wachtelhund". Landau berichtet:Der Hühner­hund wurde im 15. Jahrhundertvorliegender" und spätervorstehender" Hund genannt. In der heutigen Ausübung der Jagd auf Rebhühner liegt ein gewaltiger Fortschritt gegen die Vergangenheit.

Heute der gute Schütze, der sicher arbeitende Hund damals der Netzfang und der mit unseren weidmännischen Begriffen unvereinbare Schlingen­fang von Hühnern, Lerchen und Wachteln.

Die kleinen Leiden und die großen Freuden der Hühnerjagd brauche ich nicht zu schildern; sie sind jedem Jäger wohlbekannt. Dem älteren Jäger er- scheint die schöne Arbeit des treuen Hundes unter allen Genüssen der Hühnerjagd als der wertvollste und schönste.

Weidmannsheil!

Neue Bücher im Znsel-Verlag.

Der Jnsel-Verlag zu Leipzig legt sein Herbst- Programm vor, das eine große Reihe schöner und gewichtiger Bücher verspricht. An erster Stelle steht ein Lichtdruckwerk besonderer Art; es enthält unter dem TitelDeutsche Gedichte in Hand- s ch r i f t e n" die Wiedergabe der schönsten deut­schen Gedichte von Luther bis Rilke in der Hand- schnft der Dichter. Man wird hier neben den großen lyrischen Schöpfungen Goethes, Hölderlins u. a. vor allem auch unsere geliebten Volkslieder finden: In einem kühlen Grunde; Am Brunnen vor dem Tore; Fuchs, du haft die Gans gestohlen u. ä. Eine große politische Lebensgeschichte bringt der Insel-Verlag in demTalleyrand" des englischen Politikers Duff Cooper. Unter den Romanen befindet sich ein neues Werk von Karl Heinrich Waggerl,Mütter", fernerDie große Glut" von dem Sudetendeutschen Josef Mühlberger,Die st erbende Kirche" von Edzard H. Schaper,Die brennende Lieb e", Roman der drei Lebensalter von Fried­rich Schnack und ein neues frohes Buch aus Flandern:Bruder Jakobus" von Ernest Claes. Aus Goethes Welt istGoethes Reise-, Zerstreuungs- und Trostbüch- lein" mit 36 zum Teil farbigen Bildern zu nen­nen, ferner ein Buch über den Bildhauer Goethes: Gottlieb Martin Slauer von Walter Geese. Im Auftrag der Goethe-Gesellschaft gibt Max Hecker eine Darstellung vonSchillers Tod und Bestattung". Eine Gesamtausgabe der Briefe Friedrich Hölderlins wird von Ernst Bertram eingelcitet. Die Freunde Rudolf Kochs werdenDas ABC-Büchlein" des Meisters begrüßen. Als wohlfeile Volksausgabe erscheint BürgersMünchhausen" mit den Bildern von D o r 6, ferner eine Neugestaltung derD e u t- schen Volksbücher" durch Severin Rütt­gers. Einen neuen Zaubertrank aus dem uner* schöpflichen Born orientalischer Erzählerkunst gibt Enno Li11mannmit denArabischen Mar­ch e n". Reichen Inhalt verheißt auch der Insel- Almanach, der nun bereits zum dreißigstenmal erscheint. Eine neue Reihe der Insel-Bücherei mit einem farbigen BandDer kleine Gold- fischtet ch", mit Grünewalds Handzeich- nungen, Goethes Spruch weishrit n.a» ist m Vorbereitung.