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Arbeitsdienst und Volksgemeinschaft.

Kundgebungen. Platzkonzerte. Mitwirkung bei Veranstaltungen.

Der NS-Arbeitsdienst 5/222 Gießen tritt in der nächsten Zeit mit einer stattlichen Reihe von Veranstaltungen an die breiteste Oefsentlichkeit in Stadt und Land. Es ist eine Anzahl von Veran- taltungen vorgesehen, die das Leben im Arbeits- üenst, seine Arbeit für die Volksgemeinschaft und eine nationale Bedeutung Herausstellen sollen.

Am gestrigen Dienstagnachmittag fand auf dem Ludwigsplatz bereits das erste Platzkonzert statt, das von dem Musikzug des RS-Aroeitsdienstes 222 aus Marburg unter der Leitung des Kapell­meisters und Musikzugführers Knaf ausgeführt wurde. Viele Hunderte von Volksgenossen fanden sich xu diesem Konzert ein und stellten eine dankbare Zuhörerschaft. Die Darbietungen des gut geschulten rchesters standen auf beachtlicher Höhe und bereite­ten einen hohen Genuß.

Der Arbeitsdienst wird in Verbindung mit dem Arbeitsdank einige Kundgebungen abhalten, xu denen die Bevölkerung jeweils herzlich eingela- oen ist. Am Freitag, 6. September, findet die erste dieser Kundgebungen im Saal der Arbeitsdienst­abteilung 5/222 (Lager am Philosophenwald) statt. Der Abend bringt neben musikalischen Darbietungen auch gesangliche Vorträge und verschiedene Rezita­

tionen. Auch einige Sprechchöre werden zu Gehör gebracht. Einige unterhaltsame Aufführungen wer­den Ausschnitte aus dem Lagerleben geben und auf die Bedeutung des Arbeitsdienstes für unsere Volks­gemeinschaft sinnfällig Hinweisen.

Gleiche Kundgebungen sind für die Orte G r o - ßen-Linden, Watzenborn - Steinberg, Großen-Buseck usw. vorgesehen.

Die Musikkapelle des Arbeitsdienstes wird in den kommenden Tagen bei verschiedenen Veranstaltun­gen in unserer Stadt in Erscheinung treten. So wird die Kapelle am kommenden Freitag bei der großen KundgebungGegen die Staats- feinde" auf Oswaldsgarten den musikalischen Teil bestreiten und damit einem großen Teil unserer Bevölkerung bekannt werden. Ferner wird die Ka­pelle am kommenden Sonntag zu dem Sport- t a g d e s B D M. auf dem Universitäts­sportplatz musizieren. Außerdem hat der Mu­sikzug der Arböitsdienstgruppe 222 das Konzert in der Volkshalle für das Winzerfest am Montag, 2. September, übernommen. Die Kapelle wird bei dieser Veranstaltung von 19.30 bis 1 Uhr musi­zieren.

Gebt älteren Volksgenossen Arbeit und Vrot!

Die Musterung der jungen Volksgenossen für den Heeres- und Arbeitsdienst ist int wesentlichen be­endet. Die Betriebsführer stehen jetzt vor der Not­wendigkeit, rechtzeitig für Ersatz für die ausscdeiden- den Mitarbeiter zu sorgen. Neben den ausscheiden­den Wehrmachtsangehörigen setzen insbesondere ältere arbeitslose Volksgenossen ihre Hoffnung dar­auf, aus diesem Anlaß wieder in den Wirtschasts- prozeß eingetzliedert zu werden. Wohl haben die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der nattonalsozia- listischen Regierung auch diesen Kreisen wesentliche Erleichterungen gebracht. Immer harren aber noch ältere Arbeitskameraden, insbesondere aus den An- gesteLenberufen, deren Eingliederung in die Wirt­schaft bislang leider noch nicht möglich war, des Augenblicks, der ihnen wieder Arbeit und Brot gibt.

Die Vekriebsführer müssen sich dieser Volks­genossen jetzt unter allen Umständen erinnern und sie bei den jetzt notwendig werdenden Ein­stellungen in erster Linie berücksichtigen.

Der Betrieb selbst wird den größten Vorteil davon haben, denn langjährige Berufserfahrung, weit­gehende Kenntnisse und größte Praxis ist den meisten dieser Volksgenossen zu eigen. Darüber hinaus ist es Pflicht dem Volke gegenüber, der Bildung und Erhaltung der Familie nicht durch Ausschaltung der älteren Volksgenossen aus dem

Arbeitsprozeß entgegenzuwirken. Niemand ist zu alt, seine Pflicht dem Volke gegenüber zu erfüllen; mit seiner Arbeitskraft dem Ausbau unseres Volkes und unserer Wirtschaft zu dienen. Nicht das Alter, sondern allein die Leistung darf bei der Anstellung entscheidend sein.

Der nationalsozialistische Staat muh erwarten, dah mit der aus der Sysiemzeit stammenden Auffassung, im besten TNannesalter stehende Volksgenossen seien für die wirtschaft zu all, endgültig und gründlich gebrochen wird.

Die Stellenvermittlung der Deut­schen Arbeitsfro n t ist in der Lage, Ange­stellte aller Berufe (kaufmännische Angestellte, Tech­niker, Werkmeister usw.) den Betrieben nachzu­weisen. Ihr besonderes Auswahlsystem, das alle Fähigkeiten und Kenntnisse des Bewerbers erfaßt und rasch und klar erkennen läßt, ermöglicht es ihr, auf jeden Arbeitsplatz den richtigen Arbeits­kameraden einzusetzen. Sie arbeitet neben den Ar­beitsämtern völlig gleichberechtigt (mit Ausnahme einiger Maßnahmen arbeitseinsatzpolitischer Natur) und für Betriebsführer und Gefolgschaftsangehörige vollkommen kostenlos. Jede Dienststelle der Deut­schen Arbeitsfront ist bereit, Anfragen, Aufträge und Meldungen solcher Volksgeossen, die Stellung suchen, weiterzuleiten.

Ergebnisse aus demReichsberusswettkampslSZS

Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufs- erxiehung der DAF. hat die Aufgabe, für die beruf­liche Ertüchtigung der in der Deutschen Arbeitsfront zusammengeschlossenen Arbeitskameraden Sorge zu tragen. Selbstverständlich muß beim Ansetzen der geeigneten Maßnahmen auf die beruflichen Prü­fungen zurückgegriffen werden, denn diese vermit­teln die beste Aufklärung, um an der richtigen Stelle mit der Hebung der Berufsausbildung einsetzen zu können. Neben der Kaufmannsgehilfen-Prüfung, die durch die Industrie- und Handelskammer in Gemeinschaft mit der Deutschen Arbeitsfront durch­geführt wird, vermittelt der Reichsberufswettkampf ein gutes Bild über den Ausbildungsstand des Be­rufsnachwuchses. Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der DAF. hat die Arbeiten

der Angestelltengruppe einer eingehenden Auswertung unterzogen, um durch die erlangten Ergebnisse die notwendigen Erfahrungen für die Einrichtung geeigneter Lehrgänge im Rahmen des geplanten Winterarbeitsprogrammes zu schöpfen.

In Gießen beteiligten sich in der Angestellten- gruppe insgesamt 188 Berufstätige. Diese Teilneh­mer setzten sich aus 68 Kaufmannslehrlingen und -gehilfen, 108 weiblichen Angestellten und 12 Büro- und Behördenangestellten zusammen. Von dem am Wettkampf teilnehmenden 68 männlichen Kauf­mannsgehilfen mußten mit der Noteungenügend" bewertet werden in Deutsch 39, in Rechnen 13, in Buchhaltung 12, in der Fachaufgabe 22, in Kurz­schrift 15. Die Verkäuferinnengruppe der weiblichen Angestellten, die sich aus 92 Teilnehmern zusam-

mensehts, hatte 23ungenügende* Arbeiten in Deutsch und Rechnen aufzuweisen. In Plakatschrift muhte 85 Teilnehmerinnen die Noteungenügend" erteilt werden. Von den teilnehmenden 12 Büro- und Behördenangestellten versagten 6 in Kurzschrift und in der zu lösenden Fachaufgabe.

Für die einzelnen Gruppen der Teilnehmer er­gibt sich folgendes Ergebnis:

Kaufleute.

12

einem Fach zwei Fächern drei Fächern vier Fächern fünf Fächern.

und besser versagten versagten versagten versagten versagten

m in in in in

34,7

24,5

12,8

12,3

3,7

v. H. waren in allen FächernGenügend

weibliche Angestellte (Verkäuferinnen).

4,4 v. H. waren in allen FächernGenügend

und beffer'

agten in

versagten

agten agten

agten agten

Der oer oerf

Der ner

einem Fach zwei Fächern drei Fächern vier Fächern fünf Fächern, sechs Fächern.

35,8

30,5

19,5

6,5

1,1

2,2

in in in in in

Weibliche Angestellte (Kontoristinnen).

56,3 v. H. waren in allen FächernGenügend und besser"

37,5 e versagten!rt einem Fach

6,2 versagten in zwei Fächern.

Büro- und Behördenangestellte.

16,7 v. H. waren in allen FächernTenügenÜ und besser"

66,7 versagten in einem Fach

16,7 versagten in zwei Fächern.

Dieses Ergebnis xeigt, daß der Leistunysstand des Berufsnachwuchses als recht unzulänglich be« zeichnet werden muß. Es wird das Bestreben beti Deutschen Arbeitsfront, insbesondere der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, fein, die« ses Ergebnis beim nächsten Reichsberufswettkampf bedeutend zu bessern. Bereits heute sind eine Reihe Lehrgänge für das Winterhalbjahr 1935/36 vor« gesehen, die es sich zur Aufgabe stellen, das Ser« säumte nachzuholen. Selbstverständlich muß von allen strebsamen Arbeitskameraden erwartet wer­den, daß sie sich auch an den eingeleiteten Matz« nahmen beteiligen. Wenn die Deutsche Arbeits­front schon eine eigene Abteilung unterhält, die für die berufliche Fortbildung Sorge zu tragen hat, fo tut sie dies im Interesse ihrer Mitglieder und int Interesse der Gemeinschaft, denn nur eine Nation, deren Mitglieder auf ihrem Lebensplatz Höchsts berufliche Leistungen vollbringt, wird in der Lags sein, auch die schwierigsten wirtschaftlichen Situatio­nen zu meistern.

Obecheffen.

Landkreis Gießen.

J Staufenberg, 27. Aug. Die Heimat- Dereinigung Staufenberg, die seither schon recht tätig war, wird in Kürze ein größeres 5) e i m a t f e ft veranstalten. Alle Vereine Der Ge­meinde, Turnverein, Gesangverein, BDM., sowie die Schule (1. Klasse), werden mitwirken. Zwei Hans-Sachs-Spiele werden u. a. zur Aufführung kommen. Lieder aus alter Zeit werden erklingen, fernerdie Spinnstube",die Drescher",die Holz­fäller" am Auge vorüberziehen.

Y Watzenborn-Steinberg, 27. Aug. Nach der neuesten Statistik des hiesigen Standes­amtes ist die Einwohnerzahl ständig im Steigen begriffen. Der augenblickliche Stand beträgt 2612 Personen. Im Laufe dieses Jahres würben 15 Paare getraut. Während bereits 41 Geburten zu verxeichnen sind, sind 9 Personen gestorben. Die Zahl der Personen über 80 Jahre beträgt 26.

- * Cid), 26. Aug. Der unter Leitung von Prof. Eduard Becker (Darmstadt) stehende H i st o - rische Verein für Hessen weilte gestern unter Führung des Archivrates Dr. C l e m m, einem Licher Kinde, in unserer Stadt, um deren Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen. Mit drei Omnibussen waren etwa 80 Teilnehmer Männer und Frauen gegen 11 Uhr hier ein­getroffen. Ihre erste Besichtigung galt der altehr­würdigen Marienstistskirche, wo sie von Lehrer Schneider begrüßt und geführt wurden. Beson­dere Beachtung fanden neben Der aus Kloster Arnsburg stammenden Orgel und Kanzel die im Chor ausgestellten prächtigen, alten, gotischen und Renaissancegrabsteine und die daran sich knüpfen­den geschichtlichen Erinnerungen. Der schönste unter ihnen, Cuno v. Falkenstein und seine Gemahlin Anna v. Nassau darstellend, aus dem Jahre 1333 war im Jahre 1925 als Gipsabguß auf der Jahr­tausend-Ausstellung in Köln und drei Jahre später auf der religiösen Kunstausstellung zu Marburg in natura zu sehen. Vollständig neu war allen Gästen die Tatsache, daß die Gründung des preußisch-hessi­schen Zollvereins im Jahre 1828, der die Grund­lage des deutschen Kaiserreiches bildete, von einem oberhessischen Geistlichen, Dem von 1830 bis 1840 in unserer StaDt wirkenDen Pfarrer Georg Frank, vorher in Freienseen bei Laubach, ausging. Eigen­artige Erinnerungen an vergangenen Zeiten unb Die Wertschätzung eines für frühere Verhältnisse

recht notwendigen Mitbürgers, der heute allerbmgs überflüssig geworden ist, weckte das sog.Schinder« bänkchen , Das dieserfürstliche und städtische Be­amte" während des Gottesdienstes einnehmen mußte. Dr. Clemm gab noch ergänzende Erläu­terungen und geleitete dann Die Vereinigung zu anDeren sehenswerten mittelalterlichen GebäuDen, wieHelwigs Haus", Lutherhaus, Dem Westphalen« schen Hof unD Dem Schloß mit seinem prächtigen Park und den darin noch vorhandenen Zeugen einstiger Befestigung. Nach gemeinsamem Mittags« mahl imHolländischen Hof" fuhren die Ausflugs« teilnehmer nach dem benachbarten Kloster Arnsburg, um Dort von Geheimrat Walde (DarmstaDt) mit Der Geschichte Des Klosters be­kanntgemacht zu werden. Z'^wurde noch Die als Wetterauer Tintenfaß we^N^f /ckwirrte Burg­ruine Münzenberg unRrLeitung von Prof. Rauch besichtigt unb dann befriedigt d-ie Rückfahrt nach Darmstadt angetreten.

csd Hungen, 27. Aug. Mit den Arbeiten xur Herstellung der Ortsdurchfahrt in Der Altstadt ist begonnen worden, fo daß der Fuhr­werksverkehr bezw. Der Durchgangsverkehr gesperrt roerDen mußte. Die Umleitung erfolgt Durch Die LinDenallee.

£ Hungen, 27. Aug. Infolge seiner Ser« setzung an Die Realschule in Butzbach ist Der bisherige Leiter Der hiesigen Realschule, Stu- Dienassessor Christ, aus Dem Lehrkörper ausge- schieDen. Die Schule, Die Schüler, Deren befonDereit Liebe und Verehrung sich Der Scheidende erfreuen durfte, Die Eltern Der KinDer, Deren Vertrauen er in hohem Maße genoß, ganz befonDers aber Die StaDt Hungen, verbauten Dem Genannten außer- orDentlich viel. Als Assessor Christ im Frühjahr 1929 Die Leitung Der Anstalt übernahm, Drohte Diese infolge Der Damaligen ungünstigen Verhält­nisse zu erliegen, ein UmstanD, Der nur Dank Der Rührigkeit, Energie und Der vollen Hingabe an sein Amt Durch Den neuen Leiter abgeroenbet zu wer­den vermochte. Ihm gelang es in verhältnismäßig Radio Photo

4633 D

Uhl Seltersweg «7 WiÄee Telephon 3170

Zu jedem kommt einmal das Glück.

Roman von Men Kulm.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

5. Fortsetzung. NachDruck verboten!

Sie machte eine Atempause. Monika, Die mit Interesse zugehört hatte, Dachte jetzt erst: Was hat das eigentlich alles mit mir zu tun?

Aber Da begann Frau Klinke von neuem:

Unb nun sollen Sie auch erfahren, wie Die Sache mit meinem Johnie ist. Wir waren im Winter in Berlin. Johnie arbeitete in Den Museen unD in den Bibliotheken. Ich war meist zu Hause und langweilte mich, Denn ohne Johnie machte es mir gar keinen Spaß. So eine alte Frau allein. Wenn ich auch noch ganz rüstig bin. Mein Johnie schließt sich schwer an. Aber Da lernte er enDlich ooch einen jungen Mann kennen, mit Dem ging er manchmal in die Bibliothek unD nachher noch in ein Kaffeehaus, weil sie so viel zu sprechen hatten über alle Die Altertümer, Die sie beiDe viel mehr interessierten als Das ganze nwDerne Leben in Berlin. Da waren sie auch einmal in ein Äon- zertcafö geraten. Da war nun ein MäDchen, bas auftrat unb ein paar Lieber fang. Mein Johnie hat ja bafür gar nichts übrig; musikalisch ist er auch nicht. Aber dieses Mädchen gefiel ihm. Er ging wieder hin unb zuletzt jeben Tag, hörte sie ihre brei Lieber fingen. Das erfuhr ich natürlich erst später. UnD weiß Der Himmel, wie Johnie bas anfing, aber zuletzt sprach er Doch mit Dieser Sängerin; sie hieß Evi von Tanner. Sie erzählte ihm bann. Daß sie mit ihrer Mutter zusammenlebte, die Witwe war und sich bitter Darüber kränkte. Daß ihr einziges KinD auf Diese Art Das Brot oerbie- nen muhte, aber sie brauchten es eben sehr not» wenDig.

Na ja, also ich war nicht geneigt, Das so vom Fleck weg zu glauben, aber Johnie glaubte es natürlich. Sie tat ihm schrecklich leid. Natürlich verliebte er sich in sie. Unb weil sie nett unb freunb- lich zu ihm sprach, so hoffte er, sie werbe feine Liebe erwidern. Aber da Johnie leider sehr ro­mantisch ist, so tat er bas Dümmste, was er tun konnte. Diese Evi hielt ihn für einen armen Stu­denten. Mit feinem deutschen Namen unb feiner deutschen Aussprache hielt sie ihn für keinen Aus­länder und schon gar nicht für einen Millionär. Sie ließ sich nicht einmal einen Kaffee von ihm bezahlen. Unb Johnie gefiel bas. Er dachte es sich so wunderschön... bis er um sie anhalten würbe. Dann würbe er ihr alle Herrlichkeiten bieten können, bie man auf ber Welt kaufen kann. Aber vorläufig genügte es ihm noch, sie jeden Tag

fingen zu hören unb nachher eine halbe Stunbe mit ihr zu plaubern.

Na, enblich merkte ich etwas, und Johnie war froh, als ich fragte. Er vertraute mir die ganze Geschichte an. Nun sollte ich mit ihm gehen unb bas Mübchen kennenlernen. Nun, ich muß sagen, mir gefällt ja biefe Sorte Mädchen nicht. Ich benke immer, ein orbentlidjer Berus finbet sich trotz ber schweren Zeit, wenn man nur richtig will. Aber ich muß sagen, wie ich diese Evi von Tanner sah, mit ihren einsckchen, braunen Locken, in einem schlichten unb schwarzen Kleibchen und nicht einmal geschminkt, ba gefiel sie mir recht gut. Sie fang auch recht einfache Lieber. Es war alles ganz be- fcheiben unb orbentlich. Als sie bann an unseren Tisch kam, benahm sie sich wirklich wie ein feines, gut erzogenes Stäben. Ich bachte mir: Na also, wenn mein Johnie biefes Mübchen absolut für die Richtige hält, so soll es mir auch recht sein. Sie hatte so rührenb traurige Augen.

Aber wir hatten uns in diesem junaen Mädchen getäuscht. Eines Tages kam Johnie ganz verzwei­felt nach Haufe. Ich merkte wohl, daß etwas vor­gefallen war. Er sprach nicht darüber, aber er ging auch nicht mehr am Abend fort. Endlich sagte er es mir. Er hatte Evi von Tanner eines Tages nach Hause begleitet und sie gebeten, feine Frau zu werden. Sie hatte ihm einen Korb ge­geben unb hinzugefügt: »Ich werbe nur einen sehr reichen Mann heiraten. Selbst wenn ich Sie von Herzen lieb hätte, würbe ich niemals Ihre Frau werben. Unb im übrigen habe ich ein neues Engagement bekommen. So wird es wohl besser sein, wenn wir uns nicht mehr sehen/"

Oh, das ist häßlich!" rief Monika. Sie hatte mit Teilnahme Der Erzählung gelauscht, unD sie hatte sich Diese Evi von Tanner sa reizenD vorge­stellt. UnD nun zeigte es sich. Daß sie eine kalte, berechnenDe Person war.

Ach was traurig! So ist eben das Leben! Wäre Johnie klug gewesen unb hätte ihr gleich ge­geigt, baß er Gelb genug hat, um ihr alles zu kaufen, was ihr Herz begehrt, so wäre sie ohne viele Umftänbe seine (Beliebte geworben, unb er hätte eine Zeit lang mit ihr bas Leben in vollen Zügen genossen, anstatt ihr noch jetzt nachzutrauern. Denn natürlich kann er es nicht verwinben, baß er sich fo getäuscht hat, wenn er auch nicht barüber spricht, fonbern sich nur noch mehr in feine Bücher ver­gräbt unb keine Frau mehr ansieht..."

Monika lächelte unmerklich. Na, wenn auch bas, was Frau Klinke sagte, vielleicht im allgemeinen stimmte, bei ihr hatte bieser Johnie boch eine Aus­nahme gemacht. Beide Male, da sie ihm über Den Weg gelaufen war, hatte er sie ganz ausgiebig angestarrt!

Frau Klinke schien ihre Gedanken zu erraten.

Nun nun zu Ihnen, mein liebes Kind, Denn Sie werden sich denken, daß ich eine alte, schwatz­

hafte Frau bin, die froh ist, wenn sie von ihrem Sohn jemanden erzählen kann. Und Sie werden ich sicher schon gefragt haben, was denn Sie mit )iefer ganzen Geschichte zu tun haben? Ja, also ehen Sie! Als wir da unlängst hier Durchkamen unb tankten unb Sie herauskamen, ba bachte ich mir gleich: Wo hab' ich biefes Mäbchen nur schon gesehen? UnD ich fragte Sie auch Danach. UnD nachher, geraDe als wir abfuhren ich hab's wohl bemerkt, hat Sie Johnie gesehen, unD Da hat er Sie an gestarrt wie eine Erscheinung, unD Da ist mir ein Licht aufgegangen. UnD am Sonntag in Karlsbad war's genau fo! Sie haben näm­lich eine ganz große Ähnlichkeit mit dieser Evi von Tanner, obwohl Sie ja eigentlich viel hübscher sind mit Ihrem goldigen Haar und Ihren wischen Farben. Und einen Kopf größer werden sie auch sein. Nein, also verwechseln könnte man Sie ja gar nicht, aber sehr ähnlich sind Sie ihr doch. Ja, und Da Dachte ich mir also wo Doch Johnie... SinD Sie mir Denn noch immer böfe?^

Sie verstummte unD sah Monika bittend an. Monika stand zögernd auf.

Jetzt, wo Sie mir alles erzählt haben, gnädige Frau, kann ich Ihnen ja nicht mehr böse fein. Sie haben es gut mit mir gemeint. Aber selbst wenn ich mit Ihnen gehen wollte: meine Ver­wandten würden es nie gestatten."

Das sagte der Doktor auch. Ich war nämlich zuerst bei ihm und habe ihn nach Ihnen gefragt. Und ich muß ja sagen, alles, was ich gehört habe, hat mich sehr gefreut. So ein gut erzogenes Mäd­chen, das war gerade das, was ich mir für meinen Johnie gewünscht hätte. Nein, nein, machen Sie kein so böses Gesicht! Ick verspreche Ihnen, wenn Sie mit mir kommen, soll nie mehr die Rede da­von fein. Na also, der Doktor meinte, Das wäre vielleicht geraDe Das Richtige für Sie. Sie könnten mit uns Die Welt kennenlernen unD wären gut auf­gehoben, unb ich hätte bestimmt eine freunbliche, junge Gesellschafterin, wie ich mir keine bessere wünschen könnte. Aber bann erinnerte er sich an Ihre Derwanbten, und meinte, baß Die es nicht erlauben würben. Frau von Riebers würbe sagen: .Eine Tochter bes Majors von Jnnemann wirb nicht Gesellschafterin bei einer Amerikanerin und zigeunert nicht unnütz in ber Welt herum.' Aber ba kam seine Frau herein, unb wir mußten ihr schnell noch einmal erzählen, ba rief sie: ,Aber Erich, Monika wirb Doch in ein paar Tagen einunb- zwanxig Jahre alt, unb bann kann sie boch tun unb lassen, was sie will. Unb sie wirb bestimmt glücklich fein, wenn sie enblich hier herauskommt.'"

Aber natürlich!" rief Monika. Wie hatte sie nur das vergessen können! Es war doch selbst ihr fester Entschluß, das Haus der Rieders an diesem läge zu verlassen, wenn sie auch nicht gewußt hatte, wohin sie sich, wenden sollte. Das war ja wirklich ein Glücks fall!

Ihr Zorn unb ihre Bebenfen waren vergessen« Iw Gegenteil, sie hatte dieser gutmütigen Frau bitter unrecht getan!

Wenn Sie mich noch wollen, gnädige Frau, und wenn wenn Sie mir versprechen, daß Sie nie mehr davon reden wollen, was Sie mir zu Anfang gejagt haben, so will ich gern mitkommen. Aller­dings erst am elften August, das ist nämlich mcht Geburtstag! Und ich würde bestimmt keinen Taz früher fort können! Dann soll es aber auch keine« Tag länger mehr Dauern!"

Als Monika kurz Darauf in das Haus üjret Tante zurückkehrte, war sie äußerlich ruhig, aoer innerlich war sie von einem Sturm von Gedanken hin und her gerissen. Nun war Der Weg in Die Freiheit offen, unD sie wußte, sie würDe ihn gehen!

4. Kapitel.

lieber dem bayerischen Lande lag die gesegnete Wärme eines leuchtenden Augusttages. Die Sonne stand hoch, und feine einzige dunfle Wolfe trübte Das tiefe Blau Des Himmels. Auf Den Felbern ftanD Das (Betreibe hoch unb gelb, oost einem kaum merflichen sanften Winde bewegt, zu beiden Seiten Der breiten, blenDenDweißen Reichs« straße, auf Der Autos, eilig dahinstürmend, an« einanDer vorbeifuhren.

In einem hübschen, fabrifneuen Zweisitzer saß ein einzelner Mann am Volant. Sein metterge« bräuntes Gesicht verriet Die FreuDe, mit Der er» trotz Der schnellen Fahrt, Die Lieblichkeit Der ganzen rounDerbaren Landschaft in sich aufnahm.

Die Heimat! All Die Jahre, da er Europa fern war, hatte Friedrich von Gerling nur seiner Ar- bett gelebt, und wenn er ja einmal Heimweh in sich aufkeimen fühlte, hatte er es männlich erstickt. Aber schon auf Dem Schiffe hatte er brennenDe Ungebulb verspürt, und kaum hatte er Den Fuß an LanD gesetzt, war er Tag unD Nacht gereift, bis er enDlich abenDs spät in München anfam. Und aud) Da hatte es ihm noch feine Ruhe gelassen! Er war in tiefer Nacht Durch Die einsamen Straßen gefdjIenDert unD hatte Die lieben, vertrauten Plätze begrüßt unD feiner StuDentenzeit geDacht, die et größtenteils hier verbracht hatte.

Und er dachte auch an Monifa von Jnnemann. Aber er wollte fein Wort getreulich erfüllen und feinen Tag vor ihrem einunbzwanzigsten Geburts­tag eintreffen! So verwendete er die Zeit, um auch feinen äußeren Menschen wieder Europa an« zupassen. Seine Anzüge und feine Schuhe waren unmodern geworden, und mit einer Freude, dich ihm in all Den Jahren ganz fremd geworden war, stattete er sich neu aus. Er war nicht eitel, aber wenn Den interessanten, tiefgebräunten Mann, aus dessen Antlitz zwei helle blaue Augen leuchteten» manch freundlicher Frauenblick streifte, fo freute er sich Darüber.

(Fortsetzung folgt!)