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Hmtag,2r. Dezember 1935

chtetzener Anzeiger (General-Anzelger für Gberhetzen)

Nr.3ül Drittes Blatt

Die

Aus der Provinzialhauptstadl

Ein Notruf der Wintervögel.

Oie Vogelältesten wenden sich an hilfsbereite Menschen.

Oie Geheimnummer des Königs.

Wer mit dem König von England telephonieren will, der braucht sich nur mit dem Buckingham- Palast verbinden zu lassen und dort ein bestimm­tes Stichwort zu nennen. Dann wird sich bald dar­auf Georg V. persönlich melden, und man kann sich unbehelligt mit ihm unterhalten. Das klingt sehr einfach, aber es birgt doch eine große Schwierig- feit. Nämlich das Stichwort! Dieses Wort wird nur den engsten Freunden des Königs bekanntge- qeben und zudem in jeder Woche ausgewechselt. Diese Erschwerung der telephonischen Verbindung mit dem König ist schon darum unumgänglich, weil sonst den ganzen Tag Anrufe kämen und dem Ko- nig keine Zeit für die Führung der Regierungsge­schäfte bleiben würde. So müssen alle Anliegen schriftlich an ihn gerichtet werden. Damit hat man zugleich einem Unfug gesteuert, der in London im­mer mehr um sich greift, nämlich dem Anrufen be­rühmter Männer und wichtiger Amtsstellen, denen man alsdann irgendeinen Unsinn erzählt oder gar wissentlich falsche Angaben über eine wichtige schwe- bende Angelegenheit macht. Man nennt dieses Be­nehmen, das offenbar schon eme Art Krankheit ge­worden ist, von der sich die Befallenen mir schwer freimachen können,Telephonomanie^. Die Postver-

Tausendmal hat unser Sang euch erquickt in Wald und Auen, wenn die Seele, schwer und bang, keinem wollte sich vertrauen.

Neue Hoffnung, Trost und Licht haben wir ins Herz gesungen und mit unserm Liedchen schlicht manches tiefe Leid bezwungen. Dankespflicht ist's, Sängerlohn, wenn ihr unsere Sorgen wendet, und für jeden süßen Ton eine Liebesgabe spendet.

Anna Mayer.

Vogelältesten in Oberhessen.

©er Epielplan der NS.-Kultur- gemeinde Gießen,Hing©eutscheBühne

Die NS.-Kulturgemeinde Gießen, Ring Deutsche Bühne, schreibt uns:

Am Montag, 30. Dezember, kommt als Ersatz für die ausgefallene Vorstellung:Cosi fan tutte vom 11. November die OperM a s k e n b a l l" von Verdi zur Aufführung. Musikalische Leitung: Paul Walter, Spielleitung: Intendant Schultze- Griesheim. Dauer von 20 bis 23 Uhr. Die Karten vom 11. November haben Gültigkeit für diese Vorstellung. Am Samstag, 4. Januar von 20 bis 22 Uhr Shakespeares heiterbeschwingteK o - mödie d e r Irrungen". Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten. Montag, 6. Ja­nuar geht von 20 bis 22.15 Uhr das Gesellschafts­lustspiel:Der Mann mit den grauen Schläfen" von Leo Lenz in Szene. Spiellei­tung: Hans von Spallart. Die Vorstellungen vom 4. und 6. Januar gellen als Dezembervorstellungen.

Am Samstag, 18. und Montag, 20. Januar, kom­men jeweils von 20 bis 23 Uhr als Vorstellungen der NS.-Kulturgemeinde die OperDer Waf­fenschmied" von Lortzing zur Aufführung. Mu­sikalische Leitung: Paul Walter, Spielleitung: Heinz Weiser. Samstag, 25. und Montag, 27. Januar jeweils von 20 bis 22.30 UhrD e r Stern von Sevilla" des spanischen Klassikers Lope de Vega. Spieleitung: der Intendant.

Für die Monate Februar und März sind folgende Werke vorgesehen:Krach im Hinter­haus", Lustspiel von Maximilian Böttcher;Die Fledermaus", Operette von Strauß oderD i e T a n z g r ä f i n", Operette von Stoltz;D e r

©er Führer

Das in diesen viereinhalb Jahren des Weltkriegs an unersetzlichem Heldenblut vergossen wurde, ist wirklich ungeheuer. Dan summiere alle die Hundert­lausende von Einzelfällen zusammen, in denen es wieder hieß: Freiwillige vor die Front, freiwillige Patrouillengänger, freiwillige Deldegänger, Frei­willige für Telephontrupps, Freiwillige für Brücken- Übergänge, Freiwillige für U-Boote, Freiwillige für Flugzeuge, Freiwillige für Sturmbataillone ufro. immer und immer wieder durch viereinhalb Jahre hindurch bei tausend Anlässen Freiwillige und wieder Freiwillige man sieht stets das gleiche Ergebnis: der bartlose Jüngling oder der reife Dann, beide von glühender Vaterlandsliebe, von großem perfön- lichen Dul oder höchstem Pflichtbewuhtfein erfüllt, sie meldeten sich. Zehntausend, ja hunderttausend solcher Fälle kamen vor, und allmählich wurde dieses Denschentum immer dünner und dünner, was nicht fiel, wurde größtenteils zu Krüppeln zerschossen."

Frontsoldaten der Nationalsozia­listischen Kriegsopferversorgung sammeln am 4. und 5. Januar 19 3 6 für das Winterhilfswerk!

Liebe deutsche Denschen!

Wir gefiederten Schädlingsfänger und Lieder- sänqer in Stadt und Land im deutschen Wald, in Feld und Hain wenden uns an euch mit der Bitte um Hilfe. Wir finden zwar vor man­chem Küchenfenster Futter liegen, und wir wissen auch, daß immer wieder die Ermahnung laut wird,

hungernde Vögel im wmter nicht zu vergessen. Viele Metzger schneiden beim Schlachtfest einen kräf­tigen Schweinenabel aus und knüpfen ihn an das Scheunentor, damit manche von unserer großen Vo- aelfamilie sich dort etwas Nahrung holen können. Andere Freunde auf dem Lande helfen mit Heu­samen und Nachfrucht unseren Kameraden aus der Sippe der Finken. So sehr wir für alle diese Liebe und Fürsorge dankbar sind, so nachdrücklich müssen wir doch bekennen, daß alle diese Hilfe noch nicht genügt. Das Hilfswerk für uns muß sorgsam und pünktlich organisiert werden, alle Menschen müssen es aber auch genau beachten. Dann werden die schweren Fehler vermieden, daß man uns ge­kochte Kartoffeln, frisches Brot, gesalzenen Speck und gewürzte Speisereste als Atzung darbietet. Wir älteren verzehren davon nichts, wir firtb durch Schaden klug geworden. Durchfall, Kolik und Ma­genschmerzen sind die Folgen solchen Genusses, und manches unserer unerfahrenen Kinder muß, von Hunger getrieben, sein junges Leben lassen.

Darum lieber gar nicht, als falsch füttern!

Sehr begehrt sind von den unseren Hanf, Son­nenblumenkerne und Mohnsamen. Die Hauptsache ist, daß das Futter w e t t e r s i ch e r dargeboten wird, und wenn ihr füttert, so besorgt es regel­mäßig, damit wir in der Not nicht vergeblich an die gewohnte, aber leere Futterstelle kommen. Das ist besonders wichtig, denn am schlimmsten wird unsere Not, wenn Glatteis, Wirbelschnee und

ein. Auch von dem Fang des Jahres 1933/34 kaufte Deutschland ca. 224 000 Tonnen und mußte rund 32 Millionen Mark dafür zahlen. Und nach einer Notiz in der Presse kaufte Deutschland von Nor­wegen aus der Fongperiode 1935/36 etwa 75 000 Tonnen Walöl. Die Flaggen aller großen und ver­schiedener kleinen Nationen wehten von den Masten der Walfänger, nur die Hakenkreuzflagge fehlte bisher!

In der bisher größten Fangsaison im Jahre 1931/32 wurden m der Antarktis fast 43 000 Wale gefangen. Im ganzen waren in dieser Saison 42 Walfangstationen mit ungefähr 300 Fangbooten beteiligt. Es wurden also rund 1000 Wale von einem Mutterschiff gefangen, die zusam­men 3,5 Millionen Faß Oel brachten. Das sind beinahe 600 000 Tonnen (6 Faß Oel auf eine Tonne). Damals kostete die Tonne Oel 25 Pfund Sterling, der Wert des Walöles war also um 15 Millionen Pfund oder rund 300 Millionen Mark. In der Saison waren etwa 8000 Menschen im Walfang beschäftigt, hauptsächlich Norweger; aroei Drittel der Schiffe fuhren unter norwegischer Flagge, dann kamen England, Amerika, Argenti­nien, Südafrika, Rußland, Japan und Chile. Nur Deutschland fehlte, und der größte Teil dieses Oels ging nach Deutschland.

Presse, daß man im Tromsö, also oben im Norden, dem Walfisch ein Denkmal bauen wollte, weil der Wal in den letzten Jahren in solchen Mengen auf­trat, das durch die Erträge die Stadt glänzend über die Krisenjahre hinweagebracht wurde. Der deutsche Kapitän Kraul, der den russischen Walfang lei­tet, hat in Kamtschatka und in der Beringstraße im letzten Jahr soviel Wale angetroffen, daß er inner­halb von sechs Wochen das Mutterschiff von 8000 Tonnen vollgefischt hatte. Also auch im Norden, wo man schon fast 500 Jahre hindurch Wale fangt, sind die Tiere noch nicht ausgerottet. Das Gebiet im nördlichen Eismeer ist aber nur etwa ein Zwan­zigstel so groß wie das im südlichen und in diesem kleinen Gebiet sind in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts von den verschiedenen Nationen bis zu 1400 Schiffe im Jahr auf Walfang gewesen. Damals konnte man es wirklich als Raubbau an­sprechen, weil man den Wal häufig nur der Barten wegen fing und alles andere über Bord warf. Aber trotz des damaligen Raubbaues ist der Wal nicht ausgestorben.

So viel Geld hat die Menschheit überhaupt nicht, daß sie in der Lage wäre, den Wal auszurotten, denn wenn er dezimiert würde, würde es sich nicht mehr lohnen, auf Fang zu fahren. Das kann aber in der unglaublichen Weite der Antarktis, auch bei intensivstem Fang noch jahrzehntelang dauern. Aber selbst, wenn der Mensch trotz des dann nicht mehr lohnenden Geschäfts den Walfang roeiterbetreiben würde, ist der Wal nicht auszurotten, weil er in den polaren Gegenden in größeren Mengen weit drin im Packeis sitzt, wo Menschen und Fahrzeuge nicht in der Lage sind zu fangen. Selbstverständ­lich sollen beim Fang Muttertiere und Junge geschont werden und es ist erfreulich, daß man jetzt internationale Vereinbarungen ge troffen hat, die für die Fanggebiete Schonzeiten be stimmen und das Schießen einiger Arten von Wa­len, die selten sind, ganz verbietet. Aber eine gere­gelte Jagd ist nicht nur notwendig, sondern wird in der heutigen Zeit für Deutschland sogar Lebens­bedingung.

In den Jahren zwischen 1720 bis zu den Napole­onischen Kriegen war Deutschland nebst Hol- land die größte Walfangnation. Bis zu hundert Schiffen gingen alljährlich von der Elbe, Weser und Ems nach Grönland, und die Nord- und Ostfriesischen Inseln stellten die Besatzungen nicht nur für die deutschen, sondern auch zum größten Teil für die holländischen und englischen Kolonien. Viele Millionen großer Reichtum ist damals durch ; den Walfang in die Hansestädte geflossen.

- Im Jahre 1930 führte Deutschland Walöl im ; Werte von nicht weniger als 90 Millionen Mark

Rauhreif alle Ritzen für unsere Schnäbelchen ver­decken und dicker Schnee liegt. Wenn wir bann nach 16 bis ISftünbiger Nacht am Morgen nach stundenlangem Suchen nichts für den Magen fin­den, erlahmen unsere Kräfte sehr bald der Hungertod tritt ein. Sehr beliebt sind in sol­chen Zeiten schwerster Not die Futtergeräte, auf denenAntispatz" geschrieben steht. Selbsttätig rutscht da der Hanfsamen nach, und wenn auch un­ser Kamerad Zwilch mit feinem dicken Schnabel keine Körner erhaschen Fann, fo kann er sich doch an den gewollt oder ungewollt fallengelassenen Bissen gütlich tun. In vielen Gärten finden wir das Futterholz und die Futterglocke, Futtergeräte, die die Kinder selbst anfertigen und mit den bekannten Futtermischungen ausgießen. Wer sich die Mühe der Futterbereitung nicht machen will kann ja auch für wenig Geld Futterringe zu kaufen bekommen. Bei der Herrichtung der Futterglocken nehmt bitte ein Weichholzstäbchen, damit wir unsere Krällchen leicht einschlagen können.

Auch der Ehrislbaum kann unserem Wohle dienstbar gemacht werden. Uebergiehl ihn nach nach dem Abschmücken mit einer Futtermischung von getrocknetem, gemahlenem Weißbrot, Hanf, Mohn, Dohnmehl, gequetschtem Hafer, Hirse, Sonnenblumensamen und Rindertalg der billige Pferdetalg ist, weil nicht festwerdend, un­brauchbar hierzu und stellt ihn ganz frei auf! Wollt ihr euch und uns gleichermaßen dienen, so legt an alle Bäume Jnsektenfanggürtel an! Diese nicht zu verwechseln mit den Leimringen, die im Herbst angebracht werden. Es ist übrigens nicht so, wie manche Besserwisser erzählen, daß wir beim Ablesen der Frostspanner Schaden nähmen. Die Fanggürtel sind zu Sommers Anfang anzulegen und bestehen aus Wellpapier, das so gut wie nichts kostet. In die offen Hülsen verkriechen sich den

liegen, daß seine Spitze nach der Türe weist, so wird ihnen das Glück im neuen Jahre hold sein.

In welchem Hause ist heute nicht die alte Sitte des Bleigießens zu finden! Flüssiges Blei wird in kaltes Wasser gegossen. Aus den mannigfaltigen Figuren, die nach dem Erkalten des Metalls ent­stehen, will man ersehen, was das neue Jahr an Gutem und Angenehmen bringt. Wer vom Silvester­essen bis zum Beginn des neuen Jahres Speisen aufbewahrt, dem wird es an einem gedeckten Tisch das ganze Jahr über nicht mangeln.

Vielerorts verbringt die Jugend den letzten Abend des Jahres in der Spinnstube, ober burchziehen ver­mummte unb verkleibete Gestalten unter Lärm bie Straßen. Dabei werben Feuerwerkskörper zum Entzünben gebracht. Man will bas neue Jahr an­schießen. Ursprünglich wollte man bie unheimlichen Mächte bes Geisterreiches vertreiben. Wer in ber Silvesternacht punkt 12 Uhr auf bem Friebhofe zu weilen wagt, an bem werben bie Seelen aller ber» jenigen Menschen in Leibesgestalt Dorüberroanbern, bie im tommenben Jahre aus bem Gottesacker zur letzten Ruhe gebettet werben. Nur ganz furchtlosen Menschen ist es möglich, biesem gruseligen Augen­blick stanbzuhalten.

Mannigfaltig finb bie Sitten in benZwölften in unserem Vaterlande. Wenn es irgendwie möglich zu machen ist, wird am Neujahrstage weder eine Apotheke, noch ein Arzt aufgesucht. Wer sich wäh­rend des beginnenden neuen Jahres bei steter Ge­sundheit erhalten will, der muß sich in einer Schüs­sel waschen, in der einige Geldstücke, gleich welcher Art, liegen. Vor allen Dingen muß das Haus in allen Winkeln unb Ecken vom alten zum neuen Jahre sauber sein. Ist Schmutz liegengeblieben, so wirb bas Haus währenb bes folgenden Jahres nie­mals gründlich rein fein.

waltung hat auf Hilferufe ber Anfchluhbesitzer hin, bie burch biefe anTelephonomanie" leibenben Leute immer wieder angerufen werden, eine Reihe vonTelephon-Detektiven" angestellt, die den gan­zen Tag damit beschäftigt sind, benTelephonoma. nen" auf bie Spur zu kommen. Die Beamten sind befugt, sich jeberzeit in jebe beliebige Telephonver­bindung einzuschalten, das Gespräch abzuhören unb bie Sprecher zu ermitteln. Wer bei einem solchen Täuschungsmanöver entdeckt wird, wird sofort ber Polizeibehorbe gemelbet, bie in enger Fühlung­nahme mit denTelephondetektiven" arbeitet. Die Schuldigen haben eine strenge Bestrafung zu er­warten.

Aufruhr um einenBiber"

Wenn bei uns die Vollbärte schon so selten finb, baß sie alsBiber" von einer befonberen Art von Sammlern" stets eifrig vermerkt werben, fo trifft man sie in ber Heimat ber glattrasierten Gesichter, in Englanb, noch viel seltener. Es gab sogar eine Zeit, in ber ein Bart in ber englischen Gesellschaft streng verpönt war. Das war im 17. unb 18. Jahr- hunbert, als im Gegensatz zu ben großen Haar­perücken ein glattes Gesicht geforbert würbe. Wer sich einen Schnurrbart stehen ließ, galt als eine unmögliche Erscheinung, unb wer auch noch bie Haare um Backen unb Kinn trug, galt als Sehens- roürbigfeit. Der Bilbhauer Permoser war z. B. ein solcher Sonberling, ber kein Messer unb keine Schere an sein Gesicht ließ, unb er hatte besroegen bie größte Anfechtung zu bestehen, ja, er sollte ein­mal sogar von ber erbitterten Menge gelyncht wer­den. In England waren es hauptsächlich Anhänger bestimmter Sekten, bie zuerst wagten, mit Bärten zu erscheinen. Als vor mehr als 100 Jahren tn Birmingham vier Männer, bie Anhänger ber Pro­phetin Johanna Southcott waren, mit Backenbär­ten sich auf ber Straße zeigten, folgte ihnen eine große Dolksmasse, unb es kam zu einem richtigen Aufruhr, bei bem bie Polizei eingreifen mußte. Die Anhänger ber Prophetin erklärten, baß sie bem Vorbilb ber Apostel mit ihrer Barttracht folgten. Das erste Mitglieb bes Unterhauses, bas im Bart zu erscheinen wagte, Muntz, hatte bamit einen schweren Stanb, unb er konnte sich nur vor Tätlich­keiten schützen, inbem er selbst als ein sehr starker Mann kräftig brauf loshieb. Er trug immer einen schweren Stock bei sich, mit bem er seinem Bart Achtung verschaffte. Im Jahre 1853 wagte es ber Pfarrer Edmunb Karken im Bart auf i x Kanzel zu erscheinen. Darüber war seine ".tneinbe fo empört, baß sie seine Absetzung verlangte, unb erst nach langen Verhanblungen, in bie bie Regierung eingreifen mußte, einigte man sich gütlich.

Zwischen den Jahren.

Noch klingen uns bie trauten Weihnachtsweisen in ben Ohren, noch ist bas Geläute ber Christ­glocken kaum verstummt, da eilen auch schon die letzten Tage des Jahres wie im Fluge dahin. Es ist jetzt die Zeit der sogenannten heiligen 12 Nächte, die mit Weihnachten begonnen haben und mit bem 6. Januar endigen. Die wichtigsten Tage in ben Zwölften" finb außer ben Christtagen Silvester unb Neujahr.

Von jeher war gerabe biefe Zeitzwischen ben Jahren", wie sie vielfach genannt wirb, reich an Volksgebräuchen, und der Volksglaube war nicht minder lebendig. Während dieser Tage werden ge­wisse Arbeiten, wie beispielsweise das Spinnen der Wolle, nicht ausgeführt.

Alte Leute beobachten heute noch das Wetter und dessen Verlauf in denZwölften" und wollen daraus auf die Witterung ber 12 Monate bes neuen Jahres schließen. In manchen Gegenden wirb bie Wettervoraussage burch ben sogenannten Zwiebel» falenber vorgenommen, inbem eine Zwiebel in 12 Teile zerlegt unb jeder mit Salz bestreut wird. Jedem Monat ist ein Stück zugeteilt. Schmilzt auf dem einen ober anberen Zwiebelstück bas Salz, d. h. wird es stark naß, so wird nach bem Glauben der betreffende Monat eine feuchte, ja nasse Witte­rung aufzuweisen haben.

An manchen Bräuchen, die hauptsächlich bei ber Jugend beliebt finb, will man bie Zukunft er­forschen. Gerabe bie Mäbchen im heiratsfähigen Alter möchten gerne erfahren, ob sie bald von einem jungen Manne zum Altar geführt werben. Am Silvesterabenb werfen sie zu biesem Zwecke mit bem Fuße einen Schuh rücklings über ben Kopf. Kommt ber Schuh babei so zu stehen oder

Stirbt der Wal aus? >

23on Kapitän Kircheiß. i

Die von ber Ersten Deutschen Walfang- ' A.-G., Wesermünbe, in Auftrag gegebenen ' fünf modernen Fangschiffe dürften im August/ September 1936 zur Ablieferung kommen. , Etwa zur gleichen Zeit dürfte auch der Um- . bau eines 14 0OO-Tonnen-Dampfers in eine Trankocherei beendet sein, so daß die Gesell­schaft im Herbst 1936 ihre erste Ex pedi- t i o n , bestehend aus dem Mutterschiff unb fünf Fangschiffen, nach der Antarktis aussen- ben kann. Im Hinblick auf biefe Presse­notiz finb bie Ausführungen bes bekannten Kapitäns K i r ch e i ß sehr bemerkenswert.

In ben letzten Jahren unb vor allem auch in ber letzten Zeit finbet man in ben beutfdjen Zeitun­gen und Zeitschriften sehr häufig Artikel mit grau­sigen Ueberschriften wieDie Tragödie der Wale oderRaubbau, der Wal stirbt aus!" und ähnliche. Meistens sind diese Artikel durch irgendeine Zei- tungskorrespondenz vom Ausland hinemlanciert. Es sind Schreckschüsse, die uns vom Walfang abhalten sollen. Aber es gibt auch Deutsche, die so etwas schreiben, sei es nun aus Gefühlsduselei oder aus Sentimentalität, jedenfalls sind alle diese Artikel unsachlich. Wenn man Derartiges lieft, muß man fast glauben, die Menschheit lebe in einem Paradies und es gäbe keinen Krieg, keine Hungersnot unb keine Fremdenlegion, sondern der Walfang fei das einzige blutige, mörderische Verbrechen.

Schon jahrelang werden in Oslo sämtliche Beob­acktungen ber Walfänger gesammelt unb von jebem Jahr wirb nach ber Fangzeit bas Ergebnis von ber Universität in Oslo verarbeitet unb in einem Heft zusammengestellt. In bem Heft 1934 steht wört­lich, daß man eine Abnahme ber Wale in ber Antarktis nicht feftftellen könnte unb baß man auf bem gelbe, bas jetzt zwei Jahr­zehnte am meisten befischt würbe, trvtzbem bie mei­sten Wale gefangen hat. Auch in ber Größe ber Wale ist keine Aenberung eingetreten.

Ich war selbst sowohl im süblichen als auch im nörblichen Eismeer beim Walfang. Es ist im süb- lichen Eismeer bisher niemals eine Abnahme ber Wale feftgeftellt worben. Wohl hat man ben Wal an bestimmten Stellen ber Erbe be^imiert, wie z. B. an der spanischen Küste, aber es ist noch nicht be­wiesen, ob es vom Adeschießen kommt ober badurch, weil bie Fische unb Krabbenschwärme, also bie Nah­rung bes Wales, sich von ben Küsten verzogen ha­ben. Im vorigen Jahr ging eine Notiz burch bie

ber vernichten ganze Schwärme Mücken und ande­res Ungeziefer. Unsere Schwalbenkameraden sind ben ganzen Sommer über hinter ben Fliegen her, bie euch Menschen unb bie Nutztiere bauernd quä­len. Piepmatz Bruder Star hält die Wiesenschnaken kurz unb lieft bie Engerlinge hinter dem Pfluge auf. Gönnt ihm barob gern ein paar Kirschen ober Zwetschen! Blaumeischens Schnäbelchen pickt Mil­lionen Schildläuse von den Bäumen ab, und unser Friihauf Rotschwanz räumt gewaltig unter den Dämmerschmetterlingen und Motten auf. Wie weiß ber Bauersmann Ackermännchens (Säuberungsar­beit in den frisch gepflügten Furchen zu würdigen! Und die Nutzarbeit unserer Ammern, Pieper, Bach­stelzen, Fliegenschnäpper, Wiesenschmätzer, Baum­läufer, Goldhähnchen, Laubvögel und Zaunkönige!

Der von euch Menschen wüßte nicht die Lie­der unserer Gesangesfreunde zu schätzen! Wie­viel Mal schon mag dasSpih-die-Schar" ein schwergeprüftes Herz aufgemuntert, das Tiri- (iriir dem Lebensschwachen neuen Mut, das Widiwidiwidschi" dem hoffnungslos kranken ein fünftes Lächeln über bas Gesicht gezaubert haben! Nicht zu vergessen ben vielstimmigen Chor aller anderen geftederten Sängerbrüber!

Sommer und Herbst über allerlei Kerfen, vor allem die Larven des Apfelwicklers, die bas Obst wurmig machen, um sich zu verpuppen. Mit unfehlbarem Spürsinn finden unsere Meisen- und Spechtkame- raden diese Futterquelle bald auf und hacken die feisten Bissen mit großer Geschicklichkeit heraus.

Legt alle Futterptähe so an, daß sich unsere grimmigsten Feinde, die Katzen, nicht unbe­merkt heranschleichen können! Wenn in der Nähe Gebüsch vorhanden ist, laßt das Laub liegen, damit ein Rascheln beim Kommen ver­nehmbar ist! Liegt Schnee, fo legt einige Dor­nen recht krackeiig über das Samenfutter!

Beim Anlegen von Hecken vergeßt nicht solche Sträucher, die Beeren und sonstige Früchte zeiti­gen! Es sind Heckenkirsche, Weißdorn, Wildrose, Wacholder, Holunder, Schneebeere und Pfaffen­hütchen. Hier ist auch bei ungünstigster Witterung etwas zu holen.

Groß ist bekanntlich die Wohnungsnot vieler un­serer Sangesbrüder. Hängt darum jetzt Nisthöh­len auf, bie sich leicht aus hohlen Fichtenprügeln herstellen lassen! Wie mollig läßt sich barin über­nachten, wenn ein eisiger Ost daherbraust! Auch eil) Brettchen unter der Firste oder dem Durchzug der Torfahrt angebracht, bietet eine gute Über­nachtungsstätte.

Alle bie Wohltaten, um die wir für uns bitten, werden euch hundertfältig belohnt werden. Was würdet ihr ernten ohne uns? Verzehrt doch eine einzige unserer Meisenfamilie im Laufe eines Jah­res Millionen von Kerfeneiern und Tausende Lar­ven und Puppen der verschiedensten Garten-, Obst- und Forstschädlinge. Frau Grasmücke und ihre Kin-

Die Kinder, bie sonst an Weihnachten ihre Ge­schenke, ihr Christkinbchen, holen, verschieben in vielen Gegenben heute noch biesen langersehnten Besuch bei Paten unb Goten auf ben Neujahrstag, um ihrNeujährchen" in Empfang zu nehmen, wo* bei sie zugleich auch bie Glückwünsche zum neuen Jahre aussprechen.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Stabttheater: 15 bis 18 UhrDer kleine Muck"; 19.30 bis 22.30 UhrMaskenball". Gloria- Palast (Seltersweg):Krach im Hinterhaus". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Ich war Jack Mor­timer".