Ausgabe 
26.8.1935
 
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Nr. 198 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Montag, 2b. August (935

Oie Leistungsschau

-erRhein-Mainischen Wirtschaft".

Oie feierliche Eröffnung.

Frankfurt a. M., 24. Aug. (LPD.) Unter außerordentlich starker Beteiligung es waren etwa 1500 geladene Gäste anwesend fand heute Vormittag die offizielle Eröffnung der gro- Ken Leistungsschau der rhein-rnaini- schen Wirtschaft statt. In Vertretung des Reichswirtschaftsministers, Reichsbankpräsident Dr. Schacht war Ministerialdirigent Hagernann vom Reichswirtschaftsministerium erschienen. Vertreten waren ferner zahlreiche Länderregierungen und ins­besondere stark die Industrie und das Handwerk, die Landwirtschaft, die Versicherungen und das Kredit- wesen. Erschienen waren weiter fast sämtliche Mit­glieder der Gauleitung mit Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger an der Spitze, die Ober- bürgermeister und Bürgermeister fast sämtlicher Städte und die Landräte aller Kreise im Rhein- Main-Gebiet, Präsidenten der Reichsbahndirektionen und der Oberpostdirektionen, Rektoren der Univer» sitäten und der Technischen Hochschulen, die Präsi­denten der Industrie- und Handelskammern Außer­dem waren vertreten fast sämtliche Konsulate aus- ländischer Staaten im Rhein-Main-Gebiet und die zwischenstaatlichen Handelskammern.

Mit der Festouvertüre von Franz Schubert wurde die Feier eingeleitet. Dann sprach der Vizepräsident des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages,

Or. Niecz.

Er begrüßte die Ehrengäste, besonders aber den Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, der an dem Zustandekommen der Leistungsschau der Rhein-Mainischen Wirtschaft außerordentlich großen Anteil genommen habe: dafür sprach ihm Dr. Riecz herzlichen Dank aus. Nach weiterer Begrü­ßung der Vertreter der Reichs-, Staats- und kom- munalen Behörden, der Wehrmacht, der Gliede­rungen der Partei und der ausländischen Staaten, und der zwischenstaatlichen Handelskammern ging der Redner auf die große Bedeutung des rhein- mainischen Wirtschaftsbezirkes für die gesamte Volkswirtschaft ein. Zum Schluß betonte Dr. Riecz, die Veranstalter und Ausstellungsleiter hätten die Hoffnung, daß mit dieser Ausstellung ein weiterer tragfähiger Baustein zum Wiederaufbau der rhein- mainischen Wirtschaft und darüber hinaus der deut­schen Volkswirtschaft gelegt sei.

Reichsstatlhalier Gauleiter Sprenger eröffnete anschließend die Ausstellung mit einer An- spräche. Der Gauleiter ging zunächst auf die Ver- hältnisse ein, die man bei der Machtübernahme auch in unserem Gebiet oorfand und schilderte dann die angestrengten Maßnahmen, die man insbe- londere zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ergriff, von allen den Tausenden, die durch die öffenl- tich-rechllichen Arbeilsbeschaffungsmaßnahmen wieder in Arbeit kamen, feien neue Kräfte in der freien wirtschaft nachgezogen worden, denn die da arbeiteten, hätten sa nicht nur Geräte benötigt, fondern auch Bedarfsartikel auf allen möglichen Gebieten. Die Privatinitiative sei erneut geweckt worden, und jede behördliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme habe Arbeits­beschaffungen der freien Wirtschaft nach sich ge­zogen. Langsam und zäh gewinne die wirt­schaft unseres Gebietes durch Leistungen mehr und mehr an Boden. Der Erfolg der Ver­gangenheit, der bewiesen habe, daß die Ar­beit der Ausgangspunkt der wirtschaft

sein müsse, weise uns den weg, den wir weiter­gehen müßten.

Reben den großen Aufgaben, die uns die Reichs­regierung zeige, müßten alle Behörden im Rahmen ihres Aufgabengebietes und im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel alle Arbeitsbeschaf­fungsmöglichkeiten ausschöpfen. Die schöpferische Kraft aller im freien Beruf Tätigen müsse jede Gelegenheit suchen, der deutschen Arbeit den Weg zu bahnen.

Der Führer habe am 6. Juli 1933 gesagt, daß in der Wirtschaft nur das Können maßgebend sein dürfe. Dieses Können müsse immer erneut unter Beweis gestellt werden. Das sei auch der Sinn und Zweck dieser Ausstellung.

Gauleiter Sprenger ging dann auf die Aus­stellung selbst ein, die, wie auch er betonte, die um­fangreichste Schau sei. Niemals habe selbst eine Frankfurter Messe diese Gröhe erreicht.

Der Sinn dieser Ausstellung sei bewußt nicht der einer Verkaufsmesse irgendwelcher Jndustrie- erzeugnisse, sondern die Ausstellung solle Zeug­nis ablegen davon, was zu erreichen fei, wenn alle Glieder, die irgendwie mit wirtschaft zu tun haben, in nationalsozialistifcher Weltanschau­ung und durchdrungen von dem Geiste der Volksgemeinschaft sich zusammenfinden und jeder fo handele, als ob von ihm und feinen Taten das Schicksal des ganzen Volkes abhinge.

Der Gauleiter dankte dann den Gestaltern dieser Gemeinschaftsausstellung, indem er gleichzeitig be­tonte, daß das Werk die Arbeit gelohnt habe. Nicht minderer Dank gebühre allen Ausstellern, die im edlen Wettbewerb, jeder an seiner Stelle, das Beste zu leisten versuchten.

Auf das Werk, das hier stehe, dürften die, die daran mitgewirkt haben, mit stolzem Selbstbewußt- fein blicken. Gemeinsam müsse man auf dem be­schrittenen Weg weitergehen.

Jeder Deutsche müsse an dem großen Werk des Führers, die Erhaltung der Art des deutschen Volkes flcherzustellen, Mitarbeiten. Die behörd­liche Arbeitsbeschaffung, besonders aber der be­hördliche Auftragsnachweis könne keine Dauer­einrichtung fein. Die Velrlebsführer mühten wieder selbst Wege finden, die den Betrieben die Aufträge zuführen.

Die Rhein-Mainische Wirtschaftsschau", so schloß der Gauleiter,ist bestimmt, uns alle anzuspornen, den Angriff auf die Zahl der letzten hunderttausend Erwerbslosen vorzutragen. Bauern und Arbeiter, Betriebsführer und Gefolgschaft, alle wollen wir gemeinsam weitermarschieren, unsere Arbeit in d^n Dienst des Volkes stellen unter dem alten Hochziel des Führers

Gemeinnutz vor Elgennuhk

Die Ausstellung ist eröffnet: ich übergebe sie der Obhut der Stadt Frankfurt a. M."

Bürgermeister Onder Frankfurt

dankte dem Garleiter dafür, daß Frankfurt die große Leistungsschau der rhein«mainischen Wirt­schaft in seinen Mauern beherbergen dürfe, und gab dann ein anschauliches Bild von Frankfurt als Messestadt, die sich auch jetzt wieder dieses Titels als würdig erweisen werde.

Ministeriaw rekior ßaa monn betonte darauf, daß Reichswirtschaftsminister, Reichsbankpräsident Dr. Schacht sehr gerne nach

Frankfurt zur Eröffnung dieser Ausstellung gekom- men wäre, leider sei er aber sehr unpäßlich gewor­den. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ausstellung weiter zur Bekämpfung der Wirt­schaftskrise beitragen werde zum Wohle des deut­schen Volkes und Vaterlandes.

Schließlich sprach noch der Präsident des Rhein- Mainischen Industrie- und HandelstagLS

Professor Dr. Luer.

Der Redner sprach über die wirtschaftliche und po- litische Bedeutung des Rhein-Matn-Gebietes und sagte u. a.: Wir haben das feste Vertrauen, daß der Nationalsozialismus unseren raumwirtschaftlichen Notwendigkeiten auch weiterhin in folgerichtiger Entwicklung praktische Anerkennung verschaffen

wird. Wir werden eine blühende Wirtschaft und eine zufriedene, in sich gefestigte Volksgemeinschaft nur dadurch fördern und erhalten können, daß wir

das Trennende überwinden und das Gemein­same in den Vordergrund stellen.

Ein geschlossenes, einheitliches Streben aller Kräfte wird höhere Aufgaben zu lösen und größere Lei­stungen zu volloringen vermögen, als es den einzelnen Teilen gegeben ist. Die Einheit unseres rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes soll uns rich­tungweisend sein.

Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel- Lied endete die Eröffnungsfeierlichkeit. Gleich nach der offiziellen Eröffnung setzte ein starker Besuch dec Ausstellungshallen ein.

Vom Sommerschlaf der Tiere.

Ein interessantes naturwissenschaftliches Kapitel.

Die Tatsache, daß manche Tiere während des Winters in einen schlafähnlichen Zustand verfallen, ist allgemein bekannt. Da gibt es Säugetiere, wie die Murmeltiere, Siebenschläfer und Igel, die sich den Unbilden des Winters und seinem Mangel an Nahrung einfach durch einen Dauerschlaf ent­ziehen; Bären, Dachse und Fledermäuse wachen hin und wieder einmal auf, um sich umzusehen, ob nicht bald der Frühling kommt. Auch Schlangen, Eidech­sen unid manche tfifd)e wie der Karpfen können sich in einen solchen schlafähnlichen Zustand flüchten, bei dem Atmung und Herztätigkeit stark herabge­setzt sind. Die Tiere suchen sich dann geschützte, oft sorgfältig für diesen Schlaf vorbereitete und aus- gepolsterte Stätten in Baumstämmen, Erdhöhlen und dergleichen und zehren von den Reserven, die sie in ihrem Körper für diese Schlafperiode ange­sammelt haben.

Weniger bekannt ist aber, daß es zu diesem Win­terschlaf im Tierreich ein Gegenstück in einem Sommerschlaf gibt, in dem manche Tiere die heiße Sommerszeit, die ihnen unbehaglich oder gar gefährlich werden könnte, einfach verschlafen. Dieser Sommerschlaf der Tiere ist ebenfalls eine Reak­tion der Lebewesen auf Temperaturen in diesem Fall auf hohe die ihnen ungünstig sind. Beson­ders sind es tropische Tiere, die in der heißen Jahreszeit in einen schlafartigen Zustand versinken, dazu allerdings mehr durch die Trockenheit als durch die Hitze getrieben. Es handelt sich um kleine Säugetiere, Reptilien, Fische, Insekten, Mollusken, die sich durch den Schlaf gegen schädliche Einflüsse von außen gleichsam abschließen können. Manche von ihnen verkriechen sich in den Schlamm, um erst nach geraumer Zeit wieder hervorzukommen und ihre alte Lebensweise aufzunehmen.

Aber auch in Europa finden sich Salaman­der, die das Beispiel ihrer tropischen Artgenossen nachahmen, und Schnecken, die ihre Gehäuse während der heißen und trockenen Jahreszeit mit einem Schleimdeckel verschließen. Dieser Einfluß des Temperaturwechsels auf die Tiere und diese Art eines Sommerschlafes, der ebenso regelmäßig all- jährlich wiederkehrt, wie es der Winterschlaf tut, war schon Humboldt bekannt, und andere For­scher haben nach ihm das Vorhandensein dieser zweiten Art von Dauerschlaf in der Tierwelt be­stätigt.

Die A l l i g a t o r en in den Flüssen Südameri­kas boten das erste Anschauungsmaterial zur nähe­ren Untersuchung dieser eigenartigen Erscheinung. Auch bei den Krokodilen der Nilländer, sowie bei den Schlangen und Eidechsen im Sudan konnte man feststellen, daß sie die trockene Jahreszeit in einer schlafähnlichen Betäubung verbringen, vor deren Eintritt sie sich tief in die Erde eingraben. In den Tropen kann man auch beobachten, daß Frösche, Kröten und Schildkröten in einer Art Toten­starre viele Monate im Uferschlamm oder im trockenen Erdreich verharren.

Am eigentümlichsten ist das Verhalten der Cun­

grafische in Zentralafrika und Paraguay, die sich mit viel Geschick auf einen sieben bis neun Monate dauernden Sommerschlaf einrichten. Sie stellen sich kunstreich Schlammklumpen her, die innen ausgehöhlt und mit den Schleimsekreten ihrer Haut­drüsen abgedichtet sind. Ein enger Gang, der aus der kunstreich verfertigtenSommerwohnung" aft die Oberfläche führt, gestattet der Atemluft den Zu- gang. Man hat solche im Trockenzustand erstarrte Lungenfische mit den harten Erdklumpen viele hun­dert Kilometer weit verschickt, ohne sie in irgend­einer Weise zu präparieren. Wenn man sie alsdann unter fließendes Wasser hielt, so kamen die Fische zum Vorschein und erwachten wieder zur vollen Lebenstätigkeit.

Auf europäischem Boden ist besonders der Bril­lensalamander als Sommerschläfer bekannt. Er liebt die feuchten Wintermonate mehr als die heiße Sommerszeit und versinkt darum in einen tiefen Schlaf, aus dem ihn erst die Herbstwinde wieder erwecken. Eine im Mittelmeergebiet vorkom­mende Weinbergschnecke verschließt einfach ihr tragbares Haus durch eine Art gewölbten Por­zellandeckels. Es soll sogar beobachtet worden sein, daß in Gegenden, wo ein solcher Sommerschlaf in der Tierwelt im allgemeinen unbekannt ist, in einem besonders heißen Sommer einige Tiere in eine Trockenstarre verfielen, die sich nur als Som­merschlaf erklären läßt, denn bei kühlerer Witterung erwachten sie wieder ohne irgendwelche schädlichen Nachwirkungen und entsprachen wieder ihren bis­herigen Lebensbedingungen. Jedenfalls gehört der Sommerschlaf zu jenen seltsamen Vorgängen im Tierreich, die uns noch viele Rätsel aufgeben.

C. K.

Rundfunkproqramm.

Mittwoch, 28. August.

6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk. Humor in der Oper. 11.45: Bauernfunk. 12: Mit- tagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nach­richten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskon­zert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. 15.15: Heimatfest am Hochrhein: Bei der Walds- huterChilbi . 16: Nachmittagskonzert. 18: Aus Zeit und Leben: Lautsprecher der Wissenschaft. Aus der Forschungsarbeit des Baineologischen Instituts in Bad-Nauheim. 18.30: Reichswettkampf der SA. Hörberickt 6, Gruppe Kurpfalz. 18.45: Saardienst. Ein Besuch der Braunen Messe in Neunkirchen. Funkbericht. 19: Pfälzer Kunterbunt. Ein lustiges Bilderbuch. 19.40: Das Leben spricht. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichsfenders Frankfurt. 20: Nach­richten. 20.15: Stunde der jungen Nation:Das Bild der deutschen Frau". 20.45: Bunte Stunde. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sende­bezirk, Sportbericht. 22.15: Olympia-Dienst. 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 2: Nachtmusik.

Moltke.

Äon JRoberf Hohlbaum

Moltke gehört zu jenen füllen verschloßenen Deutschen, deren Leben sich hinter ihrem Werke verbirgt. Von Goethe, von Schiller, von Bismarck ist uns auch jeder persönliche Zug nahe und be­deutungsvoll vertraut, wir können das' Leben Wagners bis in feine letzten Einzelheiten verfolgen, von Moltke weih selbst der historisch Gebildete nicht viel mehr, als daß er ein großer Feldherr war und die bedeutungsvollen Kriege 1866 und 1870 gewann.

Seltsam, daß er, den man immer für einen Ur- preußen hält, ursprünglich dänischer Leutnant war. Es kostete ihn einen schweren Entschluß, diesen Dienst zu quittieren und in preußische Dienste zu treten. Wir Heutige erkennen, von welcher Folgen­schwere dieser Entschluß war, nicht nur für Moltkes Leben, sondern für die ganze deutsche Armee, noch mehr, für das ganze große Deutschland. Er hatte in der Jugend eine schwere Schule durchgemacht. Sein Vater, ein schneidiger und glänzender Kavalier, war ein Verschwender, und an diesem abschrecken­den Beispiel läuterte sich Moltke schon in früher Jugend zu jenem besonnenen, auf alles bedachten und peinliche Ordnung in seinen Geschäften halten­den Manne, der er blieb und der auch den be­sonnenen und alles genau erwägenden Strategen fo günstig beeinflußte.

Napoleon und die Marschälle des französischen Kaiserreiches errangen ihren höchsten Ruhm in jungen Jahren. Die Deutschen weisen einen ent­gegengesetzten Typus auf, den gereiften, ja manch­mal schon im Greisenalter stehenden Feldherren. Gneisen au war ein schon in hohen Mannes­jahren stehender Offizier, als er die verdiente An­erkennung gewann, Blücher, ebenso wie Ra­detzky, Hindenburg, Conrad v. Höhen- d o r f f waren Greise, wunderbare Greise von einer Lebenskraft, um die sie mancher Jüngere beneiden konnte. Ihnen gesellt sich Moltke zu.

Sein enffcheidendes Erlebnis ist seine Komman­dierung in den Orient, nach Konstantinopel, Klein­asien, Aegypten, und die Teilnahme an dem großen Orientkriege dieser Zeit. Hier weitete sich sein Blick, hier lernte er vor allem an den Fehlern der ande- ren, wieman es nicht macht". Was immer wich- tiger ist als das Posittve ein berühmter Schau­spieler sagte einmal zu seinem Schüler:Ich kann dich nur lehren, was du auf der Bühne nicht machen sollst, was du machen sollst, kann dir nur Der liebe Gott sagen" um wieviel mehr gilt dies auf dem Schlachtfeld! Er kehrte reich an Erfcchrun- gen zurück und kam in den Generalstab. Aber

dieser hatte damals noch lange nicht jene Bedeu­tung, wie später, die hat ihm erst Moltke in jahr­zehntelanger zäher unerschütterter Arbeit und Mühe errungen.

Nur die Eingeweihten, sein nächster Mitarbeiter- stab wußten feinen ganzen Wert zu erkennen, er drängte sich nie vor, ja, er schien ganz frei von persönlichem Ehrgeiz zu sein, denn oft erwog er ganz ernstlich den Entschluß, den Dienst zu quit­tieren, und in feinen vertrauten Briefen kehrt im­mer wieder die Aeuherung der Sehnsucht, fern dem Getriebe der Welt, in der Einsamkeit, aus einem Stückchen felbfterroorbenen Bodens feine Tage zu beschließen. Der dies sprach, das war der Dichter in Moltke, jawohl der Dichter. Richt alle wissen, daß er einer der größten Meister des deutschen Stils war, noch wenigere, daß er zum Beispiel eine der bedeutendsten musikalischen Novellen in deutscher Sprache geschrieben hat, eine Paganim- Novelle, die den damals so berühmten Geiger in den Mittelpunkt einer spannenden Handlung stellt, eine Novelle, die sich ruhig neben das Größte stellen kann, was wir auf diesem Gebiete besitzen, neben E. T. A. Hoffmann und Mörike.

Selbst die Arbeit, die er im dänischen Kriege leistete, war eine sehr stille und unbedankte, erst der Krieg gegen Oesterreich stellte ihn auf den weit­hin sichtbaren und beleuchteten Posten, machte ihn mit einem Schlage zu einem der populärsten Namen der Zeit. Sechsundsechzig Jahre alt war er, als er dies erreichte, fein Gegner Benedek, der österreichische Haudegen, war schon längst eine internationale Größe.

lieber fein strategisches Werk, das in dem Sieg van Königgrätz gipfelte, ist viel gestritten und ge­schrieben worden, man hat feinen Ruhm verkleinern wollen, indem man nachzuweifen bestrebt war, daß er eigentlich zuviel wagte, daß der GrundsatzGe­trennt marfchieren, vereint schlagen", der feit Moltke fo volkstümlich geworden ist, feine große strategischen Gefahren barg, daß, wenn die Oefterreicher rascher vorgerückt wären, er in eine üble Lage gekommen wäre und dergleichen mehr. Das alles ist natürlich müßig. Er hat's eben gemacht, das muß uns genug fein, Denn im Leben und in der Geschichte entscheidet fchließlich der Erfolg, den eine höhere Macht lenkt, als der Menschengeist. Freilich hat er auch in diesem Kriege noch gelernt und nach allgemeinem Urteil ist er erst im Kampfe gegen Frankreich der ganz große Feldherr geworden.

Heber diesen Krieg zu sprechen ist überflüssig, feine Geschehnisse sind so ins Bewußtsein der Nation ein- gegangen, daß jeder Deutsche wohl über die Groß­taten, die Belagerungen von Straßburg und Metz, die Siege von Dionvllle, Saint Privat und Sedan, bit Einnahme von Paris, unb nicht zuletzt, die

großartigen Winterschlachten, Bescheid weiß. In einem Monat rang Moltke ein Kaiserreich nieder, in einem halben Jahre brach er den Widerstand eines ganzen Volkes, mit dem man gewiß am Anfänge nicht in diesem Ausmaße gerechnet hatte. Hier ernte­ten er und Roon, der geniale Kriegsminister, die Früchte langer hartnäckiger Friedensarbeit, hier zeigte sich die von alten Haudegen so verspottete Arbeit amgrünen Tisch" in ihrer ganzen Notwen­digkeit und Größe. Die ungeheure Pünktlichkeit, mit der alle Züge ausgeführt wurden, die Bildung, mit der Moltke bestrebt war, den letzten Grenadier, Reiter und Kanonier zu erfüllen, die wies hier ihre große, überwältigende Ueberlegenheit, und nicht um­sonst sagte man später, der deutsche Schulmeister hätte diese großen Kriege gewonnen. Dor allem aber gewann sie die deutsche Pflichttreue, die phra- fcnlofe Einsetzung der Persönlichkeit für eine große Sache. Darin gab Moltke ein unerreichtes Beispiel. Seine Person stellte er ganz in den Hintergrund. Den Siebzigjährigen, der auf fein Privatleben feit dem Tode feiner geliebten Gattin fo gut wie ver- zichtet hatte, den bewegte kein Ehrgeiz mehr, der war nichts als ein Mann getreuester Arbeit, ein Diener am großen Werk.

Und damit eine Persönlichkeit, die nur aus deut­schem Boden erstehen konnte, die weit über ihr engeres Fachgebiet hinauswächst, in die höchsten Regionen der deutschen Geistesgefchichte. Es gibt keinen Feldherrn einer anderen Nation, der sich mit ihm in dieser Hinsicht vergleichen läßt. Und so ist er uns kostbarster Besitz und eine der leuchtendsten Heldengestalten der deutschen Geschichte.

Eine ssenenbekannlschast des Atten Fritz.

Aus dem Nachlaß des Hofmarschalls Joseph Friedrich v. R a ck n i tz , der ein Freund Goethes war, hebt Dr. H. o. ßangermann einen Schatz von Briefen, die Friedrich der Große an Frau v. Räcknitz, geborene Gräfin Flemming, ge­richtet hat.Die kleine Schatzmeisterin", wie er sie scherzend nannte, hatte er als junger Kronprinz am Hofe Augusts des Starken kennengelernt, und sie war es gewesen, ine ihm die erste Flöte als Ge- fchenk des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs verschaffte. In den Stürmen der Schlesifchen Kriege hat Friedrich sie wiedergesehen, uri) da sie ihre Güter mehrfach gefährdet sah, hat sie die Be- kanntschaft mit dem König benützt, um sich Er- leichterungen und Entschädigungen zu verschaffen. Der französisch geführte Briefwechsel zeigt Friedrich den Großen ebenso ritterlich wie geduldig. Nur einmal, nach der Niederlage von Hochkirch, vermag er ihre Bitten nicht zu erfüllen, fonbern weist sie

darauf hin:Wenn Sie den Zustand meines von den Feinden besuchten Landes kennten, wenn Sie das Land jenseits der Elbe sähen, wo die Oester- reicher gewesen sind, so würden Sie selbst finden, daß sich damit die Lage Ihrer Dörfer und Leute nicht vergleichen läßt." Doch nach Jayren endet der Briefwechsel in der alten Freundlichkeit und wird nun im Septemberheft von Delhagen & Kla - sings Monatsheften als ein Denkmal der menschlichen Liebenswürdigkeit des großen Königs veröffentlicht. Uebrigens treten mit diesem Septemherheft Delhagen & Klasings Monatshefte in ihren 50. Jahrgang. Er wird besonders festlich ausgestaltet, und sein Beginn zeigt, wie mannig­faltig, wie anregend, wie kostbar Inhalt und Form der Zeitschrift auch im zweiten Halbjahrhundert ihrer ruhmvollen Laufbahn sind und bleiben werden.

Gippenforschuna und Namenkunde.

Professor Dr. Alfred G ö tz e, der Germanist unse­rer Landesunioersttät Gießen, teilt inForschungen und Fortschritte" u. a. mit: Wie Sippenforschung und Namenkunde Hand in Hand arbeiten sollen, läßt sich beispielhaft an dem Namen unseres Führers und Reichskanzlers zeigen. Die Vorfahren des Kanzlers haben sich H i e d l e r ge­schrieben; die Urkunden des Geschlechts zeigen, daß es aus Wa 11erschlag stammt, einem Dorf bei Weitra im niederösterreichischen Waldviertel, nicht weit von der böhrnifchen Grenze. Hier lassen sich die Hiedler Glied unf Glied zurückverfolgen bis kurz vor 1700. Vereinzelte Angaben vorher geltendem be- schaiden Hannsen Hydler und Anna seiner haus- fraron" am 12. Mai 1435 und am 15. März 1450, beidemal in Raabs an der Taya im oberen Wald­viertel Niederösterreichs. Ob in dem Ehepaar Vor­fahren Adolf Hitlers zu sehen sind, hat die Sippen­forschung noch nicht erweisen können, wie denn die Angaben auf namenkundlichem Wege gewonnen sind. Die Namensforschung hilft aber noch weiter: sie lehrt, daß die ersten Hitler als Einwanderer von der Salzach ins Waldviertel ge­langt sind. Das bei Hallein und Salzburg gewon­nene Salz wurde im Mittelalter auf Zillen den Fluß hinab verfrachtet. Die Hauptmasse ging über Passat ins Donauland, ein Teil wurde zur Versorgung der Orte an der Salzach unterwegs den Schiffen ent­nommen und bei Laufen in Hütten aufbewahrt. Verkauf und Abrechnung lagen dem Hüttier ober Hitler ob, den wir aus falzburgifchen Schiffordnun­gen urkundlich kennenlernen. Zur Aufklärung bei Namens unb ber Verhältnisse, aus benen er ent­sprungen ist, bebarf hier bie Sippenforschung ber Namenkunbe unb fo ist es immer.