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Ur. 250 Zweites Blatt

Tiestener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag. 2;. Oktober (W

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Der Direktor der Deutschen Golddiskontbank, Rudolf Brinkmann, hat kürzlich in einer Sitzung der Bezirksgruppe Westfalen der Reichs- gruppe Industrie bemerkenswerte Ausführungen über die Zukunft des Außenhandels und der De­visenversorgung gemacht Er ging dabei von der Feststellung aus, daß derReue Plan" zwar unbequem sei, aber gleich einer bitteren Medizin günstige Wirkungen erzielt habe. Einen Uebergang von diesemNeuen Plan" zu einem staatlichen Außenhandelsmonopol aber, der von manchen Kreisen vorgeschlagen wird, lehnte Direktor Brinkmann entschieden ab. Er for­derte zwar eine stärkere Rücksichtnahme des privaten Handels auf die allgemeinwirtschaftlichen Notwen­digkeiten. Der Staat will sich aber auch in den Fragen des Außenhandels darauf beschränken, die private Wirtschaft zu lenken und zu beauf­sichtigen, weil gerade in der gegenwärtigen schmierigen Lage des Außenhandels die Beweglich­keit und das kaufmännische Geschick des privaten Wirtschaftsführers nicht entbehrt werden kann Der Referent wies ferner darauf hin. daß das Wirt- schaftsministeriüm seinerseits bemüht sei, die De­visenbewirtschaftung zu vereinfachen, die Papierflut einzudämmen und der privaten Wirtschaft beratend und helfend zur Seite zu stehen. Aus der Entwicklung des deutschen Außenhandels in den letzten Monaten zog Direktor Brinkmann Den Schluß, daß der Neue Plan mehr und mehr zu den erstrebten Erfolgen führen werde und wies nach, daß die bisherige Besserung des Außenhan­dels nicht etwa auf eine Verschleuderung deutscher Waren zurückzuführen ist, da man hiergegen wirk- lame Maßnahmen ergriffen habe und weiter er­greifen werde.

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Einen wichtigen Teil des deutschen Arbeitsbe­schaffungsprogramms bildet der Ausbau unse­rer B i n n e n s ch i f f a h r t s st r a ß e n. Wie Mi- r,üsterialrat Dr.-Ing. W. Gährs in derZeitschrift sür Binnenschiffabrt" darlegt, ist das Ziel dieses Programms die Schaffung eines geschlossenen lei­stungsfähigen deutschen Wasserstraßennetzes. Im ganzen handelt es sich insgesamt um 16 größere Ausbaumaßnahmen, von denen 4 noch im Jahre £035 sertigaestellt werden sollen darunter die Neckarkanalisierung zwischen Mannheim 'nd Heilbronn. Der Ausbau der Oder wird noch ?twa 4 bis 5 Jahre, der der Elbe insgesamt 8 Jahre n Anspruch nehmen. Von den weiteren Prosekten verdient vor alle der Ausbau der Werra- Schiff­ahrtsstraße Erwähnung, der eine d i r e k te Ver­bindung von Bremen zum Main und ' u Donau schaffen soll. Zunächst sollen 67,5 Millionen Mark für die Werra-Kanalisierung in ^en Reichshaushalt eingestellt werden. Die Bauzeit wird etwa 8 Jähre betragen. Wie groß die Be- d-utung d-'s Ansbo''"s der Binnenwasserstraßen Tir den deutschen Arbeitsmarkt ist, geht daraus deutlich hervor, daß schon für die bisher beschlosse­nen Ausbaumaßnahmen 900 Millionen Mark aufge­wendet werden sollen, und zwar in der Hauptsache für Arbeitslöhne.

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Die Auswirkungen des italienisch-abessinischen Krieges machen sich in den verschiedensten Zw-igen ier Weltwirtschaft geltend. So ist z. B. die Lage ( u f den Kolonialmärkten durch die Vor- latskäuie der beiden kriegfübr-nden Parteien voll- hmmen verändert worden. Selbst auf den b r a s i- ionischen Kaffeemärkten erzeugt die ita- ^enische Nachfrage wieder größeren Absatz. Tee iit wesentlich teurer geworden, weil dem steigenden Bedarf geringe Ernt"n und Einschränkung"n der Erzeugung gegenüberstehen. Den stärksten Auftrieb eher hat der afrikanische Krieg den internationalen > nckermärkten geaeben. Hier sind auch Ein- i'cknngskäuke anderer Länder, namentlich des eng­lischen Handels festgestellt worden. Der Stim- n"nasumschmuna auf d"n Weltmärkten ist offenbar richt auf spekulative Betätigung, sondern auf eine

tatsächliche Zunahme der Nachfrage zurückzuführen. Die preissteigernden Einflüsse dieser Tendenzverände­rung machten sich naturgemäß auf manchen deut­schen Lebensmittelmärkten in besonderer Weise fühlbar, weil die für die deutsche Lebensmit­teleinfuhr zur Verfügung stehenden Devisen begrenzt sind. Am deutschen Butter markt fällt die jahreszeitlich begründete Verminderung des inländischen Angebots mit einer erheblichen Preis­steigerung an den Auslandsmärkten zusammen. England insbesondere nimmt erhöhte Buttereinfuh­ren zu steigenden Preisen vor. Glücklicherweise wird aber die Butterknappheit nur einen Uebergangszu- stand bilden, denn in Kürze werden im I n l a n d e wieder größere Milchmengen zur Ver­butterung zur Verfügung stehen. Bis dahin wird es die Pflicht der Verbraucher sein, ihren Bedarf nvch Möglichkeit zu beschränken und sich in volks­wirtschaftlicher Einsicht der Marktlage anzupassen. Erfreulicherweise steht der Knappheit an Butter ein erhöhtes Gemüseangebot gegenüber. Aus den Erhebungen des Reichsnährstandes geht hervor, daß die Erträge an Herbst- und Spätgemüse die Erwartungen beträchtlich übertroffen haben. Die Schätzungen der Heuernte ergaben einen (Er­trag von 33,11 Millionen Tonnen gegenüber 26,43 Millionen Tonnen im Vorjahre. Die gute Heuernte wird der Viehwirtschaft zugute kommen und nach Ueberwindung des Zwischenzustandes auch eine Ver­mehrung der deutschen Buttererzeugung im Ge­folge haben

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An den Weltmetallmärkten ist die Hausse­bewegung zum Stehen gekommen, es sind sogar Rückschläge eingetreten. Die Frage, inwieweit die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Italien die Belieferung dieses Landes mit 'Rüstungsmaterial und Metallen stören werden, schuf eine Unsicher­heit, die störend auf die Stimmung der Märkte zurückwirkte. Rückgängig waren vor allem die Blei - und Zinkpreise. Das ist an sich nach den vorhergegangenen starken Preiserhöhungen nicht verwunderlich. Die Kupferpreise haben den erreichten höheren Stand nahezu behauptet, da die steigende industrielle Konjunktur in den Der- einitjien Staaten einen gewissen Ausgleich schuf. Freilich nimmt die Weltkupfererzeugung in schnel­lem Tempo zu, so daß es ungewiß ist, ob die Ver­brauchssteigerung hiermit wird Schritt halten kön­nen. Eine ungewöhnlich starke Nachfrage hat auf dem Z i n n m a r k t eine neue Aufwärtsbewegung des Absatzes und der Preise hervorgerufen. Um die sehr fühlbar gewordene Verknappung zu be­seitigen, hat das internationale Zinnkomitee eine Erhöhung der Produktionsquote von 70 auf 80 0. H. mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober ab beschlossen. Infolgedessen werden im letzten Vierteljahr 1935 rund 4300 Tonnen Zinn mehr als bisher für die Ausfuhr zur Verfügung stehen. Man darf wohl annehmen, daß nun auch am Zinnmarkt bald wieder ein Gleichgewicht zwi­schen Erzeugung und Verbrauch hergestellt sein wird.

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In Gens haben die Völkerbundsmächte bezeich­nenderweise w"der Rohöl noch dessen Derivate auf die Sanktionrliste gestellt, obgleich ohne Petroleum heule fein Krieg geführt werden kann. Aber man weiß in Genf nicht, ob Ame­rika ein Ausfuhrverbot auf Rohöl erlassen wird, und dazu kommt, daß Rumänien es ebenfalls unterließ, Rohöl auf die Liste der Waren zu setzen, deren Ausfuhr nach Italien verboten ist. Die Agip, die staatliche Erdölversorgung Italiens, hat in Ru­mänien starke Interessen, und daher dürfte der Genfer Beschluß erklärlich sein. Im Zusammen­hang damit wird gemeldet, die Erdölgesellschaften hätten sich mit den Russen über den Verkauf des bolschewistischen Erdöls geeinigt. Diese Meldung ist allerdings von der Koninklijke Shell demen­tiert worden. Schon im Jahre 1929 wurde' über die gleiche Frage mit der Sowjetunion verhandelt, aber ohne Erfolg, da die Bolschewisten auf eine

Der Lokomotivheizer Gustav

Von Korb man Rechner.

Jede Nacht fährt der 0-Zug Punkt 21.52 Uhr ms der verrußten Halle des Hauptbahnhofes Ge- ucu fünf Minuten später donnert er dann an tr einer Wohnung vorbei. Ich brauche da niemals H2ch der Uhr zu sehen, denn der Zug meldet mir liin Kommen schon selber an: ein paar leichte .Gegenstände in meinem Zimmer fangen leise an zli klirren. Ich schaue nun gerne von meiner spä­ten Arbeit auf, und der Zug gibt mir jetzt das Weite Zeichen: der Schein meiner Schreibtischlampe 0! ginnt im Wandspiegel zu zittern Rasch muß ich nun ans Fenster gehen, um den vieläugigen Wurm n»d) oorbeirasen zu sehen. Und vor allem möchte ich wissen, ob auch heute wiedermein" Heizer söhn . .

Er fähN wieder, ich hab's doch gleich gesagt! Guck mal hin, er gibt uns ja schon sein Zeichen, mit einer dicken Rauchfahne, die rot durchglüht über den jD agendächern liegt. Er feuert, der Kerl! Jawohl, h:u nur hin, alter Freund! Denn dahinter kommt Mich die Steigung eine ganz verdammte Stei- |0infl! Da mußt du dich schon mächtig dranhalten. | Der Zug ist jetzt direkt meinem Fenster gegenüber. 'Und ich sage da: Moment mal, Gustav, ich will dir lein bißchen helfen! Und schon mache- ich im Geiste einen Sprung, einen ganz gewaltigen Sprung 'nen meinem Fenster weg auf die rasende Maschine.

Nichts für ungut, alter Kamerad, sage ich dann 01 dem Führerstand. Nichts für ungut aber du Mt ja schon mitten drin in der Arbeit, was? Und wbammt nochmal, du brauchst mich ja. gar nicht, Tustav? Dann will ich aber doch wenigstens deine Kifseeflasche zumachen, damit nicht wieder der igcinze Kohlenstaub hineinfliegt, sonst fluchst du her­nach bloß wieder! Daß du aber auch alles vergißt, Uienfd) vor lauter Arbeit vergißt! Und dein guter Rock wird auch gleich runterfallen, und da in Tb dann bestimmt die Brieftasche auch noch raus- nLschen! Die Brieftasche, in der alles drinnen ist: bcs Bild von deiner Frau und von den zwei Keinen! Postkartenformat! Selber ausgenommen uri) entwickelt, und so gut sind sie getroffen wie ncch nie! "

Du arbeitest, Gustav! Weiß Gott, du arbeitest!

Gscht. singt die Kohle, wenn sie den Stahlboden te- Schaufel verläßt und in den glühenden Kessel- lachen fliegt. Eine mörderische Hitze schläat aus dem loien Loch heraus. Aber fünfzig, hundert und noch nihr Schaufeln voll knallst du in die Feuerbuchse. Uri) fünfzig-, hundert und noch mehr mal wirfst du

auch dein Gesicht mit in die Hitze, wird deine Haut geröstet und Wimpern und Haare gesengt sofern man bei dir überhaupt noch davon reden kann.

Fünfzig-, hundert- und noch mehrmal wer will es zählen, mie oft?

Ich kann es nicht. Ich sehe ja auch nur deinen arbeitenden Körper: Wie die Muskeln der bloßen Unterarme spielen, wie sie bei jeder Bewegung den ineinandergekrumpelten Wulst des Hemdes und des blauen Ueberrocks zu sprengen drohen .. . Wie deine Augen klein werden und über der Nasenwurzel steile Falten aufftehen, sobald das Gesicht der Feuerung wieder nahe kommen muß ... Wie die Schweißbäche sich einen Weg über das verrußte Ge­sicht suchen müssen .. Wie die Brust den stickigen Qualm wieder herauskeucht ... Wie der Oberkörper sich biegt und windet ... Wie die Knie sich ein- knicken und wieder spannen ... Wie die Füße auf dem Boden feftmur^eln--wie der ganze Mann

arbeitet! ...

Du hältst einfach plötzlich mne in deiner Arbeit. Beugst dich tief, noch tiefer in die Glut... Nickst zustimmend, stocherst und glättest den frischen Kohlenhaufen.. Ziehst die Schaufel, dunkelrot glühend, wieder aus der Feuerbuchse... Haust die Türe zu und zurück in frischere Luft... Stützt dich dort mit den Ellenbogen schwer auf den Schaufelstiel...

Draußen rasen die Pleuelstangen hin und her, sie jagen die Räder vorwärts, und Telephonstan­gen, Signalmasten und Lichtern, Bahnwärterhäus­chen und Schranken, helle Fensterflecke irgendwo im Dunkeln tauchen kaum auf und sind auch schon wieder verschwunden; wie irrsinnig geworden, bellt der Auspuff aus dem niederen Schornstein, der Gm"nw!nd reiht die schwarze, dick" Rauchfahne nach hinten, Rußkörnchen und rote Funken rieseln auf das Dach des Führerstandes herab

Auf der rechten Seite stiert der Führer durch die schräg gebaute Windschutzscheibe geradeaus, aber auch jeden Augenblick wieder bereit, die Hände an den Regulator, an die Steuerung ober an die Bremse zu werfen; er vergleicht Fahrtbuch, Ge­schwindigkeitsmesser und Uhr miteinander, beob­achtet das Arbeiten der Schmierapparate, die zit­ternden Zeiger auf den verschiedenen Manometern, und er hört auch noch, ob nicht irgendwo ein Lager klopft .

Die linke Seite des Führerstandes gehört dem Heizer Gustav' Der hat sich nach dem Feuern noch kaum ein wenig verschnauft, da muß er auch schon wieder ran Es wird aber nicht so schlimm diesmal: Gustav schaut ja nur ein wenig in die Feuerbuchse hinein, dann haut er die Tür auch

eigene Organisation nicht verzichten woll­ten. Mittlerweile hat aber die Ausfuhr des russischen Erdöls stark abgeno nrm e n. In den ersten Monaten des Jahres 1935 führten sie rund ein Drittel weniger Erdöl aus als in der glei­chen Zeit des Vorjahres, weil die Erzeugung und die Raffinierung in Rußland auf die bekannten Schwierigkeiten stößt. Zudem ist der Streit um die Entschädigung der Vorbesitzer der russischen Erdöl­felder noch nicht erledigt. Auf der anderen Seite gehen die Verhandlungen der Großkonzerne Anglo-

Irania Oil Company, Standard Oil und Konink­lijke Shell mit der Standard Oil Company oj Cali­fornia weiter, da die Letztere die Vorkommen auf den britischen Bahrein-Inseln im Persischen Golf erworben hat. Das Oel dieser Produktion drückt auf die Preise vor allem auf den asiatischen Markt, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser unange­nehme Wettbewerber, der die Marktordnung stört, aus ferneren Kampf mit den älteren Wettbewer­bern, die über eine ausgebreitete Organisation ver­fügen, verzichtet.

Kunst und Wissenschaft.

Geheimrat D. Reinhold Geeberg

Geheimrat D. Reinhold S e e b e r g, der im Rustande lebende Ordinarius für systematische Theo­logie, Dogmengeschichte und Neues Testament an der Universität Berlin, Direktor des Instituts für Sozialethik, Ehrendoktor aller Fakultäten und Inhaber des Adlerschildes des Deutschen Reiches,

ist in seinem Landhause zu Ahrenshoop (Pom­mern) im Aller von 76 Jahren g e ft 0 r b e n.

Mit Reinhold Seeberg ist einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der Gegenwart dahinge­gangen, ein Mann, dessen Name nicht nur im Be­reich der theologischen Wissenschaft, sondern darüber hinaus auch im kirchlichen, sozialen und politischen Leben ein Programm bedeutete. Von Geburt Balte, begann Seeberg seine akademische Laufbahn als Privatdozent in Dorpat. Nach zehnjähriger Wirk­samkeit in Erlangen wurde er 1898 nach Berlin berufen, wo er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt den Lehrstuhl für systematische Theologie innehatte. Die hervorragendsten Zeugnisse von See­bergs wissenschaftlicher Lebensarbeit sind sein vier­bändiges Lehrbuch der Dogmengeschichte und seine zweibändigeChristliche Dogma- t i k".

Die natürliche Anziehungskraft seiner warm­herzigen Persönlichkeit und seine leidenschaftliche nationale Haltung, die er besonders während seines Rektorats in den Jahren 1918/19 bewies, sicherte ihm das Vertrauen der Studentenschaft. Die Rede, frte er damals zum Gedächtnis der Gefallenen hielt, ist, wie seine Langemarck-Rede vom Jahre 1928, noch heute in Erinnerung. Von ihm stammt auch die wuchtige Inschrift am Gefallenendenkmal der Berliner Universität. Zu seinem 75. Geburtstage wurde ihm der Adlerschild des Deutschen Reiches verliehen, dessen Rückseite die Widmung trägt:Dem deutschen Gottesgelehrten". Das Hand­schreiben des Reichspräsidenten von Hinden­burg, das ihm damals überreicht wurde, würdigte ihn als Gelehrten von außergewöhnlichem Format.

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Zum Tode von Geheimrat S e e b e r g ist bei dem Sohne des Verstorbenen folgendes Bei­leidstelegramm des Führers und Reichs­kanzlers eingegangen:Zu dem schweren Verlust,

den Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters, des um die deutsche theologische Wissenschaft hochver­dienten Professor Reinhold Seeberg, erlitten haben, spreche ich meine aufrichtige Anteilnahme aus.

Adolf Hitler."

Dr. Goebbels spricht zur Buchwoche.

Berlin, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Deutsche Rundfunk überträgt am Sonntag, dem 27. Oktober, von 11 bis 12.15 Ühr d i e Rede des Reichsministers Dr. Goebbels aus einer Kundgebung zur Eröffnung der Woche des deutschen Buches in Weimar.

Oie Deutsche Landsmannschaft stellt sich dem ASOGtB. zur Verfügung.

Wie die Deutsche Landsmannschaft mitteill, Der- sammelten sich am 20 Oktober die Bundesführer der hundert reichsdeutschen Landsmannschaften zu einem außerordentlichen Landsmannschaftertag in Koburg, in dem die Landsmannschaft seit über 60 Jahren beheimatet ist. Der einzige Punkt der Tagesordnung warDie Zukunft der Deutschen Landsmannschaft". Der neue Führer der Deutschen Landsmannschaft, der stellvertretende Senatspräsident der Freien Stadt Danzig, Dipl.-Ing Pg. Huth, erklärte, die Deutsche Landsmannschaft mit ihren 21 000 Mitglie­dern müsse bei Gewährung ehrenvoller Bedingun­gen in dem NSDStB aufgehen Auch Dr.-Jng. Pg. S t ä b e l, der einstige Reichsführer der DSt. und des NSDStB., Senator Pg. Richter (Hamburg), und das Ehrenmitglied der Deutschen Landsmann­schaft, Gauleiter und Oberpräsident Pq. Schwede (Koburg) traten dafür ein, das Wertvolle aus der Überlieferung dem neuen Reiche dienstbar zu machen Demgemäß faßte der Landsmannschaftertag folgenden Entschluß:Die Deutsche Landsmann­schaft stellt sich mit all en ihren Gliede­rungen dem NSDStB zur Verfüaung und erteilt ihrem Führer, Senatsvizepräsisidenten Pg. Huth, alle Vollmachten zur Ueberführung in den NSDStB unter den mitgeteilten Richtlinien, sowie zur Auflösung der DL." Dem Landsmann­schaftertag folgten kurze Feiern am Heldenmal der Deutschen Landsmannschaft und an der neuen Ge- fattenenbenfftätte der Stadt Koburg

Nobelpreis für Physioloaie und Medizin fällt nach Deutschland.

Das Lehrerkollegium des Carolinilchen Instituts zu Stockholm hat den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin dem Pro­fessor Hans S p e m a n n , Freiburg (Breisgaus, für feine Entdeckung des Organisatoreffekts roäbrenb der embryonalen Entwicklung verliehen. Professor Hans Sp e m ann hat sich'als Zooloae hervor- ragpnb um die experimentelle Erforschung der tierischen Entwicklung verdient gemacht. Er "mürbe am 27. 5>uli 1869 zu Stuttgart geboren. Von 1914 bis 1919 ronr er Direktor am Kaiser-Wilhelm- Institut für Biologie in Berlin-Dahlem. S"it 1919 bat er ben zoologischen Lehrstuhl an ber Universi- tät Freiburg i. B. inne.

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstagnach- mittag gefchlosien.

schon roieber zu. Der schwarze Kohlenberg von vor­hin ist jetzt bereits burch unb burch rot geworben, die schwarze Rauchwolke über dem Dach ist auch weg, den grauen Auspuffdampf sieht man kaum, unb somit kann Gustav ohne Gefahr einer zu stark wirkenden Abkühlung auf ben Kessel mit bem Wasserspeisen anfangen.

Ein Ventil breht er auf, horcht babei ein wenig nach außen, ob ber Dampf aus bem Rohr (wissen Sie: bas unter bem Führerstanb, neben ber eiser­nen Trittleiter) schon herauskommt. Dann rückt er mit ber linken Hanb an einem Hebel, der Dampf haut noch ein paarmal bas Schlapperventil heftig gegen bas Rotgußgehäuse, unb draußen fährt jetzt ein Strahl Wasser aus bem Rohre, näßt auf eine weite Strecke hin Dammschotter unb Schwellen­köpfe, zuletzt hört man ein zischenbes Singen im Zuleitungsrohr: Der Injektor hat angezogen und pumpt frisches Wasser in hon Kessel?

Aufmerksam beobachtet Gustav bas Steigen des Wassers im Glas. Millimeter um Millimeter kriecht es höher, bis zum Maximalstanb bin; unb ba macht Gustav roieber einen kleinen Heb-struck, breht bas Dampfventil zu unb bas Wasser hört auf zu steigen.

Aber jetzt kommt bas, worauf ich mich jeben Tag ganz besonbers freue: Gustav langt sich seine Kaffee­flasche! , Nanu". sagt er ba jebeemal,wer hat benn jetzt bie Flasche zugemacht?" Nach bem Trin­ken aber läßt er sie roieber offenstehen wie immer.

Ach was, bie Pulle., ist ja auch leer geworben bie-mol und ©off sei Dank daß bie nächste Halte­stelle schon bie Heimatstation ist. Unb ba gibt es ja roieber frischen Kaffee zu Hause, bei Mutter!

Aber leiber liegen noch anberthalb Stunben Fahrtzeit bazwischen, unb alle zwölf bis fünfzehn Minuten ist es immer roieber Zeit zum Nach­feuern ...

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So arbeitet ber Heizer, ber schwarze rußige Mensch, auf der Lokomotive ba vorn, ber manch­mal bei feiner Arbeit ausgerechnet auch an bie benfen muß, mit benen er durch die stockschwarze Nacht braust, und wie gut es doch die Leute in ihren Schlafwagen haben.

Mein Heizer Gustav hat einen dünnen Ratten­schwanzschnurrbart und manchmal ein ganz ver­sorgtes Gesicht. Der Junge daheim, der soll mal was Besseres werden, denkt er öfters, wozu hat man denn so schwer gespart, nicht wahr? Aber ber Junge mag nun einmal nichts anberes werden als Eisenbahner unb natürlich auf ber Maschine.

Wieviel Lokomotivheizer Gustav stehen so in ber Nacht auf ben schwarzen Stahlböben vor ben

glühenben Kesselrachen, aus benen bie Funken nur so in bie Lanbschaft sprühen unb. knallen. Unb ihre Haut wirb immer mehr geröstet, unb bie Wimpern unb Haare werben immer mehr gesengt, und die Schweißbäche suchen sich einen Weg über das ver­rußte unb strenger geworbene Gesicht. Unb bie Jahre machen bann aus bünnen schwarzen Ratten- schwanzschnurrbärtchen struppige graue Schübel unter die Nasen der Lokomotivheizer, und die Rücken sind vom vielen Stochern und Glätten in ben frischen Kohlenhaufen schon ein wenig runber geworben, unb manchmal knicken bie Knie schon von selber ein. Und jetzt stützt man sich auch von Zeit zu Zeit schon mal länger mit den Ellenbogen auf den Schaufelstiel.

Und dann warten eines Tages vor der Stadt ein Garten und ein halbes Dutzend Bienenstöcke und ein grasgrünes Häuschen für alle Tage auf ben Lokomotivführer Gustav. Man kann sich nach vier­zig Dienstjahren wohl zur Ruhe setzen, vierzig Jahre hat man in bie Pensionskasse einbezahlt, unb nun sollen anbere mit ber Arbeit in ben Kesiel- rachen fertig werben unb mit bem stickigen Qualm, unb bie Züge in bie Nacht fahren, bie nicht mehr aufhören will. Man kann sich nach vierzig Dienst- jahren wohl zur Ruhe setzen.

Vater und Go*»n als O^ynipifcheSieoer!

Einmal verzeichnete die Geschichte der Olympischen Spiele dieses auffallenbe Ereignis, zwar nicht bei einer Olympiade, sondern nach einem Zeitraum von 26 Jahren. Es handelt sich um die berühmte fin­nische Sportfamilie Iärvinen 1908 siegte bei den Spielen in Athen Vater Iärvinen im Diskuswerfen im antiken Stil; auf ber 10. Olnmpiabe 1932 in Los Annekes konnte fein zweiter Sohn Matti biefe ruhmreiche Ueberlieferung seines Vaters fortsetzen und sich bie Golbmebaille im Speerwerfen erobern. Ver- roanbt damit ist ber auch von Dr. Max Ostrop im Novemberheft von Velhagen 6- Klasings Monatsheften erzählte Fall, baß einmal Vater unb Sohn bei einer Olympiade gleichzeitig in ber Mannschaft eines Lanbes stauben: in der Fechter- mannfchaft Mexikos in Los Angeles war Vater Recio ber älteste unb fein Sohn ber jüngste Teil­nehmer; beide blieben freilich ohne olympische Lor­beeren. Unb auch ein beutscher Name läßt sich hier anführen, ber im Fechtsport bestens bekannte Name C a s m i r. Gerharb Casmir errang bei den Athener Spielen 1906 eine Goldmedaille, Erwin Casmir, sein Neffe, 1928 in Amsterdam eine silberne Me­daille.