Nr. 224 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch. 25. September 1935
Aus dem Reiche der Krau.
obst-
mit
Auf und und
Gaben der Herbstflur.
'Von Inda Aisch, Äad Nauheim Wie wäre es, wenn wir uns in diesem so
Von den heute gezeigten neuen Hutformen für den Herbst ist der große, schwarze H a a r f i l z h u t (Nr. 1) für den späten Nachmittag bestimmt. Sein Material ist besonders fein, die großen schwarzen Reiher sind durch ein schmales Filzstreischen mit kleiner Schleife gehalten.
Das Barett (Nr. 2) aus schwarzem Seidenvelours lehnt sich in seiner Form an die Kopfbedeckungen der Renaissance an, der rückwärts angebrachte, glockige Schleier ist an jeder Seite mit einer kleinen silbernen Agraffe befestigt. Das Barett ist ebenfalls als Ergänzung des eleganten Nachmittagsanzuges gedacht.
zwei Liter Brei gibt man zwei Pfund Zucker zwei Liter Wasser und etwas reine Weinhefe läßt alles gären. Nach drei bis vier Tagen
sie mit Rhein- oder Moselwein und lassen sie eine Woche stehen, kalt und dunkel. Jeden Tag werden sie 3 bis 4 mal umgerührt. Sie sollen weich werden, aber nicht schimmeln. Jetzt rühren wir sie durch ein Sieb, nehmen aufs Pfund Brei V2 Pfund Zucker, am besten geläuterten, verrühren alles gut miteinander, wenn der Zucker kalt geworden ist. Nach einer Stunde rührt man noch einmal alles eine viertel Stunde gut durch, füllt dieses rohe Mus in kleine Weckgläser, die man luftdicht schließt. Hat man keine Luftpumpe dazu, geht es auch anders. Der Gummiring wird naß aufgelegt, der Deckelrand ebenfalls naß gemacht. In die Mitte des Deckels gißt man etwa ein Fingerhut voll Weinspiritus, zündet an und deckt den brennenden Deckel auf das Glas. Kalt geworden, schließt er fest.
Wie wäre es mit einem Gläschen H a g e butte n w e i n ? Die beste Freundin trinkt ihn für köstlichen Malaga! Die reifen Früchte werden von Stiel und Blüte befreit, durchgeschnitten mit ganz wenig Wasser bis vors Kochen gebracht. Dann dreht man alles durch die gutgebrühte Fleischmaschine.
tragen werden.
Den silbergrauen sportlichen Haarfilz (Nr. 5) schmückt eine dunkelblaue Feder, dunkelblau ist auch die angewebte Unterseite des mittelbreiten, weichen Randes. H.
Auch der weinrote V e l o u r s s o l e i l h u t der sandfarbenen Feder (Nr. 3) entnimmt seine Haubenform dem Mittelalter, ebenso wie der braune H a a r h u t mit Doppelwand und getupftem Halb- sch lei er (Nr.4). Beide Modelle, die Stirn- und Haaransatz freilassen, können sowohl am Vormittag zum Jackenkleid als auch zum Nachmittagskleid ge-
Das inleressiett die Hausfrau.
Der Kachelofen.
Der Kachelofen wird allmählich wieder in unserem Alltag wichtig, schon jetzt betrachten wir ihn ab und zu mit liebevollen Blicken und denken an die nahe Zeit, da wir ihn wieder nötig brauchen werden. Gerade ein Kachelofen ist aber nach Vorschrift zu behandeln, damit wir uns alle seine outen Eigenschaften nützlich machen können. Bei Kachelöfen mit Rosten muß das Heizmaterial mögt lichst verkleinert werden. Holz wird gespalten, Kohlen und Briketts werden zerschlagen. Bevor man Feuer anmacht, öffnet man Rauchschieber und Drosselklappe und reinigt Feuerung und Aschfall. Möglichst ohne Papier zündet man erst ungefähr 250 Gramm Holz an und legt 1 bis 2 Kilogramm Brennstoff nach. Nach zehn Minuten ist das Feuer gut in Brand, dann folgt der Rest. Holzscheite werden in nicht zu großen Zwischenräumen gelegt Um stets guten Durchzug zu haben, wird die Aschfalltür während des Brennens offen gehalten, nur bei zu starkem Zug wird sie angelehnt.
Ist es nötig, daß mehrmals nachgelegt wird, dann reinige man die Rostspalten von unten mit dem Feuerhaken und lege den Brennstoff dann in mäßigen Mengen ein. Sind keine Flammen mehr vorhanden und glüht der Briketthaufen durch und durch, dann schraubt man den Ofen ganz zu und schließt später auch den Rauchschieber.
Bei Kachelöfen ohne Roste, älteren Typen, werden Briketts oder Holzscheite verwandt. Die Briketts werden in unmittelbarer Nähe der Feuertür kreuzweise übereinandergestapelt. In dem untersten Längskanal wird das Feuer mit Holz, Glut oder Kohlenanzünder angefacht. Die Holzfeuerung ver
armen Herbst mal ein bißchen um die Schätze aus Feld und Flur kümmerten? Wenn wir uns auf unseren Wochenend-Ausflügen gut umgeschaut haben, > so „kennen" wir sicher eine schöne Brombeerhecke, , die jetzt gerade reife, saftige Früchte haben mühte. Wollen wir nicht rasch mal nachsehen? — Ganz, ganz früher, als wir noch klein waren, und Mutter verreist, gingen wir alle fünf mit Vater in die Sandgrube nach Brombeeren. Die allerdicksten parten wir „Großen" uns am Mund ab für den leinen Bruder, und der dumme, winzige Otto spuckte ie wieder aus, weil kein Zucker drauf war! Mit welchem Stolz kamen wir mit vollen Körbchen nach Haus, und mit welchem Jubel wurden die guten Sachen verzehrt, die unsere liebe Ottilie davon zu machen wußte!
Am einfachsten war die Brombeer-Brockei. Etwa 2 Pfund reife Brombeeren werden mit wenig Wasser und Zucker gekocht. Davon wird der dritte Teil Früchte, so trocken es geht, herausgenommen. Die andere schlägt man durch ein Sieb. In eine tönerne Kuchenform oder Porzellan-Mehlspeisform gibt man schichtweise kleinwürflig geschnittene alte Kuchen- oder ,Brötchenreste. Darauf kommt eine dünne Schicht Brombeerbrei, dann wieder Kuchen und Brombeeren. Obenauf Kuchen. Nun durchzieht während mehrerer kalter Ruhestunden der Brombeerbrei alles und läßt sich später stürzen. Die zurückbehaltenen Früchte garniert man herum. Für Kinder ist es auch hübsch, Obertassen zu füllen, statt eines großen Puddings. Jedes erhält dann sein „Brockei-Schloß" in einem See von Vanillentunke.
Sehr ausgiebig und voll aromatisch ist Brombeersaft. Die auf einem Sieb leicht abgeschwenkten Früchte geben wir in den Kochtopf, bedecken sie knapp mit Wasser, kochen alles kurz auf und lassen ^den Saft durch ein Tuch laufen. IVt Pfund Zucker iauf 1 Liter Saft gerechnet, wird der Saft nochmals fünf Minuten gekocht, abgeschäumt, in Flaschen gefüllt und bis auf 75 Grad im Wasserbad erhitzt und 20 Minuten darin belassen. Brombeersaft ist gut bei »Erkältungen. Dann setzt man dem lauwarmen Saft- lwasser bei Gebrauch 1 Teelöffel Bienenhonig zu.
Auch einen guten alkoholfreie nPun sch «erhalten wir, wenn wir 1 Liter Wasser mit Vs Liter Saft kochen, Zitronenschale, Zimt und Nelken als »Gewürz daran geben. Man kann auch etwas Johannisbeersaft daran geben. — Machen wir den Punsch mit Mondamin bindig und geben als Einlage Flammri oder Makrönchen oder gebratene Wrotwürfelchen, auch frische oder tof)c Früchte, so haben wir die schönste Suppe. •
Den im Tuch verbliebenen Rückstand geben wir idurch ein Sieb, kochen ihn mit Zucker zu Marmelade und haben einen guten Brotaufstrich. Etwas
preßt man den Saft ab, gibt noch x/i Liter Wasser dazu, rührt gut durch und läßt alles noch einen Tag gären. Dann wird der Saft durch ein Tuch gegossen und in einer Glasflasche fertig gegoren, was zwei bis drei Wochen dauert. Der Wein muß in gut warmer Stube stehen. Die Flasche verschließt man mit Watte. Nach dieser Zeit läuft er wieder durch ein Tuch und kommt zur letzten Klärung in ein Faß mit Gärspund. Hierbei kann man noch Zucker zusetzen, der Wein wird dann stärker. Ist er ganz klar und der Wein im Gärspund bleibt blasenfrei, füllt man ihn auf Flaschen. Je älter, je besser.
Wer Appetit auf etwas ganz Besonderes hat, kann zu Rinder- oder Wildbraten Gelee aus Ebereschen oder Quitschen bereiten. Dazu müssen wir die reifen Früchte entbittern, indem wir sie 24 Stunden in Essigwasser legen. Dann kocht man die abgetropften Beeren weich, läßt den Saft ablaufen und nimmt noch Vs Liter Saft von sauren Aepfeln dazu. Sonst schmeckt der Gelee zu herb. Aus ein Liter Saft kommen 400 Gramm Zucker. Nun wird alles wie gewöhnlich zu Gelee gekocht.
Nun allen fleißig-fröhlichen Suchern gutes Gelingen und — gutes Wetter!
verlangt ebenfalls größere Zwischenräume zwischen den Scheiten. Wird die innere Feuertür mit den Luftlöchern fest angelegt, dann bleibt die äußere Tür offen stehen, sie wird erst dann geschlossen, wenn der Brennstoff in sich zusammensinkt.
Praktisches Cellophan.
Cellophan ist im Haushalt allmählich unentbehrlich geworden. Es läßt sich fast zu allem gebrauchen und findet seinen Platz als Buchumschlag so gut wie als Hülle für die Winterkleider und anderen Wollsachen, zum Einwickeln von Obst und Brot wie zum Verschließen der Einmachgläser.
Die winterlichen Wollsachen verstaut man am besten in einem praktischen Cellophansack, der keinen Staub einläßt und die Motten außerdem sicher fernhält. Als Buchumschlag erfüllt das Cellophan seinen Zweck besser als ein x-beliebiger Bogen, denn Cellophan ist fettdicht. Aus diesem Grunde eignet es sich auch besonders gut zum Einwickeln von Butterbrot, das man auf eine Wanderung ober zum Wochenende mitnimmt. — Hat man Geleegläser gefüllt, dann schneidet man aus einem Bogen Cellophanpapier genügend Vierecke aus, um die Gläser zu verschließen. Zunächst feuchtet man die Vierecke durch Wasser an, legt sie dann fest um den Rand des Glases und sichert sie noch einmal mit einem dünnen Gummiring. Man wird sehen, wie sich das Cellophan beim Trocknen dicht an das Glas anschmiegt und es so luftdicht abschließt. — Diele Lebensrnittel sind im Handel in hygienischen Cellophanpackungen erhältlich, und die Geschäfte bedecken häufig die leicht verderblichen Waren mit diesem Allerweltstaff. Auch als Sonnenschutz hat sich Cellophan nützlich gemacht, es wird dann besonders braun getönt.
Zitronensaft macht ihn kräftiger.
Besonders gut sind dieses Jahr die wilden Holunderbeeren geraten. Geradezu herausfordern Ihm uns die schwarzen Doldenbüschel zum Mitneh- imen. „Kinder, nehmt vor dem Holunder den Hut ab", sagte die Urgroßmutter. Hat sie nicht recht? Im i Frühling gaben die Blüten den Tee, die grünen ‘ Früchtchen versorgten uns mit Kapern, die reifen Sonnen wir überall gut an Stelle von Blaubeeren brauchen. Ganz früher konnte man mit Holunder aud) zaubern, und es half immer! Leider ist diese Kunst in Vergessenheit geraten, aber der Respekt war dem Fliederstrauch sitzt bei uns Alten noch fest. Auf dem Land ist er oft noch so geehrt daß der CSIaube geht: „Wer einem Holunder ein Leid tut, Dem geht es schlecht im Leben, wer ihn gar abhackt, rmuft sterben." — Das mag auch der Grund sein, rmarum es überalle so viel wilden Holunder gibt. Zetzt kommts uns zu Gute. Die Phantasie malt uns chon aus, wie prachtvoll die schwarze Holundersuppe mit den Grießklödchen schmeckt, wenn wir m Winter durchgefroren und hungrig vom Sportplatz kommen. Wie mühelos ist gleich eine große Menge Beeren gesammelt und wie schnell und einfach 'für den Winter aufgehoben. Wir waschen die Beeren trocknen sie auf einem Tuch und füllen sie n trockne Flaschen ziemlich fest ein. Sie fallen sehr Msammen. Vor dem Verschließen gibt man einen Fingerhut voll Weinspiritus, Kognak oder Rum in ^ede Flasche, schließt mit gut zugebundenen Stopfen ober am besten mit den modernen Gummikapseln, Die man immer wieder verwenden kann. Dann 85 Minuten bei 70 Grad sterilisieren und sie halten r'id) viele Jahre. Die Flaschen müssen aufrecht stehen Der Hals darf nicht vollgefüllt sein und man muß 'ie bei Gebrauch vorsichtig öffnen, da sie leicht in Die Luft knallen. ~
Zu Mus können wir nur ganz reife -Leeren nehmen. Wir drücken den Saft roh aus um die Kerne zu entfernen. Ohne jeben Zusatz steif eingekocht ist es ein gutes Färbemittel für mißratene
a* rm e lab e geben Sie Beeren zusammen mit Kürbis ober Aepfeln ober Gelbe Ruben oder Pflaumen, halb und halb gekocht. Man kocht-zuerst die Holunderbeeren zu Brei, schlagt sie durch und gibt nann die anderen Zutaten und Gewurde hmzu und Den Zucker. Dann wird alles zur notigen Steife gemocht. Auf 1 Pfund Brei nimmt man V- Psund Zucker. Bei Pflaumen gibt man Zintt und Nelken ißu. Ebenso, wenn das obengenannte Mus als -oroh QUfstrich verwandt wird. — .
Dicke Graupen mit Aepfeln untermischt und gesüßt, recht weich ausgequollen, geben, mit gekochten Holunderbeeren als Tunkte gereicht, em nettes Eintopfgericht. . . ,
Ein Holunderschnäpschen wird ,,herr- sicher" Besuch auch nicht verachten. Man zerstampft Die Beeren mit der Kuchenkeule, gibt auf 10 Liter Weeren 1 Liter Wasser, läßt alles im Steintopf etwa Drei Tage stehen, bis sich der Saft absetzt. Dann meßt man den Saft durch ein Tuch und gibt auf IBV4 Liter Saft 2 Pfund Zucker, 25 Gramm ganzen Aimt und 12 Gramm Nelken und kocht alles auf, Dis der Zucker vollständig gelöst ist. Nach völligem Erkalten mischt man IV4 Liter Weinspiritus bar» unter, füllt auf Flaschen unb verkorkt unb ver-
Vergessen wollen wir nicht bie Dritte im Bunb, Die Hagebutte. Hagebuttenmarmelade auf das I ssrühstücksbrötchen ist wirklich nicht zu verachten. Wie lange ist es schon her, daß wir keine mehr natten! Jetzt fällt es uns auch ein, wo mir im Frühling die zarten Rosen gepflückt haben! Wir Entkernen die Früchte am besten chtt einem zuge- schnittenen Hölzchen, waschen sie gründlich, feuchten
as sollen wir tragen?
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
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NEUE
UUTPORMEN-.
PÖR M UERBCT
Frauenbünde schaffen für das Auslandsdeutschtum.
„Unsere Kinder
sotten Deutschland kennenlernen".
In einer belebten Nebenstraße des Berliner Westens steht ein großes graues Haus mit spitzem Giebel. VDA. steht in Goldbuchstaben über dem Eingang: Verein des Deutschtums im Ausland. Hier ist die Zentrale für die Deutschen, die in aller Welt wohnen, ganz gleich in welchem Erbteil, hier haben sie bie Verbindung mit der Heimat.
Täglich kommen viele Hunderte von Briefen in dieses graue Haus geflattert, Briefe von auslandsdeutschen Menschen, die den Anschluß an die Heimat suchen. Fast immer sind es dieselben Bitten: „Unsere Kinder sollen ihr Vaterland kennenlernen, können Sie das nicht vermitteln?" Besonders heute, wo das Interesse der Deutschen im Ausland so besonders groß ist für Adolf Hitlers Reich, häufen sich diese Briefe und Anfragen.
Fleißige Frauenhände schaffen hier wertvolle Arbeit. Da wird registriert und eingeordnet, planmäßig ist bie Zusammenarbeit der deutschen mit den auslandsdeutschen Frauenorganisationen. In alle Welt gehen die Fäden, die sich von Berlin aus spannen. Ein besonderes Arbeitsgebiet umfaßt die Ausbildung der auslandsdeutschen weiblichen Äugend. Mütter und Ißäter, aber auch Heranwachsende Töchter schreiben ins alte Vaterland, um sich Rat zu holen, was aus ihren Töchtern werden soll, bzw. ob in Deutschland die Möglichkeit besteht, eine Stellung zu bekommen. Das ist eine verantwortungsvolle Arbeit, aber für den Zusammenhalt der Deutschen in aller Welt besonders wichtig. Die Verbundenheit mit der Stammesheimat muß wachgehalten werden.
In den letzten zwei Jahren hat man die Kin - dertransporte aus den Grenzgebieten organisiert und ausgebaut. Saarkinder sind nach Ostpreußen gekommen, Kinder aus den abgetretenen östlichen Gebieten haben das Rheinland kennengelernt. Sudetendeutsche Kinder sind zum erstenmal in Berlin gewesen und haben die Liebe zum Vaterland aus vollem Herzen schöpfen können. Immer weiter will man diese Kindertransporte ausbauen, nach Möglichkeit sollen auch Kinder aus Uebersee herangezogen werden, damit deutsche Kinder, die noch nie ihre Stammesheimat sahen, das Deutsche Reich in seiner Schönheit kennenlernen! Erst vor wenigen Wochen waren Hunderte von auslandsdeutschen Hitlerjungen in ihrem Vaterland zu Besuch.
Doch aus auslandsdeutsche Frauen bewerben sich um Austausch st ellungen in Deutschland. Lehrerinnen aus Siebenbürgen wollen ein praktisches Jahr in Deutschland verleben, Lehrkräfte aus den ehemaligen deutschen Kolonien und aus den neugegründeten Siedlungen in Uebersee bitten um Vermittlung einer Austauschstellung in Deutschland. Voller Segen ist diese Arbeit, die Hunderten von Frauen hilft und reiches Erleben vermittelt.
Es kommen aber nicht nur Frauen aus dem Ausland, sondern auch Frauen aus dem Inland bitten um Vermittlung einer Auslands- stellung und um Ausbildungsnachweis, der sie für das Kolonialleben vorbereitet. Es ist sehr schwer, Stellungen im Ausland zu vermitteln, aber unermüdlich arbeitet der VDA., und die Suchenden sind hier in den besten Händen. Hunderte von Ge- suchen gehen ein — Fäden werden nach allen Erdteilen gesponnen.
In großen Zimmern stehen Kisten voll mit deutschen Büchern und Zeitschriften, die gesammelt wurden, damit sie hinausgehen zu den deutschen Siedlern im Urwald. Man kann sich gar nicht vorstellen, welche Freude eine solche Bücherkiste bei den Siedlern auslöst, die fern von aller Kultur leben müssen und oft monatelang von der Umwelt abgeschnitten sind! Deutsche Bücher, deutsche Zeitungen — das läßt das Heimweh vergessen! Endlich können sie wieder teilnehmen an deutschem Kulturgut! Rührend sind die Dantes- b r i e f e, oft mit zitternden Buchstaben geschrieben, weil die Hand entwöhnt ist, mit Tinte und Feder umzugehen. Aber Liebe und Dankbarkeit spricht aus diesen Grüßen von ferne. Ueberallhin gehen die Bücherkisten, alles wird verlangt: wissenschaftliche Werke, Belletristik, Kinderbücher und Zeitschriften, Lexika, Schulbücher — ja, alles, was man lesen kann! Der VDA. ist dankbar für jedes Buch, das gestiftet wird, denn diese Bücher bringen Deut- schen in ihrer Einsamkeit im fremden Land Freude! Es ist so wichtig für die Deutschen im Ausland, daß ihnen von Deutschland aus immer wieder die Verbundenheit mit der Heimat gezeigt wird!
Die Küche im Ausfluqskoffer.
Auf Wanderungen, Ausflügen hat man bekanntlich mehr Hunger als sonst. Vielleicht ist es auch so, daß es besser schmeckt, wenn man unterwegs ist. Daß Speisen, die wir mitnehmen wollen, von besonderen Gesichtspunkten aus zu betrachten sind, ist klar. Die Küche im Koffer muß nämlich eine zweckmäßige und vergnügliche Angelegenheit sein. Zur eisernen Ration für unterwegs gehören: Soleier. Am besten schmecken sie folgendermaßen bereitet: Am Morgen vorher werden frische Eier in ziemlich starkem Salzwasser, dem man einige Zwiebelschalen beigefügt hat, zehn Minuten gekocht. In das kochende Wasser schütten wir zum Schluß ein Teelöffel voll Kümmel, lassen die Eier hierin erkalten und klopfen dann die Schalen an mehreren Stellen ein.
Gefülltes Brot läßt unterwegs auf alle anderen Speisen verzichten, da es genügend Abwechslung bietet. Ein nicht zu großes Weißbrot wird so zerschnitten, daß man einen Deckel davon abnehmen kann. Die untere Hälfte wird ausgehöhlt, mit Butter bestrichen, in Fleischbrühe getaucht und auf ein Blech in den warmen Ofen gestellt, damit es sich später gut schneiden läßt. Es wird herausgenommen, die ausgehöhlte Hälfte wird mit dünnen Gurkenscheiben belegt, mit Salz bestreut. Dann kommen in Scheiben geschnittene Soleier daraus, Wurstscheiben, Tomaten. Zuletzt einige Teelöffel voll gehackter Petersilie und geriebener Käse, lieber das Ganze wird der Deckel gestülpt und zugebunden. Nachdem das Brot völlig erkaltet ist, wird es verpakt und unterwegs in Scheiben geschnitten gereicht. — Bei Getränken ist zu bemerken, daß Kaffee und Tee am besten ohne Milch und ohne Zucker mitgeführt werden


