Durch Kameradschaft zur Volksgemeinschaft.
Reichsinnenminister Dr. Frick im
Berlin, 24. Juli. (DNB.) Am Mittwochbesuchte Reichsminister Dr. Frick in Begleitung des Stellvertreters des Reichsjugendführers, Stabsführers Hartmann-Lauterbacher, Majors Liepold und des Landrates des Kreises Ost- Prignitz, SS.-Oberführer G r a f W e d e l, das Deutschlandlager der Hitlerjugend in Kuhlmühle bei Rheinsberg. Am Eingang des Lagers begrüßte der Leiter des Deutschlandlagers, Oberbannführer Minke, den Reichsminister und seine Begleitung. Dr. Frick schritt die Front der Ehrengefolgschaft der Hitlerjugend ab, wobei er bei den einzelnen Jungen in längerer Unterhaltung verweilte. Nach der Besichtigung einer Lagerabteilung — im ganzen sind vier Lagerabteilungen und ein besonderes Lager der Marine-Hitlerjugend vorhanden — bestieg der Minister den Kommandoturm des Deütschlandlaaers, zu dessen beiden Seiten die Fahnen des Reiches und der 51 im Lager vertretenen europäischen und außereuropäischen Staaten wehen. Dr. Frick nahm auch am Mittagessen aus der Lagerküche teil und besuchte das Lazarett des Deutschlandlagers und die Sanitäts- und Verpflegungswagen des Hilfszuges Bayern, dem die Verpflegung und gemeinsam mit HI.-Aerzten auch die gesundheitliche Betreuung der Lagerteilnehmer obliegt.
Auf dem großen Thingplatz, der mit den Fahnen des neuen Deutschlands und mit Fahnen und Wimpeln der auslandsdeutschen Jugend geschmückt war, eröffnete Stabsführer Hartmann- Lauterbacher darauf eine Feie r.st u n d e und begrüßte im Namen des Reichsjugendführers Reichsminister Frick im Deutschlandlager 1935.
Reichsminister Dr. Frick sprach dann üur Jugend.
Er wies darauf hin, daß der Aufenthalt in diesem schönen märkischen Lager einer körper- licben Ertüchtigung diene und daß die Ju- aeno hier Erholung finden solle nach der Arbeit in Schule oder Werkstatt, lieber der körperlichen Ertüchtigung solle aber die g e i st i g e S ch u - lunß nicht vergessen werden, die mindestens ebenso wichtig sei. Diese Schulung bestehe vor allem darin, den Gei st der Volksgemeinschaft zu erfassen, den Geist der Kameradschaftlichkeit, der sie durch ihr ganzes Leben geleiten werde.
Alle Gegensätze sozialer, konfessioneller oder sonstiger Art sollen durch das Gemeinschaftsleben und euren kameradschaftssinn verschwinden. Das ist die Schulung, die euch die Ztaats- jugend, die Hitlerjugend, hier in diesem Lager mit auf den Weg gibt fürs ganze Leben.
Der größte deutsche Fehler, so fuhr er fort, das Erbübel der Deutschen, ist immer die nationale
Deutschlandlager der Hitlerjugend.
Zerrissenheit gewesen. Diese Feindschaft verschiedener deutscher Stämme, wie sie uns schon Tocitus überliefert hat, wurde fortgesetzt durch das ganze Mittelalter, der Kampf zwischen weltlicher und geistlicher Macht, dann die unheilvollen konfessionellen Gegensätze, die im Verfolg der Reformation in das deutsche Volk getragen worden sind. All das, liebe deutsche Jungen, wollen und müssen wir ein für allemal überwinden, damit wir a l s ein großes starkes Volk, das in seiner exponierten Lage im Herzen Europas hier einen schweren Lebenskampf zu bestehen hat, siegreich und erfolgreich bestehen können.
Es ist das große Werk unseres Führers Adolf Hitler, daß er diese Gegensätze überwunden hat. heute steht das deutsche Volk in einer Geschlossenheit da, wie wir es niemals in der deutschen Geschichte erlebt haben. Das ist es, was ihr auch hier aus diesem Lagerleben mit nach Hause nehmen sollt, dieses Gefühl der deutschen Volksgemeinschaft, der absoluten Kameradschaftlichkeit, des Zusammenstehens und des Zusammenhaltens, komme, was kommen' mag.
Es war ein ausgezeichneter Gedanke der Reichsjugendführung, hier ein Deutschland-Lager zu schaffen, wo nicht nur die Jugend aus dem Reich, sondern darüber hinaus auch die deutsche Jugend aus der ganzen Welt sich zusammengefunden hat, um dieses gewaltige Erlebnis im neuen Deutschland zu teilen. Ihr kommt aus Ueber- see, aus allen Teilen der Welt habt ihr euch hier zusammengefunden und tauscht nun eure gegenseitigen Erfahrungen und Erlebnisse aus, und daraus allein schon wächst ein tiefes Zusammengehörigkeitsgefühl aller Deutschen Gewiß, politisch sind wir getrent in verschiedene Staaten und jeder Deutsche, der nach seinem Blut zwar deutsch ist, aber politisch einem anderen Staat angehört, wird sich durch das gemeinsame Deutschtum nicht abhalten lassen, auch die Pflicht gegenüber seinem Staate zu erfüllen. Was wir hier pflegen wollen und wogegen niemand in der Welt etwas ein- wenden kann, ist. daß wir deutsches Dolks- tum und deutsche Kultur als das gemeinsame Bindemittel pflegen und kräftigen wollen. Geht gestärkt mit einem neuen Deutsch- tumsgefübl, mit dem Gefühl, daß ihr euch trotz anderer politischer Zugehörigkeit doch als Deutsche fühlt, daß ihr euer Volkstum bewahren und es auch in einer fremden Umgebung nicht ablegen wollt. Das ist der Sinn dieses Lagers. Niemals hat es in Deutschland eine Regierung gegeben, die so grundsätzlich und so vorbehaltlos' das deutsche Volkstum zum Mittelpunkt und zum Kernpunkt ihrer ganzen Politik gemacht hat, wie die Regierung Adolf Hitler.
Das Deutschtum in Brasilien.
Aus dem Leben einer deutschen Gemeinde im brasilianischen Staate Jtio grande do Gul.
1. Tag der Kolonisten.
Unter den deutschen Siedelungen, die seit Beginn «dieses Jahrhunderts in Rio Grande do Sul, dem südlichsten und gesündesten Teil Brasiliens, entstanden, ist wohl die Kolonie Neu-Württemberg ldie hervorragendste und verheißungsvollste. Sie liegt iim Nordwesten des Staates etwa 450 Meter über idem Meeresspiegel mit einem Klima, das demjeni- >gen von Oberitalien gleicht. Das ganze Gebiet dort «vird aus portugisisch Serra genannt. Von der am Meer gelegenen Hauptstadt des Staates Porto Alegre ist Neu-Württemberg etwa 350 Kilometer «entfernt, von der nächsten Bahnstation Be l i z a r i o «etwa 30 Kilometer. Es entstand 1902 und zählt jetzt sschon gegen 15 000 Bewohner, zeigt also ein ähnliches schnelles Anwachsen wie viele Städte in Nordamerika. Die ersten Ansiedler waren Württemberger, daher auch der Name der Kolonie. Ein Württemberger war es auch, dem die neue Kolonie, mit ber es in der ersten Zeit nicht recht vorwärtsging, iihr Blühen und Gedeihen verdankt: Pfarrer H. Faulhaber, ein Pionier deutscher Kultur, deutlichen Wesens im fernen Brasilien. Sein Leitspruch war auch: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz." 25 Zahre stand er an leitender Stelle der Ansiedlung unb hat ihr seinen Stempel aufgedrückt. Als Geist- icher und Lehrer begann er seine dortige Tätigkeit; von 1906 an Übernahm er die ganze Leitung, ohne Vas ihm lieb gewordene Amt eines ehrenamtlichen L-chuldirektors aufzugeben. Er hat sich allezeit un- -mtgeltlich in den Dienst der wichtigen Schularbeit gestellt zusammen mit seiner Frau, einer geprüften Lehrerin. Unter seiner Leitung, die das Glück, den Wohlstand und das Deutschbleiben der Kolonisten im Äuge hatte, ist Neu-Württemberg aufgeblüht. Aus inem Veilchen, das anfangs im Verborgenen blühte, ist es zu einer Musterleistung deutschen Fleißes, Tüchtigkeit und Zusammenarbeitens gewor- d en, deren Ruf über die Grenzen von Rio Grande lchon hinausdrang; es ist der geistige und wirtschaft- ! che Mittelpunkt des ganzen Koloniegebietes auf der (Serra Rio Grande do Sul. Ein kleines Stück Deutschlands stellt es dar, das deutsches Wesen, i eutsche Sitte und Gebrauch auch nun nach bald 'Ojährigem Bestehen treu bewahrt hat und hoffent- k:ch auch bewahren wird.
Wie man dort im Juli 1934 den „T a g des J* o I o n i ft e n", den Tag der Einwanderung und Gründung der Kolonie festlich beging, sei im Fol- lsenden geschildert: Es war eine Feier seltener Gemeinsamkeit, in der Kirche und Schule im Gefühl i'igsten Zusammengehörens sich verbunden wußten im deutschen Volkstum. Und dies Gefühl der Zusammengehörigkeit bekam noch einen besonderen l indruck an diesem Tage dadurch, daß die deutsche £ aptiftengemeinbe mitfeierte und ihr Posaunenchor tjrd) Mitwirkung im Gottesdienst und bei der Sbenbfeier sich sehr oerbient machte. Das gab bem 2ag eine besondere Note. Herrlicher Sonnenschein lcg auf Feld und Flur. Von allen Seiten — denn b-e Straßen einer solchen Kolonie ziehen sich radial Do-m Mittelpunkt, bem sog. Stadtplatz, weit hinaus birch Felb und Urwald — kämen die Leute zu der 1*23 eingeweihten Kirche, vor der der erwähnte Pv- scunenchor sie mit Choral: ..Lobe den Herrn" emp- |hg. Schnell füllte sich das Gotteshaus, in das dann, 8?führt von Pfarrer Strothmann, die Fahnen b;T Vereine getragen wurden, um zu beiden Sei- hn des Altars Aufstellung zu nehmen. Ein Lob- Slang wurde ber ganze ©vttesbienst. „Ohne mich
könnt' ihr nichts tun", bas war bas Schriftwort bas ber Feftprebigt zugrunbe lag, ein Wort, besten Wahrheit schon bie ersten beutschen Einwanberer in Brasilien vor 110 Jahren erkannten. Weihevolle Stimmung lag auf dem überfüllten, festlich geschmückten Gotteshaus, Gesangsoorträge eines Männergesangvereins und eines Kirchenchores erhöhten die Weihe. Stehend sang die Gemeinde zum Schluß unter Glockengeläuts „Nun danket alle Gott." Um 12 Uhr setzte das große Läuten ein, das an diesem Tage und zu dieser Stunde wohl überall in allen deutschen Kolonien des Staates ertönte, wy Kirchen mit Glocken waren. Um 14 Uhr ging es im großen Festzug mit Musik zum Festplatz im Walde des Turnvereins. Alle Häuser waren mit Grün unb mit Fahnen geschmückt. Brasilianische unb schwarzweißrote Fahnen herrschten vor, baneben bie Riograndenser, hier unb ba auch bie Hakenkreuzfahne. Auf bem Festplatz entwickelte sich schnell ein festlich-frohes Treiben mit allerlei Unterhaltungen, Vorträgen von Gesangvereinen, Vorführungen ber Turnvereine usw. Üeberall herrschte ber ©runbton: Unser Tag.
Im Auftrag ber Staatsregierung war ein höherer Beamter mit Begleitern aus der etwa 12 Stunden entfernten Stabt Cruz alta (hohes Kreuz auf beutfch) gekommen. Er überbrachte einigen Neu-Württembergern, bie auf einer in der Stadt S. Leopoldo stattgefundenen landwirtschaftlichen Ausstellung Preise erhalten hatten, bie Medaillen unb sprach bann in langer Rebe vor ber großen Festversammlung von ber Bebeutung der deutschen Arbeit für den Staat Rio grande. Bei eintretender Dunkelheit erstrahlte in großer Beleuchtung ein Sanatorium und auf der anderen Höhe wurde die Kirche von Scheinwerfern beleuchtet. In einem großen Saal begann bann ber Festabend. Auch hier roieber ein enges Zusammenwirken ber beutschen Vereine, ber Schule unb Kirche. Feierlich leitete ber Posaunenchor ben Abenb ein; unter ben Klängen bes Hohenfriedberger Marsches zogen die Fahnensektionen der Vereine ein, geführt von Pfarrer Strothmann. Reichhaltig war das Programm des Abends. Der Festleiter begrüßte die Erschienenen, dankte besonders den Vertretern der Regierung für ihr Erscheinen; er wies auf Hindenburgs Ausspruch hin: „Die Treue ist das Mark der Ehre" unb betonte, daß das Beste der Kolonisten in der Treue zu ihrem deutschen Volkstum liege: „Indem wir diesem Volkstum die Treue halten müssen, wollen wir das Beste unseres Vaterlandes Brasilien." O. Meyers Lied der Deutsch-Brasilianer: „Rein und hoch am Himmelsbogen" wurde gemeinsam gesungen. Als Vorspruch Diente ein Gedicht von Marie Kahle: Zweite Heimat. (Diese westfälische Dichterin, bie im letzten Winter hier in Gießen vor zahlreicher Zuhörerschaft sprach, ist bei ben Deutschen in Brasilien wohlbekannt unb allgemein beliebt. Als sie 1934 eine große Vortragsreise burch Brasilien unternahm, um ben Volksgenossen bort Grüße aus bem Mutterland zu überbringen unb sie in ihrem Deutschtum zu bestärken, kam sie auch nach Neu- Württemberg, wo sie vor einer überaus großen Zuhörerschaft rebete.) Schulkinber trugen Gebichte vor. Nach einer Ansprache eines Staatsbeamten, ber bie Arbeit ber Deutschen beim Aufbau des Staatslebens rühmte, würbe bie brasilianische Nationalhymne von einem gemischten Chor gesungen unb stehenb angehört. Männerturnvereine stellten lebenbe Bilber, eine Riege führte einen Flaggenreigen auf nach dem Lied:
Die Olympiade der Künste.
Gleichwie bie großen antiken Wettspiele nicht nur eine höchste körperliche, sonbern auch geistige Auslese bebeuten, wirb bie Olympiabe bes Jahres 1936, für bie Deutschlanb als Gastlanb längst schon emsig rüstet, neben ben Wettkämpfen aller Sportarten auch große Wettbewerbe ber ft ü n ft e sehen — eine Tatsache, über bie bisher erst wenig in bas breite Publikum gebrungen ist.
In ben Bestimmungen für ben Kunstwettbewerb ber 11. Olympiabe heißt es: „Jebe teilnehmenbe Na
Nationalen Olympischen Kunstausschuß ihre einer Sammlung Dieser Kunstausschuß hat
tion hat burch einen vom Komitee einzuberufenben Kunstleistungen zu zu s a m m e n 3 u ft e II en. bie Aufgabe, für eine
würbige Vertretung seines Lanbes auf allen Gebieten
der Kunst und im Rahmen der gegebenen Vorschriften Sorge zu tragen. Hierfür ift eine sorgfältige, von maßgebenden Sachverständigen getroffene Auswahl notwendig. Die so zusammengestellten Sammlungen werden bann in Berlin ohne weitere Prüfung zum Wettbewerb zur Kunstausstellung zugelassen."
Selbstverstänblich kommen für biefen befonberen Olympia-Wettbewerb nur Werke in Frage, bie eine Beziehung zum Sport aufweisen: für bie Malerei unb Bilbhauerkunst etwa nur Themen um ein sportliches Ereignis, eine Hebung, eine Bewegung — für bie Bau-Kunst beispielsweise nur Entwürfe für Gebäube unb Anlagen zu sportlichen Zwecken — für bie Dichtung Schöpfungen aus bem gesamten Sportgebiet so gut wie um ein Einzelergebnis ober einer Einzelpersönlichkeit bes Sports ober eine bichterische Aussage über
ben Einfluß bes Sports auf Charakter, Herzens» unb Lebensgestaltung eines Volkes wie bes Jnbivi» buums — für bie Musik eine Verbinbung mit ber olympischen Jbee im weitesten Sinne, ganz gleich ob es sich hier um Tänze, sportliche Chöre, Märsche zur Verherrlichung bes Sports, Festspiele zur Aufführung in Verbindung mit sportlichen Festen ober begleichen hanbelt.
Schon ber Begrünber ber mobernen Olympischen Spiele, Pierre be Coubertin, hat immer verlangt, baß man gerabe auch biefe kulturelle Seite ber Olympiabe sichtbar betone; nur hatte er mit seinen Bestrebungen längst nicht ben Erfolg, bem er entgegeneiferte. Jetzt wirb in Deutsch- l a n b gerabe auf diesem Gebiete intensiv gearbeitet und organisiert, eine Arbeit, bie wesentlich erleichtert wirb burch bie einzelnen Ku11urkämme r n , bie bereits ihre biesbezüglichen Arbeitsausschüsse eingerichtet haben. Für den Wettbewerb aus bem Gebiet ber bilbenben ft ü n f t e , ber natürlich befonbere Bebeutung hat, steht die 4600 Quadratmeter große Halle VI des Ausstellungsgeländes am Kaiserdamm zur Verfügung. Vertreten ist auch der Tanz auf der kommenden Olympiade, wenn auch nicht in einem großen Kunsttanz-Wettbewerb, der von Deutschland angestrebt, vorn internationalen Komitee jedoch ab* gelehnt wurde; dafür wird man Internationale Tanzfestspiele veranstalten.
Wie auf sportlichem Gebiet, so gibt es auch beim Olympia-Wettbewerb der Künste keinerlei Geldpreise — es geht auch hier darum, eine bronzene ober eine silberne ober die höchste Auszeichnung, eine goldene Medaille zu gewinnen.
„Stolz weht die Flagge". Pfarrer Strothmann betonte in seiner Festrede wieder das, worauf es ankäme, wenn man im Kampf ums Dasein Sieger bleiben wolle: „Fest überzeugt sein, daß es Gottes Wille ist, daß wir Deutsche sind; daß wir festhalten müssen am Glauben unserer Väter, an unserer deutschen Art, an deutscher Muttersprache. Nur so können wir leisten, was geleistet werden muß zum Wohl unseres Vaterlandes Brasilien und zu unserem Besten." Auf seine Ansprache erfolgte der Gesang der deutschen Nationalhymne unb bes Hör st-Wessel-Liebes. Noch einmal rebete ein Regierungsvertreter über beutsche Arbeit, beutsches Können unb Organisation. Zum Schluß wurde stehend gesungen: „Wir treten zum Beten" und bann zogen langsam bie Fahnensektionen aus bem Saal unb froh-ernste Menschen gingen nach großem Erleben heim.
So feierte Neu-Württemberg ben Tag ber deutschen Einwanderung in gutem deutschen Sinn und Geist. Und wenn auf dem Heimweg ein Kolonialmädel zum anderen sagte: „Das war aber schöner als Ball", so war bas ein Beweis, daß Pfarrer Strothmanns Aufruf an die deutsche Jugend, sich zu besinnen auf ihr Volkstum, nicht umsonst war, daß er anfing, Wurzel zu schlagen in den Herzen deutscher Kinder im Ausland.
Grundsteinlegung für den Schulneubau.
Als Pfarrer Faulhaber 1902 nach Neu-Württemberg kam, hatte die Kolonie rund 400 Einwohner. Der sog. Stadtplatz war noch in den ersten Anfängen; vorhanden war ein Einwandererhaus, ein Kaufladen, eine Mühle; ferner ein Häuschen für den Polizeigewaltigen und ein kleines Haus für die Verwaltung; das war alles. Pfarrhaus und Schule waren im Bau. An befahrbaren Straßen gab es damals in der Kolonie rund 30 Kilometer. Faulhaber ging sofort mit aller Kraft an die Arbeit. Ende November 1902 fand der erste Gottesdienst statt, Januar 1903 wurde die Schule eröffnet mit 36 Kindern in 2 Klassen. Weil bas Schulgebäude noch nicht fertig war, richteten die Pfarrersleute ihr Wohnzimmer und eine Kammer als Schulraum ein. Im Februar konnte bas neue Schulhaus bezogen werben. Mit dem Wachsen Neu-Württembergs wuchs auch bie Zahl ber Kinber; 1905 waren es schon 95 Schulbesucher. Faulhaber, ber 1908 zum Direktor ber Kolonie ernannt worben war, widmete seine Kraft ganz b'em weiteren Gedeihen derselben. Sein Hauptaugenmerk richtete er mit Recht auf bie Schule; Klassen auf Klassen wurden neu aufgebaut, neue Lehrkräfte eingestellt; er arbeitete einen neuen Lehrplan aus für den Unterricht. Angezogen durch bas ausgezeichnete Schulwesen unb die mustergültige Verwaltung von Neu-Württemberg siebelten sich immer mehr Deutsche an. Balb war bie Schule überfüllt. Aus diesem Grunde und weil der Schulweg für viele Kinder infolge der immer weiter sich ausdehnenden Besiedlung zu weit wurde, mußte man zur Gründung von Filialschulen schreiten. So entstand eine ganze ReihS von Pikadenschulen; PikaHen sind die vom Stadtplatz der Kolonie nach allen Seiten, vielfach durch den Urwald, sich hinziehenden Straßen, zu deren Seiten die einzelnen Ansiedler in Zwischenräumen wohnen; ein jeder hat seinen ganzen Grundbesitz um sein Haus liegen. Die Schule am Stadtplatz wurde Zehnklassig und auch von vielen auswärtigen Schülern besucht, die in einem der Schule angeschlossenen Pensionat untergebracht waren. Alle Schulen von Neu-Württemberg faßte Faulhaber in einen Schulverein zusammen mit bem Zweck: Gründung und Erhaltung deutscher Schulen in der Kolonie und Fürsorge für stete Weiterentwicklung des ganzen Schulwesens. Ja, Faulhaber ging noch weiter. 1912 gründete er einen Verband deutscher Schulvereine auf ber Serra, um durch Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit das deutsche Schulwesen des ganzen Serragebietes zu heben.
Nach dem Weltkrieg, der an Neu-Württemberg äußerlich ziemlich ruhig vorüber ging, setzte eine gewaltige Einwanderung von Deutschen ein, die sich in Neu-Württemberg niederließen. Die meisten Einwanderer kamen aus Württemberg. Von 1921 bis 1929 sind 18 0 Familien zugewandert. Die Schulhäuser wurden bald zu klein, besonders die zwei am Stadtplatz gelegenen, unter denen man sich keine schönen steinernen Gebäude vorstellen darf, sondern ganz einfache aus Stämmen und Brettern errichtete, die bald allerlei Schäden zeigten. Die nach dem plötzlichen Tod Faulhabers zu dessen ehrendem Andenken gegründete Faul- Haber st iftung, deren Zweck ist, Mittel zusammen zu bringen, um das von Faulhaber Geschaffene zu halten, weiterzuführen und ausmbauen, mußte den Neubau eines großen dauerhaften Schulgebäudes ins Auge fassen. Am 15. November 1934 wurde der ©runbftein gelegt. Es war roieber ein überaus wichtiger Tag für bie ganze Kolonie. Mit ©locfengeläute und bem Spiel des Posaunenchors begann die Feier in
Gegenwart einer großen Menschenmenge. Der Vorsitzende der Faulhaber-Stiftung richtete einige Begrüßungsworte an bie Erschienenen, worauf ein Schülerchor bas „Heilig" von Schubert sang. Es folgte ein von Frau Inge Dippon verfaßter unb von einem Herrn vorgetragener Vorspruch.
Hieraus sprach ber Leiter ber Stabtplatzschule über bie Bedeutung der deutschen Schule für die Erziehung der deutsch-brasilianischen Kinder und schloß mit einem Hoch auf Brasilien unb Deutschlanb, worauf ber Schülerchor bie brasilianische Nationalhymne sang. Der Männergesangverein trug vor: „Leih aus beines Himmels Höhen". Der Geschäftsführer der Faulhaber-Stif* tung verlas dann die Urkunde, die in den Stein eingemauert wurde. Die Urkunde wurde in eine Kassette verschlossen und in ben Grundstein ver- senkt. Alsdann begannen die Hammerschläge. Die ersten tat der Vorsitzende der Faulhaber-Stiftung, Dr. Kuhlmann, dann folgten der Vertreter der Staatsbehörde, ein Kapitän de Amorim, Frau Faulhaber als Ehrengast und eine Reihe anderer Personen. Der gemeinsame Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes beendeten die schöne Feier, öorn deutschen Vizekonsul in der Stadt Ijuhy traf ein herzlicher Glückwunsch ein, und die deutsche Zeitung in der Hauptstadt hatte ein Telegramm gesandt mit Glückwünschen für den Neubau. Im Laufe des Jahres 1935 wird der Neubau vollendet und eingeweiht. O. F.
Glückwunsch des VDA. zu Brasiliens
Tag der deutschen Kolonisten.
Berlin, 24. Juli. (DNB.) Der Bundesleiter des VDA., Dr. Hans Steinacher, hat anläßlich des „Tages der deutschen Kolonisten" in Bra- silien den Brasiliendeutschen folgendes Gruß- telegramm gesandt: „Seit vielen Jahren ist das Deutschtum in Südbrasilien bestrebt, die große äußere Zerstreuung durch eine Einheits- beroegung oon Volks- und Kulturfrage n auszugleichen. Unter dem Vorbild der großen völkischen Einheitsbewegung im Mutterlands ist in den alten Kolonialgebieten von Rio Grande do Sul eine Bewegung entstanden, deren Bemühungen es zu verdanken ist, daß der 25. Juli, d e r An- funftstag der ersten deutschen Einwanderer im dortigen Staate, als nationaler Feiertag begangen unb seit bem Vorjahre von der Staatsregierung zum Staats- feiert ag erklärt wurde. Es ist der Tag der Besinnung auf das Volkstum der deutschen Kolonisten, aus dem sie ihre besten Kräfte schöpfen. Auch wir im Mutterlande gedenken an diesem Ehrentag unserer Brüder jenseits des Ozeans, ihrer und ihrer Taten mit besonderem Stolz."
Kleine politische Nachrichten.
Der Befehlshaber der preußischen Landespolizei Generalleutnant D a l u e g e hat zum Reichswettkampf der SA. den Betrag von 1000 Mark zur Vefügung gestellt. Auch ihm wurde vom Stabschef gedankt.
Die Indien-Vorlage wurde am Mittwoch vom Oberhaus in dritter Lesung ohne Abstimmung angenommen. Damit ist das große Gesetzeswerk vom englischen Parlament endgültig verabschiedet.
Das amerikanische Repräsentantenhaus nahm mit 299 gegen 100 Stimmen die Regierungsvorlage an, die die Schaffung einer ständigen Bundes» behörde zur Regelung des Alkoholhandels vorsieht. Entgegen ben Wünschen Roosevelts wirb bie neue Behorbe eine Unterabteilung bes Schatzamtes bilben unb nicht als unabhängige Bundesbehörbe arbeiten.
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In ganz Argentinien haben bie blutigen Ereignisse im Senat große Erregung ausgelöst.Jn ber Stadt Rosario, aus der der ermordete Senator Bordabehere stammt und in der er auch beigesetzt werden soll, ist es zu Kundgebungen gekommen. Finanzminister Dr. P i n e b 0 unb ßanbroirt- schaftsminister Duhau haben Rücktrittsge» suche eingereicht. Finanzminister Dr. P i n e b 0 hat ben Senator b e la Torre, ber ihn in ber Senatssitzung ber Feigheit bezichtigt hatte, zum Pistolenbuell gefordert, das am Dvn- nerstngmorgen stattfinden soll.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr.F.W.Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerer
R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.
Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig.


