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frech entgegenblinzelte. Seelenruhig kniete sich dann der Autler hin und nahm dem Auge Maß, erhob sich und sprach alsbald mit Würde:Der Rück­strahler ist da, aber nicht nach der Vorschrift. Die Ausführungsverordnung zur Reichsstraßenverkehrs­ordnung bestimmt, daß das Schlußlicht am Fahr­rad 50 Zentimeter über dem Fußboden angebracht sein muß. Mit vollem Recht, denn sitzt es höher oder tiefer, so fällt der Autoscheinwerfer nicht mehr recht »hinein. Dies Schlußlicht aber sitzt 20 Zenti­meter zu hoch. Die Schuldfrage des Unfalls dürfte damit geklärt sein ..

Der Radler und sein Katzenauge blickten hierauf sehr betreten drein. Es war nichts mit dem Be­weis harmloser Unschuld geworden. Erbost schleppte unser Radler nicht nur sein verbeultes Gefährt, sondern auch seine Strafe mit nach Haus.

Die Geschichte entbehrt so nicht einer recht beacht­lichen Mahnung. Katzenauge? Selbstverständlich! Aber auch an der allein richtigen Stelle, mein Freund ... H. B. v. M.

Oie Einrichtung von Iustizpreffestellen

in Hessen.

Im Zuge der Ueberleitung der Rechtspflege auf das Reich hat der Reichsjustizminister die Ein­richtung von Justizpressestellen und die Bestimmung der Pressedezernen­ten für das ganze Reich einheitlich geregelt. Die Justizpressestelle für den Bezirk des Oberlandes­gerichts D a r m st a d t, der sich mit dem Lande Hessen deckt, ist bei diesem Gericht errichtet worden und ihm behördenmäßig angegliedert. Zum Leiter der Justizpressestelle Darmstadt wurde vom Reichs­justizminister der am Oberlandesgericht tätige Land­gerichtsrat Dr. Lang und zu seinem Vertreter der ebenfalls bei diesem Gericht tätige Amtsgerichts­rat Herber ernannt. Zu Pressedezernenten wur­den bestimmt bei den drei hessischen Landgerichten: Staatsanwalt Dr. W e i n h e i m e r in Darmstadt, Landgerichtsrat Dr. Speckhardt in Mainz und Landgerichtsrat Knaus in Gießen. Presse­dezernenten bei den Amtsgerichten sind jeweils die Dienstaufsichtsrichter. Es zeigt sich hiernach, daß der neue Staat umfassende Maßnahmen ergriffen hat, um das deutsche Volk über den neuen Geist seiner Justiz aufzuklären. Die Anordnung über die Einrichtung der Justizpressestellen erscheint geeignet, die Verbundenheit der Justiz mit dem Volk weiter zu fördern.

Vergünstigungen kinderreicherFamilien bei Krankenkaffenbehandlung.

Die Herabsetzung des vom Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung zu tragenden Arz­neikostenanteils von 50 Rpf. auf 25 Rpf. war bis zum 30. Juni 1935 begrenzt. Nunmehr hat der Reichs- und preußische Arbeitsminister in einer Verordnung vom 15. Juni 1935 die Geltungsdauer der Herabsetzung bis zum 31. Dezember 1936 er­streckt.

Gleichzeitig hat der Reichsarbeitsminister in einem Rundschreiben an die Länder erneut auf die Mög­lichkeit der Stundung und Niederschlagung der Krankenscheingebühr und Arzneikostenbeteiligung in Fällen echter augenblicklicher Not hingewiesen. Der Reichsarbeitsminister hat dabei entsprechend den Grundsätzen nationalsozialistischer Staatsführung eine weitherzige Anwendung dieser Ausnahmevor­schriften in den Fällen angeordnet, in denen es sich um Krankheitsfälle in kinderreichen Familien handelt. Damit sind die Bestrebungen der Reichsregierung, die durch die Notverordnungen hervorgerufenen Härten abzumildern und zu beseiti­gen, in einem bevölkerungspolitisch sehr wichtigen Punkt gefördert worden. BKk.i.Kfflki wrm inmm

Wamm verkennst dumiL

Vardara?

Roman von Liane Sanden.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)

18. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Der Professor ging, gefolgt von dem Dorfarzt, der ihm ehrerbietig und beflissen die Tür öffnete. Im Zimmer war Stille. Niemand wagte etwas zu sagen. Endlich begann Eckehard mit gepreßter Stimme:

Halten Sie es nicht für zweckmäßig, Fräulein Gerwig, daß man den Vater der gnädigen Frau benachrichtigt?"

Magdalena fuhr zusammen:

Glauben Sie wirklich, daß etwas Schlimmes eintreten könnte?" Tränen liefen ihr über die Wangen.

Nein, nein, Fräulein Gerwig, dos glaube ich nicht! Nur auf alle Fälle muß doch Herr Se­nator Heyden benachrichtigt werden!"

Wenn es geht, möchten wir das noch vermeiden, Herr von Mackenroth! Ich weiß von Barbara, daß fie in der letzten Zeit in großer Sorge um die Gesundheit ihres Vaters ist. Senator Heyden hat ein schweres Herleiden. Es war immer Barbaras Bestreben, ihm jede Aufregung zu er­sparen. Ach, sie ist ja die beste, liebevollste Tochter, die msr* sich denken kann. Es würde nicht in ihrem Sinne sein, den Vater zu beunruhigen."

Dann wollen wir damit warten, Fräulein Gerung! Ich möchte nichts tun, was die gnädige Frau nicht gutheißen würde!" Plötzlich faßte Eckehard die Hände Magdalenas:Fräulein Mag­dalena, wir sind doch seit dem Morgen neulich Verbündete nicht wahr?"

Sie nickte unter Tränen.

Leise fuhr er fort:

Wir sind es mehr denn je durch unsere Sorge um Frau von Stechow!"

Wieder nickte sie:

Fräulein Magdalena, haben Sie eine Ahnung, warum Frau von Stechow immer so abweisend und verletzend gegen mich ist?"

Sie schüttelte hilflos den Kopf:

Ich weiß es nicht, Herr von Mackenroth! Sie ist ganz verändert gegen früher. Selbst gegen mich war sie plötzlich so kalt und abweisend. Ich beabsichtigte aus diesem Grunde, in den allernäch­sten Tagen abzureisen."

Und ich beabsichtigte, von hier fortzugehen. Mein Abschiedsgesuch hatte ich bereits Frau von Stechow eingereickt.. Durch diesen schrecklichen Un­fall ist eine Entscheidung darüber natürlich hinaus­geschoben."

Der Kampf des Deutschtums in Oesterreich/'

Vorkrag im Hilfsbund der Deutsch-Oesterreicher in Gießen.

Der Hilssbund der Deutsch-Oesterreicher, Orts­gruppe Gießen, unter Ortsgruppenführer Gal­lois veranstaltete eine Kundgebung im Restau­rant Boller, bei der Dipl.-Ina. Pauer-Heidel­berg über die Not der Deutschen in Oesterreich sprach. Er schilderte die Entwicklung der innen« und außenpolitischen Verhältnisse des ehemaligen Kaiserreiches bis zum Kriegsausgang, der dieses Reich schwerer traf als Deutschland. Die Marxisten, die, wie im Reich, auch in Oesterreich am Ruder waren, verwirtschafteten nicht nur die wirtschaft­lichen, sondern auch die moralischen Güter des Vol­kes. Die Demokratie in Oesterreich ging auch hier den Weg der Kreditaufnahme bis zur Verpfän­dung staatlichen und privaten Eigentums mit dem Ziele der nachfolgenden Verschleuderung. Als erster Politiker und Staatsmann trat dann Dr. Seipel auf, der in Genf der Forderung der Staaten, die die Geldgeber waren, auf einen Verzicht des An­schlusses, den Protest gegenübersetzte: Es gibt nur einen Anschluß an Deutschland, sonst keine andere Lösung. Auch sein Nachfolger Schober ging den Weg, Den ihm Pflicht und Gewissen vorschrieb, den Weg nach Berlin. Er schloß mit dem damaligen Außenminister Curtius die deutsch-österreichische Zollunion ab, der der politische Anschluß folgen sollte. Erst unter Dollfuß setzte der Kurswechsel ein. Gegen eine Anleihe, von der ihm nur 30 Mil­lionen blieben, ging er die vertragliche Verpflich­tung ein, von einer Bindung mit Deutschland ab­zusehen. Der schwarz-rote Kurs im Lande vernich­tete die Zollunion mit dem Reich.

Es wurde die Vaterlandsfront als Gegenbewe- aung gegen die Volksbewegung der NSDAP, ge­schaffen. Durch Zwangsmaßnahmen wurden von den Behörden bis zu den Vereinen alles zu dieser Organisation gepreßt, so daß der einzelne als Be­rufsangehöriger und Mitglied mehrerer Vereine drei- bis viermal ihr zugehört. Die Regierung konnte darum in Genf sagen, wir brauchen keine Volksabstimmung, den 10,5 Millionen Oesterreicher stehen hinter der Vaterländischen Front. Das ganze Land hat zwar nur 6,5 Millionen Einwohner. Der Kampf gegen die Bekenner zur Weltanschauung der Deutschen ging in einer nicht zu beschreibenden Art und Weise weiter.

Der Redner wandte sich gegen die falschen Vor­stellungen Über den Deutsch-Oesterreicher. Schon in der k. und k. Armee waren nur 10 v. H. Deutsche und diese haben 80 v. H. der Verluste getragen. Eindringlicher als durch das Denkmal einer deutschen Gemeinde kann der Heldenmut der Deutschen im k. und k. Heer nicht bewiesen werden, auf dem zu lesen steht, daß aus diesem Dorf 39 Offiziere und 2441 Mann ausgezogen und 39 Offi­ziere und 2440 Mann den Heldentod gefunden haben. Im gleichen Sinne kämpfen heute die Deutschen in Oesterreich.

Der Gebietsführer des Hilfsbundes der Deutsch- Oesterreicher, Dr. H ä n e l, Frankfurt a. M., gab noch einen kurzen Ueberblick über die große Not des Landes und zeichnete dann ein Bild feiner landschaftlichen Schönheiten und großen Schätze, die nur erschlossen werden können in Verbindung mit der Industrie und dem Absatzgebiet des Reiches. Er schloß seine Ausführungen mit dem Treugelöbnis zum Führer.

Gießener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 25. Juni. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42, Matte 20 bis

Angstvoll sah Magdalena den Mann an:

Sie werden doch jetzt nicht fortgehen, Herr von Mackenroth? Sie werden doch jetzt Barbara nicht verlassen?"

Mackenroth lächelte bitter:

Ich glaube nicht, daß ich hier sehr nötig bin, Fräulein Gerwig! Aber ich bleibe so lange, bis sich Frau von Stechows Schicksal entschieden hat. Und Sie?"

Es ist doch selbstverständlich, daß ich jetzt hier nicht fort kann. Ich verdanke Barbara so viel glückliche Wochen. Ich werde sie doch jetzt in der Krankheit nicht verlassen. Ach, Herr von Macken­roth, mir ist so schwer und bange ums Herz! Vergessen Sie doch, was Barbara Ihnen angetan hat! Denken Sie nur daran, daß wir beide hier Zusammenhalten wollen!"

Das gelobe ich Ihnen!" sagte er mit ernsten Augen.Und nun muß ich gehen, Fräulein Gerwig! Das Leben geht weiter und die Arbeit auch. Ich bitte Sie nur von Herzen, wenn sich irgendwie etwas in dem Zustand der gnädigen Frau verändert hat, geben Sie mir Nachricht.

Mit schwerem Herzen war Eckehard vom Schloß gegangen. Aber er durfte sich jetzt nicht in frucht­losem Gram verlieren. Es gab noch vieles zu tun. Vor allen Dingen war er jetzt fest ent­schlossen, dem rätselhaften Tod der Zuchtstute nach­zugehen. Es war gut, daß Rockesch noch nicht zu­rück war. So konnte er selbständig handeln und das auch Rockesch gegenüber vertreten. Er ließ den kleinen Selbstfahrer aus der Garage bringen, der ihm für -Fahrten über Land und den weit ausgedehnten Besitz von Schedlowitz zur Verfügung stand. Es war inzwischen schon Abend geworden. Aber es kümmerte ihn nicht. Er schaltete die La­terne ein. Schon war der dunkle Weg von dem Licht der Scheinwerfer erhellt.

In der Leutestube saßen trotz der späten Stunde noch alle Knechte und Mägde zusammen. Die Auf­regung des heutigen Tages ließ noch keinen zur Ruhe kommen. Der Unfall der Gutsherrin war das allgemeine Gespräch. Auf allen Mienen la­gen Angst und Bestürzung. Jeder verehrte in Barbara eine gütige und gerechte Arbeitgeberin. Darin waren sie sich alle einig. Nur Carliczek, einer der Melker, saß teilnahmlos dabei und las in, einem abgegriffenen Kriminalroman. Aber man kannte ihn als einen wortkargen, ungeselligen Menschen, der außer seinen Büchern und der Ar­beit kein anderes Interesse hatte.

Die Scheinwerfer von Eckehards Wagen sandten ihr zuckendes Licht über den Hof, als er aus der Ausfahrt fuhr. Sie spiegelten sich in den Scheiben der Leutewohnungen.

Na, wo fährt denn der jetzt noch hin?" fragte einer der Knechte erstaunt.

Das kann ich euch sagen", erklärte Emil.Dem läßt die Stute keine Ruhe. Das geht ja auch nicht mit rechten Dingen zu, daß das beste Vieh

25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 12, Rote Rüden, das Pfund 10 bis 12, Spinat 15 bis 18, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen (grün) 20 bis 30, Spargel 1. Sorte 40 bis 45, Suppenspargel 20 bis 25, Erbsen 20 bis 30, Misch­gemüse 10 bis 12, Tomaten 60 bis 65, Zwiebeln 20, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 50, Kartoffeln (neue) 18 bis 20, (alte) 4V2 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, Aepfel, das Pfund 70 Pf., Kirschen 20 bis 30, Stachelbeeren 15 bis 20, Erdbeeren 35 bis 45, Nüsse 50, Suppenhühner 80, Tauben, das Stück 60, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 10, Salat- gurfen 30 bis 40, Oberkohlrabi. 8 bis 12, Rettich 10 bis 15, Suppengrün 5, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Pf.

Daten für den 26. Juni.

1583: der schwedische Staatsmann Axel Oxen- ftierna auf Fanö geboren (gestorben 1654); 1826: der Ethnologe und Forschungsreisende Lid. Bastian in Bremen geboren (gestorben 1905); 1841: der Baumeister Paul Wallot in Oppenheim a. Rh. ge­boren (gestorben 1912); 1918: der deutsch-öster­reichische Dichter Peter Rosegger in Krieglach ge­storben (geboren 1843).

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag: NSDAP. Kreisschulungsamt: 19 Uhr im Hotel Hop- feld Schulungsabend für alle Ortsgruppen und Stützpunkte des Kreises Gießen. DAF. Kreis- waltung Gießen, Fachgruppe Hausgehilfinnen: 20.30 Ühr Versammlung im Caf6 Ebel, Burggra­ben. NSG.Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr Fröhlicher Sport- und Spielbetrieb auf dem Uni« versitätssportplatz am Kugelberg, 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr2 Stunden Lachen mit Gustav Jacoby". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Sünde der Madelon Claudet".

Zwei Stunden Lachen mit Gustav Jacoby! Gustav Jacoby, der am heutigen Diens­tag im Stadttheater einen lustigen Abend veranstal­tet, entstammt einer alten Künstlerfamilie. Sein Vater war der Luftspieldichter Wilhelm Jacoby (Mitverfasser vonPension Schöller" und zahlloser anderer Schwänke), Großvater Franz Deutschinger und sein Onkel, Geheimrat Varena, waren bedeu­tende Theaterdirektoren ihrer Zeit. Sein Bruder ist Filmregisseur (Quo vadis,Csardasfürstin",Po­lizeibericht meldet" u. a.). Das läßt sich bei Gustav Jacoby nicht verleugnen, das Theaterblut steckt in

ihm, hilft ihm täglich aufs neue mit dem Publikum den Kontakt zu finden! Hilft ihm den Raum zwi­schen Podium und Zuschauerraum im Nu zu über­springen. Nicht nur in ganz Deutschland gelingt es ihm, die Menschen zu begeistern, mit feiner froh- gemuten Natur, sondern auch im Ausland jubelt man ihm zu. Besondere Freude macht er seinen Zu­hörern mit feinen fein geschliffenen politischen Sa­tiren, die mit zum Besten seines Abends gehören.

Der Gießener Eisverein veranstaltet am kommenden Freitag, 28. Juni, im Eishaus eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Auf die heutige Anzeige fei besonders hingewiesen.

** Schlageterschild für Kriminal- hauptwachtmeister Schneider. Von der Vereinigung für Koloniale Wiedergewinnung Gie­ßen wird uns mitgeteilt: Dem zweiten Vereinsfüh­rer der hiesigen Vereinigung für Koloniale Wieder­gewinnung, Kriminalhauptwachtmeister , Ernst Schneider Gießen, wurde für feine Teilnahme an der Niederwerfung des Spartakus-Aufstandes in Hamburg 1919 der Schlageterschild verliehen. Schon feit Jahren steht Schneider in der Führung der hiesigen deutschen Kolonialbewegung, um auch hier zum Wohle unseres deutschen Volkes und Va­terlandes zu wirken und zu schaffen.

** Rohlinge an der Arbeit. Bubenhände haben in der Nacht zum Montag in der Nähe des Schiffenbergs schweren Schaden angerichtet. Auf dem Abstiegweg vom Schiffenberg nach dem Forst­garten wurde das gesamte Geländer ausgeriffen. Sämtliche Bänke wurden umgeworfen und ^um Teil schwer beschädigt. An der Gabelung nach Hau­sen wurde der Fünf-Punkte-Pfahl durchgebrochen. Der Wegweiser wurde umgerissen und dabei ein schweres "st-Eisen umgebogen. Das Treiben der Rohlinge, die hier an der Arbeit waren, kann nicht scharf genug verurteilt werden.

** Unfälle. Heute morgen gegen 7 Uhr er­eignete sich in der Kirchstraße ein Verkehrsunfall. Ein Dreirad-Kraftfahrzeug fuhr mit einem Auto zusammen. Der Führer des Dreiradwagens, tin Mann aus Krofdorf, der zum Wochenmarkt fahren wollte, kam dabei schwer zu Fall und erlitt eine Kopfverletzuung. Er wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Klinik gebracht., Der 24jährige Kaufmann Friedrich S t ü ck r ä t h , Asterweg 47, erlitt einen Unter- fchenkelbruch des rechten Beines und mußte in ärzt­liche Behandlung gebracht werden. Einen Bein­bruch erlitt ferner der 24jährige Student Walter Neurath, Großer Steinweg 3.

Oie Deutsche Arbeitsfront.

NS-GemeinschastKraft durch Freude".

Mozarlkouzerk auf dem Schiffenberg.

Arn kommenden Samstag, 29. Juni, veranstal­tet die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" erstmalig in der Kirchenruine vom Schiffenberg ein Mozartkonzert. Das Collegium musicum und der Akademische Gesangverein unter Leitung von Professor Temesvary bringen folgende Werke Mozarts zu Gehör: 1. Ave verum. Dieses Werk ich wohl eines der schönsten, die wir in der deut­schen Musikliteratur haben. Dann spielt das Col­legium musicum eine Serenade für Streichorchester und Pauken und zum Schluß bringt der Akade­mische Gesangverein mit dem Collegium musicum zusammen noch einen geistlichen Chor. Das Kon­zert beginnt bei Eintritt der Dunkelheit. Die Kirche wird von innen und außen feierlich erleuchtet. Es besteht die Möglichkeit, durch Pendelverkehr mit

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Omnibussen auf den Schiffenberg zu fahren. Kurz nach Mitternacht wird das große Tor des Schiffen- berges geschlossen, damit das Konzert nicht durch den Lärm der an- und abfahrenden Wagen ge­stört wird. Das Konzert wird höchstens 40 Minuten dauern, bringt aber in seiner Auswahl mit das Beste Mozartscher Musik. Der Eintrittspreis be­trägt 30 Pf.

Ilrlauberzug Schlefien/Glaher Bergland vom 19. Juli bis 2. August. Fahrlkosten 57 Mark.

Diese zweiwöchige Urlaubsfahrt führt in Deutschlands Südosten, das Schlesierland. Das Ur­laubsgebiet im Glatzer Bergland bietet in feiner Art neue Reize, die so vielen Bewohnern des west­lichen Deutschlands verschlossen blieben, denen jetzt die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" solche

uns hier krepiert. Der holt sicher noch den Tier­arzt."

Na, der wird gerade in der Nacht heute schon wiederkommen. Der liebt seine Nachtruhe über alles, der Doktor Wenczliczek!" meinte einer der Leute lachend.

Der Melker Carliczek stand auf, klappte sein Buch zusammen, verstaute es in seiner Joppe und schob sich langsam von der Bank herunter dem Ausgang zu.

Na, Carliczek, wohin denn so früh?"

Früh?" sagte der.Ist ja schon spät!" Er gähnte und brummte etwas, was wieGuten Abend!" heißen sollte.

Der liebt auch seine Nachtruhe!" sagte Emil spöttisch. Er konnte den mundfaulen Menschen nicht leiden.Ehe der einen Schritt gemacht hat, ist ein anderer schon zu Fuß um ganz Schedlowitz gelaufen so ein faules Biest!"

Der Melker Carliczek stand im Gange einen Augenblick still. Er dachte nach. Dann ging er mit seinen gewöhnlichen, schleppenden Schritten seiner Kammer zu. Sie lag im Dachgeschoß eines der Leutehäuser. Ihr kleines Mansardenfenster ging nach dem freien Lande hinaus.

Und nun tat Carliczek etwas ganz Merkwürdi­ges. Obgleich sämtliche Leutewohnungen elektrisches Licht hatten, schaltete er das Licht nicht ein. Viel­mehr holte er aus einer Kiste eine Kerze heraus, steckte sie an und stellte fie ans Fenster» fo daß ihr Schein in das abenddunkle Land hinausfiel. Wohl fünf Minuten ließ er die Kerze brennen und stand dabei wartend in der Dunkelheit des Zim­mers. Dann löschte er die Kerze, zog seine schweren Schuhe aus und ging vorsichtig, in Strümpfen, die Treppe wieder herunter.

21. Kapitel.

Eckehard fuhr in rasendem Tempo durch die Nacht der Kreisstadt zu. Doktor Wenczliczek würde sich schön wundern, wenn er ihn mitten in der Nacht wieder herausholte. Aber es half nichts. Die Sache mußte bald erledigt und geklärt fein.

Vor dem Dorfe Freidau, wo die Bahnstrecke ab­zweigte, sah er aus dem Dunkel die glühenden Lichter eines Wagens auftauchen. Er gab mit Hupe und Scheinwerfer Signal. Haarscharf sausten die beiden Wagen aneinander vorüber. In der Dunkelheit konnte Eckehard nicht erkennen, wer da an ihm im Auto vorbeigefahren war. Er hatte auch gar keine Zeit, sich umzusehen. Jede Minute war wichtig.

Endlich fuhr er in die stille Kreisstadt ein. Sie war heute dunkel. Der Himmel hatte noch das neblige Gewölk des Gewittertages. Diesmal mußte er wiederholt läuten, bis sich endlich oben ein Fenster öffnete und der struppige Kopf Doktor Wenczliczeks erschien. Er war wenig erfreut, schon wieder heraus zu müssen. Und als er hörte, worum es sich handelte, wurde er beinah grob.

Das können Sie wirklich von mir nicht ver­langen, Herr von Mackenroth! Das hat doch bis morgen. Zeit!"

Herr Doktor, lassen Sie mich nur ins Haus! Ich kann Ihnen doch von der Straße her nicht alles erklären!"

Na schön, ich werfe Ihnen den Schlüssel her­unter!" sagte Doktor Wenczliczek.

Wenczliczek verschwand. Einen Augenblick spä­ter kehrte er wieder zurück:

Achtung! Aufgepaßt!" rief er. Der Schlüssel, in weißes Papier gewickelt, flog durch die Lust und landete klirrend vor Eckehards Füßen. Der öffnete die Haustür und stieg die knarrende Treppe zu der Wohnung Doktor Wenczliczeks hinauf. Der öffnete ihm. Er trug über feinem Nachthemd einen weiten türkischen Schlafrock, der mit höchst umpassenden Flicken ausgebessert war dazu ein Käppchen mit einer Troddel auf dem Kopfe.

Machen Sie die Tür zu machen Sie die Tür zu!" jammerte er.So mitten in der Nacht aus dem warmen Bett wie soll man da feinen Rheumatismus loswerden? Na, kommen Sie nur herein, Herr von Mackenroth!"

Er nötigte Eckehard in fein Arbeitszimmer von zweifelhafter Sauberkeit, in dem eine matte elek­trische Birne brannte.

Nun sagen Sie nur, wie kommen Sie auf die Idee, daß ich jetzt noch herauskommen soll? Das Tier ist doch krepiert. Das können Sie mir gar nicht bezahlen, was eine nächtliche Obduktion kostet!"

Es wird bezahlt werden, Herr Doktor! Es liegt mir unbedingt daran, das Sektionsprotokoll noch heute nackt zu haben!"

Der Ton Ecrehards klang so ernst, daß Wencz­liczek aufmerksam wurde.

Hat Frau von Stechow das angeordnet?"

Frau von Stechow liegt schwer verunglückt auf Schloß Schedlowitz, Herr Doktor! Da niemand da ist, habe ich zunächst die nötigen Anordnungen getroffen. Denn auch Herr Oberinspektor Rockesch ist in Angelegenheiten unserer Forstwirtschaft ver­reist. Ich kann also nicht warten. Sie werden selbst einsehen, daß es für die Obduktion ziemlich spät ist."

Na, denn in Gottes Namen!" brummte Wencz­liczek. Die Energie des Inspektors schien auf ihn Eindruck zu machen. Wenn er nur wüßte, warum der fo fanatisch auf einer Untersuchung des toten Tieres bestand.

Sagen Sie, Herr von Mackenroth haben Sie etwa einen Verdacht, daß mit dem Vieh irgend etwas geschehen ist?"

Eckehard nickte stumm. Auf die weitere Frage des Arztes lehnte er eine Antwort ab.

Schweigend fuhren fie durch die Nacht.

Von dem Kirchturm des Dorfes Schedlowitz schlug die Uhr in zwei dünnen Schlägen.

(Fortsetzung folgt!)

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