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Nr.Ul Erstes Blatt

185. Jahrgang

Samstag, 25. Mal 1935

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Europäische

Echicksalsgemeinschast.

Die große Reichstagsrebe des Führers und Reichskanzlers war als Antwort auf die englische Aufforderung, Deutschland möge doch mitteilen, welchenkonstruktiven Beitrag" es zu dem alles beherrschenden Problem der Sicherung des Friedens leisten könne, naturgemäß eine Dar­legung des außenpolitischen Programms der Reichs­regierung. Und dieser ganz überwiegenden Be­deutung entsprach es auch, daß unsere Erörterungen der Führerrede sich bislang ausschließlich um diese rein politischen Gedankengänge der Friedenssiche­rung, der Rüstungen, des Verhältnisses zu den andern Völkern drehten. Aber das Bild der deut­schen Stellungnahme zur Weltpolitik wäre unvoll­ständig geblieben, wenn darin eine Betrachtung der Wirtschaft gefehlt hätte. Wenn auch der Streit um den Vorrang zwischen Politik und Wirtschaft längst zugunsten der Politik entschieden ist, so ken­nen wir die enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft. Wir haben zumindest seit dem Welt­krieg, der Hungerblockade und Versailles mit seinen auf die Lähmung der deutschen Wirtschaft abzielen­den Bestimmungen erfahren, wie die Wirtschaft zum politischen Kampfmittel werden kann. Wir spüren heute noch die Auswirkungen eines solchen Wirtschaftskampfes, bei dem neben wirtschaftlichen Motiven politische Hintergründe eine ausschlag­gebende Rolle spielen. Wir wissen aber auch um die Bedeutung der Wirtschaft für die Erhaltung und Steigerung der nationalen Volkskraft in Krieg und Frieden. So wenig also wirtschaftliches Denken die Politik beherrschen darf, so sehr muß die Politik wirtschaftliche Zusammenhänge erkennen und be­achten. Denn die Politik als Kunst der Staats­führung zieht ihre Kraft aus allen Bereichen menschlichen Lebens. Der Nationalsozialismus hat die in der Zeit des politischen Niedergangs ins Wanken geratene Rangordnung zwischen Politik und Wirtschaft wieder zurechtgerückt. Politik ist das Schicksal, die Wirtschaft kann nur als Teil der Politik zum Schicksal werden.

Der Führer hat in klarer Erkenntnis ihrer Bedeutung der Wirtschaft in allen seinen großen programmatischen Darlegungen stärkste Beachtung geschenkt und auch, abgesehen von den uns auf den Nägeln brennenden Problemen des Tages, immer wieder die grundlegenden wirtschaftspoliti­schen Zusammenhänge aufgezeigt, deren Mißach­tung oder Verkennung in der Verganaenheit so katastrophale Folgen gezeigt haben und in der Gegenwart draußen in der Welt noch immer nicht zu der Einsicht zu führen scheint, daß nur eine Zu­sammenarbeit der Völker, niemals aber Absper­rung und Kampf zur Behebung der Krisis führen kann, die die Welt wirtschaftlich als solche über­haupt zu vernichten und die nationalen Wirtschaf­ten zwangsläufig um Jahrhunderte zurückzuwerfen droht. Der Führer ging in seiner großen Reichs­tagsrede von der wirtschaftlichen Lage aus, in der sich Deutschland am Ende des Weltkrieges befand. Kriegswirtschaft und Blockade hatten einen Mangel an Rohstoffen und Nahrungsmitteln erzeugt, der weit über den normalen Bedarf eines yroßen Jndu- strievolkes hinausging, mochte auch dieses ja auch schon zu normalen Zeiten auf die Zufuhr von Rohstoffen und Nahrungsmitteln aus den großen überseeischen Erzeugungsgebieten angewiesen sein. Blinder Haß und Vernichtungswille, die in völliger Verkennung der engen wirtschaftlichen Verflechtung der Volkswirtschaften auch die Rückwirkungen ge­flissentlich übersahen, unterließen nicht nur alles, was dieses durch den Krieg geschaffene Vakuum mit Rohstoffen und Konsumgütern hatte ausfullen und damit aber auch zugleich die eigene Industrie und die eigene Landwirtschaft hätte wieder ankurbeln können, sondern sorgten vielmehr noch dura) die unsinnigen Bestimmungen des Versailler Diktats dafür daß unter dem DeckmantelWiedergut- machunq" die deutsche Wirtschaft durch Hergabe ihrer letzten Vorräte an Vieh, Verkehrsmitteln, mdu- striellen Rohstoffen bis zum letzten ausgeplundert wurde.

Daß der wirtschaftliche Vorteil des einen Landes niemals am besten gefördert werden kann durch die wirtschaftliche Vernichtung des andern, daß v i e - mehr die Weltwirtschaft eine Schicksalsgemeinschaft der Völker ist, in der die Erkrankung eines ©lie­bes die andern ansteckt, diese Einsicht dämmte erst nach dem eklatanten Zusammenbruch der Re- parationspolitik, aber zur selbstverständlichen Gene­rallinie der leitenden Staatsmänner ist sie auch heute noch nicht geworden. Was sich aus der Zwangslage des Weltkrieges entwickelt hatte der Aufbau eigener Industrien in den großen Agrar­ländern des Ostens und der neuen Welt, die bis dahin Nahrungsmittel- und Rohstofflieferanten der alten Industrieländer Europas gewesen waren uno dafür die fertigen Jndustrieerzeugnisse bezogen hat­ten, diese den gesunden Austausch der auf den Kopf stellende Entwicklung setzte sich durch die kurzsichtige, jeder wirtschaftlichen Vernunft Hohn sprechende Politik der Siegermächte bis zum heutigen Tage fort. Dazu kommt die völlige Ver­nichtung der Kaufkraft eines Hundert-Millwnen- Reiches wie Rußland durch den Bolschewismus und den aus starrem Doktrinarismus gemachten Versuch des Aufbaus einer eigenen Industrie in der Sowjetunion, um aus dem Bauern einen Prole­tarier zu machen. Nimmt man weiter dazu die scharfe Beschneidung des großen o st asiatischen Absatzmarktes durch den sich durch Jahrzehnte hm- ziehenden, Handel und Wandel störenden chine­sischen Bürgerkrieg und die japanische Kon­kurrenz, die nicht nur auf dem asiatischen Fest­land eigene Industrien aufgebaut hat, sondern über

Eiliigungsfonnel im Abessinienkonslikt vom Mkerbundsmt in einer AnchWung angenommen. Abessinien und Italien stimmen der Durchführung eines Schlichtungsverfahrens gemäß des bestehenden Schiedsvertrages zu.

Genf, 25. Mai (DNB.) Nach einer vertraulichen Beratung begann Samstagnacht gegen 1 Uhr die öffentliche Sitzung des Völkerbunds­rates, auf deren Tagesordnung als einziger Punkt der italienisch-abessinische Streitfall stand. Der Ratspräsident, Außenkommissar Lit­winow eröffnete die Sitzung und entschuldigte sich für die Einberufung zu so später Stunde mit dem Hinweis auf die Wichtigkeit der Frage und die Notwendigkeit ihrer möglichst raschen Erledigung. Auf seine Aufforderung nahm sodann der Ver­treter Abessinien s der französische Völker- rechtsprofessor Jex, am Ratstisch Platz. Litwinow erinnerte an den italienisch-abessinischen Freund- schasts - und Schiedsvertrag von 1928/ wonach bei Streitigkeiten, die auf dem üblichen diplomatischen Wege nicht erledigt werden könnten, eine gewaltsame Lösung ausgeschlossen sei und ein Ausschuß von Schiedsrichtern bestellt werden soll. Dann legte er dem Rat zwei Entschlie­ßungsentwürfe vor.

Die beiden Entschließungen.

Bis zum 25.August befristetesSchlichtungs- verfahren. Die vier Schiedsrichter haben freie Hand.

Die er sie Entschließung gehl davon aus, daß sich die italienische und abessinische Regierung auf der Ratssitzung vom Januar 1935 bereit­erklärt haben, die wegen des Zwischenfalles vom 5. Dezember 1934 entstandenen Streitig­keiten gemäß dem italienifch-abefsinifchen Ver­trag von 1928 z u regeln. Rach Erschöpfung der direkten Verhandlungen auf diplomatischem Dege seien die beiden Parteien zur Ernennung ihrer Schiedsrichter im Sinne dieses Ver­trages geschritten und sie feien bereit, diesen Schiedsrichtern auch die Regelung der in­zwischen an der italienisch-abessinischen Grenze eingetretenen Zwischenfälle zu über­tragen. Die italienische Regierung er­hebe entsprechend einem an sie gerichteten Dünsche keine Einwendungen hinsichtlich der Staatsangehörigkeit der von der abessi­nischen . Regierung bestimmten Schiedsrichter. Die beiden Regierungen seien sich darüber einig, den Zeitpunkt, an dem das Schlichtungs- und Schiedsverfahreu beendet sein soll, auf den 2 5. August fe st zusehen. Demgemäß fordert der Rat den Generalsekretär des Völkerbundes auf, in der Zwischenzeit den Ratsmitgliedern alle Rach­richten, die ihm von den beiden Parteien, ins­besondere über den Fortgang der Arbeiten der Schiedsrichter, zugehen, mitzuteilen.

In der zweiten Entschließung erklärt der Rat, daß er den beiden Parteien alle Freiheit zur Lösung des Streitfalles gemäß Ar­tikel 5 des italienifchen-abefsinischen Vertrages vom 2. August 1928 laßt. Der Rat beschließt, wieder zusammenzutreten, falls die vier Schieds­richter sich bis zum 2 5. Juti nicht geeinigt

und auch nicht über die Wahl eines fünften Schieds­richters verständigt hätten. Dabei soll es den vier Schiedsrichtern allerdings überlassen bleiben, diese Frist zu verlängern. Außerdem beschließt der Rat, zur Prüfung der Lage zusammenzutreten, falls am 25. August eine Regelung auf dem Wege der Schlichtung und der Schiedsgerichtsbarkeit nicht erfolgt ist.

Die Zustimmung Italiens.

Einmischung von dritter Seite verbeten.

In der Aussprache richtete der abessinische Vertreter eine Reihe von Fragen an . Baron Aloisi, insbesondere hinsichtlich der weiteren Entsendung von Truppen und Muni­tion nach Ostafrika. Der italienische Ver­treter antwortete in einer längeren Darlegung, die auf die Vorgeschichte des Streitfalles und feiner Entwicklung ausführlich eingeht. Wegen der mili» tärischen Vorbereitungen bemerkte er, daß, da der gegenwärtige Konflikt aus einem militä­rischen Angriff entstanden sei, die italie­nische Regierung naturgemäß darauf bedacht ge­wesen sei, das Gebiet ihrer Kolonien in Ver­

teidigungszustand zu setzen. Dabei hab« sie ihre Absichten durch eine bisher ungewohnt« Offenlegung aller ihrer Maßnahmen am besten bewiesen. Es sei in der Tat noch nicht dagewesen, daß eine Regierung Tag für Tag Zahlen über ihre Material- und Truppentransporte ver­öffentliche. Ein sehr großer Teil des Personals bestehe übrigens aus Arbeitern.

Die italienische Regierung könne ebenso wie jede andere Regierung unter gleichen Umstän­den nicht zulassen, daß ihre berech­tigten verteidigungsmaßnahmeu den Gegenstand von Bemerkungen von irgendwelcher Seite bilden oder zur Beunruhigung und Verwir­rung der internationalen Oeffent- lichkeit ausgenüht werden. Der italie­nische Regierungschef habe vor wenigen Tagen hierzu Worte gesprochen, die entschieden und endgültig seien. Der Völkerbundsrat möge sich nach den Grundsätzen des Paktes richten, wonach bei ordnungsmäßiger Einlei­tung eines Schiedsverfahrens für eine an­dere Initiative kein Platz sei. Dieses

Vertagung keine Lösung.

Oie französische presse zur Genfer Entscheidung.

Paris, 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Gen­fer Entscheidung im italienisch-abessinischen Streit­fall ist zu so später Nachtstunde erfolgt, daß es den Blättern nicht Mehr möglich war, sie ausgiebig zu kommentieren. Man begrüßt natürlich die vor­läufige Regelung der Angelegenheit, obgleich man zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, daß d i e Möglichkeit eines Konfliktes dadurch keineswegs aus der Welt geschafft sei. Echo de Paris" schreibt über die Beweggründe, die Mussolini dazu veranlaßt haben, in zwölf­ter Stunde doch noch die ihm vorgeschlagene Rege­lung anzunehmen, daß Mufsolini in einem für die europäische Geschichte so wichtigen Augen­blick zögere, einen Feldzug zu unter­nehm e n, der geeignet sei, die ganzen Kräfte Italiens in Anspruch zu nehmen. Die An­nahme der Genfer Entschließung könne jedoch damit erklärt werden, daß die italienischen Vor­bereitungen noch nicht fertig seien, und der Duce sich über seine Politik gegenüber Abessi­nien überhaupt noch nicht klar sei.

Oeuvre" glaubt im Gegensatz dazu zu wissen, daß Italien nichts daran liege, einen Krieg gegen Abessinien zu führen. Mussolini ziehe es im Gegenteil vor, daß sich der Negus zu Verhand­lungen über d i e Abtretung eines Ge­biets ft reifens von etwa 800 Kilometer bereit erkläre, der zwischen Abessinien und Jtalienisch- Somaliland gewissermaßen einen Korridor bilde. Nach italienischer Auffassung würde diese Abtre­tung für Abessinien ihne irgendwelche Fol­gen sein, da es sich um ein Gebiet handele, das erst in den letzten 40 Jahren Abessi­

nien einverleibt worden sei unb das o o r fremdrassigen Stämmen bewohnt wäre. Im übrigen ist das Blatt jedoch der Aufsas» sung, daß auch nach der vorläufigen Beilegung des Zwischenfalles Zweifel an der endgül­tigen Haltung Italiens bestehen bleiben, falls in dem festgesetzten Zeitraum keine endgültige Einigung zustande gekommen sei. AuchPetit Pa- rifien" schreibt, die Genfer Entschließung müsse als eine Vertagung angesehen werden, die in Wirk­lichkeit keine Lösung darstelle und die die Mög­lichkeit einer Weiterentwicklung des italienisch-abes­sinischen Streitfalles nicht ausschließt. Sie habe den einzigen Vorteil, die Angelegenheit in den Hän­den des Völkerbundes zu belassen, ohne die beiden Parteien daran zu hindern, eine freundschaft­liche Regelung zu finden, wenn dies wirklich ihr Wunsch sei.

Erste englische Stimmen.

London, 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Spätausgaben der englischen Morgenblätter bringen in großer Aufmachung Berichte über die Annahme der Kompromißvorschläge durch Italien. Mehrere Blätter bringen fettgedruckte Schlagzeilen wieIta­lien weist zurück",Die Kriegsgefahr zwischen Jta» lien und Abessinien beseitigt" oderItalien klettert herunter".Daily Herald^ schreibt, daß die An- nähme der Kompromißvorschläge durch Italien als der bisher größte Erfolg des Völker­bundes betrachtet werden könne. Wenn das Ab- kommen loyal eingehalten werde, fei die Möglich­keit eines Krieges endgültig ausgeschaltet.

Indien nach Afrika und Europa, nach Australien und Südamerika hinübergreift, um hier überall den Export der alten Industrieländer Europas und der Vereinigten Staaten hinauszudrängen, dann rundet sich das Bild einer Weltwirtfchaftskata- ftrophe, zu der der Weltkrieg den Grund gelegt hatte, die aber hätte vermieden werden können, wenn dieFriedensmacher" von Versailles die Ein­sicht besessen hätten, daß nur eine gemeinsame An­strengung der europäischen Nationen ihnen die schon durch den Weltkrieg an sich schwer erschütterte Stellung auf dem Weltmarkt zurückerobern konnte.

Statt dessen wurden auch die 67 Millionen des deutschen Volkes durch den Wahnsinn der Reparationen als Wirtschaftsfaktor ausgeschaltet. Als Deutschland aus eigener Kraft nicht mehr zahlen konnte, gab man ihm Kredit, und als es versuchte, die dazu notwendigen Zinsen durch Ex­port seiner Gütererzeugung aufzubringen, ver­sperrte man ihm seine Märkte. Die wachsende Schwierigkeit, durch Absatz deutscher Waren aus den Auslandmärkten ausreichend Geld hereinzubekom­men zum Einkauf von Nahrungsmitteln und Roh­stoffen im Ausland zwang Deutschland (sieht man einmal von den nicht minder wichtigen nationalpoli­tischen Beweggründen ab), sich in seiner Ernährung soweit wie der deutsche Boden es erlaubte, vom Ausland unabhängig zu machen und seine Wissen­schaft und Technik in den Dienst einer eigenen Roh- stofferzeugung zu stellen. Der Führer hat er­klärt, daß Deutschland diesen Weg wirtschaftlicher Autarkie keineswegs aus freien Stücken eingefchla- gen habe, sondern daß politische Kurzsichtigkeit und falscher Eigennutz ihn uns aufgezwungen haben. Und er hat die europäischen Völker als Wirtschafts­und Schicksalsgemeinschaft vor den schlimmen Fol­gen gewarnt, die entstehen müssen, wenn aus na­türlich gegebenen Agrar- und Rohstoffgebieten künstlich Industrieländer gemacht werden und um- ackehrt mensch-nüberfüllte Industriestaaten zu einer

primitiven Rohstoff- oder gar Rohstoffersatzwirt­schaft gezwungen werden. Eine Handels-, Wäh- rungs-, Kredit- und Schuldenpolitik, die rohstoffbe­dürftigen Völkern, wie dem deutschen, die Ver­sorgung unmöglich macht, muß für die Gesamt­heit schädlich sein, denn sie schaltet diese Völker als Käufer aus und stört damit den Güteraustausch der Weltwirtschaft. Die schweren Krisen gerade auf den Agrar- und Rohstoffmärkten der Welt sind der beste Beweis für den Wahnsinn dieses Kurses.

Deutschland kann von sich aus nichts daran än­dern, es muß die Folgerungen ziehen aus der törichten Wirtschaftspolitik der anderen und feine Industrie auf den Ersatz der bislang aus dem Aus­land bezogenen Rohstoffe einftellen. Die dadurch erforderlich gewordene planmäßige Leitung der Wirtschaft hat der Führer als Notbehelf be­zeichnet und die außerordentliche Gefahr unter­strichen, daß eine solche Planwirtschaft mit ihrem unumgänglichen bürokratischen Apparat die schöpfe­rische Initiative des einzelnen erstickt und die harten Gesetze der wirtschaftlichen Auslese abschwächt zu Gunsten eines minderwertigen Durchschnitts, dem auf Kosten der Fähigeren und Fleißigeren eine wirtschaftliche Existenz garantiert wird. Arbeits­beschaffung, Marktregulierung, Preis- und Lohn­gestaltung mußten planmäßig erfolgen, und nur die lebendige Energie der Nation, die der National­sozialismus entfalten konnte, hat die vom Führer angedeuteten, in der Planwirtschaft schlummernden Gefahren vermeiden und die großen wirtschaftlichen Erfolge der letzten beiden Jahre bewirken können. Aber der Führer hat auch keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir im Interesse unseres Volkes nicht wünschen können, wenn durch eine uns von außen aufgezwungene, sich dem Kommunismus nähernde Planwirtschaft durch eine daraus bedingte Ein­schläferung der Produktionsenergie der allgemeine Lebensstandard herabgedrückt würde. Denn das ist ja wirtschaftspolitisch einer der schärfsten Unter­

schiede zwischen Nationalsozialismus und Bolsche­wismus, daß der Nationalsozialismus den größ- ten Wert auf die praktische Verbesserung der Lebensbedingungen und Lebenshaltung der Arbeiter­klasse legt, während der Bolschewismus einer The­orie Millionen Menschen und unermeßliche Kultur­werte opfert, ohne den Lebensstandard der Massen heben zu können. Und während der Bolschewismus nicht nur das Privateigentum vernichtet, sondern auch die Initiative des Einzelnen und die Verant­wortungsfreudigkeit abtötet und dadurch in Ruß­land, einst dem größten Agrarstaat der Welt, Mil­lionen und aber Millionen dem Hungertode preis- gegeben hat, sieht der Nationalsozialismus nach den Worten des Führers im Privateigentum eine höher« Stufe der Wirtschaftsentwicklung, die entsprechend den Unterschieden in der Leistung zwar die Der» waltung des Geleisteten regelt, aber insgesamt für das Volksganze einen höheren Lebensstandard er­möglicht.

Das muß ja überhaupt das Ziel eines jeden vernunftaemäßen und nationalpolitisch ausgerichteten Wirtschaftens fein: die Verbesserung der Lebens- Haltung eines Volkes in seiner Gesamtheit. Niemals vermag ein Krieg solche Möglichkeit zu bieten. Denn es ist ja keineswegs so, daß der Vorteil des einen Volkes durch den Schaden des anderen erkauft werden könnte. Das nationalsozialistische Deutschland will den Frieden aus tiefinnersten welt­anschaulichen Überzeugungen. Es will ihn weite»- aus der einfachen primitiven Erkenntnis, daß fein Krieg geeignet sein würde, das Wesen der all­gemeinen europäischen Not zu beheben, wohl aber diese zu vermehren. Möchten diese Worte des Füh» rers und seine großen wirtschaftspolitischen Gedanken­gänge ein offenes Ohr finden bei allen, die ver- antworllich sind für Gedeih und Verderb der Wirt» schafts- und Schicksalsgemeinschaft der Völker des Abendlandes.