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Nr.w7 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)Samstag, 24.August 1935

Urlaubsgedanken am Bahndamm der Heimat.

Güterzug am Rodtberg. (Aufnahmen (11|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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Ferienzeit köstliche Tage und Wochen der Ausspannung von ernster Berufsarbeit. Mancher sucht in dieser schönen Zeit seine Erholung durch ein Reise an die See oder ins Gebirge, nach dem deutschen Osten oder nach einem süddeutschen Ge­birge. Viele dagegen verbringen diese Tage in der Heimat ihres Wirkens, wo sie auf Wanderungen durch Feld und Wald täglich aufs neuedie Heimat entdecken". In der Ferne, wie daheim kann man in dieser Ruhe von den Berufspflichten neue Kraft für die Werke des Alltags, vertiefte Liebe zu unse­rer schönen deutschen Heimat gewinnen das ist die wunderbare Erholung der Urlaubszeit, der köst­liche Gewinn jener Tage, der noch lange im Men­schenherzen nachklingt.

Urlaubserleben daheim erfreut ebenso sehr wie die Erinnerung an irgendeine Reise nach einem anderen Teile des deutschen Vaterlandes. Meine schönsten Wanderungen in jenen Tagen der Ur­laubsfreiheit führten mich an den Bahn­damm! Hier konnte ich stundenlang verweilen, die Herrlichkeiten des Lahntals oder unserer Wal­dungen schauen und dabei die Gedanken hinaus- schweifen lassen in die Ferne nach Nord und Süd, nach Ost und West. Unter einem schattigen Baum, vor einem reifenden Getreidefeld, .auf einem duf­

tenden Wiesenstück oder unter dem leisen Rauschen der Wkpfel schöner Waldbäume vergingen diese Stunden am Bcchndamm wie ein Gottesdienst im gewaltigen Himmelsdom der Natur. Die in rascher Fahrt vorbeisausenden v Züge trugen meine Ge­danken hinaus in die Ferne. Zu allen Schönheiten der deutschen Erde und der deutschen Meere fuhr ich im Geiste. Lachende Menschen winkten aus den Fenstern des Zuges, herzlich wurde der Gruß erwidert. Weit in der Ferne sah ich den Zug am Horizont verschwinden, nur eine lange Rauchfahne kündete noch von seiner Fahrt. Darup lagen die blitzenden Bänder der Schie­nen wieder im Nachmittagssonnenschein, mit ihrer Unendlichkeit daran erinnernd, daß sie überallhin den Weg darstellen, auf dem der Reisende bequem und sicher seinem Ziele zugesührt wird. Weiter rat­terten die Personenzüge des Nahverkehrs vorüber; sie vermitteln den werktägigen Menschen den Ver­kehr zwischen ihren Wohnorten und ihren Arbeits­plätzen, sie ermöglichen dem Bauersmann in kurzer Zeit den bequemen Besuch der Stadt, sie bringen wanderfrohe Jungens, Mädels, Männer und Frauen in kurzer Zeit hinaus zu den Ausgangspunkten für ihre Wanderungen zu Fuß oder auf dem Wasser. Bald darauf rumpelte ein langer, unendlich langer Güterzug über die Strecke, dessen unübersehbare

Das Halt-Signal sichert den voraussahrenden Zug. Einsames Stellwerkhaus bei Klein-Linden.

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Wagenreihe davon er­zählte, daß das unend­liche Band der Schiene auch im Dienste der deut­schen Arbeit steht, daß es dem Warenaustausch nach allen Gegenden des Reiches und des Auslandes dient, aber auch die Uebersiedlung deutscher Menschen mit all ihrem Hab und Gut von einem Platz zum anderen ermöglicht. In kurzen Zeitabständen roll­ten alle diese Züge nach Nord und Süd, Ost und West, Freude und Leid, Sehnsucht und Hoffnung in der Schar der Reisen­den mit sich tragend, große materielle Werte sorgsam verstaut zu neuer Verwendung führend, be­fruchtende Arbeit beför­dernd oder schaffend, dem Wiederaufbau unseres deutschen Volkes dienend.

Während alle diese Züge vor meinen Augen dahinrollten, gedachte ich auch der Männer, die im Dienste dieses Verkehrs in treuer Arbeit ihre Pflicht erfüllen. Mit dem Gefühl der Sicherheit, erfüllt von Freude oder auch beschwert mit Sorge und Leid, sitzen die Fahr­gäste in den Zügen. Sie fahren durch den hellen, leuchtenden Sommertag oder durch die dunkle Nacht dahin. Ihr Schick­sal liegt während dieser Stunden in den Händen weniger Männer. Im Bahnhof aber, weit ab vom Mittelpunkt des leb­haften Treibens, wirkt einsam in seinem hoch­gelegenen Hause der Weg­weiser aller dieser Züge: der W e i ch e n st e l l e r. An seiner Arbeitsstätte rattern die Züge vorbei. Wohl nur wenige Rei­sende, oft überhaupt kei­ner von ihnen gönnt ein­mal diesem Manne des Schienenwegs, der allen durch seine aufmerksame Pflichterfüllung den rich­tigen Weg weist, einen Blick der Dankbarkeit und der Anerkennung Und doch ist gerade für den Mann des Weichen- dienstes in erster Linie die dankbare Würdigung seiner Arbeit am Platze. Mit hoher Geschwindig­keit brausen die Züge

Das Bieberlieschen kommt aus dem Biebertal.

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Streckenbild bei Großen-Buseck.

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von der freien Strecke in den Bahnhofsbereich herein. Bei Tag und bei Nacht hat ihnen schon lange vorher der Wei­chensteller die Fahrstraße bereitgemacht, so daß sie in flottssr Fahrt ihren Weg nehmen können. Der Spaziergang am Bahndamm, oder auf­merksames Beobachten auf einer Brücke über dem schienen- und wei­chenübersäten Bahnhofs- gelände geben die Mög­lichkeit, das stille Walten des Weichenstellers zu beobachten: da schnurren die Drähte der Weichen, da drehen sich die Sig­nalscheiben, die am Tage die verschiedensten wei­ßen Flächen, in der Nacht entsprechende Lich­ter zeigen; dort hebt sich

Einsames Bahnwärterhaus bei Großen-Linden.

Schwere Arbeit auf der Strecke.

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Das Butzbach-Licher Bähnle bei Kloster Arnsburg.

Der Weg in die weite Welt.

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Mit dem v-Zug hinaus von Gießen.

Das Arbeitsfeld des Weichenstellers..