Einzelbild herunterladen

®naSi»: R-Sr Sart,*'. Ä: l r

' «Agobf

<n ®»

Sietgesucht

Verkäufe

0eÜl

5*15

«u.

^agvach.

ßd)laV»» itzÄMgv' Sinbt Mtr eign^.LP ta, TOö,r. Ütfl obiugei:

Kreiling öahnhosstt.^

Kaufgesuct:

IM Äs .bruarv. $oL;

M*

Acht. 7W

Restaurant

M NM M Stehen euen Baue'

u kauf.ges^ -chriftltche ® ngebote WjJ 492D an

Kitz S«

Verschiedenes^ hre ßeschäfb

Drucksachei rfenendleVerb^ ... I0 Ihren Er»y dMen, y» Beech»«*1*' hrer ,le man BrieW irlelcim»chl60,,P* W

eschen I ss® MM P--k-°u.K ct/ i? Dez^ Me um M

AäM

M f*^Vereine

AM« tl.mitPen^, r loroit ü[, -ftQufmmv sucht. SM 18. unt. 74756

Sieb. An, tellenangebol Ine DripnEii xeagnisw,

«Wen btm 6 rbml-rtch«ibe°K «I - LichM boeiwthagiinti Ito mAIrns« Bi ^dwg von Laich I der Wüfiefte i »vid Schrift! Stottbetitoaei

Ilr.299 Zweiter Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag, 25. Dezember (955

Annektion vorzu-

Truppen sich der haben, beschränkt

Das Schicksal Nordchinas

Dos japanische Interesse an Hopei und Tschachar.

rung hatten nur den Zweck, die bereiten.

Die Nanking-Regierung, deren

Auch das gibt es: Städte, die wirklich zu den großen gehören und doch so verträumt sind, als hätten die Winkel und Gassen, die stillen fried­lichen Höfe mit ihren Umgängen, das Kopfstein- Pflaster und die gleichmäßig munter sprudelnden Brunnen, die Giebeldächer mit ihren Erkern und Türmchen der Neuzeit tapfer und erfolgreich Wider­stand geleistet. Eine dieser verträumten Großstädte ist Nürnberg, das schöne und freundliche Nürnberg.

Achtzehn Jahre ist es her, da ging es unter rhythmischen Klängen zur Stadt hinaus. Nach dem Westen. Schwer waren die Zeiten, ruhiger und stiller als sonst sah es an der Pegnitz aus. Nur in den Hauptverkehrsadern sie lassen sich an den Fingern einer Hand her^ählen pulsierte das Leben fast wie bisher. Aber ein Halbes Dutzend Schritte abseits gab es keine Kriegsberichte, da war Nürnberg das alte, gute Städtchen mit steilen Gäß­chen, mit Patrizierhäufern, deren Quadersteine Jahreszahlen vergangener Jahrhunderte tragen, mit den sonnenbeschienenen mancherlei ehrwürdigen Schmuck tragenden Giebelwänden und den traurig- düsteren krummen und winkligen Straßen, die nächtlicherweile nur hier und dort ein paar schick­salsergebene Lampen erhellten.

Die Zeiten haben sich geändert, aber Nürnberg ist Nürnberg geblieben. Man Hot über Siege ge­jubelt und trug voll Bitterkeit das schwere Los der Kriegszeit, man war erschüttert über den Ausgang des Waffenganges, man ging mit frischem Mut in die neue Zeit hinein. Aber der stille Drechsler dort oben, nahe der die Stadt in erhabener Ruhe über­ragender Burg, dreht heute noch sein Räderwerk und sieht neugierig über das Brillenglas dem ent­gegen, der sein Gäßchen entlang kommt. Und auf dem Hopfenmarkt wird wie einst die Hopfenernte des Frankenlandes gehandelt, während auf dem früheren Hauptmarkt, dem jetzigen Adolf-Hitler- Platz, inmitten des Kranzes alter schöner Häuser, die ehrwürdige Liebfrauenkirche im Rücken, jahr­aus, jahrein die Marktfrauen sich mit den Haus­frauen ein Stelldichein geben. Nur jetzt sind sie alle auf den Obstmarkt abgedrängt. Denn das Christkind hat von dem Platz Besitz ergriffen, auf dem der Führer zu jedem Parteitag den Vorbeimarsch seiner Mitkämpfer abnimmt. Bude reiht sich an Bude, es glimmert und flimmert, es glänzt und gleißt Rauschengel und Wunderkerzen, Spielzeug in Holz und Eisen und Blei, Eisenbahnen, Puppen und was das Herz sonst begehrt, warten darauf, auch ein Herz erfreuen zu können, während auf dem Obst- markt Kastanien geröstet und Fische gebraten wer­den, daß es nur so qualmt. Wäre es anders, dann wäre Nürnberg nicht Nürnberg.

Laßt uns hinaufsteigen auf die Burg. Frostklar ist der Abend, Schnee liegt auf allen Zinnen und Gesimsen. Eine weiße Stadt breitet sich vor einem aus, aber so ganz anders als Großstädte sonst im Schnee aussehen. Die spitzen Dächer mit ihren Fir-

sten, dazwischen die Kammerfenster, aus denen es mattwarm herausleuchtet, Mondlicht über allem und unten in den Straßen verstreut die Gaslaternen, ein Bild, wie es eben nur die Natur selbst zu malen versteht. Das gilt auch für den anderen Blick auf das verschneite sonnenbeleuchtete Nürn­berg mit seiner breiten Umwallung, den eckigen Türmen und den mächtigen Toren. Hinter diesen dicken Mauern liegt das Nürnberg der Meister, die uns ihre kostbaren Schätze hinterließen, das Nürn­berg der Männer, die sich einen großen Namen schufen und gar nicht so träumerisch und still waren wie ihre Heimatstadt. Sie handelten und zogen hin­aus, sie waren überall auf dem Weltball zu finden, sie blickten kühn und zielbewußt in die Zukunft, wie der Schöpfer der ersten deutschen Eisenbahn.

Ein wackeres Geschlecht hat von jeher zu beiden Seiten der Pegnitz gehaust. Es verstand sein Hand­werk, es wußte den Zirkel wie den Hammer, das Messer wie die Maurerkelle zu gebrauchen. Was auf schweren Wagen von stämmigen Pferden durch durch die finsteren Tore zur Stadt hinausrollte, das schuf sich einen guten Klang. Nicht ohne Grund wurde das Wort vom Nürnberger Tand, der durch alle Land geht, geprägt. Und wer da meinte, er könne dieses Wort spöttig auch auf die Nürnberger selbst anwenden, dem ist das zumeist nicht gut be­kommen.

Wiedersehen mit Nürnberg? Was macht man da am besten? Man läßt die Hauptstraßen abseits liegen, man pilgert langsam durch die mondhelle Schneenacht um die Stadtmauer, läßt das alte Hohenzollernschloß mit seinem ins Layd blickenden Söller und dem mächtigen Bergfried auf sich hernie­dersehen, grüßt hinauf und stellt fest, daß sich nur eins, aber etwas Bedeutsames geändert hat: wo vordem an den beiden eng nebeneinander stehenden Fahnenmasten auf dem Schloßturm die weiß­blauen und die schwarz-weißen Farben wehten, weht das Banner der Bewegung, für die Nürnberg ein nicht mehr wegzudenkender Begriff geworden ist. Doch weiter. Die alten Gänge und Durchlässe sind noch immer wie einst, die Burgstraße schießt genau so jäh wie früher nach unten, es schimmert wie ehedem das Licht aus den uralten Wein- und Bierstuben. Es ist das alte, ewige Nürnberg, das zur Großstadt mit mächtigen Vorstädten ange­wachsen ist, an dessen Rändern inmitten der schönen Wälder gewaltige Jndustriewerke stehen, das ein großartiges Eisenbahnnetz besitzt, das an den Luft­verkehr angeschlossen ist und dessen Einwohner mit der Zeit' rüstig mitgegangen sind. Aber das Bild ist das gleiche geblieben. Und so soll es immer sein. Die mächtigen Tortürme sollen bleiben wie die versteckten Gassen und die ebrwürdigen Häuser mit ihren eisenbeschlagenen Torflügeln. Das alles macht einem die Stadt so wert: das natürliche Festhalten der Vergangenheit, das Verträumtsein der mittel­alterlichen Stadtviertel und die Behaglichkeit, die

Verträumte Großstadt.

Wiedersehen mit Nürnberg um die Weihnachtszeit.

dieses altehrwürdige Nürnberg ausströmt. Wer einmal im Schatten der wuchtigen Stadtmauern gelebt und wer Nürnbergs Luft geatmet hat, den zieht es immer wieder hierher, den wandernden Pilger wie den politischen Kämpfer. D. S.

Neue Kalender.

Der Jahrgang 1936 des Köhlerschen Deutschen Kalenders (Wilhelm Köhler Der- lag, Minden i. W. 434) ist über 200 Seiten stark, mit mehr als 100 Abbildungen, einem Kunstblatt und einem Wandkalender als Beilage. Spannende, ernste und heitere Erzählungen wechseln in bunter Folge mit interessanten Aufsätzen und Plaudereien aus allen Gebieten des Wissens und des täglichen Lebens. Wir lesen von den Reichsautobahnen, wir erleben Bauerntage und Schützenfeste in Wort und Bild, nehmen an einer Treibjagd teil, lassen uns erzählen von Frauen, die Geistesgegenwart be- aßen, versuchen uns an Rätseln und kniffligen Denksportaufgaben. Was ein Film kostet, wie man Zauberer wird, wie man sich ohne den üblichen Aerger ein Eigenheim erbaut, wie es auf einer Hühnerfarm aussieht, wie lange man leben kann- das und noch vieles andere mehr erzählt uns Köh­lers Deutscher Kalender 1936. Preis 70 Pf.

Der Jahrgang 1936 des Köhlerschen Flottenkalenders (Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W. 436) bringt eine Fülle von Lese­stoff, spannende Erzählungen und Erlebnisse aus allen Weltmeeren, ist für den Vaterlandsfreund eine Fundgrube, für den einstigen Seemann und See­fahrer ein Erinnerungsborn. Vom Kreiselkompaß und vom Seemannsdeutsch, von ungehobenen Schätzen auf dem Meeresgründe, von Seehelden aus alter und neuer Zeit, von Eisbergen und Hai­fischfängern und noch von vielem anderen mehr wird uns erzählt in Wort und Bild. Wir erfahren, wie es auf dem neuen SegelschulschiffGorch Fock" unserer Kriegsmarine zugeht, wie wir uns selbst ein Kriegsschiffmodell bauen können, wir wandern mit der Filmkamera durchs Wattenmeer, erleben eine Seereise mitKraft durch Freude" und tun einen Blick in die Arbeit der Marine-HI. Besonders wert­voll ist die große mehrfarbige Beilage über die Uniformabzeichen der Kriegsmarine. Außerdem illustrieren über 150 schöne und interessante Bilder den vielseitigen Inhalt des 288 Seiten starken Kalenders. (Preis 1,30 Mark.)

Deutscher Wehr-Kalender 1936. Herausgegeben von Rolf Kückens, Oberleutnant der Fliegergruppe Faßberg (S.) und Tammo Kückens, Oberleutnant und Adjutant des I/J. R. 53. Mit vie­len Textabbildungen und mehrfarbigen Bildtafeln. Taschenformat. Gerhard Stalling Verlag, Olden­burg i. O. Preis 1,60 RM. (578) Der Deutsche Wehrkalender" ist in den Reihen der Wehrmacht und der politischen Kampfverbände gleich beliebt. Er bringt tn anschaulicher Form alle Neuerungen dieses Jahres. Auch der Umbau bei der SA., dem Reichsarbeitsdienst, der Landes­und Schutzpolizei ist berücksichtigt worden. _ Ein Hilfsbuch für den Ausbilder? Ein Lehrer für den Rekruten; vorzüglich geeignet für den Selbstunter­richt?

NürnbergerTierfreund-Kalender 19 3 6. Mit mehrfarbigem Umschlag und mehreren Textbildern. Preis 20 Pf. Nürnberg, Verlag der Friedr. Kornschen Buchhandlung. (465) Der 11. Jahrgang des Nürnberger Tierfreund-Kalen­ders für das Jahr 1936 enthält fechs wertvolle Beiträge, die in keinem Tierbuch zu finden sind. Die Erzählungen find reich bebildert, ebenso das Kalendarium, das die deutschen Namen enthält. Die letzte Seite bietet Platz für Gedenktage des Jahres. Der Kalender eignet sich in gleicher Weise für Haus und Schule, zum Eigenbesitz wie zu Geschenkzwecken, für alle Freunde der Tiere und alle, die es noch werden müssen. Freude und Gewinn erhöhen sich, wenn die Erzählungen in der Familie oder in der > Schule vorgelesen werden.

Besetzung von Tangku widersetzt ich darauf, den Rumpf China wenigstens intakt zu )alten, also die reichen Provinzen Pünnan, Szet- chuan, Sikiang, Ninghsi, Schensi, Hunan und etliche andere. Man will lieber ein kleineres China, das

mindestens 35 Millionen Menschen von China aber- mals los, wovon die fruchtbarere Provinz H o p e i mit Peking, das über 800 000 Einwohner zählt, allein 145 335 Quadratkilometer mit rund 30 Mil­lionen Einwohnern umfaßt. Mit einer Einwohner­zahl von rund 206 auf den Kilometer ist es unge­fähr so stark bevölkert wie Westfalen. Hopei (Tschili) ist stark industrialisiert. Trotz des sehr strengen Win­ters, der jetzt bereits einsetzte, ist neben dem Acker­bau, der auf Zwergparzellen des fruchtbaren Löß- Bodens betrieben wird, der K o h l e n - und Eisen- bergbau in dieser Provinz maßgebend. Daneben finden sich, vor allem in Tientsin, gewaltige Tex- ti l w e r k e , die zum Teil die Baumwolle Schan- tungs, zum anderen aber die Wolle aus der Man­dschurei verarbeiten. Nachdem englisches und ameri­kanisches, teilweise auch deutsches Kapital diese Ge­biete industriell erschlossen hatte, sind in den letzten Jahren die Japaner eingedrungen und die Hopei Mining Company, deren Sitz sich vorläufig noch in Schanghai befindet, arbeitet zu 8 0 v. H. mit japanischem Kapital. Die Provinz Tschachar ist dünn bevölkert, aber auch sie ent­hält große Kohlen- und Eisenvorkommen, die kaum erschlossen sind.

Mit dem Besitz der Provinz Hopei erlangt Ja- pan wertvolle Rohstoffe und Jndu- st r i e n , die der Mutterinfel Nippon fehlen. Zu­dem arbeitet der Chinese noch billiger als der Ja­paner. In den großen Spinnereien und Webereien Hopeis, den Eisen- und Stahlwerken, den Kohlen­gruben, ist die chinesische Bevölkerung nicht nur in ihrem männlichen Teil beschäftigt, sondern die Frauen- und Kinderarbeit ist dort gang und gäbe, und die Löhne sind bei einer Arbeitszeit, die vierzehn bis sechzehn Stunden auch für Knder umfaßt, durchschnittlich noch um 5 0 v. H. n i e d r i- g e r als die japanischen. Wenn auch diese billige Arbeit für Japans Industrie einen gewissen Wett­bewerb bedeutet, ist doch nicht zu übersehen, daß dem kapitalistischen Imperialismus der Japaner es hauptsächlich darauf ankommt, die R o h st o f f e und deren Verarbeitung, die es jetzt erworben hat, möglichst billig zu gewinnen.

Die Beherrschung Nordchinas durch Japan wird durch diese nur notdürftig verschleierte Annektion vollständig. Daß Japan schrittweise vorgehend, nach­her die anliegenden Provinzen Schantung mit Kiautschau und Tsingtau, die Provinz Schansi und Suijan in seine Gewalt bringen wird, dürfte wohl nicht zweifelhaft sein. Die Lostrennung zweier wichtiger Provinzen und den Abfall vor allem Pekings, Tiensins und Tangkus von der chinesischen Zentralregierung bringt bte japanische Regierung mit dem Boxer-Protokoll, das schon 35 Jahre alt ist. in Verbindung und ferner mit dem Waffenstillstand von Tangku aus dem Jahre 1933. Früh wurde die Zone längs der Bahn Peiping Tangku durch zerstreut liegende japanische Truppen­teile besetzt. Die fast täglichen Beschwerden der Japaner über angebliches Nichteinhalten des Waf­fenstillstandes von Tangku bei der Nanking-Regie-

aber leichter zu verteidigen ist, und der Diktator von Nanking, Chiang k a i s h e k, hat sich vor allem der wirtschaftlichen Hebungder Südprovinzen angenommen, u. a. Pün -

nans, das allein an Bodenschätzen Kohle, Kupfer, Zinn, Gold, Silber, Blei, Eisen, Arsenik, Zink, An­timon, Mangan usw. birgt. Für die Aufschließung dieser Schätze ist englisches Kapital inter­essiert worden. Die Japaner haben in Wirklichkeit China nur einige Nordprovinzen genommen, wäh­rend der Süden von Chiang kai-shek wirtschaftlich entwickelt wird und gleichzeitig eine Neubelebung des politischen und kulturellen Lebens in Rumpf- China einsetzte. So ist es wohl zu erklären, daß die Nanking-Regierung vorläufig dem Verlust der nord­chinesischen Provinzen ruhig zuschaut und mittler­weile alle Kräfte, auch die militärischen, des übrig­gebliebenen Teiles von China entwickelt, ohne daß die Japaner bis jetzt mit ihren Forderungen auf Beherrschung auch dieses Teiles von China politisch und wirtschaftlich weitergekommen wären.

Am Montag ist Japan gegenüber der Nanking- Regierung in Nordchina offiziell zur Offensive über- gegangen. Ein sogenannter Politischer Rat hat sich in den beiden Provinzen T s ch a,ch a r und H o - p e i gebildet und der SeparatistengSneral Yinju - keng besetzte die Hafenstadt am Peiho im Golf von Tschili, Tangku. Damit hat er den Schlüssel zu den Millionenstädten Tientsin und Peiping (Pe­king) in der Hand. Die Japaner haben ferner mit der nur scheinbaren Autonomie dieser beiden Pro­vinzen, die in Wirklichkeit unter japanischem Regi­ment stehen, ihre Eroberungen abgerundet, denn nachdem sie die nordchinesische Provinz T s ch e h o l besetzten, ist die Provinz Hopei mit Peking und die halbmongolische Provinz Tschachar ein strate­gisches Vorfeld gegen China.

Japan reißt rund 115 000 Quadratmeilen mit

Weihnachtsgeschichte.

Eine Legende unter deutschen Bauern.

Diese Geschichte wurde erzählt von einem Dorf kurze Zeit nach dem dreißigjährigen Kriege. Wohl war das Dorf, zwischen den großen Sümpfen ge­legen, von der Brandfackel und den Plünderungen verschont geblieben, aber das Herz der Bauern war hart geworden in der harten Zeit. Es waren zu viele gewesen, die der Krieg um Haus und Hof gebracht hatte und die durch das Land zogen, bettelnd und wohl auch stehlend, und die auch in das Dorf zwischen den Sümpfen gekommen waren. Zuerst hatten die Bauern gern gegeben, aber bann wurde es ihnen zu arg, sie verschlossen ihre Höfe und zerstörten die Wege durch das Moor. Sie gin­gen ihrer Arbeit nach und lebten, wie sie gewohnt waren. Von der Welt hörten sie nichts.

Als wieder einmal Weihnachten geworden war, zogen auch die Dorfkinder über die Felder wie in jedem Jahre um diese Zeit. Drei von ihnen waren als Heilige Drei Könige vermummt und ein Stern wurde ihnen vorangetragen, ein Stern auf einer Stange, und es war ein Licht darin und er konnte sich drehen. So wollten sie nach altem Brauch durch das Dorf ziehen, den kindlichen Sternsingerspruch auffagen und dafür ihre Gaben einsammeln: Rog­genbrot mit Speckscheiben oder Aepfel oder eine Handvoll Nüsse.

Jetzt aber gingen sie über die Aecker, tuteten aus Hirtenhörnern weithin, auf daß das Land im kommenden Jahre gute Frucht trage. Und sie hoben die Hörner und bliesen durch die kalte Nacht zu den Sternen empor, als fei der Stern darunter, zu dem einst die Könige aufgebrochen waren.

Es war ein alter Schäfer bei den Kindern, der sah auf einmal, wie in der klirrenden Kälte die Tiere aus dem Wald und dem Moor kamen und wie sie olle auf eine Feldscheune liefen, als triebe sie dort der eisige Wind zusammen.

Die Kinder liefen zu der einsamen Scheune und fürchteten sich, einzutreten, denn darin waren Stimmen und leiser Gesang. Ein Beherzter schob eine Latte beiseite und sah eine fremde Frau mit einem Kinde, das war kaum zwei Wochen alt und es stand dabei ein fremder Knecht. Und einer nach dem andern schob ein Auge vor den Spalt und sah in die Scheune hinein und sah, wie die Tiere aus Wald und Feld dicht beieinander lagen und die Menschen mit ihren Leibern wärmten. Da traten die Kinder zaghaft ein, und weil sie nichts Besseres wußten, sagten sie ihren Spruch auf, daß sie die Heiligen Drei Könige wären und den Stern such­ten. Aber sie tarnen nicht weit im Text und fingen

zu stottern an, da sagte der fremde Knecht, sie möchten um Gottes Barmherzigkeit Willen zum Dorf gehen und Windeln und warme Tücher holen und etwas zu essen, denn sie kämen von weit und hät­ten rein gar nichts.

Da liefen die Kinder durch Schnee und Wind ins Dorf, wo man längst auf sie wartete, daß sie die Sternlieder fingen und die Gaben abholen würden. Als aber die Bauern hörten, worum die Kinder diesmal bäten, und daß sie gar die Schlitten an- fpannen sollten, um landfahrendem Volk zu helfen, da schlug einer nach dem andern die Tür zu. Bei manchen war es nicht einmal böser Wille; sie hatten nur keine Zeit so kurz vor der Christmette, die Weihnachtsgans war im Ofen oder sie hatten schon den Festrock angelegt. Kurzum, es paßte ihnen nicht.

Die Kinder standen eine Weile auf der Dorf­straße, verzweifelt, daß sie keine Hilfe für das frie­rende Kind aufgebracht hätten. Da hatte eines von ihnen die Eingebung, daß die Kinder selber dem Kinde helfen müßten. Und sie teilten sich in die Aufgabe, gingen in die Scheunen, holten heimlich die Schlitten hervor, wollten dann zum Stall, um die Pferde anzufchirren. Was aber den kleinen Händen nie gelungen war, das gelang in dieser Nacht. Die Tiere selber stellten sich unter Strang und Siel und halfen den Kindern zu ihrem Teil. Doch ein Schimmel war nicht zu bändigen; er lief aus dem Hofe hinaus, schnurstracks die lange Dorf­straße bis zum Kirchturm, zerschlug mit den Hufen die Tür, faßte mit den Zähnen das Glockenseil und begann zu läuten.

Die Leute in den Häusern wunderten sich, daß die Glocke schon zur Kirche rief, und meinten, sie hätten die rechte Zeit verpaßt. Als sie aber vor die Tür traten, stand ein Schlitten vor jedem Hause und die Kinder riefen ihnen zu, zum Opferbringen sei im­mer noch die rechte Zeit. Die Bauern zauderten freilich, da gelabten die Kinder, daß sie nie wie­der Geschenke haben wollten zur Weihnachtszeit, wenn die Leute mit ihnen aufs Feld zögen zu Mutter und Kind.

Und schon hatten die Kinder ihre besten Sachen geholt, um sie dem Kinde da draußen zu geben. Da überkam auch die Leute das Mitleid; nicht länger wollen sie sich beschämen lassen von Kin­dern und unvernünftigem Getter. Sie gingen ins Haus und packten zusammen das Nötige und das Unnötige und das, was ihnen am liebsten war. Als die Schlitten vollgepackt waren, setzten sich die Pferde von selbst in Fahrt; schnell sprangen die Kinder auf. Die Leute zogen zu Fuß hinterdrein und es begann einer zu fingen, andere fielen ein und ein schön« Gesang ging über die Felder.

Die Glocke im Dorf läutete nicht mehr, aber von weiter Ferne, hinter den Sümpfen, kam Glockenton, den die Bauern von dort nie vernommen hatten. Ja, es war als läuteten oll Glocken im Land. Da wußten die Bauern, daß wieder Frieden auf Erden fei.

Da zerriß vor ihren gläubigen Augen die Nacht. Ein neues Licht strömte über die weißen Felder, davon erblühten alle Bäume zu Rosen und die Luft war voll herrlichem Getön. Die Bayern schrit­ten durch eine Fülle der wunderbarsten Erscheinun­gen den Weg über das Moor zur Feldscheune und es war ihnen, als feien sie Heimkehrer nach einer langen Fahrt, Heimkehrer in den Frieden. Und sie fangen fo laut, damit man es hören sollte in der ganzen Gegend: das Dorf zwischen den Sümpfen sei wieder da für die Nachbardörfer zur Rechten und zur Linken und auch für den geringsten Sohn dieser kargen, leidgeprüften Erde.

Frank Leberecht.

Ein Bootsgrab aus der Wikingerzeit.

Im Norden von Upsala in Schweden ist kürzlich ein Bootsgrab aus der Wikinger-Zeit entdeckt worden, das den berühmten Gräbern von Wendel in Uppland ähnelt. Während aber die früheren Funde zumeist schlecht erhalten waren, befindet sich dieses Boot in einem außerordentlich guten Zustand. Es ist, wie Dr. Holger A r b m a n in der Frank­furter WochenschriftDie Umschau" ausführt, das einzige kleine Fahrzeug aus jener Zeit, das noch vollständig erhalten ist. Es gibt uns ein anschau­liches Bild von einer Trauerfeier der Wikinger vor ungefähr taufend Jahren. Damals starb jemand auf der Uppland-Ebene. Man bettete ihn im Achter­schiff seines Kahns und gab ihm eine Reihe von Gegenständen mit, die man für die lange Reife ins Jenseits für unentbehrlich hielt, darunter befanden sich: ein Napf für das Essen, ein Wegschwert, ein Besen zum Fegen, zwei aus dünnem Holz geschnit­tenen Drachenknöpfe, ein einfaches Spielbrett, an­scheinend als Reisezeitoertreib, und noch einige andere Gegenstände, deren Bestimmung bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte. Auf vier Stämmen, die sich noch an der Fundstelle befinden, ist der Kahn zum Bestattungsplatz getragen und dort in eine ein Meter tiefe Grude gesenkt wor­den. Vorher hatte man einen Hengst erschlagen und dem Tier den Hals abgehauen; außerdem war mit einem Hieb über den Rücken ein Windhund getötet worden. Beide Tiere wurden hintereinan­der an der Steuerbordseite des Kahns außen nieder­gelegt, während auf der anderen Seite einige sehr schön gearbeitete Holzschalen und Schöpfkellen dar­

gebracht wurden. Daraufhin ist das Boot mit Stämmen, Stöcken und Brettchen bedeckt und schließlich mit Ton üerbaut worden, so daß eine Art Totenkammer entstand. Offensichtlich hat der Tote aber nicht lange Ruhe gehabt, denn ungefähr ein Jahrhundert später ist fein Grab geplündert worden. Die Räuber haben am Achterschiff ge­graben und dabei den hinteren Teil des Kahns zer­brochen. Alle Schmucksachen und Gegenstände von größerem Wert haben sie mitgenommen, mit Aus­nahme eines kleinen Goldringes.Es ist eine alt- nordische Sitte, den Toten in feinem Schiff oder Kahn zu begraben. Manchmal wurde das Fahrzeug verbrannt, seltener wurde es von reichen Familien mit der ganzen Ausrüstung beigesetzt. Ein Araber, der im zehnten Jahrhundert eine Reise nach Ruß­land unternahm und dabei schwedische Kaufleute traf, gibt uns einen Bericht von einem Totenfest bei der Bestattung eines Wikingerhäuptlings, dem er beigewohnt hatte. Hier wurde der Tote unter geheimnisvollen und grausamen Zeremonien, in de­nen auch Menschenopfer vorkamen, in feinem Schiffe verbrannt. Einige altnordische Sagas erzählen uns von einem schon damals nicht mehr geübten Brauch, wonach der Tote in fein Fahrzeug gelegt, das dann brennend den Wellen übergeben wurde.

Was dachten wohl die Leute, wenn sie die Toten im Schiff begruben? Vielleicht sollte es zur Reife in eine andere Welt dienen; vielleicht auch gaben sie dem Toten das Boot mit, weil er es ähnlich wie Schwert, Lanze, Essen ujw. in einem Leben, das dem irdischen ganz ähnlich war, brauchen könnte. Für den Prähistoriker war es ein span­nendes Erlebnis, als der zierliche Kahn langsam wieder ans Licht kam und das kleine Fahrzeug eines Abends auf zehn Paar Armen aus dem Grab, in welches es vor einem Jahrtausend gesenkt ward, wieder emporgehoben wurde.

Der schweigsame Engländer.

Die Wortkargheit her Söhne Albions ist bekannt, und besonders die Amerikaner sollen darüber im­mer wieder in Erstaunen geraten. Darüber ist drü­ben folgende Geschichte verbreitet. Auf derMau- retania" teilte bei der Ueberfahrt ein Engländer eine Luxuskabine mit einem Amerikaner. Dieser be­schloß abzuwarten, bis der Brite zuerst das Wort an ihn richten würde. So wartete er fünf volle Tage. Der Engländer war sehr höflich, aber schweig­sam wie ein Grab. Erst am letzten Abend vor der Ankunft schien er einen großen Entschluß fassen zu wollen. Jedenfalls raffte er sich mit einmal zu­sammen, dann räusperte er sich bedächtig und sagtg schließlich in langsam gesetzten Worten:Fahren wohl auch rüber?"