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Beschleunigung und Verdichtung des Eisenbahnverkehrs.
Oie nächsten Ziele der Reichsbahn.
Probeabstimmung für die Rückstimmung zum Reich bezeichnet hatte.
Sven Hedin hat in einem in Nanking aus- gegebenem Telegramm dem Führer und Reichskanzler für die ihm zum 70. Geburtstage ausgesprochenen Glückwünsche seinen herzlichen Dank übermittelt und hierbei seine treue An- hänglichkeit zu Deutschland erneut zum Ausdruck gebracht. *
Die Königin von Holland ist mit der Kronprinzessin und Gefolge in Buchts (Schweiz) eingetroffen. Mit einem Postauto fuhren sie nach Unterwasser in Toggenburg, wo sie etwa drei Wochen zu bleiben gedenken.
In Paris wurde ein Abkommen abgeschlossen, das in gewissem Umfange die Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen zwischen dem Saarlande und Frankreich entsprechend den Empfehlungen des Völkerbundes sichern soll. Industrielle Erzeugnisse des Saarlandes können im Rahmen besonderer Kontingente unter Zollermäßigung weiter nach Frankreich ausgeführt werden. Die Vergünstigungen sollen einem möglichst großen Kreis der saarländischen Industrie zugutekommen. Entsprechend dem Wert der Deutschland gewährten Zugeständnisse gestattet Deutschland die zollfreie Einfuhr einer Reihe
Aus aller Welt
Breslau, 21. Febr. (DRV.) Auf der fünften eisenbahnwissenschaftlichen Vortragsreihe sprach der stellvertretende Generaldirektor der Reichsbahn, K l e i n m a n n, über die Zukunftsaufgaben der Reichsbahn. Die Reichsbahn muß der erste Diener der nationalen Wirtschaft, jedoch ein souveräner Diener jein, der der gesamten Volkswirtschaft dient. Eine Aenderung in den Grundgedanken des G ü t e r t a r i j s fei nicht zu erwarten. An Stelle einer allgemeinen Tarifsenkung arbeitet die Reichsbahn mit Ausnahmetarifen, womit den Bedürfnissen der Wirtschaft in weit höherem Maße Rechnung getragen werden könne. Die Reichsregierung habe'die Absicht, in der Tarifpolitik der künftigen Rohstoffversorgung aus dem eigenen Lande soweit als irgendmöglich entgegenzukommen, um diesen neuen Wirtschaftszweigen ein Aufblühen zu ermöglichen. Die Reichsbahn werde auch in Zukunft bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit helfen. 1933 habe die Reichsbahn insgesamt 1,3 Milliarden RM. und 1934 1,5 Milliarden RM. in die Wirtschaft gepumpt. In diesem Jahre werde, sofern die Verkehrsbewegung weiter zunehme, die Reichsbahn 1,6 Milliarden RM. in die Wirtschaft hineinwerfen.
Im Personenverkehr werde einmal eine Beschleunigung und andererseits eine Verdichtung des Verkehrs angeftrebt. Der Nahverkehr solle durch Einsatz von Triebwagen mit Verbrennungsmotoren mit 100 Kilometer
Höchstgeschwindigkeit verbessert werden, vor allen Dingen in dichtbevölkerten Gebieten, im Ruhrgebiet, im sächsischen Industriegebiet, i m Rhein-Main-Gebiet, aber auch auf den Nebenbahnen in Ostpreußen. Auf dem Gebiete des Lokomotivbaues würden bald mit einer Lokomotive die ersten Probefahrten gemacht werden, die imstande fei, einen V-Zug mit etwa vier Wagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometer zu fahren. Auch die Elektrifizierung von Reichsbahnstrecken werde nicht vergessen werden. Sein Ziel sei, von Berlin über München bis nach Rom mit elektrischen Lokomotiven zu fahren. Der bisherigen Unwirtschaftlichkeit des elektrischen Betriebes solle dadurch begegnet werden, daß die vieljach vollkommen getrennten elektrischen Bahnnetze zusammengejchlossen werden, so das niederschlesische an das sächsische Netz. — Das Tempo dieses Ausbaues hänge allerdings von der Finanzlage ab.
Auch im Güterverkehr werde eine B e - schleunigung auf 70 bis 75 Stundenkilometer angestrebt. Die Reichsbahn werde auch in Zukunft der größte Verbraucher von Kraftwagen fein. Die angestrebte Geschwindigkeitssteigerung setze eine Verbesserung der Sicherheitseinrichtung voraus, ebenso wie eine Begradigung der Linie, Schweißung der Brücken, der Wagen und der Lokomotiven an Stelle des Nietverfahrens.
Aufsehenerregender Ooppelselbstmord zweier junger Amerikanerinnen.
Die Bewohner von Upminfter in der englischen Grafschaft Essex hatten Gelegenheit, einen sonderbaren Vorfall zu beobachten. Aus einem vermutlich in Richtung Frankreich fliegenden Flugzeug stürzten plötzlich zwei Frauen im Alter von etwa 25 Jahren, die dann tot auf einem Felde in der Nähe der Stadt aufgefunden wurden. Die Abgestürzten hielten sich auch im Tode noch fest an den Händen. Die Leichen der beiden Frauen, die auf diese ungewöhnliche Weise S e l b ft m o r d begangen hatten, sind die Töchter Jane und Elisabeth des amerikanischen Generalkonsuls in Neapel, D u - bois. In dem Flugzeug, das sie zu einem Flug nach Paris gemietet hatten, fanden sich Abschiedsbriefe an ihre Eltern. Der Doppelselbstmord hat in der gesamten englischen Oeffentlichkeit ungeheures Aufsehen erregt. Elisabeth wäre 23 Jahre und Jane 20 Jahre alt. lieber die Gründe ihres Selbstmordes dürften die an den Vater gerichteten versiegelten Briefe, die man im Flugzeug fand, Aufschluß geben. Der Absturz erfolgte aus einer Höhe von etwa 1700 Meter. Die Körper fielen auf ein Baugelände und bohrten sich tief in den Boden.
Die Tatsache, daß die beiden Mädchen mit den Fliegeroffizieren Beatty (einem Halbbruder des berühmten englischen Admirals Lord Beatty) und F o r b e s verlobt waren, die durch den Absturz eines englischen Flugbootes bei Messina in der vergangenen Woche ums Leben kamen, wirst ein besonderes Licht auf die Tragödie. Die Töchter Dubois' befanden sich vor der Katastrophe bei Messina ständig in Gesellschaft der beiden englischen Offiziere, als diese sich noch in Neapel aufhielten.
Wiederaufbau der Freiburger Universität.
Die Pläne für den Wiederaufbau d es Gebäudes der Freiburger Universität, dessen Oberteil am 10. Juni v.J. durch einen Brand zerstört wurde, haben nunmehr die Billigung aller in Frage kommenden Instanzen gefunden. Der Neuaufbau umfaßt einen Raum von 1200 qm und bringt der Universität sowohl räumlich wie architektonisch erhebliche Verbesserungen. Der Baubeginn ist für den 1. Juli d. I. festgesetzt. Man hofft, bis zum 1. Mai nächsten Jahres fertig zu sein. Die Gesamtkosten stellen sich auf 600 000 RM., von denen 320 000 RM. durch die Feuerversicherung gedeckt sind. Die Arbeiten sind auch von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung für Oberbaden. Insbesondere werden dem Steinmetzhandwerk erhebliche neue Arbeitsmöglichkeiten gegeben.
Der orthopädische Schuh. — Lin Forschungsinstitut in Pirmasens.
LPD. Pirmasens, 21. Febr. Der Fachschule für bie deutsche Schuhindustrie in Pirmasens soll ein Forschungsinstitut angegliedert werden, dem die Ausgabe zusällt, die Forschungsergebnisse des Berliner Orthopäden Dr. W e i n e r t zum Gegenstand eingehenden Studiums zu machen, um auf ihnen fußend der Menschheit den wirklich orthopädischen Schuh zum Geschenk zu machen. Dr. Weinert hat feftgeftettt, daß der heute übliche Schuh den gesundheitlichen Anforderungen nicht entspricht. Er hat nach jahrelangem Studium an Fußkranken einen Schuh ohne Vorder- und Hinterkappe und ohne Gelenk propagiert, der der Reaktion der Sehnen- und Muskelbänder des Fußes während der Laufbewegung sich anpaßt und ihr keine Hemmungen bereitet. Dieser Tage berief der Berliner Chirurg Geheimrat Professor S a u e r b r u ch deutsche Schuhindustrielle sowie bekannte Orthopäden nach Berlin. Er stellte fest, daß die Entdeckung Dr. Weinerts umwälzend sei und appellierte an die Industriellen, sich tatkräftig für die Verwirklichung der Pläne Dr. Weinerts einzusetzen, damit der neue Schuh bald zum Wohltäter der Menschheit werden könne. Um der Forderung Professor Sauerbruchs gerecht zu werden, wurde die Schaffung eines Forschungsinstituts in Pirmasens beschlossen.
Der Tod im Fahrstuhlschacht.
Der 15jährige Lehrling Johann Pie hier in Selb (Oberfranken) fiel in einem Betrieb luden Aufzugsschacht. Er stürzte nahezu neun Meter m bie Tiefe. Der Unfall blieb unbemerkt. Erst einen Tag sväter wurde Piehler nach langem Suchen t o t aufgefunden.
Drei Kinder überfahren und gelötet. — Gewissenloser Autofahrer verhaftet.
In Nebringen (Oberamt Herrenberg, Württ.) wurden die drei Kinder des Bahnwärters Dürr, zwei Mädchen im Alter von zwölf und zehn Jahren und ein Junge von sieben Jahren, die sich auf dem Heimweg von einer Zusammenkunft der HI. befanden, von dem Personenauto eines Geschäftsmannes aus Herrenberg erfaßt und auf den Straßenrand geschleudert, wo sie tot liegen blieben. Der Täter suchte, ohne sich um die Kinder zu kümmern, das Weite und täuschte im späteren Verlauf seiner Fahrt einen eigenen Unfall vor. Seine Darstellung war jedoch derart unglaubhaft, daß er noch in derselben Nacht verhaftet wurde. Bei der Untersuchung konnte festgeftellt werden, daß die Kinder vorschriftsmäßig auf der rechten Seite der Straße unmittelbar am Straßenrand hintereinander
landwirtschaftlicher Erzeugnisse des französischer? Grenzgebietes in das Saarland.
Oie Bemühungen um eine chinesisch-japanische Zusammenarbeit^
Tokio, 21. Februar (DNB.) Kriegsministee Hayajchi hatte heute wieder eine einstündigs Unterredung mit dem chinesischen Sondergesandten Wangtschunghui. Hayaschi wies darauf hin, daß der antijapanische Geist in China ein Zusammenarbeiten beider Länder verhindere. Beide Teils müßten offen ihre Ansichten austausch e n , wie darin Abhilfe zu schaffen sei. Wang- tschunghui antwortete, daß Nanking nicht daran denke, antijapanische Aktionen zu unterstützen, aus verschiedenen inneren Gründen sei aber die Beseitigung der antijapanischen Bewegung sehr sch w e r. Trotzdem wolle die Nanking-Regierung nichts Untertanen, um d i e Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit zu schaffen. China könne ohne Japan die gegenwärtige ernste Lage nicht überwinden. — Wangtschunghui gab den führenden Staatsmännern, den Parteiführern, Generälen und Vertretern von Wirtschaft, Handel und Wissenschaft ein Frühstück. Bei dieser Gelegenheit führte Außenminister H i r o t a aus, daß die Besprechungen mit dem chinesischen Sondergesandten ein gutes Zeichen für das Gelingen einer Zusammenarbeit sei.
gingen. Unter der erdrückenden Beweislast hat sich der Festgenommene zu einem Teilgeständnis herbeigelassen, da an dem Auto Blutspuren und Haare des Knaben gefunden wurden.
Einsturzunglück in einer japanischen Mädchenschule. 73 Schülerinnen verletzt.
In der Mädchenschule in Okayama, westlich von Osaka, brach der Fußboden der Aula durch. 73 Schülerinnen wurden mit in die Tiefe gerissen und erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Die Behörden haben eine eingehende Untersuchung des Unglücksfalles eingeleitet.
Begnadigung durch den Führer.
Der Führer und Reichskanzler hat die durch das rechtskrfstige Urteil des Schwurgerichts Kottbus vom 16. Dezember 1933 gegen Bernhard Pifchon wegen Ermordung des SA.-Mannes Walter Gornatowfki aus Kottbus verhängte Todesstrafe im Gnadenwege durch Erlaß vom 13. Februar 1935 in eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren umgewandelt.
Sühne für einen gemeinen Word.
Vor dem Ulmer Schwurgericht fand eine bei Hun. Verfingen, Kreis Riedlingen in Württemberg, verübte Mordtat ihre Sühne. Der Mörder K. Schulze, der ein Geständnis abgelegt hatte, und die Anstifte rin zum Mord, die verheiratete Sophie Weber, geb. Merk, wurden zum Tode verurteilt. Die beiden unterhielten ein Liebesverhältnis. Sophie Weber hatte den Schulze überredet, ihren Mann zu töten. Am 1. Dezember v. I. veranlaßte sie ihren Mann, sie auf die Arbeitssuche nach Riedlingen zu begleiten. Schulze folgte in kurzem Abstand. Bei Hundersingen gab die Frau ihrem Liebhaber das Zeichen, daß der Augenblick gekommen sei. Mit wuchtigen Hieben mit einem Axstiel zertrümmerte Schulze dem ahnungslosen Ehemann den Kopf, so >d-aß der Tod sofort eintrat.
Wildes Welter — neue Lawinenstürze.
Durch das milde Wetter ist in den Tiroler Bergen die Lawinengefahr neuerlich stark gestiegen. Aus verschiedenen Tälern werden schwere La- winenschäden gemeldet. Im Gebiet des Groß-Glock- ners, wo jchon vor einigen Tagen die Luckner Hütte zerstört wurde, ist nunmehr auch die Hilda- Hütte durch eine Lawine vollständig zertrümmert und fortgetragen worden. Auch die Station der Materialdrahtseilbahn auf die Adlersmh am Groß- Glockner wurde stark beschädigt. Zahlreiche Lawinenstürze werden auch aus dem Stubai-Tal gemeldet, wo in den Alphütten schwere Schäden angerichtet wurden. In Vorarlberg wurden durch eine Lawine fünf Alphütten verschüttet.
Zwei Bergleute tödlich verunglückt.
In Datteln (Westfalen) kamen in einem Querschlag der Zeche „Emscher-Lippe" die Gesteinshauer Wilhelm R o ß l a n z und Urban Mors durch vorzeitige Entzündung einer Sprengpatrone zu Tode. Der Gesteinshauer Ludwig Rasche erlitt leichte Verletzungen.
6. Vollsitzung der Akademie für deutsches Recht.
Der Präsident der Akademie für deutsches Recht, Reichsminister Dr. Hans Frank, hat für den 27. d. M. die Mitglieder der Akademie für deutsches Recht zu ihrer 6. Vollsitzung, die im Berliner Rathause ftattfinbet, zusammengerufen.— Auf Einladung des Präsidenten der Akademie spricht der Dekan der juristischen Fakultät der Sorbonne Paris, Professor Dr. Donnedieu de Sabres, über das Thema „Die internationale Bekämpfung der Delikte des Völkerrechts." In der Arbeitstagung der Akademie hat der Reichsbauernführer Reichsminister D a r r 6, Mitglied der Akademie für deutsches Recht, einen Vortrag über „Blut und Boden als Grundlage des deutschen Völkerrechts" übernommen. — Außerdem wird der Dekan der Berliner juristischen Fakultät Professor Dr. Heymann das Wort ergreifen.
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit hat sich unter starkem Druckfall ein neues Sturmfeld genähert. Es wird im Laufe des Freitag über uns hinwegziehen, stürmische, auffrischende von Süd nach West drehende Winde und unter Niederschlägen starke Abkühlung bringen. Die Gesamtwetterlage bleibt auch weiterhin sehr unruhig und unbeständig, doch lassen sich Einzelheiten bei der ungewöhnlichen Schnelligkeit, mit der die einzelnen Störungsgebiete ziehen, nicht angeben.
Aussichten für Samstag: Nach starken Böen (am Freitag) noch sehr unruhig, wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen Schauern, bei kräftigen westlichen Winden kälter.
Lufttemperaturen am 21. Februar: mittags 10,3 Grad Celsius, abends 6,2 Grad; am 22. Februar: morgens 4,9 Grad. Maximum 10,4 Grad, Minimum 4,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. Februar: abends 4,6 Grad; am 22. Februar: morgens 3,6 Grad Celsius. —Niederschläge 1,4 mm.
Wintersport.
Schwarzwald: Feldberg: Schneefall, —1 Grad, 165 Zentimeter Gesamtschneehöhe, Pulvere schnee, Ski und Rodel sehr gut.
Wie sieht es in der Wirtschaft aus?
In Ruhe und Sachlichkeit vollzogen sich diesmal die Verhandlungen über das Stillhalte-Ab- kommen für die kurzfristigen Auslandschulden der Länder, Gemeinden und öffentlich-rechtlichen Körperschaft en. Die Schuldsumme beläuft sich, nachdem erhebliche Rückzahlungen geleistet und anderseits der Währungsgewinn für uns einen Vorteil brachte, auf etwa 110 Millionen Reichsmark. Das Stillhalte-Abkom- men ist um ein Jahr verlängert worden. Wie im Vorjahre können die Auslandgläubiger eine Teilrückzahlung von 25 v. H. in vierteljährlichen Raten verlangen. Die gezahlten Reichsmarkbeträge werden als Registermark behandelt. Der Zinssatz ist auf 4,5 o. H. ermäßigt worden. Damit ist ulso ein Abkommen getroffen, das durchaus der Sachlage entspricht, da die Gläubiger von ihrem in den letzten Jahren festgehaltenen Prinzip abgegangen sind, die hohen Zinsen nach wie vor zu fordern und die Rückzahlung zu verlangen, als ob mittlerweile die Weltwirtschaft nicht in eine furchtbare Krise geraten fei und als ob die Bedingungen, unter denen wir das Geld aufnahmen, unverändert wären. Es mag merkwürdig berühren, daß gerade die Gläubiger im Auslande zwar für die Finanzpolitik ihrer eigenen Staaten eine Elastizität forderten, Deutschland aber an Verträge binden wollten, die durch die Zeit längst überholt sind. Noch im vorigen Jahre wurde versucht, aus politischen Gründen die Sachlichkeit, die allein vorwärtsbringen kann, zu verderben und bedauerlicherweise hat damals in ihrer Schuldennote auch die englische Regierung Vorwürfe gegen Deutschland erhoben, die sie mit Fug und Recht und zureichenderem Grunde für sich in der Frage der amerikanischen Kriegsschulden hätte erheben müssen. Es ist bemerkenswert, daß in diesem Jahre sich die Stillhalte-Verhandlungen in Bahnen bewegten, die allein zur Verständigung führen mußten und daß alle Hemmungen von vornherein ausgeschaltet waren, soweit sie aus politischen Gefühlsausbrüchen hergeleitet werden konnten.
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Die Vorarbeiten für die diesjährige Leipziger Frühjahrsmesse, die am 3. März eröffnet werden wird, sind bereits weit vorgeschritten. Die Zahl der Aussteller wird noch beträchtlich großer als im vorigen Jahre sein und mehr als 8000 betragen. Aus dem Jnlande ist zweifellos ein Rekordbesuch zu erwarten. Aber auch der Zustrom der ausländischen Einkäufer wird, wie die bereits vorliegenden Anmeldungen zeigen, den der Vorjahrsmesse bedeutend überfteigen. Allein aus den Vereinigten Staaten werden 500 Besucher erwartet.
Insgesamt wird die Messe in diesem Jahre von mehr als 20 000 ausländischen Kaufleuten besucht werden. Man kann hieraus ungefähr ermessen, wie sehr der deutsche Export durch die Messe angekurbelt und gefordert werden wird. Diesmal wird der Besuch zahlreicher überseeischer Großeinkäufer vor allem dem Zustandekommen von K o m. - penjationsgeschäften dienen. Gerade für diesen Zweck ist eine persönliche Aussprache häufig nützlich und notwendig. Die Ausländer, die aus den Vereinigten Staaten, Südafrika und anderen Ländern nach Deutschland kommen, wissen heute genau, daß sie sich den deutschen Markt als Abnehmer ihrer Rohstoffe und sonstigen Erzeugnisse nur erhalten können, wenn ihre Heimatlander größere Mengen deutscher Waren aufnehmen. Ihr zahlreicher Besuch beweist also, daß sie den Weg des Abschlusses von Ausgleichsgeschäften für gangbar und erfolgversprechend halten Das Ziel der Ausfuhrsteigerung heißt: Die Lücken zwischen Emsuhr- bebürfnis und Ausfuhrertrag muß geschlossen werden. Das Reichswirtschaftsministerium hat schon veranlaßt, daß für Ausfuhrabschlüsse auf der Messe Rohstoffe beschleunigt bevorzugt zugeteilt werden. So wird der Leipziger Frühjahrsmesse dieses wcal eine äußerst wichtige Aufgabe gestellt. Die Technische Messe und die Baumesse hat schon ein Drittel des Raumbedarfs mehr belegen müssen. Bürobedarf, Papierwaren, Beleuchtungskörper und Möbel werden eine starke Zunahme der Beschickung zeigen, ebenso Haus- und Küchengeräte, Glas, Porzellan, Steingut, Tonwaren, Textilwaren, Leder- und Reiseartikel.
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Der Siegerländer Eisenerzbergbau hat im Monat Januar seine Forderung und seinen Absatz beträchtlich steigern können, ebenso auch der Erzbergbau im Lahn-Dillgebiet und in Oberhessen. In beiden deutschen Bergbaubezirken rechnet man mit günstigen Aussichten für die nächsten Monate. In einer Mitgliederversammlung des Bundes der deutschen Eifenhändler wurde festgestellt, daß dank der Marktregelung bereits in erheblichem Umfange eine Beruhigung der Märkte eingetreten ist. Die Regierung habe zwar die Auswüchse im Kartellwesen bekämpft, aber denjenigen marktordnenden Verbänden Verständnis entgegengebracht, die unter sorgfältiger Beobachtung der Konjunktur Preise und Handelsbedingungen der
allgemeinen Lage angepaßt haben. — Die Fachgruppe Baumwollspinnerei berichtete, daß die Nachfrage nach Baumwollgarnen weiter lebhaft geblieben ist. Es sei gelungen, den Beschäftigungsstand der Spinnereien trotz der Rohstofftchwierig- keiten aufrechtzuerhalten. — Die Gesamtzahl der Konkurse und Vergleichsverfahren im Jahre 1934 betrug nach einer Zusammenstellung des Statistischen Reichsamts 6207 bzw. 774. Gegenüber dem Vorjahr haben sich die Konkurse um 2 2 v.H., die Vergleichsverfahren sogar um mehr als 47 v. H. vermindert. Bemerkenswert ist, daß mehr als die Hälfte aller Anträge auf Konkurs- oeröffentlichung wegen Mangels an Masse ab gelehnt werden mußte. Auch die Konkursstatistik zeigt einen außerordentlich befriedigenden Stand des Jnland- geschäfts, während freilich der Auslandhandel bis jetzt kaum Zeichen der Belebung aufweist. Hier muß also in erster Linie der Hebel angesetzt werden.
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Oe st erreich ist in einer bedrängten Wirtschaftslage, ein Blick auf feine Struktur beweist, daß sie auch gar nicht anders fein kann, da das Land in feiner Wirtschaft ursprünglich darauf angelegt war, jene Länder der k. u. k. Monarchie mit Waren zu versehen, die sich seitdem eigene Industrien gründeten. Aus der Jllusionszeit nach dem Kriege ist vor allem einmal die A n l e i h e p o l i t i k geblieben, wonach also das Land schließlich nur von den Gaben anderer Länder lebt, und die Sozialversicherung, die ungeheuerlich aufgebläht war und große Fehlbeträge aufwies derart, daß z. B. in der Angeftelltenversicheruna die Gefahr bestand, daß die Zahlungen eingestellt werden mußten. Man versteht die Erregung der Betroffenen, der Rentenempfänger, denn an und für sich haben sie einen Rechtsanspruch auf die volle Hohe ihrer Rente, da sie jahrelang auch die vollen Beiträge bezahlten. Wenn der Staat diese Beiträge nicht in voller Hohe und allein zu dem gedachten Zweck verwandte, dann mögen das die Rentenempfänger mit ihrem Staat ausmachen; jedenfalls werden die fälligwerdenden Beträge der Jnvalidi- täts-, Alters- und Hinterbliebenenrenten um volle 2 0 v. H. gekürzt, wenn sie über 60 Schilling monatlich betragen, d. h. nach dem heutigen Stande etwa 28 bis 30 Mark! Für darunterliegende Beträge und für die Waisenrenten werden 10 v. H. abgezogen. Das ist also die erste Entscheidung in der vielumstrittenen Reform der Sozialversicherung in Oesterreich, und da an und für sich die Renten schon sehr knapp waren, ist die Bestürzung der Bevölkerung über diese Maßnahme sehr verständlich.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer und Reichskanzler hat dem Reichs- und preußischen Minister des Innern Dr. Wilhelm Frick des Ehrenzeichen der Bewegung vom 9. November 1923 verliehen. *
Reichsminister Dr. Goebbels traf in Essen ein. Die Straßen prangten im Flaggenschmuck, eine nach Tausenden zählende Volksmenge begrüßte den Reichsminister mit großen Ovationen. Abends wohnte Dr. Goebbels im Essener Schauspielhaus der Aufführung des Lustspiels „H i e r s i n d G e m - s e n z u sehen" von Siegmund Graff bei. Das Stück gelangte in glänzender Regie zur Aufführung und fand einmütigen lebhaften Beifall des Publikums.
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Reichsminister Dr. Goebbels hat den bisherigen Prefjechef der Stadt Berlin, feinen alten Mitarbeiter Dagobert Dürr, als Pressereferenten in das Reichsministerium für Volksaufklarung und Propaganda und in die Reichspropagandaleitung der NSDAP, berufen.
Der Reichs kommiff ar für die freiwillige Krankenpflege, General der Infanterie z. D. Herzog von Koburg erstattete dem Führer und Reichskanzler eingehend Bericht über feine Reife als Repräsentant des Deutschen Reiches zur 15. Internationalen Rot-Kreuz- Konferenz in Tokio.
Der Danziger Volkstag hat den Auf- löfungsantrag der nationalsozialistischen Fraktion mit 41 Stimmen gegen 22 Stimmen bei drei Stimmenthaltungen angenommen. Gegen die Auflistung stimmten das Zentrum, die Sozialdemokraten und die Kommunisten, während die beiden polnischen Abgeordneten und der deutschnationale Abgeordnete Dr. Ziehm sich der Stimme enthielten. Die Neuwahl findet am 7. April statt. In der Sitzung kam es wiederholt zu schweren kommunistischen Ausschreitungen. Die sozialdemokratische „Dolksstimme" wurde v e r w ar nt, öeU sie in einem Aufsatz die Dolkstagswahl als


