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Nr. 18 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Dienstag, 22.Zanuar 1935

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Shilia in der Entwicklung.

Von unserem Or. M.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

Peking, Ende Dezember 1934.

Es ist wichtig zu sagen, von wo aus man China sieht, wenn man von diesem Lande spricht.Gesehen von Peking" bedeutet jedoch mehr als nur eine lokale Fixierung des Gesichtspunktes. Diese wäre korrekter auch mitPeipina" statt Peking" gegeben. Mit Vorbedacht ist das sinnvolle Hauptstadt im Norden" statt des leider heute sinnleerenFriede im Norden" gewählt, um damit diesen Gesichtspunkt auch historisch-poli­tisch festzulegen. Und was darin eingeschlossen ist, kann morgen Programm der chinesischen Zentralregierung werden, mag es heute schon sein.

Aeußerlich scheint sich in diesem Jahre nicht viel verändert zu haben. Zu Ende 1933 sprach man von dem bevorstehenden fünften Nationalkon­greß der Kuomintang und verschob ihn um ein Jahr, während Vertrauensleute Nankings nach Kanton gingen und mit optimifttschen Berichten zurückkamen. Auch Ende 1934 spricht man von dem bevorstehenden Nationalkongreß und hat ihn wie­der um ein Jahr verschoben. Und wieder gehen Vertrauensleute Nankings nach Kanton und kommen mit optimistischen Berichten zurück. Damals fürchtete man: bräche die Revolte der Provinz Fukien zusammen, so ständen sich Nanking und Kanton gegenüber und wieder erlebe China einen Bürgerkrieg großen Stils. Nun befürchtet man das Gleiche, find erst die Kommunisten endgültig aus ihren Stellunaen zwischen Kanton und Nanking verdrängt. Uno heute wie damals sitzt der große Schulmeister der Kuomintang, Ju Han-min, in Hongkong der chinesische Patriot auf englischem Boden, verteilt seine Noten Nanking kriegt nur schlechte und droht mit Opposition auf dem Nationalkongreß.

Die F u k i e n - R e v o l t e ist Anfang des Jahres erledigt worden nicht ausschließlich mit Waffen und aus den einst wegen der Schanghaier Kämpfe viel gefeiertenHelden" der 19. Armee sind teilweise Arbeitssoldaten geworden. Die kom- munistische Gefahr, zu deren Bekämpfung Chiang Kai-sheks Truppen im Felde stehen, seit er im Mai 1927 mit den Kommunisten brach und seine russischen Berater nach Hause schickte, beste h t fort. Zwar haben die Kommunisten ihren seit sechs Jahren gehaltenenkommunistischen Staat" an den Grenzen der drei Provinzen Kuangtung, Kiangsi und Fukien mit derHauptstadt" Juichin verloren, aber es scheint, als ob die Hauptmasse der dortigen Kommunisten doch hat abziehen kön­nen: schon sind sie in Kuangsi, Hunan und Kueichou eingebrochen, und es droht die Gefahr, daß sie sich mit den Kommunisten in Szechuan vereinigen. Daß sie auch außerhalb der offen kommunistischen Ge­biete arbeiten und ihre Hellen haben, beweisen ge­legentliche Ausbrüche und zahlreiche Verhaftungen von kommunistischen Agenten und Agitatoren nicht wenige in akademischen Kreisen.

In den Außenbesitzungen der chinesischen Republik hat sich wenig verändert. Tibet und S i n k i a n g sind umworben worden, aber es ist zu fürchten, daß die Hoffnungen, dort den eng­lischen, hier den russischen Einfluß, auszuschalten, nicht so bald, wenn überhaupt, erfüllt werden. Die Lage in der äußeren Mongolei und in der Mandschurei, auf die China die alten An- svrüche unverändert aufrechterhält, ist im wesent­lichen unverändert, was das tatsächliche Verhältnis zu China anbetrifft. Der unbehinderte Handels­verkehr mit Urga ist trotz wiederholter An- kiindigung nicht wiederhergeftellt. Der direkte Zugverkehr mit Mukden ist wieder ausgenommen, aber über die Wiederaufnahme des Po st Verkehrs liegen offizielle Mitteilungen noch nicht vor. Die G r e n z p ä f f e , über die Wege nach der Mandschurei und Jebol führen, sind erst zum Teil wieder in chinesischer Hand und dort, wo sie es sind, sind Zollstationen eingerichtet wor- den. Sie genügen nicht, um den erheblichen Schmug­gelverkehr zu unterbinden, der China viele Millio­nen kostet. Und die Verhältnisse in Luantung, der durch das Tangkuabkommen von 1933 geschaf­fenen demilitarisierten Zone zwischen Tientsin und Shankaikuan, sind die alten: nach rote vor besteht dort ein Dorado für Schmuggler und Rauschgiftschieber, ein Rekrutierungsgebiet und Auf­marschgelände für Feinde der chinesischen Regie­rung.

Die Autonomie der inneren Mongo- I e i verbleibt am Ende des Jahres ebenso unge­klärt, wie sie es zu seinem Anfang war, doch scheint es etwas wahrscheinlicher, daß sie im Rahmen der chinesischen Republik eher verwirklicht werden wird als im Anschluß an oder parallel zu Manchukuo. Japans Bestreben, sich dort Stützpunkte zu schaf­fen, dauert allerdings an und es mahnt zur Auf- Nlerksamkeit, daß von Grenzregulierun gen Jehols und Manchukuos gesprochen roiro. Die von Japan-Manchukuo geplante und zum Ten schon durchgeführte Schaffung mit weitgehender Selbstverwaltung ausgestatteter mongolischer Pro­vinzen in jenen Gebieten mag sich von größerer Bedeutung für die Zukunft der inneren Mongolei erweisen, als es entgegen vielen Annahmen die Krönung Puyi's zum Kaiser von Manchukuo war.

Auf dem Gebiete der inneren Organisa- t i o n sind trotz aller Schwierigkeiten doch erheb­liche Fortschritte gelungen. Das Verkehrs­wesen ist verbessert, viele Straßen sind neu gebaut und dem Motorverkehr zugänglich gemacht worden. Der Bau neuer Bahnen ist 'in Angriff aenrmmen worden, das Flugliniennetz ist weiter ausgebaut worden. Modernisierung der

Vorsichtiger Kurs -er japanischen Außenpolitik.

Tokio wünscht neuen Klottenvertrag und friedliche Verständigung in Ostasien.

Hirotas Programm.

Tokio, 22. Jan. (DNB.) Der japanische Außen­minister Hirota hielt im Parlament die mit gro­ßer Spannung erwartete Rede, deren Hauptpunkte JapansWunsch nach einem neuen Flot­tenvertrag mit gleitenden Abrüstungsbestim­mungen und ein Appell für eine enge Zusam­menarbeit mit China bildeten. Hirota er­klärte, daß die grundlegende Politik der japanischen Regierung in den Verhandlungen mit Großbritan­nien und Amerika darin bestanden habe,eine gleitende Herabsetzungder st ungen in vollem Umfange durchzuführen und die völlige Abschaffung oder weitgehende Begrenzung der Angriffswaffen zu bewirken, um jede Macht von der Drohung anderer Mächte zu befreien und es überhaupt einer Macht unmöglich zu machen, eine andere zu bedrohen". Die von Japan ausgesprochene Kündigung des Washingtoner Vertrages, fuhr der Außenminister fort, dürfe nicht so verstanden werden, daß Japan etwa beabsichtige, auf eine Aufrüstung loszusteuern. Im Gegenteil erstrebe es den Abschluß eines neuen Vertrages, der den Washingtoner Vertrag ausschalte. Dieser neue Vertrag müsse auf einer neuen Grundlage a u f a e b a u t werden, die getreulich mit dem Geist der Abrüstung übereinstimme.Es ist unvor- st e l l b a r", sagte der Außenminister,daß es irgendeinen Grund zu einem Konflikt zwischen Japan und den Vereinigten Staaten gibt, zwei Länder, die getrennt sind durch die Weite des Stillen Ozeans. Es ist über­flüssig zu sagen, daß das gute Einverneh­men zwischen Japan und Großbritan­nien einen wahrhaft bedeutenden Beitrag zum Frieden der Welt darstellt."

Im Hinblick auf Japans Beziehungen in Ost­asien erklärte Hirota, daß die Regierung die Ab­sicht habe, die friedliche Entwicklung der Beziehungen mit Sowjetrußland durch die Regelung noch unerledigter Fragen zu beschleu­nigen. Japan zähle auf die Mitwirkung der übrigen Staaten Ostasiens bei der Aufrechterhaltung des Friedens und der Ordnung in diesem Teile der Welt. Er hoffe daher, daß China sich den tatsäch­lichen Bedürfnissen dieser Lage nicht verschlie­ßen und die edlen Bestrebungen Japans teilen werde.

Vor neuen Verhandlungen mit Moskau.

Tokio, 22. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Die Rede des japanischen Außenministers Hirota im Reichs­tag hat in politischen Kreisen starke Beachtung gefunden. Besonders hervorgehoben werden die Er­klärungen über die Sowjetunion und über China, sowie der Wunsch, zu einer friedlichen Verständi­gung über die wirtschaftlichen Beziehungen der Län­der untereinander zu kommen. Man vermutet, daß Japan nach Abschluß der Verhandlungen über die chinesische Ostbahn weitere Besprechungen mit Vertretern der Sowjetunion über Grenzfragen und insbesondere über eine allmähliche Entfestigung der Grenze im Auge habe. Die Worte Hirotas an China werden dahingehend ausgelegt, daß Japan nichts unversucht lasse, um zu einer Verständigung mit China zu kommen, sofern China energischer als bisher den Kommunisten und der japanfeindlichen Bewegung entgegentritt. Diese Erklärungen finden um so grö­ßere Beachtung, als gerade in letzter Zeit wich­

tige Besprechungen mit Nanking ein­geleitet worden sind.

Zu den Ausführungen Hirotas über die Flot­te n f r a g e hebt man hervor, daß es Japan nicht um eine Verstärkung seiner Rüstun­gen, sondern um den Abschluß eines neuen Vertrages zu tun sei, der auf dem Grundsatz der Rüstungsbeschränkung aufgebaut sein soll. Für bemerkenswert hält man ferner den Appell Hirotas an alle Länder, in der gegenwärtigen ernsten Lage kein Mittel zur Erhaltung des Welt­friedens unversucht zu lassen.

Kritik an den hohen KüstungöauSgaben

Tokio, 22. Jan. (DNB.-Funkfpruch). Der Füh­rer der Seiyukai-Partei, Suzuki, wandte sich in einer großen Rede auf dem Parteitag gegen die Politik der Regierung, die er als zu bürokratisch bezeichnete. Vor allem seien aber d i e Aufwendungen für die Landesver- teidigung viel zu hoch, die Wirtschaft würde hierdurch empfindlich geschädigt. Suzuki forderte dringend einen Ausgleich der Interessen der Landesverteidigung und der Wirtschaft. Die Seiyukai-Partei müsse deshalb die Maßnahmen der Regierung auf finanziellem Gebiet dauernd kritisch beobachten. Bekanntlich haben die Klagen über die Höhe des Haushalts der Landesverteidigung im allgemeinen und über die damit verbundenen hohen

Ausgaben für die japanische Kwantungarmee und für Mandschukuo den F i n a n z m i n ist er Ta k a - haschi veranlaßt, s e l b st eine Kürzung der für Mandschukuo vorgesehenen Gelder anzukündigen.

Zu einer Verständigung mit China bereit.

Beilegung des mandschurisch-chinesischen Grenzkonflikts.

Mukden, 21. Jan. (DNB.) Auf das Der- sprechen der chinesischen Regierung hin, die 2Irmy Sungcheyuas aus dem Tfchachar-Dschehol-Grenzge- biet z u r ü ck z u z i e h e n , hat die japanische Ar­mee ihre angedrohten Maßnahmen zu­rück g e st e l l t, wodurch der Ausbruch eines neuen Krieges vorläufig vermieden worden ist. Der chinesische Gesandte in Tokio suchte am Montag Außenminister Hirota auf und hatte mit ihm eine länaere Aussprache über die Be­ziehungen beider Länder. Dabei erklärte Hirota, daß Japan zu einer endgültigen Ver­ständigung mit China bereit sei. Der ja­panische Gesandte in China, Ariyoschi, wird dem­nächst zurücktreten. Als Nachfolger werden der jetzt auf Reisen befindliche frühere Botschafter P o s ch i - d a genannt.

Sowjet-Rußland verzichtet ans die ostchineffche Zahn.

Der Verkauf der Ostbahn abgeschlossen.

Tokio, 22. Jan. (DRV.Funkspruch.) Rach einer Verhandlungsdauer von 19 THonafen, während der 40 Hauptbesprechungen stattfanden, wurden am Dienstagvormittag die Verhandlungen über den Verkauf der chinesischen Ostbahn endlich z u m Ab­schluß gebracht. Die japanische Presse erkennt die Zugeständnisse der Sowjetunion, die alle japani­schen Vorschläge angenommen habe, vorbehaltlos an. Sowjetruhland habe mit dem Verkauf der Vahn seine imperialistischen Ziele in Ost­asien aufgegeben.

Der zum Abschluß gelangte Vorvertrag enthält die Einzelheiten des Aebergangs der Vahn an 2Uan- dfchukuo. Danach tritt die Sowjetunion folgende Werte ab: 1726 Kilometer Bahn­strecke, 2567 Kilometer Telegraphen- und Telephon­linien, das gesamte Bahnmaterial, Fabrikanlagen und umfangreichen Besitz an Ländereien und Wald. Der Gesamtpreis beträgt, wie bereits im Oktober v. 3. grundsätzlich vereinbart, 17 0 Millionen Pen. Lin Drittel dieses Betrages ist in bar zu zahlen, die restlichen zwei Drittel in Wa­ren. Die Zahlungen haben innerhalb von drei Jah­ren zu erfolgen. Die Hälfte des Varpreises ist bei Unterzeichnung des Vertrages fällig. Der Rest­betrag muß mit 3 v. h. verzinst werden, lleber die an Zahlungs statt zu liefernden Wa­ren werden im Laufe der nächsten sechs Monate besondere Verträge abgeschlossen werden. Die Sow­jetunion verlangt Reis, Rohseide, elektrische Maschi­nen und Apparate, Kupfer, Tee, Sojabohnen und

anderes, aber keine Waffen. Japan übernimmt die Bürgschaft für alle Zahlungen und wird hierüber eine besondere schriftliche Erklärung an Moskau ab­geben. Die Preisfestsetzung für die zu liefernden Waren wird durch eine gemischte Kommission er­folgen.

Die chinesische Ostbahn, oder wie sie von japa­nisch-mandschurischer Seite jetzt bezeichnet wird, die nordmandschurische Bahn, wird mit der Ussuri-Bahn und der Sibirischen Vahn verbun­den werden, hierüber folgt ein besonderer Vertrag. Die bei der Vahn beschäftigten fowjetrussl- schen Beamten müssen innerhalb von fünf Mo­naten nach der Sowjetunion zurückkeh­ren. Vergütungen und Pensionen für diese Beam­ten werden von der Sowjetunion bezahlt.

Der Hauptvertrag über den Bahnverkauf soll im Februar in Tokio unterzeichnet werden. Japan beabsichligt, gemeinsam mit Mandschukuo die gesamte Bahnver­waltung neu zu ordnen. Unter einer neuen Gesellschaft, deren Gründung in Aussicht genommen ist, werden drei Hauptabteilungen gebildet werden, und zwar für das Gebiet der Rordmandschurischen Vahn, der bisherigen Mandschurischen Vahn und der Südmandschurischen Bahn.

Amerika und der Haager Schied»- gerichtshof.

Washington, 21. Jan. (DNB.) In der Senatsaussprache über den Beitritt Arneri - kas zum Haager Schiedsgerichts Hof betonte Senator Borah, daß sich die Mitglieder des Weltgerichtshofes bei den Verhandlungen über die deutsch-österreichische Zollunion

militärischen Rüstung, Ausbildung und Disziplinierung der Armee haben unzweifelhaft weitere und erhebliche Fortschritte gemacht. In zäher Arbeit werden hier unter der Leitung Tschiang-Kaischeks die realen Mittel der Politik geschaffen. Mit Wiedereinführung des Konfucius- kultes und mit der BewegungNeues Leben" wer­den auch moralische Kräfte mobilisiert. Die stille und wenig bekannte technische Mitarbeit des Völkerbundes an der inneren Reorganisierung Chi­nas durch 'Entsendung von Fachleuten auf den ver­schiedensten Gebieten, die offenbar das einzige Positive ist, was der Völkerbund leisten kann, ist durch Chinas Nachgeben in der Personenfrage auch weiter gesichert, Japans Angriff darauf abgeschla­gen.

Wirtschaftlich ist China weiter in die Welt­krise hineingezogen worden und hat sich gegen das zeitweilig gefahrdrohenden Umfang annehmende Abfließen seines Silbers durch Einführung eines gleitenden Zolles auf Silberexport schützen müssen. An der Reorganisation der chinesischen Wirtschaft arbeitet der Wirtschastsrat unter dem früheren Finanzminister T. V. Sung. Der Erfolg wird im wesentlichen von der politischen Entwicklung Chinas und von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab­hängen.

Die beiden Führer, die zunächst ein so ungleiches Paar zu sein schienen: Wang Ching-wei und Tschiang-Kaischek, haben sich in einer über- raschenden Weise aufeinander eingespielt. Es kann nicht mehr davon gesprochen werden, daß einer von ihnen eine andere Kombination suchen und den ander ausschalten könne, daß eine Einzeldikbttur erstrebt würde. Ihre Zusammenarbeit hat pch be­

währt und hat sie zur Aufstellung eines groß­zügigen realpolitischen Programms zusammenge­führt. Vergeblich wird man darin nach den so oft gehörten höhlen Deklamationen über das Erbe Sun Pat-sens, über einen Feldzug zur Wiedergewin­nung der verlorenen Provinzen und anderes suchen. Das Gegebene wird als gegeben genommen und ohne Rücksicht auf eine, vielleicht unbewußt, nach russischem Vorbild geformte, aber unchinesische Ideologie wird staatsmännisch formuliert, was die Forderung des Tages ist. Zum erstenmal wird darin von dieser Seite anerkannt, daß innerhalb diesrs Reiches Verschiedenheiten der Inter­essen und Aufgaben bestehen, die zum Besten des Ganzen Berücksichtigung verdienen. Es wird von den Aufgaben der Zentralregierung und von den ' Aufgaben regionaler Regierun­gen gesprochen. Sie gegeneinander abzugrenzen, erklären Wang Ching-wei und Tschiang-Kaischek für die erste und wichtigste Aufgabe. Selbst für die Durchführung der Gesetze sollen nur allgemeine und in sich nicht starre Grundsätze seitens der Zentral­regierung ausgestellt werden, die Ausführung aber soll den regionalen Behörden in Anpassung an die örtlichen Bedürfnisse überlassen bleiben. Einheit­lichkeit und Stetigkeit der Verwal­tung sollen garantiert werden dadurch, daß die Geeignetheit der Beamten nach gemeinsamen Grund­sätzen geprüft werden und die Anstellung grund­sätzlich nicht auf weniger als drei Jahre erfolgen soll. Wirtschaftspläne und Budgets für die regio­nalen Aufgaben sollen von den regionalen Regie­rungen aufgestellt werden. Sie sind zwar der 3entrolr'cgierung zur Billigung vorzulegen, danach ! ober j'dcm Eingriff der Zentralregicrung entzogen, die sich nur das Recht gäegenüicher Kontrolle vor-

behält. Die Einnahmequellen der Zentral­regierung und der regionalen Regierung sollen arundsätzlich scharf voneinander geschieden werden: solche, die durch Gesetz der einen vorbehalten sind, sollen dem Zugriff der anderen entzogen bleiben. Selbst im Heereswesen soll eine ausschließ­lich den Zwecken der nationalen Verteidigung die­nende und der Zentralregierung unterstellte Armee getrennt gehalten werden von den Truppen der regionalen Regierungen, die regionalen Zwecken der Polizierung, Befriedung und Banditenbekämp- funq dienen. Die Zentralregierung behält sich hinsichtlich der letzteren nur das Recht vor, ihre Zahl nach oben zu begrenzen. Die Ausrüstung dieser Truppen, soweit sie aus dem Auslande bezogen wird, soll durch die Zentralregierung erfolgen, um die gleiche Uniformierung zu gewährleisten.

Es ist anzunehmen, daß dieses Programm unter dem Eindruck entstanden ist, den Tschiang-Kaischek von der Weite und dem Charakter des Landes er­halten hat, als er im Herbst zumeist im Flug­zeug die Provinzen Honan, Shensi, Kanfu, Ninghsia, Suiyuan, Chahar, Shantung, Shansi und Hvpei besuchte. Er hat den Weg zu China gefunden, das immer eine große Selbständig­keit feiner Teile der Provinzen und der unter Vizekönige gestellten Gruppen von Provinzen und mehrmals in feiner Geschichte selbst mehrer« Hauptstädte, immer aber Kaiserpfalzen an vielen Plätzen gekannt hat. Gefahren, die in der Dezentra- üfation liegen, kann heute die Technik mit Flug­zeug, Funkspruch und Rundfunk bannen, wenn an der Zentrale ein starker Wille ist. Da» ist es, was trotz'allem Hoffnung in die Zukunft Chinas zu fetzen rechtfertigt.