Samstag, A.Vezember 1935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Leider kann das Licht der Weihnacht nicht in allen Familien vom Bater ober der Mutter selbst angezündet werden. Not und Bedrängnis sind hier schlimme Gäste des Hauses. Da muß Hilfe von der Volksgemeinschaft kommen, und zu Weihnachten noch ein Stück Freude dazu, damit auch in diesen Familien das Christkind die rechte Geltung erlangt. In anerkennenswerter Weise wird von der deutschen Volksgemeinschaft über die NS.-Volkswohlfahrt und auch durch die Hilfe innerhalb der kirchlichen Gemeinden vieles für die Brüder und Schwestern in Not getan. Besonders zur Weihnachtszeit werden diese Anstrengungen in erheblichem Maße gesteigert.
Darüber hinaus sind aber auch noch viele andere Kräfte am Werk, um Weihnachtsfreude zu be- reiten. In Krankenhäusern und Kinderheimen sehen es die Schwestern als eine besondere Aufgabe ihres Dienstes an, zum Weihnachtsfest ihren Schutzbefohlenen eine freudige Ueberraschung unter dem Lichterbaum zu bereiten. Zu diesem Zwecke sitzen sie schon Wochen lang vor dem Feste in ihren kargen Freistunden beisammen zur Handarbeit. Da wird genäht, gestrickt und gehäkelt, da wird in liebevollster Weise Bedacht genommen auf die gelegentlich geäußerten Wünsche, und es wird versucht, sie in Einklang zu bringen mit den meist nicht sehr umfangreichen Mitteln, die unserer in vorbildlicher Selbstlosigkeit dienenden Schwesternschaft zur Verfügung steht. Die Hauptsache ist ja hier, wie übrigens auch in zahlreichen Familien, nicht die Höhe des materiellen Wertes der Weihnachtsgabe, sondern vor allem die in der Festtagsüberraschung zum Ausdruck gebrachte herzliche Gesinnung und die freudig opfernde Liebe. Und wie leuchten die Augen der in diesem Kreise beschenkten Männer, Frauen und Kinder. Wer solchen Feiern beigewohnt hat, kann ermessen, wie wichtig und wertvoll sie als Bindeglied vom Mensch zum Menschen sind und wie hoch das ideelle Verdienst ist, das sich die Schwestern in dieser Hinsicht erwerben.
Auf der gleichen Linie der gebefreudigen Tatbereitschaft liegen die Weihnachtsarbeiten in den Heimen unserer Jugend. Wie eifrig ist man z. B. seit
vielen Wochen im BDM. an der Arbeit gewesen, um einen Teil dessen schaffen zu helfen, das zu Weihnachten durch die NSV., oder auch in Heimabenden selbst den hilfsbedürftigen Volksgenossen Freude bereiten soll. Und genau so vorbildlich wie im BDM. auf diesem Gebiete gewirkt wurde, haben sich auch Schulen emsig für diesen edlen Zweck betätigt. Erst vor einigen Tagen konnten wir Mitteilen, daß die Schülerinnen des Gießener Lyzeums sich in anerkennenswerter Weise in den Dienst des Winterhilfswerks gestellt haben, dem sie ansehnliche Gaben ihrer weiblichen Handfertigkeit auf hausfraulichem Gebiete zugehen ließen. Bei all diesen Arbeiten offenbaren sich der hohe Sinn und die herzliche Liebe unserer Frauen und Mädchen zu den hilfsbedürftigen deutschen Brüdern und Schwestern, ein Grundzug ihres Wesens, dessen besonders starke Ausprägung durch das grt^.e Erziehungswerk
sind in diesen Tagen besonders lieb und artig, denn sie wissen ja warum.
UeberaU wohin man in der Familie blickt, herrscht festliche Vorweihnachtstimmung, die von Harmonie und Liebe getragen ist. So sind diese Tage kurz vor Weihnachten reich an Arbeit und an jener Herzlichkeit, die auch das Schaffen des Alltags und des Abends leicht werden läßt.
Aber nicht nur in der Familie, sondern auch überall da, wo menschliche Liebe und Güte sich regt, wo viele Kräfte am Werke sind, um die Weihnachtsfreude in Geschenken sichtbar werden zu lassen, ist seit vielen Tagen eifrig geschafft worden. Das begann mit dem Christbaum, der vom Wald in die Stadt kam. Schon vor vielen Wochen waren die Förster und ihre Männer dabei, die Boten des Waldes auf den Weg zu bringen. Und nun find die herrlichen Bäume bei uns in der Stadt. Auf Straßen und Plätzen, in Tor- führten und in Höfen stehen sie in ihrem herrlichen Nadelkleid, um von dieser Zwischenstation ihrenWeg in die Wohnung zu nehmen. Vater und Mutter machten sich gemeinsam auf den Weg, um den Christbaum heimzuholen. Lange wurde gesichtet und geprüft, bereitwillig trug der Verkäufer Baum um Baum herbei. Schön in den Zweigen muß ja der
macht unfern Landfrauen nichts aus. Die Haupr» fache ist, daß das Weihnachtsgebäck gerät, daß sich die Körbchen füllen. Dann kann man getrost an die Feiertage denken. Die Feftkuchen werden ja erst unmittelbar vor Weihnachten gebacken. Kinder (und auch die „Mannsleute") wollen doch das kleine süße Gebäck Denn nur einmal im Jahre ist es Weihnachten. Und sie werden es bekommen.
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schauen, was gebacken wird. Da liegt jetzt am Nachmittag kein Brot auf der „Beune", sondern Hunderte von „Plätzchen" warten darauf, daß sie eingeschossenwerden. „Tür zu!" wird uns entgegen» acrufen, wenn wir hineinschauen wollen, denn das Gebäck verträgt keine Kälte. Und bann stehen wir mitten im Backhaus. Da ist es schön warm, und der Duft des Gebäckes erfüllt den Raum. Die Frauen und Mädchen haben keine Zeit. Alle paar Minuten schauen sie in den Ofen, ob es noch nicht Zeit ist zum Ein- oder Ausschießen. Dabei erzählen sie von ihren neuen Rezepten, reichen Proben herum und lassen versuchen. „Das muß ich aber auch einmal machen!" sagt wohl die eine oder die andere. Dann werden wieder einige Bleche mit den schön geformten Plätzchen eingeschossen, andere kommen heraus. Ganz erhitzt und aufgeregt rennen die Mädchen hin und her. Wie groß ist aber die Freude, wenn das Gebäck recht gut geraten ist, wenn es „aufgeht" und oben schön braun wird! Dann wächst die Stimmung. Man liest die einzelnen Stücke von den Blechen, zeigt sie den andern und füllt dann das Körbchen. Aber die Türe öffnet sich wieder und fragende Gesichter tauchen auf. „Können wir jetzt kommen?" „Gleich, gleich!" tönt es zurück. Dann wird schnell Platz gemacht, und neue Bleche werden ausgestellt. So geht es ununterbrochen vom Mittag bis tief in die Nacht, denn am Vormittag muß der Backofen frei bleiben für die Brotbäcker. Wenn's auch einmal Mitternacht ober noch später wird, das
nen verhältnismäßig wenig auf den Straßen sichtbar, denn das Kleingebäck wird zu einem großen Teile in der Familie im Rahmen der üblichen Tagesarbeit unserer Hausfrauen mitgeschaffen, die Chriftstollen oder Kuchen aber nehmen nur den kurzen Weg über die Straße zur Bäckerei und zurück zur Wohnung.
Anders ist es auf dem Lande. Dort gibt es in diesen Tagen zahlreiche Ueberftunöen im Gemeindebackhaus, dessen Schornstein jetzt öfter als sonst qualmt. Wenn wir da vorüberkommen und die Türe gerade aufgeht, weht uns ein Duft entgegen, der gar verlockend ist. Da kann man nicht gut vorübergehen. Da muß man schon einmal nach-
auch die Hausfrau selbst ihre Haupttätigkeit Festbäckerei zuwendet In der Stadt wird von fern Teil der Weihnachtsvorbereitung im allgemein
der Form und voll in
Christbaum fein, eine prächtige Spitze muß er natürlich auch haben. Endlich wurde der Entschluß gefaßt, und mit dem Baum in der Hand pilgerten der Vater und die Mutter davon, zu Hause vom Jubel der Kinder begrüßt, der natürlich nur dem Tannenbaum galt. Nun harrt der Bote des Waldes auf die Stunde, da ihm der glitzernde Schmuck zur Weihnacht angetan wird. Lichter und Ketten, die Weihnachts-Reiterlein des WHW. und bunte Glaskugeln, Zuckergebäck und Nüffe, Engelshaar und „silberne" oder „goldene" Tannenzapfen werden ihn schmücken. Wenn dann die Glocken der Weihnacht über die Städte und die Dörfer erklingen, wird er im Mittelpunkt der Freude stehen und klein und groß, jung und alt die Freude der Weihnacht tief empfinden lassen.
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rege Tätigkeit entfalten, um ihre Weihnachtsuber- rafchungen herzurichten und sie bis zur Feierstunde vor den Augen ihrer Sieben zu verbergen. Da gibt es häufig genug verschlossene Stubentüren, die erst geöffnet werden, wenn alles „gesichert" ist und die Stube ihr alltägliches Aussehen hat. Verhängte Schlüssellöcher sind jetzt auch keine Seltenheit. Und oftmals wird den Kleinen gar geheimnisvoll verbündet, daß eben das Christkind in der Stube zu tun hat und das Bübchen ober Mädelchen diese Stube nicht betreten darf; worauf natürlich die Spannung noch größer wird. Die kleinen Racker
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ZMnhäuschen. Das zusanmengebaute Häuschen eÄ seinen Schmuck aus buntem Konfekt. Da- ritei: Die einzelnen „Mauer"teile werden aus- ’ijnitten. (Aufnahmen: [7] Neuner, Gießener
Stnee und Eis gehören zum Weihnachtsfest, wie ici-st hristbaum mit seinem Lichterglanz, die Weih- ^uht-stoll-p mit ihrem feinen Geruch, das Klein- der Pfefferkuchen und der Plätzchen, die JtÜffi und so mancherlei andere Dinge, die in jeder FH-iIie als Festtagszeichen unter dem Tannen- ijonir erwünscht sind. Das weiße Kleid der Weih- nnchi hat uns der Winter vor einigen Tagen schon eintn.I gezeigt. In den Straßen der Stadt ist davon -jakerings nicht viel übrig geblieben. Aber draußen Ding !ien Toren, in Feld und Wald und vor allem auf inferen Bergen der oberhessischen Heimat kön-
i me mit Weihnachts-Vorbereitungen beschäftigt. ( Ü-ichsbildftelle der HI.)
')>,en rechts: Bald leuchtet und blitzt es am 8s?iiinachtsbaum.
|flii 11 e : Beim Christbaumkauf.
IJlii tte links: Die leckeren Stollen, prächtig i it.r ,udert, wandern aus der Backstube in den lJicn. Darunter: Auch im Dorfbackhaus ist 5 jitnetrieb; bis in die späte Nacht hinein werden Wi:d)en gebacken.
[giii tte rechts : Weihnachtsvorbereitungen im Unigelifdjen Schwesternhaus. Kleider und Wäsche fi »ie Kinder der Krippe entstehen in emsiger
Zu dem Christbaum gehört aber auch der Gabentisch. Das sorgsame Hausmütterchen hat dazu den Hauptbestandteil zu liefern. Manche Gabe der Liebe hat die Mama mit emsigem Fleiß selbst hergestellt. In Päckchen und in Paketen hat sie andere schöne Dinge aus den Geschäften heimgetragen. In viele deutsche Familien ist durch die Einkäufe ebenfalls Weihnachtsfreude eingekehrt, denn von der Herstellung all der schönen Dinge leben ja unzählige fleißige deutsche Menschen. Die Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen, viele Gewerbezweige und Handwerksbetriebe haben von der Vorbereitung der Weihnachtsfreude wiederum Arbeit und Brot und auch Festtagsglück erhalten. In diesen Tagen unmittelbar vor dem Feste, da im allgemeinen nicht mehr die Herstellung, sondern nur noch der Verkauf der vielen schönen Dinge im Gange ist, hat eigentlich allein noch die Festbäckerei Hochbetrieb. Jetzt sind die Tage, in denen die Christstollen gebacken werden, die Knusperhäuschen aus Pfefferkuchen mit Zuckerguß erstehen, das Kleingebäck und andere süße Leckereien aus den Bäckereien und Konditoreien besonders in Erscheinung treten, aber
»xil wir uns an dem herrlichen weißen Kleid der STIoi- erfreuen, und wir in der Stadt wollen nur Wunsch! m|el, daß Frau Holle auch Über uns zu We'h- ‘ n®i-'n noch einmal ihr weißes Flockenkleid aus-
. Urthnf l&rc geschäftig geht es in diesen Tagen überall zu. labnDOl Emders unsere Frauen und Mädels haben letzt —nrh^Hirh viel zu tun. Was gibt es bd nidjt __.—-----z allc. zu richten und anzufertigen für das liebe tfeft!
n ILMber erfordern die Obliegenheiten des Haus- yaag®n höi< die Anspannung aller Kräfte. Aber in den 1 2LriLstunden und zum Teil bis in die Nacht II '12 n wird allerlei an Handarbeiten und geheim- W3^9e . rifco-Uen Überraschungen für den Mann und die e allere geschafft, wie auch der Vater und die Buben Schmid' Lirbibie Mädels in diesen Tagen eine besonders Zu unseren Bildern:
8e 1 2-nfs oben: Im BDM. sind viele fleißige
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