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Zamrtag. 21. Dezember 1955

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheften)

Nr. 298 Zweites Blatt

Junge deutsche Nation.

Bereitet Sure öerjen!

Kleine Feier zur Wintersonnenwende.

Gehör heisch ich fieiiger Sippen, fioher und niedrer fieimdallssöhne'

So ruft die Seherin in der Edda. Was die Julzeit was besonders die heiligen Nächte um die Jahreswende von uns verlangen, ist kein Gehör für etwas, das von draußen kommt es ist ein tiefes Horchen nach innen, ein frommes Lauschen auf den Urquell alles Lebens?

Wir hören ein Raunen aus weiter Ferne, mir Jpüren nicht nur den Blick einer großen deutschen Vergangenheit, das Auge zahlloser fielden auf uns und unseren Taten ruhen überall, im Walde > und im weiten Felde draußen, in der engen Kam­mer daheim und im stillen Kreise unserer Sippe füh­len wir die Gegenwart unserer Ahnen, deren See­len in dieser heiligen Zeit vor allem unser ganzes Leben umhüllen, behüten und durchweben.

Wir hören unser Blut, unser Blut, das doch das Blut unendlich langen Sippenreihen ist und in dem wechselnden Bewußtsein tiefer, ewiger Zu­sammenhänge und greifbar naher Gegenwart, die mir in ihrem Sinne im flüchtigen Augenblick nie ffasfen können... in diesem Wissen spüren wir die Freude jedes Hellen Sonnenleuchtens, den fierzens- jubel vor der Lichtgeburt, die Wachstum, Weiter- jdjreiten uns verheißt!

Feuer sollen brennen, große und kleine, fibrner sollen klingen, Geigen und Flöten sollen ertönen, ernst und jubelnd, Menschen sollen singen und die miederkehrende Sonne vor ihrem Aufgang grüßen:

Wir lassen uns nicht niederringen: die Lichtgeburt verheißt uns Kraft und neues Leben!

Bedingung in uns und um uns aber ist: Allen Lauen, allen fialben, Aller Asche den Krieg!

Aller reinen Flamme, die durchbricht Und Wege weist, den Sieg!"

Nacht und so alles was ihr wollt. Wenns der Oberst erlaubt, fügte er ein wenig gemäßigter hinzu.

Der Oberst machte ein Gesicht wie em ver­schlossener Schrank. Ausgeschlossen, sagte er finster. Kommt gar nicht in Frage. Laß es den Deiwel wollen, daß die Franzosen die ganze Musik in Klump schießen, wenn ich bloß dran denke, kann ich mir den General gar nicht mehr vorstellen, so dunkel wird mir vor den Augen.

Also nicht? Der Musikmeister hatte feine Blech­puster schon von dem schönen Plan in Kenntnis ge­setzt. Nun mußte er ihnen mitteilen, daß es nichts damit sei. Als er das tat, fiel fein Blick auf den dicken Trompeter Kuhlmann, den die letzte Eröff­nung in Helles Entzücken zu versetzen schien. Wenig­stens strahlte er übers ganze Gesicht. Der Musik­meister trat an ihn heran und sagte voll empörten fiohnes: Na, sie umfänglicher fieldengreis, Sie find wohl selig, daß Sie nicht da hinaus brauchen, was?

Kuhlmann riß die Knochen zusammen und sagte gar nichts. So verdutzt war er. Er hatte gar nicht von innen heraus gestrahlt. Die Sache verhielt sich nämlich so: wenn die Sonne halb von vorn auf sein Gesicht fiel, und das tat sie gerade, als der Musikmeister sich über ihn entrüstete dann spielte sie so listig über seine aufgeplusterten Bäckchen und die dazwischen eingebettete Nase hin, während die tiefen Täler dazwischen nicht von ihr erreicht wur­den, daß durch solch übermütige Verteilung von Licht und Schatten der Anschein des Lächelns erweckt wurde. Als der Musikmeister sich nun zum Gehen gewandt hatte, duckte sich die Sonne hinter einer wandernden Wolke, und nun hatte Kuhlmann einen toternsten Ausdruck im Gesicht. Denn er war aufs tiefste getroffen, da er nicht nur ein guter, sondern auch ein poetisch gestimmter Mensch war, der sich wie ein Kind darauf gefreut hatte, den Kameraden da vorn eine kleine Weihnachtsfreude bereiten zu helfen.

Als nun am Weihnachtsabend die ^Regiments« mufik vor dem Quartier des Obersten antrat, um die lieben alten Weihnachtslieder zu spielen, da fehlte Kuhlmann. Der Musikmeister war außer sich, wegen mangelnder Zeit aber blieb ihm nichts an­

deres übrig, als seine Musik ohne Kuhlmann dem Obersten zu melden und ohne Kuhlmann sein Pro-1 gramm zu spielen. Zur selben Stunde gab es vorn in der Stellung einen gewaltigen Aufstand. Die Ahnung des Obersten hatte sich scheinbar erfüllt, denn die Franzosen begingen den Abend auf ihre Weise festlich, indem sie sich einererhöhten Ar­tillerietätigkeit" Hingaben. Plötzlich stürzten trotz des feindlichen Feuers sämtliche Offiziere und Mann­schaften des Bataillons aus ihren Löchern. Denn durch den Lärm der Geschütze hindurch klang von oben, wie vom fiimmel her, hell und klar geblasen, , Stille Nacht, heilige Nacht." Und da stand wahr­haftig frei auf dem Grabenrand Trompeter Kuhl­mann und blies und blies, als ob es auf der gan­zen Welt keine Granaten gäbe. Und während dem und jenem unten im Graben leis die Tränen kamen, stellten die Franzosen gemach das Feuer ein, und einer nahm drüben auf seinem Clairon die Weise auf:Stille Nacht, heilige Nachts Es war nur wie e i n ruhiger Atemzug im Gefauch und Geröchel des Krieges. Aber keiner, der ihn mit­getan hat, hat ihn je vergessen.

Kuhlmann wurde in selbiger Nacht in den Un­terständen begeistert gefeiert. Leutnant Bob ver­glich ihn mit dem Trompeter von Gravelotte. Warum und wieso, wurde keinem klar. Als er aber anderen Tags von Trichter zu Trichter zum Stabs­quartier zurückgestiefelt war, empfing ihn der Mu­sikmeister sehr ernst.

Was soll ich nun mit Ihnen anfangen? grollte er. Von Rechts wegen müßte ich Sie ohne weiteres ins Loch stecken. Indem er aber so sprach, schien gerade wieder die Sonne halb von vorn auf Kuhl­manns Gesicht. Und da sah der Musikmeister daß jener zwar wieder zu lächeln schien, in Wirklichkeit aber toternst war. Da wandte er sich ab und sagte nur noch: Ich habe die Sache dem Obersten Fe- meldet.

Der Oberst aber sprach: Wir sind im Kriege. Im Krieg muß der Mann, wenn es die Umstände er­fordern, auch einmal auf eigene Faust blasen. Vorausgesetzt, daß er überhaupt blasen kann. Und das kann er. Ich werde ihn zum Eisernen eingeben.

Otto A n t h e s.

Wie das nun all nicht bloß Rede bleibt, sondern »oirkliche Feier wird? Wie es Gestalt erhält, wie sschones Brauchtum Sinnbild schafft und festlich «ewige Gedanken uns umkleiden?

Denkt nur nach? Strengt euern Geist an! Sucht selbst den Platz im Wald, auf Bergeshoh, wenns gar nicht anders geht, in schlichter fialle auch! Em .fiolzstoß, ein Flammenbecken, Kerzenschein, Musik und Schweigen ringsumher. Kem überflüssiges Wort! Und keine lange Rede!

Im weiten Kreise stehen wir um die Feuerstatt. Der Duft knisternder Fichten- ober Tannenzweige durchzieht die Luft. Ein paar Spruche, em paar ge­spielte Weisen, ein paar Lieder und ein paar ernste, kraftvoll ausklingende Weiheworte.

Wenn irgend möglich aber: em fim- und fier- Weg durch die stille Nacht, ein Gang, bei dem em jeder sein Einsamsein und sein Derbundensem im Volke und im All recht spürt!

Und in uns allen stets Wunsch und Bekenntnis So wie der Kampf kommt, so wird er genommen!

Werner Kulz.

Der WeihnachMomveter.

Nach einer wahren Begebenheit.

lieber vierzehn Tage lang lag das Bataillon schon in der Stellung, und Weihnachten stand vor der Tür. Täglich deckten die Franzosen die Stellung mit Eisen und Dreck zu, und die Stimmung der Leute war keineswegs weihnachtlich. Da muß etwas geschehen, sagte sich Leutnant Bob, der Ba­taillonsadjutant. Er turnte also rückwärts bis zum Quartier des Regimentsstabs, wo auch die Regi­mentsmusik lag, und suchte sich den Musikmeister aus Der kleine springlebendige Mann war Feuer und Flamme. Aber natürlich, schrie er, kommen wir am Weihnachtsabend zu euch in die Stellung und spielen euch was auf. Stille Nacht, heilige

Weihnachlsmusik bei HZ. unb ViM.

l*

An den langen Winterabenden versammeln sich Jungen und Madel zur Gememschaftsmusik em Zeichen dafür, daß die fiJ. nicht ausschließlich zu marschieren, sondern auch Kulturarbeit zu treiben versteht. (Ausnahme: Reichsbildstelle der fiJ.)

Gefolgschaft.

Von Herbert Böhme.

Es schreiten, die ihn tragen, den Führer ihrer Pflicht, und ihre Taten ragen Fahne in das Licht.

Und die Standarten heben der Adlerflügel Lauf und über aller Leben schweben sie gläubig auf. Es flammen die Entbrannten, Gezeichneten der Saat, es schreiten die Entsandten des neuen Reiches Pfad.

Das Schwert des Glaubens kündet und steht in erbener Kraft, wer sich zum Bunbe bünbet, wächst aus ber Leibenschaft, wer sich zur Fahne stellte, im Fahnenbienst bereit, ob ihn ber Sturm zerspellte, lebt in Unsterblichkeit.

Lm das beste Ergebnis.

Im Kampf gegen Hunger und Kälte.

Grau ist ber Dezembertag. Naßkalt treibt ber Winb bie Nebelfetzen burch bie Straßen. Jrgenbwo in der Stadt ist Leben. fiitler-Jugend versammelt, sich vor ihrem fieim. Ein Kommando hallt durch die Straße. Dor der Front steht einer und spricht vom Dienst der Jugend und von der Winterhilfs­aktion. Sammelbüchsen werden ausgeteilt und los geht's in die lebhaften Straßen der Stadt.

An der Ecke einer fiauptoerkehrsftraße stehen fieinz und fielmut mit ihren beiden Gruppen. Sie streiten, wer von beiden zuerst die gefüllte Büchse abliefern wird.

So", sagt fielmut,wenn du glaubst, daß deine Büchse zuerst voll wird, dann irrst du dich". Ich ich mich irren? Nein, ich irre mich eben nicht. Wenn du aber glaubst, deine Büchse zuerst voll zu haben und ^ie tatsächlich vor mir ablieferst, gebe ich dir meinen Fahrtenkompaß."Deinen Fahrtenkompaß willst du mir geben, wenn ich meine Büchse vor dir abliefere? Na, schon, und ich gebe dir meine Kartentasche, wenn du mehr Geld sam­melst als ich. Abgemacht, mein Wort gilt."

Langsam legen sich die Schatten der Nacht über bie Straßen ber Großstabt. fiitler-Jungen eilen, mit Sammelbüchsen klappernb, in bas fiaus bes WfiW. Eben kommt auch fieinz mit feiner Gruppe im Laufschritt bie lange Straße herauf. Seine Büchse ist bis oben hin gefüllt. Die muß er unter allen Umftänben vor fielmut abgegeben haben. Nun steht er ungebulbig vor bem Schalter. Vor­sichtig fragt er nach fielmut, als er seine Büchse ab­gibt. Aber keiner hat fielmut gesehen, also ist er auch noch nicht ba. Ein Stein fällt fieinz vom fier- zen, hat er boch feinen eigenen Kompaß wieber ge­wonnen unb außerbem noch bas beste Sammel­ergebnis ber gesamten Gefolgschaft. 71,37 Mark hatte fieinz in feiner Büchse, fieinz sieht sich schon im Besitz von fielmuts Kartentasche.

Eine halbe Stunbe später kommt fielmut ge­mächlich bie Straße herauf. Er weiß es längst, baß fieinz feine Büchse abgegeben unb bas beste Ergeb­nis ber ganzen Gefolgschaft hat. Schabenfroh wird er von fieinz begrüßt.Na, was sagst bu jetzt?" Nichts sage ich, benn ich weiß schon längst, baß bu vor mir bist unb auch ben höchsten Betrag ber gesamten Gefolgschaft gesammelt hast. Deinen Kompaß habe ich mir schon in ben Monb geschrieben.

fieinz unb fielmut gehen gemeinsam zum Schal­ter unb warten gespannt auf bas zweite Ergebnis. Sie Horen, wie hinter bem Schalter gezählt wirb: 71,39 Mark" ein um zwei Pfennige besseres (Er­gebnis. fieinz unb fielmut sehen sich beibe an, aber keiner spricht ein Wort. Doch einer benft wie ber anbere: fiaben wir gegenseitig auch nichts ge­wonnen, so haben wir boch bas beste Sammelergeb­nis ber Gefolgschaft unb bas ist wichtiger als Kar­tentasche unb Kompaß.big.

Rädel packen zehnlaufend Weihnachlspakele.

In ben letzten Wochen faßen in allen fieinv narfimittagen bie Mädel des BDM. eifrig bei der Arbeit. 10 000 Wunschzettel hatte die Gauleitung der NSV dem Obergau fiessen-Nassau überreicht, und dieser hatte sie bis in die kleinste Einheit verteilt, und in knapp zwei Wochen mußte alles fertig fein

Erst wurde einmal überall in Mutters Truhe und Wäscheschrank gewühlt; da sand sich noch manches: fertige Sachen, und vor allen Dingen Stoff, Wolle und Garn. Dann gings weiter zu Verwandten und Bekannten. Kein Stückchen Stoff war sicher im ganzen Gau. Soviel fianbarbeiten, Näh- unb Bast^- arbeiten sind bestimmt noch nicht auf einmal gemacht worden, wie in diesen zwei Wochen.

Aber Spielsachen mußten die kleinen Schützlinge doch auch haben. Sie herzustellen, machte allen die größte Freude. Aus einfachen fiolzklötzchen, die wir kostenlos beim Tischler als Abfall bekamen, ent­standen Eisenbahnen, Baukasten usw. Kasperleköpfe guckten frech und munter aus einer Kiste heraus; aus Zeitungspapier, Farbe und bunten Flicken waren sie entstanden. Die Jungmädel hatten noch eine besondere Aufgabe, sie muhten mittels Kleister und bunter Farbe schönes Einwickelpapier Herstellen, denn lustig und froh sollten unsere Pakete doch werden.

Und dann wurden eines Nachmittags überall im ganzen Lande die Sachen in den einzelnen fieimen zusammengeschleppt. Es sah aus wie ein Weihnachts­markt. Nun wurden noch die letzten fianbgriffe ge­tan, ba fehlte noch ein Bänbchen, hier ein Knopf, dort war bie Kafperlenafe noch nicht richtig. Endlich lag alles schon ausgebreitet auf bem Tisch, bie Packerei konnte beginnen. Auf Tischen, Stühlen, bem Fußboben, wo gerade ein freies Fleckchen war, kniete ein Mädel und packte aus Leibeskräften. Wenn das Paket schon ordentlich und sauber verpackt und ver­schnürt war, kam obenauf die Paketadreffe des Dberoaues, die rechts an der Seite ein fiJ.-Abzeichen truq,"darunter in schwarzer Schrift:BDM.-Ober- gou West-fiesfen-Naffau", daneben groß und deutlich die Anschrift des Empfängers und der Namen der Gruppe, die bas Palet gepackt hatte. 3n Reih unb

Glied aufgebaut standen dann endlich die vielen kleinen und großen Pakete da. Mit großen Leiter­wagen, Kinderwagen und Rollwagen wurde dann alles zur NSV. gefahren. H. G.

Geschichte einerMnterdienstyos e

fianns ist Jungarbeiter und bestimmt nicht von reichen Eltern. Sein Vater ist schon seit Jahren Invalide und arbeitsuntauglich, und die paar Mark, die er monatlich als Rente bekommt, reichen gerade für die Miete und das karge Essen.

Seinen Wochenlohn von vier Mark muß fianns auch restlos zu fiause abliefern, und trotzdem hat er sich von dem Taschengeld, das ihm seine Mutter Sonntags zusteckt, eine vollständige fiJ.-Unisorm gekauft. Weiß ber Teufel, wie er das von ben Groschen bewerkstelligte.

Auf ber letzten Führertagung auf bem Ludwig- ftein hat er sich nun bei einer Balgerei fianns ist keiner von ben Zahmsten bie Breecheshose zerrissen. Trotzbem bas seine einzigste Winterdienst- hose ist, hat er nichts gesagt. Sie war eben entzwei, und da war nichts mehr zu machen.

Vierzehn Tage lang kam fianns in kurzer fiose zum Dienst und machte ihn genau so eifrig wie bisher. Kein einziges Mal sprach er über sein Miß­geschick.

Beim letzten Scharabend wurde ihm ein Bries von der Sozialabteilung des Gebietes durch den Scharführer ausgehändigt. Er solle sich am Freitag um vier Uhr in der Bahnhofstraße melden und sich dort eine neue Winterdiensthose abholen.

Während fianns den Brief las, verfärbte sich fein Gesicht.Was die sich überhaupt einbilden, ausge­rechnet mir eine fiose zu schenken, wo noch so viele überhaupt keine vollständige Winterdienstuniform haben", brüllt er los.Ich habe doch eine fiose, wenn die auch sehr kaputt ist. fiier zum Beispiel fieini. Sein Vater ist doch schon so lange arbeits­los, und er hat noch sieben Geschwister zu fiause. fieini hat noch nicht einmal eine Mütze und ein Paar lange Stiefel. Nur die kurze Sommerhose und das Braunhemd, fiier, fieini", wendet er sich jetzt an unseren Schlosserstift,hast du den Gutschein. Ich gehe am Freitag mit dir zum Gebiet unb werde denen jchon da oben was erzählen. Sollen

es erst mal Jungens geben, die es noch nötiger haben als ich."

Alles Einreden auf fianns, daß er sich doch die fiose holen und das andere Geld für einen Win­termantel sparen soll, hilft nichts, fianns bleibt fest.

Werde mir schon noch vor Januar eine lange fiJ.-fiose kaufen können", knurrt er abwehrend. Die fiauptsache ist, baß fieini erst mal eine fiose bekommt. Stiesel roirb er auch noch kriegen." Am nächsten Scharabenb erscheint fieini strahlend unb glücklich in ber neuen fiose. fianns hatte sie ihm verschafft.

So ist fianns.

Doch das haben wir uns geschworen, daß wir ihii bei unserer Weihnachtsfeier mit einer neuen Winterdiensthose überraschen werden, fieini wird auch dabei mithelfen. E. Kirchhof.

Ehnstlindlesmartt ist auf.

Von Alfred Kirsel

Der erste Schnee des Jahres tanzt im frühen Abend und vergeht auf dem wärmeren Pflaster. Flockig und leicht stiebt er an den Dächern und Türmen Nürnbergs vorüber, durch den Dunstkreis der Straßenlampen, auf die Schirme und Mäntel der vorübergehenden Menschen. Jetzt fällt er schwe­rer; in geschlossenen Fäden eilen Flocken unermüd­lich aus dem dichtverhangenen fiimmel und zerflie­ßen auf den Gesichtern.

fieute wird der Christkindlesmarkt eröffnet. Eng sind die Gassen zwischen den Verkaufsständen, graue Tücher verbergen glitzernde fierrlichkeiten vor neugierigen Augen pnb würziger Geruch bringt hervor, fiier unb ba tönt ein letztes fiämmern. Die fiäufer schauen stumm zu. Ihre Umrisse stehen nur unbeutlid) hinter bem wieber leiser riefelnben Schnee gegen ben trüben Abenb ber Stabt, ber dunstig verschwimmt. Nur aus einigen Fenstern bringt Licht. Der Menschstrom von ber Fleisch- unb'Museumsbrücke, von ber Burgstraße, vom Fün­ferplatz unb Obstmarkt wirb stärker als sonst um diele Zeit. Kops an Kopf stehen nun bie Menschen. Männer unb Frauen, Buben unb Mäbel, auf ber schneimassLN Strgße. Das letzte Nageln verklingt. Jetzt hallen öwsi dünne Schläge über den Warttt

unb zeigen bie halbe Stunbe an. fioher recken sich bie Kopse.

Von halber fiöhe ber Frauenkirche stoßen Helle Fanfaren in bie Nacht unb hallen an stillen Mauern wiber. Unb nun singt ein Chor von Hellen Stim­men alte Lieber. Gleichzeitig leuchtet bie Brüstung der Kirche im Lichte auf, und zwischen singenden Kindern und blanken Posaunen steht das Christkind mit goldenen Flügeln. Die verwirrend bunten und doch so klaren Linien des Kirchenportals werden hell, weit offnen sich feine Flügel zu einem Blick in das matt erleuchtete Mittelschiff. Ungewisse Kon­turen verschwimmen in der Dunkelheit; wie in eige­nem Licht aus unsichtbarer Quelle leuchtet das go­tische Tor, strahlt jetzt darüber der Erker in vollem Glanz. Nun spricht das Christkind. Der Markt und die Dunkelheit verschlucken die Worte. Aber es werden gute Worte des Friedens für die Stadt und das Land fein.

Noch einmal setzen bie Fanfaren volltönenb an, bie Kinderstimmen fallen ein, die Orgel summt leise mit, wird stärker, voller, kräftiger, dringt weit über den Markt. Die Glocken der Frauenkirche läuten, dann fällt St. Sebald ein, St. Lorenz, St. Egidien, St. Elisabeth, alle Kirchen der Stadt läu­ten den Christmarkt ein, die grauen Tücher fallen, Licht blitzt auf, hell flimmert und glitzert es in ben Bubengassen, inbeffen bie Brüstung ber Frauen­kirche wieber bunkel unb schweigenb liegt. Nur bas geöffnete Portal leuchtet Heller als zuvor, unb auch die goldenen Linien des schonen Brunnens stechen warm in die Nacht, auch er strahlt im eigenen Licht. Der Christkindlesmarkt in Nürnberg ist auf!

Noch immer läuten die Glocken über der Stadt. Auf dem Markt drängt und staut sich die Menge im Widerschein flimmernden Schmuckes und bunten Spielzeugs, im Duft von Schmalzgebackenem, Rost- bratroürften, Mandeln, Makronen. In der Mitts des Platzes steht in einem freien Raum die strohge­deckte Krippe unter dem vielzackigen, leuchtenden Stern. Geheimnisvll strahlt der Brunnen, stumm stehen die fiäufer.

In allen Straßen der Stadt leuchtet der Weih­nachtsstern, alle Wege zum Markt sind tannenbe- krqnzt und überall schwebt glitzernd der Rauschgold­engel, das Wahrzeichen des weihnachtlichen Nürn­berg.