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ttr.272 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerstag,2l.November 1935

stellt.

gegen spröde Haut

Kenntnis.

fliegen lassen.

Gießener Siadttheaier

Paul Schurek:Stratzenmusik".

Die äußere Verwirklichung dieses Pla-is ließ in dreijähriger ununterbrochener Arbeit einen riesigen Gebäudekomplex aus dem Boden wachsen, dxr wirk­lich die BezeichnungStadt" verdient. Es entstand ein harmonisch in sich abgeschlossenes Ganzes von 12 einzelnen Gebäuden, die durch Architektur und Anordnung aufeinander abgestimmt das mächtige Bauwerk, das Rektorat und Aula Magna vereint, in den Mittelpunkt rückt, dessen 100 Meter lange Front in einfacher und klarer Linienführung sich schon vom wuchtigen Eingang her aufdrängt. Rechts und links leicht vorgebaut flankieren juristische und philosophische Fakultät das Rektoratsgebäude. Ihre Außen­wände zieren überlebensgroße Plastiken des jungen italienischen Meisters Corrado Vigni, der präch­tige Männergestalten mit Pferden schuf, die sich der Architektur ausgezeichnet anpassen. Die übrigen Gebäude reihen sich um diesen Kernpunkt der Uni­versitätsstadt; acht verschiedene Architekten haben die einzelnen Häuser, die zur Unterbringung der verschiedenen Fakultäten und Institute, zu Woh­nungen der Studenten, zu Aufenthalts- und Fest­räumen dienen, entworfen. Sie sind verschieden in der Idee und im Gestein, Marmor und Travertin, weiße, graue und gelbliche Gesteinssorten wechseln miteinander ab. Je nach Zweckmäßigkeit und Ber- wendungsbestimmung wurde ein anderer Grund­riß gewählt. Aber dennoch ist nirgends die Har­monie gestört, da bei allen Gebäuden an die ein­fache, klare Fassade, an regelmäßige Fensteran­bringung und flache Dächer gedacht wurde, denen sich einige Rundbauten geschickt einfügen.

Auch im Innern der Gebäude ist Sachlichkeit und Formenschönheit glücklich vereinigt. Breite Treppen führen überall zu den hohen luftigen Horsalen, rie­sige Korridore bieten Platz für das Ausruhen wah­rend der Pausen zwischen den Vorlesungen. Da­neben gibt es in sämtlichen Fakultäten ausgedehnte Aufenthalts- und Bibliotheksräume. Besonderen Wert hat man auf die Beschaffung guten Anschauungsmaterials gelegt. Im Lande

verfügt.

Bald wird nun diese riesige Stadt, die bisher nur ernste und würdige Feierlichkeiten sah, vom Schwarm der Studenten, von froher Schaffenskraft, von ernstem Studieneifer belebt werden. Junge Menschen aus ganz Italien werden zusammen­strömen, um in Rom der Wissenschaft zu leben und den Rhythmus des Faschismus da zu spuren, wo er am stärksten pulsiert.

bevölkerten Landes wuchs und mit der Beseitigung der konservatives Regierung durch die liberale wurde derKursgewechselt.

Der neue Premierminister Mackenzie Kmg traf sich mit Präsident Roosevelt, und es scheint gelungen zu sein, die Handelsschranken, die beide Länder trennten, abzubauen. Denn Kanada soll fünf- tighin mit seiner Ausfuhr in die Vereinigten Staa­ten bei aller Wahrung der Verträge von Ottawa unter die mittleren Zollsätze in den Ver­einigten Staaten fallen. Dagegen sollen die Ver­einigten Staaten gewisse Vorteile hinsichtlich der kanadischen Zwischentarife zugestanden werden. Die Bedenken der Landwirtschaft der Vereinigten Staa­ten gegen eine vermehrte Einfuhr kanadischen Viehs, kanadischen Holzes usw. sind im Augenblick gegen­standslos, weil die Beschränkung der Anbauflächen sich zusammen mit dem Arbeitsbeschaffungspro» gramm Roosevelts geltend macht und eine erhöhte Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten ermöglicht. Kanada nimmt für eine erhöhte Ausfuhr ameri­kanische Maschinen für die Landwirtschaft, Automobile und vor allem Benzin und Petroleum in verstärktem Maße auf und gewährt für diese amerikanischen Produkte einen Zollnachlaß. Die britische Industrie erleidet durch dieses Handelsab­kommen keine Einbuße, da ftn Hinblick auf die Not­lage der Baumwollfpinner in Lancafhire die Zoll­sätze für die amerikanische Textilindustrie durch Ka- nada aufrecht erhalten werden. Im übrigen wird eine Kommission der Vertreter beider Länder über die einzelnen Zollsätze sich einigen.

Das Abkommen zwischen Mackenzie Kmg und Roosevelt ist insofern bedeutungsvoll, als es eine Etappe auf dem Wege zur Niederlequng der ! überhöhten amerikanischen Zollmau- ern bedeutet. Die USA. haben erkannt, daß diese ' seit etwa 1896 geschaffene Schutzwehr doch in viel- facher Hinsicht die Wirtschaft des eigenen Lan- ' des hemmte und daß es besser ist, durch Handels» abkommen den friedlichen Güteraustausch zu for-

Gebäude des mittelalterlichen Roms grüßen zu ihr herüber, sie kann und will daher auch nicht ihre Bindung an die Vergangenheit leugnen, wenn auch ihre Aufgabe in der Gegenwart liegt.

Gerharl-hauptmann-Nraufführung in Leipzig.

Gerhart Hauptmanns neues Schauspiel Hamlet in Wittenberg" wurde in An­wesenheit des Dichters im Alten Theater zu Leip­zig urauf geführt. Der Beifall galt nicht nur dem Dichter, sondern auch seinem Werk, in dem er Schicksal und Charakter einer geschichtlichen Per- sönlichkeit, die schon manche Dichter anzog, neu ge­formt hat. Die Darsteller verhalfen durch ihre Kunst dem Stück zu einem Erfolg, den bereits in der Pause zahlreiche Hervorrufe ankündigten.

Lin Aeiß-Planelarium für Paris.

In Paris ist ein Vertrag zur Lieferung eines Zeiß-Planetariums unterzeichnet worden, das in Verbindung mit der Weltausstellung 1937 erbaut und während der Ausstellung als der große wissenschaftliche Anziehungspunkt betrieben werden soll. Ob nach Schluß der Weltausstellung das Plä- netarium an derselben Stelle bleiben, oder, wie seinerzeit das Planetarium von Stockholm, anders­wo einen dauernden Standort erhalten wird, steht noch dahin. Nach dem Erfolg, den das Zeiß-Plane- tarium auf der Ausstellung in Stockholm 1930, auf der Weltausstellung in Chikago 1933 und jetzt wieder auf der Weltausstellung in Brüssel 1935 gehabt hat, ist man sicher, daß es seine große Anziehungskraft auch in Paris während und nach der Weltausstellung 1937 ausüben wird.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Stü­de n t e n h e i m, das Platz für 150 Studenten bietet, die in Einzelräumen wohnen, und in dem ein riesiges Restaurant untergebracht ist. Das Ganze ist nicht m seelenlosem modernem Hotelstil gehalten, sondern ist wohnlich und atmet doch den gleichen Geist wie die übrige Stadtanlage der Wissenschaften. Enduch sei noch dasD o p p e l a v o r o h a u s" der Profes­soren, Assistenten und der übrigen Angestellten er­wähnt, deren Gesamtzahl sich auf 1644 beläuft und die dort Ruhe und Entspannung von ihrer Arbeit oder Muße zu Studien finden sollen. Auch der Universitätsmiliz wurde eine eigene Ka­serne errichtet, in der Wache, Oberkommando und Waffenmagazine untergebracht sind. Veranschaulicht es die riesigen Ausmaße des Gesamtkomplexes, wenn man angibt, daß es 215 000 Quadratmeter umfaßt, wovon 40 000 mit Gebäuden bedeckt sind, 700 000 Kubikmeter Gebäudeinhalt aufweisen kann und 91,5 Millionen Lire gekostet hat, und daß jedes Institut und jede Fakultät weit über 200 Räume

Marconis kann es nicht wundernehmen, daß ge­rade die physikalische Fakultät über her­vorragende Versuchsräume verfugt und ihre Elektri- zitäts- und Radioabteilungen vorbildlich ist. Für kun st geschichtliche Studien wurde em Museum geschaffen, das Gipsabgüsse aller bedeu­tenden Plastiken enthält, was hoffentlich die Stu- deuten nicht abhalten wird, gerade in Rom an den herrlichen Originalwerken des Alterstums und Mit­telalters Studien zu tyeiben. Die mineral v g i1 che Sammlung enthält sehr wertvolle Schatze, da in ihr Geschenke enthalten sind, die der Papst aus verschiedenen Ländern erhielt und die sehr seltene Stücke darstellten. Den schönsten Raum stellt Zweifel­los die große Aula bar, ein Saal von 850 Quadratmeter Größe, der sich leicht nach vorn ver­jüngt und bequem 3000 Personen fassen kann. Die Hauptwand bedeckt ein riesiges Fresko, das sehr zeitbedingt ist und vielleicht einen etwas starken Kompromiß an den allermodernsten Geschmack dar-

Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen LISA und Kanada.

dem, statt ihn zu hemmen.

Kunst und Missenfchast.

sten Mitteln bearbeiten und Geld mit ihm ver­dienen. Der Sohn aber liebt den Acker und wider­setzt sich den Plänen des Stiefvaters. Sieger bleibt die Erde, die sich aller Vergewaltigungen erwehrt und den Vater sterben läßt. Der Sohn aber hat auch keinen Frieden, denn seine junge Braut er­kennt: der Mann muß säen, säen, säen, und sie wird ihn erst besitzen, wenn er auf dem Sterbebett nach ihrer Hand ruft.

Die Spielleitung (Hans I u n g b a u e r) be­mühte sich, die handelnden Menschen mehr in den Vordergrund zu schieben und damit der Dramatik des Schauspiels zu dienen. Sehr fein paßten sich die beiden jungen Menschen, Aubert und Kathrine (Joachim Gottschalk und Maria Wimmer) diesen Forderungen an. Franz Schneid^ r spielte den Stiefvater sehr zurückhaltend. Die Mutter der Maria K a r st e n war manchmal überbetont. Der intime Raum des Neuen Theaters konnte leider oft die Wucht des Geschehens nicht genügend oermit- teln. Trotzdem war der Beifall sehr groß. k. h.

Das Stück wurde recht fteundlich entgegen« genommen. htn.

ilrausiühruna in Frankfurt.

In einem Nebental der Rhone, im proven^alifchen Dörfchen Manosgue, als Sohn eines Schuhmachers italienischer Abstammung ist Jean G i o n o geboren und aufgewachsen. Aus dem Erlebnis der Gegen­sätzlichkeit von Krieg und Frieden, von Stadt und Land erwuchs ihm die Erkenntnis der unermeß­lichen Werte seines Heimatbodens; er wurde zum Dichter der Provence. Die Romane des heute VierzigjährigenDer Hügel",Der,JBerg der Stummen",Ernte",Die große Herde , Hirten­spiel" Das Lied der Welt" und der Novellen­band'Einsamkeit des Mitleids" machten Givnv auch in Deutschland bekannt. Die deutsche Heber- setzung seines einzigen TheaterstückesDas Salz der 'Erde" kam jetzt im Neuen Theater in Frankfurt zur Uraufführung

Das Salz der Erde", das sind die Menschen, wie sie in ihrer ganzen Kreatürlichkeit, mit all ihren Leidenschaften, ihrem Mut und ihrer Verzweiflung, ihrem Körper und ihren Sinnen ihrer Erde oer- schrieben sind. Es gibt in diesem Schauspiel eigent­lich nur einen Feind, nur einen. Frei^d, nur einen Melden und nur einen Zufluchtsort: die Erde, den Ackerboden und seine Macht. Alle Qualen, alles Glück, ja selbst die Liebe kommt nur durch sie; so wird das, was sonst dramatischer Hintergrund ist, hier zum Hcmptakteur.

Zwei Bauern, Sohn und Sttesvater, überwerfen sich. Der Stiefvater will den Acker mit den modern»

Am andern Morgen herrscht natürlich em furchte^ lieber Katzenjammer. Die Katrin hat zwar, wie sich erweist, das Rennen auch noch nicht gemacht, aber Luenk der sich als verkanntes Genie fühlt und sich vonden Weibern" nicht einfangen lassen will, geht auf und davon, auf eine Weltreise, wie er das nennt obwohl ihm Grete gesteht, daß sie em Kind von ihm erwartet. Er kommt allerdings sehr schnell wieder zurück, weil ihm was Wichtiges eingefallen ift, aber die drei frauenlosen Musikanten sind ohne die ruhige weibliche Hand, die sie samt ihrer Musik betreute, einfach aufgeschmissen.

rausch. Allgemeine Besäufnis auf Vorschuß. (Der Lumpenhändler ©obemann, der auch andereGe­schäfte" zu tätigen bereit ift und den gefundenen Schmuckverschärfen" möchte, hat, Prozente wit­ternd, die nötigen Flaschen gestiftet) Mit einem Wort, der Teufel ist los. Luenk mit dem Saxophon schmeißt die gute Haushälterin Grete hinaus, dafür bekommt die Katrin - zumal Luenk unversehens ein reicher Mann geworden ist Oberwasser und glaubt schon das Saxophon samt der Wohnung zu

diesen musikalischen Improvisationen (Musik von Will M e i s e l) hat die von Herrn L üp k e aeleitete Aufführung ihre besten Momente. Wenn sie so musizierenDas Glück liegt auf der Atrafce" oderSchön ist jeder Tag, den Du mir senkst" oder garMuß i denn" - wenn sie hrem Goldrausch, ihrem Katzenjammer, ihrem heu­lenden Elend, ihrem guten Herzen oder ihrer hei - losen Junggesellenwirt chast oer allen, dann ist das zwar Ziemlich undramatisch aber darstellerisch bantbar und die Regie spielte denn auch die drei

Die Lage wird nicht rosiger dadurch, daß die bei- den «eiteren (Geige und Harmonika) der verlasse­nen Grete nacheinander einen Heiratsantrag machen; baß der um seinen Gewinn gebrachte Lumpenhcmd- [er unb bann auch bie schwer enttäuschte Katrin bas Trio bei ber Polizei zuverpfeifen drohen. Da areift Grete ein unb bringt kurz entschlossen ben unseligen Funb zur Polizei, unb ba es nicht nur eüien guten Finberlohn gibt, sonbern auch Luenk mtt bem Saxophon, ber ein Haar m berWeltreise aefunben hat, zurückkehrt unb vor Eifersucht fast zer­singt als er von ben (vergeblichen) Anträgen ber hHben' Genossen hört, ist alles in schönster Orb- nuno unb bie vier von ber Straßenmusik setzen sich um den Tisch unb fingen bie Moral von ber Geschichte. .

Roms neue Universitätsstadt

Don unserem v. Noe -Berichterstatter.

Zeitschriften.

Das Novemberheft berSübbeutschen Monatshefte" (München) roibmet sich ber Auf­gabe, ben Kampf bes Menschen um bie Gestaltung ber Erboberfläche an verschobenen, entscheibenben Stellen ber Erbe in seiner mobernsten Ausprägung zu zeigen. Der russische Geopolitiker Juri Sem­jonow schilbert bie Ueberroinbungbes Raumes in Eurasien, also bie große russische Wanberung. Sem­jonow zeigt wie manches, was bort für neue Pla­nung ausgegeben wirb, Ansätze aus ber Zarenzeit weiterführt. General a. D. Professor Dr. Haushofer roibmet ben Pazifik-Ranbräumen unter bem Ge­sichtspunkt ber japanischen Großglieberung feine Ab- hanblung. lieber ber japanischen Fußfassung auf dem Festland und der Ausdehnung auf chinesische Kosten wird die großpazifische Bedeutung des ehrgeizigen Jnselreiches nicht selten übersehen. Noch weniger bekannt aber dürfte die rassen- und sied­lungsmäßige Bedingtheit des südamerikanischen Kontinents fein, die Otto Maull (Graz) uns in Wort und Kartenbild vorführt. Die Sahara betrach­tet Professor Ewald Banse, er läßt die buntfarbige Dölkerwelt der großen Einöde vor uns erstehen; wir sehen sie in ihrer unendlichen Mannigfaltigkeit, verbunden nur durch die gemeinsame Fremdheit allem europäischen Wesen gegenüber. Dagegen wer» ben wir burch Karl H. Dietzel in ben blühenberen, lebenbigeren Raum Sübafrikas geführt. Abessinien erlebt in seinen Ranbgebieten seit einigen Wochen eine Prt von gewaltsamer Erschließung. Noch steht ber Angriff imVorgelänbe ber abessinischen Fe­stung", wie Fritz Jasfs seinen Aufsatz nennt.

scher Waren wie Holz, lebenbes Vieh, Sahne, Saat- tartoffeln, unb sogar kanabische Fische wurden mit bem Höchstzoll belegt.

Die Wirtschaftskrise war in beiben ßanbern sehr stark spürbar. Die Konferenz von Ottawa versuchte zwar auch ben Hanbel Kanabas mehr unb mehr nach bem britischen Mutterlanb abzulenken, aber bieses war für bas agrarische Überschußgebiet Kanaba nicht in erwartetem Maße aufnahmefähig, zumal anberebritischeDominionsin ber gleichen Lage wie Kanaba waren unb überbtes Englanb auf einzelne gute Absatzlänber wie D an e- marf unb bie baltischen Staaten Ruck- sich zu nehmen hatte. Das britische Imperium als Zoll- unb Selbstversorgungsgebiet ist bis jetzt ein Traum gewesen, wenn sich auch bie kanabische Aus­fuhr nach Englanb um einige Prozente hob. Auf ber anberen Seite brachte bie Weizenpolitik ber konservativen kanabischen Regierung gewaltige Ver­luste. Der kanabische Weizenpool erwies sich als wir- kungslos, ba er bie Weltmarktpreise nicht entschei- benb beeinflussen konnte. Die Notlage bes schwach

Man fürchtet schon bebenklich für ben Fortgang ba vasiiert enblich was. Der mit ber Geige nämlich 64mutfnauftb"rreneträ6= Att-"b!-it"und behäbig auf Volk-stück, Stimmung,

iWÄtÄ. ft» und «childerung. s-rr -äff.

c 4. u r e f nennt esLustspiel mit Musik" , uns fd)®m aus manchen Gründen di- B^-tthnung als Volksstück treffenber. Emer ber ®ru£^ J jn wenn im Volksstück eine Lucke m der Handlung in der Stimmung ober in ber Psychologie auszutauch droht, kann sie allemal zwanglos mit Gesang und Tanz überbrückt werden, ohne daß lemand die Brücke merkt, ober jebenfalls ohne d°K ?s , übel vermerkt; im Gegenteil: musikalische Ci fl werben meist gern gehört. Im Lustspiel ist gleichen nicht statthaft. *

Das Stück lebt aber eigentlich mehr von Musik, von Zustanbsmalerei, Stimmung unb Milieu als von einer richtigen, ernsthaften unb handfesten Handlung. (Auch bas Lustspiel braucht, theatralisch ober dramaturgisch gesprochen, eine ernsthafte Hand­lung.) Das Boheme-Thema ist von altersher wirt- fam und auf der Bühne beliebt. Und es gibt wohl aud) heute noch (ohne Puccini und ohne Schwabing) o etwas wie eine Boheme. Sie sieht bloß ein biß­chen anders aus «ls vor dreißig oder fünfzig Jah­ren Hier sind es nicht fünf von der Jazzband, sondern drei von der Straßenmusik: Geige, Hand- Harmonika, Saxophon. Das Saxophon ist im Besitz einer eigenen Wohnung; da wohnen sie alle drei mit einer Haushälterin. Sehr tüchtiges Madel halt ben Kram in Ordnung und möchte gern den Jüng­ste« vom Trio, den mit dem Saxophon, heiraten. Aber der hat mittlerweile ein Auge auch auf die Katrin geworfen, die im gleichen Haus wohnt und der die Straßenmusik, das Saxophon besonders, ebenfalls gut gefällt. *

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Rom, November 1935.

Mit umfangreichen Reden hochpolitischer unb welt­anschaulicher Natur, mit aller äußeren Machtent- faltung bes Faschismus, ber bieses Ereignis zllr Offenbarung feiner Geiftesrichtung unb Lebenshal­tung stempelte, mit Feierlichkeiten aller Art ist kürz­lich ein Werk vollenbet worben, bas als wirklich repräsentativ unb ausbrudgebenb für bas Wollen des neuen Italien beurteilt werden kann: Die Uni­versitätsstadt Rom wurde ihrer Bestimmung übergeben.

Für den flüchtigen Eindruck des in erster Linie auf das gegenwärtige politische Geschehen gerichte­ten Interesses schien die Einweihung der neuen Uni­versität nur eine willkommene Plattform bilden zu sollen, daß der König von Italien seine bis­herige Reserve aufgab und selbst zur internationa­len Lage Stellung nahm, sollte der Eröffnungsakt nur die Gelegenheit bieten, damit der Duce vor den geistigen Vertretern aller Länder mit Schärfe unb Nachbruck ber Empörung bes italienischen Vol­kes über bie geplante Sanktionsbrosselung Ausbruck gab unb energische Wiberstanbsmaßnahmen ankün- otgte. So gewollt wichtig unb symptomatisch biese Erklärungen auch waren, hieß es boch Wert unb Wesen ber neuentftanbenen Universitätsstabt Ab­bruch antun, wenn man sie nur im Lichte des augenblicklichen drängenden Zeitgeschehens sehen

ber Liberalen in ----w f c i

unter Premierminister Mackenzie Kmg fofort bie Gelegenheit ergriffen, um sich mit den V e r - einigten Staaten auf einen besieren Fuß zu stellen Die Zeiten sind endgültig vorbei, da man in den Vereinigten Staaten von Nordamerika sich imperialistischen Ideen hingab und Kanada ein­fach annektieren wollte, wie man Texas und an­dere Staaten von Spanien bzw. Mexiko losgelost hatte. Diese Bewegung war Ende des norigen Jahrhunderts in den USA. populär. Man erklärte dort, Kanada und die USA. bildeten wirt­schaftlich eine Einheit und die Bevölkerung Kanadas fei mehr amerikanisch als britisch, aber m Wirklichkeit haben sich die USA. und Kanada zu­nächst auseinandergelebt. Seit Kanadas weite Fluren sich mit Weizenfeldern bedeckten, ent­brannte auf dem Weltmarkt die Konkurrenz des Weizens der Vereinigten Staaten unb Ka­nabas. Politisch neigte Kanaba immer mehr zur britischen Mutterinsel unb in ber letzten Zeit be­staub sogar so etwas wie ein Zoll f r t e g mit ben USA. Die USA. reihten bie kanadische Ausfuhr

wollte.

Von Anfang an hatte ber Faschismus bie Auf­gabe gesehen, Rom auch als Geisteszentrum des neuen Italiens einen roürbigen äußeren Rahmen zu geben. Konnte auch Rom auf eine fechshunbertjährige Trabition als Universitätsstabt zurückblicken, so bilbete seine Universität boch nie­mals ben Mittelpunkt des geistigen Italien. Padua, Bologna, Pisa und Neapel konnten sich noch älterer Vergangenheit rühmen, sie bildeten auch weiter kleine in sich abgeschlossene Zentren, die sich eigen» und eifersüchtig als die wahre Stätte italienischer Studien behaupten wollten. Rom konnte immer nur auf den Zuspruch der in und um Rom leben­den Studenten zählen. Wenn es auch verstand, seine Universität immer auf guter Höhe zu halten, verschaffte es sich doch nur Geltung im engeren Rahmen unb oerftanb es vielleicht lediglich, mitun­ter einige auslänbische Stubenten heranzuziehen. Der Oberitaliener unb Sizilianer blieben ihr jedoch zumeist fern. Der Wunsch bes faschistischen Ita­lien, gerabe auch bie Universitätsjugenb aus allen Teilen Italiens nach Rom zu ziehen, um ihr bamit in ben einbrucksvollsten fahren ihres Lebens bie Gelegenheit zu bieten, °m Brennpunkt des neuen Italien zu sein unb ihr Erlebnisse aller Art zu vermitteln, zu benen nur Rom alsötaot der faschistischen Bewegung" imstande ist, chemt da­her durchaus verständlich und richtig. Unb wie konnte biefer Gebanke einer stärkeren geistigen Zen­tralisierung Italiens besser verwirklicht werden als wenn man eine schöne, zettentsprechenbe unbgewah tige Universitätsstabt schuf, bie zwar nicht di- Patina d-r Alma Maler von Padua und Bo- logna trägt, wo man auf Schritt unb Tritt der Erinnerung an ben Humanismus, an bie geistigen ©rößen bes mittelalterlichen Italiens zu begegnen scheint, sonbern ben Stempel des jungen, basems- bejahenben unb zukunftsfreubigen Italien, bas seine Zeitrechnung erst vor 14 Jahren begann.

Die Universitätsstabt Roms, zu ber vor bret fahren braufeen vor ben Toren Roms ber Grund­stein gelegt würbe, ist im Jahre XIII ber faschisti­schen Revolution entstauben, tragt an allen Ge­bäuden bie riesigen römischen Ziffern XIII unb rourbe am Jahresbeginn XIV emgeweiht. Sie liegt nahe einer ber ältesten christlichen Kirchen Roms, ber San Lorenzo. Von ihr aus hat man einen un- vergleichlichen Blick auf bie Campagna, Turme und

Das Stück ist unseres Wissens nieberbeutscher Herkunft unb ursprünglich unter bem Name Stratenmusik" erschienen; inzwischen hat man es g? sr «ss ä® ft als bie Munbart ber Waterkant. Ob fld) ^a* « 3 *

l er hatte mit sicherem Blick bie passenbe Ausstat­tung getroffen.

Ei« hübsches, gut abgestimmtes Musikantentrio bilbeten Linbt, V o 1 ck unb Geiger, ßinbt hatte es von ber Psychologie aus am schwersten, einen ziemlich vertrackten Charakter Halbwegs glaub« roürbig herauszubringen. Einbeutiger waren Gei­ger auf eine Mischung von Betulichkeit, Gemüt unb Humor, Volck auf unkomplizierten Jung­gesellenbetrieb mit viel Alkohol von ihrer Rolle aus festgelegt. Frau Stirl fanb ruhig unb übeneugenb ben Ton mütterlicher Herzlichkeit für die Haushälterin Grete Witt, während Fräulein Decker, die sich neuerdings auf derartige Rollen einzuspielen scheint, aus ber Katrin eine amüsante Figur eine Art Hinterhaus-Weibsteufel, machte; Kühne gab mit Geschick ben schmierig-betrieb- samen unb gelbgjerigen Lumpenhänbler ©obemann, ber um ein Haar bie ganze Strafeenmusik hatte auf-