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Samstag. 2l. September 1955

22| viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

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Romantische Landschaft bei Oberhof.

waltete nach entrichtetem Obulus seines Amtes, die

sah man Kloster Arnstein. Bis kurz vor Nassau

Wasser rauschten nach der Talseite aus der Schleuse., PH man Kloster Ernstem. Bis kurz vor Nassau tiefer und tiefer samten die Booten zwischen hohen ' suhrte die Fahrt. Em Teil der Paddler hatte zwar 1 .. < 1 , . r. < vf < v t ..6 . frhnn tn Clhprhnf nhnpfrhlnffpn imh hnrt rthrtPnnilf.

Die kleine Flottille der Gießener Paddlergilde auf der Lahn bei Fachingen.

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Kleine Zwangspause im Schleusenkanal. Tiefer und tiefer sinken die Boote.

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h - r" sind unter 35 Leuten immer dabei.

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Hoch ragt die Wand des Marmorbruchs bei Diez auf. Im Vordergrund der Zehner-Kanadier.

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Schwerer Transport des Kanadiers au steiler Löschung. (Aufnahmen s6s: Neuner, Gießener Anzeiger.)

entschlossen, ob sie sich senken oder heben sollten. Im Wagen wurde die Frage um den Nebel lebhaft erörtert. Die Konsequenz war ja die, daß ein schö­ner Tag beoorstand, wenn sich der Nebel senkte. Er tat es denn auch.

Kurz vor Wetzlar bot sich ein phantastisch schönes Bild. Die Stadt lag unsichtbar tief im Nebelmeer

Mauerwänden, bis sich endlich die Talschranke öff­nete. Kaum war der Spalt breit genug aufgezogen,

schon in Oberhof abgeschlossen und dort abgebaut, die übrigen kehrten bald zurück und genossen noch einmal das herrliche Landschaftsbild bei Kloster Arnstein. Bald waren die Boote in Beuteln und Taschen verpackt und wieder auf den Lastkraft­

wagen verstaut.

Bis zu diesem Augenblick hatte sich der Wetter­gott von der freundlichsten Seite gezeigt. Nun aber änderte sich das Bild. Ein Gewitter war fast un­bemerkt heraufgezogen, das sich plötzlich, zwar nicht mit heftigem Blitz und Donner, wohl aber mit einem wolkenbruchartigen Regen entlud. Die Heim­fahrt gestaltete sich nun auf besondere Weise fast phantastisch. Jedermann fühlte sich in dem von festen und halb herabgelassenen Planen umschlosse­nen Wagen geborgen. Zurück schweiften die Blicke in das Tal, über das rasch der Regen hereingeoro- chen war, der die Konturen der Berge grau und schemenhaft verwischte, während sich der letzte Schimmer des scheidenden Tages in den Regen­massen brach. Hin und wieder flammte helles Wetterleuchten auf, das die verzauberte Landschaft mit blauem Scheine übergoß. Der Regen klatschte wild gegen die Planen, Wind und Regen rauschten in den Bäumen, der starke Diesel-Motor mischte sein monotones Lied in den Aufruhr der Elemente. Mit wachen Sinnen war jedermann dem Tosen in der Natur hingegeben und freute sich der kraft­vollen Aeußerung des ausklingenden Tages. Der Regen hörte bald wieder auf. Noch manches Lied wurde gesungen. In Limburg rief der märchenhafte Anblick des beleuchteten ehrwürdigen Domes noch einmal allen Enthusiasmus der begeisterungsfähi­gen Jugend herauf und dann erst wurde es stiller im Wagen. Nach vierstündiger Fahrt kam man wieder in Gießen an. Zehner-Kanadier und Boote wurden noch rasch in die Schuppen der Gilde ge­bracht und zwölf Uhr schlug es vom Turm der Stadtkirche, als man sich nun doch etwas müde von den reichen Erlebnissen des langen und sinnvoll verbrachten Tages trennte -und nach Hause begab.

und im gewußten Tal. Die Nebelschwaden bran­deten an den hohen Bergen, die wie Landzungen in das Gewoge vorstießen. Auf einer dieser Land­zungen, die nur wenige Meter über das weiße Gewoge hinausragte, stand wie eine Sensation der schlanke Turm der Brühlsbacher Warte, dessen Knauf von einem hervorbrechenden Sonnenstrahl überspielt wurde. In der Ferne ragte der Stoppel­berg massig auf, weiter rechts zeigte sich der düstere Kalsmunt. Vorbei ging die Fahrt an Dörfern, durch Dörfer, nach Weilburg, durch Weilburg, dann steil hinauf (herrlich lagen zu Füßen die Stadt und das Schloß), bald grüßte der Limburger Dom und wenig später ratterte unser Aufsehen erregender Wagen durch die engen und winkeligen Straßen von Diez.

den Charakter der klassischen Landschaft gaben, wie sie ein Böcklin malte. Bald tauchte Fachingen auf. Näher und näher traten nun die Berge heran und ließen kaum Raum für Leinpfad für Straße und Eisenbahn. In vielen Windungen schlängelte sich die Lahn dahin, steiler ragten nun die Berge em­por, dichtbewaldet sind die weiten Hänge, im stillen Wasser spiegeln sich die Bäume. Die Sonne hatte inzwischen den Kampf gegen den Nebel endgültig und siegreich für sich entschieden. Spätsommerlicher Glanz laa über den Wäldern, über dem Wasser, über Wiesen und Feldern. Bläulich-grün schimmerte das raschelnde Schilf an den Ufern. Leise glitten die Boote dahin. Kaum ein lautes Wort störte den Frieden in der Natur, nur hin und wieder klang ein verhaltener Ruf von Boot zu Boot, klang sil­bernes Mädchenlachen über das Wasser. Irgendwo von fern her läuteten Kirchenglocken.

Bald grüßte von stattlicher Höhe die stolze Schaumburg, friedlich lag ihr zu Füßen das Dörf­chen Balduinstein. In grüner Schlucht glitten die Boote weiter, bis eine Der neuen stattlichen Lahn­schleusen Halt gebot. Ein Boot fuhr nach dem an­deren in den Schleusenkanal, der Schleusenwärter

heimatlichen Landschaft.

In den Reihen der Gießener Paddler gibt es viele, denen eine Fahrt von Diez bis Nassau nicht schwer fällt, auch wenn auf dieser Strecke die Lahn mit keinerlei Gefälle oder Strömung zu Hilfe kommt Die Lahn ist bekanntlich von der Mün* düng bis weit herauf fast völlig gestaut. Don Lim­burg ab ist der Fluß kaum mehr als solcher zu empfinden. Spiegelglatt lag die Wasserfläche vor den Paddlern und nur wenn ein Windstoß von den ^Bergen herab über die Wasserstraße fiel, belebten kleine Wellen den silbrigen Glanz. Mit kraftvollem Schwung trieben die Paddler ihre Boote vorwärts. Das wesentliche Erlebnis gibt die Landschaft. Bald unterhalb von Diez treten die Berge nahe an den Fluß. Einen überraschenden Anblick bot die hohe Wand des Marmorbruches bei Diez, vor der wie feine Arabesken einige Pappeln aufragten, die dem Bilde im harmonischen Kontrast des dunklen Laub­grüns 4um zart-rötlichen Schimmer des Gesteins

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die harten Holzbänke der Länge nach im D cgm standen und so jedermann der Landschaft u i telbar zugewandt saß, blieb es nicht aus, daß n Gesang und Humor alle Aufmerksamkeit auch

Eine Paddelboot-Wanderfahrt mag sie auch nur für die kurze Dauer eines Tages unternommen fein gibt zweierlei Erlebnis: das der Freude an der eigenen sportlichen Leistung auf größeren Strecken und das feine und tiefere Erlebnis der

Im Ablauf einer solchen Wanderfahrt spielte die Mittagspause keine unwichtige Rolle. Sie bringt neben der körperlichen Stärkung meist auch eine beschauliche Stunde der Ruhe. An der Lahn läßt sich schön zu Mittag rasten. In verschieden großen Abständen hat der Deutsche Kanuverband Lager­plätze für Paddler gekennzeichnet, deren einige in Verbindung mit Gastwirtschaften stehen. Für die Wanderfahrt am vergangenen Sonntag war Lau­renburg die Stätte der Einkehr. Schnell waren die Boote gelandet, gesichert, die Paddel zusammen­gestellt und Decken auf den frischen Wiesenplan ausgebreitet. Im idyllischen Obstgarten der Wirt­schaft wurden Tische zusammengerückt und dann der Rucksack ausgepackt. Einige packten gar Spiri­tuskocher aus. Einer derZünftigen" hatte sich einen Kohlkopf mitgebracht, den er mit dem Taschen­messer bearbeitete und der in Verbindung mit Speck und anderen ZutatenKappes" ergeben sollte und ergab. Den Speck erbeuteten zwar zu einem Teil die Hühner, die im Garten der Laurenburg fast ebenso frech sind wie- auf der Badenburg. Nach einer Stunde etwa woben verführerische Mittags­düfte über den Platz und lüsterne Nasen schnup­perten eifrig danach. Nach kurzer Ruhepause wurde die Fahrt fortgesetzt, weiter auf ruhigem Wasser, zwi­schen grünen Bergen, an freundlichen Dörfern vor­bei, vorbei an Burgen und Ruinen und an Felsen, die über 100 Meter hoch unmittelbar aus dem Wasser aufschossen. Beherrschend in der Landschaft

da drängten auch schon die schlanken Einer in das Freie, weiter ging die Fahrt! Die nächste Schleuse befand sich gerade in Reparatur. Es mußte um- getraaen werden. Das ist bei Paddlern eine ganz besonders beliebte Beschäftigung! Hauptsächlich dann, wenn ein schwerer, langer Zehner-Kanadier eine brennessel- und distelbestande hohe und steile Ufer­böschung hinauf und hinab transportiert werden muß! Mit Kameradschaft, Kraft und Geschicklich­keit wurde es aber auch hier geschafft.

iiGießenerpaddlernaufWan-ersahrt

Die romantische Lahn von Limburg bis Nassau.

Es ist immer wieder wunderbar und erstaunlich zu sehen, welche Leistung aus der Gemeinschaft und der Kameradschaft erwachsen kann. Der mehrere Zentner schwere und 9 Meter lange, ungefüge Zehner-Kanadier war unter einheitlichem Kom­mando rasch vom Wagen gebracht und schaukelte wenige Minuten später schon auf dem Wasser. Rasch waren auch alle Haut- und Stabtaschen aus dem Anhänger geholt und dann chub auf schmalem Uferstreifen der allgemeine Aufbau an. Unter viel­geübten Griffen wurden aus der Fülle von Stä­ben, Spanten, Gummihäuten und Leinwandstücken, aus Schrauben und Messingbüchsen- 15 schmucke schnittige Paddelboote. Als die letzten in das Was­ser glitten, zogen die ersten mit systematischem, rhythmischem Schlage los. Stunden schöner Erleb­nisse lagen vor denen, die an dieser Fahrt teil­nahmen. Wohl jedermann war auch voll der inne­ren Bereitschaft.

Messpunkt Selterstor! 6 Uhr morgens! Mit RMuck-Verpflegung für einen Tag!" Das waren bilfe kurzen Parolen, die die Gießener Paddler- Gfllv e für ihre letzte diesjährige gemeinsame Wan- bMigrt ausaegeben hatte. Pünktlich waren die rneisi-n da, Jungens und Mädels und auch eine Wzchl Erwachsener, die sich jung fühlen oder es »Milben sind. Der Lastkraftwagen mit dem sorg- fcltis im Anhänger verstauten Bootsmaterial war oiiKtjDa. Der Zehner-Kanadier lag kieloben geschickt mpnbert auf dem Wagen und sein Bua ragte wie em mächtiger Geierschnabel auf die Kühlerhaube jpilraL Rasch wurde Platz genommen, letzte Orders omsc. geben und der Fahrtenführer bestimmt. Los omgDie Fahrt! Ziel: Diez a.d.Lahn!

E- eine Fahrt auf dem Lastkraftwagen, in zunf- tircr Gesellschaft, hinaus in den spätsommerlichen 9lfonen, das ist an sich schon etwas Besonderes, npk Alltägliches. Die kühle Luft, die den Wagen eiUImg strich, hatte bereits bei Klein-Linden alle fllg RMi einer möglichen Schlafensmüdigkeit verweht, wurde gesungen und gelacht. EtlicheUr-

Innalifierte Lahn. Natur und Technik verbinden üch in schöner Harmonie.

bi wi hu

Landschaft galt, die sich in dieser Morgenstunde m raschen Wechsel der Szenerie, des Lichts, Qolken und der Nebel wie ein Bilderbuch der H. rnt darbot. Die Sonne kämpfte einen harten ^I6n: f gegen die Nebel, die schwer und naß in den TUem und an den Wiesenhängen lagen. Die kuh- Zchwaden schienen dabei geraume Zeit nicht