Nr. 44 Zweites Statt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffeiy
Donnerstag, 2(.zebruar (935
Aus der Provinzialhauptstadt. „Kraft durch Freudes-Sport verwirklicht Volksgemeinschaft.
Bevor wir über die jetzt bestehende Einrichtung der ,Kraft-durch-Freude"-Sportkurse sprechen, ist es notwendig, einmal einen kurzen Blick auf die Zeit vor dem großen Umbruch Deutschlands zu werfen. Wie im politischen, so sah es auch im sportlichen Leben aus. Ueberall Uneinigkeit, Haß und Konkurrenzneid. Gab es doch eine Unzahl von Der- bänden der Leibesübungen, die nicht nur nach politischen Richtungen, sondern auch noch nach Konfessionen und Berufen getrennt waren. So wandten sich viele Arbeiter und Angestellte ab und trieben überhaupt keine Leibesübungen. Private und sonstige Gymnastik, und Sportschulen waren zu teuer und daher nur einem bestimmten Personenkreis zugänglich. Wie auf allen Gebieten, so trat auch im Sportbetrieb mit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus eine grundsätzliche Wendung ein. Im Auftrage des Führers gab der Reichsfport- sichrer durch die Zusammenfassung der zahllosen Verbände zum Reichsbund für Leibesübungen und durch die geistige Durchdringung mit nationalsozialistischem Gedankengut dem deutschen Sport eine völlig neue Grundlage. Ergänzend trat hinzu die von der NSG. „Kraft durch Freude" im Rahmen der Freizeitgestaltung geschaffene Organisation der Sportämter, die sich heute auf 50 Städte und viele Stützpunkte im Reich erstreckt. Hier wurde ein Werk geschaffen, das unentbehrlich für die weitere sportliche Entwicklung ist, weil Hunderttausende von Volksgenossen den Leibesübungen neu zugeführt werden. Die Art und Weise der Durchführung des Kursbetriebes bei den Sportämtern gewinnt auch den eingefleischten Sportlaien. Hier steht nicht die Spezial-, sondern die Allgemeinausbildung im Vordergrund. Nicht dem einzelnen gilt die Arbeit, sondern der großen Gemeinschaft, und so werden die Sportkurse der NSG. „Kraft durch Freude" zu einem Instrument der Erziehung zum Gemeinschaftsgedanken. Hier wird die Liebe zum Sport geweckt, und jeder, der einmal dessen großen Werte an sich erfahren hat, wird ihm ein treuer Anhänger sein und bleiben. Der Führer hat oft zum Ausdruck gebracht, wie ungeheuer wichtig ihm die Frage der Leibesübungen ist. Wie nie zuvor wird heute die Arbeitskraft des Hand- und Kopfarbeiters zum wertvollsten Besitz der Nation erhoben. Keine Mühe erscheint zu groß, um die Arbeitskraft zu erhalten und zu steigern. Jeder, der ein wertvolles Glied im Staate sein will, muß daher mit aller Energie daran gehen, die Gesundheit und Funktionstätigkeit seines Körpers zu heben, um dadurch Schaffenskraft und Leistungsfähigkeit aufs höchste zu steigern. Leider steht dieser Forderung noch ein großer Teil des Volkes, vor allem der älteren Jahrgänge, unglaublich gleichgültig gegenüber.
Die vielgestaltigen Sportkurse der Sportämter sind für alle da. Jeder Volksgenosse kann sich nach seinem Geschmack sportlich betätigen. Ein vorzüglicher Wegweiser durch die Vielzahl der sportlichen Betätigungsmöglichkeiten ist die soeben im Rahmen der Olympiaheftreihe erschienene Broschüre „Leibesübungen mit Kraft durch Freude", die auf 64 reichbebilderten Seiten die beste Einführung für den Sportlaien darstellt. Sie ist bet allen Gliederungen und Formationen, für die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront bei allen Betriebs- und Zellenwarten der NSG. „Kraft durch Freude" für 10 Pfennig erhältlich.
Sieht man hinein in die Kurse, so stellt man ohne weiteres fest, daß hier wirklicher Gemeinschafts, geist herrscht. Hier gibt es keine Unterschiede des Standes oder der Person. 9m Sportdreß sind sich alle gleich. Alle haben das gleiche Ziel, die körper- liche Ertüchtigung. Alles ist vereint und tummelt sich im Becken des Schwimmbades, auf dem Boden Der Turnhalle bei der Gymnastik, läuft Runden um die Aschenbahn, müht sich im Schweiße des Angesichts ab, um zu springen, zu werfen oder mit dem Lederball zu spielen.
Der Nationalsozialismus hat auch im Sport das Unmögliche Wirklichkeit werden lassen. Tausende
Hochzeitstag.
Don 3o Hanns Rösler.
Das Telefon läutete. Peter hob den Hörer aus. „Annemarie?"
„Ich will mich nur nochmals von dir verabschieden, Deter."
„Nein! , rief Peter, „nein — nicht wegfahren!"
„Doch, Peter, ich fahre. Du weiht, was ich dir heute nacht sagte. Es hat keinen Sinn zwischen uns. Ich fahre in einer Stunde."
„Zu einem anderen Mann!"
„Sei doch nicht kindisch, Peter! 9n eine andere Stadt! Das weiß du doch. Ich will vergessen, was war. Und du wirft mich auch vergessen.
Peter war wie ein großer Junge, als er ins Telefon rief:
„Nie! Das schwöre ich dir, Annemarie!
„Peter, kleiner Peter!", sagte Annemarie leise, blieb eine Weile stumm, fuhr fort, „ich mochte dich zum Abschied etwas fragen, Peter. Ich wollte es schon gestern, als du zum letzten Male kamst. Aber ich schämte mich."
„Und jetzt?"
„Jetzt schäme ich mich nicht. Jetzt sehe ich ja nicht deine Augen, Peter. Aber ich würde daran zugrunde gehen, wenn ich dich dies eine nicht gefragt hätte —"
Peter brummte:
„Du bist kornisch, Annemarie!"
„Ja. Vielleicht. Also hör — aber lad) nicht, Peter, ja? — warum hast du mich in der ganzen langen Zeit, die wir zusammen waren — ich meine, immer wenn du gingst und wenn du kamst — warum hast du mich nie gefragt —
„Was?"
„Es ist entsetzlich schwer für mich, das auszu- sprechen — also warum hast du mich nie gefragt, ob ich — ob ich deine Frau werden will."
„Ach!"
Ihm blieb vor Ueberraschung die Stimme weg. Dann fragte er:
„Ehrlich?"
„Ganz ehrlich, Peter."
„Ich bin einfach nicht auf den Gedanken gekommen, Annemarie."
„Sonst nichts?"
„Nein, wirklich, sonst nichts", lachte Peter, „wie soll ich auch auf eine so ausgefallene Idee kommen?"
Annemarie antwortete sanft:
„Hast recht, Peter — wie solltest du auch auf eine so ausgefallene Idee kommen? — Und jetzt leb wohl, bleib gesund, Peter, und immer so lustig, wie ich dkch liebte —"
Das Ergebnis des Schaufenster-Wettbewerbs im Gau Heffen-Aaffau.
256 Ehrenurkunden in 57 Orten.
LPD. Frankfurt a. M., 20. Febr. Don der Gesamtleitung des Schaufenster-Wettbewerbs des Gaues Hessen-Nassau, der am Sonntag den Auftakt zum 2. Reichsberufswettkampf bildete, hören wir über das Ergebnis im gesamten Gaugebiet folgendes:
Don insgesamt 34 000 Schaufenstern im ganzen Reich war der Gau Hessen-Nassau mit 1638 Fenstern in 57 Orten beteiligt, und zwar Frankfurt a. M. einschließlich Höchst 213, Mainz 132, Wiesbaden einschließlich Biebrich 142, Hanau 68, Worms 73, Darmstadt 98, (Sieben 67, Bingen 42, Bensheim 33, Friedber g 25, Hachenburg 38, Weilburg 25, Herborn 24, Wetzlar 49, Offenbach a. M. 54, Bad Homburg 22, Limburg 38, Alzey 29, Diez 19, Dillenburg 18, Bad Ems 18, Gelnhausen 15, Bad-Nauheim 18, Michelstadt 13, Butzbach 12, Jnaelheim 10, Alsfeld 13, Marienberg 12, Nidda 14, Usingen 14,' Lauterbach 11. Die Gemeinden Hadamar, St. Goarshausen, Nassau, Rüsselsheim, Groß-Auheim, Babenhausen, Eltville, Runkel, Kamberg, Heppenheim, Westerburg, Groß-Steinheim, Auerbach, Montabaur, Schlüchtern, Schotten, Dieburg, Wächtersbach, Eberstadt, Erbach, Steinau, Bad Schmalbach, (Kronberg und Neu-Isenburg waren mit weniger als 10 Firmen an dem Wettbewerb beteiligt.
Von den 1638 Wettbewerbern waren 920 männliche und 718 weibliche Lehrlinge und Jungkaufmannsgehilfen. Insgesamt kamen im gesamten Gaugebiet Hessen-Rassau 256 Ehrenurkunden für besondere Leistungen zur Verteilung, nämlich 16 v. H. entsprechend der vorstehenden Beteiligungsziffern in den einzelnen Städten und Orten. Die Ehrenurkunden sind bereits sämtlich im Besitz der einzelnen Ortsgruppen und gelangen im Laufe dieser Woche überall mit einer kleinen Feier zur Verteilung.
Ferner wird uns von der Wettbewerbsleitung erklärt, daß außer Frankfurt a. M. die Städte Mainz, Wiesbaden, Worms, Darmstadt, Gießen, Offenbach und Hanau im Gaugebiet verhältnis-
mäßig die größte Teilnehmerzahl aufgebracht haben und auch bezüglich der ausgestellten Arbeiten und der Gesamtleistung mit an der Spitze stehen.
Ein außerordentlich großer Erfolg dieses Wettbewerbs ist ferner darin zu sehen, daß insbesondere auch in den ländlichen Orten die Kaufmannsjugend durch den Wettbewerb angespornt wurde, recht bemerkenswerte eigene Leistungen aufzubringen und zu zeigen, daß sie den Kameraden in den Großstädten, denen die Möglichkeit zur Fortbildung leichter geaeben ist, nicht viel nachstehen will. Ja selbst die kleinsten Orte haben oft Leistungen her- vorgebracht, die Staunen erregten, woraus hervorgeht, daß auch die kleinen Geschäftsleute auf dem Lande heute sehr um die Ausbildung ihrer Lehrlinge besorgt sind.
So ergibt sich in Stabt unb Canb gleichermaßen ein sehr befriebigenbes Bitb, unb man kann, wie ber Gaujugenbwalter Friß Bernet bei ber Preisverteilung in Frankfurt a. IN. sagte, auf unsere 3ugenb stolz sein, bie ben Geist ber neuen Zeit richtig erfaßt hat unb bestrebt ist, sich burch Fleiß unb Ausbauer zu tüchtigen Menschen heranzubilben, um bamit in echt nationalsozialistischem Sinn bem Volksganzen zu bienen.
Die Gesamtleitung des Schaufenster-Wettbewerbs im Gau Hessen-Nassau sieht sich zum Abschluß aller Arbeiten veranlaßt, allen leitenden Männern der Städte- und Gemeindeverwaltungen sowie der Wirtschaft, ferner allen Geschäftsleuten, die ihre Schaufenster für den Wettbewerb zur Verfügung gestellt haben, bestens au danken, denn sie ist sich klar darüber, daß nur durch das Zusammenwirken all dieser Kräfte auf der ganzen Linie ein so schöner Erfolg erzielt werden konnte. Das gilt nicht zuletzt auch von den Mitgliedern der Prüfungskommissionen, die sich bereitwilligst in den Dienst der Sache gestellt haben und allerorts ihre nicht leichte Aufgabe gern für die Jugend erfüllten. Der Schaufensterwettbewerb der Kaufmannsjugend im Gau Hessen-Nassau dürfte in jeder Hinsicht die günstigsten Auswirkungen zeitigen.
unb aber Tausende sind heute schon der NSG. „Kraft durch Freude" dankbar für die herrlichen Stunden, die sie in den Sportkursen verleben dürfen. Sie verstehen es, ihre Freizeit richtig zu verwerten. Der Dreiklang von Geist, Seele und Körper bildet ben ganzen Menschen, und den brauchen wir, um die großen Ziele, bie ber Führer gesteckt hat, zu erreichen.
Verbot bäuerlicher Trachten für Fastnachtsveranstaltungen.
Die Polizeibirektion Gießen teilt fol- genbes mit:
In früheren Jahren ist es häufig vorgekommen, baß bäuerliche Volkstrachten zu Kostümen für Fastnachtsveranstaltungen verwandt und getragen wurden. Obschon bei derartigen Verkleidungen eine böse Absicht nicht zugrunde lag, so muß es in ländlichen Kreisen gleichwohl Empörung erregen, wenn das Ehrenkleid des deutschen Bauern zu ausgelassenen Fastnachtsscherzen getragen unb damit — sehr oft unbewußt — herabgewürdigt wird.
Das Tragen ber bäuerlichen Trachten auf Maskenbällen unb ähnlichen Faschingsveranstaltungen ist baher verboten. Wer hiergegen zuwiberhandelt, wird bestraft.
Die Polizeibirektion ist ber Ansicht, baß biefer kurze Hinweis genügt, um Zuwiberhandlungen gegen biefe heute keinesfalls mehr zeitgemäße Unsitte für immer auszuschließen.
Polizeistundenverlängerung an den Samstagen vor Karneval. Die Polizeibirektion Gießen teilt folgendes mit:
Aus Anlaß des diesjährigen Karnevals wird bie Polizeistunde für Samstag, den 2. März, Montag, den 4. März, und Dienstag, den 5. März, allgemein aufgehoben. Dies bedeutet, daß für diese Tage ber sonst vorgeschriebene Urkundenstempel für die Verlängerung der Polizeistunde in Wegfall kommt, dagegen alle sonstigen Karnevalsveranstaltungen, wie Konzerte, Tanz, Kappenabende usw. nach wie vor urkundenstempelpflichtig sind.
Die rechtzeitige Lösung der für derartige Fastnachtsveranstaltungen nötigen Erlaubnisscheine wird sowohl den Wirten als auch solche Feste veranstaltenden Vereinen zur Pflicht gemacht.
Wichtig fürdieGA.-und GG.-Männer.
Wie wir einer parteiamtlichen Bekanntmachung der Ortsgruppe Gießen-Süd entnehmen, haben alle SA.- und SS.-Männer, ohne Rücksicht darauf, ob sie Parteimitglieder sind oder nicht, in Zukunft ben Hilfskassenbeitrag unmittelbar an die Ortsgruppe zu bezahlen, in der sie wohnen. Alle SA.- und SS.- Männer im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd, bie nicht Parteimitglieder sind, müssen sich am Montag, 25. Februar, Mittwoch, 27. Februar, oder Donnerstag, 28. Februar, zwischen 20.15 und 22 Uhr
in ber Gastwirtschaft „Zum Graf Zeppelin", Wil- Helmstraße, neu zur Hilfskasse anmelden. Der Beitrag für das zweite Vierteljahr und die Versicherungskarte sind mitzubringen. Für die Folge ist der Beitrag für ein Vierteljahr im voraus an den zuständigen Blockleiter zu zahlen.
Deutsche Arbeitsfront.
Verufsgruppenaml.Fachgruppe Banken.
Am Donnerstag, 21. Februar, 20 Uhr, spricht im Ortsgruppenheim des Berufsgruppenamtes in der DAF., Lonystraße 18, Diplom-Handelslehrer Dr. Müller über „Wechsel und Scheck im Bankbetrieb".
Achtung! Lehrgang zur Vorbereitung für die Elektro-Meifterprüfung.
Das Berufsgruppenamt der DAF. beabsichtigt in aller Kürze einen Lehrgang für die Vorbereitung zur Elektromeister-Prüfung abzuhalten. Berufskameraden, die Interesse an diesem Lehrgang haben, werden gebeten, sich umgehend an das Kreisberufsgruppenamt, Gießen, Lonystraße 18, zu wenden.
Gießener Wochenmorktpreife.
* G i e ß e n , 21. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 15, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 9, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 30, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 18 bis 25 Pf., Honig 40 bis 50, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 30 bis 60, Salat 20, Endivien 16 bis 25, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35 Pf.
Vornotlzen.
— Tageskalender für Donnerstag. Deutsche Arbeitsfront, Berufsgruppenamt, Fachgruppe Banken: 20 Uhr im Ortsgruppenheim des Berufsgruppenamtes, Lonystraße 18, Vortrag über „Wechsel und Scheck im Bankbetrieb" von Diplom- Handelslehrer Dr. Müller. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Hohe Schule". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Rom-Expreß". — Kriegerverein: 20.15 Uhr im Cafe Ebel Jahreshauptversammlung. — Verbrauchergenossenschaft e. G. m. b. H. Gießen: 15 bis 18 Uhr: Leistungsschau und 20 Uhr Jahres- Versammlung im Caf6 Leib. — Stickerei- unb Spitzen-Werkschau: 14 bis 18 Uhr im Turmhaus am Brandplatz.
— Der Sanitätsverein Gießen begeht am kommenden Samstag und Sonntag die Feier seines 50jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß finden im Saale des Cafe Leib verschiedene Veranstaltungen statt. Am Samstagabend spricht Dr. med. Kranz über „Volksgesundheitspflege im neuen Deutschland". Mit dieser Veranstaltung wird eine Ehrung der Jubilare verbunden sein. Am Sonntagoormittag findet in der Stadtkirche ein Festgottesdienst statt. Am Nachmittag wird die Mitgliederversammlung abgehalten. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
— Der Männer-Badeverein 1836 Gießen hält am Montag, 25. Februar, im „Aquarium" feine Generalversammlung ab. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
*
** Sitzung des Provinzialausschus« s e s. Am nächsten Samstag, 23. Februar, 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Prooinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: 1. Klage des Ferdinand Laubinger aus Griedel gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 13. 12. 1934 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1935. 2. Klage des Bezirksfürsorgever- bandes Stadt Gießen gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Friedberg wegen Erstattung von Fürsorgekosten für das Kind Andreas Löffert aus
„Annemarie — hallo! Hallo!"
Das Telefon blieb stumm. Annemarie hatte hin- gehängt.
Drei Minuten vergingen. Da griff Peter wieder zum Telefon.
„Annemarie?"
„Du, Peter?"
„Ja. Ich wollte dich etwas fragen. Wieviel ißt eine Frau am Tag?"
„Komische Frage! Warum?"
„Nur so" — brummte Peter verlegen, „ich meine, ißt sie für sechs Mark oder wird sie schon für vier Mark satt oder auch mit drei Mark?"
Annemarie lachte:
„Ich esse schrecklich viel, Peter!"
„Schade! Für wieviel!"
„Für zwei Mark fünfzig, Peter."
„Bestimmt nicht mehr?
„Bestimmt nicht."
Peter atmete erleichtert auf. Aber er hatte noch viel vor sich.
„Und was kosten beispielsweise Damenschuhe?"
„Viel, Peter!"
„Wieviel?"
„Fünfzehn Mark."
Peter war entsetzt.
„Fünfzehn Mark? Halten die denn dann wenigstens?"
„O ja — Peter — lange!"
„Und was braucht eine Frau zum Leben noch?" „Nichts, Peter, gar nichts."
Peter dachte eine Weile nach.
„Glaubst du, daß ich mir das Rauchen ab- gewöhnen kann?", fragte er.
„Nein."
„Aber ich muß!", schrie Peter fast wütend, „und schließlich muß man auch nicht jeden Winter in die Berge fahren, und meinet Hund könnte ich meinem Bruder schenken, und mein alter Tennisschläger ist doch auch noch ganz gut, nicht?"
„Ausgezeichnet."
„Glaubst du, daß ich dafür noch fünfzehn Mark bekomme?"
„Bestimmt. Warum?"
Peter knurrte verlegen:
„Nur so — übrigens, wann fährt dein Zug?"
„In zwanzig Minuten."
„Gute Reise!"
„Danke, Peter."
Und wieder schwieg das Telefon. Und wieder vergingen drei Minuten. Peter saß ungeduldig auf
seinem Sessel. Endlich läutete es. Peter hob so schnell den Hörer ab, daß das Telefon herunterfiel. Aber es machte nichts. Er hörte trotzdem. Es war Annemaries Stimme.
„Du, Peter, weißt du noch, wie ich damals zur Bahn kam?"
„Und ich dort schon stand?"
„Und ich dich erst nicht sah?"
„Und du weintest?"
„Ich habe nicht gemeint", widersprach sie, „mir war etwas ins Auge gekommen!"
„Stimmt! Tränen! Und bann kam der Zug und du stiegst ein."
„Du kamst ins Abteil, Peter — küßtest mich — und trugst mich auf deinen Armen wieder hinaus — die Leute lachten — wir auch, Peter, wir waren ja so glücklich!"
Peter nickte:
„Und dann ist der Zug ohne dich weggefahren."
„Ja", sagte Annemarie, „und du hast mich geheiratet. Heute vor einem Jahr. Heute ist unser Hochzeitstag. Und darum rufe ich dich aus meinem Zimmer neben deinem Zimmer an, und wir führen genau wie damals vor einem Jahre unsere drei kleinen Telefongespräche."
„Drei?", sagte Peter verwundert, „damals waren es nur zwei.
„Ja. Damals waren wir auch nur zwei, Peter —"
„Und heute?"
„Heute?", Annemarie sagte leise als schäme sie sich: „heute sind wir — aber lach nicht, Peter, ja? — heute sind wir auch drei!"
Peter sprang auf. Warf den Hörer hin. Lief zur Tür.
„Annemarie! Meine Annemarie!"
Annemarie strahlte:
„Peter, wieviel ißt ein Kind am Tag? Peter, wieviel kosten Kinderschuhe? Halten die denn dann wenigstens?"
Peter schloß ihren Mund mit Küssen.
„Annemarie! Ich bin ja so glücklich!"
Italienische Ehrung für Gabelsberger.
Hundert Jahre waren es kürzlich, daß der geniale Erfinder der nach ihm benannten Kurzschrift seine „Anleitung zur deutschen Redezeichenkunst" herausgebracht hat. Welche Bedeutung man dieser Redezeichenkunst auch im Ausland beimißt, das geht aus den Ehrungen hervor, die die italienische Akademie für Stenographie anläßlich ber Hunbertjahrfeier bem klassischen Werke zuteil werben ließ. Der Leiter ber Akademie, bie ihren Sitz in Pabua hat, Professor Giuseppe Aliprondi, hat ein Buch von
200 Seiten über bas System (Babelsberger herausgebracht, bem bie italienische Kurzschrift nach bem System Noe gefolgt ist. Unter ben Mitarbeitern finben wir Bode (Braunschweig), D e w i s ch e i t (Halle), K u n o w s k i (Potsdam), Weinmeister (Leipzig), fernes (Budapest), Mogeon (Lausanne) unb eine Reihe von Italienern. Zum ersten Male erscheinen in bem Werke auch bie „neuen Vervollkommnungen" (Babelsbergers in italienischer Sprache. Sehr lehrreich bie Ausführungen über bie Kurzschrift im alten Rom unb bie Angleichungsoersuche an bie mobernen Sprachen. Dutzende von litographierten Tafeln unterstützen ben Text. Das Werk ist bescheiben als Sonderheft bes „Bolletino" erschienen, bes Fachblattes bes internationalen Sekretariats für Stenographie.
Zeitschriften.
— Aus Anlaß bes 250. Geburtstages von Georg Friebrich Hänbel weift Alexanber Berrsche im Fe- bmar-März-Heft ber „D e u t s ch e n Z e i t s ch r i f t" (Verlag Callwey, München) in einem Gedenkaufsatz auf ben seltsamen Wiberstreit hin, ber in ber Schätzung Hänbels bei ber Laienwelt unb ber Zunft ber Musiker selbst zutage tritt. Berrsche sagt u. a.r „5jänbel war eben ber Mann mit ber großen Per- rücke unb burch Bach eigentlich entbehrlich geworben, obenbrein war er auch noch langweilig ... Das Volk hat eine anbere Meinung. Die Ehrfurcht vor Hänbel ist ihm nicht auszureden ... Dieser Wiberstreit von Laieninteressen unb zünftiger Pflege gibt zu benfen. Er kennzeichnet Hänbels eigentliche Stellung in unserem Musikleben beutlicher, als man ahnt. Es ist buchstäblich wahr, baß Hänbel an tiefer echter Volkstümlichkeit alle anberen großen Meister um genau so viel überragt, als er in ber Zahl ber kvnzertmäßigen Aufführungen hinter ihnen zurückbleibt. Wer hat bie große Melobie geschrieben, bie jebem ans Herz greift, bie jebem vertraut ist, auch bem, ber feine Noten kennt unb kaum ben Mut hat, sich für musikalisch zu halten? Unb biefe Melobie gibt es, es gibt sie nur einmal ... es ist bas „Largo von Hänbel" ... Es ist nicht komisch, es ist großartig unb herzerhebenb, dieses Hängen an der einen Melodie, in deren Ausdruck das Volk sein eigenes Inneres wiedererkennt und die Stille der Seele wiederfindet. Welch ein musikalisches Volk, dessen Lieblingsmelodie eine Händelsche Weise ist! Niemand hat sie ihm einreden müssen. Mit sanfter Notwendigkeit ist sie ihren Weg gegangen mitten in bie Herzen, unb ba sitzt sie jetzt und ist nicht mehr zu vertreiben. Es muß wohl eine sehr deutsche Melodie fein."


