Ur.193 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 20. August (935
W
■ f :•
tÄ» i
<W
Handlung werden wir morgen berichten.
Aus der Provinzialhaupistadt
//
Heinrich George als Boris Pettkosf.
Wonnen öeiueii <> _ < nnrh für klängen fidi ausae^eimnel) seinen jioman mn feinen
man den jählings berühmt Gewogenen nchf 9 3 ö gestaltet. Das Berwandlungs-
-in paar Stunden ,m Dunkel Unbekannt- MEn -rtak^u^^ |ebr klar -mpsund-n
hert und Namenlosigkeit laßt urrd hr Z . g , n ’inIer|ter Linie ein optisches Motiv, und das dÄ Da"g?W-ht°au7'-in° -b°n1° M-ckmM«-. Spiel'mit Maske, B-rkl-idung, Vertauschung der
vor das
Fragen gegebenen Auskünften.
Die Unterschlagungen konnten buchmäßig durch solange verschleiert werden, daß Journal die Einnahmen zu gering oder Ausgaben zu hoch, die Einnahmen nur
da- im die auf
lich ernst werdendes Spiel an der Grenze zwischen Schein und Realität. Ein richtiger kleiner Roman spinnt sich an, und das Schöne dabei ist, dah hier nicht irgendein mehr oder minder beliebiger Roman verfilmt das heißt also unverbindlich in bewegliche Bilder und Szenengruppen aufgelöst worden ist, sondern daß der Film (Manuskript und Regie ergänzen sich ausgezeichnet) seinen Roman mit seinen .X , t r. i ___x 'Ona >Kpr»Mnnnliinnfia
übrig.
Charakteristisch erscheint die Tatsache, daß die Geldbeträge, die über Nacht im Tresor lagen, weder am Abend gezählt, noch am Morgen nachgezählt wurden, ja, daß der verantwortliche Rechner von den Angestellten der Sparkasse den Schlüssel zum Tresor in seine Privatwohnung bringen und ihn von dort abholen lieh, weil er des öfteren entweder zu Beginn oder zum Schluß der Geschäftszeit nicht in den Geschäfts, räumen anwesend war.
Die Unterschlagungen bei der Bezirks sparkasse Ortenberg vor Gericht.
„Nacht der Verwandlung
Lichtspielhaus.
Zweiter Frühling.
Jedes Ding hat seine Zeit. Man spricht im Sommer nicht von Rodelbahnen, unterhält sich Pfingsten nicht über Weihnachtsgeschenke und denkt, wenn es auf den Herbst zu geht, wohl an Laub- verfärbung und Obsternte, aber nicht etwa an die Pracht blühender Magnolienbäume. Denn die Magnolienblüten gehören unbestritten zu den ersten Offenbarungen des Frühlings.
Das wissen sie selbst natürlich am besten und strengen sich alljährlich derartig mit Knospen und Entfalten an, daß sie weit vor den Blättern erscheinen, welche dann infolgedessen in dem Glauben leben, alleinige Träger der Schönheit ihrer Sträucher zu sein.
Man kann sich daher vielleicht vorstellen, wie es der bejahrten und besonders stattlichen Magnolie eines Vorgartens zu Mute sein mußte, als sich dieser Tage in ihrem dunklen Grün große Helle Knospen zeigten, entwickelten, aufsprangen, und tief errötend ihren Platz auf den Zweigen behaupteten. Eine unbeschreibliche Erregung ging durch den Blätterwald. Alarmeldungen, Widerrufe, Beruhigungsaktionen — aber schließlich ließ es sich doch nicht vertuschen: die Magnolie blüht, wenn auch nur mit wenigen Blüten, jetzt, Ende August.
„Es ist einfach schamlos", waren sich die Blätter einig. „Man muß sich ja direkt solchen jugendlichen Getues genieren. Reif sein ist alles in dieser Zeit, wir sind ernst und dunkel, wie es.sich gehört, und nun dieser rosig angehauchte Firlefanz zwischen uns. Außerdem, zugleich Blüten und Blätter zu tragen, haben wir bisher den Linden, Akazien, Kastanien und wie sie sonst heißen mögen, überlassen. W i r dagegen brachten erst die einen, dann die andern ans Licht der Welt und wünschen durchaus, weiterhin als etwas Besonderes zu gelten. Nicht nur in Baumkreisen, sondern vor allem auch vor den Menschen. Was werden die nur sagen?"
Ja, was sagten sie? Sie blieben erstaunt dem Vorgarten stehen und machten sich auf Wunder aufmerksam: „Ist es zu glauben? Magnolienblüten in dieser Jahreszeit? Wie entzückend wirken sie in dem dunklen Grün, das ist ja wirklich etwas ganz Besonderes."
Da erröteten die Blüten noch einmal so tief, die Blätter aber raschelten: „lieber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten", außerdem: „Irren ist menschlich". Und sie fühlten sich allein maßgeblich. E- v-
Wir möchten den Film nachdrücklich empfehlen, zumal er von einem interessanten und abwechslungsreichen Beiprogramm begleitet ist; das „Kino von anno dazumal^ wirkt auf uns ebenso erheiternd wie lehrreich. Dazu sehr schöne Aufnahmen vom Lüneburger Silberschatz und die neue Tonwoche. *"r
Redner der HI.
In der letzten Zeit hat sich in den Einheiten der HI. immer mehr das Bedürfnis herausgeftellt, nach dem Einsatz von Persönlichkeiten, die nicht vom Nationalsozialismus reden, sondern ihn leben und predigen. Wenn irgend jemand, so braucht die Jugend Redner, die von den Ideen der HI. begeistert sind und begeistern können. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die Abteilung Presse und Propaganda der Gebietsführung an den beiden vergangenen Wochenenden sämtliche Bann- und Jungbann- sührer, sowie besonders ausgesuchte Jugendgenossen zu einem Rednerkurzlehrgang zusammengezogen. Es handelte sich dabei nicht um eine rein technische Ausbildung, sondern die Vorträge, die von dem Leiter der Abteilung Pr. Scharführer Hans Falk, dem Leiter der Abteilung für weltanschauliche Schulung Gefolgschaftsführer Wolf Koschemann und Gebietsführer Hauptschnft- leiter S t a e b e gehalten wurden, zielten darauf ab, die jungen Kameraden von dem „Schema" loszulösen und in ihnen das Bewußtsein von dem Heiligtum der deutschen Sprache, von der Kraft der fortwirkenden Gewalt der Rede zu vertiefen. Die Teilnehmer des 2. Lehrganges hatten außerdem die Freude, daß der Führer des Gebietes Hessen-Nassau, Oberbannführer P o t t h o f f, ihn eröffnete und in einer Ansprache das Arbeitsgebiet umriß.
Aus parteiamtlichenBekarmtmachungen
Die Ortsgruppe Gießen-Nord der Deutschen Arbeitsfront hält am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, im Aquarium, Walltorstraße, eine Mitgliederversammlung der Zellen 3 und 7 ab. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.
Singkreis Gießen im LDH.
Am kommenden Mittwoch, 21. August, 20.15 Uhr, beginnt der Singkreis im Zeichensaal der Schiller- schule mit seiner neuen Arbeit. Neben Kanons und Volksliedern werden im Laufe der nächsten Zeit zwei Kantaten von Dietrich Buxtehude und Christoph Bernhardt gesungen werden. Im November soll ein Abend, an dem „Alte Musik aus drei Jahrhunderten" musiziert wird, den Singkreis wiederum mit seinen Freunden im Zeichensaal der Schillerschule zusammenführen.
Wiedersehensfeier ehemaliger 224er in Gießen.
Man schreibt uns: Die Kameraden des ehemaligen Res.-Jnf.-Rgts. 224 feiern am 7. und 8. September in Gießen ein Wiedersehen. Die ganze Veranstaltung wird in würdigem Rahmen abgehalten werden. Für Samstag, 7. September, ist ab 20 Uhr ein Kameradschaftsabend im Schützenhaus vorgesehen. Samstagvormittag ist Antreten auf Oswaldsgarten, anschließend Marsch zum Gefalle- nen-Ehrenmal, wo die Gefallenen-Ehrung und Kranzniederlegung stattfindet. Am Sonntagnachmittag werden sich die Kameraden mit ihren Angehörigen zu einem geselligen Beisammensein im Kaffee Leib einfinden.
Es darf wohl schon jetzt gesagt werden, daß im Res.-Jnf.-Rgt. 224 viele tapfere Gießener Söhne gekämpft und geblutet haben. Deshalb ist es für die Gießener Kameraden eine besondere Ehre, die diesjährige Wiedersehensfeier in den Mauern Gießens veranstalten zu dürfen.
Gleichzeitig richtet die Gießener Vereinigung ehemaliger 224er unter Leitung des Kameraden Dr. Krüger, Bleichstraße 25, an die stets opferwillige Gießener Bürgerschaft die Bitte, um Bereitstellung einfacher Unterkünfte für den 7. auf 8. September. Wegen der Gestellung von Quartieren wolle man sich an Kamerad Fritz Iaeggle, Verwaltungs-Inspektor, Gießen, Rodheimer Straße 51, wenden.
Nähere Mitteilungen über die Wiedersehensfeier, sowie über die Geschichte des Regiments werden in den Tageszeitungen noch bekanntgegeben.
Konto und nicht im Journal und die Ausgaben nur im Journal und nicht auf Konto gebucht wurden. Sämtliche Angeklagten lebten bedeutend über ihre Verhältnisse.
Durch Beschluß des Vorstandes der Bezirkssparkasse wurde der Angeklagte Müller im Jahre 1923 als Gehilfe eingestellt; noch in demselben Jahre wurde er Kontrolleur. Seine Kündigungsfrist wurde auf ein halbes Jahr festgesetzt. Im April 1934 erfolgte feine Anstellung als Beamter, er erhielt ein Gehalt von 200 Mark ausgezahlt. Bereits im Jahre 1926 begann Müller mit den Unterschlagungen. Stand für ihn gerade einmal eine Zahlung bevor, fo griff er, ohne sein Konto zu belasten, in die Tageskasse. Die Gesamtsumme dieser Beträge schätzt der Angeklagte selbst auf 2000 bis 3000 Mark. Außerdem gibt er noch größere unterschlagene Beträge an. So hat er im Jahre 1927 das Sollkonto der Baugenossenschaft um 5000 Mark abgeschrieben, ohne sein Konto damit zu belasten. Er hatte für 12 000 Mark ein Haus gekauft und benötigte zur Zahlung seiner Schulden diese 5000 Mark. In den Jahren 1930 oder 1931 entnahm der Angeklagte den Betrag von 770 Mark, 1933 einmal 200 Mark und dann 1000 Mark, die er als (eigenes Darlehen einem Zeugen aushändigte.
Der Angeklagte, der das Journal und die Kassenkladde führte, buchte die jeweils fehlenden Beträge als ausgezahlt. Durch diese Falsch- buchungen wurden auch die Differenzen, die durch die Veruntreuungen der übrigen Angeklagten entstanden sind, zum Verschwinden gebracht.
Der Angeklagte Leinberger steht seit 1922 im Dienst der Bezirkssparkasse. Im Jahre 1930 wurde er mit halbjähriger Kündigungsfrist und
Namen, der Rollen und Figuren ist in der Tat ein bestrickender Vorwurf für eine mit Geschick arbeitende Kamera. Hier zeigt der Spielleiter Hans Deppe, was eine geistvolle Filmregie zu leisten vermag. Das Motiv „Karneval" ist ja immer um feiner Buntheit und Beweglichkeit willen beliebt gewesen, aber nur selten (in „Maskerade" zum Beispiel) war es mehr als Episode, Ausstattung, Beiwerk, Bild. Hier ist es ein wesentliches Element der Handlung, in der übrigens der Zufall eine durchaus romanhafte, aber dennoch durchaus nicht un- wahrscheinliche Rolle spielt: die Verknüpfung der Fäden, die Verstrickung im Wirbel des Maskenfestes, in dem sich eine Liebesgeschichte und ein Kriminalfall kreuzen, führt aus spielerisch-unverbindlichem Beginn am Ende unheimlich zur Demaskierung nackter Menschenschicksale. In diesem überaus geschickt angelegten und entwickelten Filmroman gibt es nur eine einzige schwache, nicht völlig bewältigte Stelle (die kurze Szene der ersten Aussprache zwischen Maria und Frank), wo eine veraltete Roman- und Dramen-Technik zur Aufhellung der Vorgänge herhalten mußte. Im übrigen wird der gute Film von guten Darstellern in seiner Wirkung nur vertieft. Heinrich George spielt den Boris Pettkoff: ein ziemlich ausgemachtes Scheusal; George gelingt es dennoch, ihm zuletzt, in einem Augenblick stummen Stillestehens, wenn nicht die Sympathie, so doch fast das Mitleid des Beschauers zuzuwenden. Eine vorzügliche Leistung; man bestaunt wieder einmal die bestechende Wandlungsfähigkeit und menschliche Fülle dieses großen Darstellers. Gustav Fröhlich spielt den Flieger, und es liegt nicht nur an der Rolle, wenn alle Sympathie auf feiner Seite ist; er wächst in die Rolle hinein, er erfaßt sie von innen her mit aller Kraft und Intensität seines stets noblen und beherrschten Spieles. In der wichtigsten Frauenrolle: Rose Stradner, ein neuer Stern der Ufa; schwer zu beurteilen, was sie wirklich kann: die Rolle gibt ihr nicht allzu große Chancen; aber man merkt in ein paar ganz kurzen Szenen, daß sie Herz und Gefühl hat. In anderen Rollen zeichnen sich Otto Graf (vom Staatstheater Berlin), G ü l st o r f f, Gertrud Wolle, Schroder-Schromm und Harry Hardt aus.
Der Angeklagte Raab war feit 1927 Gehilfe bei der Bezirkssparkasse. Er verdiente etwas mehr als Leinberger. Er gibt zu, zwecks Bezahlung von Rechnungen seines Hauses nach und nach 2000 Mark aus der Tageskasse genommen zu haben, ohne dah jedoch die Beträge über sein Konto liefen.
Außerdem hat er zwei Beträge von 900 Mark und 500 Mark entnommen, die er Kontenmäßig durch Falschbuchungen ausglich. Nach seinen eigenen Angaben veruntreute er im Jahre 1934 die Beträge von 70, 870 und 438,10 Mark.
Die Vernehmung der Angeklagten.
Sodann folgte die Vernehmung der Angeklagten, wobei sich ein erschütterndes Bild der Verantwortungslosigkeit ergab, mit der die Angeklagten ihren Berufspflichten nachgingen. Die Geschäftsführung ließ sichtlich in allen Punkten zu wünschen
heilsame und, wie es zunächst scheint, auch sehr amüsante Weise: der Arzt stürzt sich mit dem anonymen Patienten in Kostüm und Maske in das fröhliche Gewühl des Karnevals von Nizza. Nun beginnt erst eigentlich der Roman, beginnt das Spiel in der Nacht der Verwandlung: ein verwirrendes, ein bald heiteres, bald süßes, bald gefähr-
Bezeichnend war ferner, daß der Rechner nichts weiter zu tun schien, als lediglich die Post zu öffnen und sie dann den Angestellten zur Erledigung zu überlassen. — lieber Öen weiteren Verlaus der Der-
Dieser Itala-Film des Neuen Deutschen Lichtspiel- Syndikates darf als eine sehr interessante und durchaus geglückte Leistung bezeichnet werden well er einen wirklich filmgerechten Stoff (es lM nicht allzu viele, wie man aus Erfahrung weiß) mtt filmischen Mitteln gestaltet und zu losen versteht. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: natürlich gibt es ausgesprochene Filmstoffe, und wahrscheinlich sind sie nicht einmal besonders sei- ten; aber es ist ziemlich selten, daß jemanb einen entdeckt, und nicht nur entdeckt, sondern auch etwas damit anzufangen versteht. Allerdings ist es bequemer, sich eine fertige Vorlage m ^erarischer Form zu suchen und sie zu ver-fllmen. In diesem Falle gibt es keine solche Vorlage sondern em on- ninales Drehbuch — von Hans R a m e a u. Man muß es loben: der Mann versteht sem Geschäft. Er beginnt mit der Schilderung eines Stratosphären, fluqes, einer technischen Sensation unserer Zeit, wie wir ähnliches als Motiv in letzter Zelt mehrfach in deutschen und amerikanischen Filmen gesehen haben; er verzichtet jedoch auf die dort versuchte direkte Darstellung des Ereignisses, die vorläufig immer noch ein bißchen unzulänglich und ateUer- mäßig wirkt, sondern er gibt das (Ereignis mittelbar wieder, in seinen Ausstrahlungen nämlich auf bie Umwelt, und erzielt damit mindestens die gleiche Wirkung: er läßt den Zuschauer die Erregung und Spannung des Vorganges miterleben. Das ist aber nur Voraussetzung, Vorspiel und ^"^akt, nicht, wle in jenen andern Filmen, Höhepunkt und Entsche^ düng des Ganzen. Er schildert nicht so sehr das technische als vielmehr das psychologische Problem eines solchen Fluges ins Grenzenlose, in die unermeßliche Einsamkeit des Aethers — zwanzig Kilometer über der Erde. Nicht die Maschine, nicht der Motor, son- dem der lebendige Mensch steht auf einmal vor uns —: ein Mann, der über Nacht berühmt ge- worden ist und sich dennoch seines Sieges nicht zu freuen vermag, weil ihm der Sieg nur das Gefühl einer unendlichen Einsamkeit, hoch oben jo sehr wie unten auf Erden, beschert hat. Em Mann also mit einer schweren seelischen Depression, der unter den behutsamen Händen eines klugen und menschenkennerischen Arztes dem Leben wiederge- wonnen werden muß. Dazu ist fteilich notig daß
Der Angeklagte begann, wie er angibt, 1928 mit den Unterschlagungen, indem er jeweils Geld, das er benötigte, ber Tageskasse entnahm. In der Kladde, in die die Kassenein- und -ausgänge zum Eintrag kommen, und im Journal, worin alle Geschäftseingänge, wie sie sich aus Kladde und den Belegen ergaben, eingetragen wurden, stellte er die Beträge in Ausgabe, ohne aber sein Konto zu belasten. Die hohe der unterschlagenen Gelder kann er nicht angeben, doch glaubt er nicht, dah sie den Betrag von 20 000 Mark ausmachen, wie er bei der letzten Revision zugegeben hatte.
Zettschriften.
— Der Reichsverkehrsminister Frhr. von Eltz- Rübenach hat programmatische Worte dem Juliheft der „Süddeutschen Monatshefte" (Knorr & hirth, München) zum Geleite auf den Weg gegeben. Das heft zeigt Deutschland in rastloser Arbeit an der Durchdringung seines Raumes durch ein mustergültiges Verkehrsnetz. Staatssekretär Koenigs beleuchtet die Grundsätzlichkeit moderner Verkehrspolitik. Reichsbahndirektor Rudolf Meyer berichtet über Aufgabenkreis und Leistung der Reichsbahn. Staatssekretär Ohnesorge über den Nachrichtenverkehr der Reichspost. Ministerialrat Leopold unterwirft die alte Verbindungsfunktion der Wasserstraßen einer neuen Beleuchtung, wobei er sich besonders für den die großen westlichen und östlichen Wassersysteme verbindenden Mittellandkanal einsetzt. Ministerialrat Feszler schreibt über die deutschen Schiffahrtslinien. Besonderes Interesse dürfen zwei in sich zusammenhängende Arbeiten beanspruchen. „Kraftoerkehrspolitik im Dritten Reich" von Ministerialdirektor Brandenburg, und „Deutschlands neue Autostraßen" von Reismann. Der Aufsatz „Probleme des Deutschen Luftverkehrs" von Wronsky zeigt die Lufthansa bei ihrer völkerverbindenden Arbeit. Prof. Haushofer umreißt das ostasiatische Verkehrsproblem. Fritz Jaffe berichtet über die Erschließung des afrikanischen Kontinents. Einem besonderen Triumph des Menschengeistes wird Dr. Hermann Rüdiger in seiner Darstellung des „Luftverkehrs über der Arktis" gerecht.
— Das kleine deutsche Land Anhalt mit seiner Hauptstadt Dessau, seit je ein Mittelpunkt deutscher Kultur, behandelt die Nummer „Dessau-Anhalt" (Nr. 4718) der „I l l u ft ri r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig), hier rollt die geschichtliche Entwicklung Anhalts vom hart umkämpften Kolonisationsland, über die fünft» und kulturgeschichtlich bedeutsame Zeit der Fürstenherrschaft bis zur heutigen Staatsform mit feiner wirtschaftlichen Bedeutung an uns vorüber. All die Zeugen dieser reichen Vergangenheit, denen man in Dessau und seinen Schwesterstädten Zerbst, Kothen, Bernburg und Ballenstedt sowie in den Parkkleinoden um Dessau: Wörlitz, Oranienbaum und Luisium, begegnet, treten in reich illustrierten Aussätzen vor den Leser hin. Des weiteren weist das Sonderheft auf die hohe künstlerische Entwicklung Dessaus hin, die sich in seinen reichen Kunstsammlungen, in seinem berühmten Friedrich-Theater sowie in dem gesamten architektonischen Stadtbild widerspiegelt. Die wirtschaftlichen Leistungen Anhalts legen Zeug» nis ab von der inneren Kraft eines kleinen Landes, das auch in Zukunft für die Entwicklung der deut- jchen Wirtschaft von Bedeutung sein wird.
einem monatlichen Gehalt von 130 Mark angestellt. Dem Angeklagten oblag die Aufgabe, den Saldo festzustellen, die Bilanzen aufzustellen und das Journal sowie das Hauptbuch zu führen.
Bei der Aufstellung einer Abstimmung zwischen konloblällern und Hauptbuch entdeckte er im Jahre 1927 einen Fehlbetrag von 30 000 Mark. Durch Unterdrückung einiger Habenkonten brachte der Angeklagte die Abrechnung „in Ordnung". Die Jahresbilanzen wurden aufge- ftellt auf Grund der (Eintragungen im Handbuch, da diese (Eintragungen jedoch falsch waren, waren demgemäß auch die Bilanzen falsch. Bei den vorgenommenen Revisionen wurden die Revisoren durch Beiseitestellen der Kontokarten getäuscht.
An die Vorträge schlossen sich praktische Uebun- gen, wie freies Reden über ein selbstgewähltes Thema, über ein Pflichtthema, schriftliche Arbeiten und eine abschließende Diskussion, die zum Teil äußerst erheiternd wirkte und zeigte, wie die jungen Redner die geistigen Gegner des Nationalsozialismus niederzuringen versuchten, die von einigen Jugendgenossen geradezu meisterhaft gemimt wurden.
Diese Lehrgänge waren ein einmaliger Versuch, haben aber bereits ihren Wert bewiesen. Das Ziel ist, aus diesen jungen Rednern einen Stoßtrupp u schaffen, den der Gebietsführer bei besonderen Ünlässen einsetzen kann, bei Appellen und Kund^ gedungen der HI.
Der erste Einsatz wird in den ersten Oktobertagen anläßlich einer besonderen Aktion der HI. erfolgen.
71SDAV. - Amt für Volkswohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Mitte.
Lebensmittelsammlung.
Im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Mitte wird am Mittwoch, 21. August, die Lebens- mittelfammluna durchgeführt. Die Sammlerinnen werden die erhaltenen Spenden in die Mitgliedskarten vom Lebensmittelopferring quittieren. Wir bitten deshalb die Hausfrauen, die Spenden sowohl als die Mitgliedskarten ab Mittwoch, 9 Uhr, bereit zu halten. - .
Amt für Volkswohlfahrt.
Am heutigen Dienstagfrüh begann vor der Großen Strafkammer in Gießen die Verhandlung wegen der Unterschlagungen bei der Bezirkssparkasse in Ortenberg, die bekanntlich Ende vorigen Jahres ans Tageslicht kamen.
Die Verhandlung brachte zunächst die Feststellung ber Personalien der Angeklagten. Diese sind der am 26. Mai 1901 in Nieder-Ramstadt geborene Karl Müller, wohnhaft in Ortenberg, der am 25. Mai 1906 Au Usenborn geborene Aug. Leinberger, wohnhaft daselbst, und der am 10. Oktober 1906 in Ortenberg geborene und daselbst wohnhafte Walter Raab Gegen einen vierten Angeklagten, den Karl Franz aus Ortenberg, wurde das Verfahren infolge Krankheit des Angeklagten abgetrennt.
Sodann wurde der Eröffnungsbeschluß verlesen.
Der Tatbestand.
Eine im Dezember 1934 bei der Bezirks- sparkasse in Ortenberg unerwartet vorge- nommene Revision durch den hessischen Sparkassen- und Giroverband in Darmstadt ergab einen
Fehlbetrag von 107 285,86 Mark.
Seit etwa 10 Jahren waren bei dem Institut unhaltbare Zustände eingerissen. Der inzwischen verstorbene Rechner Wilhelm Raab, der Vater des Angeklagten Raab, war nicht in der Lage, die erforderlichen Prüfungen vorzunehmen und die notwendige Aufticht zu führen. Er unterschrieb, ohne sie vorher nachzuprüfen, gefälschte Bilanzen und vertraute den ihm von den Angeklagten auf seine


