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Nr. 193 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 20. August 1935

. bloß nicht am Detektor wackeln!"

Aus des Rundfunks Kindertagen. Merkwürdigkeiten zwischen Sender, Antenne und Lautsprecher.

Lierichtet von Hermann Oembeck.

Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35.

III.

Drahtlose Abenteuer" vor Z0 Zähren.

Der Aufbau der drahtlosen Telegraphie und der drahtlosen Telephome ging nebeneinander her,, die Telephonie war freilich jahrzehntelang das Stief­kind. lieber seine Erlebnisse aus den Kin­dertagen derDrahtlosen" erzählte mir der frühere Betriebsleiter der Funkstation Nauen, Neumamn, in bunter Folge eine Reihe von Einzelheiten, so wie sie in der Erinnerung ein­ander folgen.

DieAntenne"' macht sich selbständig ..

Das war im Jahre 1904, als das erste Luft- schifserbataillon gerade aufgestellt wurde. Dort gab es die erste Bersuchsabteilung für Funkentele- araphie, man arbeitete mit Knallfunken. Deutsche Feldstationen wurden damals schon für den russisch­japanischen Krieg geliefert, und nun wurde die Aufgabe gestellt, brauchbare Apparate nach Südwestafrika zu schicken, um den dort gegen die Hereros und Hottentotten kämpfenden Schutztruppen eine Möglichkeit der einwandfreien Nachrichtenübermittlung über Steppe und Urwald hinweg an die Hand zu geben.

Es kam für uns darauf an", berichtet Betriebs­leiter Neumann,in Zusammenarbeit mit Tele­funken eine neue Art von tragbaren Apparaten auszuprobieren, die eine Reichweite von 3 0 0 Kilometer haben mußten, um den einzelnen Teilen der kämpfenden Truppe wirklich von Nutzen zu fein. Wir wußten, daß mir die Reichweite nur herausbringen würden, wenn mir die Antennen entsprechend hoch leaen konnten. Wie dies aber in einem Lande ohne hohe Berge bewerkstelligen und zu einer Zeit, als man die heute üblichen 200 bis 300 Meter hohen Sendetürme noch nicht in den kühnsten Träumen erhoffen konnte? Ganz gewöhn­liche Kastendrachen und Fesselballons wurden zu Trägern der fliegenden Antennen bestimmt. Die Antennen stiegen an diesen Drachen und Ballons bis zu 250 Meter hoch. Die Mannschaften vom Luftschifferbataillon sahen uns Funkentelegraphisten meistens jedoch mit einem heiteren und einem nassen Auge kommen, denn unser Erscheinen be­deutete für die Kameraden den Beginn körper­licher Schwerarbeit. Sie mußten nämlich die unter einem Druck von 150 Atmosphären stehen­den Wasserstoff-Flaschen, die ihre 60 Kilo wogen, zum Füllen derAntennen-Ballons" heranschlep­pen, und daß dies ein wenig beliebter Sport war, läßt sich nachfühlen. Immerhin waren wir über» Haupt froh, wenn die Wasserstoff-Flaschen schon am Bahnhof zum Abholen bereit lägen denn wenn sie auf der Eisenbahn während des Transportes liegen blieben, mußten unsere Funkversuche unter­bleiben!

Im Herbst 1904 war es so weit, daß sieben Drachen-Stationen" nach Südwestafrika abgehen sollten. In Büchen sollte die Generalprobe stattfinden. Der Tag dieser Hebung sollte uns und den Luftschiftern schwere Arbeit bereiten. Ein W e st st u r m knickte erst mal zwei Kastendrachen zusammen, als wären diese aus Streichhölzern montiert. Dann setzten wir die Hebung mit einem Fesselballon fort. Das Hngeheuer war bereits ge­füllt und ein Teilstück der Antenne am Tragring befestigt, der Ballon stieg auf 50 Meter Höhe, und wir begannen mit den Sendeversuchen. Plötzlich gibt es einen harten Stoß, unsere mit Kupfer­

drähten untereinander verbundene, aus einzelnen Apparaten bestehende Station wird auseinander« aeriffen, und b e r Sender entschwebt zu­sammen mit dem von einer erfaßten Ballon, lustig an der Antenne baumelnd, nach Osten. Erst am nächsten Tage erhielten wir die Meldung, daß der Ballon mitsamt der Antenne, aber ohne das entführte" Gerät, über 200 Kilometer weit entfernt auf einem mecklenburgischen Gut gelandet war. Die Hebung war ohnehin schon ab­gebrochen worden alle sieben Stationen haben sich indessen drüben in Südwestafrika glänzend be­währt."

Iunktelegraphie im Buschkrieg.

Den Hererokrieg hat Neumann als e r ft e r Funktelegraphist auf afrikanischer Erde miterlebt. Mit welchen Schwierigkeiten da­mals gerechnet werden mußte, beweist ein anderes Erlebnis, das Neumann hier roiebergibt:Die gan­zen Funkstationen würben von uns zerlegt unb auf Ochsenkarr en geloben unb von beritte­nen Eskorten begleitet. Viel zu schaffen machte uns bamals ber fübweftafrikanifche Staub. Die Frit­ter waren bauernd zu reinigen. In ben Nächten verirrten sich bie" Flebermäufe in ben Apparaturen, unb Schlangen mußten zwischen ben Konben- fatoren unb Senbespulen herausgelesen werben. Eine Störung bes Senbers war eine sehr ernste Angelegenheit, die wir nicht immer an Ort unb Stelle beheben konnten. Wir mußten für bie Strom­erzeugung einen kleinen Benzinmotor betreiben. Eines Tages gab es einen Kolbenbruch, unb wir faßen sozusagen abgeschnitten mitten im Busch. Die Akkumulatoren gaben gerabe noch Strom her, um bei berNachbarstation", bie 150 Kilometer weiter kämpfte, einen Ersatzkolben anzuforbern. Wohlbehalten erreichte ber Heberbringer bes Mo­torkolbens unsere Station, blieb sicherheitshalber so lange, bis bie Maschine roieber lief unb fünbigte bann noch funkentelegraphisch seine Rückkehr an. Nach brei Tagen hielt bie Nachbarstation Nach­frage nach bem Verbleib bes Reiters unb am vier­ten Tage erreichte uns bie Melbung uns ergeben» ber Eingeborener, baß bie schwarzen Truppen Henbrik Witbois unseren Reiter abgeschossen hätten ..."

Dann übernahm die Atmosphäre den Dienst!"

Wir sitzen im Telesunken-Haus und sprechen über bie neuen Ergebnisse bes Ultrakurz­wellen-Empfanges.Heute verlangt es ber Käufer bes billigsten Dolksgerätes, baß ihm Stö­rungen so gut wie ferngehalten werben", erzählt ber Abteilungsleiter August L.,aber bamals, vor 30 Jahren was war bas schwierig, überhaupt erst mal bie Morsezeichen zwischen ben atmo­sphärischen Entlobungen herauszuhören, meine Herren!

Denken Sie doch bitte daran, wie weit wir über­haupt noch entfernt waren von der ersten Sieben» Röhre! Die Detektoren, die Sie 1923 und 1924 für Rundfunkemvfang fennengefernt haben, wären*für uns ja schon ein ungeheurer Fortschritt auf dem Wege zur Vereinfachung des Empfanges gewesen! Da­mals konnten wir" August L. fuhr als Bord­funker auf der JachtHohenzollern"nur bis 10 Uhr vormittags senden und empfangen, von da ab übernahm die Atmosphäre den Dienst, das Knarren und Knattern aus dem Aether übertönte auch das stärkste Knallfunken- Signal. Erst zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags konnte es wieder losgehen.

Das war iene Zeit in der Funkentelegraphie, in ber büe Matrosen ber fremben Schiffe noch bie

St. Elmsfeuer für basStrahlen ber Antenne" an­sahen unb zu ber im Küstenfunkwesen bie Wechsel­wirkung zwischen Ebbe unb Flut für uns von Be« beutung war. Währenb ber Ebbe sank nämlich bie Reichweite ber Küstenfunkstationen um 20 bis 30 Kilometer."

Er zählte erst mal seine Orden ans.

Die Begriffe von ber Zusammenarbeit im Funk­verkehr waren bamals noch nicht fest Umrissen. In ber Norbsee passierte es L., baß auf seinen Anruf aus Borkum keine Antwort zu erhalten war, ob­gleich bringenbe Staatstelegramme zu befördern waren. In Borkum saß nämlich ber Funker einer ausländischen Gesellschaft, ber bie Unterhaltungen mit ben Fischereifahrzeugen seiner Nation für wich­tiger hielt, als bem beutschen Kollegen seine Tele­gramme zur Weiterbeförberung abzunehmen. Da­mals schon würbe es klar, baß es nicht von Nutzen ist, frembe Funker im Lanbe zu haben.

Vor Lissabon ereignete sich ein l u ft i g e r Zwi­schenfall. Der Funker bes BegleitschiffesFrieb- rich Karl" müllerte morgens um 4 Uhr in ber Atmosphäre herum, aber ber Funker von Lissabon antwortete nicht, benn er schlief noch. Als sich bann enblich ber Postmeister meldete, zählte er erst mal außer seinen Namen alle in seinem Besitz befinblichen Orden auf, ähnlich, wie ein In­haber hoher Titel diese auf Visitenkarten nennt. Der Postmeister wollte nämlich vermeiden, daß ihm einer der Orden doppelt überreicht, und daß er keine zu niedrige Klasse erhalten würde.Uns brannte ber Boden unter ben Füßen, wir hatten eine Stunbe lang zu telegraphieren, aber ber Postmeister nannte zunächst eine Viertelstunde lang alle Orden mit allen Einzelheiten, von wem sie verliehen waren, wie sie aussahen und so weiter."

In einem anderen südeuropäischen Lande mußten von L. später, als er auf einem anderen Schiff fuhr, bie Angehörigen einer fremben Marine emp­fangen werben. Sie brachten bie für bie beutschen Funker unerfreuliche Gewohnheit mit, an allen er­reichbaren Abstimmknöpfen ohne ersichtlichen Grunb zu drehen. Kurzerhanb sägten bie beutschen Funker alle Knöpfe ab unb stellten bie Geräte fest auf bie

Marinewelle ein, benn auf biese Weise hatten sie nur einmal Arbeit.

Ein Wort wird meterlang.

Für bie Funker einer bestimmten außereuro­päischen Station bewahrt L. ein besonbersfreunb- liches" Angebenken. Die bort stationierten Funker konnten unb konnten bas Morse-Alphabet nicht erlernen, währenb sie mit bem einen Finger bie Tasten brückten, fuhren sie mit bem anbern über bie Alphabettafel, um sich auch ja nicht zu irren.Aber unser Empfänger lief selbsttätig weiter, unb auf biese Art verbrauchten wir für bie Aufnahme- eines Telegramms von ein paar Sätzen von ber betreffenden Station einige hunbert Meter Papier st reifen. Ein einziges Wort .dehnten^ biese Funker auf eine Länge von mehreren Metern aus!"

In einem biefer Station sehr benachbarten Hafen machten bie beutschen Funker im Auftrage von Tele­funken Versuche mit neuen Peilgeräten.Mühsam würbe eines Tages bie Peilanlage auf ein uns be­stimmtes Schiff gebracht, mit bem wir 30 Seemeilen aufs Meer hinausfahren wollten. Wir sagten bem Kapitän, baß jetzt alles bereit sei, es könne morgen losgehen.Wieso morgen schon? Da müssen Sie wohl noch 14 Tage warten, bas Schift Hot ja über­haupt keine Schraube, bie ist noch von ber Werft her unterwegs unb trifft erst übernächste Woche ein!" Der Kapitän bes Dampferchens hotte nämlich geglaubt, wir wollten unsere Peilversuche nur auf feinem Kohn ausführen!"

(Fortsetzung folgt!)

Daten für den 20. August.

1854: ber Philosoph Friebrich Wilhelm Josef von Schelling in Bad Ragaz gestorben (geboren 1775); 1914 (bis 22. August): Schlacht in ben mittleren Vo- aesen; 1914: Siegreiche Schlacht in Lothringen (Kronprinz Rupprecht von Bayern); 1915: Ein­nahme von Nowo-Georgiewsk (Moblin) burch bie Deutschen unter General von Beseler; 1917: ber Chemiker Abolf von Bayer in München gestorben (geboren 1835).

Reichsbankpräsident Dr. Schacht auf der Königsberger Ostmeffe.

3 I

Reichsbonkpräsibent Dr. Schacht auf einem Runbgang burch bie Ausstellung vor bem lettischen Stand. (Scherl-Bilberbienst-M.)

Em Musikant des Gommers: die FeWgrille.

Von Dr. Georg Stehlt.

Heiß brennt bie Sommersonne vom wolkenlosen Himmel unb sticht mit glühendem Hauch. Zitternd steht bie Luft über ben flimmernben, aoldschimmern« den, hochaufgeschossenen Saaten. Buntschillernde Falter gaukeln über bie wogenden Halme, Hummeln läuten. Runbum rufen bie kleinen Heuschrecken, stärker zirpen nahe unb ferne Tausenbe von Grillen, so laut unb so ununterbrochen ben lieben langen glühenden Tag vom frühen Morgen bis in bie Nacht hinein, daß bie Luft flirrt von bem Geselle ihrer Töne.

Dieses oft unangenehm laute Zirpen wird ver­ständlich, wenn man bedenkt, daß der an sich schwache Sington, den das Grillenmännchen zwei­mal in der Sekunde erzeugt, durch bie ganze, sehr resonanzfähige Flügelbecke (Oberflügel) verstärkt wirb. Da sich bie Flügel in ber Sekunbe sechs- bis achtmal hin und her bewegen, so werden die Schrill- kanten am Rande der Oberseite ber beiben Ober­flügel 32mal über 131 bis 138 Zähnchen ober Stege der ruhenben Schrillaber auf ber Unterseite ber» selben Flügelbecken hingeführt, was einen Ton von 131X32 = 4192 Schwingungen ergibt, bie mit ber an Grillen beobachteten Tonhöhe von c5 gut über» einstimmt. Freilich liegen biese Grillentöne sehr hoch, oft so hoch, baß sie vom menschlichen Ohr überhaupt nicht mehr vernommen werben können, aber so verzweifelt eintönig sie nun auch erscheinen mögen, bie Tiere selbst wissen buch bie verschie­densten Abtönungen unb Gefühlsäußerungen nicht nur in ihren Singsang hineinzulegen fonbern auch zu verstehen. Die Grillen können also burch ihr Gezirp verschiedenen Stimmungen und Gefühlen Ausdruck geben, haben also demgemäß schon eine ArtSprache".

Dort am nahen Feldrain streckt so ein schwarzes Grillenmännchen vorsichtig ben bicken Kopf aus seiner Wohnröhre, unruhig tasten seine Drahtfühler hin unb her. Schon kommt es vollenbs aus feinem Bau. Prall treffen bie Sonnenstrahlen auf feinen alänzenben Körper. Mit gespreizten Beinen sitzt es vor ber Einfahrt seiner Wohnröhre, gewärtig, bet der geringsten Beunruhigung sofort barm zu Der» schwinben, hebt seine pergamentenen schwarzbraunen Flügel ein wenig, reibt unb wetzt ruckweise unb hastig aneinanber, unb schon ertönt weithin Der» nehmbar sein scharfes, Helles zirp zirp, zirp hinaus in bie heiße Lanbfchast. Ab unb zu Derhclll der

Musikant unb lauscht, bann erhebt er seine Stimme von neuem. Immer heftiger schwillt biefer Singsang an; es ist, als ob sich bie Grillenmännchen gegen» Sin biesem Wettgesang um bie Gunst bes idjens zu überbieten suchen, so lebhaft, so burch- bringenb unb nahezu von überall her schwingt sich ber Jubelgesang zum Himmel empor.

Ganz aufreizenb unb herausfordernd laut ertönt, keine Spanne weit entfernt, bas Trillern eines Nebenbuhlers. Schon rücken beibe einanber näher, immer kürzer wirb bie Entfernung unter fort­gesetztem herausforbernbem schrillen Gezirp, bis sich ihre schwarzen Fühler wie Dolche kreuzen und die liebestollen Männchen in einem erbitterten Kampf übereinander herfallen. Gelingt es dem Besiegten nicht, sich schleunigst davonzumachen, dann wird er nicht selten von dem Sieger aufgefressen ober wie burch einen Triumphgesang verhöhnt. Auffallenb bie Aenberung im Ton, mit bem ber Sieger seinen Minnegesang roieber aufnimmt.

Auch ber ausbauernbfte Sänger wirb schließlich einmal belohnt. Durch leises Betrillern mit ben Fühlern macht sich ein Grillenweibchen bem in feiner Liebestollheit sich wie in einer Art Balztaub- heit befinblichen Männchen bemerkbar. Sogleich wirb bas Stänbchen unterbrochen, ber Sänger reckt sich unb streckt sich, macht schön unb spielt ben Unterwürfigen, bis er schließlich erhört wirb.

Etwa acht Tage später legt bas Grillenweibchen seine Eier in kleinen Paketchen von etwa 20 bis 40 Stück in ben warmen trockenen Sanb seiner Röhre, unb nach weiteren 14 Tagen schlüpfen bie jungen Grillen baraus hervor. Sie sehen als Larven schon ben Eltern recht ähnlich; es fehlen ihnen eigentlich nur bie Flüael, bie Musikorgane ber er­wachsenen Grillen. Gesellig unb ungebunben leben die Jungen bis zum Herbst. Erst wenn bie Witte­rung bauernb unfteunblich wirb, gehen sie an den Bau einer Röhre, unb zwar gräbt jebe junge Grille ihren eigenen Gang; niemals bewohnen mehrere Grillen einen Bau gemeinsam. Die Grille ist von jetzt an ganz seßhaft unb vereinzelt; sie verteibigt ihren Gang energisch gegen Artgenvssen, bie mit ber Arbeit noch nicht begonnen haben ober einebillige" Unterkunft suchen.

Es ist klar, baß, wenn bie ganze (Seigerei ber männlichen Grillen zur Werbung um bas Weibchen überhaupt keinen Zweck haben soll, bieses einen gut entwickelten Gehörsinn besitzen muß, um bas ihm gebrachte Stänbchen auch roürbigen zu können. Unb biese sogenanntenTympanal"-, b. h.. Gehör­organe, also bieOhren", sitzen an ben beiben Dor- berbeinen bes etwas angeschwollenen Abschnitts unter bem Knie bes Schienenbeins; schon äußerlich

finb sie bei schärferer Beobachtung als bestimmt gefärbte unb umgrenzte Felber leicht sichtbar. Bei näherer Betrachtung geben sie sich als ovale, von einer trommelfellartigen Membran verschlossene Schlitze zu erkennen. Im allgemeinen kann man sagen, baßbie auf bie trommelfellartigen Tym- panalorgane auftreffenben Tonwellen burch einen kleinen Schlauch zu ben im Hintergrund wie Orgel­pfeifen Der Gröhe nach qeorbneten winzigen Hör- stiftchen geleitet unb schließlich burch befonbere Ner­ven bem Gehirn übermittelt werben". Eine höchst seltsame Lage für ein Gehörorgan, bas so ungemein fein entwickelt ist, besten genaue Funktion aber noch nicht restlos feststeht. Im Gegenteil, bie Frage wirb um so verwickelter, als burch allerdings recht grau­same Versuche festgestellt würbe, baß bie Grillen auf bas Zirpen ihrer Artgenvssen auch bann noch ansprachen, wenn ihnen bie Vvrberbeine ganz ab» geschnitten waren unb baß ferner bie Fühler unb nicht bie Tympanalorgane bie eigentlichen Gehör­werkzeuge finb, ber eigentliche Sitz ber Schall- empfinbung also am Kopfe liegt. Schnitt man bie Fühler ab, so blieben bie Tiere gegen bas Zirpen ihrer Artgenossen gleichgültig! Unb boch! Es ist unleugbar, baß bie ganze Struktur ber Tympanal­organe auf einen Gehörapparat hinweist, ber gerabezu bas Höchsts unb Vollkommenste ist, was bie Insekten ihrem ganzen Leibesbau nach über­haupt an Hörorganen hervorbringen könnten. Man könnte also vielleicht baran benfen, baß biese wun­derbaren Organe insbefonbere bie feineren Klang- empfinbungen bes Gezirps übermitteln, bie es von bem ber oerroanbten Arten unterscheibet. Bebenklich Dabei ist nur, baß bahn bie Grillen gewissermaßen zweierlei verschiebene Ohren hätten, bie noch bazu an ganz verschobenen Körperteilen untergebracht wären. Rätsel über Rätsel, bie noch ber Losung harren.

Wie mißt man die Ermüdung des Kraftfahrers?

Sine allgemeine Fahrsicherheit ist die felbftver- ständliche Voraussetzung für die Einstellung eines Kraftwagenführers in ein Unternehmen, bas über einen größeren Wagenpark verfügt, unb diese Sicher- heil laßt sich durch eine mehrstündige Probefahrt auch verhältnismäßig leicht ermitteln. Schwieriger aber ist es. Aufschluß darüber zu gewinnen, ob die Fahrsicher- heit auch anhalt und ob bei größeren Anstrengungen eine Ermüdbarkeit des Fahrers eintritt. So sind, wie S. W i l d s in der Frankfurter Wochenschrift®ie Um» schau" mitteilt, in letzter Zeit verschiedene praktische

Prüfungen derAutomüdigkeit" vorgenommen wor­den. Es ist bezeichnend, daß der Physiologe Dr. And­rew E.Ryan seine Untersuchungen im Auftrag einer großen Autofirma zu Detroit ausführte, - denn auch den Erzeugern von Kraftwagen liegt daran zu wissen, wie ein Wagen verbessert werden muh. damit seine Führung für Aerven und Muskeln des Fahrers ein Mindestmaß an Anstrengungen erfordert. Ayan ar­beitete achtTests" aus. nach denen man eine Aeihe von Fahrern morgens und abends prüfte. Zunächst wurde an gut ausgeschlafenen Fahrern mit mäßiger Beanspruchung eine Rorm der Leistungen ermittelt, dann wurden Tausende von Kilometern durchfahren, und zwar stellte man aus je vier Fahrern eine Prü­fungsgruppe zusammen, die genau den gleichen An­forderungen ausgesetzt war. Die Verschiedenartigkeit der Reaktion auf die Tests ergab alsdann die Grade der Ermüdung, und zugleich liehen sich die Anforde­rungen der verschiedenen Wagentyps unterscheiden. Die Prüfung der Ausführung der zweckmähigen Bewegung auf bestimmte Gesichtseindrücke hin, wie Verkehrszeichen, begegnende Wagen usw.. geschah durch folgenden Kontrollapparai: Die Versuchsper­son muhte einen Messingstift so in die Locher eines kleinen Kastens einführen, dah dabei der Rand nicht berührt wurde. Ein Summer zeigte an, wenn es miß­lang; der nicht ermüdete Fahrer konnte diese Bewe­gungen fehlerlos ausführen. Weiterhin prüfte man durch einen eigens konstruierten Helm die Stetigkeit der Körperhaltung des Fahrers; alle Schwankungen des Körpers wurden genau aufgezeichnet. Die Er­müdung des Auges wurde mit Schrifttafeln gewesten, die nach längerem Ansehen bei Ermüdung nicht mehr lesbar werden, und die Aufmerksamkeit und Konzen­trationsfähigkeit wurden durch Farbflecke ermittelt, die in rafcher Reihenfolge vorgezeigt und richtig be­nannt werden muhten. Auch das einfache objektive Verfahren zur Mestung des Ermüdungsgrades, die Ziehung von zwei Strichen über Dem Unterarm, die beim Richtermüdeten als blutleere Stelle länger sicht­bar bleiben als beim Ermüdeten, fand Anwendung. Um die Leistungsfähigkeit und Die Kraftanstrengung zu ermitteln, Die ein Fahrer zur Führung Des Wa­gens benötigt, lieh Ryan am Steuer eine Vorrichtung anbringen, Die besten Drehung nach jeder Seite hin zählt. Aus zahlreichen Versuchen wurde ein Durch­schnitt ermittelt, von dem der gegen Ende der Fahrt ermüdete Wagenführer stark abweicht. Auch bie Haltung auf dem Sih wird dann öfters gewechselt, während der nichtermüdete Fahrer ziemlich ruhig in den Polstern lehnt. Um die Zahl dieser Bewegungen festzustellen, wurde in die Lehne des Führersitzes eine Vorrichtung eingebaut, die jene Bewegungen regi­striert."