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Nr.271 Drittes Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 19. November 1955

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gedanken zum Bußtag.

Von Reinhold Braun.

Wenn es uns in einer Bußtagsstunde gelingt, uns auf das bewußte Leben zu besinnen, dann haben wir schon ein gut' Teil von der lebenshelfe- rischen Macht dieses großen Besinnungstages er­lebt.

Schließlich kommt alles im Leben auf das Be- wußt-Leben an. Wir alle kennen die Tiefpunkt- Gedanken. Solch' einen inneren Tiefpunkt erleben dünkt mich heilsam, wenn man nicht willenlos auf ihm verharrt, und ferner, wenn man sich dort von neuem an Gott knüpft, von ihm neue Kraft herab- ringt. Denn ein Bußtag ohne den Doraana des inneren Ringens ist keiner.

Dazu gehört aber auch das: wirklich einmal klein Das schützt vor vielem, vor allem vor Selbstüberschätzung, von dem Das-Matz-Verlieren. Das Letzte aber ist das Gesährlichste für einen Men- fctjen und sein Tun. Der innerlich große Mensch

Die Kameradschaft des deutschen Volkes bewährt sich im Winterhilfswerk! Deutscher, du darfst nicht fehlen!

weiß, daß zu seinem Werden auch das Kleinwer­den vor Gott und sich gehört: die Demut. Es gibt kein wirkliches, heldisches Leben ohne sie. Erinnern wir uns der Wesenheit Hindenburgs eines Bei­spieles aus vielen:Als Mensch habe ich gedacht, gehandelt und geirrt!"

. roufjte sich zu neigen; darum wußte er als ein Mann zu stehen. Zu dem Erlebnis dieses schöp- serischen Kleinwerdens gehört aber auch unbedingt die Erkenntnis, daß zu allem Wollen Gottes Gnade hinzukommen muß, wenn es sich voll entfalten soll. Wer zu dieser Erkenntnis nicht hindurchdringt, oder ste in verblendetem Stolze ablehnt, wird dem Baume im immerwährenden Schatten gleichen.

Bußtag erleben, heißt, sich festigen in der Kunst, immer wieder am Anfang stehen zu können. Buß­tag will Bereitungstag oes inwendigen Grundes sein. Dazu gehört neben dem Reinigen das uner­bittliche Ansetzen der Pflugschar. Je bewußter, ziel- voller, gottverbundener das geschieht, um so besser ist es für den ganzen Menschen, seine Kraft und seine Liebe.

Wo der einzelne sich zu bewußtem Leben hin­kehrt, nicht nur am Bußtage, wird er an seinem leile helfen, daß das Ganze immer bewußter lebt auf Gott zu und die von ihm gestellten großen Auf­gaben.

Gerade der Bußtag soll uns lehren, daß der echte Menschenweg, der deutsche Weg zuerst nach innen zu gehen hat. Rur wer heimkehrt zu dem Grund des schöpferischen Lebens, wird auf die Höhe kommen.

Sornofi en

Tageskalender für Dienstag.

NSG.Kraft durch Freude": 20,30 bis 21,30 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen in der alten Pestalozzischule; 20,30 bis 21,30 Uhr Ski- Gymnastik und allgemeine Körperschule in der Schillerschule; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22,15 UhrStraßenmusik". Gloria-Palast, Seltersweg: Lieselotte von der Pfalz". Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Baboona".

Tageskalender für Vuß- und Bettag.

Stadttheater: 19 bis 22 UhrPeer Gynt". Gloria-Palast, Seltersweg:Lieselotte von der Pfalz". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Ba­boona".

Stadttheater Gießen.

Heute, von 20 bis 22.15 Uhr, zum erstenmal das entzückende Lustspiel:Straßenmusik" von Paul Schurek. Musik von Will M e i s e l. Spielleitung: Kurt L ü p k e. 8. Vorstellung im Dienstag-Abonne­ment.

Mittwoch von 19 bis 22 Uhr Wiederholung des dramatischen GedichtesPeer Gynt" von Henrik

Die neue Gießener Rollschuhbahn am Eishaus.

Es wird schon trainiert.

Seit Jahren schon pflegt die Sportabteilung des Gießener Eisvereins als Ausgleich für die manch­mal spärlichen Gelegenheiten der Ausübung des Eissports den Rollschuhlauf, dem schon eine statt­liche Anzahl von Freunden gewonnen wurden. Bis­her wurde der Rollschuhlauf in der Dolkshalle ge­pflegt. Inzwischen ist aber der Wunsch zu einer Freiluft-Rollschuhbahn in Erfüllung gegangen. In

unmittelbarer Nähe des Eishäuschens an der Schlageterftraße ist eine große ebene Betonfläche entstanden, die einen idealen Uebungsplatz für den Rollschuhlauf darstellt. Die Freunde des schönen Sportes haben denn auch sofort nach der Fertig­stellung der Bahn die Gelegenheit ergriffen und das Training im Freien ausgenommen. Reben dem Kunstlauf wird auch Rollschuhockey gepflegt. Für

die Hockeyspieler ist diese Möglichkeit als Vortrai­ning für Eishockey sehr wichtig. Unsere Bilder zeigen Freunde des Rollschusportes beim Uebungs- lauf auf der neuen Sportplatzanlage, der großen Betonfläche, die demnächst in einer offiziellen Ein­weihungsfeier ihrer Beftmmung übergeben wird.

(Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Ibsen in der Uebersetzung von Dietrich Eckart. Spielleitung Hans von Spallart; Besetzung die der Erstaufführung. Wegen des Feiertags be­ginnt die Vorstellung bereits um 19 Uhr. Die Vor­stellung ist die 8. Vorstellung im Mittwoch-Abonne­ment.

Zum Tag der deutschen Hausmusil

(Donnerstag, 21. November.)

Von der Ortsmusikerschaft Gießen der Reichs­musikerschaft in der Reichsmusikkammer wird uns geschrieben:

In diesen Tagen erfolgt eine großzügige Werbung für denTag der deutschen Hausmusik", damit eines der größten unserer Kulturgüter:Musik". All­gemeingut des deutschen Volkes wird.

Noch vor wenigen Jahren bestand eine tiefe Kluft zwischen Volk und Kunst, und besonders die Ab­geschlossenheit der Kunstmusik führte zu einer ge­fahrvollen Situation für die gesamte deutsche Musik­entwicklung, weil die Beschäftigung mit diesem Volksgut zu einer Angelegercheit für wenige gewor­den war. Der nationalsozialistische Staat schuf.hier Wandel, indem er, durch seine grundlegende andere Einstellung zur bildenden Kunst, auch auf dem Ge­biete der Kunstmusik die Voraussetzungen geschaffen hat, daß das ganze Volk wieder die Musik als treue Freundin des Lebens lieben lernt. Das Verbunden­sein des Volkes mit dieser, den Charakter, Seele und Geist bildenden Kunst roi$ aber nur dann ge­währleistet, wenn unsere Heranwachsende Jugend durch geeignete Musikerzieher zunächst durch Selbst­musizieren zum musikalischen Erlebnis geführt wird. Dabei ist der größte Wert auf häusliches M u - fixieren zu legen, denn hierdurch wird Sinn und Verständnis für das Wertvolle und Wesentliche der Musik in jeder Weise gefördert. Zur Pflege der Hausmusik im Sinne des heutigen deutschen Kultur­willens ist aber in erster Linie die deutsche Familie berufen, denn die eigentlichen Fundamente der Kul­tur liegen immer in den kleinen Gemeinschaften des täglichen Lebens. Die Familie ist die Keimzelle der großen deutschen Volksgemeinschaft, und gerade hier sollte jede Gelegenheit erkannt und verwertet wer­den, die Gemeinschaft so recht erlebnishaft zu ge­stalten. Dafür ist nichts geeigneter als gemeinsames häusliches Musizieren, denn gute Musik ist die

Kunst, welche das Herz jedes Menschen findet und zu wertvoller Bereicherung des Ledens führt.

Um für die deutsche Hausmusik überzeugend werben zu können, wird die Fachschaft III in der Reichsmufikkammer am Tag der Hausmusik (21. No­vember) ein Vorspiel von Hausmusik in derNeuen Aula" veranstalten, zu dem alle Musikfreunde herz­lich eingeladen sind. (Siehe heutige Anzeige.)

Vere d q ng junger SA -Männer

Die Vereidigung der HI des Kreises Gießen, die am 9. November in die SA. übergetreten ist, findet am kommenden Sonntag, 24. November, 11 Uhr, im Stadttheater statt. Im Anschluß an die Vereidigung folgt die dramatische SzeneSchach dem Zaren", gespielt von Mitgliedern des Stadttheaters.

Personenstandsaufnahme des iieichsluststhutzbundes.

Ortsgruppe Gießen.

Die Hessische Polizeidirektion gibt bekannt, daß im Laufe der Monate November und Dezember der Reichsluftschutzbund Ortsgruppe Gießen für jedes Haus eine Personenstandsaufnahme zwecks Er­fassung der Selbstschutzkräfte durchführt. Die Be­völkerung wird angehalten, die Angaben auf das Gewissenhafteste zu machen. Meusel.

Deutsche Arbeitsfront.

Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung. Beginn der Lehrgänge.

Die Lehrgänge der Berufserziehung werden in den nächsten Tagen beginnen

Anmeldeschluß: Samstag, 23. No­vember.

Bis zu diesem Tage können Anmeldungen bei der Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18, Zim­mer 7, abgegeben werden.

SportamtKraft durch Freude".

Heute folgende Kurse:

Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pesta- lozzischule, Wernerwall.

Schwimmen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr für Frauen und Männer, Volksbad.

Reiten: Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs.

Am kommenden Freitag beginnt um 21 Uhr in der Reitschule Schömbs ein neuer Kursus für Ski-Trocken. Anmeldungen nimmt das Sport­amt, Schanzenstraße 18, entgegen.

Oer Führerschein entzogen.

Vor dem Kreisausschuß des Kreises Gießen als Verwaltungsgericht wurde gestern der Einspruch des Kraftwagenführers F. W. K n ö ß von Lich verhan­delt, dem durch eine Verfügung des Kreisamtes der Führerschein entzogen worden war. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß Knöß sich als Kraftfahrzeugführer als unzuverlässig erwies, Ver­kehrsregeln nicht beachtete, ohne Licht und ohne gekennzeichneten Wagen fuhr, feinen Führerschein verpfändete und lange Zeit nicht einlöste, mit feinen Lastkraftwagen Transportgefährdung hervorrief und dergleichen Dinge mehr. In der Verhandlung konnte der Kläger die vorliegenden Tatsachen ernst­haft nicht bestreiten. Das Verwaltungsgericht kam zu dem Beschluß, den Einspruch als unbegründet kostenpflichtig abzulehnen.

Sammlung von Schrott.

Von der Bürgermeisterei Gießen werden wir um den Abdruck der nachstehenden Zeilen gebeten:

Wie von der Reichsregierung und den führenden Stellen der Partei immer wieder betont wird, be­deutet nicht allein Sparsamkeit und der Wille, am großen Werk des Wiederaufbaues mitzuarbeiten, wirksame Hilfe. Auch die Beachtung der kleinsten Dinge im täglichen Beruf und Leben jedes einzel­nen Volksgenossen bilden Sandkörner am Bau des Vaterlandes.

So wird z. B. der Sammlung von Abfällen aller Art, insbesondere von Metallen in den Haushal­tungen, teilweise noch nicht die Bedeutung beigelegt, die ihr eigentlich zukommt. Hier fehlt es meist nur an Ueberlegung. Ein jedes Kilo Alteisen, Blech oder Blei usw. bedeutet, wenn es gesammelt und der Industrie wieder zugeführt wird, eine Erspar­nis an Einfuhr von Rohstoffen und damit an Zahlungsmitteln. Es herrscht vielfach Unkenntnis

AEG

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Haushaltgeräte erprobt bewährt Bezucr d. d. Fachhandel

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Roman von Frank $. Brann.

15 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er machte sich kein Gewissen, den Gefährten zu betrügen. Die Ehrlichkeit und Treue der Verbrecher untereinander besteht nur in Romanen. In Wirk­lichkeit steht jeder für sich.

Jolly wußte genau, Basilius hätte ihn gegebenen­falls gerade so glatt fallen lassen. Daß dies m den Plänen Basilius' schon geschehen war, ahnte er freilich nicht. v f

Die Fahrt war noch nicht zu Ende, als Dber= inspektor Reußing schon zu sich kam. Ehe er sich jedoch hätte irgendwie orientieren können, stülpte ihm Jolly einen im Wagen bereitgehaltenen dunk­len Sack über den Kopf, daß Reußing nichts mehr sehen konnte.

Verhalten Sie sich ruhig", zischte Jolly, ,,ie weniger Schwierigkeiten Sie uns machen, um so besser läuft die Sache für Sie ab".

Reußing schwieg. Sein Schädel brummte, als habe er einen schweren Schlag über den Kopf be­kommen. Er sah nichts mehr, aber er bekam ge­nügend Lust.

Ich werde in einem Auto gefahren, der Wagen fährt schnell, aber nicht so schnell, wie er auf einer Chaussee fahren würde. Da jetzt klingelt eine Straßenbahn. Wir sind also noch in der Stadt. Ich kann mich nicht rühren; meine Hände sind gefesselt. Stahlhandschellen moderner Konstruktion. Der Mensch neben mir wird Jolly fein; am Steuer sitzt gewiß Basilius. Ich bin der Bande Basilius' ins Netz gegangen. Das ist gefährlich; es geht auf Leben und Tod. Wenn nur der fürchterliche Druck im Kopf nicht wäre, diese Chloroformnach­wirkung. Die Füße sind frei. Dem Jolly vor den Magen treten... aber ich kann mchts sehen.ab- ^Er^verhielt sich regungslos Jolly mochte an­nehmen, er sei wieder bewußtlos geworden. Viel­leicht gab er sich eine Blöße.

Aper der Oberinspektor irrte ßch; er unterschätzte nochmals seine Gegner. Jolly wußte genau, roie weck die Wirkung des Betäubungsmittels reichte

und daß Reußing sich jetzt verstellte. Aber er war das sehr zufrieden. Auf die Art hatte er keine Mühe mit dem Mann.

Der Wagen hielt genau vor dem Neubau. Jolly stieg aus. Die Straße lag vollkommen menschenleer. Gemeinsam mit Basilius packte er Reußing unter den Armen und zog ihn in den Hausflur. Basilius fuhr erst den Wagen in eine andere Straße, wo er nicht auffallen konnte, während dessen Jolly mit seinem Gefangenen in den vierten Stock stieg.

Reußing zählte die Stufen. Er spürte und stellte fest den frischen Geruch von Farben und Lack. Aber was konnte das nützen?

Resigniert folgte er der Anweisung Jollys und betrat das Zimmer. Er hustete, er wollte am Schall die Weite des Raumes feststellen, aber Jolly nahm ihm die Hülle vom Kopf, und er durfte mit eigenen Augen sich überzeugen, wo er sich befand.

Viel gab es da nicht zu sehen. Ein tapetenloser Raum. In der einen Ecke ein Feldbett mit einer Decke daraus; das Fenster in gewohnter halber Höhe... wohin sah man von hier aus?

Der Oberinspektor tat einen raschen Sprung zum Fenster. Keineswegs gedachte er etwa, sich hmaus- zustürzen, aber er wollte erfahren, wo er sich be­fand. Doch Jolly war rascher als er und hielt ihn unsanft zurück. Er gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß der Oberinspektor die Balance verlor und auf das Lager taumelte, sonst wäre er ge­fallen. Jolly war sofort bei ihm.

Wenn Sie nicht ruhig in Ihrer Ecke bleiben können, muß ich Ihnen auch die Füße fesseln."

Seine Worte waren eigentlich nur eine Drohung, aber er ließ gleichzeitig die Tat folgen. Ehe Reu- ßina sich recht versah, saß er mit gefesselten Füßen auf der Pritsche. Geschickt hatte Jolly die Kette, die Reußings Füße verband, auch noch durch eine Oese des Bettes gezogen. Wollte Reußing nicht das Bett mit sich durch den ganzen Raum zerren, war es chm nicht mehr möglich, an das Fenster zu ge­langen. r

Er sah seinen Gegner an.Jolly , sagte er, ,Has kommt euch diesmal sehr teuer zu stehen."

Der einzige Schauspieler verzog das Gesicht.Sie zahlen, Herr Reuhmg", meinte er spöttisch,nicht wir!"

Basilius, eben angelangt, hörte die Stimmen und kam vom 'Nebenraum herein.

Gerade sagte der Oberinspektor:Wenn Sie sich nicht doch irren! Ich wußte, daß ihr in der Stadt wart. Vielleicht habe ich bestimmte Vorkehrungen getroffen. Denn" die überlegene Andeutung einer Verbeugung begleitete feine Worteich weiß ja nur zu gut, mit wem ich es zu tun habe."

Basilius sah den Beamten an.Sie reden noch immer so viel und so klug, Reußing", stellte er trocken fest.Wenn Sie wußten, daß wir in Ham­burg waren, warum nahmen Sie uns, oder wenig­stens mich, nicht fest wie damals?"

Reußing blickte den Sprecher an.Ich hatte keine Beweise gegen Sie, Basilius."

Ah, das gestehen Sie ein?" Basilius lachte Jolly an; der zwinkerte zurück.Sind Sie immer so aufrichtig?"

Reußing nickte sachlich.Diesmal sollten Sie mir nicht wieder mit zwei Jahren davonkommen, des­halb wartete ich mit dem Zugriff. Leider zu lange. Schon ist wieder ein Opfer an eurem Weg des Schreckens. Ihr habt den Sekretär Zerny ermordet."

Gewiß", gestand Basil kalt.Der Zerny wurde lästig. Genau wie Sie lästia werden, Reu­ßing. Aber Sie sind ein Mann in Amt und Wür­den. Es wäre nicht richtig, Ihnen hinterrücks eins über den Kopf zu geben oder Ihnen eine blaue Bohne unter die fünfte linke Rippe zu jagen. Der Fall würde zuviel Aufsehen machen.

Reußing sah die beiden Komplicen der Reihe nach an. Dann schaute er weg.

,^Jhr endet alle, wie ihr es verdient", sagte er furchtlos.

Aber was nützte ihm solche kühne Rede. Seine Lage war verzweifelt. Entführt, dazu in Fesseln, war er den beiden einfach ausgeliefert auf Gnade oder Ungnade; und eine Gnade kam hier nicht in Frage.

Basilius trat ein wenig näher. Er überprüfte die Fesseln und fand sie in Ordnung.Was glauben Sie, Reußing, wie Sie enden werden?", meinte er.

Der Oberinspektor sah die Sinnlosigkeit ein, hier zu antworten. Er zuckte die Achseln. Laßt mich mit dem Gerede in Ruhe, sollte das heißen.

Aber Basilius nahm an, Reußing habe mit der Bewegung ein Nichtwissen ausdrücken wollen. Er nahm das recht gern an, denn es gab ihm Ge­

legenheit, diesem Gehaßten einen Schrecken einzu­jagen. Des Oberinspektors Sicherheit ärgerte ihn.

Ich könnte Ihr Ende voraussagen, Reußing", lächelte er giftig,aber ich will Ihnen nicht die Erwartung nehmen. Sie haben voraussichtlich noch mehrere Stunden Zeit."

Jolly hatte im Nebenzimmer auf dem Spiritus­kocher eine Mahlzeit aus Konserven warm gemacht.

Basil", rief er,das Essen!"

Basilius ging hinaus. Reußing blieb eine Weile allein. Er versuchte keine Bewegung. Die Fesseln waren gut angelegt. Er hätte sich nur weh getan. Er hörte, wie im Nebenzimmer die beiden Ver­brecher sich gedämpft unterhielten.

Was sie besprachen, verstand er nicht, aber ihm war, als habe er einige Male seinen Namen ge­hört. Er bedauerte, daß die beiden Verbrecher an­scheinend die Wohnung nicht wieder verlassen woll­ten. Wußten sie, daß man auf sie fahndete, blieben sie deshalb im Hause und machten sich ein Essen zurecht? Schade, seine Aussichten, bald befreit zu werden, wurden geringer, wenn die Burschen nicht ihre Spur verrieten.

Nach nicht langer Zeit kam Jolly mit einem Teller, auf dem ein Gericht dampfte. Er setzte es auf einen Stuhl vor dem Oberinspektor hin, so daß Reußing auch mit den gefesselten Händen den Löffel handhaben kannte.

Ich habe Ihnen das Fleisch klein geschnitten", sagte er,ein Messer wäre in Ihren Händen nicht gut." Dabei zoa er eine kleine Glastube aus der Westentasche und streute ein weißliches Pulver über das Essen. Das Pulver löste sich sofort auf.

Dann ging er wieder zu Basilius hinüber.Ich habe ihm ein bißchen Salz über das Esten ge­schüttet", lachte er gedämpft,nun sitzt er davor und wagt sich sicherlich nicht daran; natürlich denkt er, wir wollen ihn vergiften."

Basilius erhob sich sofort.Das ist Unfug, Jolly", sagte er.Der Mann soll kräfttg essen. Er muß vollkommen gesund sein und bei guten Kräften. Es darf kein Verdacht aufkommen." Er drehte Jolly sich zu.Wahrhaftig Salz?" fragte er und sah seinen Freund ernsthaft an.

Jolly nickte.Natürlich, ich kenne doch die Ver­abredung."

(Fortsetzung folgt!)