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Ur. 219 Erstes Blatt

185. Jahrgang

Domtcrsfög, 19. September 1935

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Deutsches Emtedanksest.

Bon Friedrich Bubendey.

Solch ein Gewimmel möcht' ich sehn. Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Goethe, Faust.

Wenn am Erntedankfest auf dem Bückeberg die Fahnen des Dritten Reiches hochgehen, schmetternde, Helle Fanfaren den Beginn des Festes künden, deutsche Bauern und Bäuerinnen aus allen Gauen des Reiches Kopf an Kopf gedrängt, unter freiem Himmel, freudig gestimmt, versammelt stehen, dann werden nicht nur ihre Herzen in Dankbarkeit höher schlagen, sondern mit ihnen die des ganzen deutschen Volkes.

Zum dritten Male vollzieht sich dieses Wunder der Einswerdung von Stadt und Land. Fast haben wir es schon vergessen, daß es einmal eine Zeit gab, in der der Erntetag, mühsam hier und dort begangen, nur einen kleinen Teil des Volkes umfaßte, während der andere entweder mit gleichgültigem Unverstand oder gar lächelnd über verstaubtes Bauernbrauchtum" abseits stqnd. Heute jubelt ein einiges Volk, denn es weiß, was es be­deutet, wenn der letzte Wagen mit dem goldenen Segen der Felder knarrend und schwankend in das Hoftor eingebogen und damit die Ernte des Jahres geborgen ist.

Bunt von Farben Auf den Garben Liegt der Kranz.

Es war eine bittere Lehrzeit, die das deutsche Volk durchmachen mußte, bis es begriff, daß die- fer bunte Erntekranz, dieses Zeichen vollendeten Herbstes ein Sinnbild deutscher Nah­rung s f r e i h e i t ist. Denn auch über diese deutsche Nahrungsfreiheit glaubte eine Zeit sorglos und lächelnd hinwegsehen zu können; eine Zeit, die in dem Farmer in Uebersee den willigen und bil­ligen Lieferanten, in dem geschäftigen, internatio­nalen Börsenhändler den stets bereiten Makler dessen sah, was sie für des Leibes Notdurft und 'Nahrung gebrauchte.

Bis dann ein jähes Erwachen diesen Traum menschlicher Verbrüderung erbarmungslos zer­störte! Heute weiß die Stadt, daß auch ihre Fcei- lheit aufs engste mit der Freiheit des Dorfes, des Deutschen Bauern verknüpft und schicksalhaft ver- Ibunben ist; daß auch der Bauer, der Erzeuger auf Dem Lande, zum willkommenen Verbraucher in der 'Stadt wird; und daß das WortAm stärksten ist ider Mächtige allein" für ein Volk, das den Willen ,zum Aufstieg, zur Selbstbehauptung und zur «ewigen Freiheit in sich trägt, neue Geltung hat.

Aber ist es nur die wiedererlangte Nahrungs- Areiheit, die die Herzen des deutschen Volkes am Erntedankfest und Bauerntag höher schlagen läßt? Äst dieses Wiedererstarken deutschen Bauertums, das Jahr um Jahr auf dem Bückeberg unter wehenden SHakenkreuzfahnen sichtbarer wird, nur eine Frage Der Leibesnotdurft? Fließt nicht die Quelle des Deutschen Blutstroms am stärksten und lautersten im deutschen Dorf? Erneuert sich nicht won hier aus immer und immer wieder die Kraft unb die Seele des deutschen Volkes? Und stirbt nicht Lin Volk aus, entartet eine Rasse nicht, wenn sein Wauerntum in der Not des Alltags und in der Bedrückung der Armut dähinsiecht und dann ver- ifiegt?

Es gibt nichts Kostbareres auf dieser Erde als Lie Keime edlen Blutes". Wenn so der Reichsbauern- sführer Darre spricht, dann weiß er auch, daß diese Keime draußen in der gesegneten freien Natur Zum Wohle des ganzen Volkes sprießen iunö zum Licht drängen. Und wenn er hinzufügt .Deutschland muß wieder ein kinderfrohes Land ebendigen Wachstums werden!", so weiß er eben» ifalls, daß lebendiges Wachstum nur an der Sonne ves freien Landes und nicht zwischen steinernen Mauern und auf Asphaltstraßen gedeihen kann. So auch nur ist das Wort unseres FührersDas Deut­sche Reich wird ein Bauernreich sein, oder es wird nicht fein!" zu verstehen. Wenn hämische Zun­gen vermeinen, es aussprechen zu müssen, daß wir doch nicht alle wieder Bauern werden können, daß wir das Rad des Weltgeschehens doch nicht zurück- izudrehen vermögen, so bekunden sie damit nur ihren Llnoerftanb und ihr Unvermögen, das Geheim­nis der Scholle zu spüren.

Denn dieses Erspürthaben des Geheimnisses der schölle ist zum dritten der tiefe Grund, weshalb nm deutschen Bauerntag das ganze Volk in Dank­barkeit« ergriffen ist. Es hat zur heiligen Mutter Srbe zurückgefunden! Es atmet wieder den fri= ,'chen Erdgeruch der umbrochenen Ackerfurche. Es ifteht wieder aufrecht zwischen deutschen Feldern, deutschen Wiesen und deutschen Wäldern. Es reckt nie Arme wieder im Sonnenlicht zum Blau des Himmels empor. Es sieht aus dieser Erdoerbunden- ioeit heraus wie im letzten Arbeiter in der Fabrik auch im letzten Knecht und in der letzten Magd wieder seine Volksgenossen.

Ja! Das ganze Deutschland ist's, das !oas Erntedankfest in dem ihm wiedergeschenkten, Scheren Wissen begeht, daß Freiheit und Brot, Blut und Ehre, nur aus dem heiligen Boden .'»eutscher Bauernerde erwachsen kann. Wir kön­nen nicht alle Bauern sein, so wenig wie wir alle Soldaten sein können. Aber deutsche Bauernart wll unser Wesen ebenso bestimmen wie deutsche Soldatenart! So verstehen wir auch das Wort BismarcksIch bin stolz auf diese Bauernabstam- -nung!". Diese Abstammung war der Adel Bis­marcks, wie der Dichter Hermann Löns sagt:

Ein adlig Volk sind sie, diese Bauern, adlig an Blut und Sinn;

denn Adel ist Rasse, einen andern gibt es nicht.

Zuspitzung des Abessinien-Konflikts.

Der Vorschlag des Fünfer-Ausschusses.

Genf, 18. Sept. (DNB.)' Die Vorschläge zur Regelung des italienisch-abessinischen Streites sind vom Fünferausschuß heute vormittag endgültig a n- genommen worden. Der Plan soll von dem Grundsatz einer finanziellen, wirtschaftlichen und verwaltungsmäßigen Hilfeleistung für A b e f f i n i e n ausgehen. Diese Hilfe soll unter der Aufsicht des Völkerbundes zum Zwecke der Modernisierung des abessinischen Staatswesens gewährt werden. Die Spitze dieser Organisation soll der vom Völkerbundsrat zu ernennende Ober st e Berater bilden. Ihm und den ihm untergebenen Beamten soll eine inter­nationale Polizeitruppe zur Verfügung stehen, jedoch soll weder der Oberste Berater noch seine beiden Stellvertreter einer der drei angren­zenden Mächte angehören, also weder Franzosen, Engländer oder Italiener sein dürfen. Der gleiche Grundsatz soll für die Zusammensetzung der inter­nationalen Polizei gelten. Während so eine poli­tische und militärische Kontrolle über Abessinien ausgeschlossen wäre, sollen die wirtschaft­lichen Wünsche Italiens weitgehend berücksichtigt werden. Auch wird von einem gebietlichen Ausgleich im Süden und im Osten Abessiniens gesprochen, wobei daran gedacht sein soll, Abessinien gegen die Abtretung der Provinzen Ogaden und Danakil einen Gebietsstreifen entlang der englisch-französischen Somaligrenze mit Zeila und Dschibuti zu­zuteilen. Diese territorialen Fragen sollen jedoch bis zur Annahme des Planes noch offen bleiben.

Frankreich plädiert für Annahme.

Paris, 19. Sept. (DNB. Funkfpruch.) Trotz der Sympathie, die unter Wahrung des Völker- bundsvorbehaltes die französische Oeffentlichkeit Italien entgegenbringen mag, hat d i e Haltung Englands in Paris doch zur Besonnen­heit angeregt, so daß mehrere Zeitungen jetzt Mussolini beschwören, die Dinge doch nicht auf die Spitze zu treiben und s i ch mit dem Angebotenen zufrieden zu geben, ohne den Frieden in Gefahr zu bringen. DasEcho de Paris" schreibt z. B.: England wolle Italien nur besondere wirtschaftliche Belange zu- erfennen, aber Mussolini lege auf die militä­rische Handlungsfreiheit besonderen Wert. Der Duce würde trotz allem klug daran tun, wenn er den Genfer Vorschlag grundsätzlich a n n e h m e; denn die englischen Flottenbewegun­gen ließen schwerwiegende Ereignisse befürchten, wenn die faschistische Regierung an ihrer militärischen Expedition festhalte. Mussolini würde, wenn er verhandeln würde, sich um den Frieden wohl verdient machen, und Frankreich würde nichts unterlassen, um ihm die Erfüllung dieser Absichten zu erleichtern.

Petit Parisien" erklärt unter Hinweis auf die Verwickelung der Lage durch die englischen Flotten­maßnahmen, eine Großmacht wie Italien könne ein so großzügiges und unverhofftes Angebot, wie das in Genf gemachte, annehmen, ohne dabei ihr Prestige zu opfern. Im Gegenteil die Durch­führung der Genfer Anregungen könne den Ruhm Italiens nur steigern, und biete keinerlei Nachteile. Die Haltung des Völkerbundes bezeuge eine hohe Achtung vor der italienischen Macht, ein sympathisches Verständnis für Italiens lebensnotwendige Bedürfnisse und den heißen Wunsch, weiter mit ihm an allen Werken zusam- menzuarbeiten, die die Wahrung des Friedens und

des gemeinsamen Erbes der europäischen Zivilisa­tion zum Gegenstand haben.

Journal" berichtet aus Genf, in französischen Kreisen sei man der Ansicht, daß der Plan des Fün­fer-Ausschusses bei loyaler Anwendung und wenn man den Italienern eine vorherr­schende Rolle einräumen würde, in einigen Jahren in Abessinien zu einer Zusammenarbeit führen könnte, wie sie Frankreich in Ma­rokko durchgeführt habe. Die Italiener müßten die Geduld haben, sich diskret unter dem Deck­mantel des internationalen Mandats in Abessinien fe st zusetzen. Damit aber eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zustande komme, müßten die Engländer ihre Einschüchterungs­taktik aufgeben.

DasOeuvre" stellt zwar die Möglichkeit, daß die englischen und die italienischen Geschütze in zwei Monaten gegen einander donnern, nicht in Abrede, glaubt aber, daß Mussolini durch die englischen Vorbereitungen immerhin in den nächsten acht Tagen vielleicht dazu bewogen werden könne, den Genfer Vorschlag als Verhandlungsgrund­lage anzunehmen. Der Duce sei sich darüber klar, daß die Engländer diesmal zum Krieg entschlossen seien, daß ihm nur die ita­lienischen Streitkräfte zur Verfügung stünden und daß allerdings Frankreich hinsichtlich der Sühne- maßnahmen eine gewisse passive Haltung einnehmen werde.

Italien läßt sich nicht mit Wösten abspeisen.

Ironische Zurückweisung des neuen Fünfer-Vorschlags.

Eine Unterredung mit Mussolini.

Der Duce fordert militärische Genugtuung.

London, 19. Sept. (DNB. Funkspr.) Der Berichterstatter desDaily Mail", Ward Price, hatte eine Unterredung mit Mussolini, die sich auf Presseberichte bezog, wonach die V o r- schlagedes Fünfer-Ausschusses noch we­niger günstig für Italien feien, als die englisch- französischen Vorschläge von Paris. Der Kor­respondent berichtet, M ussolini habe erklärt:

Der plan ist nicht nur unannehmbar, sondern auch lächerlich. Es sieht so aus, als ob der Völkerbundsausschuß glaubt, ich sei ein Sammler von Düsten.. Ich werde den Bericht selbst erst später vor mir haben, aber wenn die von den Nachrichten- Agenturen telegraphierten Meldungen zulref- fen, dann scheinen die Vorschläge ironisch gern»* n f zu sein. Es wird anscheinend an­geregt, Italiens Bedürfnis nach Ausdehnung in Ostafrika solle durch Abtretung von ein paar Wüsten befriedigt werden, einer Salzwüste und einer Sleinwüste. Dies sind nämlich die Wüsten von Danakil und

Ogaden."

Mussolini fragte lachend, ob man ihn für den Hel­den in einem der Bücher von Mark Twain, dem großen amerikanischen Humoristen, halte, der so ver­liebt in Echos war, daß er 3 ro e i Serge mit schönen Echos kaufte, und sich ein Haus dazwischen baute. Er fügte hinzu, er habe v 0 nden Franzosen vor kurzem 110 000 Quadratmeilen der Wüste Sahara erhalten. In diesem Gebiete wohnten genau 62 Menschen, die man nacf) langem

mühseligem Suchen in einem einsamen Tal gefun­den habe, wo zufällig genug Wasser vorhanden war. Das D a n a k i l - L a n d fei der Boden eines getrockneten Meeres und bilde eine Wüste wei­ßen Salzes von 200 Meilen Länge. Dort wachse nicht ein Grashalm, und nicht einmal ein Abessinier könne dort Lebensunterhalt finden. Die Wüste von Ogaden sei eine Steinwüfte. Mit einer Sand- wüste könne man noch einiges anfangen. Einige Strecken der Lydischen Wüste in Italienisch-Nord- afrika seien bewässert und dadurch bewohnbar ge­macht worden. Aber in einer ausgetrockneten Wild­nis gewaltiger Felsblöcke könne nichts wachsen.

Bei der Einrichtung einer internationa­len Verwaltung und Gendarmerie sei Italiens Vertretung anscheinend nicht vorgesehen. Es scheine angeregt zu werden, daß die 2 0 0 0 0 0 italieni­schen Soldaten in Ostafrika nach hause gebracht werden sollten, und daß ihnen er­zählt werden solle^ sie hätten nur einen Ausflug gemacht. Dies werde unter keinen Umständen geschehen.

Der Ausschuß würde sich besser an die Haupt­sache bei der abessinischen Frage gehalten haben, nämlich die Tatsache, daß es nichts derartiges gebe, wie eine abessinische Nation. Es handele sich um ein Herrenvolk, nämlich die Amharas, die über besiegte und zu Sklaven gemachten Stämme herrschten. Diese unterdrückten Rassen Abessiniens würden sich unter italienischer Herrschaft viel besser fühlen, während dem wahren Abessinien, dem Land der Amharas, geholfen werden könnte, eine anständige Stufe der Zivilisation durch ein Regime zu erreichen, das mit dem Anfangsregime im Irak oder dem noch in Marokko gültigen Regime Ähnlichkeit hätte.

Englische Noiienkonzeniraiion im Mielmeer.

Die drohende Nähe des Kriegsausbruchs hat im Mittelmeer Bewegungen hervorgerufen, wie sie feit über hundert Jahren in dieser weltpolitisch verhält­nismäßig ruhig gewordenen See nicht mehr zu ver­zeichnen waren. Der Charakter des italienisch-abessi­nischen Konfliktes als eines Kampfes um die künf­tige Beherrschung des Mittelmeeres tritt immer deutlicher hervor. Namen, die in der früheren Ge­schichte und ihren Kämpfen um die Seeherrschaft eine große Rolle spielten, wie Gibraltar, Malta, Cypern, Suez, Alexandrien, die im Bewußtsein der

heutigen Generation fast nur noch als Erinnerungs­punkte einstiger Weltereignisse lebten, treten mit einem Schlage wieder plastisch in den Schein der Politik. Wie dem Schiffer das Gebaren bestimmter Seevögel das Heraufziehen eines Sturmes anzeigen, fo scheint der rege Verkehr von Kriegsschiffen, der sich jetzt im Mittelmeer zeigt, das politische Unwetter zu verkünden, das man in Genf vergeblich zu be­schwören sucht.

England hat feine ganze Mittelmeerflotte teils auf der Reede von Gibraltar, teils am Suezkanal

Nie wieder soll es darum in Zukunft heißen:Hie Stadt hie Land!",Hie Bürger hie Bauer!" Eingedenk des Wortes Friedrichs des Großen:Die Landwirtschaft ist die erste aller Künste, ohne sie gäbe es keine Kaufleute, Dichter und Philosophen", soll das ganze deutsche Volk, jeder an seinem Platz, gemeinsam den großen Acker bestellen, der da heißt: Deutschland!

So, als ein freies Volk auf freiem Grund, haben wir aber auch ein Rechtin fröhlichem Gewimmel" den Tag des deutschen Erntefestes, den deutschen Bauerntag zu begehen. Die Teilnahme an dem großen Staatsakt der Reichsregierung auf dem Bückeberg fei unser aller Dank an den Führer für die Rettung des deutschen Bauerntums.

Oas Erntedankfest-Abzeichen

Wieder steht eine ganze Nation vor dem Danktag für die Ernte, wieder gedenkt ein schaffendes Volk des deutschen Bauern, der in zäher und mühevoller Arbeit im Laufe eines Jahres dem Boden all das abgerungen hat, was diese deutschen Menschen zum täglichen Brot brau­chen. Die Scheuern sind gefüllt mit der diesjährigen Ernte, die gottlob nicht schlecht war, und mit stol­zer Freude kann man daher in Stadt und Land den Erntedanktag am 6. Oktober begehen. Die Verbundenheit des ganzen deutschen Volkes mit dem deutschen Bauerntum soll auch diesmal wieder dadurch zum Ausdruck kommen, daß überall ein Erntedankfest ab Zeichen getragen wird.

Das diesjährige Erntedanktagsabzeichen besteht aus zwei Aehren, die mit einer Kornblume zu einem Sträußchen gebunden sind. Dieses Abzeichen wird im Grenzlandkreis Annaderg-

Obererzgebirge von taufend fleißigen Hän­den hergestellt. Der Grenzlandkreis Annaberg-Ober- erzgebirge, hart an des Reiches Südgrenze, galt im den Städten wurde schon sehr früh das Banner der Freiheit aufgezogen. Schon früh rief hier unser Führer die Erzgebirgler zum Kampf auf (Früh­jahr 1929 in Annaberg) und feit diesem Tage wird im Geiste des Nationalsozialismus eine treue Grenz­landwacht gehalten.

Ehedem wurde diese Gegend durch Bergleute aus dem Harz besiedelt, als man reichen Silbersegen in den undurchdringlichen Wäldern entdeckte. Als dann später dieser Segen versiegte, stand eine brave Bürgersfrau, Barbara U 11 m a n n , auf und lehrte die Frauen und Mädchen das Klöppeln. Die Spitzenklöppelei hat sich dann zu einem In­dustriezweig entwickelt, der heute noch Tausende treue Waldbewohner ernährt. Krieg und Nach­kriegszeit haben jedoch auch diese Industrie fast völlig vernichtet und furchtbare Erwerbslosigkeit hat den Kreis Obererzgebirge heimgefucht.

Die Reichspropagandaleitung erkannte die Not im Obererzgebirge und vergab nach dort einen Riesenauftrag a u f Herstellung von 16 Millionen Ernte st räußchen. Ein Jubelsturm ging durch Städte und Dörfer dieses Landstriches. Langsam begannen sich wieder die Räder zu drehen. Allein 130 Galonmaschinenfabri- ken wurden bedacht und über 500 Maschinen wie­der in Gang gesetzt. Gewaltig sind die Material­mengen, die für die Anfertigung erforderlich waren: A,5 Millionen (Salon, 22,5 Millionen Meter Papier­bändchen in vier Zentimeter Breite, 1500 Kilo- Sachsenland von jeher als eine der ältesten nationalsozialistischen Hochburgen.

Hier oben in den Dörfern des Gebirgskammss und gramm Kunftseiden-Roßhaar, 700 Kilogramm Zwirn, 1500 Kilogramm Binde- und Wickeldraht, 32 Millionen Stiele für Kornähren aus einem Kunstseidenprodukt, große Mengen Bindekaltleim usw. 16 Millionen Kornblumen, die zum Teil «im Grenzlandkreis Marienberg hergestellt wurden, roll­ten in 18 Eisenbahnwaggons an. Würde man die Abzeichen hintereinander legen, so ergäbe sich eine Strecke von über 1700 Kilometer. Die Abzeichen sind in Pappkartons zu je 100 Stück verpackt. Diese 160 000 Kartons übereinandergestellt ergeben eine Höhe von 4800 Meter. Insgesamt dürfte die Zahl der an dem großen Auftrag arbeitenden Volks­genossen rund 10 000 betragen.

Das Erntedankfest - Abzeichen 1935 ist also ein Gruß des Obererzgebsrges und seiner fleißig schaf­fenden Bevölkerung, i'ft ein Gr u ß aus einem Notstandsgebiet, das hoch im Gebirge und hart an der Grenze des Reiches dringend der Hilfe der deutschen Volksgenossen bedarf. Erinnere sich darum ein jeder, wenn er das schmucke Abzeichen zum Erntedanktag trägt, des Grenzlandkreises Ober­erzgebirge und denke daran, das dort oben an der Grenze eine eiserne Schar steht und treu Grenzland­wacht hält.

Ser deutsche Bauer beteiligt sich am 6. Oktober am Erntedanktag aus dem Bückeberg bei Hameln.