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Mittwoch, 19. Zuni |935

HU40 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

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Benjamin Franklin war nicht der Mann, die Idee ohne Ausführung zu lassen, wenngleich es auch galt, dem Himmel den Blitz zu entlocken. Bei einem Versuch, mit einigen stark geladenen Flaschen einen Hahn zu töten, hatten sich die geladenen Flaschen freilich aus Versehen schon über seinem Haupt entladen und ihn besinnungslos zu Boden geworfen; dennoch hatte er vor der viel stärkeren Entladung des Blitzes keine Angst.

Da das Experiment zur Feststellung, ob der Blitz ebenso wie das elektrische Fluidum durch Spitzen .angezogen wird, nur von hochgelegenen Punkten aus gemacht werden konnte und Philadel­phia keine Türme besaß, kam Franklin auf den Gedanken, den Versuch mit einem Drachen zu wagen. Er befestigte an einem Drachen eine aufrechtstehende eiserne Spitze, besorgte sich zum Steigenlassen des Drachens eine Hanfschnur, da Hanf die Elektrizität leitet, und brachte an ihrem unteren Ende einen Schlüssel an, welchen er wieder mit einer Seidenschnur versah, da die Seide den Strom nicht leitet und daher während des Experi­mentes von ihm in der Hand gehalten werden konnte.

Als dann an einem Juninachmittag im Jahre 1752 ein Gewitter heraufkam, ging er mit seinem Sohn, der allein in seinen Plan eingeweiht worden war, ins Freie und schickte den Drachen in die

tägiger Schlacht mag Bolivien von der Aussichts­losigkeit seiner Hoffnungen überzeugt haben. Die Verhandlungen gingen hin und her. Bald herrschte ein erstaunlicher Optimismus, daß das ganz Süd­amerika bewegende, teilweise tief erschütternde Problem unmittelbar vor einer glücklichen Lösung stände, bald griff wieder ein nach Lage der Dinge keineswegs gerechtfertigter Pessimismus um sich. Stets aber war es der argentinische Außenminister, dessen Zähigkeit, Energie und diplomatischem Ge­schick es immer wieder gelang, bei den Verhand­lungen von dem jeweiligen toten Punkt wieder freizukommen.

Das Abkommen über die Waffenruhe sollte be­reits am 11. Juni um 23 Uhr unterzeichnet werden. Ein großer feierlicher Akt war vorgesehen; die Diplomaten im Frack, die hohen Militärs in Gala, so erwartete man den großen Augenblick. Da er­eignete sich noch in letzter Minute ein Zwischenfall, der nicht ganz geklärt ist und wohl auch der Oef- fentlichkeit gegenüber nie ganz geklärt werden wird: man versuchte, die Unterzeichnung eines weiteren Abkommens zu erreichen, das sich mit den bis­herigen Vereinbarungen nicht ganz deckte. Der para- guaysche Außenminister Dr. Luis A. R i a r t er­klärte daraufhin, daß er unter diesen Umständen nicht in der Lage sei, seine Unterschrift unter die

den Drohungen der Bevölkerung zu

Die weitere Verbreitung in Europa ging

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In der Garderobe saß das Kind mit der Pflege­rin. Als er zur Tür hineinkam, ging ein Leuch­ten über sein Gesicht.Bist du Tripstraps?" Ja!" Das blinde Kind fuhr mit der tastenden Hand über sein Gesicht, über die langen Haare, den Zwergenbart. Es wirbelte in Benders Kopf. Was mochte dieses Kind für eine Vorstellung haben von ihm, dem Zwerg, dem Theater, von

Dokumente zu setzen, ohne vorher bei seiner Regie­rung Rückfrage zu halten. Ueberraschung, Befrem­den, Unwillen! Aber Dr. Saavedra Lamas hielt mit eiserner Energie die Vermittlergruppe zusam­men. Die Regierung in Asuncion beharrte darauf, daß sie nur dem ursprünglich vorgesehenen Abkom­men beitreten würde, und dem argentinischen Außenminister gelang es, um 2 Uhr morgens er­neut eine Einigung auf das ursprüngliche Abkom­men herbeizuführen, so daß am 12. Juni mittags die feierliche Unterzeichnung erfolgen konnte, die dem Ringen am Chaco ein Ende bereitete. Was der diplomatische Sieg Saavedra Lamas tatsächlich bedeutet, wird sich in der Zukunft sichtbar erweisen.

Unverkennbar ist heute bereits: Südamerika hat bewiesen, daß es seine Probleme allein zu lösen imstande ist. Unverkenn­bar ist ferner, daß Südamerika entschlossen ist, auch in Zukunft seine Probleme allein zu regeln; das will sagen, daß Genf für Süd­amerika nur noch insofern Bedeutung hat, als es sich um die Regelung von Problemen außer­halb Südamerikas, also in der Hauptsache europäischer Probleme handelt. Unverkennbar ist schließlich, daß in Südamerika Argentinien heute die unbestrittene und unbestreitbare V o r - macht st ellung hat.

Der Friede im Gran Chaco ist nach menschlichem Ermessen gesichert. Derjenige, der dem Kontinent den Frieden gebracht hat, ist unleugbar der argen­tinische Außenminister Dr. Saavedra Lamas.

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Hochschulnachnchten.

Professor Dr. Hans Niederweyer, Extra- Ordinarius für römisches und bürgerliches Recht an der Universität Göttingen, ist zum ordentlichen Professor in der Göttinger Rechts- und Staats- wissenschaftlichen Fakullät ernannt worden.

©er Kerl konnte nicht zeichnend

Zu einem Kunsthistoriker soll Adolph Menzel einmal über Dürer gesagt haben:Ja, da haben Sie recht, über Dürer zu arbeiten! Endlich können Sie dabei mal den Leuten zeigen, daß Der Kerl nicht zeichnen konnte." Ein derart ablehnendes Urteil unterBerufskollegen" gehört auch bei den Künstlern nicht zu den großen Seltenheiten, wie eine Reihe solcher Aussprüche beweist, die soeben in der bei Bruckmann in München erscheinenden ZeitschriftDie Kunst für Alle" angeführt werden. Der Maler Friedrich Preller äußerte kurz und bündig über die Mediceische Venus:Die is ä kokettes Schindluder!" Dan Dyck bemerkte von Frans Hals:Wenn Hals in seiner Farben­mischung etwas mehr Zartheit oder Schmelz gehabt hätte, so wäre er einer der größten Meister ge­wesen." Greco äußerte über Michelangelo: Michelangelo war ein guter Mann, aber malen hat er nicht gekonnt." Der französische Maler M e i s s o - nier urteilte über Giorgione:Hat man je etwas Lächerlicheres gesehen wie die Idee dieses Giorgione: Nackte Frauen mitten in der grünen Landschaft und dazu die Flötenspieler! Wenn man sich heute einfallen ließe, so etwas zu malen, würde man schön ausgelacht werden." Nicht sehr viel freundlicher sind C a r r a ch i s Worte über Tin - toretto:Seine Werke stehen in der Qualität bald über Tizian, bald stark unter dem Nichts.

Das Experiment von Philadelphia.

Eine Erinnerung an Benjamin Franklin, den Erfinder des Blitzableiters

Von Hermann Lllbrich-Hannibal.

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langsam. Zunächst rüstete die Republik Venedig ihre Kriegsschiffe mit Blitzableitern aus, einige englische Schiffe folgten, und dann ließ Friedrich Wilhelm II. in Preußen auf allen öffentlichen Ge­bäuden Blitzableiter anbringen.

Gottlosigkeit" eine Broschüre über den Nutzen der Erfindung drucken und unter der frommen Be­völkerung der Stadt verteilen lassen, um sich vor ~ ' * "" schützen.

Friede im Gran Chaco

Von unserem Or. M. I.-Äerichierstaiter.

Nie große DRolte.

Von per Schwenzen.

Gert Bender war ein von seinem Beruf besesse­ner Schauspieler. Keine Probe konnte ihm zu lange dauern, er setzte sich mit allen Sinnen und Kräften für seine künstlerische Aufgabe ein, die ihm nie zu groß war. Leider aber des öfteren zu klein. Er war peinlich darauf bedacht, daß er die ihm jeweils zustehende Rolle erhielt und nicht zuletzt von ihm hochgeschätzten Persönlichkeit etwas vergab.

Und eines Tages war am schwarzen Brett am Bühneneingang angeschlagen:Arrangierprobe Km- dermärchen", und Gert Bender hatte m der Kanzlei des Theaters eine Rolle ausgeliefert er­halten, die ihm mit dem Schwergewicht feiner künstlerischen Persönlichkeit unvereinbar erschien: den Zwerg Tripstraps! Er wurde sofort beim Direktor vorstellig und wollte sich wie es im Theaterjargon heißtden Tripstraps abschmm- ken", die Rolle abgeben. Denn erstens war der Zwerg kein jugendlicher Charakterspieler, behauptete er, sondern allenfalls ein jugendlicher Komiker, wo­für er, Gert Bender, nicht engagiert sei, und zwei­tens stehe der Zwerg im Schatten des Froschkonigs und dergleichen Spitzfindigkeiten mehr. Der Di­rektor hämmerte mit seiner kleine Bronzebuste von Josef Kainz auf den Schreibtisch, bis die Glas- platte sprang:Und ich sage Ihnen, Bender, Sie spielen den Zwerg!"

Bender wollte geltend machen, daß er als erster jugendlicher Charakterspieler überhaupt nicht ver­pflichtet sei, in einem Klndermarchen mitzuwirken Ein Kindermärchen sei ja doch künstlerisch nicht ernst zu nehmen, demnach fei die Besetzungsfrage überhaupt nicht so feierlich. Für den Tripstraps kämen verschiedene Anfänger in Frage, die glück­lich sein würden, endlich einmal mehr als em Dutzend Worte von sich geben zu dürfen. Da kam er aber bei dem sonst so sanften Erektor, der überdies durch die zersprungene Glasplatte m Harnisch gebracht war, schlecht an:Und nun spielen Sie den Zwerg erst recht, mein lieber Ben­der!" Gerade das eine hätten Sie nicht sagen sollen: Kindertheater etwas Zweitrangiges? Wer, glauben Sie, hat das Theaterspielen überhaupt er­funden, die Erwachsenen oder die Kinder? Ihre oberflächliche Betrachtung zeugt schon davon, oatz Sie noch lange kein erwachsener Schauspieler smo, sonst hätten Sie mehr Respekt vorm Kinde. Nichts ist wichtiger, verantwortungsvoller, als für Kinder zu spielen. Ich lege Ihne» bte Stalle doppelt ans

Herz. Sie wird Ihnen, wenn Sie offenen Her­zens drangehen, der Schlüssel zur richtigen Erkennt­nis Ihres Berufes, sie wird Ihnen ein bleibendes Erlebnis werden!" Und sehr verdutzt und klein­laut sah Bender sich hinauskomplimentiert. Die Proben begannen.

Der Zwerg Tripstraps führte das arme Mädchen durch das Märchenland zu den Sternen... Statt der Märchentiere, die erst in den Werkstätten an­gefertigt wurden, standen einige Stühle und Sche­mel umher. Bender probierte zunächst mit Wider­willen und Hemmungen. Aber irgendwie waren ihm die polternden Worte des Direktors doch unter die Haut gedrungen. Er kämpfte sich in den ver­dammten Tripstraps hinein. Schon klang der Name ihm nicht mehr so lächerlich. Schon gewann er Freude daran, ein Geschöpf aus Walderde, Wur­zeln und tierhafter Laune, boshaft und treu, unbe­holfen und schlau zugleich, zu erfinden und zu ge­stalten. Obwohl er es seinem Standpunkt schuldig war, jedesmal seufzend die Bühne zu betreten, Randglossen zu den Anweisungen des Regisseurs zu machen und quer über sein Rollenbuch das schöne WortBockmist" zu schreiben, mußte er sich doch selbst gestehen, daß er schon Freude an der Rolle gefunden, daß der Direktor schon heute recht behalten hatte. Die Aufführung wurde, nicht zuletzt durch die jubelnde Anteilnahme der Kin- derschar in Parkett und Rängen, ein Erfolg, und Gert Bender konnte in den Blättern lesen, daß er ein vorzüglicher Tripstraps war.

Am vierten Nachmittag aber, an dem er Die Rolle spielte, sollte das Erlebnis Wahrheit werden, von dem der Direktor wenn auch in anderem Sinne so prophetisch gesprochen hatte.

Im zweiten Akt hatte Tripstraps auf seinen Wanderungen zwischen Mond und Sternen über das verdeckte Orchester ins Parkett zu steigen und sich mit den einzelnen Kindern zu unterhalten, ob sie ihm wohl den Weg zu dem Großen Baren aaen könnten. Alle konnten es, denn er hing, qanz groß und deutlich als Bär zu erkennen, cm Theaterhimmel. Gert Bender machte es jedesmal besonderen Spaß, sich in irgendeine Parkettreihe hineinzuzwängen, an teils Melnden teils scheu ergriffenen Kindern vorbei, sich irgendein Bur|ch- lein oder Mädelchen auszusuchen und nut ihm zu plaudern. Zunächst versicherte er, daß er em sehr artiger und kinderlieber Zwerg sei und dann fragte er, wo denn wohl der Große Dar, der chonste Stern, der tagsüber aus der Milchstraße trinke, zu finden wäre. Und ledesrnal erhielt er Auskunft. Diesmal aber geschah etwas Seltsames

©eri Bender nahm ein Meines Mädchen auf, setzte

Nach den neuen Entdeckungen einiger deutscher, englischer und französischer Gelehrten auf dem Ge­biete der geheimnisvollen elektrischen Naturkraft war es gegen die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts in Europa Mode geworden, sich mit der Elektri­siermaschine die Zeit zu vertreiben. Man hatte an den Höfen, in den Salons, in allen gebildeten Kreisen und in allen Schulen Freude daran, mit der Elektrisiermaschine Vögel zu töten, Spiritus zur Ent­zündung zu bringen oder andere Kunststücke zu ver­suchen.

Deshalb war es kein Wunder, daß Mister Col­li n s o n, ein gelehrtes Mitglied der Königlichen Gesellschaft von London, auf den Gedanken kam, eine solche Maschine mit der dazu gehörigen Ge­brauchsanweisung über den großen Teich an die Amerikanische Philosophische Gesellschaft in Phila­delphia zu schicken, deren Mitglieder eifrig bemüht waren, sich durch Schriftwechsel über alle neuen Er­fahrungen und Entdeckungen unterrichtet zu halten.

Benjamin Franklin, der ehemalige Buch­drucker, der vor einiger Zeit in Boston schon eine Elektrisiermaschine zu Gesicht bekommen hatte, war als Gründer der Philosophischen Gesellschaft über das Geschenk aus London sehr erfreut und ergriff begierig die Gelegenheit, um die Versuche zu wieder­holen, die er in Boston gesehen hatte. Er erwarb sich durch praktische Hebung bald eine große Fertig­keit zur Veranstaltung aller möglichen Versuche, um so mehr als sein Haus gewöhnlich von Menschen wimmelte, die das elektrische Wunder kennenlernen wollten, und wurde selber zu Versuchen und Ent­hüllungen angeregt.

Er stellte nicht nur die erste elektrische Bat­terie her, die die Experimente mit höherer Wir­kung möglich machte, sondern entdeckte auch die posi­tive und die negative Betätigung der Elektrizität und kam schließlich zu der Heberzeugung, daß die Elektrizität und der Blitz ein und dieselbe Erschei­nung und der Blitz nichts anderes als ein riesiger elektrischer Funken sei.

Das elektrische Fluidum", so schrieb er am 7. No­vember 1749 in sein Tagebuch,stimmt mit dem Blitz in folgenden Eigenschaften überein: 1. in dem

Licht, das beide geben; 2. in der Farbe des Lichts; 3. in dem Zickzack ihres Ganges; 4. in der Schnellig­keit ihrer Bewegung; 5. darin, daß sie durch Metalle geleitet werden; 6. in dem Schlage bei ihrer Explo­sion; 7. darin, daß sie in Wasser und Eis bestehen; 8. im Zerreißen der Körper, durch welche sie fahren; 9. im Töten der Tiere; 10. im Schmelzen der Me­talle; 11. im Entzünden brennbarer Stoffe; 12. im Schwefelgeruch, der beiden gemein ist. Das elektrische Fluidum wird durch Spitzen angezogen. Wir wissen nicht, ob dies beim Blitz ebenfalls der Fall ist. Da sie aber sonst in allen Einzelheiten, in welchen wir sie vergleichen können, übereinstimmen, so ist es wahrscheinlich, daß es auch in diesem der Fall sein wird. Machen wir den Versuch!"

Ich habe dich gerne, Tripstraps!" sagte es. Es war Gert Bender, als schnüre ihm etwas die Kehle zu Glück? Trauer?Bist du ein Zwerg?"Ja, ein ganz kleiner Zwerg mein Kind..."Ist es schön, ein Zwerg zu fein?" Ja, mein Kind es ist wunderschön!"

Höhe. Zunächst schien der Versuch nicht von Er­folg zu sein. Als er jedoch, nachdem der Regen Die Schnur durchnäßt hatte, den Knöchel seines Ringfingers an den Schlüssel hielt, bekam er einen stark e n Schlag. Unb immer wenn er sich wie­der mit dem Finger dem Schlüssel näherte, ent­fuhren elektrische Funken. Zum Schluß seines Experimentes lud er noch eine Flasche mit der Elektrizität der Gewitterwolke, die über Phila­delphia am Himmel stand.

Eine außergewöhnliche Tat war vollbracht. Kein Erdenbürger vor Franklin hatte den zerstörenden Blitz herausgefordert, kein Sterblicher ihm so ins Auge gesehen wie er.Prometheus hatte den Göt­tern einen Funken des himmlischen Feuers ent­wendet."

Aber der Bericht, den Benjamin Franklin überdie Identität des Blitzes mit der Elektrizi­tät" an die Königliche Gesellschaft von London schickte, fand zunächst keine besondere Aufmerk­samkeit. Er wurde zwar in der Gesellschaft ver­lesen, aber von den Sachverständigen belacht. Als man diesen Bericht und andere Briefe Franklins über seine Experimente aber dem Doktor Fother­gill zeigte, wurden sie auf dessen Veranlassung dem Druck übergeben. Sie erregten großes Erstau­nen und wurden in viele Sprachen übersetzt.

Der Abb6 Rollet, der Physiklehrer der könig­lichen französischen Familie, wollte sogar nicht glau­ben, daß die Briefe tatsächlich von einem Manne namens Benjamin Franklin aus Philadelphia stammten. Er dachte, sie wären von seinen Fein­den in Paris fingiert, um sein System in Verruf zu bringen und veröffentlichte daher einen Band Gegenbriefe, in denen er die Wahrheit der Experimente von Philadelphia in Abrede stellte. Er mußte aber dennoch erleben, daß sich alle Phy­siker Europas von seiner Lehre abwandten und sich zu den Forschungen Franklins bekannten.

(Durch Luftpost.)

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Buenos Aires, 12.Juni 1935.

Der 12. Juni 1935 wird ein Markstein in der Geschichte Südamerikas sein: Mittags um 12.35 Hhr wurde im Weißen Saale des Regierungspalastes zu Buenos Aires zwischen den Außenministern B o - Hütens und Paraguays als Bevollmächtig­ten ihrer Regierungen ein Abkommen unterzeich­net, das zunächst zwar nur eine befristete Ein­stellung der Feindseligkeiten zwischen Bolivien und Paraguay vorsieht, dessen Bestimmungen aber dar­über hinaus unter der Garantie der Vermittler­mächte Argentinien, Brasilien, Chile, Peru, Ver­einigte Staaten von Nordamerika und Hruguay für die beiden kriegführenden Mächte derart bindend und verpflichtend sind, daß an ein Wiederaufleben der Feindseligkeiten nicht mehr zu denken sein wird. Praktisch ist damit der Friede in Süd­amerika wiederhergestellt! Ein mehr­jähriger heißer Krieg, der fast bis zur Erschöpfung Der Gegner geführt hat, ist beendet.

Die Friedenskonferenz wird keine leichte Auf­gabe haben, denn die Probleme, die sich inzwischen aufgerollt haben, sind zahlreich und kompliziert, und oft noch werden die Verhandlungen auf des Messers Schneide stehen. Aber ob der Ständige Internationale Gerichtshof bemüht werden .wird, der als letzte, endgültig entscheidende Instanz in Zweifelsfällen vorgesehen ist, erscheint sehr fraglich. Denn Südamerika ist gewillt, seine Probleme allein innerhalb der südamerikanischenVöl- kergemeinschaft zu lösen, was durch den Abschluß des Abkommens vom 12. Juni über die Waffenruhe im Gran Chaco bereits eindeutig be­wiesen sein dürfte.

Die kriegerischen Ereignisse an der Chaco-Front hatten für die Nachbarländer Boliviens und Para­guays allmählich Folgen gezeitigt, die eine Be­endigung des Krieges dringend wünschenswert er­scheinen ließen. Verschiedene Versuche, den Konflikt beizulegen, waren zum Scheitern verurteilt, weil die Verhältnisse zu einer annehmbaren Lösung zwei­fellos noch nicht reif waren. Das Verhalten des Völkerbundes hatte die südamerikanischen Völker belehrt, daß von ihm eine befriedi­gende Regelung keinesfalls zu er­warten war. Also nahm Südamerika sein Schick­sal in die eigenen Hände. Unb was dem Völkerbund in jahrelanger Tätigkeit nicht gelungen war, das gelang ber Vermittlergruppe, die sich unter Füh­rung Argentiniens gebübet hatte, in genau Monats- f Am Abenb bes 11. Mai waren bie Vertreter Ar­gentiniens, Brasiliens, Chiles, Perus unb ber Ver­einigten Staaten zusammengetreten unb hatten offi­ziell bieVermittlergruppe" konstituiert, zu ber bann etwas später Uruguay hinzutrat Den Vor­sitz führte von Anbeginn an ber argentinische Außenminister Dr. Saavebra Lamas, bessen Persönlichkeit sich als bie eigentlich führende bei der Vermittlungsaktion immer stärker bei ben 23er» hanblungen herausschälte.

Die Aufgabe ber Vermittlermächte war keines­wegs leicht. Die Gegensätze zwischen Bolivien unb Paraguay hatten sich im Laufe ber Jahre eher verschärft als gemilbert. Dazu kam, baß Paraguay, bas auf bem Schlachtfelb unbestritten ber Sieger ist, auf Grund mancher trüben Erfahrungen von bem nicht unberechtigten Mißtrauen erfüllt war, baß es burch bie Feber ber Diplomaten um ben Sieg bes Schwertes gebracht werben sollte. Dazu kam ferner, baß Bolivien sehr ernstlich innere Un­ruhen befürchten muß, wenn bei ber Rückkehr bes Heeres unb ber Kriegsgefangenen bie Wahrheit, baß Bolivien Hefen Krieg verloren hat, bekannt wirb. Deshalb hoffte es noch immer, burch Einsatz äußerster Kampfmittel bem Schicksal auf bem Schlachtfelde eine Wenbung zu geben. Der letzte große Sieg ber Paraguayer bei Jngavi nach elf-

Da Franklin schon vor vielen Jahren verschie- bene Schritte zur Bekämpfung von Feuers- b r ü n ft e n unternommen hatte, führte ihn seine Beobachtung, baß eine Drahtspitze ben Blitz an­ziehe, zu bem Schluß, baß, wenn man solche Spitzen auf ben Oebäuben anbringt unb sie burch eine Drahtleitung mit ber Erbe oerbinbet, ber einschla- genbe Blitz abgeleitet wirb unb bie Ge- bäube von ber Blitzgefahr verschont bleiben. Aus biefer Folgerung entstaub ber Blitzableiter.

Die Menschheit hatte zu ber neuen Erfinbung zunächst allerdings wenig Zutrauen. Sie wagte es nicht, die zugespitzten Drahtstangen auf ben Häuserbächern zu errichten. Den ersten Blitz­ableiter brachte Benjamin Franklin auf bem Hause bes Kaufmannes W e st in Philadelphia an. Er bestaub aus einem Eisenstab von 3 Meter Länge unb 27 Millimeter Durchmesser unb würbe burch eine metallene Leitung mit ber Erbe oerbunben. Nach brei Jahrzehnten hatten aber schon alle öffentlichen Gebäube Philadelphias Blitzableiter, bis auf bas Haus ber französischen Gesandtschaft. Der Gesanbte hatte sich bem Blitzableiter gegen­über zu ber ablehnenden Haltung seines Vaterlan» bes bekannt. Als im Jahre 1782 jeboch ein Blitz in bas Gesaubtschaftsgebäube schlug unb einen Offizier tötete, war auch erblitzschnell" von ber Nützlichkeit ber neuen Erfindung überzeugt.

In Europa würbe ber Blitzableiter burch den Schweizer Naturforscher S a u f f u r e, der die erste Moutblauc-Besteiguug veranlaßt hat, eingeführt. Er versah fein Haus in Genf im Jahre 1771 mit einem Blitzableiter, mußte aber wegen feiner

es auf seinen Schoß und begann seine Zwergworte zu sprechen. Aber das Kind antwortete nicht. Es hielt den Kopf gesenkt, die Händchen vor die Stirn gepreßt wie in ungeheurer innerer Anstren­gung oder Erregung. Ja, wahrhaftig, es zitterte. Die Mutter war es die Mutter?, die neben ihm saß, streichelte dem Kinde den Kopf und sprach beruhigend ein aber es antwortete nicht, es ver- riet dem Zwerg nicht, wie er zum Großen Bär ge­langen könne . . . Gert Bender war peinlich be­rührt. Dieses krankhaft schüchterne Kind unterbrach die Vorstellung! Er war gewöhnt, als ein belieb­ter und angenehmer Darsteller gefeiert zu werden, ob beim Fünf-Hhr-Tee bei Geheimrats oder hier in der Kinderschar. Etwas betreten gab er feine Bemühungen um die Kleine auf, um so mehr, als die umsitzenden Kinder ihm den gewünschten Aus­schluß gaben. Da aber, als er gerade, und zwar mit einer ganz rollenwidrigen und konfusen Ver­beugung gegen die erwachsene Begleiterin der Kleinen, gehen wollte schrie das Kind wie in höchster Verzückung auf, die Arme ausgestreckt, etwas an ihm vorbei, mehr in Richtung der Bühne: Tripstraps! Schwester, war das Tripstraps? Tripstraps, bleib da!" Er blickte überrascht hin und begriff: Blind!

Oben auf der Bühne quäkte schon der ver­dammte Frosckkönig, in dessen Schatten seine Rolle leider stand, Die Märckentiere drängelten schon schlurfend in der Kulisse, die Musikanten klapper­ten mit den Instrumenten, gleich begann das große Fabeltierballett mit Nachtigallensolo er mußte unbedingt hinauf auf die Bühne. Rasch flüsterte er der Dame zu:In der Pause Garde­robe drei!"

Er konnte sich kaum auf seine Rolle konzentrie­ren. Das Kind war blind. Es sah nichts von all dem Maskentrubel, den Zaubertieren, nicht Tripstraps mit dem rotbraunen Zottelbart, nicht den goldenen Bären, der über der Milchstraße hin... Es hörte nur und in dem schwarzen Nachthimmel seiner Phantasie flammten Gestirne und Gestalten auf, rannen Worte und Klänge der Bühne zu erhabenerem Leben zusammen oder nicht? Oder lebte das Wort in ihm eigen- wüchsig losgelöst vom Körperlichen er, Trips­traps, Gert Bender, er war eine Stimme, eine Wort- und Gedankenreihe, ein Suchen und Führen zum Goldenen Bären der diesem blinden Kinde Begriff geworden, lieb geworden war.Bleib hier!" hatte es gerufen. Der Froschkönig prustete ihn ärgerlich an, platschte ihn mit Wasser auf den Bauch Himmel ja! Der Text! Er stand ja auf der Bühnett