GaWrleversammlung des Kreises Gießen.
Die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und B e- herbergungsge w e rbe, Kreisgruppe Gießen, hielt am gestrigen Dienstagnachmittag in Gießen im Katholischen Lercinshaus eine außerordentlich stark besuchte Versammlung ab.
Kreisgruppenleiter Leopold Herr (Gießen) gab seiner Freude über das große Interesse Ausdruck und wünschte nur, daß es in gleichem Maße allen Fragen des bedrängten Gewerbes entaegengebracht werden möchte. Er begrüßte die Vertreter der DAF., Kreisbetriebszellenleiter Stein und Kreis- fachschaftswart Goldermann.
Der Kassenwart der Bezirksgruppe Hessen, S ch l u p p (Darmstadt), sprach dann über
die neue Beitragsordnung.
Durch Gesetzesregelung von 1934 ist die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherberaungsgewerbe zur Zwangsorganisation und Körperschaft des öffentlichen Rechtes erhoben worden. Dadurch ist jeder Betriebsunternehmer zum Beitritt und zur Beitragszahlung gesetzlich verpflichtet. Betriebsunternehmer ist, wer Lebens- oder Genußmittel zum Verzehr an Ort und Stelle abgibt. Wer der Wirtschaftsgruppe bisher noch nicht angehört hat, muß Beitrag und Eintrittsgeld nachbezahlen. Die neue Beitraasordnung verpflichtet alle zur Beitragszahlung. Die Höhe des Beitrages ist gestaffelt nach der Anzahl der Gefolgschaftsmitglieder des Betriebes. Als Gefolgschaftsmitglieder zahlen auch die eigenen Kinder über 16 Jahre, die beschäftigt werden, ganz gleich, ob sie dafür entlohnt werden oder nicht. Dom Beitrag befreit können werden: Handwerker, sofern sie zur Handwerkerstammrolle angemeldet sind und im Gastwirtsbetrieb einen Jahresumsatz von 3000 Mark nicht erreichen; Einzelhändler, die der „Rekofei" angeschlossen sind und deren Umsatz 3000 Mark nicht erreicht, zahlen die Hälfte des ihrer Stufe entsprechenden Beitrages; Landwirte, die dem Reichsnährstand angehören und deren Umsatz 2000 Mark nicht übersteigt, sind beitragsfrei, sofern sie einen Antrag einreichen. Erbhofbauern können von der Beitragszahlung in keinem Falle befreit werden. Landwirte, die nicht von der Konzession leben, mögen diese freiwillig im Interesse der existenzlosen Kollegen abgeben. In begründeten Fällen können auf Antrag Stützungen oder Er
leichterungen eintreten, wenn unbillige Härten auszugleichen sind. Für Beitragsschulden gibt es keine Stundung. Der Beitrag ist Bringeschuld und muß monatlich im voraus entrichtet werden. In den Beitrag eingeschlossen ist der Bezugspreis für das Fachblatt. Beitragsfreie Betriebe sind Mitglied der Gruppe und haben gleiche Rechte, wie die zahlenden Mitglieder. Ihnen steht, wie allen Mitgliedern, der Anspruch auf kostenfreie Inanspruchnahme der Rechts- und Steuerberatung zu.
In einer längeren Aussprache wurden die verschiedenartigsten Fragen der Beitragszahlung, Steuerberechnung, der Stagma, der Schlachtscheine u. a. gestellt, die der Redner in seiner Eigenschaft als Sachverständiger des Treuhänders beantwortete.
Zur Frage der Berufs- und Laien- Musiker wurden die Tarifordnungen ausgegeben und der Wunsch ausgesprochen, daß den erwerbslosen und den verheirateten Musikern der Vorzug gegeben werden möge.
Kreisfachschaftswalter Goldermann von der DAF. brachte die Frage der Aushilfskellner zur Sprache. Er betonte auch hierfür die Bevorzugung der erwerbslosen Berufskellner. Erfahrungen berechtigen zu der Forderung, daß die vom Arbeitsamt zur Aushilfe beorderten Arbeitskameraden nicht durch mangelnde Unterstützung behindert werden dürfen, indem zugleich Laienkellner heran- aeholt werden oder nur ein teilweiser Verkauf (Getränke oder Speisen) gestattet wird.
Kreisbetriebszellenleiter Stein überbrachte die Grüße des Kreiswalters der DAF. Wagner und sprach dann von der DAF. als der Organisation aller schaffenden Deutschen. Auf der einen Seite ist jeder einzelne zur Eingliederung in seine Fachorganisation verpflichtet, auf der anderen Seite gehören alle diese Einzelorganisationen, sowohl die der Betriebsführer, wie die der Gefolgschaftsmitglieder, der DAF. an. Aufgabe der DAF. ist es, alle diese Untergliederungen im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung sozialpolitisch zu be- treuey, durch Förderung ihrer fachlichen Einzelberufsfortbildung ihren Blick auf das Ganze ous- zurichten und in sachlicher Hinsicht zu fördern. Der Führer verläßt sich auf die Kraft und den Arbeitswillen seines Volkes. Er soll sich nicht täuschen, und
wrr, seder einzelne, wollen im stolzen Gefühle dieses Vertrauens zusammenstehen, Beruf, neben Beruf, Betriebsführer neben Gefolgschaftsmann, alles Arbeiter am Wiederaufbau des Volkes und Vaterlandes.
Kreisgruppenführer L. Herr dankte im Schlußwort den Rednern und Besuchern und wünschte ihnen ftohes Fest und guten Jahresanfang. Die Versammlung schloß mit dem Treugelöbnis zum Führer.
Wirf die Büchse nicht weg!
„Halt! Hausfrau! Wirf nicht die leere Konservenbüchse fort!"
„Warum soll ich die leere Konservenbüchse denn behalten? Damit kann ich doch nichts anfangen."
„Du wohl nicht, aber andere."
„Andere? Wem soll ich denn die Büchse geben? Die nimmt mir kein Mensch ab. Ich bin froh, wenn ich sie irgendwie los bin."
„Sag' nicht, die nehme dir keiner ab! Leere Konservenbüchsen sind eine gesuchte Ware."
„Dor Jahren schon habe ich häufiger versucht, unserem Alteisenkrämer solche Konservenbüchsen und anderen Krempel und Schrott zu verkaufen. Aber der Mann hat sich schön dafür bedankt. Er wollte den Plunder nicht einmal umsonst haben. Und da kommt nun einer, um mir zu erzählen, leere Konservenbüchsen seien eine gesuchte Ware! .Lohnt sich ja gar nicht die Fracht!, hat der Alteisenkrämer gesagt."
„Da mag der Mann ganz recht gehabt haben. Gewiß hat sich bis vor kurzer Zeit die Fracht bei solchem Altschrott nicht gelohnt. Aber es ändert sich mit der Zeit so manches, warum sollen nicht auch einmal die Verhältnisse für den bisher so mißachteten Schrott sich bessern. Ueberall in der Welt ist die Nachfrage nach Schrott gestiegen. Manche Staaten haben ihren Schrottverbrauch vervielfacht. Die Folge des stärkeren Verbrauches und der stärkeren Nachfrage sind verständlicherweise höhere Preise. Niemals bisher war die Nachfrage nach Schrott so groß wie in diesen Tagen, niemals zuvor sind die Preise so steil in die Höhe gegangen wie jetzt. Schon allein aus diesem Grunde ist das Altschrottsammeln auch auf deinem abgelegenen Hofe lohnend geworden."
„Wofür wird denn nun eigentlich das alte Gerümpel, dieser Altschrott gebraucht?"
„Altschrott, und überhaupt Schrott, Bäuerin, ist ein sehr wichtiger Rohstoff für unsere Industrie. Vor allem die Stahlgewinnung, aber auch die Eisenerzeugung braucht viel Schrott. Von den Rohstoffen der Stahlherstellung ist fast die Hälfte Schrott. Außerdem haften sehr oft dem alten Blech, ob es nun für Siebe oder Eimer oder sonstwas verwandt worden ist, sehr wertvolle Ueberzüge von Metallen an, die wir im Reiche selbst nicht finden und die darum doppelt wertvoll find. Wenn wir beispielsweise hundert Pfund solcher Konservenbüchsen, wie du da eine in der Hand hast, sammeln und verarbeiten, so können wir dabei zwei Pfund des für uns so wertvollen Zinns gewinnen. Und so ist das mit manchen anderen Dingen auch. Wir haben jetzt in Deutschland nicht Devisen genug, daß wir nach Herzenslust jene Metalle oder auch nur Schrott, von dem unsere Industrie viele Millionen Tonnen braucht und den sie großenteils draußen kaufen muß, einführen könnten. Was wir bei uns gewinnen können, dürfen wir nicht bei anderen kaufen."
„O, das versteh' ich wohl! Wir müssen uns nach dem Vorhandenen richten!"
„Sieh! Darum auch kommt es darauf an, daß jeder alte Eimer, jede alte Kanne, überhaupt jeder Altschrott erhalten bleibt und der Industrie zugeführt wird. Auch die Eisenbahn, die sich lange geweigert hat, die Frachten für Schrott, die den ganzen Schrottverkehr unwirtschaftlich machten, zu senken, hat sich jetzt zu erheblichen Nachlässen bereit gefunden. Zum Teil geschieht der Versand zu Sätzen, die unter der Hälfte der früheren liegen. Auch die Eisenbahn setzt eben alles daran, um die Rohstoffversorgung unserer Industrie mit heimischen Rohstoffen zu erleichtern."
„So wird jetzt wohl auch unser Alteisenkrämer solchen Schrott nehmen?"
„Ganz gewiß wird er ihn nehmen! Er wird sogar dafür gut zahlen. Selbstverständlich kann keiner von dem Ältschrott, der auf dem Hofe anfällt, reich werden, aber es gibt doch immer etwas dafür, und das ist besser als gar nichts. Dazu für eine Ware, die einem sonst doch immer bloß im Wege liegt!"
„So werde ich also gescheiterweise diese Konservenbüchse nicht wegwerfen, sondern sie sorgsam beiseite stellen. Und dann will ich noch zusehen, wo denn sonst im Hofe noch Altschrott herumliegt. Bald kommt der Krämer, dann will ich gewiß für ein paar Groschen zusammen haben."
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